Online-Werbung, dir geht es gut. Wenn es eines Beweises bedurft hätte, die OMD
(Online Marketing Düsseldorf) lieferte ihn. 50 Prozent mehr Aussteller
als im Vorjahr, vervierfachte Fläche und dank 4.000 Gästen rappelvolle
Messestände zeigten eine wieder von sich selbst überzeugte Branche. Das
Elend eine Halle weiter, wo die Direktmarketer gleichzeitig versuchten,
ihre ehemals glanzvolle Universalmesse DIMA vor der Selbstauflösung zu
bewahren, verstärkte den Eindruck. Bei den Klassik-Kollegen hat sich
die Zahl der Aussteller in zwei Jahren halbiert. Die E-Mail-Versender
waren erstmals nicht mehr auf beiden Messen präsent, sondern komplett
zu den Onlinern gewechselt.
Daß die OMD wie aus dem
Nichts zur wichtigsten Präsenzveranstaltung der Internetwirtschaft
geworden ist, überrascht denn doch. Der Verkauf von Anzeigenplatz ist
erst einmal nur für einen kleinen Interessentenkreis relevant. Werbung
bleibt neben dem E-Commerce aber der Internetmotor schlechthin. Der
Web-Vermarkter-Lobbyistenverein AGOF geht davon aus, im kommenden Jahr
rund 5 Prozent des gesamten Werbemarktes abzudecken. Das ist mit
Sicherheit vollkommen übertrieben - im vergangenen Jahr waren es mit
viel Schönrechnen gerade zwei Prozent - aber auch wiederum bezeichnend
fürs aktuelle Selbstbewußtsein. Bei aller Glückseligkeit darf nicht
vergessen werden, daß es so schnöde Sparten wie Suchmaschinenmarketing
und CPO-Deals sind, die für das Wachstum sorgen . Die
offene Flanke bleibt die Markenbildung. Daß das Medium in der Lage dazu
ist, steht außer Frage. Doch kaum ein Unternehmen verläßt sich hierauf.
Die OMD hat jede Selbstreflexion hierzu vermieden. Daß Marken nicht auf
das Internet vertrauen, liegt maßgeblich an zwei Aspekten: Zum gibt es
nicht ein Werbeformat, das von den Nutzern auch nur ansatzweise so
akzeptiert ist wie die ganzseitige Anzeige im Magazin oder der
Dreißigsekünder im TV. Und zum anderen fehlt die Kreativität, aus der
wichtigsten Eigenschaft des Internets, der Interaktivität, einen
Mehrwert zu schlagen. Wo ist die Werbung, die sich auf die Zwiesprache
mit dem Nutzer einläßt? Das haben Marken aus den anderen Kanälen
einfach nicht gelernt, und die Online-Vermarkter bringen es ihnen nicht
bei. Hier sind nicht zuletzt Kreativagenturen wie die SinnerSchrader Studios gefordert, den
Marken den Weg zu weisen. FAZ.net hat eine sehr informative Zusammenfassung der Ereignisse.

"Bei aller Glückseligkeit darf nicht vergessen werden, daß es so schnöde Sparten wie Suchmaschinenmarketing und CPO-Deals sind, die für das Wachstum sorgen", endlich mal ein ehrlicher Kommentar zu den ewigen Meldungen das der Online-Werbemarkt wächst. Er wächst, aber immer mehr Kunden sind nicht mehr bereit für eine ordentliche Leistung auch ordentliches Geld zu zahlen. Auf der Messe gab es einen Stand auf dem T-Shirts mit dem Aufdruck "CPO rules" verkauft/verteilt wurden. Was ein Schwachsinn, am Tag rufen mich mehr als fünf Wahnsinnige an, die glauben wir würden ihr Produktrisiko übernehmen und ihre Produkte auf CPO-Basis verkaufen.
Die SEO-Jungs und die Gilde der SuMa-Anbieter verstärken diesen Trend noch, weil allen Unternehmen eingehämmert wird "Das Internet ist ein Vertriebskanal" (http://www.absolit.de/eMail-Marketing/Werbeerfolgskontrolle.htm), ist es aber nicht nur und wenn der Trend so weitergeht, dann werden bald einige Leute echte Probleme haben noch vernünftige redaktionelle Leistungen im Netz anzubieten. Diese sind über CPO-Deals nicht refinanzierbar!
"... dann werden bald einige Leute echte Probleme haben noch vernünftige redaktionelle Leistungen im Netz anzubieten. Diese sind über CPO-Deals nicht refinanzierbar!"
Hör auf zu Jammern! "Content ist King" - nur die alte Werbefinanzierung nicht. Wer sagt denn, das sich alle an ein neues Medium anpassen müssen - nur die werbefinanzierten Onlinejournalisten nicht? Händeringend wird guter Content von allen gesucht, die Waren an den Mann bringen müssen. Gute "SEO-Jungs" helfen aus reinen Bestellseiten Informationsseiten zu machen. Onlineanbieter leisten sich eigene Kommentatoren ("blogger"). Die Suchmaschinen kicken Seiten, die keine anderen Inhalte als Bestellformulare haben. Textinhalte werden bei allen großen Webseiten, die mit Perspektive für die Zukunft angegangen werden, zu einem zentralen Thema. Warum soll die modeinteressierte Frau ihre Fashionnews von einem Server von Springer holen - und nicht von einem bei Neckermann? Wenn es jemals Chancen im online-journalismus gab, dann jetzt.
Die Werber auf der OMD hängen ebenso ihren traditionellen Werber-Ansätzen nach. Spätenstens nach dem Desater für die Musikindustrie sollte sich die Erkenntniss durchgesetzt haben, daß "ignorieren", "Jammern", "Anwälte losschicken" oder "abwarten und aussitzen" nicht für das neue Medium reicht. Für mich war die OMD ein Kulturschock - und mich hat das Gefühl beschlichen, das dort ein Haufen Menschen auf einen Zug aufspringen will, der nicht nur schon längst abgefahren ist sondern auch noch nie an diesem Bahnhof stand.
Nun wenn Du nicht an CPO glaubst, dann glaubst du auch nicht an die Macht des Abverkaufes im Internet. Für mich rechnet sich Online Advertising nur dann wenn darüber auch Geld verdient werden kann (und nicht nur die Website die die Seite schaltet damit geld verdient). Weshalb sonst sollte man eine Digitalkamera mit einer Minimarge online bewerben - um damit Geld zu verlieren? Wohl nicht im ernst. Wenn Du also mit deinen Seiten Geld verdienen willst, dann nur wenn der Werbetreibende damit auch Geld verdienen kannst. Wenn du nicht an einen CPO Deal glaubst - glaube ich auch nicht an deine Seiten - so einfach ist das. Und deshalb glaube ich in der Tat das "CPO Rules" aber nur wenn der CPO Partner nicht das Motto des anderen OMD T-Shirts "Pray for Conversion" nachgeht. Wenn die Conversion des Partners stimmt sollte auch der CPO für dich ERTRÄGlich sein.
naja das mal wieder eine klassische s/w malerei.
ich denke wir werden uns in zwei richtungen entwickeln:
1. Response:
sicherlich gibt es kein zweites medium, das so gut die response-karte spiele kann wie das internet. das ist aber auch in der natur der sache. ich kann sofort auf die werbung reagieren und das produkt meines interesses kaufen.
2. klassische reichweiten kampagnen
wer sagt denn, daß sich das internet hier nicht als zweites massenmedium etablieren kann? zumindest in den jungen zielgruppen haben wir print schon abgehängt (wenn man die kerle haben will).
nun verbleibt nur die frage wieviel kontakte brauche ich online für welchen effekt? und noch wichtiger wie qualitativ wertvoll ist eigentlich der klick als kontakt?
alles fragen die ungeklärt sind, aber sich in der beantwortung befinden.
also machen wir onliner uns nicht kleiner als wir sind. neben dem cpo-gekloppe wird es also auch bald im internet ein grp-gekloppe geben ;-)
(die hoffnung stirbt zu letzt...)