Noch eine Studie. Laut Internetverband ECO wird das Internet den Fernseher nicht ablösen. Auch in mittlerer Zukunft werde die Mehrheit den Fernseher anschmeißen, um sich einen Fernsehfilm anzusehen. Basis der Untersuchung ist eine Umfrage unter "Branchenexperten". Internetleute urteilen also über das Internet, daß es kein Fernsehen ist. Ich finde das sehr weitsichtig, berücksichtigt diese Aussage doch die schönsten Allgemeinplätze, die man überhaupt über Medien haben kann.
- Noch nie hat ein Medium ein anderes verdrängt. Es
hat andere ergänzt. Die Zeitung das Buch, das Kino das Radio,
das Internet das Fernsehen. Und: Die Menschen lesen in Zeiten des
Internets nicht nur mehr, sondern gucken auch mehr TV - alles wird
immer mehr. Derzeit sind
wirdie Amis bei elf Stunden pro Tag. Passiert in 10 Jahren nichts anderes mehr als Unterhaltung und Schlafen? Doch. Das Geheimnis ist die Mehrfachnutzung. Kein Medium wird alleine genutzt. Man quasselt beim fernsehen, liest beim Radiohören und surft beim Telefonieren. Von Abnutzung im Sinne einer Geringnutzung keine Spur. Warum also ausgerechnet beim Vergleich Internet / TV? - Medien sind autonome Wesen. Das Internet kann und will das Fernsehen nicht kopieren. Dazu ist es viel zu intelligent, will heißen: interaktiv. Auch wenn weder Hollywood noch Babelsberg es sich vorstellen können: Die Zukunft ist nicht, Spielfilme digital zu empfangen, sondern etwas zu machen, was dem Medium angemessen ist. Und genausowenig wie in Zeitungen Bücher abgedruckt werden oder im Kino Fotos laufen, werden wir das Internet für Fernsehinhalte nutzen. Wohin die Reise geht, zeigen interaktive Spiele am besten: Die Vernetzung von Teilnehmern schafft etwas Neues. Den Nutzer in den Erzählfaden mit einzubeziehen, ist so ganz nebenbei die beste Möglichkeit, ihn in seiner Konzentration an sich zu binden. Wer klicken muß, löst keine Kreuzworträtsel nebenbei.
- Womit wir beim E-Commerce oder wenigstens doch bei der Werbung sind. Denn auch für sie gilt nicht automatisch das, was im TV gilt. Beispiel gefällig? Bitteschön. Nur haben in Deutschland offensichtlich weder Verbände noch werbungtreibende Industrie die Konsequenzen verstanden.
Aber wie gesagt, ist ja eh´ alles bekannt.


Wenn hier auf das altbekannte Riepelsche Gesetz der Medienkomplementarität angespielt wird, liegt ein struktureller Logikfehler zu Grunde: Das Internet ist kein Medium sondern eine Transportmatrix....Und selbst wenn eine vollständige Substitution nie stattfinden wird - ein gewisses Maß an Verdrängung reicht aus, um ein Geschäftsmodell zu bedrohen. Also dann, quo vadis Zeitung - Zukunft Internet? Aber welcher Verlag hat es geschafft dem Internetsprößling seiner Printausgabe im Bereich ein nachhaltiges Geschäftsmodell aufzudrücken? Richtig - keine, bis auf den Playboy. Und die andere Säule Anzeigen i.w.S ist auf diversen, wohlbekannten Plattformen bestens etabliert.