Offshoring

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Berlecon_1Berlecon Research hat seine Website in Russland neu gestalten lassen. Zum Design möchte ich mich an dieser Stelle nicht äußern - links im Bild das neue Design, rechts das alte. Interessant ist aber der Weg über einen Dienstleistermarktplatz in den USA, der nicht nur Dienstleister vermittelt, sondern auch Festpreisangebote macht. Thorsten Wichmann von Berlecon schreibt dazu:

Für einen bestimmten Betrag wird das Design einer Website in unterschiedlichen Umfängen angeboten. Der Kunde hat das Recht auf eine unbegrenzte Anzahl von Überarbeitungen, der Marktplatzbetreiber wählt aus den bei ihm registrierten Dienstleistern einen geeigneten aus. In unserem Fall war das ein Dienstleister in Russland. Die ganze Kommunikation lief dann über E-Mail, was bei Webdesign relativ gut funktioniert.

Das Modell scheint mir ganz clever, weil gerade Marktplätze für Dienstleistungen darunter leiden, dass Dienstleistungen Vertrauenssache sind. Dadurch, dass der Betreiber das Risiko übernimmt, indem er unbegrenzte Überarbeitungen verspricht und ein Festpreisangebot macht, wird dieses Problem umgangen. Natürlich ist der Preis dann höher als bei einer direkten Auftragsvergabe, aber immer noch im Rahmen. [via del.icio.us/martinroell]

Interessant wäre natürlich die Frage, was der ganze Spaß gekostet hat, welcher Umfang geleistet wurde und wie hoch die Einsparungen gegenüber hiesigen Dienstleistern waren.

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4 Kommentare

Fragt sich nur ob der Auftraggeber Lust oder Zeit auf unbegrenzte Überarbeitungen hat. Er will schließlich termingerecht genau das Produkt haben, was ihm vorschwebt. Dazu braucht er einen Dienstleister der mitdenkt. Wenn das funktioniert entsteht Vertrauen. Um es mal Software-Entwicklungstechnisch auszudrücken: Überarbeitung != Iteration

Ich hatte das Angebot der unbegrenzten Überarbeitungen auch eher als Drohung verstanden denn als Verheißung. Nach dem Motto: Wir murksen solange herum, bis der Auftraggeber entnervt das Resultat akzeptiert...

Ich frage mich, ob sich da nicht irgendein arbeitsloser Schuhputzer einen Spaß erlaubt hat und zum Festpreis von 300 € hässliche Designs verkauft, die er bei Beanstandungen noch hässlicher machen kann.

Es ist nicht ganz klar, wo hier das wirklich Besondere liegt:
- Wer einen seriösen Headhunter beauftragt, bekommt auch "kostenlos" einen weiteren Mitarbeiter, falls der vorgeschlagene die Probezeit nicht übersteht.
- Das grundlegende Konzept bei einem Festpreis ist, dass der Dienstleister das Risiko der "korrekten" Umsetzung trägt, egal wie oft er seine Leistung dafür überarbeiten muss.

Es erscheint nur im Zusammenhang mit IT als Besonders, dass hier ganz offen ein grundlegendes wirtschaftliches Prinzip gelebt wird, das bei IT-Verträgen normalerweise fast völlig vernachlässigt wird:
Der maximale Mehrwert entsteht, wenn jede Vertragspartei die Risiken übernimmt, die sie "besser" managen kann als die jeweils andere. Es geht hier nicht darum, wie gut sie das kann sondern nur darum, dass sie es besser könnte als die andere Partei.

Der Betreiber eines solchen Marktplatzes ist "im Durchschnitt" besser in der Lage die Qualität eines Anbieters für einen Kunden zu beurteilen als der Kunde selbst - also ist es wirtschaftlich sinnvoll, dass er einen wesentlichen Teil des Risikos der Wahl eines falschen Anbieters übernimmt - Überarbeitungen gehen auf seine Kosten. Der Kunde muss nur den Zeitverzug tragen - er ist ja sicher auch nicht völlig unschuldig an der falschen Auswahl, er hat den Vorschlag ja akzeptiert.

Wenn ein Anwenderunternehmen ein "renommiertes" Beratungsunternehmen mit der Auswahl eines IT-Dienstleisters beauftragt, trägt der Berater i.d.R. keinerlei finanzielles Risiko bei der Auswahl eines minderwertigen Dienstleisters und über Rufschädigung kann man auch nur lachen (s. Maut-Debakel) - es gibt immer gute Ausreden.

>> IT ist so teuer, weil einen Großteil der IT-Kosten nicht deren Verursacher zu tragen hat.

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