Amazon macht es seit Jahren vor: Was im Warenkorb landet, bleibt dort solange, bis der Kunde es wieder löscht - oder bestellt. Denn warum sollte ein Versender annehmen, dass sein Kunde nur deshalb das Kaufinteresse verloren hat, weil er nicht sofort bestellt hat? Deshalb bietet Amazon auch noch die Möglichkeit, Artikel aus dem Warenkorb "für einen späteren Einkauf" zu speichern, notfalls jahrelang.
Doch die meisten, nicht so erfolgreichen Online-Shops denken offensichtlich anders. Und selbst bei umsatzstarken E-Commerce-Veteranen kann es passieren, dass eine kurze Unterbrechung die Session abreißen lässt - und damit der gut gefüllte Warenkorb im digitalen Orkus landet. Bei Tchibo - nach wie vor auf Intershop Enfinity basiert - verfällt der Warenkorb auch für angemeldete Kunden nach zwei oder drei Stunden.
Plus verkündet im Brustton beamtenhafter Überzeugung:
"Aus Sicherheitsgründen haben wir Ihren Warenkorb ('Virtueller Kassenzettel') nach einer Zeitüberschreitung geleert. Wenn Sie weiter einkaufen möchten, legen Sie bitte erneut die von Ihnen gewünschten Produkte in den Warenkorb."Schönen Dank auch. Diese Sicherheitsgründe würde ich gern mal persönlich kennenlernen.
Wie es anders und besser geht, zeigt der E-Commerce-Titan Quelle mit einer E-Mail-Kampagne, die im vergangenen Jahr einen Mailingtage-Award in Silber einbrachte. Im Rahmen dieser Kampagne erhielten Kunden, die ihren Einkauf nicht abgeschlossen hatten, eine Erinnerung per Mail. Damit wurden sie darauf aufmerksam gemacht, dass sich noch Artikel im Warenkorb befinden, versehen mit einem direkten Link zum individuellen Warenkorb. Die Response-Rate war, wen wundert's, großartig.
sind diese "Sicherheitsgründe" vielleicht die Sorge davor, die Produkte nach kurzer nicht mehr vorrätig zu haben? Bei Büchern ist das einfacher, weil zeitloser. Bei den Produktwelten, zu denen sich nach Tchibo auch Plus entschieden hat, wird es schwerer.
@Mark:
Amazon löst das Problem geänderter Preise und Lieferzeiten im Warenkorb, indem einfach eine entsprechende Meldung erscheint, sobald der Warenkorb aufgerufen wird:
Wichtige Nachrichten
Haben Sie schon bemerkt, dass der Preis von Starting an Online Business For Dummies von EUR 32,90 auf EUR 27,90 gesunken ist, seitdem Sie den Artikel in Ihren Einkaufswagen gelegt haben? ...
Hmm, Amazon notiert bei mit unter dem Warenkorb:
> Artikel bleiben 90 Tage in Ihrem Einkaufswagen.
Deinem Bild da oben zufolge funktioniert das aber eher weniger. Seltsam.
Nach meinen Erfahrungen bleiben Artikel zum Teil auch sehr viel länger im Warenkorb. Ich nehme an, die 90 Tage sind nur ein Minimalwert.
Es läuft bei Amazon grundsätzlich so: Es wird unterschieden zwischen Warenkorb und Merkliste. Was im Warenkorb landet, verbleibt 90 Tage dort. Es sei den es wird bestellt oder gelöscht. Was auf die Merkliste kommt, bleibt dort so lange, wie es in den Warenkorb gelegt oder gelöscht wird.
Ich würd ja einfach mal mutmaßen, die sog. "Sicherheitsgründe" beruhen auf der Faulheit der Programmierer ;-)
Bei rotierenden Produktpaletten wie sie bei Tchibo vorkommen, wäre eine Speicherzeit von 90 Tagen tatsächlich wenig sinnvoll.
Ausserdem gibt es durchaus Sicherheitsgründe, die für zeitlich begrenzte Sessions sprechen. Da wäre z. B. das sog. "Session Riding". Suchmaschinenrobots indizieren mittlerweile so schnell, dass man hier und da schonmal eine aktive Session (vielleicht deinen Warenkorb) in Suchergebnissen findet.
Intershop Enfinity hat ausserdem (in älteren Versionen) eine etwas unglückliche Architektur. Ein solches Feature wird wahrscheinlich der mangelhaften (eTS-)Performance zum Opfer fallen.