Regulierungsferien

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Diese Geschichte ist in gewisser Weise die Fortsetzung der Telekom-Premiere-Story, in der ein gewisses V-DSL-Netz eine wichtige Rolle spielt. Dieses Netz - sozusagen DSL 2.0 - plant die Telekom zu errichten und mittels der Premiere-Bundesliga-Combo zu vermarkten.

Sie fordert dafür allerdings einen Verzicht auf Regulierung seitens der Bundesnetzagentur. Das hört sich harmlos an, würde aber bedeuten, dass V-DSL für die nächsten Jahre ein Monopolprodukt der Telekom bleibt. Die bis dato bekannte DSL-Angebotsvielfalt, die fraglos enorm zur wachsenden Verbreitung schneller Internetanschlüsse in Privathaushalten beigetragen hat, würde es für V-DSL vorerst nicht geben.

Ironischerweise erinnert dieser Plan an die zu Recht gescheiterten Versuche von Leo Kirch, das digitale Fernsehen vollständig unter seine Kontrolle zu bringen. Kirch war damals Eigentümer von Premiere und investierte Milliarden in Technik, Verschlüsselung, Decoder, Verbreitung und Programm.

Kirch wollte die Bedingungen bestimmen, unter denen digitales Fernsehen in Deutschland stattfinden würde. Und er hat sich verzockt. Denn das Milliardengrab Pay-TV war letztlich die Ursache für die spektakuläre Pleite seines ganzen Konzerns.

Das wird der Telekom nicht passieren, aber für die Entwicklung des DSL-Marktes könnte die Monopolpolitik des Ex-Monopolisten, abgesichert durch den Koalitionsvertrag der Regierungsparteien, ähnliche Folgen haben.

Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls eine in dieser Woche veröffentlichte Studie im Auftrag des VATM (mehr dazu im Handelsblatt). Sie prognostiziert für das Jahr 2010 nur 20,7 Millionen Breitbandanschlüsse in Deutschland, falls der geforderte Regulierungsverzicht tatsächlich beschlossen würde. Im Falle eines freien Zugangs für Wettbewerber hingegen erwarten die Gutachter 23 Millionen Anschlüsse. Zum Vergleich: Ende 2005 gab es in Deutschland 10,8 Millionen Breitbandanschlüsse.

Ob 20,7 oder 23 Millionen - was macht das schon? Könnte man meinen. Die zunehmende Verbreitung schneller Internetanschlüsse ist aber eine der Säulen, auf denen das Wachstum des Online-Handels und der Online-Werbung ruhen. Wenn diese Entwicklung gebremst wird, könnte das sehr viel größere Folgen haben als ein paar entgangene Monopolgewinne bei der Telekom.

Und der Deal mit Premiere verschärft die Lage, weil die Telekom damit ein zugkräftiges Vermarktungsinstrument für V-DSL bekommt. Nun gibt es zwar erstmals ernsthaften Wettbewerb bei Bezahlfernsehen (Premiere vs. arena) und TV-Kabel (DVB vs. IPTV, Koaxial vs. Telefondraht) - doch dafür drohen monopolähnliche Strukturen beim DSL. Die VATM-Studie prognostiziert für Telekom/T-Online einen Marktanteil von fast 60 Prozent im Jahr 2010, falls die Regulierung tatsächlich bis dahin in Ferien gehen sollte.

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5 Kommentare

Also nehmen wir mal, die Telekom baut mit VDSL eine vollkommen neue Infrastruktur auf. Ohne Quersubventionierung aus anderen Bereichen, ohne den DSL-Markt zu behindern...
Dann besteht in der Tat kein Regulierungsbedarf, weil ja andere Unternehmen (Arcor, United Internet, Diverse Stadtnetztetriber) durchaus in der Lage wären ein vergleichberes Netzt aufzubauen.
Ich gebe zu, ein wettbewerbsrechtlich nicht einfaches Feld. Aber per se sind die Ansichten der Telekom nicht von der Hand zu weisen.
btw: Brauchen wir auf absehbare Zeit VDSL? Ich schätze es braucht noch eine ganze Zeit bis DSL2+ wirklich mit Leben gefüllt ist.

Ohne Quersubventionierung aus anderen Bereichen, ohne den DSL-Markt zu behindern...

Beide Voraussetzungen sind nicht gegeben.

Und andere Unternehmen sind gerade nicht in der Lage, ein vergleichbares Netz zu vergleichbaren Kosten aufzubauen. Ihnen fehlt die Infrastruktur des Ex-Monopolisten (Leerrohre, Vermittlungsstellen, Teilnehmeranschlussleitungen etc.).

V-DSL wird, das ist ja gerade der Witz, mit Bundesliga + Premiere ruck-zuck mit Leben gefüllt. Andere TV-Sender werden folgen. Und natürlich alle YouTubes und sevenloads dieser Welt.

Die Frage ist halt nur: Ist es ein Monopolprodukt der Telekom oder nicht? Wird V-DSL wie seinerzeit ISDN in den Markt gedrückt oder gibt es ein Angebotsspektrum wie heute bei A-DSL?

Kurz: Werden wir alle T-Online-Kunden oder haben wir eine Wahl?

mal doof nachgefragt....und wat is mit kabel?
könnten die kabelnetz anbieter nicht für die nötige konkurrenz sorgen?

den aktuellen News ist zu entnehmen, daß die Telekom bezüglich VDSL Gespräche mit den Wettbewerbern aufgenommen hat.

Aus meiner Sicht birgt dies zwei mögliche Vorteile für die Telekom:

x. Eine mögliche Zwangsregulierung kann umschifft werden.

xx. Der IPTV-Standard kann mithilfe einer Kooperation mit den Wettbewerbern schneller zu einer ernstzunehmenden Alternative zum bestehenden DVB-X ausgebaut werden. Der Erfolg von DSL-Resale durch Telekom-Konkurrenten ist bereits heute zu besichtigen.


Die wahre gegnerische Linie verläuft hier nicht unbedingt entlang Vodafone und Konsorten, sondern wird durch die Kabelnetzbetreiber gebildet.
Mit den Wölfen zu heulen wäre also möglicherweise eine WinWin-Situation für die Verbraucher und die Telekommunikationskonzerne.

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