
2005 rief Tim O'Reilly 250 seiner Freunde zum Foo-Camp (Friends of O'Reilly). Die Reaktion darauf war die Einrichtung des ersten Barcamp, einer Nicht-Konferenz, die sich 'on the spot' selbst organisiert. Bei der spontan Themen und "Slots" organisiert werden. Die erste solche Konferenz findet an diesem Wochenende in Deutschland in Berlin statt. Gastgeber ist Pixelpark nahe dem Warschauer Platz, aber organisiert wird das Camp von einer unabhängigen Kern-Orgatruppe und den Teilnehmenden selbst. JedeR ist aufgefordert einen eigenen Vortrag oder eine Gesprächsrunde anzubieten und wie nicht anders zu erwarten kreisen viele der Themen um Technik und Konzepte von Social Software, Social Media und Onlineapplikationen (auch "Web 2.0" genannt – aber wer kann das noch hören?).
Session 1: Zukunft der klassischen Medien
Roland Riethmüller von der NWZ in Oldenburg skizziert, wie seine Zeitung sich mit seiner Unterstützung auf die gewandelte Situation eingestellt hat. Blogs, Portale und Homepages machen ihr Konkurrenz im Textbereich, Radio bekommt Konkurrenz durch Downloads, Podcasts und Streaming, TV muss sich mit Vodcasts, IP-TV und Videoportalen um das Zeitbudget der Zuhörer kloppen.
Doch auch die Zeitung ist im Netz selbst präsent: auf dem Web, via SMS auf Handys, mit M-Papers oder gar mit eigenen Blogs.
Die Mediennutzer aber lassen sich weniger in Zielgruppen einteilen (der bei ALDI kaufende Porschefahrer) und Medien werden – auf Kosten der Aufmerksamkeit – parallel genutzt. Der One-to-Many-Ansatz wird durch eine Many-to-Many-Dialogkommunikation ersetzt. Das Kommumnikationsmonopol ist gefallen.
Die Zeitung kann als Qualitätsprodukt jedoch Marktaneile zurückgewinnen und ihre starke Marke ins Spiel bringen: Zeitungen gelten als vertrauenswürdiger als die oft pseudonym publizierten Blogs. Über eine Aufspreizung ihrer Kanäle Richtung Mobilcontent, Audio und Video kann die Zeitung mehr Menschen erreichen.
Die NWZ beispielsweise setzte eine Jugendcommunity mit Partyfotos auf. Jugendliche können sich selbst auf den Fotos mit Mitgliedsnamen 'taggen' und sich so vernetzen. Fotos werden getaggt.
Peter Schink berichtet über den Aufbau der Netzeitung und deren "Readers Edition" - einem Versuch, 'user generated content' für diese Newsplattform nutzbar zu machen.
User Generated Content treibt das Konzept des Leserfeedbacks und der Leserbindung auf eine neue Ebene. Während Wikinews nicht funktioniere, erklärt Schink.
Verlage haben ihre Vorteile bei Reichweite, Kompetenz der Journalisten ("Infostärke", Wissen verbreiten können), Finanzierung. Ein Nachteil ist ihre Schwerfälligkeit.
Das Konzept: User schreiben Artikel und Redakteure schalten sie frei. Sich zu profilieren und die trafficstarke Plattform ist für die 'Prosumer' attraktiv. Andere große und kommerzielle Verlage wie Springer könnten solche Plattformen eher nicht aufbauen.
Manche UGC-Konzepte wie die Leserreporter der Bildzeitung sind relativ kostenintensiv und es ist fraglich, ob damit jenseits des Hypes Geld verdient wird.
Peter Schink sagt: Die Vertriebskanäle werden sich ausweiten, es wird mehr UGC geben, parallele Plattformen werden sich nicht unbedingt gegenseitig schaden und auf lokaler Basis gibt es kaum Interferenzprobleme der Plattformen. Zeitungsverlage werden zeitungsunabhängige Plattformen betreiben zu verschiedensten Themen, um ihre Reichweite zu erhalten. Bezahlinhalte sind vom Tisch und selbst bei bezahltem Archivzugang gibt es Probleme. Offene Archive bringen mehr Werbegelder als Einnahmen durch Archivgebühren.
Generell bleiben viele Fragen in diesem ersten Track offen: Wird man User bezahlen müssen oder wie sehen Incentives aus? Wie genau ist mit Urheberrechten und Haftung umzugehen? Werden Bereiche, die jetzt kostenintensiv besetzt werden, in Zukunft überhaupt Einnahmen für Verlage generieren? Einige dieser Fragen sollen in für morgen geplanten Panels wieder aufgenommen werden – ob sie jetzt schon beantwortbar sind, darf bezweifelt werden.
Na, Oliver. Der Eintrag ist ja schon fast "stream of consciousness". Kleine Korrektur: Ich glaube nicht, dass Bezahlinhalte vom Tisch sind. Da habe ich mich vielleicht etwas unklar ausgedrückt. Lediglich für die aktuellen News auf Onlineplattformen wird es sowas m.E. icht mehr geben...
Das war eher eine Wiedergabe dessen, was in der Dikussion u.a. von Falk Lüke) gesagt wurde.
Er sitzt grad hier gegenüber (AfterAfterparty bei Newthinking ;) ) und sacht: Bezogen auf Deutschland verdiene da keiner relevant Geld mit, bzw. man mit Werbung im offenen Archiv mehr Geld einnehme als mit Bezahlzugang zum Archiv.
Ich wurde darauf hingewiesen, dass ich nicht darauf hingewiesen habe, dass Peter jetzt bei der WELT ist und sich da um Blogs oder sowas kümmern wird ;).
Wie begründet Peter Schink seine These, dass Wikinews angeblich nicht funktioniere? Ich habe dort (in der englischsprachigen und deutschsprachigen Version) schon viele gute Artikel gelesen. Die Möglichkeit mit Hilfe einer Wiki-Software Nachrichtenartikel gemeinsam zu schreiben halte ich auf jeden Fall für einen sehr interessanten Ansatz. Dabei ist der Enstehungsprozess eines Nachrichtenartikels völlig transparent. Die Angabe der beim Schreiben eines Artikels verwendeten Quellen (wie es bei Wikinews gehandhabt wird) sollte aus meiner Sicht eine Selbstverständlichkeit sein.
Na, nimm zum Beispiel mal Donnerstag, den 28.09. bei Wikinews (http://de.wikinews.org/wiki/Kategorie:28.09.2006)
Da stehen dann allgemeine Nachrichten, wie ich sie auch in Online-Medienfinde. Aber es gibt keinen Fokus. Heißt, es wird sehr wenig eingestellt und das ist dann nur selten interessant und außergewöhnlich...
Na ja, die Zahl der pro Tag veröffentlichten Artikel variiert. Es sind in der deutschsprachigen Version zurzeit im Schnitt etwa sieben Artikel pro Tag. (http://de.wikinews.org/wiki/Bild:Deutsche_Wikinews_Statistik_-_Artikel_pro_Tag_nach_Monat.svg)
Was die Themenauswahl betrifft, so hängt das von den Benutzern ab, die sich am Projekt beteiligen. Die meisten arbeiten wahrscheinlich gerne an Artikeln mit
, in denen es um Themen geht, die sie selbst interessieren. Etwas besonders interessantes oder außergewöhliches habe ich in der Readers Edition auch noch nicht gelesen.