Kongressblogger - aber richtig

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Es kommt immer mehr in Mode (und das ist auch gut so), Blogger ähnlich wie Journalisten für Kongresse zu akkreditieren und aktiv um sie zu werben. Der heute in Offenbach bei Frankfurt begonnene Web-2.0-Kongress tut es, bei Chance Web 2.0 vor zwei Wochen in Köln war es auch nicht anders, und einst im Mai bei der next10years hatten wir es genauso gehalten.

Doch wie immer in solchen Sachen kann man Fehler machen. Hier die acht gängigen Irrtümer:

  1. Hauptsache, es bloggt überhaupt jemand, egal wer. Falsch! Es sollten schon die richtigen sein - Menschen, die sich mit dem Thema auch sonst befassen, die darüber schreiben und demzufolge auch Leser haben, die sich für das Kongressthema interessieren.
  2. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Falsch! Die Wildcards für Blogger sollten weder in der Reihenfolge des Bewerbungseingangs noch per Los vergeben werden. Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Der Kongressveranstalter muss die Blogger, die er gerne dabei hätte, aktiv auswählen und einladen. Weitere Interessenten werden sich dann schon von selbst melden, denn Blogger sind vernetzte Wesen.
  3. Kongressblogger dürfen nicht bezahlt werden, damit ihre Authentizität nicht in Gefahr gerät. Falsch! Es kann nötig und sinnvoll sein, zum Beispiel Fahrtkosten zu übernehmen oder auch ein Honorar zu zahlen. Und irgendwer muss ja auch das Kongressblog füllen, während die Veranstaltung läuft. Das kann gut ein Gastblogger tun - die Veranstalter dürften derweil wohl anderes zu tun haben.
  4. Wir brauchen kein Kongressblog. Falsch! Jedem Kongress steht heute ein Blog gut zu Gesicht. Es gibt keinen effizienteren Weg, mit Teilnehmern, Interessenten, Journalisten und Bloggern dauerhaft in Kontakt zu bleiben, sie mit aktuellen Informationen zu versorgen und Feedback zu bekommen. Und dann gilt die Herberger-Devise: Nach dem Kongress ist vor dem Kongress.
  5. Kongressblogger müssen bezahlt werden, damit sie überhaupt kommen und nichts Böses über den Kongress schreiben. Auch falsch! Bestechung funktioniert in den seltensten Fällen. Häufig fliegt sie auf und damit dem Veranstalter um die Ohren. Oder bezahlen Sie auch Journalisten?
  6. Blogger sind unbestechlich. Ebenso falsch! Es kann nützlich sein, sie gut zu behandeln - Steckdosen und W-LAN zum Beispiel werden gern genommen. Arbeitstische helfen ebenfalls. Und diverse Goodies nehmen auch Blogger entgegen. Vielleicht nicht alle, aber viele.
  7. Kongressblogger müssen Eintritt zahlen wie jeder andere Teilnehmer auch. Erst recht falsch! Mancher Blogger ist vielleicht eher ein zufällig bloggender Teilnehmer und wird gern zahlen, weil er genau weiß, dass am Ende irgendjemand die Rechnung übernehmen muss, weil er den Wert der Veranstaltung kennt oder er selbst hohen Nutzen aus dem Kongress ziehen kann. Das hängt auch von der Höhe des Eintritts ab - schon mal an Sondertarife für Blogger gedacht?
  8. Ich brauche keine Blogger auf meinem Kongress. Falsch! Das mag für die Norddeutschen Obstbautage noch gelten (aber auch nur, bis dort der erste Saftblogger auftaucht) - für die meisten Kongresse gilt es nicht mehr. Die Suche nach den relevanten Blogs kann nicht früh genug beginnen. Denn vielleicht findet sich so auch der eine oder andere interessante Referent - jenseits der üblichen Verdächtigen, die seit mindestens zehn Jahren immer wieder ihre Köpfe hinhalten.

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4 Kommentare

Blogger einladen und gut behandeln? Volle Zustimmung! Aber wozu einen Kongressblog? Jeder Blogger hat doch seine/ihre eigene Autorität, und wir haben TAGS, die das ganze zusammenführen. Was wäre an einem "offiziellen" Kongressblog besser? Zumal der dann sehr wahrscheinlich nach einer Weile einschlafen würde, oder?

Eine gute und interessante Liste.
Aber wie passt Punkt 3 und 5 zusammen?

Übrigens glaube ich, dass bei den Webdirection in Australien der nächste Schritt der sozialen Begleitung von Kongressen gelegt wurde: Die connections-Seite (mehr darüber). Die dort aggregierten Blogeinträge passen auch zu KP Frahms Kommentar

@ Tobias:
Die Differenz liegt in dem jeweiligen 'damit' ;)

- Auch unbezahlte Blogger kommen (oft) und sind (manchmal) nett.

- Es ist nicht falsch über bezahlte Eventberichterstattung nachzudenken.

Abgesehen davon muss ja nicht der Veranstalter bezahlen.

Ich war als Blogger auf 2 Events und war einemal von einem Sponsor des Events "cogesponsort" (Eintritt) und von einem Auftraggeber (der zudem Honorare gezhalt hat) an Spesen freigehalten. Einmal hat gar ein dritter alle Spesen übernommen und der Veranstalter direkt mich für lau reingelassen. Bei einer Messe (wie beim küürzlichen Buchmesse-Deal) kann das ganze dann nochmal anders aussehen: Messe unterstützt und Sponsoren tun ein übriges.

Ich denke, dass man da grade rumexperimentieren kann und auch sollte... aber durchdacht. Ich denke, dass es Martin genau darum ging.

Ein Kongressblog dient vor allem dem Kongressmarketing. Früher hätte man vielleicht Mailadressen für einen Kongressnewsletter gesammelt. Gut, kann man natürlich immer noch machen. Aber ein Blog ist viel praktischer, hat den Multiplikatoreffekt und das Feedback gleich eingebaut.

Außerdem sind die wenigsten auch nur halbwegs erfolgreichen Kongresse Eintagsfliegen - viele finden zum Beispiel jährlich statt. Da lohnt schon ein Blog, denn wie gesagt: Nach dem Kongress ist vor dem Kongress.

Wie die Punkte 3 und 5 zusammenpassen: Blogger müssen nicht, dürfen aber bezahlt werden.

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