Warum Marketing in Second Life nicht funktioniert

Dass die Marketing-Aktivitäten von Unternehmen in Second Life meist auf nur geringe Akzeptanz stoßen, wissen wir spätestens seit einer Studie der Hamburger Agentur Komjuniti - nomen est omen: sie baut Communities. Komjuniti hat 200 Avatare in Second Life nach ihrer Meinung gefragt, das Ergebnis war eher niederschmetternd.

Wagner James Au liefert bei GigaOM jetzt drei Gründe dafür. Die ersten beiden sind eher marketingtechnischer Natur, aber beim dritten geht es dann zur Sache:

To play in Second Life, corporations must first come to a humbling realization: in the context of the fantastic, their brands as they exist in the real world are boring, banal, and unimaginative. Car companies are trying to compete with college kids who turn a virtual automotive showroom into a 24/7 hiphop dance party, and create lovingly designed muscle cars that fly, and auction off for $2000 in real dollars at charity auctions.

Fashion companies have it even harder. A thriving homegrown industry of avatar clothing design (free of production costs and overseas mass production) already exists, largely ruled by housewives with astounding talent and copious amounts of time, and since the designers are popular personalities in Second Life (whose avatars become their brand), they enjoy– and frankly deserve– the home team advantage.

Faced with such talented competition, smart marketers should concede defeat, and hire these college kids and housewives to create concept designs and prototypes that re-imagine their brands merged to existing SL-based brands which have already proved themselves in a world of infinite possibility. Or as the Komjuniti study suggests, they can keep building sterile shopping malls, and continue wondering why Residents prefer nude dance parties, giant frogs singing alt-folk rock, and samurai deathmatches– and often, all three at the same time.

Wie Produkte und Geschäftsmodelle aussehen, die in Second Life tatsächlich funktionieren, darüber spricht Rainer Mehl, Leiter Strategy & Change Consulting bei IBM Deutschland und Nordosteuropa, im Track Parallelwelten auf der next07. Er untersucht, womit reales Geld verdient werden kann und betrachtet Second Life als Möglichkeit, zukünftige Geschäftsmodelle zu testen und bestehende zu erweitern. Zahlreiche Forscher, Ingenieure, Entwickler und Berater von IBM arbeiten bereits in Second Life.

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12 Kommentare

Endlich mal ein spannendes neues Argument, in dem ganzen "Warum-SL-So-langweilig-ist"-Geschnatter.
Und was kommt als nächstes: Hippe Klamotten, in SL von Hausfrauen designet und dort hochgehypt, die dann bei Etsy, Dawanda oder im Store um die Ecke landen. Fände ich gar nicht so unwahrscheinlich.

Vielleicht ist Kopulieren im Adidas Shop doch allemal unterhaltsamer als das ewige Warten auf den Erfolg ohne eigene Vision. Wann stellt der Fischmarkt endlich seine endloses Hinterherrennen ein und ist wirklich mal ganz vorne dabei ohne sich vorher umzuschauen was die anderen so machen? Unternehmer heissen schliesslich die mit Recht, die was unternehmen und nicht nur moderieren oder kritisieren. Sieht man in die Referenzen der SSAG so gähnt der Storch angesichts des Dünnflusses an Innovation, der zum ewigen Gezettere am Gewerke anderer nicht wirklich berechtigt.

Ich hatte kürzlich noch in einer Fach-Zeitschrift gelesen, dass das Geschäftsmodell sehr gut aufgegangen sein soll... ? Ich hatte mich dann nicht nochmals weiter damit beschäftigt, aber ich werde mir das ganze noch kritisch zu Gemüte führen... Interessanter Beitrag!

Das stimmt natürlich, dass Marketing in Second Life wie im Moment gemacht nicht funktioniert. Es wird hier auch zu sehr auf statische Realisierungen gesetzt.
Wichtig ist meines Erachtens, dass man eine sinnige Strategie im kompletten Neue Medien-Bereich anlegt. Mir scheint es im Moment so, dass viele Firmen Blogs, Podcasts usw. eher links liegen gelassen haben, nun aber auf Second Life aufspringen, da es eben alle tun.

Das jedeoch kann meines Erachtens nicht funktionieren, denn Second Life ist hauptsächlich ein soziales Phänomen. Und dieses lebt eben von der Kommunikation, die die meisten Firmen derzeit vermissen lassen.

Im übrigen ist es aber auch schon so, dass viele der Second Life-Talente schon für Second Life-Beratungsfirmen arbeiten, sei es im Fahrzeugdesign (ok, hier meist an die Originale des Real Life angelehnt) oder aber als Modedesigner (und Hamlet/James Wagner Au sollte das eigentlich wissen ;-)

Aber es ist ja alles noch am Anfang und ich bin gespannt, wo es hingeht und was sich die Firmen und ihre Berater (also ich wohl auch ;-) noch so einfallen lassen. Auch das Web hat ja nicht gerade spannend begonnen, wie sich manch einer vielleicht erinnert ;-)

Ansonsten wäre es toll, wenn jemand bloggen könnte, was Rainer Mehl so erzählen wird, denn leider schaffe ich es nicht zur next07.

200 Avatare? Soviele..
das halte nicht für representativ

Es scheint weiterhin niemanden (auch in seriösen Firmen?) zu stören, dass Second Life auf dem klassischen Schneeballsystem basiert, ergo ist es "... vom Wachstum abhängig: Tausende neuer Spieler pumpen täglich frische Dollars in den Kreislauf, nur eine kleine Gruppe kann ihren Profit in die Wirklichkeit retten. Endet der Zustrom neuer, zahlungsbereiter Spieler, bricht das System in sich zusammen. In der echten Welt ist so etwas zu Recht verboten." (Tagesspiegel)

Schätze aber mal, diese ganze SL-Mitmach-Mode überholt sich irgendwann mit besser durchdachten Avatar-Welten.
Fashion victim's paradise...

1
These:
Die meisten Leute in Sl wollen kein Geld verdienen. (Woher speist sich denn die Gegenthese, dass es nur um Geld gehe?)
Folge:
Wenn es den meisten nicht um Geld geht, ist auch die Schneeball-Hypothese hinfällig.

2
These: Die meisten Leute gehnen nicht in SL um "Werbung" (PR, Marketing, whatever) zu 'gucken'. Ondern: Um 'Beziehungen' zu pflegen, oder sich zu 'unterhalten' (Chat, Musik, Grafik, 3D-Tourismus, ...)
Folge: Der 'Erfolg' (von RL-Firmen) in Sl wird sich immer daran bemessen, ob sie 'Beziehungen', Unterhaltung, ... bieten können/wollen, d.h. ob sie sich den in-world Gegebenheiten bereit sind UNTERzuordnen! (Dazu muss man bereit sein, eine 'andee Kultur' erst einmal (verstehen) zu lernen. Wenn man (sich) das noch (erlauben) kann...

Der Punkt:
IMO hapert es bei den meisten "RLern" (auch Journalisten und auch manchen Bloggern) noch an der bereitschaft überhaupt mal zu sehen,w as in SL _gewachsen_ ist. stattdessen stülpt man Vor-Urteile draüber, die einem grade ins Schema passen (Porno, kapitalismus, Realitätsflucht etc.)

Ich bin selbst kein Sl-'Native', aber ich bin neugierig und gespannt darauf, was is in dieser digitalen Kulturecke zu lernen gibt.

Na, ich weiss da nicht so recht bzgl. Schneeballsystem. Es war ja nicht immer so ein grosses Wachstum vorhanden, aber ein paar Leute, die sich damit den Lebensunterhalt verdient haben.
Und es ist ja auch nicht so, dass die Bewohner nur einmalig was einzahlen und nie wieder, das machen die schon regelmässig und daher ist es kein Schneeballsystem.

Wenn der Zustrom endet und die bestehenden Bewohner bei ihrer Geldumtauschrate bleiben, dann ist zwar eine Sättigung erreicht in Bezug auf die gewinnbringenden Unternehmen, aber es bricht dann nicht zwangsläufig zusammen.

@max: Promoviere gerade in Statistik in München - vielleicht das Argument mit den 200 Avataren überdenken - schließlich basiert unser tägliches Fernsehprogramm für ein Millionen Publikum auch nur auf 1200 Meinungen - erst denken, dann schreiben!

Steph

...Und wenn wir in der TGV steigen und mit knapp 600 KMh durch die Landschaft brettern, werden wir alle wahnsinnig. Langsam kann ich diese SL-Zerreisse nicht mehr hören. Ist so langweilig und unsexy... und ich gebe Stephanie recht: 200 Avatare in SL sind wahrscheinlich sogar mehr wert als 1200 RTL2 Glotzer Dienstagnachmittag um 14:45 Uhr.

Als Kriminalschriftstellerin hat mir Second Life jedenfalls marketingtechnisch weitergeholfen. Ich habe in der Altstadt Kasada ein Literaturbüro eröffnet, stelle dort meine RL-Buchcover aus und vermarkte den ersten Second-Life Kurzkrimi. In SL wird er als Buch und demnächst als Hörbuch mit Hörprobe angeboten (Ja das geht)und Lesungen sind vorgesehen. Die story wird von SL-ern in fünf verschiedenen Sprachen übersetzt. Der amerikanische Second Life Herald hat bereits Interesse an der story bekundet (Habe über die SL-Website jemanden von der New Yorck Times/Financial Times kennengelernt). Zusätzlich wird eine Hör-CD in RL, ein Handydownload und eine Kriminal-Anthologie mit der story erscheinen, und das Fernsehen hat auch Interesse bekundet (nicht RTL-2). Soweit zur SL-Vermarktung. Man muss halt nur erkennen was in SL möglich ist, und es dann umsetzen. Aber dafür müsste man sich schon mal länger als einen Tag mit SL beschäftigen und nicht nur die einschlägigen Bars aufsuchen. ;-)
Mörderisch liebe Grüße
Ingrid Schmitz alias Ingrid Masala

Im übrigen gibt es jetzt auch noch eine zweite Studie, die der von Komjuniti etwas widerspricht. Ich habe darüber in meinem Blog kurz berichtet: http://mrtopf.de/blog/?p=32

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