Sam Sethi, bis Dezember 2006 Chef von TechCrunch UK, hat blognation gestartet - eine TechCrunch-Kopie für alle möglichen Länder außerhalb der USA. Bis jetzt sind die Ausgaben für Großbritannien, Italien und Deutschland am Start. Für die deutsche Blognation schreibt Nicole Simon.
Gleich zum Start legt sie eine vehemente Analyse des Zustands der hiesigen Web-Szene vor:
Sadly not every German speaks good English and it’s only those who are comfortable with the English language who will regulary reach out to talk or write in the blogopshere.
So this is one of the main reasons why, instead of competing with the mainstream Web 2.0 applications, German entrepreneurs often create localised or “copy cat” sites to address the vast native German speaking audience.
Germany is an island which lacks fresh input from the outside.
Though VC money doesn’t flow as easily as in some other areas of the world, it is available, and Media companies invest heavily in Web 2.0 properties in order to transform their own products for an online world.
Sam Sethi schied im Dezember im Streit mit TechCrunch-Gründer Mike Arrington. TechCrunch UK hat sich davon bis heute nicht erholt, ein für Juni angekündiger Neustart lässt noch immer auf sich warten. Der Name blognation ist bestenfalls irreführend, denn es geht gar nicht nur um Blogs, aber wahrscheinlich war kein besserer Name frei.
Die Analyse ist ja spannend. Liegt es wirklich nur an der Sprache oder ist es eher die Einstellungsache oder Lust?
In der aktuellen Ausgabe der Internetworld konnte man gerade lesen, dass die Deutschen bzw. Europäer einfach "keine Lust auf Web 2.0" haben.
Hmmm. Man kann nur hoffen dass Europa bzw. Deutschland da endlich mal aus dem Quark kommt und auch mit den Gesetzen nicht gerade entgegen wirkt!
Grandiose, wenn nicht gar ignorante Fehleinschätzung. Im europäischen Vergleich (Italien, Frankreich, Spanien, ...!) sind die Englisch-Skills in D ausgesprochen gut.
Es mag da im Massenmarkt sicher Einschränkungen geben, aber die Business-Posse ist doch nach meiner Erfahrung fast ohne Ausnahme auch massiv in englischsprachigen Quellen unterwegs. Daran kann das o.g. Probelem also nicht liegen.
Die Argumentation ist auch in sich widersprüchlich.
Ich denke auch, dass es eher an mangelendem Mut zur Lücke und den fehlenden Strukturen liegt.
Im europäischen Vergleich von Ländern wie Italien, SPanien und Frankreich sicherlich. Im Vergleich mit anderen speziell kleineren Staaten, in denen englisch viel selbstverständlicher gesprochen wird? Nope.
Und, welche der deutschen Startups haben auch nur eine Information über sich selber in Englisch? Gar weitreichendere Informationen?
Deutsche Firmen können erfolgreich 'nur' im Inland agieren, aber es wäre gut, wenn man sich wenigstens nach außen orientieren würde.
Und sei es nur das man nicht immer in die leidige "aber das ist doch nur ein copy cat!!" Diskussion einsteigen muß. Ich habe zwar keinerlei verwendung für StudiVZ aber die IVW-Zahlen sind eindrucksvoll genug um gewisse Herren mal zum Nachdenken zu bringen. ;)
Abgesehen wie gut das Englisch der Deutschen nun ist - das Deutsch mancher Deutschen ist ja noch nicht einmal schön - finde ich es einen sehr interessanten Ansatzpunkt. Dass bspw. die Holländer, mit den vielen nur im Untertitel übersetzten amerikanischen Spielfilmen, uns durch ihre Gewöhnung an die gesprochene Umgangssprache einiges voraus sind (wenn sie wollen), ist ja nun kein Geheimnis. Aber dass Unternehmen mit einer internationalen Ausrichtung keine Kräfte besitzen, diese auch anzuwenden, das kann ich beim besten Willen nicht glauben. Und dass deutschen Unternehmen die internationale Ausrichtung fehlt, kann ich auch nicht glauben. Ich glaube wenn Dienste (vielleicht auch mal 1:1) ins Deutsche übersetzt werden, dann doch weil sie Zielgruppen anpeilen, bei denen Englischkenntnisse weit im Abseits liegen. Für ernstzunehmende Dienste aus Deutschland (also eben nicht die 1:1-Copycats) trifft das oben genannte sicher nicht zu. Dennoch, danke Nicole für den - endlich mal neuen - Denkansatz!