Facebook und die deutschen Social Networks

20070802_facebook.png
Vor einiger Zeit öffnete sich Facebook, als reines Studentennetzwerk einst „Inspiration“ für das deutsche StudiVZ, der Allgemeinheit und bot kurz danach jedem die Möglichkeit, eigene Anwendungen in die Plattform zu integrieren. Die Idee ist nicht neu und doch revolutionär. Facebook könnte für Social Networks das werden, was das Internet für Online-Dienste war: der Durchbruch bei der breiten Masse mit einem (halbwegs) offenen Angebot, reich an Diensten, um die sich der Betreiber nicht selber kümmern muss – „User Generated Platform“ oder: das Social-Networking-Betriebssystem. Momentan gibt es zwar noch keine wirklich spannenden Anwendungen, die einen vom Hocker hauen würden – aber das ist nur eine Frage der Zeit.

Was heißt das für die deutschen Social Networks?

Xing muss sich meiner Meinung nach erstmal keine großen Sorgen machen, denn Facebook ist sehr auf Freizeit fixiert, auf Freunde, auf Spaß, auf Kommilitonen – das ganze Umfeld ist zu wenig „seriös“ für „Business Networking“. Es wäre zwar sicher kein Problem, die Funktionalitäten von Xing in Facebook zu integrieren, ob jetzt durch Facebook, durch einen ambitionierten Entwickler auf eigene Faust oder gar durch Xing selbst, aber ob sich das in dem Umfeld durchsetzen würde – ich wage es zu bezweifeln. Die Plattformen sollten eher versuchen, einen Standard für die Abbildung von Netzwerken zu schaffen, um Kontakte nicht parallel pflegen zu müssen.

Mehr Sorgen muss sich da schon StudiVZ machen – die haben eine ähnliche Zielgruppe und hinken technisch mittlerweile ganz schön hinter Facebook her. Aber sie haben in Deutschland den Großteil der Studenten auf der Plattform, und der wird nicht so schnell geschlossen wechseln. Wenn Facebook auf Deutsch kommt, werden wir sehen, was passiert. Es wird spannend.

0 TrackBacks

Folgende Einträge anderer Blogs beziehen sich auf den Eintrag Facebook und die deutschen Social Networks

TrackBack-URL dieses Eintrags: http://blog.sinnerschrader.de/cgi-bin/mt-tb.cgi/1773

15 Kommentare

Also ich warte schon seit ewigkeiten darauf, dass Facebook auf deutsch erscheint! Ich bin nur zwangsweise bei StudiVZ, weil halt alle die man kennt da sind.

Ich denke, dass es bei der Strategie die StudiVZ gerade fährt, für Facebook gar nicht allzu schwer sein sollt sich auf dem Markt zu etablieren. StudiVZ hat momentan nur ein Ziel: so viel Geld eintreiben wie möglich - dabei kümmert sich niemand um die Verbesserung der Seite.

Sehr traurig eigentlich: Erst klauen, dann verkommen lassen.

Ich denke auch, dass die Loyalität zu StudiVZ ein Problem für Facebook sein wird. Es sind eben alle drin mit denen man so zu tun hat.
Da wird es wahrscheinlich ziemlich schwierig werden viele Leute auf eine andere Platform zu bringen.
Es nervt ja jetzt schon, dass man sich ständig irgendwo anmelden muss und wenn dann noch etwas dazu kommt was relativ gleich ist wie das wo man eh schon drin ist, ist das vielleicht weniger interessant.

Xing muss sich meiner Meinung nach erstmal keine großen Sorgen machen, ...

Das sehe ich auch so, zumal Xing auch schon eine Schnittstelle für externe Anwendungen angekündigt hat.

Ich sehe in diesen Social Platforms, die sich durch eigene oder fremde kleine Widgets erweitern lassen schon eine wirkliche Neuerung, die das Zeug für eine Art Paradigmenwechsel hat.

Es nervt ja jetzt schon, dass man sich ständig irgendwo anmelden muss und wenn dann noch etwas dazu kommt was relativ gleich ist wie das wo man eh schon drin ist [...]
Ich denke (hoffe) das es in Zukunfts einen "Social-Network-Standard" geben wird. Ansaätze gibt es ja schon: Microformats.

@ Christina:

Ich denke auch, dass die Loyalität zu StudiVZ ein Problem für Facebook sein wird. Es sind eben alle drin mit denen man so zu tun hat. Da wird es wahrscheinlich ziemlich schwierig werden viele Leute auf eine andere Platform zu bringen.

Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich, dass es für Facebook gar nicht so sehr darum geht, alle deutschen Studenten zum Wechseln zu bewegen, sondern dass die sich bei ausreichend interessantem Angebot sowieso (zusätzlich) dort anmelden und dass die Frage für Facebook und StudiVZ keine Frage der Nutzerzahlen, sondern einzig und allein der Aktivität auf der Plattform ist.

Schafft es Facebook so interessant zu sein, dass der deutsche Student mehr Zeit auf Facebook als auf StudiVZ verbringt? Dass er vielleicht irgendwann sogar sein Netzwerk hauptsächlich dort pflegt? Netzwerk- und Lock-in-Effekte sind schwierig zu knacken, aber der Punkt ist der: wenn die Leute ohnehin auf beiden Plattformen aktiv sind und sie ihre Freunde auf beiden Plattformen finden, dann ist es völlig egal, welche sie gerade nutzen. Dann hängt es nicht mehr vom Netznutzen (sprich: der Größe des Netzwerks), sondern nur noch vom Basisnutzen (hier: die Features und Anwendungen auf der Plattform) ab, wo der Nutzer aktiv ist.

Bleibt also abzuwarten, ob es Facebook schafft, so viel besser als StudiVZ zu werden, dass sich ein Großteil der deutschen Studenten (auch) dort anmeldet.

In den USA ist man in der Diskussion schon sehr viel weiter. Inzwischen verzeichnet Facebook außerhalb des studentischen Bereichs sein größtes Wachstum und macht es dadurch auch für Unternehmen attraktiv, sich in diesem Social Network zu engagieren.

Gerade im Businessumfeld gibt es zahlreiche Anwendungen und Möglichkeiten, die Facebook im Gegensatz zu anderen Social Networks wie Xing und LinkedIN bietet. Ich kann viel mehr über den einzelnen Facebook-Nutzer erfahren und mit ihm interagieren und darüber eine Stickyness erzeugen, die den Nutzer immer wieder ins Facebook führen.

Natürlich kann ich Facebook nur privat nutzen und es mit entsprechenden Gimmicks verzieren. Gleichzeitig ist es aber auch möglich, den Businesskontakten einen limitierten Zugang aufs eigene Business-Profil zu geben. Letztlich eröffnet Facebook sehr viele Varianter der Nutzung, ohne so verspielt wie MySpace zu sein. Aber im Gegensatz zu Xing sehe ich auf meinem Facebook ständig, wie andere miteinander umgehen, wie sie das Tool nutzen und welche Inhalte sie ggf. produzieren.

Deshalb möchte ich persönlich Facebook nicht mehr missen, werde aber sicherlich auch nicht auf meinen Xing-Account verzichten.

@ Klaus Eck:

In Unternehmen auf jeden Fall -- für die ungezwungene Kommunikation zwischen den Mitarbeitern ist Facebook hervorragend.

Für den Kontakt zu Kunden, Geschäftspartnern, etc., mit denen ich privat keinen Kontakt habe, würde ich Facebook momentan nicht nutzen. Aber das mag eine persönliche Frage sein. Es würde mich nerven, wenn ich ständig irgendwo rumklicken muss, dass Kunden nicht mit "Arno added the Pirates vs. Ninjas application"-Meldungen zugemüllt werden. Mit etwas Feintuning kann man Facebook bestimmt auch businesskompatibel machen. Aber wozu?

Die Welt verträgt auch zwei oder drei Social Networks und Xing hat im Feld Business deutlich die Nase vorn, genauso wie Facebook im -- sagen wir persönlichen Bereich.

Ich sehe die Zielgruppe bei StudiVZ und Facebook als technisch wenig interessiert an, so dass die Features von Facebook für viele kein Grund zum wechseln werden wird. Das Wichtigste ist, dass viele Freunde hier sind und die Bedürfnisse nach Chat/Messaging, Fotos, neue Leute kennen lernen befriedigt werden, die Einbindung weiterer Applikation ist meiner Meinung nach nur für sehr wenige interessant.

Xing dagegen verliert sicherlich viele Nutzer an StudiVZ, Facebook & Co, da ein Großteil der Xing Nutzer diese Plattform primär für nicht berufliche Dinge nutzen. Und im Privatumfeld sind bei Xing fehlende Features wie Fotoalben,... sehr wichtig.

@ Jimmy Lightning:

Ich glaube nicht, dass StudiVZ-Nutzer nicht mehr wollen, als gerade das was StudiVZ anbietet. Da werden doch viele noch andere Wünsche haben und bei Facebook wird es in ein paar Monaten, vielleicht in einem Jahr so viele Features geben, weil jeder eins selber bauen kann, dass auch jeder irgendwas findet, was er bei StudiVZ vermisst.

Dass Xing Nutzer an StudiVZ verliert, glaube ich weniger. Vielleicht an Facebook. Aber solange der Fokus bei Xing auf Business bleibt und die Plattform sich weiterentwickelt (v. a. in Richtung API, Erweiterbarkeit, was ja seit Monaten in Arbeit ist), solange mache ich mir keine großen Sorgen um Xing.

Nein :)

StudiVZ ist in Dt. Pionier. Sie haben den Markt der Privaten Social Networks / Communities richtig hochkochen lassen. Jetzt ist erst einmal den meisten Studenten bewusst, wieviel Spaß / Nutzen aus einem solch großen Netzwerk entstehen kann. Sobald sich dieser Nutzen etabliert hat und die User Erfahrungen gesammelt haben...

... steigt bei vielen Usern auch die Mobilität. Und genau da wird es auch early adopters geben, die Ihre Internet-affineren Freunde herüberziehen. Der Punkt ist nur: Die Deutschen sind im Online Networking eben nicht so engagiert wie die US-Amerikaner. Sie werden also noch etwas brauchen, um den erhöhten Nutzen einer dt. Facebook Version zu erkennen. Aber der Exodus wird kommen.

also wenn ich meine freunde so beobachte (die nicht web2.0-junkies;), die alle bei studivz registriert sind, und dann mal facebook ausprobieren ... dann sind sie alle hellauf begeistert von den vielen applikationen die es dort gibt. ob man seine freunde nun in vampire verwandelt, sich gegenseitig fische fürs virtuelle aquarium schenkt oder "seinen style" anhand von produkten präsentiert ... facebook wird als cool und spannend bezeichnet und weiterempfohlen. und es wird auch schon noch applikationen gesucht, die "sowas wie xing" bieten.

ich bin gespannt auf eine deutsche facebook-variante, und ich gebe ihr recht gute chancen gegenüber studivz.

@ paulinepauline:

StudiVZ klatschen die an die Wand, mit Sicherheit. Bei Xing bin ich mir da nicht so sicher, denn Facebook geht mir manchmal ziemlich auf den Keks, wenn ich morgens mal reinschaue und 27 Notifications durchklicken muss, ob was Interessantes dabei ist.

Das Problem ist: das meiste ist zwar ganz witzig, aber auf die Dauer kostet's einfach zuviel Zeit, sich intensiver damit zu beschäftigen. Da braucht man eine ruhige Minute für -- und wenn ich jetzt meine Xing-Nachrichten zwischen all den Aquariums-Nachrichten (hab Dir übrigens gerade einen Goldfisch geschickt ;)) suchen müsste, würde mich das nerven.

Habe hier einige Vergleiche angestellt:
http://www.flaviorump.ch/2007/06/29/studivz-against-facebook-david-against-goliath/

ausserdem interessant ist: http://www.flaviorump.ch/2007/09/26/facebook-switzerland-hits-42k-insane-growth/

In der Schweiz hat Facebook Studivz überholt. Für mich ein klares Anzeichen dafür, dass auch in Deutschland Facebook bald an Überhand gewinnt. Studivz reagiert zu langsam und hat seit langem keine neuen, nennenswerten Features eingeführt. Ein Advertising Deal mit Yahoo? Naja.

Das "deutsche" Facebook heisst VideoMap und ist schon im Aufbau... Anwendungen werden nun entwickelt

http://www.videomap.de/Users_User.aspx?u=298

Man hat ja gesehen, dass durchaus Platz genug da ist und auch bei den Businesscommunities hat sich da noch einiges getan (siehe etwa your-mesh). Das ist auch ganz gut so, da man sich so nicht von einer Plattform abhängig machen muss.

Jetzt kommentieren


Geben Sie die Zeichen ein, die Sie im obigen Bild sehen.

Digitaler Frischfisch

Der interaktive Konsument revolutioniert das Marketing. Ein Blog von SinnerSchrader.

NEXT Berlin - I'M BLOGGING!

Werbung

Fischmarkt on Facebook