Letzte Woche habe ich eine Festplatte bestellt -- über Amazon, bei einem kleinen Händler aus dem Rheinland. Laut Amazon sollte die Platte "binnen eines Werktags" verschickt werden. Als am Mittwoch immer noch keine Platte da war, schrieb ich dem Händler eine Mail, auf die ich auch nach 24 Stunden noch keine Antwort bekam. Da habe ich die Bestellung storniert und woanders bestellt. Der Händler ist jetzt böse auf mich und revanchiert sich für die Stornierung auf ganz eigene Weise -- er verkauft mir die Platte einfach nicht:

Und da Sie ja gestern Abend dann sofort storniert haben weil ich mich erdreistet habe mal eine Tag nicht im Büro zu sein um mails zu beantworten werden Sie die Platte jetzt gar nicht erhalten, zumindest nicht von mir.

Das ist so gemein. ;-)

Es gibt Themen, die bleiben, und Diskussionen, die immer wieder und immer neu geführt werden müssen. Schön, wenn es auch Diskutanten gibt, die lange genug dabei sind, um daraus zu lernen. Die Gespräche über die großen Trends und Themen des Web bleiben, nur die Gesprächspartner wechseln und die Erkenntnis schreitet voran.

Nicholas Negroponte schrieb 1995 in Being Digital: "Computing is not about computers any more. It is about living." David Weinberger variiert seit Cluetrain Manifesto (1999) und Small Pieces Loosely Joined (2002) sein Thema, das da lautet: Wie verändert das Web das Marketing, die Wirtschaft und die Welt insgesamt?

Mit Everything is Miscellaneous hat er jüngst ein weiteres Buch hinzugefügt. Es ist eine Art Being Digital 2.0. Im Vorwort schreibt er:

The physical limitations that silently guide the organization of an office supply store also guide how we organize our businesses, our government, our schools. They have guided--and limited--how we organize knowledge itself. From management structures to encyclopedias, to the courses of study we put our children through, to the way we decide what's worth believing, we have organized our ideas with principles designed for use in a world limited by the laws of physics. Suppose that now, for the first time in history, we are able to arrange our concepts without the silent limitations of the physical. How might our ideas, organizations, and knowledge itself change?

Seine Antwort gab David Weinberger heute in Form einer Keynote auf der Picnic im Amsterdam zu Protokoll. Große Teile davon hat Bruno Giussani notiert.

Als Gegenstück zu Weinberger hat die schlaue Kongressleitung die Rolle des bad guy mit Andrew Keen besetzt und zwischen die beiden den alten Fuchs Walt Mossberg als Moderator gesetzt. Mossberg steht als Technologieredakteur des Wall Street Journal und Gastgeber der Konferenz All Things Digital gut im Stoff und neigt als Vertreter der alten Medien eher Keen zu denn Weinberger.

So kommt nach dessen programmatischer Rede eine lebhafte Diskussion in Gang. Denn auch Keen hat ein Buch zu verkaufen: The Cult of the Amateur heißt es, und Keen profiliert sich damit als Kritiker mindestens der Version 2.0 des Web, im Grunde aber passt ihm die ganze Richtung nicht.

Weinberger weist zu Recht darauf hin, dass die tragenden Prinzipien des Web auch schon Tim Berners-Lee bewegt haben, als er das Hyperlink-Konzept so bestechend einfach und erfolgreich implementierte. Es ging im Web von Anfang an darum, den Daten Bedeutung zu geben. Der blau geschriebene, unterstrichene Klartext eines Hyperlinks (Web 1.0) oder das Etikett, das Tag (Web 2.0) sind im Prinzip frei wählbare Metadaten, die den Daten Bedeutung verleihen.

Keen und Mossberg betrachten das Web eher als ein Massenmedium und kommen deshalb zu den sattsam bekannten Beobachtungen, die aus dieser Perspektive entstehen müssen. Dann erscheint die Wikipedia mit ihrer Faktenfülle und den offen sichtbaren Baustellen plötzlich als überkomplex.

Das Web macht die Dinge komplizierter, nicht einfacher. Es spiegelt die Komplexität der übrigen Welt. Darin sind sich alle drei einig. Weinberger hält das für einen Vorteil und für den Reiz des Web, Keen und Mossberg hingegen sehen hier eher ein Problem.

Lead-Agentur der Zukunft

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PAGE 11.2007

Im Frühjahr antwortete Matthias Schrader auf die ketzerische Frage, ob die Klassik tot ist:

"Ein klares Ja! Die Lead-Agenturen der Zukunft werden Interactive-Agenturen sein, die Klassik hat nur noch dienende Funktion."

Dies ist das Titelthema der Page 11.2007, die am 4. Oktober erscheint. Im Heft kommen Kreative und Kunden zu Wort.

Auf dem Fischmarkt, dem Außengelände der OMD, konnten die Messebesucher Segways ausprobieren, jene ominösen Gefährte, die seit Jahren als der kommende Trend schlechthin vor sich hin vegetieren.

Drinnen galt Mobile Marketing als der Trend des Jahres. Mobile Marketing, das ist der Segway des interaktiven, digitalen Marketings - seit Jahren als das nächste große Ding gehandelt, aber vom Durchbruch nach wie vor weit entfernt.

"Trends im Mobile Marketing" hieß dessen ungeachtet ein von Thomas Knüwer moderiertes Panel, das dem ewig hoffnungsvollen Nischenthema neues Leben einzuhauchen trachtete. Während die Runde sich erkennbar mühte, brannte Trendanalyst Michael Tchong in seiner Keynote ein wahres Trendfeuerwerk ab.

Zwischen 1920 und 2005 ist die durchschnittliche nächtliche Schlafdauer eines Erwachsenen von 8,8 auf 6,9 Stunden gesunken. Wir schlafen weniger, aber haben noch weniger Zeit, geschweige denn Aufmerksamkeit. Attention Deficit Disorder (ADD) wird vom Krankheitsbild zum normalen Verhalten. Wahrscheinlich deshalb hat Tchong in ungefähr 45 Minuten gefühlte 180 Folien gezeigt.

85 Prozent der britischen Werktätigen machen keine volle Stunde Mittagspause mehr. Die Lunchtime ist tot. Die Aufmerksamkeitsspanne der Konsumenten ist so fragmentiert, dass niemand mehr Aufmerksamkeit für irgendetwas aufbringen kann.

Konsumenten klagen eher über einen Mangel an Zeit als über zuwenig Geld. Marketer haben Erfolg mit Produkten und Dienstleistungen, die Zeit sparen. Wir sind eine on-demand society, wir sind always on. Wir brauchen Kaffee - Starbucks ist die größte Restaurantkette der Welt, vor McDonald's & Co. - und Energiedrinks, um wach zu sein, und Schlafmittel, um schlafen zu können.

Klingt das jetzt zu kulturpessimistisch? Das liegt wahrscheinlich daran, dass mein Wecker heute früh um 4.18 Uhr geklingelt hat, nach gut vier Stunden Schlaf, und ich um 5.18 Uhr fast meinen Zug verpasst hätte. Tchong hat auch erfreulichere Trends genannt. Aber dafür reicht meine Zeit nicht mehr, meine Aufmerksamkeitsspanne ist zu kurz und ich bin müde.

Thomas Hoof, der eher wortkarge Westfale, textet seine Manufactum-Kataloge mit mächtiger Wortgewalt. Sein Unternehmen hat er jüngst endgültig an OTTO verkauft. In seinen letzten Hausnachrichten zum neuen Katalog schreibt er, was sich wie ein Postludium zur höllischen E-Mail-Woche auf dem Fischmarkt lesen lässt:

Der wichtigste Rohstoff unserer Gesellschaft sei die „Information“, so leiern die Gebetsmühlen im Dauerlauf.
„Information“ ist mit Sicherheit der am wenigsten knappe Rohstoff, ob der wichtigste, daran kann genaueres Hingucken häufig ernsten Zweifel wecken. Aber zum Hingucken kommt man – begraben unter Bergen von Junk- und CC-Mails, umspült von Radio- und Fernsehgeschwätz, mit SMS und RSS zwangsernährt und von Pop-Ups angeschlagen – gar nicht mehr, sondern hat alle Hände voll zu tun, den nie versiegenden Strom in Papierkörbe, Spam-Filter und „Später-bearbeiten-Ordner“ zu lenken. Wer all dies als „Informationsmanagement“ beschönigt, kann auch die Mühen eines Menschen, der im Badesee mit allen Vieren gegen das Ertrinken rudert, zum „Wassermanagement“ verklären.
Das ganze Drama spielt weit unterhalb der Ebene, auf der Kulturkritik und Wissenssoziologie zuständig wären. Es findet ganz banal im Alltag statt. Die Informationsgesellschaft ist schlicht nicht mehr im Stande, ihren namensgebenden „Rohstoff“ zu organisieren, zu ordnen und zusammenzuhalten.
Betrieblich war letzteres früher die Aufgabe der Abteilung „Schriftgutverwaltung“, deren Angehörige die je für sich zweifelhaften Eigenschaften des Hamstertriebes und der Pedanterie zu etwas höherem Dritten verschmolzen hatten und einem einen Vorgang oder eine Akte zwar argwöhnisch und mißmutig, aber immerhin vollständig aushändigten. Wer heute darauf besteht, die vollständige Dokumentation etwa einer Geschäftsbeziehung zu erhalten, hetzt den halben Betrieb in dunkle E-Mail-Keller und bekommt garantiert nur einen Bruchteil aller Vorgänge.

Manufactum wird im nächsten Jahr einen Sonderkatalog "Werkzeugladen für Kopfarbeiter" publizieren. Was darin feilgeboten werden wird, beschreibt Hoof etwas nebulös so:

Anders als Sie vielleicht erwarten, wollen wir darin nicht zu Randlochkartei und Zettelkasten bekehren, sondern plädieren mit Tips und entsprechender Hardware für gemischte Systeme. Zu der Hartware, den Werkzeugen also, zählen dann zwar auch tragbare (und zu jeder Zeit schon „gebootete“) Flachsichtkarteien als organisierter Informationsspeicher, aber auch körperlich und technisch verschlankte Kleincomputer und – im Vergleich zu riesenwüchsiger Office-Software – wirklich intelligente, schmale und durchtrainierte Programme zur Erfassung und verknüpften Erschließung von papierenen und elektronischen Informationen.

Da sind wir mal gespannt. Jetzt aber genug zu diesem Thema. Diese Woche erwartet uns die OMD. Ich werde morgen dort sein. Und am Donnerstag auf der Picnic in Amsterdam.

next is everywhere

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Die next07 hat es inzwischen sogar auf die Flohmarktstände dieser Welt geschafft. Allerdings wurden beim Sternschanzenfest am Samstag horrende Preise für das Anhängerband der next07 geboten, so dass ich mich gegen einen Zukauf entscheiden musste...

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Nach vier Tagen der Trauer und Klage über den Niedergang des einst glanzvollen Mediums Mail ist es nun Zeit für den Blick nach vorn. Gibt es Auswege aus der E-Mail-Hölle?

An dieser Stelle möchte ich nicht mit einem weiteren Aufguss der GTD-Methode langweilen. Das Thema hebe ich mir für später auf, und außerdem folgt meine Mailbearbeitungsroutine, jedenfalls in der Theorie, dem Modell von Meister Allen.

Fischmarkt: Die E-Mail-Hölle

E-Mail wird überbewertet und wird sich nicht durchsetzen, war meine Ausgangsthese am Montag dieser Woche, etwas präzisiert am Mittwoch. Gestern habe ich das Paradox der fragmentierten Kommunikation formuliert: E-Mail verliert seine Bedeutung als Kommunikationswerkzeug, gewinnt aber an Bedeutung als Alert-Box, die mich auf anderswo stattfindende Kommunikationsereignisse aufmerksam macht.

Is e-mail the ultimate social environment, fragt Om Malik. Weniger ein Social Network als ein relationship and interaction manager that aggregates various social web services? Om Malik hasst Mail genau wie ich, aber sieht eine Riesenchance, das Medium neu zu erfinden.

Wie kann das aussehen? Beginnen wir am oberen Ende des Marktes - dort, wo Microsoft mit MS Exchange (2005: 33 % Marktanteil in Unternehmen) und MS Outlook (> 60%) dominiert. Outlook mag manchem indiskutabel erscheinen, jeder hasst es, aber fast jeder hat es auch. So wie einst Lotus Notes/Domino in großen Konzernen der Standard waren und zum Teil auch heute noch sind.


Xobni (rückwärts für Inbox) hat jüngst ein beeindruckendes Plugin für Outlook vorgestellt, das viele der in der Mailflut enthaltenen Informationen verarbeitet und nutzbar macht: Wer sendet mir wann wieviel Mail? Wieviel Mail sende ich wem? Welche Telefonnummern haben meine Kontakte? Welche Dateien tauschen wir aus?

Xobni erschließt so das soziale Netzwerk, das sich in der Mail dokumentiert. (Soweit es sich heute noch dort dokumentiert und nicht schon auf andere Plattformen abgewandert ist.) Spätere Versionen sollen auch andere Quellen wie flickr oder Twitter anbinden - vermutlich alles, was einen RSS-Feed liefern kann.

Xoopit geht den umgekehrten Weg und konstruiert eine Art Meta-Inbox für alle möglichen Webdienste:

The entire system is built to bring all types of web services right into the inbox. You go to the Xoopit web site, sign up, and input either your POP3 or IMAP mail server information. The messages immediately start getting pulled into your Xoopit account. If you have an IMAP server, then the messages reconcile with your original inbox. From here on Xoopit lets you view your inbox (and your attachments) in many different ways.
Take photos, for example. Most of us end up emailing photos (or links to photos) to each other. Links of photos are used to access them, while attachments are used to get a “preview.” The Xoopit GUI makes it easy to see photos on a grid, much like you would on, say, an iPhoto. On social networks photos are shared via some sort of a photo (or slideshow) widget. In this case, the email environment becomes the place where you can experience photos and videos. The next obvious step for Xoopit is to bring in Twitter and other such services into their playground.

Zwei spannende Ansätze, die nur ahnen lassen, welche Innovationsschübe auch das älteste Kommunikationsmedium im Internet noch vor sich haben könnte. Gmail war nur der Anfang.

Einen simplen Rat möchte ich jenen Lesern, die bis hierhin durchgehalten haben, nicht vorenthalten. Er stammt nicht von mir, aber er klingt charmant: Think of e-mail as a river, not a pond.

Der Reiz von Twitter ist, dass ich jederzeit ein- und aussteigen kann. Es ist wie der Agenturticker, den ich 1993 als freier Mitarbeiter beim öffentlich-rechtlichen Radio verfolgen musste, wenn ich als Redakteur für die tagesaktuelle Informationssendung Dienst tat.

Niemand liest alte Agenturmeldungen nach, wenn er eine aktuelle Sendung machen muss. Genauso kann man es auch mit Mail halten: Man reserviere eine Stunde für die Mailbearbeitung, beginne mit der neuesten Nachricht und arbeite sich rückwärts durch. Ist die Zeit vorbei, wird der unbearbeitete Rest gelöscht. Oder, für die Mailhamster unter uns, in einem Ordner abgelegt und nie wieder angeschaut.

Am Ende dieser Woche meldet mein Posteingang 1464 Elemente, davon 610 ungelesen. Ein Schmankerl noch: E-mail ain't going away

E-Mail verliert an Bedeutung im Kommunikationsmix, weil ihr Nutzen im Verhältnis zum Aufwand immer geringer wird. In der kleinen Reihe aus der E-Mail-Hölle beschäftigen wir uns heute mit den Alternativen - und dem Problem multipler Posteingangskörbe.

E-Mail ist etwas für Eltern, die 12- bis 24-Jährigen nutzen stattdessen Instant Messaging. Zu diesem und anderen aufregenden Ergebnissen kommt eine Studie des University of Southern California's Center for the Digital Future. Die jüngste Generation nutzt Mail nur noch für den unvermeidlichen Kontakt mit Älteren. Mail ist für sie ein Arbeitsmittel, das ihnen aufgezwungen wird wie früheren Generationen das Telefon, die Schreibmaschine, das Fax oder der PC.

Fischmarkt: Die E-Mail-Hölle

Die Musik spielt hingegen in Social Networks wie MySpace, Facebook, Xing oder auch StudiVZ. Sie alle haben mehr oder weniger entwickelte Nachrichtenfunktionen, die sich in einem wesentlichen Punkt von Mail unterscheiden: Niemand muss dort Nachrichten von Unbekannten annehmen, denn zuerst muss ein Kontakt hergestellt sein.

Nachrichten in solchen Netzwerken sind per definitionem einer persönlichen geschlossenen Benutzergruppe vorbehalten. Dadurch ist das Signal-Stör-Verhältnis von vornherein sehr viel günstiger als bei herkömmlicher Mail.

Allerdings finden sich bislang nicht alle relevanten Kontakte auf genau einer solchen Plattform ein. Bei Xing habe ich mehr und andere Kontakte als bei Facebook und StudiVZ. Und gerade unter Journalisten gibt es nach wie vor Totalverweigerer, für die klassische Mail das höchste der digitalen Gefühle ist.

So entsteht das Problem multipler Posteingangskörbe. Statt einer Outlook-Inbox gibt es plötzlich Nachrichten bei Xing, eine Inbox bei Facebook und den Nachrichtendienst von StudiVZ. Und diese neuen Körbe fangen auch noch an, Mail zu schicken, um mich auf neue Nachrichten hinzuweisen. Was nicht schlecht ist, denn sonst müsste ich dort ziemlich oft nachschauen.

Ganz zu schweigen von Instant Messaging. Ich nutze Skype und Google Talk - mit jeweils unterschiedlichen Buddylists. Und die neuen hybriden Dienste Twitter, Jaiku und Pownce, mehr oder weniger intensiv. Die meisten von ihnen schicken Mail, um mich auf Kommunikationsereignisse aufmerksam zu machen.

Die Fragmentierung der Kommunikation ist also paradox: Sie verringert die relative Bedeutung der Mail als Kommunikationswerkzeug, aber erhöht zugleich die Bedeutung der Mail als Alert-Box. Jedenfalls solange, bis neue, integrative Werkzeuge über verschiedene Plattformen hinweg den gleichen Zweck erfüllen.

Interessante Integrationsansätze sind zum Beispiel der Brabblr (für Twitter & Co.) oder auch Plaxo, dessen Outlook-Integration derjenigen von Xing haushoch überlegen ist. Doch dazu morgen mehr an dieser Stelle.

To me, great digital work is therefore found where strategy, creativity and innovative use of technology merge to the benefit of the consumer. I look forward to a year where we forget the boundaries and put our customers’ customers in the centre as we search for the most engaging and relevant work.

Lars Cortsen, Creative Director und Gründer, Triple Copenhagen, Präsident der Jury für die Kategorie Interactive beim Eurobest Award, in seiner Botschaft. Und weiter:

So, I guess I won’t just be looking for a punch line; I’ll be looking for a reason why the customer should want to interact with and co-create the story, product or service.

Yep.

Die kleine Fischmarkt-Reihe aus der E-Mail-Hölle erzeugt erfreulich viel Resonanz. Offensichtlich trifft das Thema einen Nerv. Schön auch die Reihe der bestorganisierten Mailhelden, die in den Kommentaren zu bewundern ist. Noch mehr würde ich mich freuen, wenn sich auch einmal der eine oder andere Mailversager Leidensgenosse zu Wort meldete.

Es ist nicht so, dass ich nicht wüsste, wie Mail effizient und effektiv zu bearbeiten ist. Nein, ich kann es sogar einigermaßen. Im April war meine Inbox zero. Aber dann kam die Realität dazwischen.

Es gibt nämlich auch noch ein Leben außerhalb von Outlook, und traurigerweise wird dort das Geld verdient. Niemand wird dafür bezahlt, Mail zu bearbeiten. Die Ausnahme mögen Call Center sein, aber das ist ein anderes Thema.

Fischmarkt: Die E-Mail-Hölle

Nein, ich habe mich seit April mehrfach dafür entschieden, meine Mail nicht zu bearbeiten und stattdessen etwas Sinnvolleres zu tun. Zum Beispiel im Urlaub - da lese ich zwar Mail, aber ich bearbeite sie nicht. Hey, ich habe schließlich Urlaub.

Heute werfen wir einen kleinen Blick in meinen Mailbearbeitungsprozess. Was geschieht mit einer kleinen, unschuldigen Mail, nachdem sie den ersten Mailserver meines Arbeitgebers erreicht hat?

  1. Eine Instanz des spamassassin filtert den gröbsten Mist heraus. Ich lese alle Sammeladressen wie info@ oder presse@ - einer muss es ja tun, und bei uns tun das mehrere Leute. Wir sind über diese Adressen erreichbar und reagieren auch. Den Preis des Spamaufkommens zahlen wir ungern dafür, aber wir zahlen ihn.
  2. Der eingebaute Junk-Filter von Outlook filtert ein zweites Mal. Und den Rest erwischt dann zum größten Teil das Spambayes-Plugin für Outlook. Bei diesem Prozess bleibt auch mal legitime Mail im Spamfilter hängen, aber ein bisschen Schwund ist immer.
  3. Der Rest landet im Posteingang und nur dort. Früher hatte ich Filterregeln, die zum Beispiel die Mail an Sammeladressen in separate Ordner sortiert haben. Mit den Ergebnis, dass ich nicht einen Posteingang, sondern gleich mehrere hatte - und wichtige Mails übersah. (Mehr zum Thema multiple Posteingangskörbe morgen an dieser Stelle.)
  4. Wenn ich Mail bearbeite, dann beginne ich - nach dem LIFO-Prinzip - mit der neuesten Mail.
    • Was ich nicht brauche, wird sofort gelöscht.
    • Was ich binnen ungefähr zwei Minuten beantworten kann, beantworte ich sofort.
    • Was mehr Zeit zur Antwort erfordert, kommt in den Ordner "Zu beantworten".
    • Was eine konkrete Aufgabe beschreibt, landet im Ordner "Nächste Aktionen".
    • Was ich später lesen möchte, versenke ich im Ordner "Wiedervorlage".
    • Was ich vielleicht irgendwann später bearbeiten möchte, wandert in den Ordner "Irgendwann/Vielleicht".
    • Was keinerlei Aktion erfordert, aber weiterhin Wert hat, lege ich in "Für die Akten" ab.
  5. Danach würde ich, wenn die Rahmenbedingungen stimmen, die Ordner in der oben beschriebenen Reihenfolge abarbeiten. Eine bearbeitete Mail, die eine Antwort erfordert, lagere ich in "Wartet auf Antwort" zwischen. Den letzten Ordner "Für die Akten" besuche ich nur noch via Suche.
  6. Dank Google Desktop finde ich so gut wie jede Mail, die ich brauche. Egal in welchem Ordner sie liegt. Was ich nicht finde, erfüllt meistens ohnehin nicht die Mindeststandards an Verständlichkeit (wie aussagekräftige Betreffzeile oder Verwendung brauchbarer Stichworte).
Mailordner

Ich glaube an das Gmail-Motto: Search, don't sort. Don't throw anything away hingegen lässt sich beim heutigen Mailaufkommen nicht mehr sinnvoll durchhalten.

Warum läuft mein Posteingang trotzdem voll? Weil der Gesamtaufwand für diesen Bearbeitungsprozess das Maß an Zeit und Aufmerksamkeit übersteigt, das durch die Ergebnisse zu rechtfertigen wäre.

Ich stelle radikal die Sinnfrage: Welchen Wert schafft Mail? Und wenn, wie in meinem Fall, Mail kaum noch Wert schafft, sondern Wert vernichtet, was sind dann die Alternativen?

Mail wird überbewertet heißt: Mail nimmt im Kommunikationsmix heute einen größeren Platz ein als ihrer Wertschöpfung angemessen wäre. Mail wird sich nicht durchsetzen heißt: Die Bedeutung der Mail wird abnehmen, weil es bessere Alternativen gibt und die jüngste Generation sie längst selbstverständlich nutzt.

In der Tat, Mails werden unwichtiger, die Alternativen nehmen an Bedeutung zu. Dazu morgen mehr, bevor wir uns am Freitag mit Lösungsansätzen beschäftigen.

Donald E. Knuth (ja, der Knuth) ist seiner persönlichen E-Mail-Hölle am 1. Januar 1990 entkommen. Seitdem benutzt er keine E-Mail mehr. Dem 1992 emeritierten Gelehrten mag diese Abstinenz noch möglich gewesen sein. Heute sind die meisten Nutzer zur E-Mail gezwungen.

Büroarbeitsplätze sind in vielen Branchen flächendeckend mit Mail ausgestattet. Angestellte kommunizieren via Mail mit Kunden, Lieferanten und Dienstleistern. Weil sie es müssen. Eine Mailadresse ist wie eine Aufforderung an die ganze Welt, Mail zu schicken. Und die Welt zögert nicht, es zu tun. Selbst die interne Kommunikation läuft häufig per Mail. Oder läuft nicht, weil Mails einfach nicht gelesen werden.

Fischmarkt: Die E-Mail-Hölle

Die jüngste Generation verweigert sich bereits dem kollektiven Druck und weicht auf eine flexible Kombination von Instant Messaging und SMS aus. Auch ein Grund für die Attraktivität und das Potential von Twitter.

Just ask a group of teen Internet entrepreneurs, who readily admit that traditional e-mail is better suited for keeping up professional relationships or communicating with adults.

Ein schneller Blick in den Posteingang von heute früh: Er enthält 1398 Elemente, davon 577 ungelesen. Das älteste trägt das Datum 13. April 2007. Im April war mein Postkorb leer. 414 Mails stammen aus der Zeit vom 13. April bis 3. Mai. Zwischen dem 3. Mai und dem 8. Juni gibt es genau eine Mail. 577 Mails datieren vom 13. Juli bis 12. August - der größte Teil von ihnen stammt aus der Urlaubszeit.

Posteingang

Hier die letzten zwanzig Mails im Postkorb, eingegangen zwischen 15.21 Uhr gestern und 10.13 Uhr heute. Dazu kamen 6 Spamverdächtige sowie 489 und 131 Spams (in zwei verschiedenen Ordnern).

In diesem Fall sind vier echte Mails darunter, die kein Spam, kein Newsletter und keine Hinweis-Mails von Blogs, Xing, der Stundenerfassung, Facebook oder Twitter sind. Kein Problem, dieser Poststapel ist schnell bearbeitet.

Schwierig wird es nur dann, wenn ich dem Posteingangskorb einmal nicht diese liebevolle Aufmerksamkeit widmen kann, weil ich im Urlaub, auf Reisen, in Besprechungen oder auch einfach nur sehr beschäftigt bin. Dann läuft ein Rückstand auf, den zu bearbeiten sich kaum lohnt.

Die kleine Stichprobe zeigt nämlich, wie wenig tatsächlicher Wert in der Mail enthalten ist. Die meisten Newsletter bekomme ich ungefragt, weil sie an generische Adressen (info@, presse@ etc.) geschickt werden. Meistens lassen sie sich nicht abbestellen. Kein Problem, ich lösche sie einfach.

Die Blog-, Xing-, Facebook- oder Twitter-Mails nehme ich zur Kenntnis und lösche sie ebenfalls. Bleiben eine projektbezogene Mail, die ich zu den Akten lege, und drei blogbezogene Fehlermeldungen, die ich bearbeite, beantworte oder weiterleite.

Nichts gegen die vier nützlichen Mails, aber welchen Wert hat der Rest? Ergotherapie? In der Zwischenzeit sind übrigens schon wieder neue gekommen. Es gibt Tage, da könnte ich von morgens bis abends nur Mail bearbeiten. Aber was hätte ich damit gewonnen - außer einem Fleißbienchen und dem guten Gefühl, das sich beim Anblick einer leeren Inbox einstellt? Wo ist die Wertschöpfung?

Lawrence Lessig hat es schon 2004 getan, Fred Wilson im April 2007: Sie erklärten ihren E-Mail-Bankrott (e-mail bankruptcy) und löschten den gesamten Posteingangskorb.

Ähnlich wie der finanzielle Bankrott bleibt die Pleite der Elektropost der einzige Ausweg, wenn die schiere Menge rückständiger Mail nicht mehr beherrschbar erscheint. Früher oder später kommt der Punkt, an dem allein die Mail alle verfügbare Aufmerksamkeit und Arbeitskraft beansprucht. Dann ist Schluss mit lustig.

Fischmarkt: Die E-Mail-Hölle

E-Mail hat längst den Punkt überschritten, bis zu dem ihr Beitrag zur Wertschöpfung noch positiv war. Heute frisst sie mehr, als sie einbringt. Schuld daran ist die Inflation. Das Mailaufkommen hat sich dermaßen ins Astronomische erhöht, dass der Wert einer einzelnen Mail ins Bodenlose gesunken ist.

In den Posteingangsfächern (und für die besser Organisierten: in Zillionen von Ordnern) sammelt sich ein enormer Berg an Mailschulden an. Ähnlich wie bei der Staatsverschuldung ist kein Ansatz in Sicht, wie diese Schulden jemals zurückgezahlt werden könnten.

Die Summe der ungelesenen, unbearbeiteten, unbeantworteten oder ungelöschten Mails ist das exakte Maß für die Differenz zwischen Aufwand und Ertrag des Mediums Mail insgesamt. Je geringer der Nutzen, desto geringer sinnvollerweise die für die Bearbeitung aufgewendete Zeit - und desto größer der Mail-Rückstand.

Die gute, alte E-Mail ist das älteste aller interaktiven, sozialen und kollaborativen Werkzeuge und hat schon den weitesten Weg im Technology Adoption Lifecycle zurückgelegt. Während der spätere Teil der Mehrheit das Medium gerade erst für sich entdeckt, ist das Signal-Stör-Verhältnis bereits denkbar schlecht.

Auf dem Fischmarkt werden wir uns in dieser Woche ausführlich mit dem Phänomen Mail und den Ursachen der Krise befassen. Ob es auch zu Lösungen reicht, das werden wir sehen. Ich möchte nicht zuviel versprechen. Klar scheint mir aber:

E-Mail wird überbewertet. Und wird sich nicht durchsetzen.

Aktueller Stand in meinem Posteingang: 1384 Elemente, davon 568 ungelesen.



Den Videomails gehört die Zukunft, sagen mir unsere Mediaexperten. Zu den Pionieren in diesem Bereich gehört streaming pictures.eu, die in diesem kleinen Video die großen Möglichkeiten des Genres erläutern. Und wie das so ist mit Pionieren - manchmal versteht die Welt sie einfach nur nicht.

Film ab!

Ob das echt wohl von Microsoft ist? MS DOS 5.0 erschien im Juni 1991. Trinkgeld an Mario Sixtus.

Wie heißt die neue RAG? Sputnik? Beatnik? Evonik? Die Antwort weiß die Presse. Eine Website gibt es offensichtlich noch nicht. Aber immerhin zeigt die Teaserkampagnensite die Auflösung.

Siehe auch Thomas Knüwer.

Foto: mkorsakov@flickr

Neue, ziemlich absurde Details zur Umbenennung der RAG am Mittwoch dieser Woche hat heute die FTD:

Schon seit Monaten wird der neue Name wie ein Staatsgeheimnis gehütet. Sechs Buchstaben wird er haben, drei Konsonanten und drei Vokale. Hanuta? Toyota? Blödsinn, reine Spekulation.
Schicht für Schicht wird nun die graue Folie abgetragen, die das eigentliche Transparent an der Fassade verdeckt. Ab Mittwoch wird der Riesenvorhang vollkommen sichtbar sein und bis zum Monatsende hängen bleiben.
Damit der neue Name in seiner ganzen Pracht rund um die Uhr strahlen kann, sorgen Scheinwerfer von außen für Licht. Drinnen sitzen Hunderte Mitarbeiter im Dunkeln. Damit die Kollegen das Staatsgeheimnis nicht vorzeitig ausplaudern, wurden ihre Fenster mit einer weiteren, schwarzen Tarnschicht verdunkelt. Richtig duster bei der Arbeit. Fast wie damals, 1000 Meter tiefer, im Schacht.

Die Welt macht Werbung für portraitiert den Erfinder des neuen Konzernnamens:

Gesucht wurde ein Name, der einzigartig und frisch und trotzdem glaubwürdig sein würde. Ein Juwel von einem Namen, markenrechtlich wasserdicht und in jeglicher Sprache ohne negative Konnotation – das alte „rag“ kann im Englischen schließlich auch „Lumpen“ heißen. Gotta lehnt sich zurück auf seine beigefarbene Couch. Vor 16 Monaten schon wurde der Name vom RAG-Vorstandsvorsitzenden Werner Müller abgesegnet. „Es war mein erster Vorschlag“, sagt Manfred Gotta und wird wortkarg.
Schäuble Via Twitter von Ute.
amiando

Die Einladungsplattform amiando will am Montag ihre englische und französische Version starten. In Frankreich geht amiando zugleich mit einem eigenen Team an den Start. Für COO Markus Eichinger ist das ein erster Schritt zum ehrgeizigen Ziel, ein weltweit führendes Werkzeug für die Eventorganisation zu werden.

Was außerdem neu ist, beschreibt amiando-Chef Felix Haas so:

Neben der englischen und französischen Version ist das Einladen komplett neu gestaltet. Zusätzlich kamen noch weitere neue Features hinzu, die Usability von dem bestehenden wurde verbessert usw. Auch die Gästeliste wurde überarbeitet, die kommt aber erst in den kommenden Tagen.

Anders als upcoming.org, der Urahn des Genres, oder das in der webzwonulligen Szene eher geschätzte wevent.org ist amiando auch ein Ticketvorverkaufssystem für kleine bis mittelgroße Veranstaltungen, komplett mit Zahlungsabwicklung und Eintrittskartenversand.

Den internationalen Start bewirbt amiando mit einem Gewinnspiel, bei dem es ein Wochenende auf dem Oktoberfest inklusive Tickets für das Derby Bayern gegen Nürnberg zu gewinnen gibt - passend also zum Barcamp München.

amiando ist seit Dezember 2006 online. Finanziert wird das Startup u.a. von Lukasz Gadowski (Spreadshirt), Stefan Glänzer (last.fm) sowie Wellington Partners Venture Capital.

Nachtrag: Mehr dazu im amiando-Blog.

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In Frankreich macht es jedes Kind, in Deutschland beschäftigt das Thema noch die "Early Adaptors": Vente Privée -- der pseudo-exklusive Verkauf von verbilligten Markenprodukten an eine geschlossene Nutzergruppe. Das französische Original vente-privee.com setzt damit in diesem Jahr voraussichtlich 300 Millionen Euro um und bietet seit einiger Zeit auch deutschen Kunden schicke Schuhe, Jeans und Handtaschen zum Schnäppchenpreis in zeitlich begrenzten Aktionen "solange der Vorrat reicht".

Mit brands4friends.de startet die Berliner Private Sale GmbH jetzt ein Konkurrenzangebot. Das Unternehmen wird unter anderem finanziert von Lukasz Gadowski und StudiVZ-Gründer Ehssan Dariani. In Darianis StudiVZ kommt die Kooperation mit brands4friends.de offensichtlich nicht so gut an, aber die echte Bewährungsprobe müssen die Berliner wohl erst bestehen, wenn der Betatest beendet ist und mehr als nur ein Converse-Angebot zur Verfügung steht.

Ob sich das Konzept in Deutschland durchsetzen kann werden wir bald wissen -- und spannend wird auch sein, wer dann die Nase vorn hat: das französische Original oder doch die Kopie?

Nachtrag: Exciting Commerce berichtet, dass vente-privee.com zu Frankreichs drittgrößtem Modeversender aufgestiegen ist und dabei mittlerweile eBay hinter sich gelassen hat.

Die Erfindung des Web war ein Segen für die Forschung. Es macht wissenschaftliche Befragungen praktisch ohne Budget möglich. Da Online-Fragebögen im Vergleich zu telefonischen oder gar brieflichen Umfragen nichts kosten, ist ihre Zahl gewaltig in die Höhe geschnellt.

Und so erreichen uns fast täglich Befragungen, die angeblich maximal fünf bis zehn, zwanzig oder auch dreißig Minuten unserer Zeit kosten sollen. Man ahnt vielleicht, wie teuer es für ein Unternehmen wäre, all diese Umfragen tatsächlich zu beantworten. Zumal sie meist nicht an konkrete Personen adressiert sind, der richtige Ansprechpartner also erst einmal ermittelt werden müsste.

Vom Schüler, der seine Hausarbeit mit einer Umfrage aufzuwerten gedenkt, bis zum mit EU-Mitteln geförderten millionenschweren Forschungsprojekt ist alles dabei. Die Themen unterliegen gewissen Moden. Wie oft ich in den letzten Jahren zum Thema Corporate Blogging befragt werden sollte, kann ich nicht einmal schätzen.

Drei der häufigsten Fehler solcher Befragungen:

  • Sie geben nicht oder nicht sofort zu erkennen, an welche Zielgruppe sie sich richten. Das herauszufinden wird dem Empfänger überlassen. Der Weg in den digitalen Papierkorb ist garantiert.
  • Sie erklären nicht oder nicht sofort, welchen Nutzen der Befragte von der Befragung haben soll. Bekommt er später die Ergebnisse zu Gesicht? Gibt es etwas zu gewinnen? Bleibt auch diese Frage unbeantwortet, sinkt die Antwortrate dramatisch.
  • Sie stellen zu schwierige Fragen. Oder Fragen, die durch einfache Online-Recherche auch selbst zu beantworten wären. Die Recherche-, Denk- und Abstraktionsarbeit wird auf den Empfänger abgewälzt. Der wird sich bedanken und die Befragung abbrechen.

Dies vorausgeschickt, sei nun auf eine Online-Befragung von Ingo Körle hingewiesen, der seine Diplomarbeit am Institut für Marketing und Medien der Universität Hamburg bei Prof. Dr. Henrik Sattler schreibt. Die Umfrage wendet sich an Nutzer von Webanalyse-Lösungen und an Personen, die am Beschaffungsprozess solcher Lösungen beteiligt sind. Ingo verspricht:

Nach Abschluss der Studie erhalten Sie dann – sofern Sie möchten – die Umfrageergebnisse zugeschickt. Diese geben Ihnen eine Marktübersicht über aktuelle Webanalyse-Systeme. Weiterhin zeigen wir, welches derzeitige Angebot Ihre Wünsche am besten erfüllt! Innerhalb der Befragung möchten wir Ihnen deswegen zentrale Funktionen aktueller Webanalyse-Systeme vorstellen und herausfinden, wie wichtig diese für Ihre Arbeit sind.

Das Analyse-Team von SinnerSchrader betreut die Diplomarbeit von Ingo. Hier geht es zur Befragung.


Wer...

  • ...schaltet mit enormem Mediaaufwand Anzeigen und TV-Spots ohne Absender?
  • ...kommuniziert die Webadresse der Kampagne nur in Print?
  • ...baut eine Flash-Site, für die ich zuerst den neuesten Flash-Player installieren musste?
  • ...veranstaltet dort ein wenig originelles Quiz mit einer nervtötenden Würfelanimation?
  • ...stellt zuletzt eine Frage, die kaum jemand beantworten kann, der nicht schon vorher weiß, wer der Absender ist?
  • ...bereitet auf diese Weise einen Börsengang vor?

Richtig, es ist die RAG. Ein Unternehmen, das dessen Tochter DSK nach wie vor vom Steuerzahler subventioniert wird.

Es handelt sich um die Teaserkampagne für den neuen Namen der RAG, der am 12. September annonciert werden soll.

So was soll wohl eine innovative Multikanalkampagne sein. Seufz.

Sport-Communities im Test (3)

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In der Reihe "Sport-Communities im Test" testet der Fischmarkt Sport-Communities. Wer hätte das gedacht. Heute unter der virtuellen Lupe: spielerkabine.net

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Die Spielerkabine musste kurz vor dem Launch am 30.Juli 07 erst einmal eine rechtliche Hürde umschiffen. Der ursprünglich geplante Name - Mannschaftskabine - wurde von einem Dritten als Wortmarke registriert und so flatterte kurz darauf auch eine Unterlassungserklärung in den Postkasten. So wurde die Mannschaftskabine in Spielerkabine umbenannt und die engagierten Studenten machten mit einer Finanzspritze von 10.000 Euro der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg fleißig weiter.

Der erste Eindruck ist - wie sagt man so schön? - webzwonullig. Knallige Farben, runde Ecken und ein Sternchen-Böbbel ("kostet nix!"). Fehlt nur das "beta"? Die Startseite ist einfach und ansprechend, im Fokus stehen drei Links/Funktionen: Login, Registrierung und "Wie funktioniert's?". Vorbildlich. Auch das Hauptmenü ist zielführend. Es gibt Sportler, Mannschaften und Gruppen, ergo auch diese drei Menüpunkte. Diese kann man auch im uneingeloggten Zustand bestaunen, es sei denn, das jeweilige Profil wurde vom Besitzer für nicht eingeloggte Besucher gesperrt.

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Nach der Registrierung kommen zwei weitere Reiter hinzu. Der "Spind" ist der Bereich, in dem der Nutzer sein Ego ausleben kann. Dabei ist die spielerkabine fast über das Ziel hinaus geschossen, so können auch Dinge wie "Beste Frisur" eingetragen werden, wodurch eine kleine Formularwüste für den persönlichen Steckbrief entsteht. Daneben können dann die betriebenen Sportarten festgelegt werden und es gibt eine rudimentäre, aber ausreichende Rechteverwaltung. Zusätzlich gibt es noch einen Bereich für die interne Nachrichtenfunktion.

Die Gruppen- und Mannschaftsbereiche erweitern sich nach Registrierung um die Möglichkeit, eigene Mannschaften und Gruppen zu gründen. Im Gegensatz zum Profil sind hier nur wenige Eigenschaften pflegbar. Name, Beschreibung, Sportart und Ort, dazu ein Bild und ein Homepage-Link, das ist alles. Bei den Gruppen sieht es noch dünner aus. Die Spielerkabine fokussiert also vor allem auf die Darstellung des einzelnen Sportlers, die Mannschaften/Gruppen sind nur das virtuelle Bindeglied zwischen den jeweiligen Mitgliedern. Jede Mannschaft/Gruppe hat hierfür dann auch ein eigenes Forum zur Verfügung. Eine Vereinsebene über den Mannschaften wird bisher noch nicht abgebildet.

Was gibt es noch an Funktionen? Durch eine ganz hervorragende Google Maps-Integration kann man den eigenen Wohnort und den Ort des Vereins visualisieren und so auch nach anderen Sportlern und Mannschaften suchen. Dabei wird je nach Maßstab des Kartenausschnitts die Anzahl der "Objekte" auf Staaten-, Länder- Kreis- oder Städteebene angezeigt. Über eine Bewertungsfunktion können sich Sportler gegenseitig - na, was wohl? - bewerten. Fitness, Technik und Einsatz heißen die Kategorien, in denen jeweils Schulnoten vergeben werden können. Mobbing ist vorprogrammiert... ;) Und natürlich gibt es auch eine (Sport)freunde-Funktion, um Kontakte zu visualisieren.

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Technische Basis des Portals ist Ruby on Rails, im Frontend sind etliche sogenannte Web2.0-Elemente verbaut, AJAX und script.aculo.us-Effekte finden sich auf fast jeder Seite wieder.

Fazit: Die Spielerkabine ist schon jetzt, nach nur gut einem Monat nach dem Livegang eine recht runde Sache. Die Nutzerführung ist sehr durchdacht, man findet sich leicht zurecht und wird durch die einzelnen Kompenenten begleitet. Die Optik ist natürlich Geschmackssache, sie hält sich an derzeit als modern geltende Elemente (mir persönlich ist das türkis etwas grell, aber was weiss ich schon von Farbenlehre). Die Funktionalität auf der Ebene des einzelnen Nutzers ist gut, auf Mannschafts-/Gruppenebene ist noch Potenzial nach oben vorhanden. Auch bei der Spielerkabine konnte ich leider nicht viel über die aktuellen Nutzerzahlen herausbekommen, allerdings ist die Zahl von 500 Nutzern am zehnten Tag nach dem Start schon beachtlich (und wurde auch gebührend gefeiert, Video bei YouTube).

Erfolgschancen: 50%, die technische Basis ist soweit sehr ordentlich geschaffen, jetzt sollte es an die Vermarktung gehen. Und hier stellt sich dann natürlich gleich die Frage nach einem Investor, der diese Aufgabe (und die Weiterentwicklung und Community-Betreuung) finanziell unterstützen möchte. Falls dieser gefunden wird, sieht es gut aus für die Spielerkabine.

Economist, Aug 30th 2007, Who's afraid of Google?

Wer hat Angst vor Google? Diese Frage stellt der Economist in seiner jüngsten Ausgabe und zieht einen interessanten Vergleich mit der Bankindustrie:

Just as financial institutions grew to become repositories of people's money, and thus guardians of private information about their finances, Google is now turning into a custodian of a far wider and more intimate range of information about individuals.

Ich kann mich noch gut an eine gewisse Unsicherheit breiter Bevölkerungsschichten im Umgang mit Banken erinnern. Noch in den siebziger Jahren war die Gesellschaft keineswegs vollständig mit Girokonten und Sparbüchern versorgt. Bis heute gibt es Rentner, die ihre Rente in bar bei der Post abholen. Und so manche Rentnerin bewahrt ihr Erspartes lieber unter der Matratze oder zwischen dem guten Sonntagsgeschirr auf.

Das Misstrauen gegen Banken und Sparkassen speiste sich zunächst aus der Erfahrung zweier Weltkriege mit anschließender Geldentwertung. Doch dazu kam eine prinzipielle Abneigung dagegen, einer Bank die intimen Details der persönlichen Finanzlage anzuvertrauen. Letztlich arbeiten auch in einer Bank fehlbare Menschen, und womöglich solche, die mich persönlich kennen. Diese Abneigung hat sich bis heute nicht völlig verloren, auch wenn nur wenige Finanzverweigerer aus prinzipiellen Gründen kein Konto haben wollen.

Ähnlich liegt der Fall Google. Die Durchdringung der Internetnutzerschaft mit Google-Konten hat schon enorme Fortschritte gemacht. Doch das Vertrauen in das Geschäftsgebaren hält damit nicht unbedingt Schritt. Jeder neue Google-Dienst muss sich, jedenfalls in Deutschland, einer Grundsatzdebatte stellen. Stich- und Schlagworte wie Privatsphäre, Datenschutz, Datenkrake und Big Brother sind schnell bei der Hand.

Die Banken arbeiten seit Jahrzehnten daran, das Vertrauen ihrer Kunden zu gewinnen. Das Vertrauen in die neuen Wächter unserer Daten muss noch wachsen. Einstweilen hält die digitale Rentnergeneration ihre wertvollen Datengüter lieber unter der Matratze auf eigenen Rechnern vor.

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