E-Mail verliert an Bedeutung im Kommunikationsmix, weil ihr Nutzen im Verhältnis zum Aufwand immer geringer wird. In der kleinen Reihe aus der E-Mail-Hölle beschäftigen wir uns heute mit den Alternativen - und dem Problem multipler Posteingangskörbe.
E-Mail ist etwas für Eltern, die 12- bis 24-Jährigen nutzen stattdessen Instant Messaging. Zu diesem und anderen aufregenden Ergebnissen kommt eine Studie des University of Southern California's Center for the Digital Future. Die jüngste Generation nutzt Mail nur noch für den unvermeidlichen Kontakt mit Älteren. Mail ist für sie ein Arbeitsmittel, das ihnen aufgezwungen wird wie früheren Generationen das Telefon, die Schreibmaschine, das Fax oder der PC.
Die Musik spielt hingegen in Social Networks wie MySpace, Facebook, Xing oder auch StudiVZ. Sie alle haben mehr oder weniger entwickelte Nachrichtenfunktionen, die sich in einem wesentlichen Punkt von Mail unterscheiden: Niemand muss dort Nachrichten von Unbekannten annehmen, denn zuerst muss ein Kontakt hergestellt sein.
Nachrichten in solchen Netzwerken sind per definitionem einer persönlichen geschlossenen Benutzergruppe vorbehalten. Dadurch ist das Signal-Stör-Verhältnis von vornherein sehr viel günstiger als bei herkömmlicher Mail.
Allerdings finden sich bislang nicht alle relevanten Kontakte auf genau einer solchen Plattform ein. Bei Xing habe ich mehr und andere Kontakte als bei Facebook und StudiVZ. Und gerade unter Journalisten gibt es nach wie vor Totalverweigerer, für die klassische Mail das höchste der digitalen Gefühle ist.
So entsteht das Problem multipler Posteingangskörbe. Statt einer Outlook-Inbox gibt es plötzlich Nachrichten bei Xing, eine Inbox bei Facebook und den Nachrichtendienst von StudiVZ. Und diese neuen Körbe fangen auch noch an, Mail zu schicken, um mich auf neue Nachrichten hinzuweisen. Was nicht schlecht ist, denn sonst müsste ich dort ziemlich oft nachschauen.
Ganz zu schweigen von Instant Messaging. Ich nutze Skype und Google Talk - mit jeweils unterschiedlichen Buddylists. Und die neuen hybriden Dienste Twitter, Jaiku und Pownce, mehr oder weniger intensiv. Die meisten von ihnen schicken Mail, um mich auf Kommunikationsereignisse aufmerksam zu machen.
Die Fragmentierung der Kommunikation ist also paradox: Sie verringert die relative Bedeutung der Mail als Kommunikationswerkzeug, aber erhöht zugleich die Bedeutung der Mail als Alert-Box. Jedenfalls solange, bis neue, integrative Werkzeuge über verschiedene Plattformen hinweg den gleichen Zweck erfüllen.
Interessante Integrationsansätze sind zum Beispiel der Brabblr (für Twitter & Co.) oder auch Plaxo, dessen Outlook-Integration derjenigen von Xing haushoch überlegen ist. Doch dazu morgen mehr an dieser Stelle.

"Interessante Integrationsansätze sind zum Beispiel der Brabblr (für Twitter & Co.) oder auch Plaxo, dessen Outlook-Integration derjenigen von Xing haushoch überlegen ist. Doch dazu morgen mehr an dieser Stelle."
So warte noch ein paar Wochen unser neustes Wunderwerk ... :-) ...glücklich wirst Du werden!.
Habe von Twitter hier heute das erste Mal etwas gehört und mir Dein Profil dort angesehen. Was ich nicht ganz verstehe ist, warum macht man das? Du berichtest also den ganzen Tag lang Leuten (die Du kennst? nicht? - oder nicht?) was Du so machst. Hast Du da keine Angst, dass jeder weiß wann bei Dir zu Hause keiner da ist?
"Auf zum Elternabend." meine ich zum Beispiel. Genauso würde ich nie in dieses Benachrichtigungsfeld bei StudiVZ eintragen was ich gerade mache... So nach dem Motto: Ich fahre erstmal zwei Wochen in den Urlaub --> Räumt ruhig meine Bude aus :-)
Twitter und Plaxo kannte ich noch gar nicht. Mit deinem Beitrag hast du aber recht - eMails dauern viel zu lange - wenn ich jmd. etwas schreiben will, will ich sofort eine Antwort - nicht ganz so schnell wie am Telefon, aber innerhalb weniger Sekunden und nicht erst nach Minuten...
Mit „You’ve got mail“ kann man heutzutage nur noch wenige Menschen in Euphorie versetzen, das ist klar. Eine E-Mail mit mehr als drei nicht standardisierten Sätzen ist schon so rar wie ein handgeschriebener Brief samt dekorativer Briefmarke. Das allmorgendliche Abchecken all meiner virtuellen Kontaktnetzwerke ist zur Routine geworden. Da forciert eine ohnehin schon überlastete Inbox gerne mal zur Alert-Inbox. Schön, wenn man da die Funktion entdeckt, nicht bei jeder Bewegung auf seinem Profil benachrichtigt zu werden - bleibt jedoch die Frage der Effizienz.
Ein riesiger Vorteil der elektronischen Post ist die unabhängige Erreichbarkeit von jedem Maildienst aus. Sicher, andere Plattformen bieten mir mehr Kommunikationswege und Möglichkeiten. Diese nutze ich auch gerne und bin dennoch bereit, für diejenigen außerhalb der geschlossenen Benutzergruppen meine E-Mail-Adresse parat zu haben.
Was bringt es mir, wenn ich all meine relevanten Kontakte aus verschiedenen Netzwerken wieder in ein einziges integrieren muss/ kann? Warum dann nicht gleich ein einziges Portal für alle? Fragt sich, ob das der Sinn von individualisierten Communities ist. Denn das bisschen Individualität möchte man ja selbst im Netz nicht aufgeben.
Habe eine interessante Lösung für das Problem "multiple Posteingänge" gefunden: www.allyve.com.
Sie bieten Widgets für verschiedene Social Networks an, ich nutze zum Beispiel Xing, LinkedIn und Facebook, da habe ich alle Posteingänge dann im Blick. Ihr Claim ist "alles im Blick mit einem Klick", klingt ein bisschen abgeschmackt, beschreibt das Ding aber ganz gut. Ein Twitter-Widget gibt es übrigens auch.
Und sicher ist es wohl auch, zumindest haben Sie eine TÜV-Plakette.