Google wird morgen eine Allianz annoncieren, die sich anschickt, die Spielregeln im Social Networking neu zu definieren. Zusammen mit LinkedIn, hi5, Friendster, Plaxo, Ning und Xing (und vermutlich noch weiteren Mitspielern) antwortet Google auf die Herausforderung von Facebook und dessen offener Plattform für die Anwendungen Dritter.

Im Kern geht es um drei Programmierschnittstellen für den Austausch von Profildaten, Kontakten und Aktivitäten über die Grenzen einzelner Netzwerke hinweg. OpenSocial geht damit weit über die Möglichkeiten von Facebook hinaus und verspricht, dem Konsumenten im sozialen Web sehr viel mehr Kontrolle über seine Daten und Kontakte zu geben als bisher.

Für hiesige Nutzer ist eine gute Nachricht, dass Xing ebenfalls an Bord ist. Ich für meinen Teil habe dort nach wie vor einen sehr großen Teil meiner relevanten Kontakte und finde dort inzwischen auch Leute, die ansonsten bislang die Finger von solchen Sachen lassen.

Wie sich OpenSocial zu OpenID verhält, bleibt abzuwarten. Auch OpenID kann Profildaten austauschen. Ob OpenSocial auch Authentifizierung (Login) bietet, ist mir bis jetzt nicht klar. Falls ja, dann wäre das wohl das Ende von OpenID.

Die große Frage bleibt natürlich: Werden Facebook und MySpace mitspielen?

Befinden wir uns zum zweiten Mal in einer Blase aus überhitzten Erwartungen, überzogenen Bewertungen und übertriebenen Investitionen? Der jüngste Microsoft-Facebook-Deal hat die Debatte über diese Frage wieder einmal angeheizt.

Die Frage selbst ist nicht neu. Sie begleitet den zweiten Aufschwung der Internetwirtschaft mindestens schon seit Anfang 2006. Heute hat nun Edelmanblogger und Aufschwungsprophet Steve Rubel in einer Philippika der gesamten Branche starke Trunkenheit bescheinigt. Eines seiner Alkoholmessgeräte ist die Menge an blödsinnigen Pressemitteilungen in seinem Posteingang.

Die von Rubel angezettelte Debatte kommt rechtzeitig zur Web 2.0 Expo, die übernächste Woche in Berlin stattfindet. Die Frage wird, so viel scheint sicher, auf den Podien und in den Gängen heiß diskutiert werden.

Möglicherweise ist es tatsächlich eine Blase. Warum das, jedenfalls aus der Sicht des Silicon Valley, gar nicht so schlimm wäre, erklärt John Heilemann im New York Magazine. Und der New Yorker Venture Capitalist Fred Wilson beschreibt in diesen knappen Sätzen die wesentlichen Trends:

We have the following opportunity in front of us; the web is going mobile, programmable, social, and semantic all at the same time. And this is happening on a global scale in real time. In ten years, we will have a completely different world wide web and I am not going to miss out on the fun of helping to build a few parts of it.
In der Tat: Selbst wenn es eine Blase sein sollte, ist Stillhalten keine sinnvolle Option. Denn die grundlegenden Trends des Internetaufschwungs sind sämtlich seit mehr als zehn Jahren intakt. Es gibt Zeiten, in denen zu viel investiert wird, und Zeiten, in denen zu wenig investiert wird. Aber die knappste Ressource bleibt die Zeit. Verlorene Zeit lässt sich im Internet nur schwer aufholen.

DerWesten

Es war im WM-Sommer 2006, als die WAZ-Gruppe eine Bloggerin zur stellvertretenden Chefredakteurin erkor und ihr ein Himmelfahrtskommando anspruchsvolles Projekt anvertraute. Es war ein Paukenschlag. Viel deutlicher kann ein Verlag nicht sagen, dass er im Web einen starken Neuanfang wagt.

Viel Wasser ist seitdem die Ruhr hinabgeflossen. Der ursprünglich für das Frühjahr avisierte Launch musste mehrfach verschoben werden. Und je mehr Zeit verging, um so höher wuchsen die Erwartungen.

Seit der vergangenen Nacht ist DerWesten nun am Start. Auf den ersten Blick haben sich die himmelhohen Erwartungen nicht erfüllt. DerWesten sieht aus wie eine solide Nachrichtensite, aufgeräumt und etwas langweilig. Wird hier der Lokal- und Regionaljournalismus im Netz neu erfunden?

Doch die spannenden Details liegen unter der Haube: Tagging-Mechanismen, regionale und lokale Kontexte, Geo-Tagging, Kommentare, Trackbacks, Blogs und Community-Funktionen. Hier gibt es jede Menge zu entdecken und auszuprobieren. Und dem Team von Katherina Borchert ist nur zu wünschen, dass Leser wie WAZ-Redakteure diese vielen Möglichkeiten entdecken und zu nutzen wissen.

How to Save Newspapers, schrieb der Journalist und Autor Doc Searls im März seiner Zunft ins Notizbuch. Einige dieser Rezepte hat DerWesten schon umgesetzt - und ist damit unter den Nachrichtensites im deutschsprachigen Raum ganz vorn dabei.

Der heutige Starttermin ist zwar spät, aber kein Zufall - auch der elektronische Platzhirsch WDR ging heute mit einem neuen Web-Angebot an den Start.

Zwei Stücke aus der Abteilung "Opa erzählt vom Krieg": Der zeitgeschichtliche Spiegel-Ableger einestages.de rekapituliert die große Blase der späten 90er Jahre und deren Platzen. Autor Hasnain Kazim hatte dazu vor ein paar Wochen auch Matthias Schrader befragt.
Matthias Schrader blickt ohne Emotionen auf die Zeit zurück, als er gemeinsam mit seinem damaligen Geschäftspartner Oliver Sinner die Internetagentur SinnerSchrader in Hamburg gründete. "Eines Tages, im März 2000, schauten wir auf den Ausdruck unseres Depots, und da stand: 200 Millionen Euro." Schrader lächelt. "Damals haben wir noch in D-Mark umgerechnet. Wir konnten das kaum glauben: Das waren fast 400 Millionen Mark."
Sinner ist vor ein paar Jahren, nach dem Crash, aus der Firma ausgestiegen, Schrader lenkt das 1996 gegründete Unternehmen - damals eine kleine Gesellschaft bürgerlichen Rechts - nun alleine von Hamburg aus. Die Internetagentur hat nicht nur den Crash überlebt, sie gehört jetzt wieder zu den erfolgreichen Firmen ihrer Branche, mit immerhin rund 140 Mitarbeitern. In Hochzeiten waren es mal 270.

Das Beste an der Story ist aber das Bild von Telekom-Boss Ron Sommer beim Börsengang seines Unternehmens. Schöner kann man die Bubble der 90er nicht illustrieren.

Ein anderer Krieg, der kalte nämlich, ging noch einmal zehn Jahre früher zu Ende, als der eiserne Vorhang fiel. Seine ersten Risse bekam er im Sommer 1989 in Ungarn. André Lichte, heute Art Director bei SinnerSchrader, war damals dabei.

Eigentlich wollte André Lichte mit seinen neuen Bekannten vom Plattensee nur kurz nach Budapest. Auf der Rückfahrt vom Tagestrip sind sie plötzlich nur noch zu zweit. Die anderen beiden Mitfahrer haben sich in die deutsche Botschaft abgesetzt.

Hier sein Bericht.

wishero.de

Nico Lumma hat heute auf der Internet World (vermutlich, ich war nicht da) den Shoppero-Ableger Wishero vorgestellt, eine Art Widget-Generator für Wunschzettel.

Wishero durchsucht die Produktdatenbank von Amazon und generiert daraus Wunschzettel in verschiedenen Designs, von Kindergeburtstag bis Weihnachten. Die können anschließend per Mail an die üblichen Verdächtigen Adressbücher verschickt werden, haben eine dauerhafte Adresse (Permalink) auf wishero.de und lassen sich mit Hilfe von Clearspring als Widget überall im Web verteilen.

Wie es sich gehört, ist auch Wishero beta. Hier ist unser weihnachtlicher Wunschzettel, bis jetzt alpha.

next08: get realtime

Am 15. Mai 2008 findet die next08 statt. Das Leitthema heißt: get realtime. Der Leitgedanke: Die Kommunikation und Interaktion zwischen Marken und Konsumenten im Web spielt sich mehr und mehr in Echtzeit ab. Diese Herausforderung sehen Startups, Venture Capitalists, Agenturen und Unternehmen aus verschiedenen Perspektiven.

Die next08 ist eine Plattform, die auch Partnern offensteht. Wir suchen Partner, die diese Plattform nutzen wollen. Mehr dazu hier.

Wenn Forrester-Analyst Peter Kim in Unternehmen über Twitter spricht, ist die häufigste Reaktion: "I just don't get it." Twitter erschließt sich nur durch aktives Ausprobieren. Dieses Phänomen haben die Micropublishingdienste mit vielen Internetanwendungen gemeinsam.

Laut Forrester Research nutzen bereits sechs Prozent der erwachsenen Internetnutzer in den USA Twitter. Auch wenn sich diese Zahl auf den weitesten Nutzerkreis bezieht und keinesfalls auf tägliche Nutzer oder Inhaber eines Twitterkontos, bezweifeln sie selbst Nerds wie Robert Scoble. Und das mit Fug und Recht. Dennoch stimmt vermutlich, was Forrester über das Twitter-Publikum schreibt:

If you want to reach an affluent, well educated, and early adopter audience, there might not be a better communication channel out there.

Twitter (und Jaiku & Co.) sind Micropublishingdienste. Doch wer dabei an Dinge wie gedrucktes Wort oder Blogging denkt, der irrt. Es sei denn, er assoziiere James Joyce. Twitter ist ein digitaler Bewusstseinsstrom, gefiltert und über die Schnittstelle Tastatur ausgegeben.

Twitter, Jaiku und Fring

Es geht um Präsenz. Micropublishing ist für Instant Messaging (IM) und Chat, was Blogging für Mail und Usenetforen war: ein Web-Interface, eine einfache Software und ein Ökosystem für die 1:n-Kommunikation, die damit auf eine neue Stufe gehoben wird.

Mit mehr oder minder permanenten Zustandsmeldungen in Echtzeit zeigen Micropublisher Präsenz. Sie liefern Kontext, an den die Kommunikation anknüpfen kann. Ein Beispiel: Kollege Themenblogger erfuhr am vorletzten Freitag aus meinem Twitterstream, dass ich nicht im Büro bin und also deshalb dort nicht ans Telefon gehe.

Twitter bietet bereits mehrere mobile Zugangswege an. Neben dem mobilen Webclient funktioniert auch SMS. Das in der vorletzten Woche von Google übernommene Jaiku hat eine eigene Software für das Mobiltelefon, die weitere Präsenzdaten liefert. Tim O'Reilly sieht darin den eigentlichen Grund für die Google-Übernahme.

Noch ist Jaiku relativ wenig verbreitet, was den Nutzen der Software stark einschränkt. Nützlicher ist Fring, das ich seit einiger Zeit mit Begeisterung auf meinem E61 nutze. Fring kann Skype, Google Talk und weitere Instant Messenger ansprechen. Ich sehe also auf dem Mobiltelefon, welcher meiner Kontakte gerade online ist.

Fring kann aber noch mehr: Auch Sprachanrufe sind möglich, entweder über Fring selbst, über Skype (beides Voice over IP) oder über das herkömmliche Mobilfunknetz. Fring benutzt von sich aus das WLAN und schaltet auf den mobilen Internetzugang des Netzbetreibers um, wenn kein WLAN verfügbar ist. Fring ist die erste mir bekannte Software, die das kann.

Fring kombiniert das Telefonbuch im Mobiltelefon mit den Präsenzinformationen der Instant Messenger. Ich kann also

  • sehen, welcher meiner Kontakte gerade online ist,
  • seine Tweets lesen,
  • daher wissen, womit er sich gerade beschäftigt und
  • ihn anrufen - alles mit einer Software auf einem mobilen Gerät.

Eine weitere Facette der Präsenz zeigt Plazes, das den Zugangsweg zum Internet auswertet und dadurch erkennt, wo ich gerade bin. Plazes, Fring und Jaiku - das wäre eine Kombination, die rockt. Wir werden sehen, welchen Weg Google mit seiner Neuerwerbung einschlägt.

EVERYTHING YOU WANTED TO KNOW ABOUT MOTHER
BUT WERE TOO AFRAID TO ASK

Sehenswert: die Website der Londoner Agentur Mother. Via Werbeblogger.

Oder heißt es doch "der Daimlerblog"? Wie auch immer - heute ist das seit langem erwartete Mitarbeiterblog des deutschen Automobilkonzerns an den Start gegangen. Web-Communications-Manager Christian Fachat erklärt im ersten Beitrag die Ziele (und hat eine klare Präferenz in der Frage nach dem Genus):

Auch wir wollen nun einen Blog nutzen, um deutlich zu machen: Kommunikation ist keine Einbahnstraße. Sie lebt vom Austausch - und dafür brauchen die Empfänger einen Kanal für offenes Feedback. Zum Beispiel diesen Daimler-Blog, in dem Mitarbeiter durch ihre Beiträge unser Unternehmen etwas transparenter machen. Und bei diesen Themen geht es nicht um die Unternehmensmeinung, sondern um Einblicke in das „Leben beim Daimler”.

Wir sind gespannt! Die im Vergleich zum Prototypen geänderte Farbigkeit des Blogs wirkt jedenfalls leichter und freundlicher, wie auch der gesamte neue Auftritt des Unternehmens.

Die Internet World hat mir ein paar Fragen zum immer wieder spannenden Thema der Trennung zwischen Werbung und Redaktion im Web gestellt. Hier meine Antworten.

Verschwimmt im Zeitalter des viralen Marketing die Grenze zwischen Werbung und Redaktion oder gibt es nach wie vor klare Demarkationslinien?

Wo es redaktionelle Angebote gibt, sollte es auch eine klare Trennlinie zur Werbung geben. Dies liegt im ureigenen Interesse jedes redaktionellen Mediums, denn sonst verliert es an Glaubwürdigkeit. Viele Angebote im Web haben aber gar keine Redaktion, und dann kann es auch keine Trennung zur Werbung geben. Werbung sollte immer dann deutlich gekennzeichnet werden, wenn sie nicht auf den ersten Blick als solche zu erkennen ist.

Dürfen Unternehmen und ihre Agenturen komplette Artikel oder Themeninseln konzipieren und erstellen, damit sie von redaktionellen Websites veröffentlicht werden?

Ja, dürfen sie. Die Redaktionen fahren allerdings besser damit, diese Artikel oder Themeninseln klar zu kennzeichnen. Schmu erkennt der mündige Medienkonsument früher oder später - und straft mit Nichtbeachtung.

In welcher Form darf ein Unternehmen einen Blog oder eine Community fördern oder komplett finanzieren?

In jeder Form, die Leser und Konsumenten verstehen und goutieren. Unternehmen können auch selbst Blogs betreiben oder eine Community pflegen. Anders als in den klassischen Medien haben sie im Web viele Möglichkeiten, direkt mit den Konsumenten zu interagieren. Die Konsumenten suchen den direkten Kontakt.

Spielt sich die gesamte Diskussion über Schleichwerbung im Netz nur in einem "inneren Zirkel" der Medienschaffenden ab? Interessiert das den "normalen" User überhaupt?

Auch wenn sich die Diskussion tatsächlich in einem inneren Zirkel abspielt - Otto Normalverbraucher ist an authentischer Kommunikation und Interaktion mit Unternehmen und Marken interessiert. Wer dieses Interesse bedient, hat damit Erfolg.

Bei uns gehen die Uhren anders. Hier ist gerade Mitte Februar, und deshalb hat SinnerSchrader heute vorläufige Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr veröffentlicht. Die Zahlen - 17 Prozent Umsatzanstieg auf 18,5 Mio. Euro, operatives Ergebnis an der Millionengrenze - können sich durchaus sehen lassen.

Der nächste Termin für die Freunde der harten Zahlen ist der 13. November. An diesem Tag legen wir den endgültigen, geprüften Jahresabschluss 2006/2007 und eine Prognose für das Geschäftsjahr 2007/2008 vor. Das ist dann Mitte März.

Genug verwirrt? Unser Geschäftsjahr beginnt am 1. September und endet am 31. August, deshalb die Zeitverschiebung.

Blogs habe ich erstmals entdeckt, als Google seinerzeit Blogger.com übernahm. Jetzt kauft Google Jaiku. Falls noch jemand Zweifel hatte, dass Micropublishing eines der next big things ist - jetzt bitte die Zweifel ablegen. (Twitter war vermutlich zu teuer oder nicht zu haben.)

Eine erste Einschätzung hat der Scobleizer: "a major move against Facebook". Steve Rubel prognostiziert: "I give Twitter 45 days to be sold. My pick? Yahoo. Reason - Yahoo is focusing on developers and Twitter's API is attractive." Der Haltungsturner macht sich Sorgen: "Should I be scared that another service I use since a long time is sacked by one of the two monoliths?" Und Dave Winer hebt das Kennedyhafte des Moments hervor: "In any case, our world changed today, while we were in a cab on our way to lunch."

Mein Jaiku ist hier und ich kann gerne einladen.

Via Loic le Meur

Dass wir Mitarbeiter suchen, ist normalerweise keine Neuigkeit und dokumentiert sich in Form dieser Liste offener Stellen. Doch auf zwei außergewöhnliche Stellenausschreibungen möchte ich auch auf dem Fischmarkt hinweisen.

  • Zum einen suchen wir einen Praktikanten (m/w) für die next08, der sich vor allem um das Kontakt- und Einladungsmanagement kümmern soll. Das Praktikum beginnt am 1. Dezember und dauert sechs Monate.
  • Zum zweiten wollen wir einen Volontär Online Conversations HR (m/w) einstellen, der ein neues Kapitel unserer Personalarbeit aufschlagen wird. Wir suchen einen Kommunikator für den Dialog mit Absolventen, (Job-)Interessenten, Bewerbern und Alumni.

Beide Stellen liegen etwas quer zum agenturüblichen Profil und sind deshalb vielleicht auch für Menschen interessant, die sich sonst nicht bei uns bewerben würden.

Alle Stellenangebote gibt es übrigens auch per RSS. Der Feed hat leider ein Umlautproblem, liefert nicht den kompletten Text und wird demnächst umziehen, ist aber besser als nichts.

Auf der OMD habe ich Markus Willnauer von Value Mountain und Buzz Paradise getroffen. Markus hatte eine Kamera am Start und nutzte die Gelegenheit für ein kleines Interview über meine Erfahrungen mit dem Fischmarkt.



Meine Erfahrungen mit dem Interview: Das "und" im Unternehmensnamen, seit 1999 abgeschafft, werden wir wohl nie los. Außerdem rede ich zu viel, zu schnell und könnte die eine oder andere Floskel ganz gut weglassen. Interessant ist auch, was der Kollege Kolbrück zu sagen hat.

Grid Computing ist eine Technologie, bei der Hardware- und Softwareressourcen über das Internet verbunden werden - ungeachtet ihres jeweiligen geographischen Standortes. Anstatt in die eigene IT investieren zu müssen, kann durch die Grid-Technologie standortunabhängig auf große Rechenkapazitäten und Spezialressourcen On-Demand zugegriffen werden. Der Zusammenschluss ermöglicht damit eine effizientere Nutzung vorhandener IT-Ressourcen. Diese sollen flexibel zuschaltbar angeboten werden - durch eine geeignete Technologie flexibel zur Erledigung verschiedenster Aufgaben und Anfragen in einem Rechenverbund, dem Grid (abgeleitet von „Grid-Computing“, in Anlehnung an den englischen Begriff power grid = Stromnetz). Oft wird das Bild von der Rechenleistung aus der Steckdose bemüht, das den Anforderungen und Problemen im Grid Computing natürlich nur teilweise gerecht wird.

Nachdem aus technischer Sicht viele Probleme bereits gelöst sind, nähert sich die Technologie der Marktreife: So ist Amazon mit seinem Elastic Compute Cloud (EC2) bereits in einem fortgeschrittenen Beta-Status und Plattformen wie Shoppero nutzen bereits diese virtuelle Rechenleistung. Dabei können die Kosten für den Rechenbetrieb deutlich gesenkt werden, während gleichzeitig die Verfügbarkeit gesteigert werden kann.

In Japan kündigten kürzlich United Devices (UD) und Nippon Telephone and Telegraph West (NTT West) das erste kommerzielle Prosumer-Grid an, in dem Privatleute und Unternehmen gleichzeitig als Konsument sowie als Produzent von Rechenleistung auftreten können. Dabei nutzt NTT West das Breitband als Zugang zu den PCs seiner Kunden, um grid-basierte Applikationen von Unternehmen dort ausführen zu lassen. Produzenten von Rechenleistung werden entsprechend entlohnt, während die konsumierenden Unternehmen dafür zahlen müssen. NTT West verdient an der Bereitstellung der Infrastruktur und dem Matching der Partner.

Aus wissenschaftlicher Sicht ergeben sich für Wirtschaftswissenschaftler mit der Marktreife dieser neuen Technologie neue Fragestellungen wie die Gestaltung optimaler Preismodelle, die Ausarbeitung erfolgversprechender Geschäftsmodelle und die Frage nach der Adaption der neuen Technologie. Zusammen mit anderen Wissenschaftlern aus Informatik, Wirtschaftsinformatik und Marketing stelle ich mich als Teil des FinGrid-Projektes diesen neuen Fragen im Banken- und Finanzdienstleistungssektor.

Wir hoffen, dass durch den Einsatz von Grid-Technologie und die damit einhergehende Virtualisierung von Ressourcen eben diese besser genutzt werden. Dadurch werden Kosten gesenkt, und gleichzeitig können die allgemein verfügbare Rechenleistung, die Quality of Service und die Nachhaltigkeit gesteigert werden. Gespannt darf man sein, inwieweit diese Technologie den Privatanwender beeinflussen wird, oder ob Grid-Technologie lediglich die IT-Infrastruktur der Unternehmen verändern wird.

Fast hätte die seinerzeit im Himmel geschlossene Firmenehe zwischen Daimler und Chrysler noch ihre hölzerne Hochzeit überstanden. Doch nun ist die Scheidung besiegelt, und am Donnerstag wird die Hauptversammlung das Suffix "Chrysler" aus dem Unternehmensnamen meißeln.

Für die Marke Daimler ist das eine neue Wendung auf einer langen Irrfahrt. Denn auch wenn der Volksmund gern vom Daimler spricht, wenn ein Mercedes-Benz gemeint ist - der Markenname Daimler gehört Ford, und nach wie vor gibt es Jaguar-Varianten, die unter diesem Namen verkauft werden.

Die neue Ära beginnt Daimler mit dem Start eines Unternehmensblogs. Erste Vorzeichen waren schon im März zu sehen, als der Automobilkonzern einen Praktikanten für das Thema suchte.

Inzwischen hat Uwe Knaus, bei Daimler für Web-Kommunikation und Unternehmensblog zuständig, schon den nächsten Praktikumsplatz ausgeschrieben. Unterstützung hat er sich bei Edelmans Chief Blogging Officer Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach geholt.

In den letzten Tagen hatte ich Gelegenheit, einen Blick auf den Blogprototypen zu werfen. Der erste Eindruck: Das Blogdesign ist ebenso bieder wie das der Unternehmenswebsite. Thematisch sieht es bis jetzt eher nach Gemischtwarenladen aus, was nichts Schlechtes sein muss. Denn die ersten Testbeiträge lesen sich teils ganz erfrischend.

Wie bei den meisten Blogs wird es darauf ankommen, dass die Autoren sich freischreiben und einen unkomplizierten Zugang zum Medium finden. Dann aber ist das Potential groß, denn in einem Konzern wie Daimler passieren viele Dinge, über die zu schreiben sich lohnt.

Als wichtigste Konferenz im Bereich Marketingforschung gilt die INFORMS Marketing Science Conference, die in diesem Jahr in Singapur stattfand. In über 600 Vorträgen wurden dort aktuelle Ergebnisse vorgestellt und diskutiert.

Ein wichtiges Thema war das Suchmaschinenmarketing. Im Jahr 2007 werden aktuellen Prognosen zufolge weltweit 2,5 Mrd. US$ für Suchmaschinenmarketing allein bei Google Inc. ausgeben. Im Suchmaschinenmarketing werden, in Abhängigkeit von dem in der Suchmaschine eingegebenen Suchbegriff, oberhalb und rechts neben den durch Suchalgorithmen ermittelten Suchergebnissen Textanzeigen geschaltet.

Während der Preis für klassische Werbung typischerweise über den Tausender-Kontakt-Preis (TKP), der den Preis für 1000 erreichte Konsumenten angibt, bestimmt wird, erfolgt die Vergütung im Suchmaschinenmarketing performance-basiert pro Klick. Der Preis pro Klick und der Rang der Anzeige werden pro Suchbegriff durch eine so genannte Keyword-Auktion, eine verdeckte Zweitpreis-Auktion, bestimmt. Hierbei geben werbetreibende Unternehmen Gebote über den Preis pro Klick ab, den sie maximal zu zahlen bereit sind.

Die höchsten Preise, bis zu 10 € pro Klick auf oberen Rängen, werden derzeit von Versicherungen und Banken bezahlt. Ränge weiter oben sind für Finanzdienstleister attraktiv, da sie stärker wahrgenommen werden und somit zu mehr Klicks und mit hoher Wahrscheinlichkeit mehr Kunden führen. Allerdings sind auch die Preise pro Klick höher.

Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen jedoch: Die im Management von Suchmaschinenkampagnen derzeit stark verbreiteten heuristischen Regeln zur Gebotsabgabe wie „immer auf einer der 3 obersten Ränge“ können vielfach dazu führen, dass die über Suchmaschinenmarketing akquirierten Kunden nicht mehr profitabel sind.

Die von Eva Gerstmeier, Dr. Tanja Stepanchuk und Prof. Dr. Bernd Skiera vorgestellten Ergebnisse weisen nach: Ausschließlich die Verwendung wirtschaftlicher Erfolgsgrößen in Verbindung mit sorgfältigem Tracking und präzisen Erfolgsmessungen garantieren den profitablen Einsatz der wachsenden Suchmaschinenmarketingbudgets. Heuristiken führen in der Regel zu deutlichen Abweichungen vom Optimum. Der Vortrag fand große Resonanz unter den Zuhörern, und weitere Information sind hier zu finden.

Im gleichen Track habe ich auch meine Arbeit präsentiert, die sich mit dem Einfluss der sozialen Position auf das Gebotsverhalten in Name-Your-Own-Price-Auktionen beschäftigt. Es handelt sich dabei um eine detaillierte Ausarbeitung der bereits im April vorgestellten Arbeit.

Hier zwei Fotos, die das traditionelle und moderne Singapur zeigen.

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Statement von Matthias Schrader in PAGE 11.2007 (Ausschnitt)

Heute war Heft 11.2007 der PAGE in der Post. Auf dem Titel: Matthias Schrader mit seiner Antwort auf die Frage "Interactive vs. Klassik - Wer führt?". Hier sein Statement aus dem Heftinnern in voller Länge:

Die meisten Menschen meiden heute die Unterbrecherwerbung in klassischen Medien, während sie in den digitalen gezielt Marken suchen – sie gehören zu den am häufigsten gesuchten Begriffen. Das heißt: Das Web wird das zentrale Medium für den Austausch mit einer Marke, also zum Kanal Nummer eins. Damit haben auch die Agenturen, die hier ihre Kernkompetenz haben, die Chance, zur Agentur Nummer eins zu werden. Entscheidend ist, wer den interaktiven Konsumenten am besten kennt und versteht. In den USA gibt es bereits Beispiele für diesen Prozess: Agency.com hat den Lead für Ikea in den USA übernommen, R/GA eine ähnliche Funktion für Nike.

Aus diesem Grund versuchen die klassischen Agenturen ja seit mittlerweile zehn Jahren digitale Kompetenzen aufzubauen, aber es ist ihnen bisher nicht gelungen. Das hat viel mit ihrem Selbstverständnis zu tun: Sie gehen typischerweise von einer Idee aus, die sie in eine Geschichte verpacken. Für die 360°-Kommunikation entwickeln sie eine Idee, die in allen Medien funktioniert. Doch das wird dem Medium Web nicht gerecht. Ein Konsument, der 20° Grad vorgebeugt am Bildschirm sitzt, will etwas über das echte Produkt erfahren und nicht nur eine Geschichte hören.

Denn das Tolle an diesem Kanal ist ja gerade, dass Marken das erste Mal seit Erfindung der Massenproduktion direkt mit dem Konsumenten interagieren können. Heute kann jeder quasi durch den Monitor greifen und sein Auto konfigurieren, seine Reise zusammenstellen oder die Farbe seines Turnschuhs aussuchen. Dabei sind die Kunden durch die Internet-Pure-Player verwöhnt – also die Googles, Amazons und Ebays dieser Welt. Sie geben den Takt vor und Marken müssen nun die gleiche Geschwindigkeit aufnehmen. Um das zu leisten, braucht man den direkten Austausch zwischen Interactive-Agentur und Marketing-Entscheider.

Die digitalen Agenturen müssen sich dieser gewachsenen Bedeutung noch bewusst werden. Das ist vor allem eine mentale Anstrengung. Viele haben bisher stark in Richtung Umsetzung gedacht und gearbeitet. Das ist zwar ein echtes Asset, das klassische Agenturen in der Regel nicht haben, aber es reicht letztlich nicht, um auch auf Vorstands- oder Geschäftsführungsebene als Partner wahrgenommen zu werden. In den USA und Skandinavien hat dieser Wechsel in den letzten zwei, drei Jahren schon stattgefunden. Deutschland hinkt da sicherlich noch ein Stück hinterher.

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