Es geht um Präsenz

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Wenn Forrester-Analyst Peter Kim in Unternehmen über Twitter spricht, ist die häufigste Reaktion: "I just don't get it." Twitter erschließt sich nur durch aktives Ausprobieren. Dieses Phänomen haben die Micropublishingdienste mit vielen Internetanwendungen gemeinsam.

Laut Forrester Research nutzen bereits sechs Prozent der erwachsenen Internetnutzer in den USA Twitter. Auch wenn sich diese Zahl auf den weitesten Nutzerkreis bezieht und keinesfalls auf tägliche Nutzer oder Inhaber eines Twitterkontos, bezweifeln sie selbst Nerds wie Robert Scoble. Und das mit Fug und Recht. Dennoch stimmt vermutlich, was Forrester über das Twitter-Publikum schreibt:

If you want to reach an affluent, well educated, and early adopter audience, there might not be a better communication channel out there.

Twitter (und Jaiku & Co.) sind Micropublishingdienste. Doch wer dabei an Dinge wie gedrucktes Wort oder Blogging denkt, der irrt. Es sei denn, er assoziiere James Joyce. Twitter ist ein digitaler Bewusstseinsstrom, gefiltert und über die Schnittstelle Tastatur ausgegeben.

Twitter, Jaiku und Fring

Es geht um Präsenz. Micropublishing ist für Instant Messaging (IM) und Chat, was Blogging für Mail und Usenetforen war: ein Web-Interface, eine einfache Software und ein Ökosystem für die 1:n-Kommunikation, die damit auf eine neue Stufe gehoben wird.

Mit mehr oder minder permanenten Zustandsmeldungen in Echtzeit zeigen Micropublisher Präsenz. Sie liefern Kontext, an den die Kommunikation anknüpfen kann. Ein Beispiel: Kollege Themenblogger erfuhr am vorletzten Freitag aus meinem Twitterstream, dass ich nicht im Büro bin und also deshalb dort nicht ans Telefon gehe.

Twitter bietet bereits mehrere mobile Zugangswege an. Neben dem mobilen Webclient funktioniert auch SMS. Das in der vorletzten Woche von Google übernommene Jaiku hat eine eigene Software für das Mobiltelefon, die weitere Präsenzdaten liefert. Tim O'Reilly sieht darin den eigentlichen Grund für die Google-Übernahme.

Noch ist Jaiku relativ wenig verbreitet, was den Nutzen der Software stark einschränkt. Nützlicher ist Fring, das ich seit einiger Zeit mit Begeisterung auf meinem E61 nutze. Fring kann Skype, Google Talk und weitere Instant Messenger ansprechen. Ich sehe also auf dem Mobiltelefon, welcher meiner Kontakte gerade online ist.

Fring kann aber noch mehr: Auch Sprachanrufe sind möglich, entweder über Fring selbst, über Skype (beides Voice over IP) oder über das herkömmliche Mobilfunknetz. Fring benutzt von sich aus das WLAN und schaltet auf den mobilen Internetzugang des Netzbetreibers um, wenn kein WLAN verfügbar ist. Fring ist die erste mir bekannte Software, die das kann.

Fring kombiniert das Telefonbuch im Mobiltelefon mit den Präsenzinformationen der Instant Messenger. Ich kann also

  • sehen, welcher meiner Kontakte gerade online ist,
  • seine Tweets lesen,
  • daher wissen, womit er sich gerade beschäftigt und
  • ihn anrufen - alles mit einer Software auf einem mobilen Gerät.

Eine weitere Facette der Präsenz zeigt Plazes, das den Zugangsweg zum Internet auswertet und dadurch erkennt, wo ich gerade bin. Plazes, Fring und Jaiku - das wäre eine Kombination, die rockt. Wir werden sehen, welchen Weg Google mit seiner Neuerwerbung einschlägt.

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3 Kommentare

Sicher sehe ich die potenzielle Nützlichkeit von twitter, Jaiku und fring. Letzteres habe ich auch jüngst auf meinem N73 installiert, welches aber leider kein WLAN hat.

Ich schreibe von potenzieller Nützlichkeit, weil mich als "verfolgenden" Leser meist nur ein Bruchteil dessen interessiert, was ein Twitter-Nutzer so von sich schreibt. Das ist klar - weiß er doch nicht, welches sein Adressatenkreis ist. Was man bräuchte, sind Filter, welche aus dem Strom der Botschaften das herausfiltert, was tatsächlich für mich selbst relevant ist. Gleiches gilt übrigens auch für RSS-Feeds.

Ich hoffe, man sieht es mir nach, wenn ich nicht allzusehr an privaten Aktivitäten der meisten Nutzer interessiert bin. Komischerweise schreiben aber die wenigsten über Dinge, welche wirklich relevant für mich sein könnten. Das steht dann eher in den entsprechenden Weblogs, den Fischmarkt natürlich eingeschlossen.

Es bei Twitter & Co. nicht um den Inhalt, sondern um die Menschen und um den Kontext. Twittern lohnt sich nur, wenn man sich für Menschen interessiert. People Business, wie der Lateiner sagt.

Meine Vermutung ist allerdings, dass sich Inhalt und Kontext nicht so einfach voneinander trennen lassen. Analogie aus dem realen Leben: ich bin mit jemandem befreundet, und wenn ich diese Person treffe (in einem bestimmten Kontext, z. B. Freizeit), interagieren wir - durch Kommunikation, Austausch von Inhalten. Bei der Arbeit bin ich mit Kollegen zusammen, wir arbeiten an einem gemeinsamen Projekt. Worum geht es? Inhalte. Warum soll das nicht übertragen auf die virtuelle Welt genauso gelten?

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