SinnerSchrader war bei der Neukonzeption des Webperformance-Managements
der Deutschen Post beratend tätig. Zu diesem Projekt ist jetzt eine Fallstudie von Dr. Gernot Westphalen und Ulf Schröder (Deutsche Post) sowie Michael Roth (SinnerSchrader) in einem Sammelband erschienen. Der von Frank Reese herausgegebene Band trägt den Titel "Web Analytics - Damit aus Traffic Umsatz wird".
Die ersten zehn Teilnehmer sind schon registriert: Am Vorabend der next08 organisiert PR-Blogger Klaus Eck ein Bloggertreffen in Hamburg.
Das Event findet im NeidKlub auf der Reeperbahn statt. Als Mitveranstalter und erster Sponsor mit an Bord ist Hamburg@work, auch Sponsor der next08. Die Kollegen von cellity, ansässig praktisch in Rufweite von hier, werden ein Wiki aufsetzen und sich auf der Veranstaltung um eine Twitterwand kümmern.
Es gibt nur 150 Plätze, also nicht lange fackeln und schnell bei Klaus registrieren.
"Boom bei Online-Agenturen hält an", meldet soeben die Horizont. Das heute veröffentlichte New Media Service Ranking gibt Aufschluss über die Umsatzentwicklung unserer Branche. SinnerSchrader kommt in diesem Jahr auf Platz 5 - damit verbessern wir uns um eine Position.
Horizont-Redakteur Bert Rösch hat einige Fragen an Matthias Schrader gestellt, die wir - inklusive Antworten - unseren Lesern nicht vorenthalten möchten.
Horizont: Warum hat Ihre Firma 2007 beim Umsatz zugelegt?
Matthias Schrader: Zwei Gründe. Erstens: Unsere Kunden verlagern immer mehr Marketingaktivitäten in die digitalen Kanäle - dementsprechend wachsen die Budgets. Zweitens: Wir konnten durch unsere Arbeit interessante Neukunden für uns gewinnen.
Was sind die Gründe für den anhaltenden Boom im Agenturgeschäft?
Die Konsumenten wollen Produkte und Dienstleistungen im Internet erleben und dort Beziehungen zu Marken und Unternehmen aufbauen. Marketing und Vertrieb stehen mitten in einer Revolution, die das Agenturgeschäft verändert. Sie verlangen nach Agenturen, die den interaktiven Konsumenten kennen und den gesamten digitalen Marketing- und Vertriebsprozess betreuen können.
Wie sind die Aussichten für 2008? Erstens in Bezug auf Ihr Unternehmen und zweitens in Bezug auf die Onlinedienstleisterbranche.
Das Jahr 2008 ist sehr gut angelaufen. Unser Auftragseingang liegt bis jetzt um rund 30 Prozent über dem Vorjahr. Neukunden fragen mehr und größere Projekte an als in früheren Jahren. Für die Branche insgesamt dürfte Ähnliches gelten.
Was sind die größten Herausforderungen des Jahres 2008?
Die größte Herausforderung ist, die wachsende Bedeutung des Internets für Marketing und Vertrieb stetig in den Köpfen der Entscheider auf allen Ebenen zu verankern.
Was sind die größten Trends im Agenturgeschäft?
Die Interaktivagenturen übernehmen immer mehr die strategische Markenführung, weil sie den Konsumenten in seinem Verhalten und mit seinen Bedürfnissen am besten verstehen und daraus Maßnahmen ableiten können, die Marken und Konsumenten wieder konnektieren. Weil sie damit für ihre Kunden Mehrwert schaffen, haben sie die Chance, zur Leadagentur zu werden.
Hat sich der Preisdruck verbessert?
Definitiv. Die realisierten Tagessätze verbessern sich langsam, aber stetig.
Profitieren Sie von der Fußball-Europameisterschaft? Haben Sie dadurch Aufträge gewonnen? Welche Impulse erwarten Sie für die gesamte Branche? In welchem Umfang?
Die Fußball-EM ist in der Interaktivbranche kein Thema.
Profitieren Sie noch von der Web-2.0-Euphorie? Oder ist die Begeisterung bereits abgeklungen?
Das Stichwort Web 2.0 steht seit zwei Jahren für eine neue Begeisterung am Internet, für Aufbruchstimmung und für den Perspektivwechsel von den Unternehmen hin zu den Konsumenten. Diese Welle hat viel Energie freigesetzt und treibt nach wie vor viele Interaktivprojekte voran.
Warum stagnieren bei SinnerSchrader sowohl Umsatz als auch Mitarbeiterzahl, während die direkte Konkurrenz bei beiden Parametern deutlich zulegt? Ist bei SinnerSchrader die Grenze des Wachstums erreicht?
Wir sind 2007 mit der gleichen Kopfstärke organisch um 13 Prozent gewachsen. Dadurch hat sich der Pro-Kopf-Umsatz drastisch verbessert. In den ersten Monaten 2008 ist die Mitarbeiterzahl durch Neueinstellungen und die Übernahme der spot-media AG auf über 200 angestiegen. Wir rechnen für das laufende Geschäftsjahr 2007/2008 (bis 31. August) mit einem Wachstum von mehr als 21 Prozent. Wir sehen keine Grenzen für weiteres Wachstum. Im Gegenteil.
Matthias Schrader ist Gründer und CEO von SinnerSchrader.
Rund um den Nukleus next08 am 15. Mai haben sich in letzten Tagen und Wochen einige weitere Veranstaltungen angesiedelt. Hier eine kleine Übersicht:
- 14. Mai, 9.30 Uhr: Facebook Developer Garage Hamburg. Zum ersten Mal in Deutschland! Veranstaltungsort: Handelskammer Hamburg. Mehr Informationen in der Facebook-Gruppe und im Wiki.
- 14. Mai, 14 Uhr: Venture Lounge. Veranstaltungsort: Körber-Stiftung, Kehrwieder 12. Es gibt ein Kombiticket für die Venture Lounge und die next08 mit Preisnachlass! Hier buchen.
- 14. Mai, 14 Uhr: Exciting Commerce Roundtable Hamburg ("Mode, Fashion & Style"). Veranstaltungsort: smatch.com. Hier registrieren.
- 14. Mai,
abends19 Uhr: Bloggertreffen in Hamburg. Mehr dazudemnächstbei Klaus Eck. - 15. Mai, 9 Uhr: next08. Veranstaltungsort: Museum Prototyp, Hafencity. Das vorläufige Programm ist jetzt online. Hier registrieren. Bis 30. April noch für 590 Euro (zzgl. MwSt.), danach 790 Euro. Inklusive Party (siehe den nächsten Punkt).
- 15. Mai, 20 Uhr: next08 meets onlineKapitäne - powered by MySpace. Veranstaltungsort: Museum Prototyp, Hafencity. Für Mitglieder von Hamburg@work kostenlos (hier anmelden), sonst 75 Euro (hier registrieren).
- 16. Mai: Going Solo. Veranstaltungsort: Lausanne, Schweiz. Hier registrieren.
- 17./18. Mai: StartupWeekend Hamburg. Veranstaltungsort: East Hotel. Mehr Informationen bei mixxt. Hier registrieren.
Was habe ich vergessen? Hinweise bitte in die Kommentare.
Als ich 1994 meine ersten Schritte im Internet unternahm, faszinierte mich das Usenet mit seinen schon damals unzähligen Diskussionsforen und seiner eigenen Diskussionskultur. Eher abseitige Themen wurden auf Mailinglisten diskutiert, und für den kurzen Schnack gab es IRC und talk.
Dann kam das Web, mit ihm neue Gespräche in Webforen und bald darauf auch Blogs. Mit den Blogs kamen Kommentare, Trackback und RSS und damit die Möglichkeit, den Debatten mittels Feedreader zu folgen, ohne das Blog selbst besuchen zu müssen. Damit war wieder der Stand erreicht, den das Usenet zuvor bereits geboten hatte, allerdings auf einem neuen Niveau.
Die nächste Generation von Konversationswerkzeugen trat 2006 mit Twitter auf den Plan. Sie hat neben RSS auch Programmierschnittstellen, die neue Möglichkeiten für die Netzgesprächskultur bieten. Das Wanderungstempo der Gespräche im Netz hat sich damit dramatisch erhöht.
Hatte Twitter bereits einen Teil der zuvor auf Blogs geführten Debatten angezogen (jenen nämlich, der sich mit Statements von maximal 140 Zeichen Länge führen lässt), so folgen nun in immer kürzeren Abständen Plattformen, die Debatten geradezu magnetisch anziehen.
- FriendFeed zeigt die Lifestreams seiner Nutzer auf einer Plattform. Da jeder Eintrag kommentiert werden kann, hat sich bereits eine lebendige Diskussionskultur entwickelt. Früher in Kommentaren auf Blogs geführte Debatten wandern zu FriendFeed ab.
- AlertThingy ist ein Programm, das FriendFeed auf den Desktop holt - wie zuvor Twitterific oder Twhirl für Twitter, Feedreader für RSS oder Newsreader für das Usenet. Es nutzt dazu die Programmierschnittstelle von FriendFeed.
- fav.or.it ist ein Feedreader der nächsten Generation (noch in geschlossener Beta), der verspricht, die Kommentare seiner Nutzer wieder auf die Blogs zurückzubringen - anders als FriendFeed und
- Shyftr (steht für Share Your Feeds Together), ebenfalls ein webbasierter Feedreader, der wie FriendFeed Kommentare auf der eigenen Plattform erlaubt.
Für manch altgedienten Blogger mögen das aufregende Entwicklungen sein, die mit einer gebührenden Portion Argwohn betrachtet gehören, doch letztlich ist es nicht mehr als die weiterziehende Karawane, der die Hunde nachbellen. Ob im Usenet oder bei Shyftr - die Gespräche im Web sind auf einer stetigen Wanderung und finden immer dort statt, wo ihre Teilnehmer sich gerade wohlfühlen. Sie gehören allen und niemandem.
Die Technik ändert sich, die Menschen bleiben gleich.
Morgen öffnet das Museum "Prototyp - Personen. Kraft. Wagen." in der Hamburger Hafencity seine Pforten. Es ist der Veranstaltungsort der next08 am 15. Mai. Oliver Schmidt und Thomas König stellen dort ihre private Sammlung automobiler Kostbarkeiten aus. Spiegel Online berichtet heute ausführlich in Wort und Bild.

Universität Mannheim, 19 Uhr, der Hörsaal ist voll, 200 Studenten warten auf Ehssan Dariani, Gründer und Ex-Chef von StudiVZ, Deutschlands mitgliederstärkstem Social Network. Dariani ist über die Webszene hinaus bekannt, 2006 sorgte nicht nur sein Unternehmen, sondern auch er persönlich, für einige Aufmerksamkeit mit einer ... sagen wir ... etwas ungeschickten Außendarstellung. Doch das ist lange her, Dariani längst nicht mehr bei StudiVZ aktiv und aus der Öffentlichkeit verschwunden.
„Ehssan hat seinen Flug verpasst und wird frühestens in einer halben Stunde hier sein." Unruhe im Saal, die ersten stehen auf und gehen. Um mich herum eine latente Abneigung gegen StudiVZ und den noch nicht eingetroffenen Redner.
Als er um halb acht kommt, ist der Hörsaal wieder bis auf den letzten Platz gefüllt und er legt gleich los - überraschend witzig, authentisch, selbstironisch, sympathisch. Er erzählt von den Anfängen bei StudiVZ, wie er in Berlin auf dem Sofa eines Bekannten die Nächte und in Cafes mit freiem WLAN die Tage verbringt. Mit einem Versuch, Kosmetik für Männer an den Mann zu bringen, sei er gnadenlos gescheitert und von StudiVZ wollte auch niemand was wissen. Doch dann hätten ihm Lukasz Gadowski und Matthias Spieß, die beiden Spreadshirt-Gründer, 10.000 Euro für einen Zehn-Prozent-Anteil an StudiVZ gegeben.
Erheiterung im Saal, als er berichtet, dass er zwar in den zwei Jahren bei StudiVZ mehr Geld verdient habe, als die meisten in ihrem ganzen Leben, aber immer noch kein Auto besitze - und wieder, als er erzählt, dass er nicht mit Excel umgehen könne, völlig unstrukturiert sei, „ein typischer ADHS-Fall, total hyperaktiv, aber auch sehr kreativ."
Man merkt, dass er es eilig hat, er springt geradezu von einem Punkt zum nächsten: SchülerVZ, das „StudiVZ für Schüler" habe den großen Bruder zwar an Page Impressions mittlerweile überholt, aber nicht an Visits: „Da sind halt die ganzen Teenies und klicken den ganzen Tag rum." Oder: „Leute in großen Konzernen sind alles Bürokraten." Später: „Wenn man ein gewisses Geltungsbedürfnis hat, so wie ich ..."
Er lüftet das Geheimnis, wie die Farben der Plattformen zustande kamen: das Rot von StudiVZ sei dem Zufall und der Rot-Grün-Blindheit eines Bekannten geschuldet, das Magenta Pink bei SchülerVZ habe man bewusst gewählt, in der Hoffnung von einem großen deutschen Konzern verklagt zu werden und damit Aufmerksamkeit zu erregen. Aber die Konzerne bewegen sich halt sehr langsam, fügt er enttäuscht hinzu. Seinen Missmut über das derzeitige Management bei StudiVZ kann er immer wieder nur schwer unterdrücken - so auch als er bezweifelt, dass MeinVZ Erfolg haben wird („Ich hätte das so nicht gemacht.")
Später wird er gefragt, warum Holtzbrinck so viel Geld für StudiVZ ausgegeben habe und kommt zu der steilen These: „Bevor die StudiVZ gekauft haben, kannte doch niemand Holtzbrinck." Was er zur Öffnung von Social Networks meine, so wie „zum Beispiel Facebook Anwendungen von Drittanbietern ermöglicht, StudiVZ da aber noch zögert" wird er gefragt. Dazu hat er eine überraschend klare Meinung, für die er nicht nachdenken muss: „Facebook macht alles richtig. StudiVZ ..." - er kommt ins Stocken - „... noch jemand eine Frage?"
Nach fünfzig Minuten muss er los, „den letzten Flieger nach Berlin kriegen" - das Auditorium applaudiert, die Mädels in der Reihe hinter mir, die am Anfang noch über Dariani lästerten, sind sich einig: „Der ist ja eigentlich total nett."
Sichere Verkehrswege sind keine Errungenschaft der Moderne, sondern gehören seit jeher zu den vornehmsten Aufgaben des Staates und der Herrschenden. Auf Straßen, Bahnhöfen und Flughäfen lauern auch heute zwar gelegentlich finstere Gestalten auf Opfer, aber die klassische Wegelagerei ist ein im Verhältnis zur gewaltigen Zahl der Reisenden fast ausgestorbenes Gewerbe.
Zweifelhafte Gesellen finden jedoch neue Wege, ihre Opfer auszuplündern. Einer davon nennt sich Hotspot oder auch öffentliches WLAN. Das Internet ist auf dem Weg zum Massengut wie zuvor Wasser, Strom und Telefon. Das hindert die ehemaligen Telekommunikationsmonopolisten nicht daran, ihr WLAN zu völlig überzogenen Preisen anzubieten.
Das Amsterdamer Hotel, in dem ich vergangene Woche eine Nacht verbracht habe, hat ein WLAN von T-Mobile. Wie es sich so trifft, ist mein E61i ebenfalls mit einer Karte von T-Mobile ausgestattet. Wie sieht nun das Kundenerlebnis aus, wenn ich den Hotspot nutzen möchte?
Zunächst muss ich eine Kurznachricht mit einem Kennwort an eine bestimmte Kurzwahl senden. Danach erhalte ich Benutzername und Kennwort per SMS zurück. Damit kann ich mich nun über WLAN und ein Webinterface anmelden. Und anschließend tickt eine Uhr.
Wie in längst vergangen geglaubten Zeiten muss ich nun darauf achten, wie lange ich mit dem Netz verbunden bin. Denn jede Minute kostet, und das nicht zu knapp. Ich habe offensichtlich den falschen Tarif.
Aber dennoch - was soll dieser Rückfall in das Internetpräkambrium? So kann doch niemand sinnvoll mit dem Netz arbeiten. Das kostet Nerven und Geld, das Kundenerlebnis ist alles andere als befriedigend. Der Hotspot kann sich nicht einmal meinen Rechner merken, ich muss dauernd wieder Benutzername und Kennwort eingeben.
Nicht viel besser sieht es am Flughafen Schiphol aus. Der ist zwar mit einem WLAN des ehemaligen Staatsmonopolisten KPN ausgestattet, aber ohne einen vorher erworbenen Zugangscode geht gar nichts. Ganz zu schweigen vom Preis: 6 EUR für 30 Minuten.
Ein kurzer Vergleich. Für einen Festpreis von etwas über 40 Euro im Monat bekomme ich ISDN- und DSL-Anschluss mit allen Festnetztelefonaten und sämtlichem Internetverkehr. Und was ich so höre, soll das andernorts durchaus noch günstiger sein. Bei KPN könnte ich für das Geld dreieinhalb Stunden am Flughafen warten, mit Internet. Immerhin.
Eine geballte Ladung Gründergeist und etliche Startups präsentiert heute und morgen die Next Web Conference in Amsterdam. Welche von ihnen haben das Potential, das nächste Web zu prägen? Meine persönliche Auswahl:
fav.or.it
RSS ist für den Techie kein Problem, aber
für die ungewaschenen Massen? Da braucht es andere Lösungen, um den stetigen Fluss der Neuigkeiten und Gespräche aus dem Web zu holen. Eine davon könnte fav.or.it sein.
twingly
Gerade in die geschlossene Betaphase gestartet ist die Blogsuchmaschine der nächsten Generation. Auf der Next Web gab es heute Einladungen zum Test. Ich werde twingly testen und berichten.
radionomy
Der Name erinnert an Autonomie, und entsprechend revolutionär gibt sich Yves Baudechon, der heute eine der besten Startup-Präsentationen gab. Er hat nicht weniger vor als eine Revolution für das Radio - wie YouTube Video revolutioniert hat.
Rummble
Andrew Scott hat mir heute Rummble erklärt: ein personalisierter, mobiler Reiseführer, geschrieben von meinen Freunden und deren Freunden. Rummble sagt mir, was in meiner Nähe liegt und was ich mögen werde. Ein Qype der nächsten Generation?
Twine
Nova Spivack hielt heute die für mich spannendste Keynote über das sonst eher zum Gähnen reizende Thema Semantic Web. Mit seinem Projekt Twine, bis jetzt nur auf Einladung zugänglich, will er das semantische Web in der Praxis voranbringen.
Mehr von der Next Web
- Ausführliche Berichterstattung im Next Web Blog
- Mike Butcher berichtet live für TechCrunch UK
- Oliver Wagner stellt im agenturblog alle Startups vor, die Kurzpräsentationen auf der Next Web halten (Folge 1 und Folge 2)
„Wie schön, dass ich so viele Möglichkeiten habe! Ich darf jeden Tag etwas dazulernen und kann mich mit meinen Projekten und Kunden zusammen weiterentwickeln! Ich habe alles selbst in der Hand."
„So toll finde ich das nicht: Immer muss ich flexibel sein. Ständig ändert sich alles und ich muss weiter dazu lernen, sonst ist mein Know-how morgen nichts mehr wert. Und wer sagt mir, wo es lang geht?"
Zwei Sichtweisen auf dieselbe Situation. Was wir heute als work 2.0 bezeichnen, nämlich die Eigenverantwortung des Einzelnen für seine berufliche Entwicklung, ist gerade bei Freelancern und vielen Agenturen besonders gut zu beobachten: Sie stellen sich den veränderten Anforderungen, anstatt nach der guten alten Zeit zu rufen.
work 2.0 geht deutlich weiter als das IKEA-Prinzip, nach dem einfach standardisierte Bauteile zusammenfügt werden. Obwohl: IKEA hat auch aufgehört, passende Schrauben dazuzulegen, mit der Begründung, es gäbe so viele unterschiedliche Wände. Stimmt ja auch.
In der Arbeitswelt ist es nämlich so, dass es eine immer größere Vielfalt von Anforderungen gibt. Und weil die Vielfalt immer größer wird, kann man irgendwann nicht mehr von Standards sprechen. Erste und oberste Anforderung ist dann: Wandlungsfähigkeit, also lernfähig, wach und neugierig zu bleiben.
Alte Strukturen ächzen
Die Gewinner von work 2.0 werden diejenigen sein, die unternehmerische Eigenschaften mitbringen. Man muss seine Bildung selbst organisieren, seine Aufträge, seine Beziehungen zu Kunden, Lieferanten und Multiplikatoren - alles möglichst professionell und konkret. Man produziert sich selbst (als wer auch immer), inklusive Qualitätskontrolle (wenn man schlau ist), denn das Feedback vom Markt kommt schnell und direkt.
Analog zu web 2.0 sieht man auch in der heutigen Arbeitswelt, wie die alten, zentralen Strukturen ächzen und viele hilflos fordern, dass flexible Arbeitsformen wie z. B. Zeitarbeit wieder abgeschafft werden. Gewerkschaften sind da ganz groß, aber auch die Politik nutzt das Vehikel gern, um Ängste zu schüren. Kein Mensch scheint sich für die Chancen zu interessieren, die flexibles Arbeiten mit sich bringt.
Die kreative Klasse
Allerdings: Die viel besungene kreative Klasse hat das längst verstanden. Und sie wächst. Es gibt sogar eine Theorie über sie, wie Wikipedia verrät. Sie sind es, die Innovationen vorantreiben. Viele arbeiten in Agenturen oder sind in der Technologie oder Beratung tätig. Als Einzelne, Teams, Sozietäten, Bürogemeinschaften. Oft mit zwei bis vier Visitenkarten im Gepäck.
Und: Es sind keine verschrobenen Erfinder und Künstler, vielmehr moderne Dienstleister, die jederzeit den Wert ihrer Arbeit für den jeweiligen Kunden im Blick haben. Die Anzahl derer, die dieser kreativen Klasse zugeordnet werden, bestimmen vermutlich früher oder später Wirtschaftspotenzial und somit den Wohlstand einer Gesellschaft. Zum Beispiel unserer.
Vielleicht sollte man sich mal darum kümmern?

Christiane Strasse ist Gründerin und Geschäftsführerin von projektwerk. Sie beschäftigt sich seit über 10 Jahren mit der Flexibilisierung des Arbeitsmarktes und gründete projektwerk 1999 als Plattform für die Akteure dieses Marktes. projektwerk ist Sponsor der next08.
Heute ist Tag 2 ohne häuslichen Internetzugang. Und wie es aussieht, werden wohl noch acht (8) weitere Tage folgen. Das hatte ich in den letzten 14 Jahren nicht. Wie es dazu kam, ist eine längere Geschichte, die nicht einmal einen klar zu erkennenden Schuldigen hat.
Die Vorgeschichte
Im Sommer 2007 kündigte ich nach einem Jahr Mindestlaufzeit meinen DSL-Anschluss bei Tele2 und wechselte zu Alice. Überzeugt hatte mich die monatliche Kündigungsfrist. Die meisten (oder sogar alle) anderen DSL-Anbieter zwingen mir zwei Jahre Vertragslaufzeit auf.
Der Wechsel verlief problemlos. Bis auf die Telefonpauschale. Tele2 hatte diese Flatrate per Preselection für Orts- und Ferngespräche gelöst. Von Alice kam jetzt ein weißer Kasten, in den ich ein analoges Telefon einstöpseln musste. Da war nur ein kleines Problem: Wir haben ISDN. Bei der Telekom. Und eine ISDN-Anlage, die seit mehr als zehn Jahren klaglos ihren Dienst verrichtet.
Gegen ein kleines Entgelt bietet Alice auch ISDN an. Oder etwas ISDN-Ähnliches. Mit dem kleinen Kasten. (Genaugenommen wird hier ISDN über DSL realisiert, und der ISDN-Anschluss bei der Telekom bleibt nur aus historischen Gründen. Dafür schreibt Alice 10 Euro gut. Wir leben auf dem Land.)
Ein Wechsel von Analog zu ISDN war bei Alice längere Zeit nicht möglich. Erst kurz vor Weihnachten war es soweit. Ich stöpselte vorschriftsgemäß alles um, doch was nicht funktionierte, war das ISDN. Mehrere längere Sitzungen mit der Alice-Störungsstelle konnten daran nichts ändern.
Ich habe also monatelang die eigentlich bei Alice pauschal bezahlten Fern- und Ortsgespräche über Tele2 geführt - wir erinnern uns an die Preselection - und dort noch einmal bezahlt. Bis heute.
Der Wechsel
Anfang Februar habe ich Alice gekündigt, um zur Telekom zu wechseln. Es hätte nur einen Anbieter gegeben, der die Kombination aus ISDN, DSL, Internet- und Telefonpauschale marginal günstiger anbot. Alle anderen Alternativen wären ähnliche ISDN-via-DSL-Bastellösungen gewesen, wie sie Alice bietet. Und wie sie nicht funktioniert hat.
Statt drei verschiedener Rechnungen und ominöser Gutschriften eine einzige Rechnung über alle relevanten Leistungen außer Mobilfunk zu einem durchaus vernünftigen Preis - das erschien mir gut und sinnvoll. Doch leider hatte ich die Rechnung ohne den (Telekommunikationsfach-)Wirt gemacht.
Am Sonntag, 30. März hatte ich letztmalig Internetzugang. Am Montag, 31. März, dem Kündigungstermin, ging nichts mehr. Von der Telekom, meinem neuen Internetanbieter ab 1. April, hatte ich bis dahin weder Hardware noch Zugangsdaten bekommen. Was jetzt folgte, ahnt wahrscheinlich jeder, der schon einmal Ähnliches erlebt hat.
Anruf beim Kundendienst. Der Automat stellt mich relativ fix zu einer Telefonistin durch. Ergebnis des Gesprächs: Eine Kollegin hatte meinen Anfang Februar erteilten Auftrag auf Wiedervorlage. Alice habe bis jetzt den DSL-Port nicht freigegeben. Neue Zugangsdaten? Das wisse sie nicht, versprach aber eine Rückmeldung.
Tag 2 ohne Internet
Statt einer Rückmeldung ein Schreck beim Blick in den Auftragsstatus: Ausführungsdatum 09.04.2008. Erneuter Anruf beim Kundendienst. Kein Aprilscherz. Mein Anfang Februar erteilter Auftrag lag bis gestern auf Wiedervorlage. Jetzt dauert es sechs Werktage bis zur Ausführung. Nein, da kann man nichts machen.
Sie stellt mich zum Kundendienst von T-Online durch. T-Online? Ja, von dort erhalte ich meine Zugangsdaten. Aber wie sich sofort herausstellt, noch nicht jetzt. Sondern in einigen Tagen. Ich erhalte den Rat, mir eine Starter-CD zu besorgen und das Freiminutenkontingent zur Überbrückung zu nutzen. Das funktioniert auch mit DSL? Ja, das funktioniert. Nur sollte ich die PIN nicht vergessen.
Also in der Mittagspause flugs zum T-Punkt nach Ottensen. Der dortige Verkäufer erkennt nach einem Blick in seine Systeme flugs meine Lage und wimmelt mich ab erklärt freundlich, dass er nichts von einer solchen Möglichkeit wisse. Per ISDN oder analog, das ginge, aber nicht per DSL.
Das wäre mir aber dann doch zu mühsam. Zwar liegt sicher noch irgendwo ein 14.400-bps-Modem oder eine ISDN-Karte herum, aber bevor ich das an den Start bringe, bleibe ich lieber offline. In den nächsten Tagen bin ich sowieso viel unterwegs. Dann lese ich halt mal ein Buch. Oder setze mich an die Steuererklärung. Obwohl - ohne Elster?
Vielleicht funktioniert ja das WLAN auf der Next Web in Amsterdam.
Ich bin dann übrigens mal weg vom DSL-Markt. Für 24 Monate. Bei der Telekom. Und da kann man noch ganz andere Sachen erleben. Mal sehen, wie meine Geschichte weitergeht.
