Die Gespräche wandern durch das Netz

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Als ich 1994 meine ersten Schritte im Internet unternahm, faszinierte mich das Usenet mit seinen schon damals unzähligen Diskussionsforen und seiner eigenen Diskussionskultur. Eher abseitige Themen wurden auf Mailinglisten diskutiert, und für den kurzen Schnack gab es IRC und talk.

Dann kam das Web, mit ihm neue Gespräche in Webforen und bald darauf auch Blogs. Mit den Blogs kamen Kommentare, Trackback und RSS und damit die Möglichkeit, den Debatten mittels Feedreader zu folgen, ohne das Blog selbst besuchen zu müssen. Damit war wieder der Stand erreicht, den das Usenet zuvor bereits geboten hatte, allerdings auf einem neuen Niveau.

Die nächste Generation von Konversationswerkzeugen trat 2006 mit Twitter auf den Plan. Sie hat neben RSS auch Programmierschnittstellen, die neue Möglichkeiten für die Netzgesprächskultur bieten. Das Wanderungstempo der Gespräche im Netz hat sich damit dramatisch erhöht.

Hatte Twitter bereits einen Teil der zuvor auf Blogs geführten Debatten angezogen (jenen nämlich, der sich mit Statements von maximal 140 Zeichen Länge führen lässt), so folgen nun in immer kürzeren Abständen Plattformen, die Debatten geradezu magnetisch anziehen.

  • FriendFeed zeigt die Lifestreams seiner Nutzer auf einer Plattform. Da jeder Eintrag kommentiert werden kann, hat sich bereits eine lebendige Diskussionskultur entwickelt. Früher in Kommentaren auf Blogs geführte Debatten wandern zu FriendFeed ab.
  • AlertThingy ist ein Programm, das FriendFeed auf den Desktop holt - wie zuvor Twitterific oder Twhirl für Twitter, Feedreader für RSS oder Newsreader für das Usenet. Es nutzt dazu die Programmierschnittstelle von FriendFeed.
  • fav.or.it ist ein Feedreader der nächsten Generation (noch in geschlossener Beta), der verspricht, die Kommentare seiner Nutzer wieder auf die Blogs zurückzubringen - anders als FriendFeed und
  • Shyftr (steht für Share Your Feeds Together), ebenfalls ein webbasierter Feedreader, der wie FriendFeed Kommentare auf der eigenen Plattform erlaubt.

Für manch altgedienten Blogger mögen das aufregende Entwicklungen sein, die mit einer gebührenden Portion Argwohn betrachtet gehören, doch letztlich ist es nicht mehr als die weiterziehende Karawane, der die Hunde nachbellen. Ob im Usenet oder bei Shyftr - die Gespräche im Web sind auf einer stetigen Wanderung und finden immer dort statt, wo ihre Teilnehmer sich gerade wohlfühlen. Sie gehören allen und niemandem.

Die Technik ändert sich, die Menschen bleiben gleich.

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4 Kommentare

Ich habe FriendFeed nun auch einmal ausprobiert. Eine gute, wenngleich noch ausbaufähige Idee, die Komplexität des Web 2.0 zu reduzieren. Man muss sich natürlich fragen, ob das nicht irgendwann zu redundant wird, bei Facebook hat man ja schnell einen Twit drei Mal stehen, weil Twittervision, Twitter und FriendFeed als Applikationen angedockt sind, erfordert geradezu ein Web 2.0-Applikationsverwaltungstool ;-). Ist aber vielleicht eher ein Problem von Facebook als ein allgemeines.

Redundanz ist gut. Redundanz ist eines der grundlegenden Prinzipien des Internets.

Das Thema wird seit einiger Zeit auch hier besprochen:

http://www.centernetworks.com/the-conversation-monetization

Gruss

Klar die Karavane zieht weiter und das ist auch gut so. Nur hat sie ein Ziel? Ich habe mal die soziale Konvergenz vermutet:

http://yvesluther.name/web-20/2008-04-16/soziale-konvergenz/

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