Sichere Verkehrswege sind keine Errungenschaft der Moderne, sondern gehören seit jeher zu den vornehmsten Aufgaben des Staates und der Herrschenden. Auf Straßen, Bahnhöfen und Flughäfen lauern auch heute zwar gelegentlich finstere Gestalten auf Opfer, aber die klassische Wegelagerei ist ein im Verhältnis zur gewaltigen Zahl der Reisenden fast ausgestorbenes Gewerbe.
Zweifelhafte Gesellen finden jedoch neue Wege, ihre Opfer auszuplündern. Einer davon nennt sich Hotspot oder auch öffentliches WLAN. Das Internet ist auf dem Weg zum Massengut wie zuvor Wasser, Strom und Telefon. Das hindert die ehemaligen Telekommunikationsmonopolisten nicht daran, ihr WLAN zu völlig überzogenen Preisen anzubieten.
Das Amsterdamer Hotel, in dem ich vergangene Woche eine Nacht verbracht habe, hat ein WLAN von T-Mobile. Wie es sich so trifft, ist mein E61i ebenfalls mit einer Karte von T-Mobile ausgestattet. Wie sieht nun das Kundenerlebnis aus, wenn ich den Hotspot nutzen möchte?
Zunächst muss ich eine Kurznachricht mit einem Kennwort an eine bestimmte Kurzwahl senden. Danach erhalte ich Benutzername und Kennwort per SMS zurück. Damit kann ich mich nun über WLAN und ein Webinterface anmelden. Und anschließend tickt eine Uhr.
Wie in längst vergangen geglaubten Zeiten muss ich nun darauf achten, wie lange ich mit dem Netz verbunden bin. Denn jede Minute kostet, und das nicht zu knapp. Ich habe offensichtlich den falschen Tarif.
Aber dennoch - was soll dieser Rückfall in das Internetpräkambrium? So kann doch niemand sinnvoll mit dem Netz arbeiten. Das kostet Nerven und Geld, das Kundenerlebnis ist alles andere als befriedigend. Der Hotspot kann sich nicht einmal meinen Rechner merken, ich muss dauernd wieder Benutzername und Kennwort eingeben.
Nicht viel besser sieht es am Flughafen Schiphol aus. Der ist zwar mit einem WLAN des ehemaligen Staatsmonopolisten KPN ausgestattet, aber ohne einen vorher erworbenen Zugangscode geht gar nichts. Ganz zu schweigen vom Preis: 6 EUR für 30 Minuten.
Ein kurzer Vergleich. Für einen Festpreis von etwas über 40 Euro im Monat bekomme ich ISDN- und DSL-Anschluss mit allen Festnetztelefonaten und sämtlichem Internetverkehr. Und was ich so höre, soll das andernorts durchaus noch günstiger sein. Bei KPN könnte ich für das Geld dreieinhalb Stunden am Flughafen warten, mit Internet. Immerhin.
Die Telekommunikationsanbieter sind ja in der (für sie) glücklichen Lage, ihre Preise wegen der besonderen Kostenstruktur (hauptsächlich fix, nur ein wenig variabel) nach Gutdünken festzulegen. Wo die Deckungsbeiträge herkommen, ist ihnen im Zweifel völlig gleich.
Also bekriegen sie sich mit Kampfpreisen da, wo es der Nutzer sofort und jeden Tag merkt: bei den Minutenpreisen ins deutsche Festnetz und die Mobilnetze. Und dort wo der Konsument im Zweifel gar nicht direkt hinschaut, holen sie es doppelt und hundertfach wieder rein: bei den Datentarifen (Schon mal ohne Datenpaket vierstellige Euro-Beträge versurft? Dann hast Du wohl mehr als 100 MB runtergeladen.), bei Auslandstelefonaten und bei obskuren Tarifwechselgebühren, die gerne mal die Kosten für einen Monat Telefonieren weit übersteigen.
Übrigens: wer in Frankreich ein Minutenpaket bei Bouygues bucht, der darf seine Inklusivminuten ganz selbstverständlich auch für Telefonate nach Deutschland nutzen. Kannst Du Dir sowas bei T-Mobile vorstellen? Ich nicht.
Ein kleiner Tipp am Rande für alle, die in Hotels WLAN nutzen möchten:
Nicht selten kassieren Hotels für WLAN-Access je nach Räumlichkeit unterschiedliche Tarife. In geschlossenen Kongress-Räumlichkeiten wird oft deutlich mehr verlangt, als wenn man kurz ins Foyer/Cafe geht und sich dort einwählt. Nur sollte man dem Kellner rechtzeitig wieder entwischen ;-)