Danke, liebe Pressekonzerne!

| | Kommentare (4) | TrackBacks (0)

Gespenstig mutet an, wie deutsche Ministerpräsidenten mit Medienlobbyisten und Pressekonzernen um die Zukunft öffentlich-rechtlicher Internetangebote ringen. Michael Hanfeld malt in der heutigen FAZ, ganz Lobbyist in eigener Sache, Horrorszenarien einer öffentlich-rechtlichen, gebührenfinanzierten Presse (im Internet) an die Wand.

Dabei ist es doch so, liebe Pressekonzerne: Im Internet kann und darf jeder publizieren. Und viele tun es auch. Die klassische Pressefreiheit, wie Ihr sie zu verteidigen versucht, ist war die Freiheit des Besitzers einer Druckpresse, seine Meinung ungehindert zu Papier bringen und verbreiten zu lassen. Im Internet hat jeder seine Wörterpresse.

Sind Eure Internetangebote wirklich so schlecht, dass Ihr jede Konkurrenz, insbesondere aus öffentlich-rechtlichen Häusern, fürchten müsst? Sodass deren Angebote unter Eurem Druck und durch politischen Beschluss verkrüppelt werden müssen?

Danke, liebe Pressekonzerne! Wir werden nicht vergessen, dass wir es Euch zu verdanken haben, wenn die von unseren Gebühren finanzierten TV-Sendungen nur sieben Tage lang im Web abrufbar sind und die öffentlich-rechtlichen Websites voll sendungsbegleitender Langeweile vor sich hin dümpeln.

Ihr glaubt, das nutzt Euch? Weit gefehlt! Dann gehen wir eben woanders hin.

0 TrackBacks

Folgende Einträge anderer Blogs beziehen sich auf den Eintrag Danke, liebe Pressekonzerne!

TrackBack-URL dieses Eintrags: http://blog.sinnerschrader.de/mt/mt-tb.cgi/2321

4 Kommentare

Danke, wie aus der Seele gesprochen!

Ziemlich absurdes Mysterienspiel. Dass sich die Anstalten auf soetwas überhaupt einlassen. Ist das eigentlich nicht verfassungswiedrig, (öffentlichrechtliche) Medien vom Web faktisch auszuschliessen?

Cem, die Anstalten werden hier nicht unbedingt gefragt. Medienpolitik ist in Deutschland Ländersache und wird vor allem in Ministerpräsidentenkungelrunden gemacht. Den Rest erledigen Staatssekretäre und Medienreferenten, federführend immer vorneweg die rheinland-pfälzische Staatskanzlei eines gewissen Ministerpräsidenten Beck.

Auf Länderebene ist der Einfluss der Zeitungsverleger traditionell relativ groß, weil kein Ministerpräsident es sich mit seinen Regionalzeitungen verscherzen kann. Dieser Tatsache haben wir zum Beispiel das unglaublich schlechte, aber dafür hoch profitable und von Verlegern dominierte Privatradio in Deutschland zu verdanken.

Tatsächlich hat das Verfassungsgericht meistens das letzte Wort, in bis heute 13 Rundfunkurteilen. Ein solches wird wohl auch in dieser Angelegenheit wieder am Ende stehen.

Ich denke, den öffentlich-rechtlichen Sendern sollte der Zugang zum Internet gewährt werden - aber eben nur begrenzt. Sendungsbegleitend muss keinesfalls Langeweile bedeuten, sondern sollte sinnvoll zur Ergänzung der Kernkompetenz von ard, zdf und co. genutzt werden. Und die lautet: Information. Von Werbung unabhängige Berichterstattung.
Wozu endlose Sportstatistiken, Kochrezepte und mannigfaltige Service-Beiträge auf den Seiten der Öffentlich-Rechtlichen, die kaum mehr als sendunsbegleitend gelten können? Dafür gibt es genügend private Anbieter, die damit ihr Geld verdienen wollen und müssen. Das hat mit "Ministerkungelrunden" nix zu tun. Solcherlei Wildwuchs an Onlineangeboten auf den Seiten der öffentlich-rechtlichen Sender möchte ich mit meinen Rundfunkgebühren nicht finanzieren.

Jetzt kommentieren


Geben Sie die Buchstaben ein, die Sie in obigem Bild sehen.

Digitaler Frischfisch

Der interaktive Konsument revolutioniert das Marketing.

TwitterCounter for @fischmarkt

Anderswo aufgelesen

Blogroll