Was Basic Thinking wirklich wert war

Das Blog mit dem höchsten Linkeinkommen Deutschlands ging heute für 46.902 Euro über den Tisch. Der Käufer ist serverloft-Geschäftsführer Thomas Strohe, der das Blog "im Sinne von Robert" weiterführen möchte.

Der Kaufpreis blieb weit hinter meiner Modellrechnung zurück. Deshalb hier ein aktualisiertes Rechenmodell, nach wie vor auf Basis der Bewertungsformel von Ahmed Bilal:

Blog Value = 2 x Estimated Yearly Revenue + Blog Premium - Running Costs

Schauen wir uns die einzelnen Elemente genauer an. Die Korrekturen in fett.

  • Estimated Yearly Revenue: Es dürfte kein Problem sein, den Jahresumsatz 2008 zu verdoppeln. Robert hat nach eigenen Angaben im letzten Jahr etwa 37.000 Euro umgesetzt. Macht also 74.000 Euro. Ich senke die Wachstumserwartungen auf Faktor 1,5 - also 55.500 Euro.
  • Blog Premium: Seien wir vorsichtig und setzen eine Prämie von 50.000 Euro an. Das dürfte für den Wert der Domain, den vorhandenen Inhalt, Design, Code und Community nicht allzu hoch gegriffen sein. Die Prämie sinkt nun auf 17.077 Euro. Warum? Dazu unten mehr.
  • Running Costs: Für 2009 plane ich zwei festfreie Autoren ein, die ein Fixum von schlappen 1.000 Euro/Monat sowie jeweils 10 Prozent der gesamten Werbe- und Sponsoringeinnahmen bekommen. Die Vermarktung kostet 15 Prozent. Für Hosting und alle weiteren Betriebskosten setze ich pauschal 10.000 Euro an. Macht zusammen 59.900 Euro. Durch die geringeren Werbeeinahmen sinken die laufenden Kosten auf 53.425 Euro, weil Autoren und Werbevermarkter weniger variable Vergütung erhalten.

Ich nehme weiterhin einen positiven Cashflow an. In diesem Fall kann (und wird vermutlich) der Erwerber einen erheblichen Teil der Werbeeinnahmen aus der linken in die rechte Tasche fließen lassen, indem er sich selbst Werbung verkauft.

Unter dem Strich sinkt die Prämie auf 17.077 Euro. Denkbar ist nach dem gleichen Bewertungsmodell selbstverständlich auch eine höhere Prämie bei entsprechend geringeren Einnahmen oder höheren Kosten.

Wie man es auch dreht: Basic Thinking war weniger wert als erwartet.

Nachtrag: "Unsere Schmerzgrenze lag knapp unter einem sechsstelligen Betrag", erklärt Thomas Strohe im Interview bei Meedia. "Das Blog ist eine Herzensangelegenheit und das Geld dafür kommt aus dem PR-Topf."

Das klingt überaus plausibel. Und bestätigt zugleich die Annahme, dass Robert mit direkten Verkaufsverhandlungen deutlich mehr Geld hätte erlösen können. Wenn er gewollt hätte. Wollte er aber nicht. So ist er.

Zweiter Nachtrag: Nebenbei bemerkt - mit diesem Verkauf wird Basic Thinking ja zu einem Unternehmensblog (wie der Fischmarkt auch). Nicht ganz uninteressant. Und zeigt zugleich die Schwäche der Verlage, die hier für sehr kleines Geld eine sehr gute Startposition im Bloggerwald hätten erwerben können.

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Mit 15 gründete Thomas Strohe im Wohnzimmer seiner Eltern sein erstes Unternehmen, mit 20 war er der jüngste Aussteller auf der CeBIT und heute ist seine intergenia AG nach eigenen Angaben “mit über zwei Millionen aktiven Websites, 30.000 Root... Mehr

11 Kommentare

Ich denke nicht, dass der Zuschlag in einer Auktion den Wert des Auktionsgegenstands bestimmt.

Wahrscheinlich, dass die 46.902 Euro nicht die Schmerzgrenze für serverloft / Intergenia waren und wenn andere präsumtive Nutznieser hätten mitgeboten / mitbieten hätten dürfen ... ergäben sich je nach Bewertung der Zukunftschancen / Eintrittskosten, sehr unterschiedliche Werte.

Mal sehen, wie serverloft mit dem Startkapital von Robert umgeht.

Also ich finde, dass Robert da schon das Beste rausgeholt hat!

Keine Ahnung, in welchem Markt sich der Autor dieses Blogs bewegt, aber in dem, den ich kenne, bewegen sich die TKPs südwärts.

Eine Verdoppelung der Einnahmen, die hier mal lässig vorausgesetzt wird, ist in der richtigen Welt schwer bis unmöglich -- wir sprechen hier über ein Blog, dem naturgemäß einige der übleren Sperenzchen, die Portale heutzutage machen, um die TKPs zu halten, verwahrt bleiben -- keine redaktionelle Einbettung, keine Gigantobanner, keine Popups/-unders etc. -- ich hielte es für sensationell, wenn sich für ein Blog mit diesem Layout und Konzept drei Werbeformen zu je 3 Euro TKP verkaufen ließen, womit BT bei Vollauslastung unter den 30 K wäre, die Robert derzeit zu erlösen behauptet. Ergo lief da ordentlich Gefälligkeitswerbung. Die natürlich weg ist.

Das Problem bei Blogs ist nun mal dasselbe wie bei allen Content-Sites -- der Aufwand ist zu hoch für den zu erzielenden Ertrag.

Daher wundert es mich auch nicht, dass BT nicht von jemandem gekauft wurde, der da ein Geschäftsmodell gesehen hat, sondern von jemandem, der vom Hype profitieren will.

Warren Buffet sagt: "Kaufe einen Dollar, aber zahle nicht mehr als 50 Cent dafür." Scheint hier geklappt zu haben.

@FirstDayBlack, schönes Zitat. Ich denke das serverloft das Geld sehr schnell wieder reinholen wird.

Ja, auch ich denke, dass der Verkauf von basicthinking via eBay, zwar zum einen beträchtlichen Medienrummel - übrigens für alle Beteiligten: Robert, Serverloft und eBay - führt aber genau genommen ein guter Marktingschachzug sein kann.

Serverloft hat es mit überschaubarem Betrag (auch, wenn in einem Interview ausgesagt wurde, dass hierfür ein Betrag von jenseits 100.000 EUR zu Verfügung gestanden hätte) + nötigem Mediengetöse sich als neue Marke eingeführt: clever, clever

Es auf normalem Wege zu versuchen hätte sicherlich einiges mher gekostet, so hat man zumindest auf wenige Tage komplettes Medienecho, im Internet zumindest für den Zeitraum von 1 - 3 Wochen und im Bloggingsektor warscheinlich für einige Monate: Beobachtung, Kommentare, Linkjuice .......

hätten verlage mehr fantasie hätte ein vermögen fließen können! aber so? lächerlich.

nachdem basic thinking versteigert wurde, hat sich jetzt auch der webmaster von itsystemkaufleute.de entschieden, seinen blog zu verkaufen.

habs dei tage bei ebay gefunden, läuft noch bis sonntag:

http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?ViewItem&rd=1&item=290289937622&ssPageName=STRK:MESE:IT&ih=019

wird das nun zum trend, seinen blog zu verkaufen? ich denke mal nicht, dass andere blogs einen ähnlichen preis erzielen können wie basic thinking. aber man wird abwarten müssen, wie sich das in nächster zeit entwickelt.

serverloft.de? Woher kennt man die? Die kennt man, weil sie knapp 46.000 Euro für PR/Marketing ausgegeben haben und nun bekannt sind. So viel Bekanntheit, wage ich zu behaupten, hat sich noch niemand mit 46K über Nacht gekauft. Die Jungs wären jetzt natürlich gut beraten, im Wochentakt was PR-trächtiges nachzuschiessen, sonst ist der kurze Hypesruhm weg und das Geld war letzendes so wirksam wie ein Werbespot auf Tele5 in der nächtlichen Horrorfilmwiederholung.

Da Trackbacks von MT zu WP anscheinend nicht immer funktionieren: Ich habe kurz angerissen, was ich getan hätte, wenn ich der neue Besitzer von Basic Thinking wäre

Wenn ich ein Blog für 46.903 Euro gekauft hätte

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