Soeben bin ich, sozusagen dienstlich, Fan von simyo auf Facebook geworden. Um es gleich vorwegzunehmen: simyo ist ein Kunde von SinnerSchrader. Und SinnerSchrader zahlt mein Gehalt unter anderem dafür, dass ich hier schreibe. Mit der Facebook-Fanpage allerdings hat SinnerSchrader nichts zu tun, sondern die Agentur Mavens von Mark Pohlmann, der wiederum lange Jahre bei SinnerSchrader gearbeitet hat. Mit Mavens arbeiten wir in Sachen next conference zusammen.
Transparenz ist wichtig in diesen Zeiten. Deshalb die lange Vorrede. Social Media hat die Lage unübersichtlich gemacht. Früher gab es Quellen, die in Medien zitiert wurden. Heute publizieren die Quellen selbst. Unternehmen sind nicht mehr auf das Nadelöhr der klassischen Medien angewiesen, um sich Gehör zu verschaffen. Konsumenten haben nicht nur das Call Center, um sich an Unternehmen zu wenden. Sie können bloggen, twittern und noch viel mehr. Für Kundenservice und Unternehmenskommunikation ist die Lage unübersichtlich geworden.
Ich lag zwar nicht im Koma, aber war im Urlaub, als ein anderer Telekommunikationsanbieter eine größere Kampagne mit hohem Socialmediaanteil startete, die in einer kleinen Nische des Web für sehr viel Aufregung sorgte. Es juckte mich des öfteren in den Fingern, meinen Senf dazuzugeben, aber letztlich waren andere Tätigkeiten oder auch Untätigkeiten im Urlaub attraktiver. Deshalb habe ich es gelassen.
Verglichen mit der komplexen und aufwendigen Vodafone-Kampagne ist das Engagement von simyo recht übersichtlich. simyo hat ein Blog, nutzt Twitter als Ticker, flickr für Pressefotos und YouTube für Bewegtbild. Bei Facebook geht es simyo um Kundenbewertungen. Nadine Motter schreibt im Blog:
Auf der offiziellen simyoDE Facebook Fanseite können Kunden, Mobilfunk-Freaks, Kritiker und Fans ihre Loyalität bekunden und uns gleichzeitig durch ein Sternchenprinzip bewerten (1 Sternchen schlecht bis 5 Sternchen hervorragend). Zu jeder Bewertung kann, muss aber nicht, ein Kommentar / Rezension abgegeben werden.
Diese transparente, offene und ehrliche Vorgehensweise ist einzigartig im Telekommunikationssektor und wir sind uns bewusst, dass durchaus auch negative Bewertungen sichtbar werden, die wir dort aber auch bewusst sichtbar machen und nicht löschen werden. Denn wir verstehen es als Chance durch das Feedback unserer Kunden immer ein Stückchen besser zu werden.
Gleichzeitig nutzen wir die Plattform, um Diskussionen anzuzetteln, Fragen zu beantworten und um auch dort mehr über die Bedürfnisse unsere Kunden zu erfahren. Aber nicht nur wir kommunizieren, auch die Kunden können sich hier offen über simyo austauschen und sich gegenseitig Tipps geben.
Interessant wird die Sache, wenn sich klassische Multiplikatoren wie Frank Kemper, stellvertretender Chefredakteur der Internet World Business, zu Wort melden. Er weiß zwar immer noch nicht, ob er simyo nun weiter nutzen will, steht aber immerhin in regem Austausch mit simyo. Gut, dass wir darüber gesprochen haben.
Spaß beiseite. Eine Politik der kleinen Schritte liegt für simyo geradezu auf der Hand. Das aus der klassischen Werbung überkommene Denken in Kampagnen, wie es zuletzt Vodafone und Scholz & Friends vorgeführt haben, ist im Web eine hochriskante Strategie. Kleine Schritte, dem Konsumenten zuhören, in den Dialog treten und daraus lernen versprechen, mit der nötigen Nachhaltigkeit verfolgt, mehr Erfolg bei überschaubarem Risiko.
Irgendwo hab ich mal im Marketing-Kontext sinngemäß den Spruch gehört: "Wer Geld hat, kann den Leuten was vom Pferd erzählen, wer keins hat, muss die Wahrheit sagen".
Diesen Spruch habe ich bis zu der Vodafone-Sache für gut und gültig gehalten. Inzwischen denke ich, dass er bei Produkten, deren Hauptnutzer social-media-affin sind, immer weniger gilt.
Bei der Vodafone-Kampagne kam noch der gegenteilige Obama-Social-Media-Effekt hinzu. Was bei Obama in seinem Wahlkampf gut ging, ging bei Vodafone nach Hinten los. In beiden Fällen für die Initiatoren in einer irgendwann nicht mehr kontrollierbaren Art und Weise.
Ich bin mir aber recht sicher, dass wenn Vodafone diese Kampagne mit einer echten mobilen Datenflate zu fairen Konditionen im Gepäck gestartet hätte, dass Alles ganz anders gelaufen wäre. Und daran hätte man dann auch sehen können, dass es gerade bei Social-Media-Kampagnen im Endeffekt auf ein gutes Produkt ankommt. Und das finde ich gut!
Hallo, jetzt weiß ich auch, warum bei mir heute die Zugriffszahlen meines privaten Blogs durch die Decke gegangen sind;-)
Ich finde das ganze Projekt Simyo hoch spannend: Eine im Grunde fast komplett virtuelle Marke, deren Kunde man nicht sein kann, wenn man nicht online ist. Und, um ganz ehrlich zu sein, wenn mir als Internet-Redakteur dieses Geschäftsgebaren nicht zutiefst sympathisch wäre, dann hätte ich den Simyo-Chip nach dem ersten #fail einfach aus dem Handy gezogen und einer Endlagerung in einem Sanitärmöbel zugeführt.
Bei Simyo - und bei Vodafone - wird sich aber auch zeigen, wie wichtig ein Web-2.0-Auftritt gegenüber anderen Produkteigenschaften ist.
Ich war von 1995 bis 2009 D2-Kunde, hatte seit 1997 dieselbe Handynummer - warum bin ich da eigentlich weggegangen? An der Technik hat's nicht gelegen, Vodafone war von der Abdeckung immer Spitze, es gibt im hintersten Winkel der Welt immer ein Vodafone-Partnernetz und die Vertragshandys waren auch nicht schlecht (ich telefoniere immer noch mit einem). Sie waren schlicht: Zu Teuer. Und da können sie den Lobo so lange Bus fahren lassen wie sie wollen - wenn ich das Gefühl habe, ich bekomme die Leistung von V. woanders für das halbe Geld, dann wird es irgendwann mal eng.
Mit Simyo ist es dasselbe: Sehr sympathische Brand, tolle Ideen (Das mit den Simyo-Paten funktioniert toll), Super-Preise. Aber: Manchmal funktioniert es einfach nicht. Und wenn etwas noch ärger ist als zu teuer, dann ist es: funzt ned!
Ich habe statt Simyo eine Anti-Marke ins Handy getan: Ja!Mobil. Das User-Interface im Web ist ein Witz, zum Aufladen muss man in einen Supermarkt und teurer sind sie auch noch. Ja!Mobil und Web 2.0? Never, ever. Aber sie haben ihre Technik besser auf der Reihe.
Und irgendwann stellt sich halt die Frage, ob die Leute ihre SIM-Karte doch nur zum telefonieren hernehmen wollen und ihre Freunde lieber auf Facebook oder den Lokalisten verwalten.
Wie gesagt: Sehr, sehr spannend.
Irgendwie liest sich Martins Text so unsicher, schüchtern, fast entschuldigend.
Das ist unnötig!
Es gibt halt nur keine Social Media Kampagnen. Davon muß man sich trennen. Das Wort Media hat da nichts verloren. Medien trennen Sender und Empfänger, Medien haben selten einen Rückkanal (und noch seltener Interesse daran).
Es geht um Networking im Besten Sinne. Es geht um Gespräche, und die kann man nicht mehr strategisch planen (obwohl all daß, was man früher Strategie nannte, auch nicht strategisch geplant war). Gespräche laufen in Echtzeit, erfordern Improvisation, Imagination, Intuition, Antizipation und Reaktion, erfordern Engagement, Authentizität und Ehrlichkeit. Wie soll das die traditionelle Agentur leisten? Das hat sie nie gelernt. Deshalb will sie bei Media bleiben. Das ist für sie die einzige Rettung.
Eure kleinen Schritte adelt David Armano mit der Bezeichnung 'Micro-Strategies', steht also ruhig dazu. Es ist eine Tugend in diesen Zeiten, kein Grund für Zurückhaltung.
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Am besten gefällt mir immer:
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Ralf, unsere Kommentarmaschine ist mit KI ausgestattet. :)
Klar, das Produkt muss stimmen, dann klappt's auch mit der Kommunikation, egal ob klassisch oder im sozialen Web.
Oder um es mit Jeff Bezos zu sagen: If you offer a great service, people find out.
Muß wohl. Habe ich wenigstens beim 2ten Mal Glück gehabt ;-)
(aber auch nur, weil ich - aus alter Erfahrung klug -, mir meinen Text schon kopiert hatte!)
Ich warte ja nur noch auf Iras simyo-okay zum 3GS ...