Warum Google mir Angst macht. Ein subjektiver Blick.

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Warum macht mir Google eigentlich Angst? Als sogenannter Digital Native sollte ich mich in meiner natürlichen Umgebung, dem Internet, zu Hause fühlen. Keine Angst und keine Scheu an den Tag legen. Unbedarft an neue Technologien, Gimmicks, Apps herangehen, diese austesten, bewerten, akzeptieren, verwerfen, respektieren. Doch stattdessen entwickle ich eine Abwehrhaltung, sobald Google ein neues Produkt herausbringt.

So geschehen vor noch nicht einmal 48 Stunden. Buzz nennt sich das neue Wunderding aus Googles Produktschmiede. Es soll der Facebook- und Twitterkiller sein bzw. werden, doch für mich ist es ein weiteres Puzzleteil, mit dem Google noch mehr Daten über mich zusammenträgt, abspeichert und vielleicht irgendwann gegen mich verwendet. "Google is almighty" - diese Aussage ist es letzten Endes, die mir leicht die Nackenhaare zu Berge stehen lässt. Was weiß Google noch nicht? Lassen wir uns sprichwörtlich von Google die Zügel aus der Hand nehmen?

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"Privacy is dead" hört man von mir öfters, aber auch nur, weil ich hoffe, noch bestimmte Dinge steuern zu können. So kann ich bei Foursquare steuern, ob und wann ich meine Position mitteile, an welche Zielgruppe (Foursquare-Freunde, Facebook-Freunde, Twitter-Follower) diese Information weitergegeben werden soll und kann dazu noch kurze Nachrichten absetzen.

Google hat mit Latitude auch einen Geolocation Service. Wenn man nicht bestimmte Einstellungen und somit Vorkehrungen trifft, wird man immer und überall auf einer Google Map auffindbar sein. Man lässt sich steuern, als selbst hinterm Steuer zu sitzen. Ist darin meine Angst zu begründen? Oder ist es eher die Tatsache, wenn man sich einmal im Googleverse bewegt hat, dass es kein Zurück mehr gibt? Rechtfertigt der großteils freiwillige Kontrollverlust meine Angst?

Google speichert alle Suchabfragen mehr als 18 Monate (durch individuelle Browsercookies sogar 30 Jahre!) lang ab, durch die Verknüpfungen mit YouTube, Picasa, Blogger, Mail, Docs, Kalender, Talk, Wave, Chrome, Chrome OS, Buzz und all den anderen "Kleinigkeiten" ergibt sich somit ein ziemlich komplettes Bild - oder anders formuliert "Stasi 2.0", wie es ein Freund heute treffend via Facebook schrieb. Als in der DDR Geborene und Aufgewachsene eine Aussage, die befremdet, die Angst schürt, die Vorurteile freisetzt, aber mit Recht?! Revolutioniert Google das Netz oder will es wie "Pinky and the Brain" einfach nur die Weltherrschaft an sich reißen, wie unlängst Spiegel Online titelte?!

Beschränkte sich die Stasi auf ca. 17 Mio. Menschen, hat Google den weltweiten Siegeszug schon längst angetreten. Mit modernen und besseren Mitteln puzzelt sie die Akte "IM Mensch2.0" zusammen. Scheinbar unkontrollierbar fährt die Datenkrake aus. Passenderweise sagte Google-Chef Eric Schmidt vor nicht allzu langer Zeit diesen sehr einprägsamen Satz:

"Wenn es etwas gibt, von dem Sie nicht wollen, dass es irgendjemand erfährt, sollten Sie es vielleicht ohnehin nicht tun."

Das Motto "Wer nichts zu verbergen hat, der braucht sich auch keine Sorgen zu machen" kommt mir aus meiner Jugend noch sehr bekannt vor, als ich meine Eltern zum Wahlamt begleitete und das Aufsuchen einer Urne einem Vaterlandsverrat gleich kam. Kann das die Zukunft sein?

Google bemüht sich aber durchaus um Transparenz. Mit dem Dashboard kann man alle Informationen anzeigen lassen, die Google zu dem Account zusammengetragen hat. Sogar Löschungen aus dem Webprotokoll sind möglich. Doch wird nicht ersichtlich, wie sich Google die IP-Daten, die natürlich auch gespeichert werden, zu Nutze macht. Obwohl die IP-Daten nach neun Monaten Speicherung verfremdet werden, kann man wirklich sicher sein? Darüber schweigt der Konzern.

Es ist halt ein Wirtschaftsunternehmen und als solches muss man es sehen. Ist Google profan eine Suchmaschine, wie man oftmals von Laien zu hören bekommt, so wie früher AltaVista? Nein, denn Google ist längst ein Werberiese, der mit einem Komplettpaket rund um Anzeigen einen Großteil seines Umsatzes einfährt, ein Mischkonzern mit einem Kerngeschäft und vielen kleineren Bereichen.

Mittlerweile sind ganze Berufszweige darauf ausgelegt, Google zuzuarbeiten. Wer hat noch nicht von Suchmaschinenoptimierung gelesen. Doch warum Suchmaschinen-, warum nicht Googlerankingoptimierung? Denn es wird die Website nicht auf verschiedene Suchmaschinen optimiert, sondern auf das, was Google besser rankt.

Ist Google vielleicht der größte Game Changer in unserer kleinen Welt voller alter Denkweisen? Mit den verschiedenen Softwarelösungen und nun auch mit dem Nexus One greift Google auch immer mehr in andere Bereiche über und wird damit in nächster Zeit auch nicht aufhören. Omnipräsenz in jedem Bereich, Konkurrenz zu alteingesessenen Marken. Mit der Masse an Fanboys wird auch da der Erfolg nicht ausbleiben. Das typische Verhalten eines wachsenden Mischkonzerns, nichts, wovor ich Angst haben sollte. Doch wir bewegen uns im Netz und das Netz vergisst nicht...

Letztlich muß aber auch ich gestehen, dieser Blogpost entstand in einer Wave, meine Mails sind mittlerweile fast alle auf GMail umgestellt, ich nutze Maps, habe selbstverständlich einen youtube-Channel, arbeite mit Docs - und wer mag das Suchtpotential verleugnen, die all diese "Kleinigkeiten" bergen?



P.S.:
Und was ist eigentlich "privat"? An dieser Stelle möchte ich @mspro aus seinem ersten Blogpost in der FAZ zitieren:

"Heute muss die Privatheit künstlich, sehr aufwändig hergestellt werden. Opt-Outs bei Facebook, Haken, die man in seinem Internetbrowser setzen muss, Plugins, die man installieren muss, Caches und Cookies und Histories, die man regelmäßig löschen muss. Es ist vor allem auch die Masse an Daten, die wir bewusst und unbewusst hinterlassen. Aber selbst wenn man hier glaubt, die Kontrolle zu haben, wenn man glaubt, zu wissen, was die technischen Prozesse sind und wie die identifizierenden Algorithmen funktionieren - trotzdem bleibt etwas im Raum, dem ich den Rang eines Naturgesetzes geben möchte:

Wir werden die Kontrolle verloren haben.

Wenn es denn nur die Daten wären, die wir bewusst äußern. Wenn es doch nur die tausenden anderen Daten wären, die wir implizit äußern, ohne es wirklich zu wissen oder - wenn wir es wissen - nicht daran zu denken, immer und zu jeder Zeit."

Dieser Blogpost ist wirklich sehr zu empfehlen. Er geht weitaus mehr in die Tiefe als die Analyse meiner persönlichen Angst vor einem Unternehmen.

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12 Kommentare

Wenn man neben Google-Apps noch die wesentlich weitreichenderen Dataminingwerkzeuge von Google betrachtet kann man wirklich Angst bekommen: Analytics und AdSense. Achtet mal drauf, auf wie vielen Seiten eins dieser Tools zum Einsatz kommt. Zusammen mit den mehr oder weniger freiwilligen Daten aus den Google Apps gibts das ein sehr netten Datensatz.

Mir kommt die Sorge gegenüber Google doch etwas übertrieben vor. Natürlich sammelt Google enorm viele Daten, aber was will der Konzern damit anfangen?

Dass ich heute auf dem Fischmarkt diesen Artikel gelesen und kommentiert habe, darf Google sich gern 30 Jahre und länger merken. Denn ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie man diese Tatsache gegen mich verwenden können sollte. Oder wird es in 30 Jahren rückblickend ein Verbrechen sein, den Fischmarkt gelesen zu haben?

Anstelle immer wieder nur die diffuse Sorge ob der vielen gespeicherten Daten zu beschreiben, wäre es für die Debatte sicher nützlich, wenn man auch mal Beispiele für künftigen Datenmissbrauch beschreiben würde.

Vielleicht würde ich dann mein Android-Handy nicht mehr verwenden, weil ich einsehen könnte, wie Google in 10 oder 20 Jahren die damit gewonnenen Bewegungsprofile gegen mich einsetzen kann. So aber fehlt mir schlicht die Fantasie dazu.

Ja, klar, haben einige "Angst" vor Google, aber es sind die Daten, die Google zu dem machen, was es ist. Wenn wir alle nicht mehr Google nutzen würden, oder alles verschleiern würden, dann könnte Google z.B. nicht mehr so gute Suchtreffer liefern.
Zudem ist glaube ich die Zeit gekommen, "Privatsphäre" noch mal neu zu defnieren.
In Zeiten, wo jedes 12-Jährige Kind ein Profil auf Schueler / Studi / Mein VZ, Facebook und Myspace hat, alle Social-Media interessierten einen Twitteracount haben, wo sie Ihren vollen Namen presigeben usw... Es gibt so vieles, was wir hier und dort angeben.
Aber ohne unsere Daten würde es nicht funktionieren.
Wikipedia zum Beispiel funktioniert nur durch User-generated-content, genauso wie Soziale Netzwerke keinen "Spaß" machen, wenn man sich dort ein vollständig anonymes Profil anlegt und für alle Aussenstehenden sperrt.
Und solange man seinen eigenen Namen unter das, was man im Internet veröffentlicht, setzen kann, sehe ich da uach kein Problem.
Ich gebe Google gerne Daten, wenn sie mir dadurch etwas anbieten können, neue Dienste, verbesserte Dienste, etc...
Und was die Profile angeht, was solls, dann "weiß Google" halt, dass ich mir dies udn das kaufe, und diesen und jenen Text lese, mit diesem und jenen über Gott und die Welt schreibe... Na und?
Wie sollte Google die Daten nutzen, um mir damit zu schaden? Vmtl wird mir basierend auf diesen Daten Werbung angeboten, aber die heutige Generation ist Werbung im Internet gewohnt, und schafft es sie zu ignorieren, bzw zu blocken ;)
Die Zeiten des Datenschutzes sind vorbei.
Mehr Sorgen mache ich mir um unseren lieben Staat, der so einiges über uns wissen möchte... :/

Die Kommentarfunktion ist doof. Sagt mir eben, das Captcha ist falschnund schon ist der gesamte Kommentar-Text weg. Fail!

Wir sind alle noch keine Digital Natives. Wir sind Einwanderer der ersten, zweiten oder dritten Generation. Was das Netz angeht, haben wir alle noch einen Migrationshintergrund.

Und wir sollte nicht unbefangen mit dem Netz und seinen Gefahren umgehen. Das Indianermädchen geht ja nicht unbefangen in den Wald, es weiß doch, dass da der Bär lauert. Nur kann es eben Spuren lesen und deshalb die Gefahr viel besser einschätzen.

Und zum Thema Google: Es ist nicht Google, es ist das Netz. Google macht das, was Google alles macht, weil sie es können. Andere machen es auch. Wenn man einen Mitspieler verteufelt, wird man gern unaufmerksam den anderen gegenüber.

@Berlinermax,

sorry, wir arbeiten dran. Der neue Fischmarkt wird eine bessere Kommentarfunktion haben.

Ich sehe das grundsätzlich so:
Jeder User hat die Möglichkeit genau zu granulieren welche Daten er von sich preisgibt. Wenn ich nicht will, dass jemand weiß wo ich bin, dann nutze ich Latitude nicht (1 Häkchen setzen). Wenn ich nicht will, dass Microsoft oder ein anderer Konzern weiß was ich im Netz suche, dann nutze ich weder Chrome, noch den Internet Explorer noch Suchmaschinen wie bing, google etc.

Klar ist es einfach bloß "Angst" zu haben, wichtiger finde ich aber, dass schon Kinder lernen mit diesem Medium umzugehen. Ich selbst kann steuern, welche Inhalte über mich im Netz auftauchen und welche eben nicht. Wenn ein ISP nicht wissen soll, dass ich mir z.b. Pornofilme anschaue dann tu ich das nicht Online sondern gehe in die Videothek, dann wissen es nur die Dame am Tresen und 20 andere Menschen die in der Videothek sind und es ihren Familien, Freunden, Bekannten etc. erzählen...

Diese ganze Privacy-Geschichte führt doch nur dazu, dass wir uns technischen Innovationen immer weiter verschließen. Ich komme aus einem kleinen Dorf, dort wusste jeder über jeden bescheid (zumindest glaubte er das weil über jeden Menschen gesprochen wurde, ob es wahr war oder nicht). Wenn ich ehrlich bin ist es mir lieber wenn jemand Informationen über mich braucht, er diese auch bekommt...

Wenn ich vor etwas Angst habe, dann habe ich exakt 2 Möglichkeiten. Ich meide es oder ich stelle mich der Angst. Und wenn mir Google nicht ganz koscher ist dann nutz ich die Produkte nicht und füttere Google nicht mit meinen Daten da dies aber ohnehin niemand tut ist die gesamte Debatte völliger blödsinn.

Interessante Antworten, ich danke dafür. Wie schon geschrieben, es ist ein subjektiver Blick. Jeder hat so seine eigene Meinung zu dem Thema.

Häkchen setzten oder zu entfernen scheint einfach für Leute, die sich mit dem Medium auskennen, beschäftigt haben, sich dort zu Hause fühlen.
Doch viele Leute, die sich zwar im Netz bewegen, aber sog. digital immigrants sind, haben diese Selbstverständlichkeit nicht, suchen nicht alle Einstellungen ab, lesen die sich durch, testen aus.
Was gab es für einen Aufschrei, als Google Kalender öffentlich waren, weil ein Häkchen vergessen wurde und auf einmal heikle private und berufliche Termine im Netz auffindbar waren?!

Die Selbstverständlichkeit, mit der Christian und _Mephistopheles durch's Netz wandern, haben andere vielleicht nicht. Und welcher "normale" User kennt schon noch Metager, Altavista oder sogar Bing? Google ist an dieser Stelle Monopolist. In jeder Toolbar eines jeden Servers schon gleich inklusive. Wahlmöglichkeiten sehe ich da nur begrenzt, lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen.

Nur einen Nachsatz: vielleicht kann ich zum Teil steuern, was für Spuren ich im Netz hinterlasse, aber kannst Du das auch von Deinem Bekanntenkreis sagen? Hast Du Kontrolle über Deine Freunde, Familie, Bekannte, Kollegen und was sie über Dich im Netz verbreiten?!

Nein, diese Kontrolle habe ich nicht aber es ist sehr gut möglich auch hier im Vorfeld Absprachen zu treffen. Beispiel: "Ich bin auf einem Geburtstag und der Gastgeber macht Fotos, ich sage klipp und klar, dass diese Fotos auf denen ich bin nicht veröffentlicht werden sollen.." Funktioniert in den meisten Fällen reibungslos und jeder hält sich dran.
Klar kann es niemand garantieren, aber das ging zu Zeiten der klassische Bilder (auf Fotopapier) auch nur begrenzt.

Die "Selbstverständlichkeit" von der Du sprichst ist in der Tat ein wichtiges Thema. Wie oft ruft mich meine Mutter an mit Fragen wie "darf ich da draufklicken?"
Medienkompetenz sollte Unterrichtsfach an jeder Schule sein, bewusster Umgang mit einem mächtigen Medium sollte Teil der Allgemeinbildung sein.

Ich finde man macht es sich zu einfach, wenn man dauernd über den "Datenkraken" Google herzieht und mögliche Gefahren herbeiredet. Man kann eine Firma ja wohl nicht nur aufgrund ihrer Größe verteufeln, oder?

Jeder kann (bis zu einem gewissen Grad) selbst bestimmen, wieviele Daten er oder sie preis gibt. Das Problem ist kein technisches sondern ein menschliches. Die Leute müssen begreifen das einmal veröffentliche Daten für immer zugänglich sind. Wenn dieses Verständnis da wäre, würde sich die Thematik gleich erledigen.

Doch zurück zu Google. Ich persönlich finde das meine Daten bei Google sicher aufgehoben sind, jedenfalls sicherer als auf dem Server vieler kleiner und mittelständischer Unternehmen, die Email- und Collaborations-Produkte auf den Markt pushen ohne die Daten auf ihren Servern professionell abzusichern.

Wie oft wurde in den letzten Jahren über Datenlecks und Sicherheitsprobleme bei Google geredet??? Genau....

Bemerkenswert könnte auch sein, dass solch schlaue Google-Warnings fast immer von Heavy-Datenschleudern kommen die vorgeben, aus guten Gründen immer Digital-avant sein zu müssen und dadurch als Boheme-Peer-Group den Weg freipflügen für den Bauernfang. Das ist doch immer dieselbe flunderflache Kritik, sanft landend wie eine Frisbee-Scheibe. Weiter so, liebe Grashalm-Knicker.

1.) Es ist kein "Warning", sonder eine subjektive Meinung. Steht auch klar in der Überschrift
(oder sollte ich vielleicht subjektiv noch zu Wikipedia verlinken oder gar zum Duden?! Da muß ich noch einmal Grübeln...).

2.) Kennen wir uns, daß Du mir unterstellen könntest, eine heavy Datenschleuder zu sein? Du bist ja noch nicht mal so mutig und gibst Deinen "realname" an für eine fundierte Diskussion auf Augenhöhe.

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