Spätestens seit Zappos für großes Geld an Amazon ging, steht das Thema Schuhe auch im hiesigen E-Commerce auf der Agenda. Zu den ersten Bewerbern um die Position des Category Killers zählt Zalando aus dem Hause Samwer. Samwer? Zalando? Da war doch was? Richtig: Alando + Zappos = Zalando.

Das Start-up, das die drei Samwer-Brüder Anfang 1999 gründeten und im Sommer des gleichen Jahres an Ebay verkauften, hieß Alando und war eine Copycat von Ebay. Zehn Jahre später wiederholt sich ein Teil der Geschichte mit Zalando, einer Copycat von Zappos.

Doch damit nicht genug: Zalando kopiert nun auch schon mirapodo, das sich derzeit noch in der Private-Beta-Phase befindet. Martin Groß-Albenhausen hat sich für das Mailorderportal die Mühe gemacht und genauer hingeschaut. Faszinierend!

Neu ist es - aber eben ein Kind der "beta"-Kultur -, dass die Plagiate schon entstehen, bevor das Original auf dem Markt ist. Darum ist es um so wichtiger, dass ich mirapodo schon vor dem Start öffentlich machen konnte. So ist zumindest klar, wer hier bei wem abgekupfert hat.

mirapodo ist ein Kunde von SinnerSchrader.

mirapodo.png

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Ganz großes Kino. Robert Basic versteigert sein Blog, das seit geraumer Zeit an der Spitze der deutschen Blogcharts steht, bei Ebay. Bild.de schreibt vom deutschen Techcrunch, und schon schafft es die Geschichte zu TechCrunch. Mehr geht kaum.

Man reibt sich ungläubig die Augen: Basic Thinking soll das deutsche TechCrunch sein? Das Arrington-Imperium macht wahrscheinlich im Monat oder gar in der Woche mehr Gewinn als Robert Umsatz in einem ganzen Jahr. Der Vergleich trifft gleichwohl mitten ins Schwarze, denn es gibt eben kein anderes Blog in Deutschland, das näher an das große US-Vorbild heranreichen würde.

Die deutsche Blogosphäre liegt ziemlich am Boden.

  • Es fehlen Links.
  • Es fehlen gute Schreiber.
  • Es gibt keine funktionierende Vermarktung.
  • Es fehlen eigene Themen.

Ausnahmen bestätigen freilich auch hier die Regel. Doch summa summarum ist die Bloglandschaft in Deutschland eine überaus harmlose Veranstaltung. Als Google vor bald sechs Jahren Blogger.com übernahm, war der Rückstand der hiesigen Szene auf die USA schon groß. Seitdem ist der Abstand immer weiter gewachsen.

Michael Arrington schrieb seine ersten Unternehmensprofile auf TechCrunch erst im Juni 2005. Etwa zur gleichen Zeit startete Roberts Blog durch. TechCrunch ist heute eine echte Macht, hat etliche Autoren und eine Reihe von spin-off-Blogs, veranstaltet Konferenzen und verleiht Preise. Arrington ist reich geworden. Und Robert?

Eine Einmannshow genügt in Deutschland, um stetig die Blogcharts anzuführen. Die vermutlich einnahmestärksten Blogs in Deutschland setzen im Monat 10.000 bis 20.000 Euro um. Immerhin. Aber kein Vergleich mit der Huffington Post, die vor einigen Wochen mit 100 Millionen US-Dollar bewertet wurde.

Wir werden in drei Tagen wissen, wie der Markt das (laut Blogcharts) führende Blog Deutschlands bewertet. Selbst wenn der wohlweislich fixierte Mindestpreis nicht erreicht werden sollte.

Das allein reicht schon, um diesen Verkauf für eine hervorragende Idee zu halten. Doch jenseits der vorbildlichen Inszenierung, die den Wert des Blogs noch einmal deutlich erhöht hat, gibt es auch eine Reihe von handfesten Gründen, warum Robert mit dem Verkauf seines Blogs Maßstäbe setzen wird. Hier ein Szenario, das ich gern sehen würde:

  • Basic Thinking wird für ein angemessenes Vielfaches des für 2009 erwarteten Umsatzes verkauft. Das Blog hat auch und gerade ohne Robert einen erheblichen Wert. Es ist eine eingeführte Marke und gut vernetzte Domain mit genug Traffic und je nach Messzeitpunkt bis zu 30.000 Feed-Abonnenten. Das umfangreiche Archiv wird auch künftig für Google-Traffic sorgen.

    Ein Verkauf inklusive Robert wäre übrigens kaum vorstellbar. Selbst wenn er einen Autoren- oder gar Arbeitsvertrag mit dem neuen Eigentümer schlösse, ließe sich dieser früher oder später wieder aufheben. Trotzdem wäre eine Earnout-Regelung sinnvoll, die Robert für einen Übergangszeitraum von drei bis sechs Monaten weiterhin an sein Blog binden würde. Damit ließe sich ein Maximum an Wert für beide Seiten realisieren. Vorausgesetzt allerdings:
  • Der Käufer führt das Blog weiter. Das ist nicht selbstverständlich. Er lässt keine Zeit verstreichen, sondern installiert sofort ein Autorenteam, das die wilde Themenmischung zunächst unverändert fortführt, aber den Schreibstil von Robert durch lesbares Deutsch ersetzt.
  • Basic Thinking bekommt eine professionelle Blogwerbevermarktung - etwas, das hierzulande noch immer eher die Ausnahme ist. Damit sollte es möglich sein, den Umsatz von 2008 mindestens zu verdoppeln.
  • Mittelfristig wird Basic Thinking zum Blognetzwerk ausgebaut. Das Hauptblog wird schärfer fokussiert und die übrigen Themen in weitere Blogs ausgelagert. Die größte Schwierigkeit dürfte sein, einige bienenfleißige Autoren mit guter Schreibe zu finden, die eigene Themen setzen können. Denn es reicht auf Dauer nicht, den großen englischsprachigen Blogs hinterherzulaufen. Eigene Themen müssen her.

Auf Basis dieses Szenarios und der Bewertungsformel von Ahmed Bilal, allerdings mit einem Multiplikator von nur 1,5, komme ich auf eine Bewertung von gut 100.000 Euro. Klar ist: Der Wert von Basic Thinking hängt hauptsächlich vom Geschäftsplan seines Käufers ab. Doch dazu morgen mehr an dieser Stelle.

Der interaktive Konsument hat entschieden - der Katalog ist tot, es lebe das Web. Quelle zieht daraus radikale Konsequenzen und ändert sein Geschäftsmodell: Der Katalog wird drastisch zurückgefahren, der Fokus liegt künftig beim E-Commerce. Quelle will zum größten Internetkaufhaus in Deutschland werden, bis zur Hälfte des Sortiments soll von externen Partnern kommen.

Mark Sommer, bisher Chef und künftig Aufsichtsratsvorsitzender von Quelle, kündigt im Interview mit den Nürnberger Nachrichten eine Revolution an:

Wir werden das Unternehmen von einem stationär- und Katalog-basierten Versandhaus zum größten Internetkaufhaus im Land umbauen, und zwar mit sehr hoher Geschwindigkeit. Der Anteil des Internetgeschäftes, der heute bei 40 Prozent liegt, wird in wenigen Jahren zwei Drittel erreichen und das Wachstum im Onlinehandel den Rückgang im Kataloggeschäft überkompensieren.

Der Strategiewechsel ist mutig, aber richtig und alternativlos. Denn der klassische Katalogversand verliert Jahr für Jahr Umsatz. Kataloge wird es zwar weiter geben, aber auch sie müssen sich rentieren, fordert Sommer.

Deutlich mehr als die Hälfte aller Quelle-Neukunden gewinnen wir bereits über das Internet, und nur jeder zweite davon ist an der gedruckten Warenpräsentation interessiert. Wir werden daher die Umfänge in dem Maß reduzieren, wie das Kataloggeschäft zurückgeht - das sind jährlich fünf bis zehn Prozent. Die beiden jährlichen Hauptkataloge, Monats- und Spezialkataloge werden bleiben, aber sie werden schlanker ausfallen, die Auflage wird sinken.

Quelle will sich von allen unrentablen Warengruppen trennen, sie aber von Partnern anbieten lassen. Das kann etwa ein Drittel des heutigen Sortiments betreffen.

In wenigen Jahren kann der Anteil der Quelle-fremden Sortimentsartikel bei etwa der Hälfte liegen. Da können auch ganz neue Sortimentsbereiche dazukommen, beispielsweise Arzneimittel. Es gibt praktisch keine quantitative Begrenzung.

Quelle braucht jetzt einen langen Atem für das neue Geschäftsmodell. Denn über Nacht wird sich kaum erreichen lassen, was Amazon und Ebay in zehn Jahren geschafft haben.

Beispielfolie von Matthias Schrader zum Kongress Online-Handel 2007

Voll des Lobes ist Matthias Schrader vom Kongress Online-Handel 2007 zurückgekehrt. Die von ihm moderierte Session ("Web 2.0 - Der Turbo für den Online-Handel?") sei wirklich sehenswert gewesen, die Co-Referenten Andreas Milles/Spreadshirt und Markus Krechting/neckermann.de absolut überzeugend.

An die Session schloss sich eine spannende Diskussion auf dem Zukunftspanel an. In der vertrat Matthias Schrader die These, dass den Infrastrukturthemen die ganz große Zukunft beschieden sei. Beispiele: Google und das Betriebssystem der Werbung, Amazon als Infrastruktur- und Logistikbetreiber für Versandhandel sowie Ebay mit Paypal und Skype als Plattform für den Handel zwischen Konsumenten.

Wie gewohnt hier die Schraderschen Folien [Quicktime, 102 MB].

Bereits zum 40. Mal fand die Hawaii International Conference on System Sciences (HICSS) statt, die durch den Termin im Januar in der Community besonders beliebt ist. Mit insgesamt über 450 Vorträgen in zehn Tracks zählt sie zu den größten ihrer Art.

In einer entspannten Atmosphäre (Hawaii-Hemden statt Krawatten) werden aktuelle Themen und Forschungsergebnisse unter anderem aus den Bereichen Electronic Government, Knowledge Management, Software-Technologie, Digital Economy, Digital Media und Decision Technologies diskutiert.

Der Mini-Track „Competitive Strategy, Economics and IS” überzeugte einmal mehr durch hochkarätige Redner. So erklärte Eric K. Clemons (Wharton School of Business) eindrucksvoll, warum sich im letzten Jahr der Absatz auf eBay deutlich verlangsamte und insgesamt derzeit langsamer wächst als andere Bereich im E-Commerce:

Bereits seit dem 16. Jahrhundert (Greshamsches Gesetz) ist bekannt, dass gefälschte Münzen oder Münzen aus unedlem Material entsprechende Münzen aus edlem Metall aus dem Umlauf drängen. Man stelle sich vor, man habe zwei Münzen mit gleichem Nennwert, eine davon hat allerdings keinen Materialwert, während die andere Münze aus edlem Metall besteht. Mit welcher Münze würde man bezahlen?

Entsprechend kann diese Überlegung auch auf andere Märkte übertragen werden: Angenommen in einem Markt gibt es Fälschungen bzw. Güter in schlechtem Zustand und der Käufer kann sich ex ante nicht von der Qualität überzeugen. Demnach wird der Käufer vorsichtiger bieten und der Verkäufer muss einen Abschlag einräumen.

Ein Verkäufer mit einem Gut, das qualitativ hochwertiger als der Durchschnitt ist, wird allerdings diesen Abschlag nicht akzeptieren und wird das Gut nicht auf diesem Markt mit Informationsasymmetrie anbieten. Dadurch sinkt die durchschnittliche Qualität noch weiter, der Abschlag wird noch größer und so ergibt sich ein Teufelskreis. Mathematisch wurde dieser Effekt erstmal von Akerlof in seiner Arbeit „The Market for Lemons: Quality Uncertainty and the Market Mechanism“ bewiesen, der für seine Arbeit 2001 auch schließlich den Nobelpreis in Wirtschaftswissenschaften erhielt.

Falls der Marktbetreiber keine entsprechenden Änderungen am Marktmechanismus vornimmt, kann dieser Effekt Märkte zum Kollabieren bringen. Im Jahr 2004 waren bei eBay 74% der angebotenen „Tiffany“-Produkte Fälschungen (siehe NYT). Mittlerweile gehen Schätzungen von über 90% aus, da kaum ein Verkäufer mehr auf eBay seine echten Tiffany-Produkten anbietet, da er einen erheblichen Preisabschlag hinnehmen müsste.

Auch mein Vortrag beschäftigte sich mich mit Betrug im Internet und zwar mit der Frage, welche Determinanten die Weitergabe von Falschinformationen in virtuellen Communities bestimmen. Der Beitrag und die Vortragsfolien stehen zum Download bereit. Eine politisch unkorrekte Erkenntnis bleibt besonders im Gedächtnis: Männer lügen im Internet signifikant mehr als Frauen.

In diesem Sinne kann ich auch getrost sagen, dass ich jede Session besucht habe, keine freie Minute hatte und die folgenden Fotos ein Kollege gemacht hat ;)

HICSS1.JPGHICSS2.JPG

Wichteln bei Ebay
Aber es funktioniert. Wenn Als Variante wie "Geburtstagsgeschenk" auch nicht im Sommer. [via Die wunderbare Welt von Isotopp via Frau Katze]

The famous 1.050 Dollar Shaving Bag
Geht nicht? Bei Ebay schon. Und was lehrt uns diese Geschichte? Mit der richtigen Story - hier als Fortsetzungsgeschichte mit Cliffhangern inszeniert - lässt sich alles verkaufen. Sex sells. [via digg]

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Seit gestern ist der neue Ebay-Ableger am Start. Das E-Commerce-Blog hat einen ersten Blick riskiert (und keinen iPod gefunden).

Die Suchfunktion ist nun gegenüber dem bekannten ebay Format und Handling deutlich abgewandelt, auch die Präsentation der Suchergebnisse in Form von den ebay typischen Artikellisten ist nun stark geändert. Bei den Produkten jedoch hat man fast das bekannte Erscheinungsbild. Eine Anmeldung kann weiterhin mit dem vorhanden ebay Account erfolgen, jedoch sind vorab die für express gültigen AGB etc. zu akzeptieren.

Die Computerwoche referiert die Details:

Die Erwartungen an das Angebot "eBay Express" sind hoch. "Wir sprechen neue Käuferschichten an", sagt Deutschland-Geschäftsführer Stefan Groß-Selbeck. Im Visier stehen dabei Kunden, die sich zwar für Internet-Shopping interessieren, aber "nur ungern über Auktionen" kaufen.

Dort außerdem ein Überblick über den Zustand des E-Commerce in Deutschland.

Der Distanzhandel in Deutschland wird in diesem Jahr fast 40 Prozent seines Umsatzes über das Internet erzielen.

Das Umsatzvolumen der im Internet bestellten Waren wird 2006 auf einen Wert in Höhe von 10 Milliarden Euro steigen. Über 44 Prozent aller Bestellungen im Versandhandel gehen bereits elektronisch ein.

Diese Zahlen stammen aus einer Studie des Forschungsinstituts TNS Infratest, die der Bundesverband des Deutschen Versandhandels (bvh) gestern auf seiner Jahrespressekonferenz präsentiert hat.

Die Multi-Channel-Versender können sich demzufolge mit über 4 Milliarden Euro Online-Umsatz noch vor den reinen Internetversendern (knapp 3 Mrd. Euro) und den Ebay-Powersellern (knapp 2 Mrd. Euro) halten. Zusammen mit den Teleshopping-Versendern (fast 1,3 Mrd. Euro), so analysiert Jochen Krisch,

überkompensieren sie weitaus stärker als bisher eingestanden die Umsatzeinbrüche des klassischen Versandhandels.

Die über Internet an Verbraucher verkauften Waren machen nur einen kleinen Teil des gesamten E-Commerce-Volumens aus. Der Umsatz mit Waren und Dienstleistungen betrug im vergangenen Jahr 32 Milliarden Euro. 90 Prozent des Online-Handels spielt sich zwischen Unternehmen ab. Der gesamte Umsatz im elektronischen Handel betrug 2005 nach Angaben des Bitkom 321 Milliarden Euro.

Google warnt vor Ebay Express

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Ein Nachtrag zum DMMK (Live-Blogging Teil 1, Teil 2 und Teil 3)

Der Kommunikationswissenschaftler Norbert Bolz kam gestern in seiner Keynote zur Verleihung des Deutschen Multimedia Awards auf ein Thema zu sprechen, das uns auf dem Fischmarkt auch schon beschäfigt hat: die Konvergenz der Geschäftsmodelle von Amazon, Ebay und Google. Irgendwann, so war unsere These, werden die drei großen Internetunternehmen mehr oder weniger das Gleiche tun.

Mit Bolz können wir nun sagen: Sie tun bereits heute das Gleiche - sie stellen Verbindungen her. (Man kann das auch Networking nennen.) Bolz beruft sich auf den Soziologen Mark Granovetter ("The Strenght of Weak Ties"). Anhand der Stärke der schwachen Verbindungen erklärt er die Netzwerklogik mit ihren beiden Basisoperationen Embedding (Verknüpfen) und Decoupling (Auflösen). Beides ist nötig, damit Netzwerke aller Art funktionieren und sich entwickeln können.

Nun kommt die AEG-Troika ins Spiel. Bolz fragt, worin der eigentliche Mehrwert liegt, den Amazon, Ebay und Google schaffen (und damit Geld verdienen).

  • Google stellt Verknüpfungen zwischen Daten (Informationen) her. Google automatisiert die Netzwerkarbeit durch Algorithmen. Maschinen machen die Arbeit, Menschen arbeiten nur daran, die Algorithmen zu verbessern.
  • Ebay verkauft keine Produkte, hat keine Lager und keine Logistik. Ebay stellt Verknüpfungen zwischen Menschen her, die den Austausch von Ware gegen Geld erleichtern oder erst möglich machen.
  • Amazon verkauft zwar reale Dinge, schafft aber den eigentlichen Mehrwert mit automatisch generierten Empfehlungen und dergleichen. Bolz nennt dies "Marketing der Präferenzen". Auch hier geht es um Verknüpfungen - zwischen Produkten.

Alle drei schaffen Linking Value. Man kann natürlich zu Recht einwenden, dass auf dieser Abstraktionsebene fast jedes Geschäftsmodell identisch scheint.

  • Massenmedien verbinden die Realität mit ihrem medialen Abbild und umgekehrt. Journalisten stellen Verknüpfungen zwischen Nicht-Medien her.
  • Rechtsanwälte stellen Verknüpfungen zwischen Konfliktparteien und den Instanzen der Konfliktbeilegung her.
  • Supermärkte stellen Verknüpfungen zwischen Produzenten und Konsumenten her. Sie verknüpfen Konsum mit Absatz.
  • Keltereien stellen Verknüpfungen zwischen landwirtschaftlichen Produkten und ihrer saftförmigen Vermarktung her.

Dennoch gibt es ein Differenzierungsmerkmal: Die AEG-Troika schafft Mehrwert auf digitale Art und Weise. Und zwar vollständig. Das unterscheidet sie von Massenmedien (bis auf weiteres schaffen dort Menschen den Mehrwert, nicht Algorithmen), Rechtsanwälten, Supermärkten und Keltereien.


Guy Kawasaki war dort und ist begeistert:

Quite an experience. Talk about evangelistic people—I haven’t seen this kind of evangelism since the early Macworld Expos.
Seine Rede gibt es als MP3. Die Bilderserie oben ist auch von ihm.

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Das meldet der Haltungsturner. Sehr schön erklärt: der Weg zum eigenen Blog und die Basisbegriffe ("Posts" und "Blogs").

Die Vorgeschichte bei Exciting Commerce. Und Robert "Thinking" Basic hat Probleme mit der Policy.

Das Google Drive ist bestenfalls Alpha, da kommt Amazon schon mit einem ähnlich gelagerten Angebot auf den Markt: Amazon S3 - Simple Storage Service definiert den Webspace neu. Fast ohne Grenzen: Dort gespeicherte Datenobjekte können bis zu 5 Gigabyte groß sein. Kein Grundpreis, kein Einrichtungspreis. 15 US-Cent pro gespeichertes GB und Monat, 20 US-Cent pro GB Datentransfer.

aws.pngAmazon S3 richtet sich an Entwickler, nicht an Endkunden. Vermutlich werden wir in Bälde Speicherdienste sehen, die auf der Amazon-Plattform aufsetzen und das entsprechende Preisniveau an den Endkunden weitergeben. Man vergleiche zum Beispiel mit box.net: Dort gibt es 1 GB Speicherplatz inkl. Traffic kostenlos, 5 GB kosten 4,99 Dollar im Monat. Das gleiche Volumen würde bei Amazon S3 mit 75 US-Cent berechnet und könnte für die übrigen 4,24 Dollar gut 21 Mal herauf- oder heruntergeladen werden.

Für Michael Arrington von Techcrunch würde ein Traum wahr: Better and Cheaper Online File Storage war im letzten Jahr die Nummer Eins auf seiner Wunschliste Companies I’d like to Profile (but don’t exist). Sein Urteil:

S3 changes the game entirely.
Netzspeicherplatz ist definitiv eines der nächsten heißen Themen für die AEG-Troika. Bleibt nur die Frage, wann Ebay mit einem vergleichbaren Angebot auf den Markt kommt - dann wahrscheinlich für Endkunden und Powerseller.


Nachtrag: John Battelle kommentiert:

Anyone who thinks Bezos and Google are not on a collision course is just not paying attention.
Und Pete Cashmore meint:
Amazon’s S3 is a real game changer. [...] The revolutionary element here is that the cost of starting a web-based company is continuing to plummet.

aeg.jpg
Sie werden immer ähnlicher, die drei Riesen. Am Ende werden Amazon, Ebay und Google mehr oder weniger das Gleiche tun und mit den gleichen Dingen ihr Geld verdienen.

Zwei Meldungen dazu allein aus dieser Woche: Amazon startet einen AdSense-Klon. Google bringt mit GBuy eine Alternative zu PayPal (Ebay) auf den Markt.

Schauen wir mal genauer hin: Amazon hat schon lange Auktionen und Powerseller-Shops (wie Ebay), eine eigene Suchmaschine und jetzt auch eine Werbeplattform (wie Google). Ebay baut ein separates Profiseller-Portal [FAZ] auf (à la Amazon) und muss früher oder später auch das Thema Suche neu adressieren (schon wegen Google Base). Und Google spielt ein Infrastruktur-Thema nach dem anderen: Froogle, Google Local, Google Base, GBuy - alle haben Potenzial, Amazon wie Ebay zu schaffen zu machen.

Am Ende verdienen alle drei ihr Geld mit drei Themen:

  • Informationen von Dritten bereithalten
  • Käufer mit Verkäufern in Kontakt bringen
  • Transaktionen abwickeln lassen

Infrastruktur, that is.

Meg Whitman sieht das [in der FT, kostenpflichtig] jedoch anders:

The four dominant internet groups - Google, Yahoo, eBay and Amazon - will increasingly focus on their core activities rather than compete with each other head-on, according to Meg Whitman, eBay's chief executive.


"I think we will end up specialising," she told the FT in an interview yesterday. "We have specialised in e-commerce, payment and voice communication. Google stands for search, Yahoo largely stands for content - so I think we may on the fringe compete, but I suspect that over time the businesses will become more specialised."

Es bleibt spannend.

Skype

"Dafür also hat Ebay 4 Mrd. Dollar gezahlt", schreibt Andreas Göldi.

In der Elektronikabteilung gibt es jetzt eine eigene Produktabteilung "Skype". Nicht "Voice over IP" oder so, sondern eben "Skype". Gleich gewichtet wie "USB-Stick", "Playstation" oder "MP3". Viel mehr muss man zur Markenstärke von Skype wohl nicht mehr sagen. [Beobachtungen zur Medienkonvergenz]

Esprit_ebay Ausgerechnet Esprit - eine Marke mit belastbarer Online-Strategie - war 2005 der meistgesuchte Begriff bei Ebay.

Generell gaben sich die eBay-Nutzer markenbewusst. Zu den Top 10 Suchbegriffen gehören neben Esprit und BMW auch Adidas, Abercrombie, Tupperware, Puma und Lacoste.

Robert Basic zitiert im 321 Blog! Matthias Schrader zum Thema:

Nur mit einer „offensiven Online-Strategie“, so Schrader, bekommen die Marken das Heft des Handelns wieder in die Hand.

Etsy Etsy is Ebay 2.0, meint Michael Arrington. Oder auch: P2P-Commerce with Tagging. Schade, dass P2P-Commerce dem an deutsche Sprache gewöhnten Ohr etwas seltsam klingt. Sonst hätte der Begriff die Chance, im nächsten Jahr Karriere zu machen.

Etsy ist bis jetzt eine Plattform für Handgemachtes, agiert also in einem Nischenmarkt. Aber denken wir uns diese Einschränkung einmal kurz weg, dann ist Etsy tatsächlich so etwas wie Ebay meets Web 2.0.

Tagging löst elegant das Problem der bei Ebay an allen Ecken knarzenden Ontologie. Natürlich gibt es trotzdem die gewohnten Kategorien und Powerseller-Shops. Sehr nett, wenn auch nur begrenzt nützlich ist die Zeitmaschine - sie zeigt an, was gerade aktuell eingestellt wurde.

E-Commerce 2006 wird viel mit Design und User Experience zu tun haben. Oder wie Robert Basic es formuliert

Was Flickr.com gestern war, wird Etsy.com morgen sein.

Peter Turi - die Älteren unter uns werden sich erinnern: der frühere Chef des kress report - hat Anfang September für das Werberblatt w&v die Lage der Powerseller bei Ebay beschrieben. Jetzt steht der Text auch im Web zur Verfügung. Auszug:

Mathias Schrader von der Agentur SinnerSchrader analysiert kühl: „Powerseller verkaufen zunehmend zu Grenzkosten.“ [...] Weil Joop, Samsung, Sony und Co. den Online-Vertrieb „nur mit der Kneifzange“ anfassen, die Nachfrage nach diesen Marken bei Ebay aber hoch ist, stärken Hersteller, „die mit verschränkten Armen danebenstehen“, nur Händler, die auf Re-Importe, den Graumarkt und Fälschungen setzen. Und genau diese „Kistenschieber“ machen die Preise und die Marke kaputt. Der Kunde laufe mit den unseriösen Ebay-Preisen zum Händler, um sich dort zu beschweren. Nur mit einer „offensiven Online-Strategie“, so Schrader, bekommen die Marken das Heft des Handelns wieder in die Hand.

Denn bei allen Stärken von Ebay, zu denen Schrader zählt, dass pfiffige, kreative Kleinunternehmer immer wieder mit frischen Ideen und Nischenprodukten für Innovationen sorgen und Trends auslösen können: Eines schafft Ebay nicht - eine dauerhafte, personalisierte Kundenbindung. Der reife Konsument sucht „auch online Bindung“, glaubt Schrader. Ebay bleibe ein „wundervoller Abenteuer-Spielplatz“, Convenience, Bindung und Verlässlichkeit könnten aber nur Marken bieten. „Irgendwann möchte man seinen PC nicht mehr ersteigern, sondern bequem bei Apple oder Dell kaufen und nachordern“, sagt Schrader.

Es ist Freitag. Und damit höchste Zeit, ein paar Dinge wegzubloggen, die mir hier den Firefox verstopfen.

  • Sony_bmg Schon etwas älter ist das Welt-Interview mit Maarten Steinkamp, dem Europachef von Sony BMG, und der dringenden Aufforderung an die Musikindustrie, endlich das Jammern einzustellen und statt Rechtsanwälten wieder die Entrepreneure nach vorn zu schieben. [Exciting Commerce]

  • Adsense Google hat sein Adsense-Programm um eine Kleinigkeit ergänzt, die erkennen lässt, wohin die Reise geht - zum Abschied von lieb gewonnenen, aber ineffizienten Mediagepflogenheiten und hin zu einem von A bis Z in Echtzeit optimierbaren Werbegeschäft. Erst die Abschaffung der AE, dann Google Analytics und jetzt die  Promotion von TKP-Anzeigen in Adsense ("Auf dieser Website werben"). Was kommt als nächstes? [Zielpublikum]

  • Productwiki Vernünftige Produktbeschreibungen sind ein knappes Gut. Amazon musste die stetige Sortimentserweiterung mit abnehmender Qualität der Produkttexte bezahlen. Auch die legendären Kundenrezensionen halfen da nicht unbedingt. Doch jetzt kommt Hilfe: Das ProductWiki ist gestartet (selbstverständlich beta), und Amazon selbst experimentiert seit kurzem ebenfalls mit einem gleichnamigen neuen Feature. [Companice]

  • Nano Ebay ist gut für die Marke. Oder nicht? Kommt auf die Marke an. Starke Marken werden durch Ebay stärker, schwache Marken schwächer. Zu erkennen, wie so oft, am Preis: Wer kann seine Preise durch alle Kanäle drücken? Na, wer wohl? Apple natürlich. [Companice]

  • Sellonfroogle Je nach Grad der Phantasie kann sich der eine mehr, der andere weniger darunter vorstellen, was Google Base in Kombination mit Froogle und Google Local eigentlich soll, kann und wird. Dazu gibt es jetzt einen neuen Hinweis: Sell on Froogle. Man nehme Google Base als Backend, um über Froogle zu verkaufen. Ebay und Amazon Marketplace waren gestern? [Basic Thinking]

  • Tuifly Wer wie die TUI mehr als ein halbes Dutzend Fluglinien betreibt, der schafft gewisse Unübersichtlichkeit im eigenen Angebot. Etwas Linderung verschafft seit dieser Woche TUIfly.com. Dort sind alle Airlines unter einer Adresse vereint. Schlichter Mechanismus: Start- und Zielflughafen eingeben - und weg. Zwar keine Offenbarung, aber ein nettes Werkzeug.

Je stärker Ebay für sein Powerseller-Programm trommelt, umso suspekter wird es mir. Wo ist sein Nutzen? Mir ist kein Neuprodukt bekannt, das ich im Vergleich zu "klassischen" Online-Händlern bei Ebay zu einem vernünftigen Festpreis hätte erwerben können. Auch macht es bei Neuprodukten keinen Sinn, einen kostentreibenden Intermediär wie Ebay einzuschalten. Alles ist überall erhältlich, zu klareren Konditionen, mit deutlicher Herkunft. Meine Prophezeiung: Powerseller sind nicht die Rettung, sondern der Untergang von Ebay. Wenn Ebay in den Schlagzeilen ist, dann wegen seiner paar Tausend Powerseller, nicht wegen der Millionen Privathändler. Erstere versauen die Hygiene einer Gemeinschaft, die im Kern unkommerziell ist und mehr durch Spaß am Handeln als aus Gier an der Rendite getrieben ist. Macht aber nichts, denn die Millionen Privathändler werden sich über kurz oder lang anderer Plattformen bedienen oder neue aufbauen, die den oft doch sehr unterschiedlichen Bedürfnissen in den einzelnen Handelssegmenten besser entsprechen. Das ist das Schöne am "Internet 2.0": Die Menschheit entdeckt gerade, daß die Online-Welt aus mehr besteht als AEG - Amazon, Ebay und Google. Willkommen in der Vielfalt des Internets.

Faz_gfk_wachstumonlinehaendlerLaut den Zahlen der GFK aus der heutigen FAZ wuchs der deutsche E-Commerce-Markt im ersten Halbjahr 2005 gegenüber dem Vorjahr um 17 Prozent. Damit wurden 2 Prozent des gesamten Einzelhandelsumsatzes online erwirtschaftet. EBay führt das Umsatzranking mit 7,6 Mrd. Dollar an (warum bloß weist die FAZ hier Dollar aus, wenn es sich doch um die Betrachtung des deutschen Marktes dreht?), das sind rund 22 Prozent mehr als im Vorjahr.

Hinter EBay folgt Amazon mit 0,9 Mrd. Euro und einem Plus von 24 Prozent. Otto, Quelle und Neckermann wachsen um 13 bis 21 Prozent und befinden sich in der Nähe des Marktdurchschnittes von 17 Prozent. Bemerkenswert sind die Steigerungsraten der Deutschen Bahn (plus 54 Prozent) und Opodo (plus 36 Prozent) gegenüber dem Minus von HRS (9 Prozent) und Lufthansa (6 Prozent).

Hier genau wird es interessant, aber bei der Suche nach Gründen für die großen Entwicklungsunterschiede innerhalb eines Segmentes schweigen GFK und FAZ. Das Wachstum der Bahn-Umsätze im Internet ist wohl der Aufholjagd im lange vernachlässigten E-Business-Geschäft geschuldet: Wer klein ist, kann schneller wachsen, das gilt auch für Giganten wie die Bahn.

17 Prozent Wachstum über alle Segmente, das ist nicht viel. Es entspricht ungefähr dem Wachstum der Nutzerzahlen im vergangenen Jahr. Der einzelne kauft offensichtlich nicht mehr über das Internet ein. Berücksichtigt man noch die Wachstumsrate der DSL-Anschlüsse von 50 Prozent als den zentralen Faktor für eine steigende Internetnutzung, verkehrt sich das Umsatzwachstum sogar. Interessanter als die Steigerungsrate für den Gesamtmarkt wäre die Entwicklung auf den einzelnen Nutzer  bezogen gewesen. Ich habe das schale Gefühl, daß für die Entwicklung des Pro-Kopf-Umsatzes nicht viel mehr rauskommt als im stationären Geschäft, über das ja gerne lamentiert wird. Daß bei alledem weder EBay noch seine Kunden durch ihre bloße Existenz Einzelhändler sind, ist dabei noch gar nicht zur Sprache gekommen.

VuittonLouis Vuitton nimmt den Kampf mit Ebay auf. Der Luxusmodehersteller will, so kündete gestern die FTD, künftig seine Produkte selbst über das Internet verkaufen. Das ist natürlich Wasser auf die Gebetsmühlen des Fischmarktes. Denn diese absehbare Entwicklung hat Matthias Schrader als eine treibende Kraft für den neuen Rock'n'Roll-Faktor des E-Commerce ausgemacht. Seine These:

Weil die stationären Vertriebsformen in Deutschland mächtiger als anderswo erscheinen, zögern viele Hersteller in den Direktvertrieb einzusteigen. Ein folgenschwerer Fehler. Der mündige Konsument von heute will direkt kaufen, kann er dieses nicht, weicht er aus – zum Beispiel auf Ebay. Die Hersteller treiben durch ihre Angst vor dem Direktvertrieb Ebay die Kunden in Scharen zu. In keinem Land weltweit gibt es eine so hohe Penetration von Ebay-Accounts wie in Deutschland. Und über keinen anderen Mittler gerät die Marke so unter die Räder.

Auch Louis Vuitton verkauft schon seit fünf Jahren online - aber nur in den USA. Und das hat die Edelmarke mit vielen ihrer Wettbewerber gemeinsam. Insofern könnte von dieser Ankündigung eine Signalwirkung ausgehen. Also, liebe Dienstleister: Geht auf die Straße Roadshow! Verkündet die frohe Botschaft allen Markenartiklern. Wer glaubt und sich gute und edle Shops bauen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird von den Konsumenten verdammt werden...

Wie die FTD heute exklusiv berichtet, will Ebay stärker den Versandhandel attackieren und von einer Auktions- zur Shoppingplattform wachsen. Dahinter steckt - recht trivial - die Ankündigung einer Werbekampagne, die aus freien Händlern eBay-Powerseller machen soll, wie gewerbliche Anbieter dort so schön amerikanisch heißen. Die Erkenntnis aus Karstadt-Quelles Replik ist zwar nicht mehr ganz taufrisch, bleibt aber wahr: "Die Ebay-Euphorie macht das Kaufen im Netz salonfähig, und das nutzt uns. Quelle.de und Neckermann.de sind genauso lang im Netz wie Ebay und haben sich prächtig entwickelt." Der Grund, heute einen PC zu haben, sind Billigtickets und eBay. Nicht Word und E-Mail.

Ecommerce____1, 2, 3... Erfolgsfaktoren im E-Commerce. Anbei -- versprochen ist versprochen -- meine Slides vom DMMK als PDF (4,2 MB).

JoopOffensichtlich ist es im Internet einfacher, gefälschte Markenprodukte zu kaufen als echte. Oder gibt es irgendwo im Netz die Kollektionen, Parfums und Accessoires von Joop! in einer Auswahl, die auch nur annähernd mit Ebay konkurrieren kann?

Dort standen heute morgen 4022 Artikel zum Kauf bereit. Zum Vergleich: Galeria Kaufhof hat 21 Joop-Duftwässerchen im Angebot. Conley's liefert 23 Treffer aus dem Bereich Mode, und bei Peter Hahn - der immerhin das Google-Adword "Joop" gebucht hat - zeigt der Klick auf die Google-Anzeige gerade einmal fünf Joop-Produkte.

Wo gibt es das komplette Sortiment? Die Website ist, für die Modebranche typisch, design-lastig und informationsarm. Verkauft wird anderswo. Joop arbeitet mit Franchise-Nehmern, betreibt Flagship-Stores in Düsseldorf, Hamburg und Kampen auf Sylt und setzt ansonsten auf den Handel. Keine Spur von Direktvertrieb via Internet.

CraigslistHat eigentlich jemand Craigslist auf dem Schirm? Auf den ersten Blick sieht die Kleinanzeigen-Site so aus, als ob sie keinem was zuleide tun könnte.

Doch weit gefehlt. Signal vs. Noise, das Weblog von 37signals, zitiert erstaunliche Zahlen aus einem Artikel der New York Times:

Data collected by Nielsen/NetRatings show that eBay’s page views in April 2005 grew by less than half a percentage point, compared with the previous April. At Craigslist, page views grew 130 percent in the same period. According to the company’s data, its traffic is now about a fifth of eBay’s. And the operational efficiencies are astounding: Craigslist has 18 employees; eBay has 8,800.

Nun gut, hierzulande sind die Lektionen noch nicht gelernt, die Ebay dem E-Commerce erteilt hat. Deutschland ist ja nur deshalb der wichtigste Auslandsmarkt für Ebay, weil wir dem Auktionshaus bereitwillig den Markt überlassen haben.

Aber vielleicht lohnt sich doch ein Blick auf Craigslist, nur ein ganz kleiner? Hamburg jedenfalls findet dort schon statt. Und RSS-Feeds hat Craigslist natürlich auch...

LidlIst das eine climax ascendens? Kommt auf die Kriterien an. Bei Ebay jedenfalls gehen die gestern beim Lidl-Abverkauf von handverlesenen Einzelhandelskunden erworbenen 49-Euro-Tickets der Bahn derzeit für etwa das Doppelte über den Tresen. Das Angebot ist reichlich. Viele Schlauberger bieten die beiden Tickets einzeln an, wohl in der nicht unberechtigten Hoffnung auf Profitmaximierung zu Lasten Ahnungsloser.

Bahn, Lidl und Ebay können sich freuen: Die ohnehin schon große Medienberichterstattung geht weiter. Eine klassische Win-Win-Win-Situation.

Companice erklärt, warum es keinen Papst-Golf gibt (oder genauer: geben muss, um maximale Aufmerksamkeit zu erzielen). Vgl. auch die Analyse des Kollegen vom themenblog.

Warum sind die Websites von Automobilherstellern, obwohl aufwendig und teuer gemacht, letztlich austauschbar und überflüssig? Weil sie nicht verkaufen sollen, sondern zum Marketing gehören. Das hat nämlich eine ganze Reihe von Konsequenzen: So fallen sie in die Verantwortung von Führungskräften, die sich ansonsten mit TV- oder Printwerbung befassen - und deren von der Massenkommunikation bestimmte Maßstäbe mehr oder weniger unzureichend auf das Web übertragen.

Diese Leute beauftragen wiederum mehrheitlich Agenturen, die zu den Werbenetzwerken gehören - und also ebenfalls einer klassischen Werberdenke unterliegen, was völlig im Einklang mit ihren Auftraggebern steht. Dabei entstehen durchaus kreative Dinge, wie jüngst das Project Fox: Volkswagen richtet in Kopenhagen ein Hotel Fox ein und bewirbt damit den Europa-Start des gleichnamigen Kleinwagens. (Hat aber natürlich mit dem Web auch wieder nur am Rande zu tun.)

Wollten die Hersteller mit Hilfe ihrer Websites wirklich Autos verkaufen und nicht vor allem Marketing oder Kundenbindung betreiben, würden sie völlig anders aussehen. Und ich denke, das wird auch geschehen. Bislang überlassen die Hersteller den Internetvertrieb weitgehend ihren Händlern. Doch die setzten schon 2003 6,9 Prozent aller Neu- und Gebrauchtwagen über das Internet ab. Für 2005 wird eine Verdoppelung erwartet.

Für Neuwagen sind Ebay Motors/mobile.de, autoscout24, Euro Car Market oder pkw.de aber schlicht nicht das richtige Umfeld. Früher oder später sind die Hersteller gezwungen, mit eigenen Flagship-Stores im Web dagegen zu halten, wenn sie ihre Marke nicht beschädigen wollen. Dem stationären Handel machen sie schließlich auch Beine.

Schrader meinte gestern, dass eBay in Deutschland erfolgreicher als anderswo ist, weil sich nur hier die Marken auf breiter Front dem Direktvertrieb verweigern. Ist es den Herstellern wirklich lieber, Powerseller Nr. 5.314 verkauft ihre Produkte online, als sie selbst? Mehr Mut, meine Herren.

Von Matthias Schrader. Jetzt online.

Nach Protesten vor allem von Powersellern macht Ebay in den USA die jüngste Preiserhöhung teilweise wieder rückgängig. Die Ausgangsfrage ist damit jedoch nicht beantwortet: Wieviel Prozent vom Umsatz kann Ebay kassieren, ohne sein Geschäftsmodell zu beschädigen? Fünf Prozent (bei Ebay.de) bzw. 5,25 Prozent (bei Ebay.com) sind kein Pappenstiel, sondern knabbern gewaltig an ohnehin knappen Handelsmargen. Auf mittlere Sicht könnte das dazu führen, dass Ebay sehr viel stärker von Herstellern direkt - unter Ausschaltung des Handels - genutzt wird, quasi als virtuelles Factory Outlet.

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