Unter Buzz-Gesichtspunkten war es wahrscheinlich eine kluge Entscheidung, Thomas Knüwer zum Entwicklungsredakteur der deutschen Wired zu machen. Das hat Olaf Kolbrück schon am Mittwochfrüh geahnt und angedeutet.

Doch als Blattmacher ist Thomas Knüwer bislang nicht in Erscheinung getreten. Und er ist keinesfalls der erste Journalist, der sich daran versucht, das Zentralorgan des Cyberspace nach Deutschland zu transportieren. In den Kommentaren bei Felix Schwenzel kolportiert ein hjg:

Mitte der 90er hatte Andreas Schmidt, damals Chefredakteur von TV Today (G+J) auf meine Anregung hin G+J-Geld zur Verfügung gestellt und im unserem Hamburger Redaktionsbüro machte sich eine externe Mannschaft unter der wohlwollenden Aufsicht von Klaus Liedtke an die Arbeit. Gedieh bis zur Nullnummer, die auch die ersten Copy-Tests bestand und von der Original-WIRED-Mannschaft, damals mit deutschem Art Director, akzeptiert wurde. Letztendlich aber scheiterte das Projekt, weil sich die beteiligten Verlage (G+J / SPIEGEL / Conde Nast) nicht einig wurden. Genaueres haben wir nie erfahren.

Und Lorenz Lorenz-Meyer ergänzt:

An dem Mitte-der-90er-Jahre-Experiment mit Wired war neben G+J auch die Spiegel-Gruppe beteiligt, unter der Leitung von Dieter Degler. Art Director war glaube ich Uwe C. Beyer. Ich hab damals (Anfang 96 muss das gewesen sein) ein Bewerbungsgespräch gehabt mit Klaus Madzia, der Deglers rechte Hand war. Bin dann bei SpOn gelandet, und Degler und Madzia wurden, nach dem Scheitern des Wired-Projekts, meine Chefs. (Madzia wechselte kurz darauf zu Econy.)

Ich kann mich dunkel erinnern. Auf meinem persönlichen Radar erschien Wired mit der Zeit-Ausgabe 40/1994 vom 30. September 1994. Darin schrieb Aaron Koenig eine Hymne auf das Zentralorgan des Cyberspace. Trotzdem dauerte es offensichtlich noch bis Frühjahr 1995, dass ich Abonnent des Blattes wurde. In meiner bis heute erhaltenen Sammlung ist das Heft 3.03 vom März 1995 das erste.

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Das lag auch an den Mondpreisen an deutschen Kiosken und daran, dass für ein (deutlich günstigeres) Abo eine Kreditkarte nötig war. Die bekam ich irgendwann kostenlos von der Deutschen Bahn in Form einer Bahncard mit Kreditkartenfunktion. Bahn und Citibank gaben das Projekt schnell wieder auf, meine Kreditkarte jedoch habe ich bis heute. Inzwischen kommt sie von der Targobank, nachdem die Citibank ihr hiesiges Privatkundengeschäft an Crédit Mutuel verkauft und diese den Kunstnamen Targobank eingeführt hat.

Wie die deutlich erkennbaren Gebrauchsspuren zeigen, habe ich das Heft damals intensiv gelesen. Ich war noch Student in Berlin und nebenbei freier Radiojournalist, hatte also genug Zeit für die Lektüre. Das Studium endete, die Jobs wechselten, schließlich auch die Stadt. Nur Wired blieb.

Die Sammlung wuchs, zog mehrfach mit mir um und verstaubt heute im Regal. Mit Heft 13.08 war nach gut zehn Jahren im Sommer 2005 schließlich Schluss. Ich habe mein Abo damals nicht mehr erneuert. Übrigens ein schöner Brauch in den USA - dort laufen Zeitschriftenabos nach einem Jahr aus und müssen erneuert werden, anders als bei uns, wo es einer Kündigung bedarf, um ein Abo zu beenden.

Warum habe ich damals nicht wieder verlängert? Von den Krisenjahren 2001ff. blieb auch Wired nicht verschont. Ich hatte inzwischen zu bloggen begonnen, und mein Leseverhalten verschob sich mehr und mehr von Print weg in Richtung Digital. Ob daran die deutsche Wired viel ändern wird?

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PS: Meine Wired-Sammlung (3.03 bis 13.08, die Hefte 13.04 und 13.05 scheinen zu fehlen, mindestens ein weiteres Heft vermisse ich leider auch, dafür ist ein anderes doppelt vorhanden) würde ich gern abgeben. Entweder an Selbstabholer oder gegen Erstattung der Versandkosten. Sonst geht sie demnächst ins Altpapier.

PS2: Die Frage, warum es eigentlich keine deutsche Wired gibt, hat uns hier auf dem Fischmarkt schon vor ziemlich genau fünf Jahren beschäftigt.

Rolf Schmidt-Holtz ist der diesjährige Chairman der NEXT Conference. Damit steht der wichtigsten europäischen Konferenz der digitalen Wirtschaft einer der renommiertesten Vertreter der traditionellen Medienwelt vor. Er tritt an die Seite von Matthias Schrader, CEO von SinnerSchrader und Gründer der NEXT Conference.

RSchmidt_neu.pngDer erfahrene Medienmanager gibt Ende März 2011 den Vorstandsvorsitz der Sony Music Entertainment in New York ab und will sich künftig ausschließlich um die Förderung von Start-ups der digitalen Wirtschaft kümmern. In diesem Kontext steht auch sein Engagement bei der wichtigsten europäischen Konferenz der digitalen Wirtschaft in Deutschland.

Der renommierte Manager und Journalist sieht eine große Chance, den Dialog zwischen der Politik, traditionellen und neuen Medien im Rahmen der NEXT Conference zu fördern.

Aus meiner internationalen Erfahrung in vielen Medienbereichen weiß ich: die Zukunft ist digital. Die NEXT Conference verfolgt diesen Grundsatz seit ihrer Entstehung konsequent und hat sich zum Top-Event in Sachen Netzwerke und Trends etabliert.

Als Chairman der NEXT Conference 2011 will er neben repräsentativen Aufgaben vor allem den Dialog zwischen Politik und digitaler Wirtschaft fördern und mitgestalten. Hierzu berät und unterstützt Rolf Schmidt-Holtz die Programmdirektion und das Kuratorium der NEXT, nicht zuletzt mit dem Ziel, weitere hochkarätige Sprecher aus dem eigenen, vor allem in der traditionellen Medienwirtschaft verankerten Netzwerk zu gewinnen.

Mehr in unserer aktuellen Pressemitteilung.

Was macht eigentlich eine Digitalagentur? Wer in einer solchen arbeitet, hat diese Frage schon häufiger gehört. So vielfältig und umfassend sind die Dienstleistungen von Unternehmen wie SinnerSchrader. In einem Film geben wir nun eine Antwort.

Mit meinen Prognosen für das neue Jahr bin ich traditionell spät dran. Was steht an für 2011?

  1. Die Generation Internet bleibt auch in diesem Jahr draußen vor der Tür. Die Geburtsjahrgänge ab 1991 sind zahlenmäßig zu schwach, um sich in einer alternden Gesellschaft durchzusetzen, in der Rentner, Pensionäre und Sozialleistungsempfänger den Ton angeben.
  2. Das Leistungsschutzrecht für verlegerische Leistungen, bereits 2009 im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und FDP verankert, steht auch 2011 noch auf der Agenda, Mario Sixtus zum Trotz.
  3. Datenschutz und digitale Privatsphäre sind das große Thema des Jahres. Eine neue Generation von Start-ups wie MyCube und Personal bringt konstruktive Lösungen für das Dilemma zwischen digitaler Privatsphäre und Social (the animal formerly known as Social Media).
  4. Das nächste Buch von Jeff Jarvis (Public Parts) gibt dieser Debatte erst richtig Schwung. Es erscheint in diesem Jahr, die deutsche Ausgabe wird unter dem Titel Das Deutsche Paradoxon publiziert.
  5. Der Werbemarkt wächst auch 2011 leicht. Die Gewinner sind Online- und TV-Werbung, nicht zuletzt wegen der zunehmenden Konvergenz ihrer Technologien.
  6. Apple TV bekommt noch in diesem Jahr einen App Store. Damit überträgt Steve Jobs das Erfolgsmodell von iTunes, iPhone, iPad und Mac App Store auf das Fernsehen. Google TV nimmt einen zweiten Anlauf im Weihnachtsgeschäft 2011.
  7. Das App-Fieber des vergangenen Jahres klingt weiter ab, aber das neue Paradigma setzt sich durch. Mac App Store, Chrome OS - alles wird App. Sogar Microsoft kündigt einen App Store für Windows an, der aber nicht vor 2013 starten wird.
  8. Das digitale Buch hebt endgültig ab. Amazon bringt den Kindle Store nach Deutschland, Google Books lässt noch auf sich warten, die Sortimente der übrigen Anbieter werden größer.
  9. Facebook geht 2011 an die Börse. Der Börsengang schlägt alles, was im digitalen Bereich bis jetzt da war. Es ist ein Meilenstein wie die IPOs von Netscape und Google.

Was meinen Sie? Welche Themen bestimmen das Jahr 2011?

Vor einem Jahr hatte ich eine Reihe mehr oder weniger gewagter Thesen für 2010 aufgestellt. Nun ist es höchste Zeit für einen Blick zurück. Was war die Prognose, was die Realität?

  1. Prognose: 2010 wird das Jahr der digitalen Revolution. Die Internet-Generation ist reif für den Wandel, wird zum Game Changer und schickt die Babyboomer auf ihr Altenteil. Realität: Die Revolution ist wieder einmal ausgeblieben. Oder doch nicht? Wir erleben eine Revolution, die in Form einer Evolution daherkommt. Wir neigen dazu, die kurzfristigen Auswirkungen von Innovation zu überschätzen, die langfristigen aber zu unterschätzen. Die Babyboomer haben 2010 zum letzten Gefecht gerüstet. Stuttgart 21, Gorleben, Sarrazin lauten die Stichworte. An diesen Kristallisationskernen hat sich ein letztes Mal die Generation Protest auf die Straße und in die Talkshows begeben, die nun am Ende ihres langen Marsch durch die Institutionen angekommen ist: in Rente und Pension. Weiterhin draußen vor der Tür bleibt die Generation Internet.
  2. Prognose: Die Babyboomer und andere Verlierer der Revolution werden sich heftig wehren und weiterhin versuchen, das Internet zurück in die Verpackung zu stopfen. Doch die Konterrevolution bleibt aus. Realität: Am stärksten haben sich die Verleger exponiert. Das von ihnen geforderte Leistungsschutzrecht für verlegerische Leistungen, bereits 2009 im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und FDP verankert, war eines der großen Themen des vergangenen Jahres (und wird auch 2011 noch auf der Agenda stehen, Mario Sixtus zum Trotz).
  3. Prognose: Die Netzkritik wird hingegen eines der großen Themen des Jahres. Babyboomer Frank Schirrmacher war nur das Präludium. Inzwischen schicken sich bereits die Revolutionäre von gestern an, in den Chor der Kritiker einzustimmen. Realität: Die von Frank Schirrmacher angezettelte Debatte kam nicht wesentlich über das FAZ-Feuilleton hinaus und verebbte spätestens zur Jahresmitte.
  4. Prognose: Neben der Maschinenstürmerei 2.0 wird das Ende der Privatsphäre und die Neudefinition der Öffentlichkeit zum zweiten (und wichtigeren) großen Debattenthema. Realität: Diese Debatte bleibt wichtig, hat 2010 noch gar nicht richtig begonnen und dürfte durch das nächste Buch von Jeff Jarvis erst richtig an Schwung gewinnen. Es wird voraussichtlich in diesem Jahr erscheinen und Public Parts heißen, die deutsche Ausgabe soll unter dem Titel Das Deutsche Paradoxon publiziert werden.
  5. Prognose: Der Werbemarkt wird auch im Jahr 2010 stagnieren. Marken und Unternehmen verschieben ihre Budgets weiter in Richtung Internet. Nur ein Teil davon fließt in Onlinewerbung und bleibt so dem Werbemarkt erhalten. Ein immer größerer Anteil wird in Plattformen und Applikationen investiert. Realität: Der guten Konjunktur folgend hat sich der Werbemarkt im vergangenen Jahr besser als erwartet entwickelt. ZenithOptimedia erwartet für 2010 ein Wachstum von 2,9 Prozent und für die Folgejahre ähnliche Wachstumsraten. Neben dem Internet hat auch das TV die Krise nahezu ohne schwere Einbrüche überstanden. Beide werden in den nächsten Jahren nicht zuletzt wegen der zunehmenden Konvergenz ihrer Technologien auf Erfolgskurs bleiben, lautet die Prognose von ZenithOptimedia.
  6. Prognose: Mobile, ortsbezogene Dienste kommen ganz groß raus. Foursquare wird das neue Twitter (gut, eventuell auch Gowalla). Google wird die lokale, mobile Werbung revolutionieren. Realität: Mobile, ortsbezogene Dienste kamen groß raus, aber nicht ganz groß. Foursquare hat jede Menge Aufmerksamkeit bekommen, doch noch nicht den Durchbruch geschafft. Facebook droht mit Places den Foursquares und Gowallas das Wasser abzugraben.
  7. Prognose: 2010 wird das Jahr der erweiterten Realität. Wir werden eine Reihe spektakulärer Anwendungen auf mobilen Geräten sehen. Realität: Augmented Reality ist über den Spielzeugstatus noch nicht weit hinausgekommen. Ob das 2011 gelingen wird?

Und eine Bonus-Prognose: 2010 wird das Jahr, in dem Print digital wird. Kindle und Nook, iTablet oder iSlate (oder wie auch immer Apple das neue Spielzeug nennen wird) transformieren Nutzererlebnis und Geschäftsmodell des Gedruckten ins Digitale. Binnen fünf Jahren werden die Folgen ähnlich gravierend sein wie iPod und iTunes für die Musikindustrie waren. Behalten Sie auch innovative Formate wie das Miki im Auge. Realität: Das neue Spielzeug von Apple heißt iPad, und alle Verleger der Welt setzen sich einmal am Tag hin, um zu beten und Steve Jobs dafür zu danken, dass er die Verlagsbranche rettet. Doch nach dem Hype kam schnell die erste Ernüchterung: Die Verkaufszahlen der digitalen Printprodukte sinken rasant.

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Vor einem Jahr löste die Ankündigung in der nachrichtenarmen Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr noch ein mittleres Erdbeben aus. Nun ist die Tagesschau-App da, und die Debatte wirkt im Jahresabstand wie aus einer anderen Welt. (Auch wenn sie jetzt noch einmal rituell wiederholt wird.)

Früher, als die Medien noch überwiegend analog waren, wurden gesellschaftliche Großdebatten über medientechnische Innovationen wie Kabel- oder Satellitenfernsehen geführt. Heute, im digitalen Zeitalter, reicht schon die bloße Vorstellung einer simplen App, um die alten Schützengräben zwischen privat-kommerziellen Verlegern und öffentlich-rechtlichen Anstalten wieder aufzureißen.

Die Tagesschau auf iPhone und iPad, Android und Blackberry bedroht die Refinanzierungsmöglichkeiten der Verleger? Nur in einer Welt, die sich partout der fixen Idee verschrieben hat, den digitalen Mediennutzer zum Zahlen zu zwingen. Früher war das eher die Domäne der GEZ-finanzierten Öffentlich-Rechtlichen. Heute träumen davon die Verleger. Und schalten bild.de auf dem iPad ab, in der wahnwitzigen Hoffnung, dadurch mehr Bild-Apps zu verkaufen.

Im nun fast vergangenen Jahr hat die wackere Redaktion von ARD aktuell, ohne sich vom Sturm im medienpolitischen Wasserglas beeindrucken zu lassen, eine solide App zusammenschrauben lassen. Nun sind die Verleger am Zug.

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dann hat ihn Flipboard in der vergangenen Woche geliefert: Der Nachrichtenkonsum verschiebt sich weg von den klassischen medialen Knotenpunkten hin zum persönlichen Netzwerk. Dabei bewahrheitet sich jener berühmte Satz eines unbekannten Studenten: If the news is that important, it will find me.

Flipboard ist eine iPad-App, die aus dem kontinuierlichen Strom von Neuigkeiten von Twitter und Facebook das Fleisch extrahiert: die Links. Auch zwanzig Jahre nach der Erfindung des Web sind die Hyperlinks seine heißeste Ware. Und mit dem Trend zur Echtzeit übernehmen die Links die Rolle des Nachrichtentickers. In den Echtzeitlinks steckt der Nachrichtenwert.

Flipboard bereitet die Artikel hinter den Links auf ansprechende, angenehm konsumierbare Weise auf - wie eine Zeitung oder ein Magazin. Es ist nicht die erste Anwendung, die so etwas versucht, und es wird auch nicht die letzte sein. Der Gedanke liegt einfach auf der Hand. Etwas Ähnliches leistet zum Beispiel Feedly, eine Erweitung für Firefox und Google Reader.

Als das Web anfing, sich zu beschleunigen, war RSS der Treiber. Die wirklich einfache Syndizierung (Really Simple Syndication) standardisierte den Nachrichtentransport und rationalisierte ihn. Nutzer konnten nun mit einem RSS-Reader (wie Google Reader) Dutzende oder gar Hunderte von Websites auf dem Radar behalten, ohne sie alle Naselang besuchen zu müssen. Statt dass der Nutzer zur Website ging, kam die Nachricht zum Nutzer.

RSS allerdings konnte sich niemals wirklich flächendeckend durchsetzen, weder bei den Nutzern noch auf Seiten der Medienhäuser. Unter den Nutzern sind es bis heute eher die Geeks, die sich mit RSS anfreunden können. Und während zwar Blogs standardmäßig einen RSS-Feed publizieren, tun sich klassische Medienhäuser nach wie vor schwer mit dem Kontrollverlust. Viele bieten nur verkrüppelte Feeds, schlimmstenfalls nur mit Überschriften und Links.

Doch für Überschriften und Links gibt es inzwischen ein anderes Medium, das RSS den Rang abgelaufen hat: Twitter. Der Kurznachrichtendienst scheint mit seinen 140 Zeichen wie geschaffen für Überschriften und Links. Klingt die Überschrift interessant, genügt ein Klick, um zur Quelle zu gelangen.

Flipboard dreht diese Logik einen Schritt weiter und holt zusätzlichen Inhalt wie Bilder und Textexzerpte direkt von der Zielwebsite. Damit sind wir im Prinzip wieder dort, wo wir vor RSS schon einmal waren. Und im Unterschied zu RSS kommen die Feeds nun nicht nur von Websites, sondern auch von Menschen, die Links zu ganz unterschiedlichen Websites publizieren.

Wem ich auf Twitter folge, entscheidet darüber, welche Nachrichten mich über Twitter erreichen. Auf Twitter ist die Beziehung zwischen Autor und Leser (Follower) asymmetrisch wie in anderen Medien auch. Leser entscheiden sich für Autoren, ohne dass Wechselseitigkeit gefordert wäre. Unter den reichweitenstärksten Twitter-Autoren folgen nur die wenigsten auch ihrerseits sehr vielen anderen Autoren.

Twitter ist deshalb gut dafür geeignet, Nachrichten zu verbreiten, und zwar in Form von Überschriften mit Links. Was die Nachrichtengeber auf Twitter publizieren, verbreiten andere Nutzer durch Mechanismen wie Retweets weiter. Auf diese Weise erreichen mich über Twitter auch Nachrichten, die ich sonst nicht gesehen hätte.

Die Nachrichtengebung auf Twitter ist somit höchst individuell, ohne sich allerdings vom großen, allgemeinen Nachrichtenstrom völlig abzukoppeln. Bedeutende Ereignisse finden, solange ich einer gewissen kritischen Masse an Nutzern folge, ihren Weg auf jeden Fall zu mir. Gleiches gilt im Grundsatz auch für Facebook. Zwar ist die Freundschaftsbeziehung dort immer symmetrisch, bedarf also der Zustimmung beider Seiten. Doch kennt Facebook inzwischen auch asymmetrische Beziehungen wie bei Twitter.

Flipboard ist nicht mehr als eine ansprechende Oberfläche für die individuellen Netzwerke von Twitter und Facebook. Doch es zeigt, wie die Bedeutung dieser Netzwerke für den individuellen Medienkonsum immer weiter wächst - und dass auch das iPad kein Heilsbringer für die Verlagswelt sein muss.

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We hear a lot of hubbub these days on so-called Paid Content on the Web. This idea seemed to be more or less dead until rumours of the imminent iPad revived it a few months ago. Publishers now smell a breath of fresh air, betting hugely on Apple's new geeky device and even on the WePad, at least in Germany.

To make things clear: I'm not opposed to the idea as such. Maybe there is a market for Paid Content on the Web. But this should be decided by the market itself, by consumers who might want to pay or not. It shouldn't be forced unto them by publishers who once were herolds of the free market or maybe the so-called social market economy, as we like to say in German.

But, and that's a huge but: The consumer already pays a lot for all kinds of digital content. This has been pointed out a lot of times, but publishers still don't seem to get it. In the old days, old media were delivered to the consumer who just paid for his newspaper, magazine or cable TV subscription, as he still does today.

With digital media, this model has changed profoundly. Now the consumer pays for the delivery first, and at least in case of mobile media delivery, he still pays a lot of money just for the bandwidth. And just as he has learned with cable TV, the consumer expects most of the media content to be a part of the package he already pays for.

In this new world, publishers save a lot on distribution costs that now are paid for directly by the consumer. If publishers still want the consumer to pay for their content, they have to figure out an added value. It's clearly not enough to just put the same lame old content behind a paywall and expect the consumer to happily pay a new bill. He already pays for the Web.

That kind of added value is not easy to figure out. Gazillons of start-ups struggled to come up with something the consumer would love to pay for. Most of them failed. Why on earth should traditional publishers be in a superior position? Do they know their consumers better? After watching this space for more than 15 years now (my first login to the Internet was in 1994), I seriously doubt it.

Wie vor einem Jahr versuche ich mich auch heute mit einer Reihe fundierter Vermutungen, das noch recht neue Jahr 2010 betreffend.

  1. 2010 wird das Jahr der digitalen Revolution. Die Internet-Generation ist reif für den Wandel, wird zum Game Changer und schickt die Babyboomer auf ihr Altenteil.
  2. Die Babyboomer und andere Verlierer der Revolution werden sich heftig wehren und weiterhin versuchen, das Internet zurück in die Verpackung zu stopfen. Doch die Konterrevolution bleibt aus.
  3. Die Netzkritik wird hingegen eines der großen Themen des Jahres. Babyboomer Frank Schirrmacher war nur das Präludium. Inzwischen schicken sich bereits die Revolutionäre von gestern an, in den Chor der Kritiker einzustimmen.
  4. Neben der Maschinenstürmerei 2.0 wird das Ende der Privatsphäre und die Neudefinition der Öffentlichkeit zum zweiten (und wichtigeren) großen Debattenthema.
  5. Der Werbemarkt wird auch im Jahr 2010 stagnieren. Marken und Unternehmen verschieben ihre Budgets weiter in Richtung Internet. Nur ein Teil davon fließt in Onlinewerbung und bleibt so dem Werbemarkt erhalten. Ein immer größerer Anteil wird in Plattformen und Applikationen investiert.
  6. Mobile, ortsbezogene Dienste kommen ganz groß raus. Foursquare wird das neue Twitter (gut, eventuell auch Gowalla). Google wird die lokale, mobile Werbung revolutionieren.
  7. 2010 wird das Jahr der erweiterten Realität. Wir werden eine Reihe spektakulärer Anwendungen auf mobilen Geräten sehen.

Und eine Bonus-Prognose: 2010 wird das Jahr, in dem Print digital wird. Kindle und Nook, iTablet oder iSlate (oder wie auch immer Apple das neue Spielzeug nennen wird) transformieren Nutzererlebnis und Geschäftsmodell des Gedruckten ins Digitale. Binnen fünf Jahren werden die Folgen ähnlich gravierend sein wie iPod und iTunes für die Musikindustrie waren. Behalten Sie auch innovative Formate wie das Miki im Auge.

Was meinen Sie? Welche Themen bestimmen das Jahr 2010?

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Es war mein erster Arbeitstag im Januar, als ich acht Prognosen für das nun fast abgelaufende Jahr 2009 abgab. Und da heute mein letzter Arbeitstag in diesem Jahr ist, frage ich mich nun, was daraus geworden ist.

  1. Prognose: Eine Reihe von Marken und Markenartiklern, für die 2009 ein wirtschaftlich schwieriges Jahr wird, werden sich öffnen, den Konsumenten zuhören und mit ihnen reden. Und damit erste Erfolge feiern. Realität: Es gibt zwar einige Beispiele für eine Öffnung, doch die großen Erfolge bleiben aus. Ab Mitte des Jahres dominiert die eher mäßig erfolgreiche Kampagne von Vodafone die Diskussion.
  2. Prognose: Marken und große Unternehmen werden ihre Marketingbudgets weiterhin ins Internet verschieben, das inzwischen der bei weitem effizienteste Marketingkanal ist - und deshalb ein Gewinner der Rezession. Realität: Der OVK prognostiziert der Onlinewerbung für 2009 ein Plus von 10 Prozent. Das kann sich in einem insgesamt rückläufigen Werbemarkt sehen lassen.
  3. Prognose: 2009 wird mehr Onlinewerbeumsatz mit Performance Marketing (SEM/Affiliate) als mit klassischer Displaywerbung gemacht. Auch Displaywerbung wird immer mehr nach Performance-Modellen abgerechnet statt nach TKP. Realität: Nimmt man die OVK-Prognose als Maßstab, so ist der erste Teil nicht eingetroffen, auch wenn das Affiliatemarketing überproportional gewachsen ist. Die Abrechnung nach Performance hingegen hat an Boden gewonnen.
  4. Prognose: Im New Media Service Ranking werden die Top Ten kräftig umsortiert. Aber spannend wird erst das Ranking im Folgejahr (auf Basis der Umsätze von 2009). Realität: In den Top Ten hat sich wenig getan. Das Ranking 2010 bleibt abzuwarten.
  5. Prognose: Der Druck auf die Printmedien wird stark steigen. In den USA werden die ersten großen Tageszeitungen ihre gedruckten Ausgaben reduzieren oder ganz aufgeben und ins Web migrieren. In Deutschland werden vor allem die Verlagsapparate Federn lassen müssen. Sie sind im Web nicht refinanzierbar. Realität: Die Krise der Printmedien war eines der großen Themen des Jahres 2009. Mehrere US-Tageszeitungen sind eingestellt worden. In Deutschland haben die Verlage massiv Stellen abgebaut.
  6. Prognose: Alte Medien werden Blogs kaufen, sogar in Deutschland, um ihre Position im Web zu verbessern. Problem: Es gibt in Deutschland nur wenige professionell betriebene Blogs. Realität: Bereits im Januar wurde Basic Thinking verkauft, allerdings nicht an ein klassisches Medienunternehmen. Der Mangel an professionell betriebenen Blogs bleibt bestehen.
  7. Prognose: Holtzbrinck wird sich nach Kräften bemühen, seine Investitionen in StudiVZ zurückzuverdienen. Da die GWP es nicht schafft, StudiVZ zu vermarkten, wird der Vermarkter gewechselt. Für einen Verkauf an Facebook ist es nun zu spät. Am Ende wird ein Notverkauf stehen. Realität: Holtzbrinck hat den Vermarkter nicht gewechselt, sondern umbenannt. Facebook ist kräftig gewachsen. Zu einem Notverkauf von StudiVZ ist es bis jetzt nicht gekommen.
  8. Prognose: Cloud Computing wird abheben, sowohl als Buzzword als auch in der Nutzung. In der Rezession 2001/2002 konnte sich Open Source in Unternehmen durchsetzen, diesmal wird es Cloud Computing sein. Realität: Google hat mit seiner "Go Google"-Kampagne massiv um Unternehmen geworben, die ihre elektronische Büroinfrastruktur weg von Microsoft und lokalen Maschinen hin zur Google-Cloud bewegen wollen. Das Google Chrome OS wird im kommenden Jahr dem Thema einen weiteren kräftigen Schub geben.

Insgesamt ein eher gemisches Bild, wie das mit Prognosen so ist, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. So schließe ich nun das Kontor für dieses Jahr. Anfang Januar geht es weiter, dann mit Prognosen für das Jahr 2010.

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Diese beiden Folien aus der jüngsten ACTA-Studie sollte sich jeder Marketing- und Medienentscheider einmal in Ruhe ansehen. Sie beschreiben zehn Jahre Revolution.

1999 suchten nur 9 Prozent der Bevölkerung im Internet nach näheren Informationen zu einem Thema, aber 67 Prozent achteten auf Berichte im Fernsehen, 58 Prozent lasen Berichte in Zeitungen und 44 Prozent in Zeitschriften. Heute ist das Internet mit 55 Prozent Medium Nr. 2 hinter dem Fernsehen (64 Prozent), aber vor Zeitungen (50 Prozent) und Zeitschriften (38 Prozent).

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Bei den 20- bis 29-Jährigen ist das Internet mit 81 Prozent bereits Medium Nr. 1, das Fernsehen (56 Prozent), Zeitungen (34 Prozent) und Zeitschriften (32 Prozent) haben den Anschluss verloren.

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[via]

Erinnert sich noch jemand an DRM, auch bekannt als Digitale Rechteverwaltung? Wenn es dazu noch etwas zu sagen gibt, dann sagt es Google gleich in den Suchergebnissen:

In der Musikindustrie konnte sich DRM nicht durchsetzen.

Ausgerechnet diesen Satz zitiert Google aus der Wikipedia, und ein paar Fundstellen weiter südlich aus dem englischen Pendant:

In practice, all widely-used DRM systems are eventually defeated or circumvented.

Nuff said. Doch halt, warum gibt es dann immer noch DRM? Warum hat Amazon den Kindle mit digitaler Rechteverwaltung ausgestattet und warum ist das iPhone nicht offen wie Android? Weil Amazon und Apple die Medien- und Unterhaltungsindustrie brauchen, um ihre schönen Geräte mit dem Stoff auszustatten, den die Konsumenten haben wollen. (Beim iPhone ist es die Telekommunikationsbranche, aber das Schema ist das Gleiche.)

So war es mit iPod und iTunes, so ist es mit Kindle und iPhone. Doch irgendwann ist Schluss damit. Als iTunes als Absatzkanal für die Musikindustrie so wichtig geworden war, dass es ohne nicht mehr zu gehen schien, konnte Apple den Stecker ziehen und das DRM abschalten. Das iPhone wird offen sein, wenn und sobald der Erfolg von Android Apple dazu zwingen wird und sich die neuen Machtverhältnisse in der Telekommunikationsbranche gefestigt haben.

Gleiches gilt für den Kindle, wenn und sobald der Druck durch den Nook von Barnes & Noble groß genug. Und wer weiß, was aus dem lange erwarteten Apple Tablet wird? Die New York Times scheint bereits für diese Zukunft zu planen.

Das Muster ist immer das Gleiche: Die Medien- und Unterhaltungsindustrie besteht auf DRM und Bezahlschranken, die Geräteindustrie und der Handel (mit Amazon, Apple und Barnes & Noble in beiden Rollen) spielen das Spiel genau so lange mit, wie sie müssen. Bis ihnen die Text-, Bild- und Tonlieferanten auf den Leim gekrochen sind. Dann ist Schluss mit lustig, also mit DRM.

DRM funktioniert nur für eine Übergangszeit. Es ist ein Placebo mit schmerzlindernder Wirkung für Branchen, deren Geschäftsmodell durch die digitale Revolution bedroht ist. Es macht aber abhängig, und früher oder später stellt der Dealer den Nachschub ein.

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Auf 263 (!) Seiten stellt David Gillespie seine Sicht auf das dar, was gerade mit dem und durch das Internet passiert. Empfehlenswerter Stoff für jeden, dessen Geschäftsmodell sich durch das Web verändert. Gefunden bei Nico Lumma und Konstantin Klein.

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Gestern bekam ich eine Einladung zu Google Wave (danke, Malte!). Ich will nicht verschweigen, dass mir beim ersten Blick auf die Testimplementierung das revolutionäre Potential noch verschlossen blieb. Aber das ist ja immer so und kein Grund, wie der Spiegel in technik- und kulturfeindliche Reflexe zu verfallen.

Oder noch schlimmer, wie WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach sinnarmes Geschwurbel zu Protokoll zu geben, nur weil sich das Geschäftsmodell eines Zeitungsverlages nicht 1:1 ins Internet übertragen lässt. Diese Tatsache war spätestens seit der zweiten Hälfte der 90er Jahre praktisch allgemein bekannt. Und ist gar nicht ungewöhnlich für ein neues Medium, werden doch auch in Radio und Fernsehen nicht etwa Zeitungsartikel vorgelesen, gegen Geld, dass der Zuschauer oder Hörer pro Beitrag zu entrichten hätte.

Das Schlimme Neuartige am Internet ist aber, dass es alte Medien stückchenweise inhaliert und transfomiert. Musik, Zeitungen, Bücher, Filme, TV-Serien und was sonst noch so in alten Medien transportiert werden kann finden sich allesamt im Netz wieder und absorbieren die knappe Aufmerksamkeit des Konsumenten. Dass die knapp ist und immer knapper wird, ist übrigens auch keine Neuigkeit.

Gewöhnlich lassen sich Geschäftsmodelle in einer Marktwirtschaft ganz gut auf Knappheiten aufbauen. Was knapp ist und nicht etwa im Überfluss vorhanden, dafür sind Kunden meist zu zahlen bereit. Nachrichten sind im Internet nicht gerade knapp, weshalb es schwierig ist, die Konsumenten zum Zahlen zu überreden, ohne zuvor ein Nachrichtenoligopol zu errichten. Was auch kaum möglich wäre.

Einladungen zu Google Wave hingegen sind knapp, weil der Dienst noch in einem sehr frühen Stadium ist. Selbst die noch überschaubare Nutzerzahl bringt die Server offensichtlich schon an ihre Leistungsgrenzen. An Aufmerksamkeit mangelt es Google Wave hingegen nicht, und das hat auch mit der Knappheit der Einladungen zu tun. Den Dienst umweht noch eine Aura des Geheimnisvollen.

Dem unbedarften Erstnutzer erschließt sich Google Wave zunächst ungefähr so schnell und leicht wie Twitter, nämlich praktisch gar nicht. Es braucht eine Initiation durch bereits Eingeweihte. Es scheint Potential für Kollaboration zu geben, aber so genau weiß man das noch nicht.

Muss Bodo Hombach zu den ersten 100.000 Nutzern gehören? Muss nicht, aber schaden könnte es auch nicht. Solange Verlagshäuser von Leuten geführt werden, die keinen Computer, aber dafür eine Vorzimmerdame haben, wäre es sogar ein Wettbewerbsvorteil.

PS: Ich bin m.recke@googlewave.com. Mal sehen, wann der erste Spam ankommt.

PS2: Nein, als Testnutzer der zweiten Welle habe ich (noch) keine Einladungen zu vergeben.

Kaum jemand bestreitet noch, dass der Journalismus sich verändern muss, um zu überleben. Die Frage ist nur, wie. Dan Gillmor, seinerseits Journalist und Akademiker, beantwortet diese Frage mit 22 neuen Regeln für den Journalismus. Ole Reißmann hat Gillmors Antworten ins Deutsche übersetzt. Einige dieser Regeln klingen reichlich hart in meinen Ohren, die meisten aber hören sich gut an. Pars pro toto hier die erste Regel:

1. Wir verzichten bis auf wenige Ausnahmen auf Jahrestags- und Jubiläumsgeschichten. Sie sind Rückzugsort für faule, unkreative Journalisten.

Das Original und die Übersetzung.

Karl Fisch hat ein neues Video produziert, diesmal für das Media Convergence Forum, das der Economist am 20. und 21. Oktober in New York veranstaltet. [via]

Vor zehn Jahren publizierten vier Autoren das Cluetrain Manifesto. Es besteht aus 95 Thesen, hinterlegt mit einem ganzen Buch. Das sind knapp 24 Thesen pro Co-Autor, mehr als das heute veröffentlichte Internet-Manifest (u.a. auch da und dort) insgesamt schafft. Dort ringen sich 15 (!) Autoren gerade einmal 17 Thesen Behauptungen ab.

Unter den Autoren sind so illustre Namen wie Sascha Lobo, Thomas Knüwer, Stefan Niggemeier und Mercedes Bunz. Mit einem Wort: Es sind unsere Besten, auch wenn vielleicht der eine oder andere fehlt und ich mich bei anderen wiederum frage, wie sie wohl auf diese Liste geraten sind.

Umso enttäuschender ist die geballte Mittelmäßigkeit, die aus den Behauptungen und ihrer Beweisführung spricht. Viele Gemeinplätze, wenig Kontoverses, dafür eine Reihe steiler Thesen und überaus optimistischer Annahmen. Ein paar Beispiele:

  1. Gemeinplätze: "Die Medien müssen ihre Arbeitsweise der technologischen Realität anpassen, statt sie zu ignorieren oder zu bekämpfen." Oder: "Durch das Internet kann der Journalismus seine gesellschaftsbildenden Aufgaben auf neue Weise wahrnehmen." Das ist so allgemein, dass es jeder unterschreiben könnte.
  2. Steile Thesen: "Mit journalistischen Inhalten lässt sich im Internet Geld verdienen. Dafür gibt es bereits heute viele Beispiele." Oder: "Das Internet entlarvt gleichförmige Massenware." Ein paar Beispiele, wie sich mit journalistischen Inhalten Geld verdienen lässt, wären ganz schön. An Beispielen gleichförmiger Massenware mangelt es hingegen nicht, an ihrer Entlarvung durch den Massenkonsumenten jedoch arbeiten wir wohl noch.

Weniger Autoren, dafür mehr Thesen - das wäre vielleicht mehr gewesen. So ist es nur noch ein weiteres Thesenpapier. Und an Papier herrscht in diesem Jahr der Appelle und Erklärungen nun wirklich kein Mangel.

Die Deutschen sind online, und das zu knapp 70 Prozent. Eine vierprozentige Steigerung der Internetnutzung im Vergleich zum Vorjahr berichtet der aktuelle (N)Onliner Atlas 2009. Die Studie wird bereits zum neunten Mal von der Initiative D21 durchgeführt. Die diesjährigen Zahlen belegen die zweithöchste Steigerungsrate innerhalb von sechs Jahren.

Die Seniorenaltersgruppe kann dabei den größten Zuwachs ausmachen. Bei den unter 50-Jährigen wächst die Zahl der Internetnutzer auf über 80 Prozent.

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Quelle: (N)Onliner Atlas 2009

Im Bundesländervergleich liegen die Stadtstaaten vorne, allen voran Bremen. Dreiviertel der Bremer sind online, Hamburg folgt auf Platz vier mit 72 Prozent. Im europäischen Vergleich der letzten drei Monate ist Deutschland ist mit 75 Prozent siebtgrößter Onliner. Skandinavien und nordwestliche Länder sind hier an der Spitze. Weltweit sind 1,2 Milliarden Menschen online. Die „digitale Spaltung" ist weiterhin vorherrschend in Schwellen- und Entwicklungsländern, hier hat die Mehrheit der Bevölkerung, bedingt durch infrastrukturelle, technische oder soziale Vorausetzungen, keine Möglichkeit zur Internetnutzung.

Laut Hannes Schwaderer, Präsident der Initiative D21 und Geschäftsführer der Intel, müssen wir

...bei der digitalen Integration weiterhin am Ball bleiben und mit gezielten Aktivitäten die Offliner fördern. Nur so können wir auch das Bewusstsein für die Vermittlung der digitalen Kompetenz wecken.

Schön zu hören in Zeiten wie diesen. Der vollständige (N)Onliner Atlas ist als Download verfügbar.

Hubert Burda wird schleichend enteignet. Von Google. Die verlinken auf die sauber recherchierten Artikel seiner Journalisten und helfen Lesern, diese zu finden. Das kann Google aber nur, meint Burda, weil seine Journalisten diese Artikel schreiben - und deshalb solle Google gefälligst dafür bezahlen. Klingt logisch.

In etwa so logisch, wie auf unabhängige Versicherungsmakler zu schimpfen, weil sie ihren Kunden Versicherungen verkaufen, die Versicherungskonzerne anbieten. Oder auf Autohändler zu schimpfen, weil sie Geld damit verdienen, Autos zu verkaufen, die ganz jemand anderes hergestellt hat.

Google verdient sein Geld damit, Nutzern zu sagen, wo sie finden was sie suchen. Burda lebt davon, Lesern das zu bieten was sie suchen. Google würde ohne Burda weniger verdienen, weil es weniger zu finden gäbe. Burda würde ohne Google weniger verdienen, weil weniger finden würden, was Burda bietet.

Klingt nicht gerade danach, als ob Burda von Google widerrechtlich ausgebeutet würde. Hier hilft kaum der von Burda gerufene Gesetzgeber, sondern eher die Spieltheorie: der Volkswirt nennt das Teilungsproblem.

Rhetorik ist die hohe Kunst, den Zuhörer zu überzeugen. Politiker in Ministerämtern beherrschen diese Kunst in den allermeisten Fällen, sonst würden sie es gar nicht erst ins Amt schaffen. Wer mit Politikern diskutieren will, tut gut daran, sich ebenbürtige rhetorische Fähigkeiten anzueignen. Sonst geht die Sache schief. Wie in dieser Woche zweimal geschehen.

Wer das Zeit-Gespräch zwischen Ursula von der Leyen und Franziska Heine unvoreingenommen liest, dem fallen sofort die sehr ungleichen Gesprächsanteile auf. Die Ministerin redet mehr als die Petentin und hat dadurch die Möglichkeit, ihre Argumentation ausführlich darzulegen. Sie verwendet packende, emotional gefärbte Argumente und zitiert umfangreiche Quellen für ihre Position.

Was daran nicht stimmt oder auch nur einseitig argumentiert ist, müsste der des Themas unkundige Zeit-Leser von Franziska Heine erfahren. Das geschieht jedoch nur an wenigen Stellen, viele Argumente der Ministerin lässt sie unwidersprochen stehen. Sie ist praktisch permanent in der Defensive, verteidigt ihre Position aber oft nur kurz angebunden, ohne die eigene Argumentation aufzubauen. Die detaillierte Widerlegung findet wieder nur ex post in irgendwelchen Blogs statt, die der Zeit-Leser im Zweifel nicht liest.

So geht das nicht! Die Argumente müssen auf den Tisch. Sich wie ein Mathematiker auf ein paar knapp gehaltene Aussagen zurückzuziehen und die logischen Schlussfolgerungen daraus dem geneigten Leser zu überlassen, schafft nur unnötigen Raum für die Kontrahentin, der eine solch noble Zurückhaltung schon qua Amt wesensfremd sein muss.

Mir fehlt da schlichtweg der Biss. Felix hingegen findet Franziska Heine genau richtig so und wünscht ihr eine ebenso zahnlose Ministerin als Gesprächspartnerin:

warum eigentlich gelten die normalen anstandregeln in der politik nicht? warum gilt derjenige, der am besten taktiert, rhetorisch am elegantesten lügt oder agitiert und sich bei seinen schweinereien nicht erwischen lässt, als guter politiker und nicht derjenige der nicht auf tricks, rhetorisches stroh- und störfeuer angewiesen ist, sondern auf die kraft seiner argumente vertraut? warum zielt die politik fast immer auf die diskreditierung ihrer gegner ab, statt sie mit argumenten niederzuringen?

Weil es ihnen ihre Gegner zu einfach machen. Diese Art von Politikern können sich nur deshalb durchsetzen, weil ihre Gegner zu schwach sind. Das Thema Kinderpornographie ist hoch emotional und sehr gefährlich für jede politische Debatte. Dagegen anzukommen kann nur mit Emotion gelingen. Emotionale Argumente müssen auf der gleichen Ebene entkräftet werden.

Für den politischen Erfolg braucht es drei Dinge: eine Strategie auf mittlere bis längere Sicht, eine Taktik auf kürzere Sicht und eine Rhetorik für die direkte Auseinandersetzung. Ursula von der Leyen hat das vorbildlich umgesetzt: das Thema für sich entdeckt, ihre Partei hinter sich gebracht, den Koalitionspartner nach allen Regeln der Kunst vorgeführt und schließlich die politischen Gegner marginalisiert.

Die Verteidiger des Internets und des Rechtsstaats hatten diesem Feldzug von Anfang an nichts entgegenzusetzen - keine Strategie, keine Taktik, keine Rhetorik. Das ist bedauerlich. Jedoch sind die hohe mediale Aufmerksamkeit der letzten Wochen und die starke Politisierung im Netz nicht die schlechtesten Voraussetzungen, um wieder aus der Sackgasse herauszukommen. Man muss es nur tun.

Wer verstehen will, warum Gesetze wie das Zensursula-Gesetz auch gegen den Widerstand von über 130.000 Unterzeichnern der Petition gegen Internetsperren beschlossen werden, der hat in dieser Woche zwei Verständnishilfen bekommen. Am Montag stellte sich Dirk Hillbrecht, immerhin der Vorsitzende der Piratenpartei, einer Diskussion mit dem alten CDU-Fuchs Rupert Scholz. Und bekam kräftig Prügel.

Heute nun druckt die Zeit ein Gespräch zwischen Ursula "Zensursula" von der Leyen höchstselbst und Franziska Heine, der Initiatorin jener Petition. Sie war der ministeriellen Rhetorik nicht gewachsen. Und ging sang- und klanglos unter.

Es hilft nichts: Recht zu haben (oder das wenigstens zu meinen) und die vermeintlich besseren Argumente genügt nicht. Piraten und Petenten müssen auch rhetorisch auf Augenhöhe mit Politikern diskutieren können. Wenn sie aus der Nische herauswollen. Beim derzeitigen Zustand ihrer politischen Rhetorik ist sonst kein Blumentopf zu holen.

Der interaktive Konsument revolutioniert das Marketing. So lautet der erste Satz unseres Credo. Die Revolution geht hier also vom Volke aus, von den Konsumenten. Das Internet hat sie in die Lage versetzt, sich direkt und ohne Mittelsmänner aus beliebigen Quellen weltweit zu informieren, ihre eigene Meinung frei zu äußern und Waren oder Dienstleistungen in einer nie gekannten Auswahl beziehen zu können.

Doch wie jede Revolution hat auch diese ihre Verlierer. Das Internet ist, wir hatten es schon länger geahnt, eine disruptive Technologie. Es entwertet alles, mit dem es in Berührung kommt. Alles, was digitalisiert werden kann. Und das ist mehr, als manch einer dachte, damals, als er zum ersten Mal mit diesem immer noch neuen Medium in Berührung kam.

Der Preis einer Nachricht ist im Internet gleich Null. Das schmeckt den Verlagen nicht, die ihr Geschäftsmodell deshalb bedroht sehen. Sie fordern nun neue Leistungsschutzrechte, lebensverlängernde Maßnahmen für sterbende Blätter. Und die Politik scheint ihnen Gehör zu schenken.

Dabei befinden sich die meisten schrumpfenden Zeitungen und Zeitschriften in der Cash-Cow-Phase ihres Produktlebenszyklus. Sie können und sollen ohne weitere Investitionen gemolken werden, um den Cash-Flow zu liefern, mit dem ihre Eigentümer neue Geschäftsfelder aufbauen können. Was auch immer unter Leistungsschutzrechten zu verstehen sein mag, es gehört jedenfalls in die Kategorie der Innovationsbremsen und soll den Strukturwandel abfedern.

Die Vertriebskosten eines Musikstücks sind im Internet gleich Null. Das schmeckt der Tonträgerindustrie nicht, die deshalb ihre seit langem darbende Messe absagt. Sie fordert nun politisches Handeln, um den Diebstahl geistigen Eigentums im Netz zu stoppen. Gleiches Problem, gleiche Lösung?

Die Erosion der Tonträgerindustrie ist schon sehr viel weiter fortgeschritten als der langsame Niedergang der Printmedien, und die alternativen Vertriebswege im Netz (iTunes, Amazon MP3) sind längst etabliert. Hier ist nicht einmal zu ahnen, wie die Politik den darbenden Labels noch helfen könnte. Zudem fehlt der Musikindustrie ein entscheidendes Element, um sich im politischen Geschäft Gehör zu verschaffen: Deutungshoheit und Meinungsmacht.

Medien besitzen beides, und beides ist durch das Internet bedroht. Hier bietet sich die Intervention einer Politik geradezu an, die nach wie vor am liebsten nur mit Bild, BamS und Glotze regieren möchte und das auch ungebrochen tut. Hier zeichnet sich eine Allianz ab, die das Internet in Deutschland bedrohen könnte.

Nach Banken, Autoherstellern und Einzelhändlern sind nun die Medien an der Reihe. Sie sind die nächste Krisenbranche, die der Staatshilfe bedarf. Und die ersten Hilfsaktionen werden bereits eingefädelt. Die Allianz von Politik und Presse will um jeden Preis die Demokratie vor dem Internet retten - und bringt letztlich beides in Gefahr. Das Mantra dieser Allianz lautet: Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein.

Wir stehen vor einer Konterrevolution. Urheberrechtsnovellen, Vorratsdatenspeicherung und Netzsperren gegen Kinderpornographie waren nur der Anfang. Die CDU schickt sich schon an, mit Netzsperren gegen Urheberrechtsverletzer in den kommenden Wahlkampf zu ziehen. Der digitale Konsument, der zuallererst ein Bürger ist, soll auf ein (medien-)industrie- und politikverträgliches Maß zurechtgestutzt werden.

Das Motto der next07 lautete: Alle Macht dem Konsumenten!? Im Jahr 2009 ist ein offener Machtkampf ausgebrochen, in dem es um nichts weniger geht als die Kontrolle über das Internet. Eine TV-Diskussion bei Phoenix läuft morgen unter dem Titel "Außer Kontrolle - Welche Macht hat das Internet?"

Per Knopfdruck lassen sich Flugtickets buchen, Nachrichten verschicken und manchmal sichert das Internet auch den einzigen freien Zugang zu Informationen. So wie in diesen Tagen im Iran. Der Aufstand der Oppositionellen dort zeigt, dass das Internet längst eine Waffe ist, um sich gegen Zensur und staatliche Kontrollen zu wehren. Hat das Internet die Macht, eine Diktatur zu stürzen? Werden "Twitter" und "Facebook" reale menschlichen Beziehungen immer mehr ersetzen? Und wie viel Freiheit verträgt das Internet überhaupt?

Die Antwort auf diese Frage ist einfach. John Gilmore hat sie bereits 1993 gegeben:

The Net interprets censorship as damage and routes around it.

Siehe auch: Twitter in der Politik, im Iran und hierzulande



Apropos Gratiskultur im Internet: Wenn in Deutschland jemand Erfahrung mit Gratismedien hat, dann ist es Klaus Madzia. Für Holtzbrinck hat er mehrere Gratiszeitungen an den Start gebracht und wieder eingemottet. Heute berät er die Deutsche Post bei ihren Gehversuchen in diesem Bereich.

Auf der next09 versuchte er zur provozieren, indem er neun von zehn Kostenlosmodellen im Internet das Aus prophezeite. Der Provokationsversuch misslang, weil offensichtlich niemand im Saal etwas anderes erwartet. Alexander Becker von Meedia schrieb lakonisch:

Die Web-Wirtschaft hat sich darauf eingestellt, dass demnächst mit einer harten Pleitewelle zu rechnen ist und das es für die Probleme der Medienhäuser, die im Netz Geld verdienen wollen, keine Lösung gibt. Madzias Fazit: „Meine Antwort: Ich habe keine".

Die Online-Werbespendings in Deutschland sind im ersten Quartal gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 15,1 Prozent auf 350 Mio. Euro gestiegen. Dies hat gestern Nielsen Media veröffentlicht.

Das Wachstum der Brutto-Werbeumsätze des Mediums Internet hat sich im Vergleich zu den Vorjahren abgeschwächt. Die Entwicklung des Online-Werbemarktes ist aber noch stärker als die der anderen Medien. Ein kleiner Lichtblick in schwierigen Zeiten?

Am stärksten investierten die Branchen Online-Dienstleistungen (58 Mio. Euro), Unternehmenswerbung (35 Mio. Euro) - d.h. Imagewerbung sowie produktbezogene Unternehmenswerbung - und E-Commerce (22 Mio. Euro) in Werbung im Web.

Bei den Unternehmen lag Esprit mit Online-Brutto-Werbeausgaben von 24 Mio. Euro an erster Stelle. Platz 2 und 3 belegten T-Home (10 Mio. Euro) und Friendscout24 (9 Mio. Euro).

Esprit ist ein schönes Beispiel für eine klare Stärkung der Werbeaktivitäten im Internet. Das Modeunternehmen setzt damit ein Zeichen für die wichtige Rolle des E-Commerce. Noch im Vorjahr war der Esprit-Etat für Online-Werbung verschwindend gering.



Bei diesem Video - es zeigt Marc Andreessen im Interview mit Charlie Rose - müssten deutschen Verlegern sämtliche Alarmglocken schrill in den Ohren tönen. Denn Andreessens Rat ist schlicht:

Stop the presses tomorrow. I'll tell you what. The stocks would go up. Look at what's happened to the stocks. This investors are through this. The investors are through the transition. You talk to any smart investor who controls any amount of money, he will tell you that the game is up. Like it's completely over. And so the investors have completely written off the print operations. There is no value in these stock prices attributable to print anymore at all. It's gone.
Mehr dazu im Blog der next conference. [via, via]

Das neue Jahr ist schon fast eine Woche alt und mein Weihnachtsurlaub zuende. Höchste Zeit für meine Prognosen für 2009, zumal eine davon sich bereits zu erfüllen beginnt.

  1. Eine Reihe von Marken und Markenartiklern, für die 2009 ein wirtschaftlich schwieriges Jahr wird, werden sich öffnen, den Konsumenten zuhören und mit ihnen reden. Und damit erste Erfolge feiern.
  2. Marken und große Unternehmen werden ihre Marketingbudgets weiterhin ins Internet verschieben, das inzwischen der bei weitem effizienteste Marketingkanal ist - und deshalb ein Gewinner der Rezession.
  3. 2009 wird mehr Onlinewerbeumsatz mit Performance Marketing (SEM/Affiliate) als mit klassischer Displaywerbung gemacht. Auch Displaywerbung wird immer mehr nach Performance-Modellen abgerechnet statt nach TKP.
  4. Im New Media Service Ranking werden die Top Ten kräftig umsortiert. Aber spannend wird erst das Ranking im Folgejahr (auf Basis der Umsätze von 2009).
  5. Der Druck auf die Printmedien wird stark steigen. In den USA werden die ersten großen Tageszeitungen ihre gedruckten Ausgaben reduzieren oder ganz aufgeben und ins Web migrieren. In Deutschland werden vor allem die Verlagsapparate Federn lassen müssen. Sie sind im Web nicht refinanzierbar.
  6. Alte Medien werden Blogs kaufen, sogar in Deutschland, um ihre Position im Web zu verbessern. Problem: Es gibt in Deutschland nur wenige professionell betriebene Blogs.
  7. Holtzbrinck wird sich nach Kräften bemühen, seine Investitionen in StudiVZ zurückzuverdienen. Da die GWP es nicht schafft, StudiVZ zu vermarkten, wird der Vermarkter gewechselt. Für einen Verkauf an Facebook ist es nun zu spät. Am Ende wird ein Notverkauf stehen.
  8. Cloud Computing wird abheben, sowohl als Buzzword als auch in der Nutzung. In der Rezession 2001/2002 konnte sich Open Source in Unternehmen durchsetzen, diesmal wird es Cloud Computing sein.

Was meinen Sie?

PS: Noch eine Bonus-Prognose - der Blog wird sich 2009 endgültig durchsetzen, auch als Bezeichnung für einen einzelnen Blogeintrag.

Twitter & Co. bringen nichts für Redaktionen? Klar, weil die wenigsten Journalisten twittern oder bloggen, ein Profil bei Xing, StudiVZ oder gar Facebook haben und E-Mail für das Maximum an digitaler Vernetzung halten. Selbst viele Kollegen, deren Themengebiet just das Internet ist, halten sich möglichst fern von sämtlichen Kommunikations- und Interaktionswerkzeugen, die nicht mindestens 30 Jahre alt sind wie die gute, alte E-Mail.

Thomas Knüwer ist eine der wenigen Ausnahmen, selbst Stefan Niggemeier twittert nicht. Netzökonom Holger Schmidt twittert zwar auch nicht, ist aber immerhin bei Xing und Facebook zu finden und schreibt ein kundiges Blog. Ansonsten weitgehend Fehlanzeige.

Twitter & Co. bringen nichts für Journalisten? Klar, so wie Telefon, Fax und E-Mail nichts gebracht haben außer immer mehr Arbeit. Und immer neue Möglichkeiten der Kommunikation und Interaktion. Wer sich dem verweigert, der bekommt zunehmend größere Schwierigkeiten, die neue Medien- und Kommunikationslandschaft zu verstehen. Als journalistisches Mittel bleibt dann der gute, alte Erfahrungsbericht nach dem Muster "Mein schönstes Ferienerlebnis".

Es gibt kein Geschäftsmodell für Qualitätsjournalismus im Netz? Selbstverständlich gibt es eines. TechCrunch verdient schon lange Geld, die Huffington Post hat gerade 25 Millionen Dollar frisches Kapital erhalten und wird mit 100 Millionen Dollar bewertet. Die Gründe sind einfach:

"There is an inevitable shift from offline to online with people increasingly getting their news media online, and this election proved how powerful the Huffington Post could be," said [venture capitalist Fred] Harman, in an interview with BoomTown. "And I think the post-election perception of the Huffington Post has changed in the eyes of advertisers to being a key mainstream news site."

Insofern mutet die Debatte, die hierzulande geführt wird, in jeder Hinsicht gespenstisch an. Nichts gegen Robert Basic, Spreeblick und Bildblog, gegen Spiegel Online und Heise - aber da müsste doch mehr drin sein. Nicht quatschen, machen!

Zwei Folien aus der Präsentation zur gestrigen Bilanzpressekonferenz lohnen einen zweiten Blick, auch wenn die ARD/ZDF-Onlinestudie 2008 schon wieder ein paar Monate auf dem Buckel hat.

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Für die 14- bis 19-jährigen Nutzer ist das Internet schon heute Medium Nummer 1, vor Fernsehen, Tonträgern (!) und Radio. Das ist ein Vorgeschmack auf die langfristige Entwicklung. In der ARD/ZDF-Onlinestudie heißt es dazu:

Für Jugendliche ist das Internet das Allroundmedium, das nahezu alle Medienbedürfnisse - Kommunikation, Unterhaltung, Information - befriedigt. Ihre Mediennutzung ist stark individualisiert und personalisiert. Communityseiten oder die abgerufenen AV-Dateien markieren dabei auch ihre Zugehörigkeit zu ihrer Peer Group. Videoportale haben für sie häufig die Funktionen des Fernsehens übernommen, sie bieten Entspannung und Ablenkung, indem sich die einzelnen Clips zu beliebig langem Programm verketten lassen.

Ob dieses Nutzungsverhalten nur eine biografische Phase ist, in der Chatten, Onlinespiele, das Abrufen von Audio- und Videodateien besonders spannend sind, oder ob sich hier bereits ein neues, aktiveres und individualisierteres Medienverhalten ankündigt, bleibt abzuwarten. Allerdings ist bereits davon auszugehen, dass die multimediale Mediensozialisation der heutigen Jugendlichen die Erwartungen an die multimediale Vernetzung von Fernseh- und Radioprogrammen der Erwachsenen von morgen prägen wird.

Noch schwerer wiegt die zweite Veränderung, die das Internet innerhalb von nur drei Jahren vom Schreibtisch ins Wohnzimmer gebracht hat.

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Das Internet wird Prime-Time: Nutzung im Tagesverlauf 2005 vs. 2008

Die nutzungsstärkste Zeit ist heute der Feierabend, den seit mehr als einer Generation das Fernsehen dominiert hattte. Noch einmal die ARD/ZDF-Onlinestudie:

Die Analyse der Internetabrufe im Tagesablauf verdeutlicht, dass sich die Internetnutzung immer stärker in den Abend verlagert. Lagen bis vor wenigen Jahren die Zugriffe der Internetnutzung noch dominant am Vor- und Nachmittag, war bereits in 2005 keine einheitliche Primetime festzumachen, da die Nutzungszeiten am Vormittag, Nachmittag und frühen Abend lagen. Dies hat sich in 2005 verändert. Zwar ist weiterhin eine erste Primetime am Vormittag auszumachen, zum Beispiel für die E-Mail-Kommunikation und den Informationsupdate, aber die primären Nutzungszeiten liegen nun am Vorabend und in der Fernseh-Primetime zwischen 20.00 und 22.00 Uhr.

Zentrale Anwendungen am späteren Abend sind Angebote, die - im Gegensatz zu den Anwendungen, die vormittags genutzt werden, - unter den Begriffen Unterhaltung und Communitys subsumiert werden können: Es werden Videoportale und Spieleseiten aufgerufen, man vernetzt sich mit Freunden, chattet und tauscht sich aus. Parallel dazu wird teilweise ferngesehen.
Das Fernsehen wird zum Begleitmedium wie früher das Radio.

Der interaktive Konsument revolutioniert das Marketing. So lautet unser Mantra auf dem Fischmarkt. Diese Revolution gleicht in ihrem konkreten Verlauf einer Evolution mit hohem Tempo. Wie diese revolutionäre Hochgeschwindigkeitsevolution verläuft, hat vor knapp zwei Wochen die hier bereits erwähnte Allensbacher Computer- und Technikanalyse 2008 (Acta) mit eindrucksvollen Details gezeigt.

Kaufentscheidungen werden im Internet getroffen: Ohne Internet läuft im Einzelhandel nicht mehr viel. Obwohl nur etwa 20 Milliarden Euro und damit ein kleiner Teil des Umsatzes tatsächlich im Internet anfallen, werden immer mehr Kaufentscheidungen im Netz gefällt. 98 Prozent der rund 40 Millionen Internetnutzer in Deutschland zögen das Netz regelmäßig für Produktrecherchen zu Rate. Dabei habe das Web 2.0 eine schnell wachsende Bedeutung: Schon 17 Millionen Konsumenten berücksichtigten Kommentare anderer Internetnutzer oder Diskussionsforen in ihrer Produktrecherche.

Das Internet gewinnt als Nachrichtenmedium an Bedeutung, Fernsehen und die gedruckte Presse verlieren: Für Akademiker unter 40 ist es sogar erstmals wichtiger als die Zeitung. Mit dem Internet verschiebe sich nicht einfach nur das Mediengefüge - es entstehe eine neue Informationskultur und auch ein neues On-Demand-Informationsverhalten:

  • Die Nutzung von Informationen erfolgt zunehmend anlass- und ereignisgetrieben, der habituelle Griff zu Zeitung oder Fernbedienung ist passé.
  • Die Nutzer reagieren auf die Informationsfülle mit einer Verengung ihres Interessenspektrums.
  • Die Nutzer konzentrieren sich stärker auf Informationen, die ihnen persönlich etwas nützen - wie etwa Reviews neuer Informationstechnik.

Die Konsequenz für Medienmanager: Sie können nicht einfach nur alte Medienkonzepte ins Netz stellen, sie werden sich auf eine neu strukturierte Öffentlichkeit einzustellen haben. Ein neues Medium kann nicht nur alte bedrängen, es kann auch die dominante Kommunikationskultur verändern.

Tabellen und Schaubilder zu den Vorträgen bei der Acta-Präsentation 2008:

Aus der Sicht eines altgedienten Medienjournalisten muss das Internet irgendwie seltsam aussehen. Das jüngste Beispiel ist der heutige FAZ-Leitartikel von Michael Hanfeld, den ich zwar zum Lesen empfohlen habe, aber weitgehend für Blödsinn halte. Da droht der

Zugriff der Suchmaschinenzampanos, deren Geschäft allein darin besteht, Verbindungen zu Inhalten herzustellen, die von der Presse mit erheblichem Kostenaufwand produziert werden.

Da sind Google, Yahoo und Microsoft

global operierende Internetkonzerne, denen die Politik keine international gültigen Regeln auferlegen kann oder will.

Regeln müssen sein, das ist für einen Medienjournalisten sonnenklar und seine wichtigste Sorge. Google-Traffic hingegen, nach dem sich so mancher im Web an die Decke streckt, ist irgendwie böse. Eine seltsame Welt, in der Michael Hanfeld lebt. Eine redaktionsinterne Diskussion mit dem FAZ-Netzökonomen Holger Schmidt stelle ich mir interessant vor.

Hanfelds Hauptthema, -sorge und -gegner sind die Öffentlich-Rechtlichen und deren Aktivitäten im Internet, die anders als das segensreiche Wirken der Verlage mit Gebührengeldern (und nicht mit Werbung) befeuert werden. Seine Sorge ist, dass ARD und ZDF den Verlagen im Web das Wasser abgraben.

Schon seltsam angesichts der gewaltigen Summen auf den Konten von Google, Microsoft oder auch der Telekom, gegen die sich acht Milliarden Euro Gebührengeld eher bescheiden ausnehmen. Insbesondere, weil davon vor allem Fernsehen und Radio gemacht werden und nur ein Bruchteil ins Internet fließt.

Noch seltsamer aber, wenn wir die real existierenden Bemühungen der Verlage im Web in Betracht ziehen. Stefan Niggemeier, auch ein Medienjournalist übrigens, hat gerade wieder wortreich dargelegt, wie sich die Mehrzahl der Verlage gerade im Web von journalistischen Standards verabschieden.

Und was hat die Internetstrategie von Burda oder Holtzbrinck mit Journalismus zu tun? Da geht es doch eher darum, möglichst viele Beteiligungen zusammenzukaufen, die möglichst wenig mit Journalismus zu tun haben. Dann klar ist eines: Es gibt bis jetzt kein Geschäftsmodell für klassischen Journalismus im Web. Wird es jemals eines geben?

Oder muss sich nicht vielmehr der Journalismus den Bedingungen des inzwischen gar nicht mehr so neuen Mediums anpassen? Und ist er nicht dort, wo er das in den letzten zehn Jahren getan hat, auch erfolgreich geworden? Dass die meisten deutschen Verlage im Web versagt haben, ist nicht die Schuld der Öffentlich-Rechtlichen.

Charles Leadbeater (We Think) hat eine treffende Metapher für den Unterschied zwischen den alten und den neuen Medien: Die alte Medienlandschaft ist war wie ein mit Felsbrocken übersäter Strand, die heutige ähnelt eher einer steigenden Flut von Kielsteinen.

The traditional media landscape is like a beach with boulders, the BBC boulder, the News Corp boulder; some sometimes join to create even biggest boulders. Now the beach is a rising tide of pebbles, and many people are coming and dropping their pebble on the beach: basically we are all in the pebble business now. The models of the future are about how we link these pebbles together to create added value, to create something that it's more than a loose assembly. Can we match a growing capacity to participate, to contribute, with our ability to collaborate, to build, to make more complex and durable products? [aufgezeichnet von Bruno Giussani]

Leadbeater, ein ehemaliger Berater von Tony Blair, eröffnete heute die PICNIC mit einer völlig ohne Folien in freier Rede vorgetragenen Keynote über Collaborative Creativity, das Thema der diesjährigen Konferenz. Ein breites Thema.

It not just applies to high tech, new media, and culture, but also to social challenges - like the environment. Collaborative action is not just about new things, but about very broad challenges. We'll have to bring different people together. [aufgezeichnet von Ernst-Jan Pfauth]

Nicht jede Art der Zusammenarbeit führt jedoch zur Kreativität. Es kann zu viel Konsens geben - das Resultat ist Langeweile - oder zu viel Chaos - was zu keinem Ergebnis führt. Leadbeater nennt fünf entscheidende Bedingungen für kollaborative Kreativität:

  • Diversity is king, participants need to think differently and have different knowledge.
  • Give people ways to contribute. They need really simple ways to add their piece of information.
  • Connect people with each other by using the most suitable technology
  • The most important one: participants must have a shared sense of purpose and an individual sense of pay-off. Use a mascot or something.
  • Communities need to have some element of structure to make decisions.
  • [aufgezeichnet von Ernst-Jan Pfauth]

Am Ende seiner Rede spricht Leadbeater eine Frage an, die auf geheimnisvolle Weise im Herbst 2008 wieder aktuell geworden zu sein scheint. Ist das alles von Dauer? Oder übernehmen die Kräfte der Beharrung irgendwann wieder die Macht? In den Redaktionen führender deutscher Tagezeitungen scheint die Hoffnung noch nicht ausgestorben, das Internet werde irgendwie schon wieder verschwinden.

Is the Internet going to be this brief moment of collaboration, a weird, wacky moment where people want to share? Or is this a permanent change? Leadbeater closes by referencing Sir Tim Berners Lee, who was recently asked whether our social ambitions were too grand for the web. He offers the advice, the danger is not that we ask too much of the internet, but that we ask too little. [aufgezeichnet von Ethan Zuckerman]

Der 11. September 2001 war mein zweiter Arbeitstag bei SinnerSchrader. Das Wetter war ähnlich wie heute in Hamburg: sonnig und spätsommerlich warm. Ich war dabei, mich mit meinem neuen Arbeitgeber bekannt zu machen. Alles war neu und aufregend.

Mein Schreibtisch stand in einem Großraumbüro im ersten Stock der Planckstraße 13 in Hamburg-Ottensen, nur wenige Schritte vom heutigen SinnerSchrader-Büro entfernt. Außer Mark Pohlmann, damals mein Chef, und mir saß dort die Online-Redaktion - ein entfernter Vorläufer unserer heutigen Konzeptioner, wenn man so will.

Im alten Industriebau herrschte eine stille und konzentrierte Atmosphäre wie im Skriptorium einer Abtei. Gegen drei Uhr am Nachmittag unterbrach ein Redakteur, mit dem ich Rücken an Rücken saß, unser aller Arbeit. Ein Flugzeug sei ins World Trade Center geflogen, meldete Spiegel Online. Wir waren irritiert.

Es dauerte noch einige Zeit und mehrere Updates bei Spiegel Online, bis die Nachrichtenlage sich verdichtete. Ein Attentat. Es gab damals einen kleinen Aufenthaltsraum mit Fernseher, auf dem wir die ersten Bilder aus New York sahen. Die brennenden Türme, das zweite Flugzeug.

An Arbeit war nun nicht mehr zu denken. Das Fernsehen zeigte Katastrophenbilder, auf dem Rechner stieß das Web 1.0 an seine Grenzen. Spiegel Online, CNN.com & Co. waren nur schwer erreichbar oder reduzierten ihre Präsenz auf das eine Thema, das es jetzt noch gab.

Dass der erste Turm eingestürzt war, begriffen wir zuerst gar nicht. Die Bilder im Fernsehen erschienen uns irreal wie aus einem Katastrophenfilm. Gigantische Staubwolken. Und das Web war noch schwach und konnte kaum zur Aufklärung beitragen. Dann brach der zweite Turm zusammen.

Der Kollege, der die Meldung zuerst gesehen hatte, nahm an jenem 10. September seinen Abschied von SinnerSchrader. Nach Feierabend saßen wir auf dem Hof der Planckstraße 13 beim Bier. Er wollte in die USA, ob im Urlaub oder für länger, weiß ich nicht mehr. Es war, vorsichtig gesagt, ein mulmiges Gefühl.

Der 11. September 2001 war ein Meilenstein beim Niedergang der Internetwirtschaft. Vielen Start-ups war schon zuvor die Luft ausgegangen. Ich selbst kam gerade von einem Start-up, das in jenen Septembertagen Insolvenz anmelden musste. Nach dem 11. September strichen viele große Unternehmen ihre E-Commerce- und Internet-Budgets zusammen. Das traf Dienstleister und Agenturen. Die Internetwirtschaft fiel in einen Winterschlaf, der fast drei Jahre andauern sollte.

SinnerSchrader zog Ende September in eine große Halle nach Bahrenfeld und blieb dort für knapp fünf Jahre. Aus 270 Mitarbeitern, die im September 2001 bei uns arbeiteten, wurden bis Ende 2003 nur noch 130. In der Halle war genug Platz, um 2006 mit 1.000 Gästen unser Zehnjähriges zu feiern und eine Konferenz zu veranstalten. Nur wenige Kollegen mussten dafür ihren Schreibtisch verrücken.

2006 war das Jahr des Web 2.0 und der neuen Aufbruchstimmung. SinnerSchrader zog zurück nach Ottensen. Die Internetwirtschaft hatte sich seit 2004 wieder vom Schlafe erhoben. Es gab wieder Start-ups und neue Projekte in den Unternehmen. Der zweite Aufschwung läuft weniger stürmisch als zu Zeiten der New Economy, aber nachhaltiger. Und er hält nun schon vier Jahre an.

Der 11. September 2001 war der Moment der größtmöglichen Verunsicherung. Die Folgen des 11. September wirken auch in der Internetwirtschaft bis heute nach. Wenige Wochen später meldete Popnet Insolvenz an. Kabel New Media war schon im Sommer pleite gewesen. Die Agenturszene war im Umbruch, und SinnerSchrader mittendrin.

Newspapers are in the wrong businesses. They should no longer be in the manufacturing and distribution businesses -- which have become heavy cost yokes -- and should no longer try to be in the technology business. They're bad at it.
Jeff Jarvis, Buzzmachine
Natürlich kommt heutzutage kein Medienkongress mehr ohne Gesprächsrunden mit solch einfallsreichen Titeln wie "Chancen und Risiken der Digitalisierung" aus. Alte Männer in maßgeschneiderten Anzügen und mit selbstzufriedenen Untertönen in den Stimmen erzählen auf diesen Podien dann immer wieder gerne, dass speziell ihre Fernsehsender starke Marken besäßen, hervorragend aufgestellt und gewappnet für die digitale Revolution seien, dass die Zukunft sowieso nur irgendwie eine buntere Version der Gegenwart und überhaupt sooo schlimm schon nicht werden wird.

Zu solchen Gelegenheiten darf auch Gerhard Zeiler, Vorstandschef der RTL-Gruppe, so lustige Sätze sagen wie: "Das traditionelle Fernsehen wird auch in der digitalen Zukunft das Leitmedium Nummer eins bleiben." Klar, Herr Zeiler, und diese kleinen, knatternden, benzingetriebenen Fahrzeuge werden nie zu einer Konkurrenz für eine anständig dampfende Eisenbahn.

Das Verhältnis zwischen Benzinkutschen und Eisenbahnen ist ein hübsches Beispiel für das, was die klassischen Massenmedien derzeit so umtreibt. Das Versprechen, mit dem Henry Ford seine T-Modelle unters Volk brachte, lautete genau genommen: Freiheit.

Das Internet ist das Ford-T-Modell der Medienwelt. Es gibt den Menschen Mobilität; es ermöglicht individuelle Wissens- und Unterhaltungsausflüge. Es ist ein Vehikel für Selbstfahrer, für Abenteurer und Ausflügler. Lineares Broadcast-Fernsehen dagegen ist Konsum nach Fahrplan und steuert viele hochinteressante Orte und Themen gar nicht erst an. Zu geringe Auslastung. Lohnt sich nicht. Strecke stillgelegt, Sendung abgesetzt.

Wenn ich heute lese, was Mario Sixtus den Fernsehmachern ins Stammbuch schreibt, dann finde ich die Geisterdebatte um die Frage, ob den öffentlich-rechtlichen Sendern der Zugang zum Internet gewährt werden sollte, noch viel gespenstiger.

Das ist ungefähr so sinnvoll wie die Debatten in den 80er Jahren um Satelliten- und Kabel-TV. Falls sich noch jemand erinnert - auch damals forderten die Vertreter der privat-kommerziellen Medien, seinerzeit überwiegend Verleger mit TV- und Radioambitionen, dass nur ihnen die neuen Distributionswege überlassen werden dürften. Was ihr gutes Recht ist, aber ebenso selbstverständlich auch kompletter Unsinn.

Wer ARD und ZDF abschaffen möchte, der möge das bitte offen sagen.

Meine leicht polemisch gefärbte Analyse, warum Journalisten das Web nicht mögen, hat eine Reihe von interessanten Repliken erzeugt. Eines der wiederkehrenden Gegenargumente ist der Glaube, dass wir Journalisten auch weiterhin brauchen. Das stimmt wahrscheinlich sogar. Die Frage ist aber, wozu eigentlich.

Die Einordnung und "Reduktion von Komplexität", wie die Medienwissenschaftler sagen, kann durchaus auch eine Aufgabe für Journalisten im Web darstellen. Hunderte abonnierter Feeds, aber keiner sagt mir, welcher wichtig ist.

Doch. Allerdings sind es keine Journalisten, die mir das sagen. Es sind Techmeme, Rivva, Digg, Friendfeed und Twitter (z.B. Twitlinks). Es sind Maschinen, die von Menschen gefüttert werden, wie immer, wenn wir von Medien sprechen. Sie sind dabei, den Journalisten ihre Selektionsfunktion abzunehmen. Es wird noch dauern, bis es flächendeckend soweit ist. Aber der Trend ist klar.

Der menschliche Faktor ist das, was den Journalismus interessant macht.

Wenn ich mich recht entsinne, dann hatte der Journalismus einst einen Objektivitätsanspruch - an dem er freilich vielfach scheiterte, was verständlich ist, da Menschen involviert sind. Im Unterschied zum Journalismus war das Blogging mit einem Subjektivitätsanspruch angetreten - und auch damit oftmals grandios gescheitert.

Objektivität ist veraltet. Sie wird nur in Medien gebraucht, die den Gesetzen der physischen Knappheit unterworfen sind. Wenn es nur ein Fernsehprogramm gibt, muss das furchtbar objektiv sein, weil es ja außerhalb des eigenen Kanals keine Gegenstimme gibt.

Schon der Versuch, die Regelungsmechanismen aus öffentlich-rechtlichen Monopolzeiten auf das privat-kommerzielle Fernsehen zu übertragen, ist völlig zu Recht weitgehend gescheitert. Stefan Niggemeier schreibt Romane darüber. Wenn er nicht gerade im Urlaub ist.

Im Web können wir uns Subjektivität leisten, weil Objektivität, sofern sie gebraucht wird, aus der Summe der Subjektivitäten entsteht. Wie in der Wikipedia. Habermas müsste jubeln, aber er versteht das Web nicht.

Das journalistische Produktionsmonopol ist aufgebrochen, heute kann jeder publizieren. Das Selektionsmonopol bricht jetzt ebenfalls auf, Maschinen und kollaborative Systeme sind heute schon besser als es Journalisten je waren. Was bleibt dann noch? Ganz zu schweigen davon, dass die Zahlungsbereitschaft für journalistische Produkte sowohl bei den Konsumenten als auch bei den Werbungtreibenden dramatisch gesunken ist.

Es bleiben PR und Corporate Publishing. Journalisten werden sich als Kommunikatoren und Lohnschreiber für Unternehmen verdingen.

Selbstverständlich werden die klassischen Medien überleben. Sie bewegen sich aber längst in einem schrumpfenden Markt, und dort gelten andere Gesetze als in Wachstumsmärkten. Medienobjekte werden zu Melkkühen umgebaut und auf Rendite getrimmt, Stellen gestrichen und das gesamte Niveau abgesenkt.

Dagegen ist kein Kraut gewachsen. Dass eine Redaktion wie die der Berliner Zeitung nur im Web und ohne gedrucktes Blatt überleben könnte, ist eine wohlfeile Illusion.

Die Antwort ist einfach: Weil es sie arbeitslos macht. Die Journalisten sind die schlesischen Weber des Webs.

Diese These kann ich auch ausführlicher formulieren.

  1. Seit Gutenberg (und vor Gutenberg erst recht) waren Medien den Gesetzen physischer Knappheit unterworfen. Es gab niemals unbegrenzt viele Druckerpressen, Frequenzen oder Sendeplätze. Deshalb konnte nicht jedermann publizieren - vor der Publikation fand eine Auswahl statt. Redakteure wählten aus, was ins Blatt kommt. Frequenzen wurden für bestimmte Zwecke an bestimmte Nutzer vergeben. Im Kampf um Sendeplätze setzten sich aufmerksamkeitsstarke Programme gegen schwächere durch.
  2. Der Auswahlprozess konzentrierte die öffentliche Aufmerksamkeit auf vergleichsweise wenige, dafür aber reichweitenstarke Blätter, Sender und Programme. Mangels Alternativen waren Leser sogar bereit, für bedrucktes Papier Geld zu bezahlen. Außerdem zahlte die werbungtreibende Industrie dafür, ihre Botschaften über die gleichen Medien transportieren zu lassen.
  3. Dieses Mediensystem brauchte verhältnismäßig wenig Texte, Töne und Bilder, um verhältnismäßig viele Medienkonsumenten zu erreichen. Journalisten schufen Wert, indem sie genau diese Texte, Töne und Bilder anfertigten. Das werden sie auch weiterhin tun, aber...
  4. Im Web findet die Auswahl erst nach der Publikation statt. Ökonomen würden sagen, dass die Markteintrittsbarrieren niedrig sind. Wer möchte, kann publizieren, und viele tun das auch. Dadurch wächst das Angebot der publizierten Texte, Töne und Bilder sehr viel schneller als die Nachfrage.
  5. Dies hat zwei für die Einkommen von Journalisten fatale Folgen: Die Aufmerksamkeit der Medienkonsumenten verteilt sich auf immer mehr Medienprodukte, die Reichweiten sinken, und damit schrumpfen auch die Erlöse aus Werbung und Verkauf. Geringere Erlöse führen zu Stellenstreichungen und Einkommenseinbußen. Das wachsende Angebot erhöht den Preisdruck für journalistische Arbeit zusätzlich.
  6. Nun ist das Angebot am Arbeitsmarkt der Medienwirtschaft traditionell höher als die Nachfrage, was den Löhnen und Preisen für journalistische Tätigkeit noch nie besonders gut getan hat. Medienhäuser können daher den Preisdruck relativ einfach an ihre Mitarbeiter und Lieferanten weitergeben: Gehälter und Honorare sinken.

Wie die schlesischen Weber durch die Industrialisierung verlieren die Journalisten durch das Web ihr Einkommen. Zwar nicht alle, nicht alles und auch nicht sofort, aber der Trend ist klar. Und deshalb ist auch klar, warum Journalisten das Web nicht mögen.

Für den europäischen Konsumenten ist das Internet inzwischen das wichtigste Medium, das er bei Kaufentscheidungen konsultiert. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Harris Interactive im Auftrag der Agentur Fleishman-Hillard. Untersucht wurden die drei großen Märkte Großbritannien, Deutschland und Frankreich.

Across all three countries addressed by the study, the Internet has roughly double the influence of the second strongest medium -- television -- and roughly eight times the influence of traditional print media. This indicates a need and an opportunity for companies to reprioritise their communications to address the media shift in consumer influence.

Am Vorabend der reboot10 geschah der größte für die TV-Übertragung einer Fußball-EM anzunehmende Unfall: Das Bild vom Halbfinale Deutschland-Türkei fiel aus. Wie unter der Lupe zeigt dieser Ausfall die Schwäche zentralisierter und zentral kontrollierter kommerzieller Systeme.

Denn erstmals bei einer Sportveranstaltung hat die Uefa sämtliche TV-Sender dazu verpflichtet, das von ihr und damit dem Veranstalter selbst produzierte Fernsehsignal zu übernehmen. Das zentrale Sendezentrum in Wien war offensichtlich unzureichend mit Notstrom versorgt, sodass ein Gewitter durch kurze Stromunterbrechungen den sofortigen Reboot der Sendesysteme auslöste.

Der Trend zur Zentralisierung und Kommerzialisierung der Fußballübertragung ist nicht neu. Doch noch bei der WM 2006 durften ARD und ZDF das zentral produzierte Signal um eigene Bilder ergänzen. In diesem Jahr liefen auch diese Bilder über das Wiener Sendezentrum.

Free ist anders. Das Leitthema der diesjährigen reboot wird, auf den ersten Blick überraschend, sehr stark auf Unternehmen bezogen. Enterprise 2.0, so weit das Auge reicht. Kein Wunder: Nach der Webzwonullszene und den interaktiven Konsumenten, die sich mit Social Networks angefreundet haben, sind die Unternehmen die letzte Bastion des einsnulligen Webs.

Wenn Web 1.0 das nach überlieferten Prinzipen wie zentraler Kontrolle und und beschränktem Zugang organisierte Web war, dann ist das heutige Web free im Sinne der reboot10. Hier in Kopenhagen trifft sich heute und morgen eine Szene, die sich auf den Marsch durch die Institutionen Unternehmen vorbereitet.

Der Sendeausfall gestern hat die Verwundbarkeit hochprofessionalisierter, kommerziell betriebener Mediensysteme gezeigt. Trotz aller Unzulänglichkeiten sind Twitter, Qik & Co. heute schon schneller und emotional stärker als das sich selbst zu Tode hochgerüstete TV.

Wir werden sehen, ob heute wenigstens das TV-Bild stabil bleibt. Das Konferenz-WLAN hat bislang jedenfalls funktioniert.

Gespenstig mutet an, wie deutsche Ministerpräsidenten mit Medienlobbyisten und Pressekonzernen um die Zukunft öffentlich-rechtlicher Internetangebote ringen. Michael Hanfeld malt in der heutigen FAZ, ganz Lobbyist in eigener Sache, Horrorszenarien einer öffentlich-rechtlichen, gebührenfinanzierten Presse (im Internet) an die Wand.

Dabei ist es doch so, liebe Pressekonzerne: Im Internet kann und darf jeder publizieren. Und viele tun es auch. Die klassische Pressefreiheit, wie Ihr sie zu verteidigen versucht, ist war die Freiheit des Besitzers einer Druckpresse, seine Meinung ungehindert zu Papier bringen und verbreiten zu lassen. Im Internet hat jeder seine Wörterpresse.

Sind Eure Internetangebote wirklich so schlecht, dass Ihr jede Konkurrenz, insbesondere aus öffentlich-rechtlichen Häusern, fürchten müsst? Sodass deren Angebote unter Eurem Druck und durch politischen Beschluss verkrüppelt werden müssen?

Danke, liebe Pressekonzerne! Wir werden nicht vergessen, dass wir es Euch zu verdanken haben, wenn die von unseren Gebühren finanzierten TV-Sendungen nur sieben Tage lang im Web abrufbar sind und die öffentlich-rechtlichen Websites voll sendungsbegleitender Langeweile vor sich hin dümpeln.

Ihr glaubt, das nutzt Euch? Weit gefehlt! Dann gehen wir eben woanders hin.

Die Zukunft des Musikgeschäfts

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Dr. Stefan Glänzer, Gründungsinvestor und früherer Executive Chairman von last.fm spricht nach seinem next08-Vortrag über Musik als Bestandteil von Kommunikation und stellt die These auf, dass Musik in Zukunft für jedermann frei zur Verfügung stehen wird. Die Musikindustrie müsse sich neue Einnahmequellen neben dem klassischen CD-Geschäft erschließen, so die nicht ganz neue Schlussfolgerung Glänzers.
Er verweist auf den einzelnen Musiker als kreative Quelle des Musikgeschäfts und spricht über eine neu entstehende Kultur des Musikschaffens durch die neuen Möglichkeiten rückkanaliger mobiler Aufnahme- und Distributionsgeräte. last.fm basiere auf dem Motto "get realtime", so Glänzer.

Bereits zur next07 sprach Glänzer über individualisiertes Radiohören.

Das Live Web hat meine Lesegewohnheiten, mindestens was Nachrichten betrifft, deutlich verändert. Seit der Erfindung von RSS & Co. kommen die Neuigkeiten im Web zu mir. Ich muss nicht mehr zahllose Websites abklappern, der Google Reader reicht. Und Twitter. Beides ging vor allem zu Lasten der Mail.

Was hat sich im Detail verändert?

Ich lese nur noch Feeds. Mein Webmedienkonsum findet inzwischen zum größten Teil im mobilen Google Reader auf dem E61i statt. Was auch bedeutet: Ohne RSS-Feed geht gar nichts mehr. Wer heute keinen Feed anbietet, ist per definitionem irrelevant.

Ich lese viele Feeds. Google Reader zeigt sie in letzter Zeit nicht mehr an, es müssen aber inzwischen mehr als 1.000 sein zählt derzeit 1.199 Stück. Denn ich abonniere einfach jeden Feed, der mich interessiert. Feeds fressen kein Brot, und selbstverständlich lese ich nicht alles, noch nicht einmal die Überschriften.

Ich bestelle Feeds nur selten wieder ab. Viele Feeds sind längst tot, weil das Blog inzwischen gestorben oder umgezogen ist, seinen Dienst eingestellt oder die Plattform gewechselt hat. Egal. Die Abonnements zu verwalten lohnt sich nicht.

Jeder Feed bekommt mindestens einen Tag. Naja, im Idealfall. Denn leider kann der mobile Google Reader keine Feeds mit Tags versehen, und so sammeln sich immer mehr Feeds ohne Tags in meiner Liste. Und da es sich nicht lohnt, sie zu verwalten, bekommen sie auch später nur ausnahmsweise einen Tag nachgereicht.

Ich lese keine Blogs, sondern Tags. Also Gruppen von Blogs. Wie auch immer sich diese Gruppen zusammensetzen. Hier zum Beispiel sind alle Beiträge aus Blogs mit dem Tag Fischmarkt. Im Idealfall sollten das die Blogs sein, die ich für den Fischmarkt lese.

Ich abonniere Meta-Feeds: Suchfeeds von Technorati oder Google zu diversen Suchbegriffen, Dienste wie Techmeme, Rivva oder Digg. Das erhöht die Chance, nichts Wichtiges zu verpassen.

Ich lese immer nur das Neueste. Denn ich habe ja nicht unbegrenzt Zeit. Also schaue ich in der Listenansicht - im mobilen Google Reader gibt es ohnehin keine andere Möglichkeit - die jeweils jüngsten Überschriften durch und klicke auf das, was mich interessiert.

Alles Empfehlenswerte empfehle ich. Das geht mit einem Klick. Die Liste der von mir empfohlenen Links gibt Google Reader wieder als Feed aus. Diesen Feed lasse ich per Twitterfeed an meinen Twitter verfüttern. Die fünf jüngsten Empfehlungen stehen in der rechten Spalte unter "Anderswo aufgelesen".

Ich recherchiere in der Suche von Google Reader. Meine mehr als 1.000 Feeds sind eine hervorragende Datenbasis - es sind meine bevorzugten Quellen. Die Suche von Google Reader ist eine personalisierte Suchmaschine.

Was noch fehlt, sind lokale Nachrichten. Der mobile Google Reader auf dem E61i steht morgens am Frühstückstisch im harten Wettbewerb mit der Lokalzeitung. Zwar war das Altländer Tageblatt seinerzeit plietsch genug, die Domain tageblatt.de zu registrieren. Aber damit endete dann auch die Innovation.

Als Abonnent könnte ich zwar Zugang zu irgendwelchen Premium-Nachrichten bekommen, aber das war mir bis jetzt immer zu kompliziert. Außerdem gibt es dort keinen RSS-Feed. Und der RSS-Feed liefert nur Nachrichten für Abonnenten. Damit hat sich das Thema wohl erledigt.

Starke Konkurrenz ist dem Google Reader inzwischen mit dem mobilen Twitter erwachsen. Dort lese ich nun auch schon 292 Twitterati, also etwa ein Viertel 557, also fast die Hälfte meiner RSS-Feeds.

Bei Twitter liegt zwar der Fokus eher auf den Menschen als auf den Nachrichten. Doch die wirklich wichtigen Nachrichten kommen mittlerweile schneller über Twitter als über RSS-Feeds herein.

Den kontinuierlichen Nachrichtentakt in meinem Twitter schlägt die Tagesschau. Dazu kommen Rivva, Techmeme und vermutlich noch weitere eher nachrichtenorientierte Tweeter, die ich jetzt vergessen habe.

Nachtrag: Diesen Text habe ich im März 2008 geschrieben. Inzwischen hat Friendfeed Einzug in meine tägliche Mediennutzung gehalten, zu Lasten von Twitter und Google Reader. Doch dazu später mehr.

Wie Emma bis jetzt war, wollte ich heute früh wissen. Und von wem habe ich es erfahren? Weder aus dem Radio noch aus dem Fernsehen und erst recht nicht aus der druckfrischen Tageszeitung. Radio und Fernsehen hatte ich gar nicht erst eingeschaltet, die Zeitung blieb draußen im Briefkasten.

Nein, ich habe auf dem E61i meine Feeds im mobilen Google Reader gelesen. Einer der unzähligen Feeds dort ist mein Twitter mit den Tweets aller 277 Twitterati, die ich derzeit lese. Und eine davon ist die gute, alte Tagesschau.

Die Tagesschau zwitschert heute um 6.19 Uhr:

Orkantief "Emma" bislang schwächer als erwartet

Diese Diagnose deckt sich auch mit meinen eigenen Beobachtungen: kräftiger Wind, stürmische Böen, aber kein Orkan.

Die Tagesschau twittert leider keine Links, deshalb rufe ich als nächstes den mobilen Spiegel auf. Nichts! Bei Spiegel Online ist auch um 8.52 Uhr noch die Orkanwarnung von gestern aktuell. Keine neuen Nachrichten.

Doch auch die Tagesschau hat eine exzellente mobile Version. Hier lese ich den aktuellen Bericht über die erste Nacht mit Emma. Vorbildlich ist auch der Hinweis am Fuß auf den Stand:

01.03.2008 05:43 Uhr

Ich weiß nicht, wann Spiegel Online wieder die Arbeit aufnimmt, aber dieser Punkt geht ganz klar an die Tagesschau.

Nachtrag:
Um 9.34 Uhr lese ich den aktualisierten Orkanbericht bei Spiegel Online.

Die drei tollen Tage vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos gehören Burda und der DLD-Konferenz in München. Die Mischung von Themen und Teilnehmern stimmt, für jeden ist etwas dabei. Der Veranstaltungsort platzt aus allen Nähten und wäre mit der Hälfte der Teilnehmer auch schon gut ausgelastet.

Auf den ersten Blick überraschte, wie wenig der Börsencrash am Montag in München zur allgemeinen Kenntnis genommen wurde. Ich habe erst über Twitter davon erfahren. Auf Panels und Fluren spielte er keine große Rolle. Das lässt zwei Deutungen zu: Entweder ist die Szene bereits wieder so abgehoben, dass der Rest der Welt für sie keinerlei Bedeutung hat. Oder der Aufschwung der Webwirtschaft hat mit der Börse nur wenig zu tun.

Letzteres halte ich für wahrscheinlicher. Anders als 1999/2000 speist sich der jüngste Boom nicht aus spektakulären Börsengängen und den Ersparnissen unvorsichtiger Kleinanleger. Im Web wird heute echtes Geld verdient und wieder investiert. Zudem steht Risikokapital hinreichend zur Verfügung, auch für Projekte ohne offensichtliches Geschäftsmodell. Doch Gründer und Startups halten das Geld zusammen und sich an die Vorgaben in den Geschäftsplänen. Wer Geld aufnimmt, weiß ziemlich genau, was er damit bezahlen und erreichen will.

Insofern hat das Münchner Webwirtschaftsforum das Web nicht neu erfunden und auch keine neue Versionsnummer erteilt. Der thematische Blick reicht über die Grenzen der eigenen Szene hinaus. Namen wie Craig Venter und Richard Dawkins, um nur zwei zu nennen, stehen für relevante und streitbare Themen jenseits des Webtellerrands.

Eine Erkenntnis aus München: An vielen Stellen, bei vielen Themen zeichnet sich inzwischen ab, wie sich die small pieces des Web zu neuen Medienerlebnissen für die Konsumenten und Geschäftsmodellen für Unternehmen und Startups formieren könnten. Wir haben den inzwischen fast ein Jahrzehnt währenden Niedergang der Musikindustrie gesehen und die jüngsten Meilensteine. Wir sehen ähnliche Trends in Sachen TV: Neben Google/YouTube und Joost/Zennström saßen in München Vertreter von blip.tv und blinkx.com.

Und in der ersten Reihe WPP-Chef Sir Martin Sorrell, der die Bewegtbildpioniere des Web ungerührt nach solch trivialen Dingen wie Umsatz, Kosten, Gewinn und Cashflow fragte und damit Moderatorin Christiane zu Salm blass aussehen ließ. Solche Momente sind es, aus denen die Gesamtinszenierung DLD ihren Zauber zieht.

Wer nicht in München war oder zwar dort war, aber die Sessions verpasst hat, für den gibt es die Videos einige Appetithäppchen bei Sevenload. Bei iTunes sind sie noch nicht, aber das dürfte nur eine Frage der Zeit sein.

Cicero: Drei Unikate

Gestern waren bei uns drei Unikate in der Post. Insgesamt 160.000 Stück davon hat das Magazin Cicero für seine Jahresendausgabe produziert. Auf jeder Titelseite ist ein anderes Foto aus dem Archiv der Nachrichtenagentur Reuters zu sehen. Auch die kleinen Hintergrundbilder sind unterschiedlich. Und:

Am Donnerstag finden über 20.000 Entscheider aus Politik, Wirtschaft, Medien und Marketing ein Cicero-Exemplar in ihrem Briefkasten. Knapp 11.000 davon sind mit dem eigenen Bild auf der Titelseite ausgestattet. Damit wird die Idee der Individualisierung des Magazins auf die Spitze getrieben.

Drei dieser 11.000 Exemplare zeigt das Bild oben.

Coca-Cola macht das Web zum Leitmedium. Auf den Münchner Medientagen erklärte Marketingdirektor Thomas Gries:

"Wir brauchen TV für die Reichweite. Für unsere Kernzielgruppe der 12- bis 19-Jährigen entwickelt sich allerdings zunehmend das Internet zum Werbeleitmedium." Das heiße allerdings nicht, dass TV tot ist.

TV is not dead, it just smells funny.

horizont.jpg
Ein netter Effekt, mit dem horizont.net seine Leser auf den heutigen Relaunch aufmerksam macht. Wenn auch nicht unerhört und nie dagewesen.

Das Blatt aus Frankfurt, unserem zweiten Agenturstandort übrigens, hat sich gedruckt wie digital gehäutet und die Aufgaben zwischen Druck und Web neu verteilt:

Die Zeiten, in denen professionelle Journalisten die alleinige Deutungshoheit über Markt- und Weltgeschehen hatten, sind vorbei. Genauso wie die Zeiten, in denen ein nachrichtenorientiertes Netzangebot bloß der digitale Appendix der Print-Mutter ist.

Agentur: BippesBrandão, Offenbach

DerWesten

Es war im WM-Sommer 2006, als die WAZ-Gruppe eine Bloggerin zur stellvertretenden Chefredakteurin erkor und ihr ein Himmelfahrtskommando anspruchsvolles Projekt anvertraute. Es war ein Paukenschlag. Viel deutlicher kann ein Verlag nicht sagen, dass er im Web einen starken Neuanfang wagt.

Viel Wasser ist seitdem die Ruhr hinabgeflossen. Der ursprünglich für das Frühjahr avisierte Launch musste mehrfach verschoben werden. Und je mehr Zeit verging, um so höher wuchsen die Erwartungen.

Seit der vergangenen Nacht ist DerWesten nun am Start. Auf den ersten Blick haben sich die himmelhohen Erwartungen nicht erfüllt. DerWesten sieht aus wie eine solide Nachrichtensite, aufgeräumt und etwas langweilig. Wird hier der Lokal- und Regionaljournalismus im Netz neu erfunden?

Doch die spannenden Details liegen unter der Haube: Tagging-Mechanismen, regionale und lokale Kontexte, Geo-Tagging, Kommentare, Trackbacks, Blogs und Community-Funktionen. Hier gibt es jede Menge zu entdecken und auszuprobieren. Und dem Team von Katherina Borchert ist nur zu wünschen, dass Leser wie WAZ-Redakteure diese vielen Möglichkeiten entdecken und zu nutzen wissen.

How to Save Newspapers, schrieb der Journalist und Autor Doc Searls im März seiner Zunft ins Notizbuch. Einige dieser Rezepte hat DerWesten schon umgesetzt - und ist damit unter den Nachrichtensites im deutschsprachigen Raum ganz vorn dabei.

Der heutige Starttermin ist zwar spät, aber kein Zufall - auch der elektronische Platzhirsch WDR ging heute mit einem neuen Web-Angebot an den Start.

Die Internet World hat mir ein paar Fragen zum immer wieder spannenden Thema der Trennung zwischen Werbung und Redaktion im Web gestellt. Hier meine Antworten.

Verschwimmt im Zeitalter des viralen Marketing die Grenze zwischen Werbung und Redaktion oder gibt es nach wie vor klare Demarkationslinien?

Wo es redaktionelle Angebote gibt, sollte es auch eine klare Trennlinie zur Werbung geben. Dies liegt im ureigenen Interesse jedes redaktionellen Mediums, denn sonst verliert es an Glaubwürdigkeit. Viele Angebote im Web haben aber gar keine Redaktion, und dann kann es auch keine Trennung zur Werbung geben. Werbung sollte immer dann deutlich gekennzeichnet werden, wenn sie nicht auf den ersten Blick als solche zu erkennen ist.

Dürfen Unternehmen und ihre Agenturen komplette Artikel oder Themeninseln konzipieren und erstellen, damit sie von redaktionellen Websites veröffentlicht werden?

Ja, dürfen sie. Die Redaktionen fahren allerdings besser damit, diese Artikel oder Themeninseln klar zu kennzeichnen. Schmu erkennt der mündige Medienkonsument früher oder später - und straft mit Nichtbeachtung.

In welcher Form darf ein Unternehmen einen Blog oder eine Community fördern oder komplett finanzieren?

In jeder Form, die Leser und Konsumenten verstehen und goutieren. Unternehmen können auch selbst Blogs betreiben oder eine Community pflegen. Anders als in den klassischen Medien haben sie im Web viele Möglichkeiten, direkt mit den Konsumenten zu interagieren. Die Konsumenten suchen den direkten Kontakt.

Spielt sich die gesamte Diskussion über Schleichwerbung im Netz nur in einem "inneren Zirkel" der Medienschaffenden ab? Interessiert das den "normalen" User überhaupt?

Auch wenn sich die Diskussion tatsächlich in einem inneren Zirkel abspielt - Otto Normalverbraucher ist an authentischer Kommunikation und Interaktion mit Unternehmen und Marken interessiert. Wer dieses Interesse bedient, hat damit Erfolg.

Es gibt Themen, die bleiben, und Diskussionen, die immer wieder und immer neu geführt werden müssen. Schön, wenn es auch Diskutanten gibt, die lange genug dabei sind, um daraus zu lernen. Die Gespräche über die großen Trends und Themen des Web bleiben, nur die Gesprächspartner wechseln und die Erkenntnis schreitet voran.

Nicholas Negroponte schrieb 1995 in Being Digital: "Computing is not about computers any more. It is about living." David Weinberger variiert seit Cluetrain Manifesto (1999) und Small Pieces Loosely Joined (2002) sein Thema, das da lautet: Wie verändert das Web das Marketing, die Wirtschaft und die Welt insgesamt?

Mit Everything is Miscellaneous hat er jüngst ein weiteres Buch hinzugefügt. Es ist eine Art Being Digital 2.0. Im Vorwort schreibt er:

The physical limitations that silently guide the organization of an office supply store also guide how we organize our businesses, our government, our schools. They have guided--and limited--how we organize knowledge itself. From management structures to encyclopedias, to the courses of study we put our children through, to the way we decide what's worth believing, we have organized our ideas with principles designed for use in a world limited by the laws of physics. Suppose that now, for the first time in history, we are able to arrange our concepts without the silent limitations of the physical. How might our ideas, organizations, and knowledge itself change?

Seine Antwort gab David Weinberger heute in Form einer Keynote auf der Picnic im Amsterdam zu Protokoll. Große Teile davon hat Bruno Giussani notiert.

Als Gegenstück zu Weinberger hat die schlaue Kongressleitung die Rolle des bad guy mit Andrew Keen besetzt und zwischen die beiden den alten Fuchs Walt Mossberg als Moderator gesetzt. Mossberg steht als Technologieredakteur des Wall Street Journal und Gastgeber der Konferenz All Things Digital gut im Stoff und neigt als Vertreter der alten Medien eher Keen zu denn Weinberger.

So kommt nach dessen programmatischer Rede eine lebhafte Diskussion in Gang. Denn auch Keen hat ein Buch zu verkaufen: The Cult of the Amateur heißt es, und Keen profiliert sich damit als Kritiker mindestens der Version 2.0 des Web, im Grunde aber passt ihm die ganze Richtung nicht.

Weinberger weist zu Recht darauf hin, dass die tragenden Prinzipien des Web auch schon Tim Berners-Lee bewegt haben, als er das Hyperlink-Konzept so bestechend einfach und erfolgreich implementierte. Es ging im Web von Anfang an darum, den Daten Bedeutung zu geben. Der blau geschriebene, unterstrichene Klartext eines Hyperlinks (Web 1.0) oder das Etikett, das Tag (Web 2.0) sind im Prinzip frei wählbare Metadaten, die den Daten Bedeutung verleihen.

Keen und Mossberg betrachten das Web eher als ein Massenmedium und kommen deshalb zu den sattsam bekannten Beobachtungen, die aus dieser Perspektive entstehen müssen. Dann erscheint die Wikipedia mit ihrer Faktenfülle und den offen sichtbaren Baustellen plötzlich als überkomplex.

Das Web macht die Dinge komplizierter, nicht einfacher. Es spiegelt die Komplexität der übrigen Welt. Darin sind sich alle drei einig. Weinberger hält das für einen Vorteil und für den Reiz des Web, Keen und Mossberg hingegen sehen hier eher ein Problem.

Gezielter Konsum auch im TV

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Fernsehen macht ist wird immer anspruchsloser, deshalb zappt der Zuschauer von heute nicht mehr willenlos herum, sondern wählt gezielt aus, was er sehen will.

Eine Umfrage im Auftrag der Programmzeitschrift Hörzu liefert den Beweis: Deutsche Fernsehzuschauer meinen, dass das Fernsehprogramm mit der Zeit „dümmer“ geworden ist – und das sagen immerhin 60 Prozent der Befragten. Mehr als jeder Zweite meint, das TV-Angebot sei unüberschaubar und misstraut dem Fernsehen.

Die Folge ist laut Umfrage gezielteres Fernsehen von zwei Dritteln der Befragten zwischen 35 und 54 Jahren – und auch die jüngeren Zuschauer bestätigen diesen Trend. Immerhin 56 Prozent der Befragten konzentrieren sich bis zum Schluss auf eine ausgewählte Sendung.

Angesichts nachmittäglicher Schmutz-Talks und einem schier unerschöpflichen Fundus an Doku-Soaps, um nur mal einige der TV-Unsäglichkeiten zu nennen, lässt dieses Ergebnis hoffen. Für den deutschen Fernsehzuschauer auf jeden Fall, vielleicht auch fürs Programm.

Jetzt sind die Eltern dran

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Eltern sind nicht nur eine der kaufwütigsten Zielgruppen, sondern auch ziemlich empfänglich für Tipps aller Art und damit mindestens ebenso gesprächig wie die dauer-plappernden Kleinen. Darauf setzt Gruner + Jahr mit dem neuen Eltern.de-Familiennetz. Der Grundgedanke "Content + Community" ist dabei so neu nicht: Das Familiennetz verbindet redaktionelle Inhalte mit Foren mit einem Social Network.

Familien bekommen aber endlich das, worauf sie schon immer dringend gewartet haben: Tools, die ihnen Arbeit abnehmen. Als da wären: Fotoalben und Familienblogs zum Verwandte-und-Freunde-auf-dem-Laufenden-Halten, Suche nach neuen Freunden mit Kindern im gleichen Alter oder gar nach einer Krabbelgruppe, Gruppen-Funktion zur Organisation von Kindergartengruppe oder Klassenelternabend.

Eine zweite Ausbaustufe im Herbst bietet Filme, Datenbanken und Audio-Files zur Suchabfrage plus User-generierten Content aus den Foren plus Zugang zu passenden Gruppen aus dem Social Network. Eltern-Heft und online werden auch verquickt, indem die Eltern.de-Redaktion regelmäßig Print-Beiträge vorab in einem Forum diskutieren lässt und sie anschließend mit den Kommentaren der User druckt.

My advice - focus on people. The tech empowers people and it will change. Sites come and go. Excuse me while I update my Tripod page.

Edelman-Blogger Steve Rubel auf Twitter

Nebenbei bemerkt: Mindestens die Marke Tripod gibt es immer noch. Was die These bestätigt, dass auch im Internet das Rieplsche Gesetz gilt: Kein neues, höher entwickeltes Medium verdrängt ein altes vollständig, es verändert lediglich dessen Funktion.

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Noch hat Rupert Murdoch die Bancrofts nicht überzeugt, ihm Dow Jones zu verkaufen, da hat er schon relativ präzise Vorstellungen, was er mit dem Wall Street Journal anstellen möchte:

Wie wäre es, fragt er rhetorisch, wenn man eine Redaktion der Spitzenklasse zusammenkaufte, und das "Journal" dann nur im Netz und völlig kostenlos anböte? "Keine Druckereien, kein Papier, keine Lastwagen. Wie lange würde es dauern, bis die Werbung kommt? Es wäre jedenfalls erfolgreich, es würde funktionieren und man würde ... ein kleines bisschen Geld verdienen", so Murdochs hypothetische Reise in die Zukunft.

Dow Jones ist seit vielen Jahren Kunde des Frankfurter Büros von SinnerSchrader.

Wer schon immer mal wissen wollte, in welche Unternehmen Burda investiert, dem hilft heute Lutz Meier in der gedruckten FTD weiter:

Hauptsache konsumentenorientiert, sagt Jürgen Todenhöfer, der Vizechef des Verlagskonzerns. So müssten Internetfirmen sein, damit Burda Geld hereinsteckt.

Das ist doch mal ein Ansatz.

Kaffeeklatsch in Hamburg

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Neulich in Hamburg, Medienstadt: Ein media coffee zum Thema "Von der Edelfeder zum Contentlieferanten? - Printmedien im Wandel" - bester Frontalunterricht mit eingebauter Fragemöglichkeit im Auditorium der Bucerius Law School.

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Das Podium von links nach rechts: Annette Hillebrand, Moderation, Akademie für Publizistik. Kuno Haberbusch, Zapp/Das Medienmagazin und extra 3/Das Satiremagazin. Holger Stark, Der Spiegel. Frank Thomsen, Stern.de. Jan-Eric Peters, Axel Springer Akademie. Dr. Wilm Herlyn, dpa.

Viel Altbekanntes: Spiegel-Online hält verdient das Quasi-Monopol der Online-Nachrichtenmagazine (alle). Online wird nicht zu einem Qualitätsverfall führen (Thomsen) und "alles wird weiterleben, aber anders" (wieder Thomsen). Online ist nicht mehr die interne Abschiebestation, sondern die Zukunft (Peters). Und so weiter.

Zwei Sprecher haben spannendere Dinge von sich gegeben: Kuno Haberbusch, Leiter von Zapp/Das Medienmagazin und extra 3/Das Satiremagazin hat gezeigt, wieviel Sinn es macht, sich bei aller Euphorie über Web 2.0 (s)eine kritische Sicht auf die Dinge zu bewahren. Haberbusch war also dagegen, was mich zugegebenermaßen schonmal grundsätzlich begeistert. Kurze Szenenbeschreibung:

Dass Google sich jeglicher Transparenz verweigere ("die lehnen kategorisch jedes Interview ab!"), sei nicht hinnehmbar, ja - gar skandalös sei, dass die deutschen Medien das klaglos hinnehmen. Jan-Eric Peters (Axel Springer Akademie) dazu: "Es ist, wie es ist." Haberbusch spornt das erst richtig an: Er geht dazwischen und erklärt erstmal, wie man früher gekämpft habe. Herrlich.

Dagegen war er auch, dass die Regionalblätter "außerhalb der privilegierten Insel Hamburg" ihre Online-Ableger nebenher machen. Auch ein Thema des zweiten Sprechers, der hier Lob erhält: Holger Stark, Der Spiegel, wies immer wieder auf die Wichtigkeit von Investitionen in Leute hin - statt die Online-Ausgaben aus dem Print mit zu bedienen.

So war vor allem er es, der das Fazit prägte. Am Ende waren sich alle einig, dass es Edelfedern immer geben wird (und bekamen damit noch eben den Dreh zum Veranstaltungstitel) und machten sich kollektiv um eines Sorgen: um die Qualität der Recherche und um die Zukunft des investigativen Journalismus - angesichts der Tatsache, dass dort gespart wird, "wo Zeit, Geld und Energie nötig sind" (Stark).

Die Veranstaltung hätte also besser "Lässt sich guter Journalismus im Internet überhaupt bezahlen?" geheißen.

Hingewiesen wurde auf eine spannende Studie: "Klicks, Quoten, Reizwörter: Nachrichten-Sites im Internet. Wie das Web den Journalismus verändert."

Die media-coffee-Reihe tourt übrigens durch Deutschland und lässt sich im media-coffee-blog mitverfolgen.

Die Markenführung wird demokratischer, deshalb gewinnt das Fernsehen an Bedeutung. Im Internet lehnt sich eine neue Generation von "68ern" gegen die Autorität von Marken auf. Sie werden ein Stück weit zerfasert, teilweise auch verunglimpft. Nur wer seinen Marken über die klassischen Medien genügend Authentizität und Relevanz verleiht, wird im Web 2.0 nicht untergehen.

Peter Christmann, Vorstand Sales & Marketing bei ProSiebenSat.1 und Geschäftsführer von SevenOne Media, in der Horizont vom 24. Mai 2007

Sam Zell, vor kurzem Eigentümer einer Reihe großer US-Tageszeitungen geworden, hat mit einer kleinen Bemerkung für große Erregung gesorgt:

"If all of the newspapers in America did not allow Google to steal their content, how profitable would Google be?" Zell said during the question period after his speech. "Not very."

Dagegen ist leicht eingewendet, dass Google News nur Überschriften und Textauszüge verwendet und ansonsten direkte Links zur Quelle setzt. Von Diebstahl keine Rede.

Aber: Wenn Google tatsächlich das Betriebssystem der Werbung baut (und das hat Eric Schmidt nun bestätigt), dann muss die Frage vielleicht etwas anders gestellt werden:

It could be that Zell is brilliant, and is saying something that simplifies the truth to make a bigger point, and he doesn't mind if you think he's inept if some people get the bigger picture -- which is he thinks of the Internet and Google as being the same thing, and you know what -- I bet a lot of other people do too, and they have a point. Like the public radio stations, maybe we're fooling ourselves if we think we're not writing for Google, as they are fooling themselves into thinking they're not creating for NPR. We want to cling to our theory that each of us is independent of the others, but what if he's right, and it's us vs them.

"Für wen schreiben wir? Und warum?", fragt Doc Searls:

All kinds of deals may be possible between news organizations and Google. Some conceivably could alter the simple matter of who we're writing for. It might not just be ourselves.

If Web = Google comes to look like a fact for a critical mass of people and organizations, then we will all become part of the same commercial ecosystem: one controlled by a single company.

Para-Journalisten

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Futter für die Next07, wo Norbert Bolz die Keynote über Medien 2.0 halten wird.

Peter Turi: Sind Blogger Para-Journalisten, wie der Medienwissenschaftler Norbert Bolz meint? Also Möchtegern-Journalisten, die’s noch nicht in die echten Medien geschafft haben?

Thomas Knüwer: Ach, der Herr Bolz. Die Mehrheit der Blogger will ja bewusst nicht als Journalist bezeichnet werden. Was auch eine Menge über das Ansehen unseres Berufsstandes sagt. Unter den Bloggern gibt es eine Reihe, die es in die „echten Medien“ (ist das Internet unecht?) geschafft haben. Viele, die es gar nicht schaffen wollen. Solche Kategorisierungen stammen von Menschen, die sich die Vorstellung abgewöhnt haben, dass es in einem demokratischen Land einen Diskurs geben könnte. Einst hätte Bolz wahrscheinlich behauptet, die Teilnehmer der Diskussionssalons des 19. Jahrhunderts seien alle Para-Christiansens.
Das ganze Interview mit Thomas Knüwer in der Netzwirtschaft

Von Inhalten, Technik und Zielgruppen sollte die Rede sein auf der Computer Bild CeBIT CEO Conference am Freitag. In dieser Reihenfolge: Zuerst sind da die Inhalte, dann kommt die Technik, um schließlich die Zielgruppen zu bedienen. Soweit die klassische Pipeline-Denke - die heute und vor allem in der "digitalen Welt 2010" so nicht mehr funktioniert.

Folgerichtig ist die erste Keynote, vorgetragen vom Hausherrn und Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner, gleich eine Enttäuschung. Im Auditorium macht sich sofort Mittagsmüdigkeit breit. Direkt zu Beginn fällt dem bestfrisierten CEO eine Strähne in die Stirne.

Über ein paar nette Anekdoten und die bekannten Allgemeinplätze über die Zukunft des Printgeschäfts kommt er nicht hinaus. Das allerdings ist auch dem Thema geschuldet. Über nutzergenerierten Medieninhalt wüsste ich auch nichts Neues mehr zu sagen.

Interessante Inhalte werden immer interessieren, macht Döpfner sich Mut. Ein vollkommen leerer Satz. Das Interessante interessiert. Aha. Das hätte ich jetzt nicht gedacht. Wenn klassische Medienhäuser nur noch in leeren Begriffen über ihr Produkt (auch Produkt ist ein solcher) sprechen können, dann würde ich meine Aktien, hätte ich welche, umgehend verkaufen.

Im anschließenden Podium wird es auch nicht besser. Die Inhalte bleiben die gleichen, die Formen ändern sich, sagt Hans-Holger Albrecht (Modern Times Group). Seit wann gibt es Inhalt ohne Form? Welche Inhalte den Menschen in Zukunft interessieren werden - darüber verliert keiner der Teilnehmer auch nur ein konkretes Wort. War ja auch nur die Leitfrage für dieses Podium.

Stattdessen ist von Technik die Rede und von Formaten. Jeder der diskutierenden Medienmacher macht eine Inventur, schaut nach, was er auf Lager hat und ist prompt der Meinung: Passt! Irgendein dusseliger Konsument wird den Kram auch künftig konsumieren und dafür notfalls noch teures Geld bezahlen.

Als die Diskussion kurz das Thema Copyright streift und etwas spannender zu werden droht, wechselt der nicht besonders gut orientierte Moderator flugs das Thema. Das Vorbild von Computerbild-Chefredakteur Hans-Martin Burr ist ganz offensichtlich Giovanni de Lorenzo. Ich hätte das Original vorgezogen.

Die deutschen Statthalter internationaler Konzerne sind selten eine Bereicherung für ein Podium. War Terry von Bibra (Yahoo) im ersten Panel noch der einzige dieser Gattung, so besteht die zweite, der Technik gewidmete Runde fast nur aus diesem Typ Manager. Sie haben einfach nichts zu sagen, was über ihren Bereich hinausgehen würde. Und da ihr Bereich Vertrieb ist, hören wir vor allem Vertriebsargumente. Für Hardware. Wie spannend. Aber wir sind ja auf der CeBIT, da gehört das wohl dazu.

Wohlfeil sind die Appelle an Mobilfunkbetreiber, endlich von ihren Apothekenpreisen für mobile Datenübertragung herunterzukommen. Das lässt sich als Hardwarehersteller oder Medienhaus leicht fordern. Die Netze betreiben und refinanzieren schließlich andere. Mobil ist das technisch Machbare nicht auch das wirtschaftlich Tragfähige. Irgendwer muss schließlich auch hier am Ende die Rechnung bezahlen.

Thomas Middelhoff

Spannend wird es erst kurz vor Schluss, als Thomas Middelhoff (KarstadtQuelle) endlich Klartext spricht. Der Musikindustrie wirft er völliges Versagen vor. Auch nach zehn Jahren habe sie kein überzeugendes Geschäftsmodell für das Internet. Stattdessen verklage sie lieber ihre eigenen Kunden. Eine ähnliche Entwicklung sieht Middelhoff auch auf TV- und Filmindustrie zukommen.

Düster seine Prophezeihung für große Teile der Wirtschaft:

Innerhalb der nächsten 10 Jahre werden viele große und bekannte Unternehmen den Markt verlassen. Deswegen weil sie nicht in der Lage waren, ihre etablierten Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln und weil ihre Kunden glauben, dass diese Anbieter einfach überflüssig geworden sind.

Nach diesem Donnerschlag hat es das letzte Podium schwer. Holger Jung ist sich nicht zu schade, drei Werbefilme aus der Werbeschmiede Jung von Matt zu zeigen, die sich durch nichts anderes qualifizieren als die Tatsache, dass sie auf den einschlägigen Videoportalen im Internet zu sehen waren. Und dort auch tatsächlich angesehen wurden.

Ist für Jung von Matt das Internet tatsächlich nicht mehr als eine weitere Verbreitungsplattform für 30-Sekünder? Das meint wahrscheinlich nicht einmal Holger Jung, der sich in der abschließenden Pressemitteilung übrigens mit diesem kryptischen Satz zitieren lässt:

Viel bringt viel und weniger ist mehr.

Für den Reality Check ist am Ende Matthias Schrader zuständig, der auf die Schlussfrage des Moderators mit einem knappen Satz antwortet:

Wieviel Macht darf der Kunde bekommen?

Der Konsument darf alle Macht haben, denn er bezahlt die ganze Veranstaltung.

Holger Jung, Matthias Schrader, Klaus-Peter Schulz, Horizont und Maurice Lévy

"Kunde versus Community – Wie entscheiden Konsumenten in 2010 – Werbebotschaft oder Meinungsaustausch?" Diese Frage debattieren u.a. Matthias Schrader, Holger Jung (Jung von Matt) und Klaus-Peter Schulz (BBDO) am Freitag auf der Computer Bild CeBIT CEO Conference.

Zwei klassische Werber werden dann vermutlich ihre Disziplin gegen die kecke Behauptung verteidigen, die Klassik habe ihre Zukunft womöglich bereits hinter sich. Das Match beginnt mit der Einstiegsfrage des Moderators:

Herr Schrader, Sie haben die heftige Debatte in der Fachpresse (u. a. Horizont) über die Rolle der klassischen Werbung in der Zukunft mitbekommen. Findet die Werbung der Zukunft wirklich vorwiegend in den neuen Medien statt? Kann die klassische Werbung wirklich nicht mehr mithalten und wird zum Nischenthema?

Es folgt der Aufschlag von Matthias Schrader:

Die Werbung der Zukunft sind Beziehungen - zwischen Marken und Kunden wie auch zwischen Kunden und Kunden. Deshalb wird die klassische Werbung ihre Führungsrolle an die interaktive Kommunikation verlieren. Es wird sie weiterhin geben, sie wird aber an Bedeutung einbüßen und eher eine unterstützende Rolle haben, so wie heute Plakat und Radio. Die Lead-Agenturen der Zukunft werden Interactive-Agenturen sein, die den Dialog der Kunden und Marken prägen.

Damit ist die Debatte eröffnet. Der gesamte Kongress wird am Freitag live auf der Website von N24 gezeigt.

Google spricht

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Philipp Schindler, Google (Foto)

Keiner ändert die Medienlandschaft so grundlegend wie Google. Wen wundert's da, dass Google-Nordeuropachef Philipp Schindler als der derzeit wichtigste Manager der Kommmunikationsbranche in Deutschland gilt. Nach Ansicht der w&v-Redaktion gehört er damit zu den Persönlichkeiten, "die im Jahr 2006 auffallend mutig und innovativ handelten und – oft auch gegen Widerstände – Entscheidungen trafen, die ihren Unternehmen künftig neue Erlösquellen erschließen".

Schindler kam auf Platz eins,

weil er mit Google derzeit daran arbeitet, die Medien- und Agenturlandschaft in Deutschland gründlich umzukrempeln. So hat er beispielsweise den in der Branche üblichen Rabattpoker um Werbepreise abgeschafft und den vermittelnden Agenturen die gewohnten Provisionen gestrichen.

Philipp Schindler, Jahrgang 1970, leitete vor seinem Google-Engagement den Bereich Marketing und Sales von AOL Deutschland (seit 1999). „Google wird in Deutschland noch viel Spaß haben“, sagte Schindler im letzten Jahr zur FAZ.

Alle, die gern aus erster Hand erfahren möchten, wie das geht, mögen am 3. Mai 2007 zur next07 „Inspiration und Interaktion“ kommen. Philipp Schindler hält dort die Keynote zum Thema „Vom E-Business zum Me-Business: Märkte sind Gespräche“.

Zwischen Real Life und Second Life

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Regis Braathens (Foto: SL-News.net)

Gerade wurde "The AvaStar" bei den Lead Awards 2007 in der Kategorie "Webleader des Jahres" ausgezeichnet. Da freut es uns umso mehr, dass Rowan Barnett, seines Zeichens Chefredakteur von The AvaStar, am 3. Mai auf der next07 spricht.

Im Track „Parallelwelten“ wird auf der next07 diskutiert, wie wichtig digitale Welten für unsere Kommunikation sind und werden. Rowan Barnett aka Regis Braathens, 25, arbeitet seit Oktober 2006 für das erste Wochenmagazin in der virtuellen Welt Second Life. Dort sind aktuell vier Millionen Einwohner als virtuelle Figuren registriert, tausende Firmen vertreiben ihre Produkte.

"The AvaStar" bietet den "Residents" auf rund 30 Seiten umfassende Informationen über das Leben in der virtuellen Welt. Der Großteil der Leserschaft setzt sich aus jüngeren Männern und Frauen mit einem durchschnittlichen Alter von 32 Jahren zusammen und ist hoch gebildet. "The AvaStar" will für die Leser ein Leitfaden sein und vor allem Neueinsteigern die Orientierung in der "Second Life"-Umgebung erleichtern. Den redaktionellen Rahmen der Zeitung bilden die Inhalte News, Business, Celebrity & Gossip, Style & Fashion, Travel und Entertainment.

Wie sieht Barnett/Braathens die Zukunft der Zeitung in der virtuellen Welt - und die des Journalismus? Er hat die Vision einer 3D-Zeitschrift zum „drin Rumlaufen“, in der natürlich die gleichen journalistischen Standards wie in der wirklichen Welt gelten: “Ich bin Journalist, ich spiele nicht nur die Rolle eines Journalisten.“

Wie fühlt es sich an, das Leben zwischen Real Life und Second Life, als virtuell arbeitende Person? Diese und andere Fragen werden wir ihm stellen, im echten Leben auf der next07. Schon registriert? Bis dahin:

Was solche Zweitleben mit einem anstellen können, verriet uns Barnett: Kürzlich hatte er in seinem Kleiderschrank erfolglos ein ganz bestimmtes T-Shirt gesucht, dann fiel ihm ein: Er hatte es nur in der virtuellen Welt gekauft. Barnett/Braathens wörtlich: „Real life is a tricky issue.”

Foto: SL-News.net

Sie haben es ja ohnehin schon nicht leicht, die Massenmedien. Und dann wird ihnen auch noch kräftig eingeschenkt. Markus Peichl, einer der ganz Großen der Druckmedienbranche und heute Juryvorsitzender beim gestern verliehenen Lead Award, liest seiner Branche die Leviten. In der Welt. Hier die entscheidende Passage:

WELT: Guter Journalismus wird vom Leser nicht geschätzt?

Peichl: Doch, aber die Leute werden mit so viel Mittelmaß erschlagen, dass sie das Gute nicht mehr sehen. Erinnern Sie sich an die Hitler-Parodie mit Helge Schneider? Die Frage "Darf man über Hitler lachen?" war die Sau, die eine Woche lang durchs mediale Dorf gejagt wurde. Danach war die Sache vergessen, der Film floppte, basta. Dasselbe passierte mit dem Uschi-Obermaier-Film. Selbstverschuldet lassen sich die Printmedien im Kampf gegen schnellere Medien auf das Gebot der Nichtsubstanz und das Verdikt der Geschwindigkeit ein.

WELT: Sie wollen doch nicht leugnen, dass zu den genannten Themen kluge, gut geschriebene Artikel erschienen sind.

Peichl: Natürlich gab es die, aber sie wurden von der Vielzahl der Husch-Husch-Erregungen verblasen. Der Leser wurde zugekleistert mit substanzlosem Kram, weil jeder glaubte, auch etwas zum Thema absondern zu müssen. "Huch, das ist ein Thema, da müssen wir jetzt ganz schnell was dazu machen." Das ist der Mechanismus, der Redaktionen treibt. Und dann bombardieren sie den Leser mit allem, was auf die Schnelle beizuschaffen ist. Also fehlen den Journalisten Zeit und Kraft, sich mit dem Thema intensiv zu beschäftigen. Macht es doch einer, wird seine Mühe nicht belohnt, weil es der Leser in all dem Wust nicht erkennen kann. Wissen Sie, was ich nicht mehr hören möchte?

WELT: Was denn?

Peichl: Diesen Satz, den Printleute so gern von sich geben: "Wir werden gegen das Fast-Food-Medium Internet bestehen, denn der Leser möchte Selektion, und genau die geben wir ihm: Wir trennen das Wichtige vom Unwichtigen." Stimmt nicht, das ist Alibi-Wunschdenken. Printmedien verbreiten viel zu viel völlig ungefilterte Information im Affenzacken hinaus in die Welt.

Sprach's und verlieh einen Lead Award an die in "Second Life" erscheinende, englischsprachige Zeitung "The AvaStar". Von diesem Bild-Ableger gibt es jetzt auch eine deutschsprachige Ausgabe. Deren Chefredakteur Rowan Barnett aka Regis Braathens spricht übrigens auf der next07.

In gewohnt höflicher Manier, einige Zacken schärfer als Peichl, aber nicht minder auf den Punkt bringt es der Doppelgänger jenes Jünglings, der sich jüngst als Anzeigenmotiv für Gucci verewigte. An der Blogbar. Sein Stück, vermutlich liest sich, als sei es nach der Lektüre von Peichls Brandinterview entstanden, im Auszug:

He, Ihr verblödeten, nach oben in Entscheiderpositionen gechwemmten Nichtskönner, Ihr Parasiten am alten Ruf abkratzender Medienmarken, was zum Teufel wollt Ihr eigentlich? Eure Auflagen kacken ab, die jungen Leser laufen Euch davon und die alten Leser sterben, seit 10 Jahfren seid ihr im Niedergang, und alles, was Euren Konzernen einfällt, ist der Einkauf von irgendwelchem Communitydreck, weil da die jungen Leute inzwischen sind. Ihr habt längst den Kampf um die Qualität aufgegeben, im Internet seid Ihr nur noch kleine Nummern unter irgendwelchen Drittverwertern und niveaulosen Zusammenrottungen. Die Tageszeitungen waren bis vor 10 Jahren unangefochtene Meinungsführer, heute passen Süddeutsche, FAZ, taz und Welt locker unter den Fussabstreifer von Spiegel Online, und auf das schwarze Dreclksblatt bei mir daheim kann ich selbst inzwischen mit meinen Blogs quotenmässig hinunterspucken. Im einzigen Zukunftsmarkt seid Ihr plötzlich ein Nichts voller greinender Bedenkenträger, Ihr habt in der New Economy jeden Scheiss mitgemacht und jetzt kauft Ihr wieder jeden Rettungsring, den Euch irgendwelche Gründer hinhalten, und Eure eigene Kernkompetenz der Informationsvermittlung geht Euch am Arsch vorbei, Hauptsache ihr habt diese tollen Web2.0-Spielzeuge.

Was früher mal Eure Basis war, mutige Autoren und Kenner der Region, sind heute billige Praktis und gekaufte Johurnaille, die brav kuscht, wenn Ihr den nächsten Onlineschmarrn ranschleppt. Ihr habt die Redaktionen nach der Printkrise wieder profitabel gehungert, weil das neue, miese Niveau auch für die Abos reicht. Das rettet Euch kurzfristig den durchgesessenen Hosenboden, aber der Nachwuchs hat keine Bindung mehr an Euch, und wird auch keine Bindung an Euch mehr bekommen. Die haben sich vertschüsst zu irgendeiner Internetbespassung, Youtube, Youporn, Myspace, wo sie für Euch und Eure miese Informationsabfütterung unerreichbar sind und bleiben. Ausser ihr kauft diese Dinger auf und hofft, dass ihr den Kaufpreis reinkriegt, bevor die Massen weiterziehen zum nächsten heissen Scheiss.

Hier weiterlesen.

Schweden eröffnet Botschaft in Second Life (Ausriss aus der FTD)
Woran erkennt man, dass ein Thema wirklich etabliert ist? Wenn darüber im Politikteil berichtet wird. So geschehen heute in der FTD. Die schwedische Botschaft in Second Life steht neben dem Fünfspalter zum Thema Mindestlöhne.

Deutscher Handels-Werbekongress 2007: New Communication - Handelswerbung im digitalen Zeitalter!

Diese Frage - längst nicht mehr rein akademisch, aber dafür rhetorisch - hat inzwischen auch die Handelswerbung erreicht. Auf dem Deutschen Handels-Werbekongress 2007 beschäftigt sich damit ein Medien-Gipfel auf prominentem Platz am ersten Kongressvormittag.

Die Keynote ("Zukunft Digitalisierung! – Haben klassische Medien ausgedient? Kommunikation in der Ökonomie der Peer Production") hält Miriam Meckel, Professorin für Corporate Communication und Direktorin des Institutes für Medien- und Kommunikationsmanagement an der Hochschule St. Gallen. Danach folgt ein Impulsreferat von Matthias Schrader zum Thema "Retail Advertising in the digital age – Wie wird die Handelskommunikation von morgen aussehen? Wird Web 2.0 die Handelskommunikation verändern?". Anschließend diskutiert eine hochkarätig besetzte "Top-Medienrunde" über diese Thesen.

Termin: 14. und 15. Februar. Ort: Wiesbaden. Mehr zum Programm hier.

Gestern war ich in der einzigen Weltstadt ohne Flughafen. Erfreulicherweise ist sie aber vom völlig überdimensionierten Flugplatz der benachbarten Provinznester Freising und Erding aus in schlappen 45, gefühlten 90 Minuten per S-Bahn zu erreichen.

"Web 2.0 - Wie verändern sich Medien und PR?" fragte news aktuell dort beim media coffee. Doch wer nach dem kleinen Skandal bei einer thematisch ähnlichen Veranstaltung in Hamburg etwas Remmidemmi erwartet hatte, der sah sich getäuscht. Denn in München herrschte überwiegend Einigkeit auf dem Podium: Irgendwie ist das alles nicht neu mit dem Web 2.0, haben wir schon immer so gemacht, und verändern wird sich auch nicht viel.

Leider stellte sich heraus, dass die Medien- und PR-Vertreter sich lieber mit sich selbst beschäftigen und dabei versuchen ihr bisheriges Businessmodell bis in alle Ewigkeit einfach nur fortzuschreiben, ohne sich gegenüber den Chancen des Web 2.0 zu öffnen und selbst kreative Modelle zu entwickeln.

Dieser Einschätzung von PR-Blogger Klaus Eck habe ich nicht viel hinzuzufügen. Rainer Tief, der den Bayerischen Rundfunk auf dem Podium vertrat, verkauft seinen Sender und das ganze öffentlich-rechtliche System exzellent. Er war lange genug PR-Mann.

Doch er verkennt völlig, wie auch der zweite Medienvertreter in der Runde, Rainer Kerl von sueddeutsche.de, dass nicht mehr der reichlich vorhandene Content, sondern der Context King ist. Hier wird der Wert geschaffen, hier werden die Schlachten geschlagen, und das klang in der Diskussion nur gelegentlich an.

Requiescant in pace.

Ausführlicher Bericht und die Diskussion zum Nachhören bei mediacoffee.de

"Die Content-Falle. Journalismus in der digitalen Medienwelt" nennt der Kommunikationswissenschaftler Thomas Schnedler von der Hamburger Universität eine Studie (dpa berichtete), die er für den morgigen heute beginnenden Mainzer Medien-Disput angefertigt hat.

Schnedler kritisiert in seiner Studie den nichts sagenden Begriff «Content», der für Inhalte jedweder Art stehe: «Die einen meinen solide recherchierte Artikel, professionelle Hörfunkbeiträge und aufwendige Fernsehreportagen, andere denken auch an Klingeltöne, Amateurvideos, Download-Spiele, PR-Meldungen oder Musikfiles.» Oft gedankenlos werde ein Begriff gebraucht, der den Unterschied zwischen seriöser Information auf der einen Seite und Kommerz und Amateurprodukt auf der anderen Seite verschleiere.

Enzensberger hat 1988 das Fernsehen als Nullmedium bezeichnet. Dass die TV-Sender Selbstmord aus Angst vor dem Tode begehen würden und ihr eigenes Programm mit einem begrifflichen Vakuum namens "Content" beschreiben würden, konnte er da noch nicht wissen. Insoweit bin ich mit der Schnedlerschen Analyse einverstanden.

Mit der dichotomischen Unterscheidung zwischen seriöser Information einerseits und Kommerz/Amateurprodukt andererseits liegt er indes schwer daneben. Seriöse Information kann auch Kommerz oder Amateurprodukt sein. Die Unterscheidung hilft keinen Milimeter weiter.

Da fällt mir ein: Wahrscheinlich Womöglich stammt die Unterscheidung gar nicht von Schnedler, sondern vom seriösen dpa-Autor.

Medium Magazin: Der Frontalangriff

Peter Turi hat Jochen Wegner besucht, unter dessen Ägide zum Jahreswechsel Focus Online runderneuert wird, und darüber für das "Medium-Magazin für Journalisten" berichtet.

„Wir Online-Redakteure sind in wenigen Monaten von den Sorgenkindern zu Hoffnungsträgern geworden“, sagt Wegner und amüsiert sich darüber.

Der Niedergang der traditionellen Medienhäuser begann sich genau in jenem Moment dramatisch zu verschärfen, als sie damit anfingen, von ihrem Produkt in leeren Metaphern zu sprechen. Was, bitte, sind Inhalte, gern auch als Content bezeichnet?

  1. Wofür steht der Plural? Für Vielfalt? Für Austauschbarkeit?
  2. Was ist das Gefäß oder die Verpackung? Ein Bitstrom? Ein On-Air-Design? Ein Stapel Papier? Ein Format?
  3. Wie lassen sich "Inhalte" umverpacken? Sind sie flüssig oder fest (oder gasförmig)?
  4. Kann man sie beliebig vermehren oder kopieren?

Die Rede von Inhalten verkennt, dass Medien meistens nichts anderes verkaufen können als sich selbst. Für eine Zeitung mag ich bereit sein, einen Euro fünfzig zu zahlen - ein einzelner Artikel ist wertlos (außer in Spezialfällen wie der gewerblichen Archivnutzung, Genios lässt grüßen). Das frei empfangbare Fernsehen mag Gebühren kosten - für einzelne Sendungen zahlt kein Mensch (außer in Spezialfällen wie der DVD-Nachnutzung).

Medienmarken können Zusatzgeschäfte tragen (siehe die SZ-Editionen und die Mediathek). Aber die Zusatzgeschäfte können kein absterbendes Stammgeschäft kompensieren. Irgendwann stirbt auch die Medienmarke.

Unter dem großen Denkfehler, der sich hinter dem kleinen Wort Inhalte verbirgt, leidet auch der ansonsten kluge Kommentar von Lutz Meier in der heutigen FTD (nicht online - womit ein Teil des Problems schon illustriert wäre). Die entscheidende Passage:

Fast alle Medienhäuser kommen von der Publizistik. Erst später sind sie zu Zwittern geworden: Einerseits ist es ihr Geschäft, dem Publikum unverzichtbare Inhalte zu versprechen und dafür Geld zu verlangen. Zugleich leben sie davon, mit den Inhalten Zielgruppen zu gewinnen, um sie an Werbekunden zu verkaufen. Dieses Zwitterdasein führt angesichts der digitalen Revolution in die Identitätskrise. Medienhäuser müssen sich deshalb überlegen, wofür sie da sind: Sind sie zuerst Aufmerksamkeitsaggregatoren, die eine Marktposition im Werbegeschäft brauchen? Oder ist es ihre Existenzgrundlage, Information und Unterhaltung so zu sammeln, ordnen und aufzubereiten, dass sie für das Publikum einen Wert darstellen?

Im ersten Fall bliebe nichts anderes übrig, als die Konfrontation mit Google und Ebay zu suchen, um diesen in Sachen Aufmerksamkeitsökonomie überlegen zu werden. Das ist teuer und risikoreich. Und es wäre ehrlich zu sagen, dass es dazu führen kann, dass Redaktionen überflüssig werden und die Verlässlichkeit von Information zum relativen Wert.

Für andere – gerade traditionelle Printhäuser – kann der zweite Weg lohnender sein. Auch dann bedeutet die digitale Entwicklung Umdenken. Druckerzeugnisse in ihrer jetzigen Form haben keine große Zukunft. Die Medien müssen also mit ihren Inhalten auf digitale Plattformen. Dort konkurrieren sie direkt mit dem, was freischwebende Medienproduzenten bieten, etwa Blogs, und auch mit kostenlosen Seiten. Der Mehrwert der gebotenen Information muss demnach unmittelbar erkennbar sein. Wie dieser dann zu Geld gemacht wird, ist erst die zweite Aufgabe.

Die letzten beiden Sätze jedenfalls treffen den Nagel auf den Kopf.

Constantin Gillies schreibt in der WamS über den zweiten Goldrausch im Internet. Bevor jemand schreit, er bringe für den Web-2.0-Experten wenig Neues - das ist auch nicht sein Job. Die Geschichte muss für den WamS-Leser und dessen Vorverständnis tauglich sein.

Ihr Anlass ist natürlich GoogleTube, außerdem haben u.a. das Aal-Prinzip, Qype, MySpace, Xing/OpenBC und Plazes nebst einigen Analysten und Unternehmensberatern ihren Auftritt. Und Gillies benennt einen wichtigen Unterschied zur Bubble 1.0:

Hinzu kommt, dass Werbung im Internet im Gegensatz zum Jahr 2000 längst Bestandteil jedes Marketingkonzepts geworden ist. Allein in Amerika werden in diesem Jahr rund 20 Milliarden Dollar für Netzreklame ausgegeben.

Die Werbeeinnahmen dürften also ausreichen, um die neue Webwirtschaft am Laufen zu halten. Wahrscheinlich aber nur für wenige Anbieter.

Holger Schmidt befasst sich in der FAZ mit der Blog-Rangliste von Technorati und Edelman. Und - Skandal, Skandal! - er lässt das grobe Geschrei wie auch die präzise Kritik in der Blogosphäre komplett außen vor.

Bildblog, Spreeblick und Basic Thinking sind die Blogs mit dem größten Einfluß in Deutschland.

Na, das deckt sich doch mit den deutschen blogcharts...

Technorati-Chairman Peter Hirshberg stellt Deutschland kein gutes Zeugnis aus:

"Deutschlands hinkt Amerika in Sachen Blogs um einige Jahre hinterher. In Amerika ist der Einfluß der Blogs auf die Kommunikation der Unternehmen schon viel größer als hier. Dort suchen die Öffentlichkeitsarbeiter das Gespräch mit Bloggern genauso wie mit Journalisten. Außerdem nutzen die Marktforscher die Blogs, um die Meinung ihrer Kunden ungefiltert zu erfahren."

Mag auch einfach daran liegen, dass die deutsche Bloggerszene um einige Jahre hinterherhinkt...

Das Projekt BertelSpace beschäftigt natürlich auch die Blogwirtschaft. Alles, was dazu zu sagen ist, hat Nico Lumma gleich am Sonnabend gesagt:

Wir nähern uns dem Ende des Jahres 2006 und sogar Bertelsmann denkt schon über einen deutschen MySpace-Clone nach? Wow, das wird anständig in die Hose gehen.

Lange wurde gepennt in Güterslow und nun wird mal so richtig gezeigt, wie man User-generated Content in diesem Internetz macht. Ich sehe jetzt schon die ganzen aufgeregten Beratherhorden, die ein Web 2.0 Buch bestellen und schon mal ihre Texte üben. Heraus kommt dann irgendwas, was auf alle Kanälen beworben wird und ungefähr so spannend wie t-community oder AOL Hometown.

Wann soll das rauskommen? Ich kann vor Aufregung kaum schlafen.

Wie gerufen kommt da diese Überschrift in der heutigen FTD: Verlagen fehlt passende Web-Strategie

Die Erosion des Zeitungsgeschäfts durch die wachsende Internetkonkurrenz macht Großverlage und Medieninvestoren in den USA zunehmend nervös. Viele Verlage stellen ihre Geschäftsmodelle in Frage. [...] In den vorigen zwei Jahren haben die Verlage zunehmend die Konkurrenz aus dem Internet zu spüren bekommen. "Die Auflagen sinken, und die Anzeigenerlöse schwächen sich ab", sagte Jennifer Saba vom Branchenblatt "Editor & Publisher". Derzeit entfielen zwar erst fünf bis zehn Prozent des traditionellen Verlagsumsatzes auf das Onlinegeschäft, mittelfristig werde dieser Anteil aber auf 50 Prozent steigen.

Als "Wetten, dass" heute in den letzten Zügen lag, hatte Peter Turi im Spiegel vom kommenden Montag (2. Oktober) eine Preziose entdeckt. Die lapidare Meldung gibt einen kleinen Vorgeschmack darauf, was den alten Medien noch so alles blühen wird. (Und die Turi-Kinder sitzen nebenbei am Rechner, so wie ich heute auch.)

Barcamp

2005 rief Tim O'Reilly 250 seiner Freunde zum Foo-Camp (Friends of O'Reilly). Die Reaktion darauf war die Einrichtung des ersten Barcamp, einer Nicht-Konferenz, die sich 'on the spot' selbst organisiert. Bei der spontan Themen und "Slots" organisiert werden. Die erste solche Konferenz findet an diesem Wochenende in Deutschland in Berlin statt. Gastgeber ist Pixelpark nahe dem Warschauer Platz, aber organisiert wird das Camp von einer unabhängigen Kern-Orgatruppe und den Teilnehmenden selbst. JedeR ist aufgefordert einen eigenen Vortrag oder eine Gesprächsrunde anzubieten und wie nicht anders zu erwarten kreisen viele der Themen um Technik und Konzepte von Social Software, Social Media und Onlineapplikationen (auch "Web 2.0" genannt – aber wer kann das noch hören?).

Session 1: Zukunft der klassischen Medien

Roland Riethmüller von der NWZ in Oldenburg skizziert, wie seine Zeitung sich mit seiner Unterstützung auf die gewandelte Situation eingestellt hat. Blogs, Portale und Homepages machen ihr Konkurrenz im Textbereich, Radio bekommt Konkurrenz durch Downloads, Podcasts und Streaming, TV muss sich mit Vodcasts, IP-TV und Videoportalen um das Zeitbudget der Zuhörer kloppen.

Doch auch die Zeitung ist im Netz selbst präsent: auf dem Web, via SMS auf Handys, mit M-Papers oder gar mit eigenen Blogs.

Die Mediennutzer aber lassen sich weniger in Zielgruppen einteilen (der bei ALDI kaufende Porschefahrer) und Medien werden – auf Kosten der Aufmerksamkeit – parallel genutzt. Der One-to-Many-Ansatz wird durch eine Many-to-Many-Dialogkommunikation ersetzt. Das Kommumnikationsmonopol ist gefallen.

Die Zeitung kann als Qualitätsprodukt jedoch Marktaneile zurückgewinnen und ihre starke Marke ins Spiel bringen: Zeitungen gelten als vertrauenswürdiger als die oft pseudonym publizierten Blogs. Über eine Aufspreizung ihrer Kanäle Richtung Mobilcontent, Audio und Video kann die Zeitung mehr Menschen erreichen.

Die NWZ beispielsweise setzte eine Jugendcommunity mit Partyfotos auf. Jugendliche können sich selbst auf den Fotos mit Mitgliedsnamen 'taggen' und sich so vernetzen. Fotos werden getaggt.

Peter Schink berichtet über den Aufbau der Netzeitung und deren "Readers Edition" - einem Versuch, 'user generated content' für diese Newsplattform nutzbar zu machen.

User Generated Content treibt das Konzept des Leserfeedbacks und der Leserbindung auf eine neue Ebene. Während Wikinews nicht funktioniere, erklärt Schink.

Verlage haben ihre Vorteile bei Reichweite, Kompetenz der Journalisten ("Infostärke", Wissen verbreiten können), Finanzierung. Ein Nachteil ist ihre Schwerfälligkeit.

Das Konzept: User schreiben Artikel und Redakteure schalten sie frei. Sich zu profilieren und die trafficstarke Plattform ist für die 'Prosumer' attraktiv. Andere große und kommerzielle Verlage wie Springer könnten solche Plattformen eher nicht aufbauen.

Manche UGC-Konzepte wie die Leserreporter der Bildzeitung sind relativ kostenintensiv und es ist fraglich, ob damit jenseits des Hypes Geld verdient wird.

Peter Schink sagt: Die Vertriebskanäle werden sich ausweiten, es wird mehr UGC geben, parallele Plattformen werden sich nicht unbedingt gegenseitig schaden und auf lokaler Basis gibt es kaum Interferenzprobleme der Plattformen. Zeitungsverlage werden zeitungsunabhängige Plattformen betreiben zu verschiedensten Themen, um ihre Reichweite zu erhalten. Bezahlinhalte sind vom Tisch und selbst bei bezahltem Archivzugang gibt es Probleme. Offene Archive bringen mehr Werbegelder als Einnahmen durch Archivgebühren.

Generell bleiben viele Fragen in diesem ersten Track offen: Wird man User bezahlen müssen oder wie sehen Incentives aus? Wie genau ist mit Urheberrechten und Haftung umzugehen? Werden Bereiche, die jetzt kostenintensiv besetzt werden, in Zukunft überhaupt Einnahmen für Verlage generieren? Einige dieser Fragen sollen in für morgen geplanten Panels wieder aufgenommen werden – ob sie jetzt schon beantwortbar sind, darf bezweifelt werden.

Normalerweise, also ohne den notorischen Münte-Gips am Bein, wäre ich am Dienstag zum media coffee von news aktuell gegangen. Scheint so, als ob ich eine großartige Show verpasst habe. Diesen Schluss lässt jedenfalls der ausführliche Rapport von Felix "wirres" Schwenzel zu. Dringende Leseempfehlung!

Telecom Italia

Das Internetzugangsgeschäft von AOL in Deutschland geht an Telecom Italia. Die Ad-hoc kam gerade rein. AOL konzentriert sich auf sein Medien- ("audience services") und Mediageschäft ("online advertising sales").

Under the terms of the five-year partnership, AOL will design, host and operate audience services for Telecom Italia’s entire residential Internet access customer base in Germany. AOL will be responsible for all online advertising sales for the co-branded audience services. The financial terms of the audience services partnership were not disclosed.

Man könnte auch sagen: Der Medienkonzern Time Warner kehrt zurück zu seinen Leisten. In Deutschland war Telecom Italia bislang mit Hansenet und der Marke Alice vertreten. Übrigens betreibt mit Telefónica ein Wettbewerber von Telecom Italia den AOL-Internetzugang. Wie lange noch?



Die digitale Revolution frisst ihre Kinder. Dieser abgegriffene Satz liegt nahe angesichts der allgemeinen Aufregung über einen YouTube-Fake namens lonelygirl15.

Diese Aufregung speist sich aus einer gewissen Naivität im Umgang mit digitalen Medien - aus der unausgesprochenen Voraussetzung, die dort präsentierten Menschen und Geschichten seien authentisch. Warum sollten sie das sein?

Seit der Erfindung des Buchdrucks mussten wir lernen, dass nicht alles wahr, gut und schön ist, nur weil es gedruckt oder gesendet wird. Wir wissen, dass ein Roman oder eine tägliche Seifenoper fiktiv sind.

Wir können auch wissen, dass journalistische Nachrichtengebung und Hintergrundberichterstattung nicht die Realität im Verhältnis 1:1 abbilden - und das auch gar nicht können, denn jedenfalls ist die abgebildete Realität größer als der im Medium zur Verfügung stehende Raum.

Das Internet hat an dieser Diskrepanz nichts geändert. Auch das Web bildet eine größere Realität ab und schafft selbst eine neue (aber das hat auch schon der Roman geleistet, ist insofern also nichts Neues). Warum sollte das im nutzergenerierten Web 2.0 nicht gelten? Im Prinzip ist jeder Blogger eine Kunstfigur, selbst wenn er sich nicht als solche versteht.

Insofern schlage ich vor, die Beweislast umzukehren und bis zum Beweis des Gegenteils keine Authentizität zu unterstellen. Zuallererst ist es Unterhaltung, die das Web antreibt. Ob uns etwas gefällt, uns bei Laune hält und also unterhält - das jedenfalls können wir sofort erkennen. Ob es echt ist oder nicht, das hingegen wird im Web nicht mehr so leicht zu unterscheiden sein wie in den alten Medien.

Nils Jacobsen erzählt die (ganze?) Geschichte von lonelygirl15 nach.

Nachtrag: Lonelygirl 15 is Jessica Rose

Der Kachelmann ist schon ein Fuchs. Lässt er doch seit zwei Tagen seine Zuschauer für ihn arbeiten - das AAL-Prinzip lässt grüßen. Beim Kachelmannwetter nach den Tagesthemen (und vor Harald Schmidt) wird seit gestern ein zuschauergeneriertes Wetterbild gezeigt, das per Mail oder MMS eingereicht werden kann.

Pfiffig. Und erhöht die KundenZuschauerbindung. Nicht, dass hier ein neuartiges Phänomen zu beobachten wäre - man erinnere sich nur an das gute, alte Wunschkonzert im Radio: "Ilse aus Bad Saulgau grüßt ihren Schwager Heinz in Braunschweig und gratuliert herzlich zum 85. Geburtstag mit dem Lied Ich hab Ehrfurcht vor schneeweißen Haaren..."

Der Mediennutzer generiert Medieninhalte, seit es Medien gibt. Mindestens seit Gensfleischens Zeiten.

Kleiner Nachtrag: Auch der Haltungsturner hat heute ein Beispiel für User Generated Content.

Spiegel Online
Wenn Deutschlands wichtigste Nachrichten-Site ihr Erscheinungsbild erneuert, nach Spiegel-eigener Zählung zum sechsten Mal seit 1994, dann ist das schon eine kleine Notiz wert. Und entsprechend rauscht es im Bloggerwald. Doch auch dieses Rauschen bereitet Spiegel Online gleich selbst für seine Leser auf.

Bemerkenswert ist die Rezension bei netzausfall, die zunächst höchstes Lob zollt ("Gereifte Schönheit"), aber dann die Fehler im Detail bemängelt:

Links wird die Hauptnews angeteasert, mit mehr Text als bisher, ich bezweifele, dass das jemand lesen wird. Rechts folgen die weiteren Meldungen in einfacher Linkform, sie standen bisher unter dem Hauptteaser. Dieser Aufbau hat zur Folge, dass das Auge nun Schlangenlinien fährt. Links zum Teaser, dort ein Stück runter, um den Namen des Autors zu lesen, dann das Stück wieder hoch und nach rechts, um die Links zu scannen, dann wieder runter in die nächste Content-Box, um dort (wieder links) die Überschrift des Hauptteasers zu lesen. Und so weiter.
Aber das ist noch nicht alles:
Auf den ersten Blick präsentiert Spiegel Online weniger Links pro Content-Box: einen Hauptteaser plus drei Links. Erst wenn man auf den winzigen Link “Blättern” klickt, erscheinen zwei weitere Links. Das ist wie Schlangenlinienfahren mit zusätzlichem Touchieren der Leitplanke. Entweder werde ich mich in Zukunft mit weniger Links zufrieden geben und somit den einen oder anderen Artikel verpassen, oder ich werde mehr Zeit brauchen. Beides sollte nicht im Interesse von Spiegel Online sein.
Christiane Link schaut auf dem Behindertenparkplatz nach der Barrierefreiheit - mit eher gemischtem Ergebnis. Mit Webstandards, bemängelt medienrauschen, hat man es an der Brandstwiete nicht so.
HTML 4.0, Tabellen und massenweise Fehler im Quelltext interessieren zwar nur Nerds, sind aber irgendwie auch so 1999.

* Wer gehofft hätte, mit dem neuen Gesicht und Anspruch wird Spiegel endlich auch seine angebotenen RSS-Feeds etwas aufbohren: Pech gehabt! Spiegel versäumt es leider Verständnis für RSS-Nutzer aufzubringen und so bleiben die RSS-Feeds wie seither: Für wahre RSS-Nutzer leider unbrauchbar.

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Es wird immer schwerer, das Leben. Muss am vorgerückten Alter liegen. Oder ist es nur ein postfrakturelles Trauma? Wie auch immer: Auch Medienschaffende müssen immer mehr kämpfen. Jüngste Beispiele:

  • Thomas N. Burg, gerade frisch zusammen mit dem Fischmarkt auf einer Liste, bekommt einen Satz Fragen per Mail, beantwortet sie schön brav - und stellt die Antworten prompt ins Netz. Exklusivität war gestern. (Es geht übrigens um Medien und Web 2.0, aber das nur nebenbei. Diese ungefilterte Vorabveröffentlichung ist dann gleich ein Schnellkurs für den fragenden Journalisten.)
  • Harald Schmidt, bekennender Internet-Anfänger ("Ich google meinen Namen einmal pro Stunde"), wird von Tita von Hardenberg in seiner Show mit einer Handkamera gefilmt (oder so ähnlich). Die Polylux-Frontfrau bewirbt damit ihr heute startendes polyblog polylog, wo das Video dann auftauchen soll.
  • Handelsblatt-Journalist Thomas Knüwer, selbst Blogger, sieht sich plötzlich der gezückten Kamera von Lukasz Gadowski gegenüber. Der Spreadshirt-Frontmann führt damit ein Interview für sein Blog Gründerszene.

Und das ist sicher noch nicht alles.

Thesen für Netzstimmen-Interview

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Oliver Gassner hat mal wieder ein neues Blog: Netzstimmen. Die ersten Stimmen gehören Lyssa und Ibrahim Evsan von Sevenload. Oliver hat mich ebenfalls zu einem Interview eingeladen, und ich habe ihm versprochen, vorab ein paar steile Thesen zu proklamieren, über die sich dann hoffentlich trefflich streiten läßt. Weiterlesen auf dem Themenblog ...

Es ist an der Zeit...

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.... eine Lanze für turi2 zu brechen. Denn Peter Turi und sein Branchendienst sind besser als gedacht. Weiterlesen auf Themenblog.

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Aus der heutigen Spiegel-Titelgeschichte (Auszüge & Einschätzung bei Peter Turi)

Warum gibt es eigentlich in Deutschland keine Zeitschrift wie Wired?
Diese völlig berechtigte Frage stellt Nico Lumma anlässlich der Wiedervereinigung von Wired mit dem langjährig bei Lycos geparkten Ableger Wired News. In den Kommentaren werden schon die üblichen Verdächtigen wie der Stern-Ableger Konr@d und die Zeitschrift Pl@net genannt.

Was fehlt? Mitte der 90er Jahre betrieb Klaus Madzia (ja, genau der spätere Chef von Net-Business, der einen Redakteur zu der Wendung "Bring mir den Kopf von Klausmausi Madzia" veranlasste) beim Spiegel das Projekt einer deutschen Lizenzausgabe von Wired. Daraus wurde aus vielerlei Gründen nichts. Einer davon war die völlig richtige Erkenntnis, dass der deutschsprachige Markt für eine solche Publikation einfach zu klein ist.

Eingedeutschte Kopien amerikanischer Magazine wie Business 2.0 (ja, davon gab es bis April 2001 eine deutsche Ausgabe!) haben das später eindrucksvoll bewiesen. Fast Company ging im Jahr 2000 für 375 Millionen Dollar an Gruner + Jahr, die ebenfalls eine deutsche Ausgabe planten, die niemals erschien, und sich fünf Jahre später für einen Bruchteil der Summe wieder davon trennten.

Nur Brand Eins zieht unbeirrt seine Kreise. Aber auch dieses Blatt musste sich zweimal häuten, um zu überleben. Kennt jemand noch den Namen Econy? (Bitte nicht die Domain econy.de aufrufen, das treibt Tränen in die Augen.)

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Was macht der gemeine Internetnutzer, wenn er das Aus im Halbfinale verarbeiten will? Er liest das Selbsterlebte bei Spiegel Online nach. Ein kollektiver Sturmlauf zwingt jeden Server in die Knie - so geschehen beispielsweise am 11. September 2001, als in der größten Nachrichtennot lange Phasen nichts mehr ging.

Spiegel hat aus dem 11.9. gelernt und hält seitdem eine "High-Traffic-Version" seiner Homepage vor. Ohne Werbung, reduzierte Navigation, nur wenige Artikel. Weniger Kilobyte erzeugen mehr Durchsatz und damit bessere Verfügbarkeit. Anscheinend sind die Zugriffszahlen auf die Spiegel-Server ähnlich hoch wie zu (tatsächlichen) Krisenzeiten, so daß aktuell ein seltenes Naturschauspiel zu sehen ist. Spiegel Online werbefrei.

Allenthalben wird nun aus Anlass der Personalie Katharina Lyssa Borchert kolportiert, der WAZ-Konzern habe

das Internet bislang weitgehend verschlafen (Mario Sixtus bei Holtzbrinck),
und
drehe nun ein großes Rad für einen Verlag, dessen Online-Aktivitäten bisher im homöopathischen Bereich ablaufen (Thomas Knüwer ebenfalls bei Holtzbrinck).
Nun ja: Haben die Kollegen schon Cityweb vergessen? Da hat auch die WAZ-Gruppe schon die eine oder andere Million versenkt. Seit zehn Jahren.

DMMK, die zweite

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Und schon geht's weiter. Diese Sitzung handelt vom digitalen Heim. Kein neues Thema, wie der Moderator bemerkt. Zuerst spricht Reiner Kreplin, Intel-Veteran. Seine Rede droht ebenfalls eine Sales-Präsentation zu werden. Die Folien sind in englischer Sprache.

Eine neue Ära der digitalen Unterhaltung? Es gibt da eine neue Technologie namens Viiv. Deren Ziel ist es, die getrennten Welten von Unterhaltungselektronik und PC zu vereinigen. Der ganze Krempel mit verschiedenen Fernbedienungen und zahllosen Kabeln zwischen diversen schwarzen Kisten voller Unterhaltungselektronik soll durch bessere, leichter zu bedienende Technik abgelöst werden.

Die Box, die er jetzt zeigt, nennt er Silent Lifestyle System - geräuschlos, da ohne Lüfter, obwohl PC-Technik drin ist. Ein anderer Ansatz: Flachbildschirm mit eingebauter Technik dahinter. Nur drei Anschlusskabel: Ethernet, Strom und noch eins.

14:18
HD und HD-TV scheinen wichtig zu sein. Zehn Millionen HD-Fernseher und Displays sollen in den letzten zwölf Monaten in Europa verkauft worden sein. Mir wird's hier zu technisch.

Intel will ein Ökosystem aus neuen Diensten und Plattformen. Klingt alles ganz nett, aber wann ist es im Handel?

Jetzt spricht Marc Schröder von der Telekom.

14:26
Triple Play heißt das Spiel: Telefon, Internet, Fernsehen. Aus einem breitbandigen Kabel, das auch das alte zweipolige Kupferkabel hinter der Telefondose sein kann.

Alle (fast alle) investieren in Triple Play. Umsatz bis 2010: eine Milliarde Euro. Markttreiber: qualitativ hochwertige Unterhaltung.

Nach wie vor schauen die Leute fern. Das Nutzungsverhalten hat sich nicht geändert.

IP rulez. Alle Medien sprechen das Internet-Protokoll. Medien und Geschäftsmodelle konvergieren. Die Telekom sieht sich als Aggregator von Content. Sie bündelt Angebote, macht Pricing und Inkasso, klebt eine magentafarbene Marke drauf.

Nun der Konsument, der Programmgestalter wird. Der aktive Nutzer.

Sein Geschäftsmodell: Konvergenz made by T-Home. Erfolgsfaktoren: Infrastruktur, Qualität und Services, starke Inhalte, Partner und Marke.

14:32
Jetzt kommt das neue V-DSL-Netz ins Spiel. Das Thema hatten wir hier bereits.

Die IPTV-Plattform der Telekom soll offen und diskriminierungsfrei sein. Im Basispaket sind 100 TV-Sender und 1.000 Stunden Material auf Abruf enthalten. Bezahlfernsehen kann zusätzlich gebucht werden - zum Beispiel die Premiere-Bundesliga.

Content wird auf dieser Plattform besser geschützt, sagt Schröder.

Auch dieser Vortrag gleicht eher einer Telekom-Vertriebspräsentation.

14:39
Sören Stamer von CoreMedia spricht. Er hat seine Folien kurzfristig geändert, weil alles schon gesagt worden sei. Nun ist jedoch die alte Präsentation auf dem Rechner, und der Techniker muss erst den USB-Stick anschließen...

Internet = vernetzte Computer? Falsch. Es sind vernetzte Menschen. (Das hat der Google-Referent heute auch schon gesagt.)

Empfänger sind Sender und umgekehrt. Content wird in Mengen produziert. Unmengen an Speicherplatz. Bald gibt es Festplatten, wo schon alle jemals produzierten Filme drauf sind. Hmm. Bandbreite bis zum Abwinken.

Aufmerksamkeit wird knapp. Der Kampf um Aufmerksamkeit wird härter.

14:44

Google: Information at your fingertips. Die Vision von Microsoft, implementiert von Google. Soziale Netzwerke entfalten Sprengkraft. Die Geschichte vom Laptop Guy. Virale Effekte sind die stärkste Waffe. Sören Stamer erklärt openBC: Die Neugier, wer auf mein Profil geklickt hat, treibt die Nutzer dazu, zahlende Kunden zu werden.

Kommunikation treibt alles. Stamer zitiert Luhmann: Soziale Systeme sind Kommunikation.

14:52
Die digitale Präsenz wird Teil der Persönlichkeit. Selbstdarstellung, weil es die anderen auch tun. Für Image geben Menschen viel Geld aus. Image - wen kenne ich, wie wirke ich und welche Musik höre ich?

Die Zahlungsbereitschaft ist prinzipiell hoch. Internet muss nicht kostenlos sein. Wir alle zahlen für SMS.

Das wertvollste Gut sind die Nutzerprofile. Wer mag was? Welche Mails schreibt er? Die Refinanzierung über Werbung nach dem Google-Vorbild wird zahlreiche Firmen kaputtmachen.

Datenschutz war gestern. Die Menschen geben ihre Daten freiwillig raus. Personalisierte Werbung skaliert. Bei Google. Angst vor Kontrollverlust droht. Der Junggesellenabschied seines Bruders wird, da in Bild und Ton digital dokumentiert, ihn sein Leben lang verfolgen. Im Internet.

Suchen Sie Bilder bei Google mit "my ex-girlfriend".

Stowe Boyd
: Soziale Netzwerke schaffen Märkte.

15:11
Zwischenzeitlich ging das WLAN nicht mehr, und der Akku war auch leer... Den letzten Vortrag - es ging um sprach Joel Berger von MTV - habe ich deshalb verpasst. Nun folgt die Diskussion.

15:26
Kurzes Zwischenfazit: Den besten Vortrag bislang hielt für meine Begriffe Sören Stamer. Kaum Sales, dafür der große Überblick.

Die Telekom hingegen macht das, was sie auch vor zehn Jahren schon gemacht hat: Sie kündigt tolle, neue Plattformen an und sieht sich als irgendetwas, was sie nun mal nicht ist. Oder jedenfalls noch nicht.

Kaffeepause.

Tags bedrohen Verlage mehr als Blogs

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Das hat die Damen und Herren anwesende Journalisten und Verlagsleiter beeindruckt. Daß zwei Mädchen mit ihrem vollkommen harmlosen Video 6 Mio. Abrufe und 6 tsd. Kommentare bekommen. "Und, liebe Kollegen, wann hatten Sie das letzte Mal 6 Mio. Leser?" Es waren nur ein paar Anwesende, die über den Witz von Ewald Wessling lachten.

Was ich gestern bei der Presseclub Hamburg / G+J-Veranstaltung gelernt habe: Ausgerechnet das Tagging bedroht das zentrale Selbstverständnis der Medien, der "Navigator in der Informationsflut" zu sein. Aber warum auch sollten nicht Millionen Menschen besser in der Lage sein zu wissen, was wichtig ist und was nicht, als eine Handvoll Journalisten.

Stattdessen starren die Medien ausgerechnet auf Blogs. Selbst inhaltlich ist das nur teilweise berechtigt - schließlich schreiben 99 von 100 Bloggern vollkommen kostenlos und ohne jegliche Einnahmen. Damit ist eine vergütete Qualität kaum auf Dauer zu haben. Aber was machen die 1 Prozent Erfolgreichen? Sie gründen Zeitungen. Irgendwie kommt dann doch wieder alles am Kiosk zusammen.

Statt auf Blogs, also auf Inhalte, zu achten, geht es laut Dr. Wessling eher darum zu verstehen, wie die Menschen heute ihre Informationen organisieren. Für Verlage geht es also vielmehr um Wikipedia und Del.icio.us als um BoingBoing oder Myspace. Sagt Gruner+Jahr.

Mehr dazu auch in der FAZ: Amerikas Zeitungen suchen zündende Geschäftsidee.

Nicht zu verpassen: Markus Breuer verfasst nach einem Jahr Pause wieder seine Notizen aus der Provinz des nördlichen Süd-Ostwestfalen. Zum Beispiel mit der Frage, was der Sinn von Web 2.0 ist.

Philipp Schindler, Nordeuropa-Chef der Internet-Suchmaschine Google, legt via FAZ den deutschen Medienunternehmen "eine Art Kriegserklärung auf den Eichenschreibtisch" (Peter Turi).

Und Mark Pohlmann mag Unternehmen, die sich selbst kritisieren.

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So viele Kunden erwartet arena bis zum Start der Bundesliga-Saison am 11. August. (Sie sind nicht, wie Kollege Themenblogger schreibt, schon jetzt gewonnen.)

Bis dahin sind noch einige Klippen zu umschiffen. Einige davon schildert ein Portrait von Senderchef Christoph Bellmer in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Jedenfalls weht bei arena wieder einmal der kräftige Wind des Aufbruchs. Und kommt als veritabler Sturm in der Halle der Studios an, die an der Web-Front arbeiten.

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Schon im Februar hat Paul Beelen ein Whitepaper namens Advertising 2.0 veröffentlicht, das trotz einiger Schwächen im Detail eine lesenswerte Einführung ins Thema aus Werbe-, Marketing- und Mediensicht bietet. (Nico Zorn wies gestern darauf hin.)

Eine Passage aus dem Papier:

Advertising has long been based partially on something called information-asymmetry. The company knows more than the consumer, and uses this information to seduce a target group or to correct a common perception by manipulating a market. Simplified, if a company knows its products are being seen as technically inferior by many consumers, it might want to address that problem in an advertising campaign. The effect such a campaign would have on isolated consumers is far higher than the effect it will have on a hyper connected market, as each individual is now able to tap from the knowledge of a huge base of consumers, who probably came to the conclusion the products were technically inferior even before the company knew it. In other words, information asymmetries have been ‘mortally wounded’ by today’s connecting technologies.
In fact, one might say that hyper connected individuals are less likely to be influenced by advertising. Also, hyper connectivity leaves no room for mistakes,nor does it allow advertising to lie or to omit the truth. Therefore, advertising will need to adapt and learn to communicate with consumers in a fair, transparent way. Consumers now have access to information they didn’t have access to before, and they will use it to judge advertising campaigns, and invalidate them whenever possible.

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Die lang erwartete Readers Edition der Netzeitung ist da. Erste Stimmen aus dem Netz:

Die Idee ist gut, warten wir ab, ob die Welt dafür schon bereit ist. (Johnny Haeusler, Spreeblick)
Es ist ein sehr, sehr spannendes Projekt, das extrem viele wache Augen benötigt. Funktioniert es, setzt es vielleicht sogar international einen Maßstab. (Thomas Knüwer, Indiskretion Ehrensache)
Zumindest die ersten bereits eingereichten Artikel lassen gutes hoffen… (BloggingTom)
Das Layout wirkt sachlich, aber nicht unschick. Und auch nicht so unaufgeräumt-durcheinander wie bei vielen Newsseiten. (Robert Basic, Basic Thinking]

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Der Hamburger Dialog, der eigentlich das norddeutsche Gegenstück zu Medienforum NRW und Münchner Medientagen sein will, erlebt ein PR-Debakel. "Lustloser Auftakt" schreibt die Welt in die Unterzeile des Kongressberichts von Martin Ax. Der Schweizer Verleger Michael Ringier sprach demnach vor gerade einmal 40 Zuhörern über Strategie und Schröder, "lau und lustlos" habe sich die Medienstadt Hamburg präsentiert.

Statt 1500 wie in den vergangenen Jahren hatten sich nur 1200 Teilnehmer angemeldet, und auch die gingen offenbar nur sporadisch ins CCH. In den Lounge-Bereichen herrschte zum Teil gähnende Leere, auch bei attraktiven Fachthemen blieben manche Säle halb leer. Eine Hamburger Agenturchefin faßte den Eindruck vieler Teilnehmer so zusammen: "Das Programm ist fachlich besser als vor einem Jahr. Aber die Atmosphäre ist deprimierend."
Die Suche nach den Ursachen fördert eine angebliche "Kongressmüdigkeit" zu Tage, induziert durch ein Überangebot an Tagungen und Kongressen. Puh, da haben wir ja noch mal Glück gehabt, dass diese Müdigkeit nicht schon drei Wochen früher ausgebrochen ist.
Andere Organisatoren warfen sich gegenseitig vor, daß der Hamburger Dialog zu nüchtern, zu emotionslos, zu wenig inszeniert sei.
Wer weiß?

Oberpeinlich allerdings Ole von Beust, der den Kongress eröffnen durfte:
Unverblümt gab von Beust zu erkennen, daß er sich nicht mehr ganz sicher sei, ob Hamburg wirklich noch die deutsche Medienhauptstadt sei. "Bei den elektronischen Medien sind wir es ja leider nicht mehr", sagte er vor 400 Zuhörern.
Ein Hammer! Bloß gut, dass Martin Ax aufgepasst hat:
Das stimmt so nicht, Herr Bürgermeister. Nur im TV-Bereich ist Hamburgs Rolle fraglich. In den Wirtschaftszweigen Internet, Hörfunk, Filmproduktion und Videospiele ist Hamburg ebenso führend in Deutschland wie bei den traditionellen Print-Medien.
Und im Kongressbereich wird Hamburg spätestens 2007 die Führungsrolle zurückerobern - mit "Next 10 Years 2007". Das sind wir Hamburg, unserer Perle einfach schuldig.

Was bisher geschah: Telekom und Premiere wollen das schnelle DSL (auch als V-DSL bekannt) mit Hilfe der Bundesliga befeuern. Und die Telekom möchte V-DSL als Monopolprodukt in den Markt einführen und fordert deshalb Regulierungsferien.

Nun fragt Captain Cord nicht zu Unrecht:

und wat is mit kabel?
könnten die kabelnetz anbieter nicht für die nötige konkurrenz sorgen?

Antwort von Radio Eriwan: Im Prinzip ja.

Nun ist es aber so, dass der deutsche Kabelmarkt im Vergleich mit anderen Ländern deutlich im Rückstand liegt. Das hat im Wesentlichen zwei Gründe:

  1. Das Netz wurde Anfang der 80er Jahre aus politischen Gründen und auf dem Wege des Kompromisses nicht als technische Einheit errichtet, sondern aufgetrennt. Das Verteilernetz bis zur sogenannten Netzebene 3 (NE 3) baute die staatliche Bundespost, auf der Netzebene 4 kam hingegen die private Wirtschaft zum Zuge und schloss die einzelnen Haushalte, aber auch ganze Wohnblöcke ans Netz an. Die Grundstücksgrenze schied den Hoheitsbereich der Post vom Wirken der ungezügelten Kräfte des Kapitalismus. (Hinzu kam, dass die Post auch auf NE 4 aktiv war - Wettbewerb halt.)
  2. Die Telekom hat dieses Erbe lange Zeit mehr schlecht als recht verwaltet. Sie sah im Kabelnetz zu Recht eine Konkurrenz für ihr Festnetz, für ISDN und später DSL. Zudem stand sie seit der Liberalisierung der Telekommunikation in der zweiten Hälfte der 90er Jahre unter enormem Druck, die Kabelnetze zu verkaufen, um eben diesen Wettbewerb möglich zu machen. Der Verkauf zog sich am Ende bis zum Jahr 2003 hin - und in all den Jahren tat die Telekom selbstverständlich nichts für die technische Weiterentwicklung der Kabelnetze.

Erst mit dem Verkauf der Telekom-Kabelnetze war der Weg frei für eine Wiedervereinigung der Netzebenen 3 und 4 - die Voraussetzung für den Ausbau der alten, analogen Verteilernetze ohne Rückkanal zu interaktiven, digitalen Breitbandnetzen.

Und hier kommt wieder Unity Media ins Spiel. Ihr gehören die NE-3-Netze in NRW und Hessen sowie mit Tele Columbus der größte NE-4-Betreiber in Deutschland. Und arena. Damit ist die kritische Masse aus Netzen, Kundenbeziehungen und Programm beisammen, um das Thema vorantreiben zu können.

In fast allen übrigen Regionen außer NRW und Hessen ist Kabel Deutschland unterwegs. Deren Hauptgesellschafter ist seit Anfang 2006 die britische Investmentgesellschaft Providence Equity Partners. Auch sie investiert (und verhandelt mit arena um die Verbreitung der Bundesliga in ihren Netzen).

Das Kabel holt zwar auf, ist aber beim schnellen Internetzugang hoffnungslos im Hintertreffen gegenüber DSL. Hier ist die Strategie der Telekom, beim Kabel auf Zeit zu spielen und gleichzeitig mit Hochdruck DSL aufzubauen, voll aufgegangen.

Und nun schickt sie sich an, das gleiche Spiel zu wiederholen. Bei V-DSL. 

Diese Geschichte ist in gewisser Weise die Fortsetzung der Telekom-Premiere-Story, in der ein gewisses V-DSL-Netz eine wichtige Rolle spielt. Dieses Netz - sozusagen DSL 2.0 - plant die Telekom zu errichten und mittels der Premiere-Bundesliga-Combo zu vermarkten.

Sie fordert dafür allerdings einen Verzicht auf Regulierung seitens der Bundesnetzagentur. Das hört sich harmlos an, würde aber bedeuten, dass V-DSL für die nächsten Jahre ein Monopolprodukt der Telekom bleibt. Die bis dato bekannte DSL-Angebotsvielfalt, die fraglos enorm zur wachsenden Verbreitung schneller Internetanschlüsse in Privathaushalten beigetragen hat, würde es für V-DSL vorerst nicht geben.

Ironischerweise erinnert dieser Plan an die zu Recht gescheiterten Versuche von Leo Kirch, das digitale Fernsehen vollständig unter seine Kontrolle zu bringen. Kirch war damals Eigentümer von Premiere und investierte Milliarden in Technik, Verschlüsselung, Decoder, Verbreitung und Programm.

Kirch wollte die Bedingungen bestimmen, unter denen digitales Fernsehen in Deutschland stattfinden würde. Und er hat sich verzockt. Denn das Milliardengrab Pay-TV war letztlich die Ursache für die spektakuläre Pleite seines ganzen Konzerns.

Das wird der Telekom nicht passieren, aber für die Entwicklung des DSL-Marktes könnte die Monopolpolitik des Ex-Monopolisten, abgesichert durch den Koalitionsvertrag der Regierungsparteien, ähnliche Folgen haben.

Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls eine in dieser Woche veröffentlichte Studie im Auftrag des VATM (mehr dazu im Handelsblatt). Sie prognostiziert für das Jahr 2010 nur 20,7 Millionen Breitbandanschlüsse in Deutschland, falls der geforderte Regulierungsverzicht tatsächlich beschlossen würde. Im Falle eines freien Zugangs für Wettbewerber hingegen erwarten die Gutachter 23 Millionen Anschlüsse. Zum Vergleich: Ende 2005 gab es in Deutschland 10,8 Millionen Breitbandanschlüsse.

Ob 20,7 oder 23 Millionen - was macht das schon? Könnte man meinen. Die zunehmende Verbreitung schneller Internetanschlüsse ist aber eine der Säulen, auf denen das Wachstum des Online-Handels und der Online-Werbung ruhen. Wenn diese Entwicklung gebremst wird, könnte das sehr viel größere Folgen haben als ein paar entgangene Monopolgewinne bei der Telekom.

Und der Deal mit Premiere verschärft die Lage, weil die Telekom damit ein zugkräftiges Vermarktungsinstrument für V-DSL bekommt. Nun gibt es zwar erstmals ernsthaften Wettbewerb bei Bezahlfernsehen (Premiere vs. arena) und TV-Kabel (DVB vs. IPTV, Koaxial vs. Telefondraht) - doch dafür drohen monopolähnliche Strukturen beim DSL. Die VATM-Studie prognostiziert für Telekom/T-Online einen Marktanteil von fast 60 Prozent im Jahr 2010, falls die Regulierung tatsächlich bis dahin in Ferien gehen sollte.

Es war ein angekündigter und erwarteter Paukenschlag, als die Telekom und Premiere am letzten Freitag ihre Partnerschaft in Sachen Bundesliga annoncierten. Aus der Not der an arena verlorenen Pay-TV-Rechte will Premiere-Chef Georg Kofler eine Tugend machen und die Internet-Rechte der Telekom zum Wohl seiner gebeutelten Aktionäre nutzen: Premiere-Programm plus Bundesliga via Internetfernsehen. Was bedeutet dieser Deal?

Alles steuert auf einen Wettbewerb zweier Infrastrukturen zu. Auf der einen Seite tritt der weltweit etablierte Standard DVB an, schon leicht in die Jahre gekommen und entwickelt unter den Auspizien des klassischen  Broadcast-Modells der Massenmedien. Digitales Fernsehen war bislang vor allem DVB, und DVB gibt es via Satellit, Kabel und auch Antenne (DVB-T). Auf der Gegenseite rüstet sich IPTV, was zunächst nichts anderes bedeutet als Fernsehübertragung per Internet Protocol (IP) - nicht unbedingt per Internet. Die Telekom hat hier ihr neues V-DSL-Netz auf dem Zettel.

Hinter arena steht mit Unity Media die Muttergesellschaft der Kabelnetzbetreiber iesy, ish und Tele Columbus. Deren strategisches Ziel ist es, mit Hilfe der Bundesliga das digitale Fernsehen - hier: DVB - im Kabel voranzubringen und damit ein neues Geschäftsmodell zu installieren, das sich in anderen Ländern seit Jahrzehnten bewährt hat, aber in Deutschland (aus politischen Gründen, die Anfang der 80er Jahre zu lokalisieren wären) bislang nicht zum Zuge kam.

Dieses besagte Modell sieht vor, dass
  1. Kabelnetzbetreiber unterschiedliche Programmpakete zu unterschiedlichen Preisen anbieten und
  2. TV-Sender einen Teil der Einnahmen erhalten (in Deutschland müssen sie an Kabelnetzbetreiber zahlen!).
Es bekommt also nicht jeder Zuschauer jedes Programm zum Einheitspreis, sondern es gibt Unterschiede. Dieser Ansatz zielt auf breite Zuschauerschichten, die mit verschiedenen Angeboten erreicht werden sollen. Die Bundesliga ist in diesem Szenario (nennen wir es das arena-Modell) ein Marketingwerkzeug für die Einführung eines neuen Geschäftsmodells im TV-Kabel.

Premiere hingegen hat von Anfang an einen Premium-Ansatz verfolgt, also eine kleinere Zielgruppe angesprochen und demzufolge sehr lange für den Aufbau seiner Kundenbasis gebraucht. Partner Telekom, früher selbst im Kabelgeschäft unterwegs, will die Bundesliga nebst Premiere als Marketingwerkzeug für den Vertrieb der nächsten DSL-Generation einsetzen. V-DSL soll neben Kabel, Satellit und Antenne der vierte Übertragungsweg für digitales Fernsehen werden.

Etwas kompliziert wird die Angelegenheit dadurch, dass IPTV keinesfalls an V-DSL gebunden ist. Denkbar wäre durchaus auch IPTV via Kabel oder Satellit (sofern das Thema Rückkanal gelöst werden kann und soweit das nötig ist). Und genau darum tobt der Streit zwischen DFL und arena auf der einen sowie Premiere und Telekom auf der anderen Seite: Erlauben die von der Telekom erworbenen "Internet-Rechte" an der Bundesliga auch die Verbreitung via Kabel oder Satellit?

Falls ja, dann wäre eine erheblich größere technische Reichweite für das Premiere-Bundesliga-Telekom-IPTV denkbar. Denn V-DSL wird zum Start im August nur etwa drei von 37 Millionen Fernsehhaushalten erreichen können. Und das bisherige DSL soll erst später für die Bundesliga erschlossen werden.

Was ist also letzte Woche geschehen? Nicht viel, meint Kai Pahl (allesaussersport.de):
Die Neuigkeit vom Freitag ist keine Neuigkeit, sondern zurrt nur das Minimum fest, was nach Gerüchtelage eh schon Stand der Dinge war. Unterschriften auf Papier. mehr ist nicht passiert.
Sehr viel, schreibt hingegen Alexander Endl im Zielpublikum Weblog:
Bisher galt es doch immer so: Interaktives Fernsehen scheiterte am Rückkanal, weswegen sich Kabelnetzbetreiber ja nun auch als Daten-Anbieter gerieren. Doch bei allem Bemühen: Es fehlte am Angebot, weil die Nachfrage fehlte, die fehlte, weil es kein Angebot gab. Staatlich subventionieren durfte man nicht und so blieb alles im Grunde wie es war.

Nun aber zwingt man die Telekom (die wohl eher freiwillig und mit Kalkül) und PREMIERE (unfreiwillig und mit Wasser bis zum Hals) zur Geburt des interaktiven Fernsehens, mit dem die Medienlandschaft lange schwanger trug.

Sollte es Telekom und PREMIERE gelingen, das Konzept tatsächlich umzusetzen und nur halbwegs an den Mann zu bringen, dann dürfte das die Fernseh- und Medienlandschaft auf den Kopf stellen. Man wird kaum gucken können, bis andere auch auf die Box wollen, ganz vorne die Shopping-, Lebensberater- und Erotik-Sender. Es wird davon abhängen, ob die Telekom zwanghaft eine Monopolstellung anstrebt und ob sie anderen Daten-Carriers ermöglicht (und zu welchen Konditionen) die neue Box mit zu bedienen. Denn ohne einen Standard, auf den andere aufspringen können und eine einheitliche Box wird das Unternehmen scheitern.

Nur wenn auch die öffentlich rechtlichen Sender und die Privatsender über kurz oder lang mit aufspringen und die Übertragung via DSL unterstützen, wird sich die Box auch in Haushalten verbreiten. Hier wird sich zeigen, ob die Interessen der Telekom (die gern an Verdrängung statt Kooperation interessiert zu sein scheint - verständlich aus deren Sicht im Übrigen) und die Interessen von PREMIERE im Widerstreit zu einem vernünftigen Ergebnis kommen.

Aber wenn man mich fragt: Aus der Not geboren haben wir gerade die Geburt des interaktiven Fernsehens erlebt.

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Eine Episode muss ich unbedingt noch loswerden. Es war am 11. Mai 2006, vormittags um halb zehn. Ein paar Stunden, bevor 500 Kongressbesucher in unsere Halle strömen sollten.

Ich brauchte einen Artikel aus der Welt vom gleichen Tag im Original. Und ich dachte an das famose Ganzseitenarchiv der Welt. Der Haken war nur: Die tagesaktuelle Ausgabe gibt es dort nicht, sondern nur bei newsstand.de, und zwar für den überschaubaren Preis von 1 EUR.

Kein Problem, dachte ich. Kollege Themenblogger warnte mich sofort: Das dauere mindestens eine Stunde und sei furchtbar umständlich. Aber ok - Probleme sind dazu da, gelöst zu werden. Dachte ich.

Eine Recherche auf dem Desktop brachte einen alten Newsstand-Account zutage, den besagter Kollege vor Jahren angesichts ähnlicher Bedarfslage angelegt hatte. Auch das Kennwort war aufzutreiben. Also alles bestens?

Weit gefehlt. Um den einen Euro loszuwerden, brauchte ich bei Newsstand einen Click&Buy-Zugang von FirstGate. Kein Problem, dachte ich. Hatte ich doch vor ein paar Monaten einen solchen eingerichtet, um damit einen renommierten Branchendienst zu abonnieren.

Die Zugangsdaten waren leicht zu finden. Also flugs angemeldet und zu bezahlen versucht. Doch der Klick&Kauf-Zugang vom ErstenTor war nicht ganz der richtige, sondern musste noch erweitert werden. Kein Problem. Fehlende Daten eingegeben und fertig.

Dachte ich. Doch die Kreditkartennummer war schon für ein anderes Konto in Verwendung. Kein Wunder, schließlich handelte es sich um eine Firmenkreditkarte. FirstGate hat für diesen Fall einen Anruf im Kölner Callcenter vorgesehen.

Den ich also tätigte. Der freundliche Telefonist schickte mir ein Formular per Mail, das auszudrucken, auszufüllen und zusammen mit Kopien meiner Ausweispapiere zurückzufaxen wäre. An dieser Stelle wollte ich schon abbrechen. Zuviel ist zuviel.

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Aber die Kollegin, die das andere Konto angelegt hatte, konnte sich sogar noch an das Kennwort erinnern. Und das funktionierte auch. Tatsächlich hielt ich einige Zeit später die digitale Welt-Ausgabe vom 11. Mai in Händen. (Davon, wie hundsmiserabel die Newsstand-Software ist, die zum Glück schon installiert war, warum auch immer, möchte ich jetzt lieber schweigen.)

Leider fehlt in der Newsstand-Ausgabe der Hamburger Lokalteil. Ein Euro und eine Stunde Zeit für nix.

Mir klungen die weisen Worte von Matthias Döpfner in den Ohren:

Die Zukunft der Zeitung ist digital. [...] Wir Verlagsmanager müssen uns deshalb noch bewußter werden, daß unser Geschäft nicht das Bedrucken von Papier ist, sondern Journalismus. Journalismus im Internet und Zeitungsjournalismus. Und beide folgen unterschiedlichen Gesetzen. [...] Wir müssen allerdings aufpassen, daß wir es auf dem Weg zu mehr Leserfreundlichkeit nicht übertreiben und aus Kundenorientierung Orientierungslosigkeit und Charismaverlust wird.

Weil es so schön ist, was Jürgen Ahting da ausgegraben hat, hier in voller Länge:

On the subject of broadcast vs broadband, Tom writes:
There's nothing rapid about this transition at all. It's been happening in the background for fifteen years. So let me rephrase it in ways that I understand. Shock revelation! A new set of technologies has started to displace older technologies and will continue to do so at a fairly slow rate over the next ten to thirty years!
...
My sense of these media organisations that use this argument of incredibly rapid technology change is that they're screaming that they're being pursued by a snail and yet they cannot get away! 'The snail! The snail!', they cry. 'How can we possibly escape!?'. The problem being that the snail's been moving closer for the last twenty years one way or another and they just weren't paying attention.
In comments, Will writes:
If one person is claiming that the world is moving fairly slowly, and has some sound advice on what this might look like (as you are doing here), and another person is claiming that the world is moving extraordinarily quickly, but offers some quickfire measures through which to cope with this, the sense of emergency will win purely because it is present. From here, it almost becomes *risky* not to then adopt the quickfire measures suggested by the second person. Panic becomes a safer strategy than calmness. Which explains management consultancy...
and John asks:
does web2.0 count as a snail too?
But Web 2.0 is not a snail.

Web 2.0 is the people pointing and shouting 'The snail! The snail!'

Web 2.0 is also the people who overhear the first group and join in, shouting 'The whale! The whale!' and pointing vaguely upwards and towards the nearest ocean.

Web 2.0 is also the people who hear the second group and panic about the approaching whale, or is it a land-whale? what is a land-whale anyway? whatever it is, there's one coming and we'd all better... well, we'd better tell someone about it, anyway - I mean, there's a land-whale coming, how often does something like that happen?

Web 2.0 is also the people who hear the third group and improvise a land-whale parade, with floats and dancers and drummers and at its centre a giant paper land-whale held aloft by fifteen people, because, I don't know, but everyone was talking about land-whales and it just seemed like a good idea, you know?

And Web 2.0 is the people who come along halfway through the parade and sell the roadside spectators standing-room tickets.
Man beachte auch den Kommentar von Dharmesh Shah:

Absolutely brilliant.

I'd thought I'd read all the possible variations of definitions on Web 2.0 that there could be.

This is by far, one of the most insightful. I have a master's thesis I'm working on that covers "Web 2.0 Business Models -- An Oxymoron". This might be a good fit.

murdoch.png
Scott Karp schreibt in Publishing 2.0 unablässig spannende Dinge über The Business of Publishing in the Digital Age (so die Unterzeile). So jüngst eine konzise Abhandlung über die Frage, wie profitabel Media 2.0 tatsächlich ist. Scott macht die Rechnung am Beispiel von MySpace auf, das mit 28 Mrd. Seitenabrufen im März 2006 (was 366 Mrd. auf Jahresbasis ergeben würde) nach Schätzungen auf gerade mal 200 Millionen Dollar Jahresumsatz kommt:

Do the math — that’s a CPM of $0.06 $0.55!
Nun versucht zwar MySpace auf allerlei mehr oder weniger innovative Art, zusätzlichen Werbeplatz zu verkaufen - doch wozu brauchen große Marken eigentlich Werbung auf MySpace, wenn sie genauso gut oder eher noch besser die MySpace-Community nützen können, ohne dort selbst präsent zu sein? Dann nämlich, wenn ihr Branded Entertainment (siehe Pirellifilm, auch wenn das sicher kein übermäßig brilliantes Beispiel ist) seinen Zweck erfüllt und auf MySpace von den Nutzern selbst verbreitet wird?

Es könnte also sein, meint Scott, dass die Effizienzgewinne des Marketing 2.0 zum größten Teil direkt an die Werbungtreibenden gehen - und nicht an die Medien:
I’m speculating that in a 2.0 future, total spending on marketing and advertising will shrink as marketing 2.0 proves to be far more cost efficient than marketing 1.0 — and big advertisers start pocketing that half of their advertising costs that were previously wasted.
Schlechte Nachrichten für Rupert Murdoch und Georg von Holtzbrinck?

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Da braucht es doch glatt den gedruckten kress und einen aufmerksamen Kollegen, um mich (und vermutlich auch Heiko Hebig) auf germanblogs aufmerksam zu machen. Robert hatte die Plattform schon im März entdeckt und ein erstes Urteil abgegeben, das sich aufs Schönste mit meinem ersten Eindruck von heute trifft:

Ist mir insgesamt zu künstlich, kaum Faces, wenig bis gar keine Bloglinks (keine via-Links, was bei mir ziemlich sauer aufstößt), die Stories sind mE auch zu sehr auf bloggisch gemacht, schauts nach einem Versuch aus, Mainstream-Themen in Blogmagazin Form einzukapseln, mit dem Ziel, sich über Werbung finanzieren zu wollen. Die Ladezeiten sind urig langsam.
Die News vom Freitag ist: Hinter Germanblogs verbirgt sich Holtzbrinck. Und auch das hätte man schon am 14. April bei Oliver Gassner lesen können, der dort - für Geld - u.a. den blogwatch betreut. Die Bezahlung ist "regionalpresseüblich"  (Oliver) oder auch "ganz kleines Geld" (kress), aber das wird niemanden überraschen, der schon einmal gegen Zeilenhonorar Texte bei Verlagen abgeliefert hat.

Die Technik kommt von 21Publish (Stefan Wiskemann), und Boogie Medien ist ebenfalls dabei.

Relevantes aus den Feiertagen:

Peter Turi eröffnet sein (schon nebenan gewürdigtes) Branchendienstblog turi2 mit einem Abgesang auf die Printbranche. Etwas Ähnliches hatten wir erst neulich bei Martin Röll. Dort ging es um die klassische Werbung, mithin den wirtschaftlichen Antrieb der klassischen Medien, hier um die melancholischen Aussichten für das Verlagsgeschäft.

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Zum Glück für ihn und die allgemeine Debattierlust formuliert Turi seine Thesen hinreichend interpretationsoffen. Am Beispiel der ersten These:

Das etablierte Printgeschäft wird den Zeitschriften- und Zeitungs-Verlagen in den nächsten zehn Jahren um die Ohren fliegen.
Was heißt das genau? Es wird schrumpfen? Es wird explodieren? Soviel steht fest: Es wird sich verändern. Und zwar dramatisch. Ungefähr so, wie sich das Buchgeschäft durch die Erfindung der Tageszeitung verändert hat, die Tageszeitung durch das Radio und das Radio durch das Fernsehen. Wird es verschwinden? Nein. Das wäre ein absolutes Novum.

Aber weiter im Text:
Wer jetzt nicht den Einstiegs in die digitalen Media-Communities schafft, verspielt seine Zukunft.
Was heißt das jetzt wieder? Was sind digitale Media-Communities? Und was haben Verlage damit zu schaffen? Muss ich mir das ungefähr so vorstellen wie die Dominanz der Verlagshäuser über das private Radio in Deutschland - das vor allem deshalb so schlecht ist, weil es die Verlage als cash cow bar jeglichen publizistischen Anspruchs missbrauchen und so ihre gedruckten Pfründe verteidigen?

Oder These 3:
Die nachwachsende Generation, die erste, die mit dem Internet aufwächst, hat sich längst von Zeitungen und Zeitschriften verabschiedet.
Die ma 2005 Radio II kommt zu einem anderen Ergebnis: Demnach sagen 52 Prozent der 14- bis 19-Jährigen, sie läsen mehrmals in der Woche Zeitung, und 29 Prozent bekennen sich zur Zeitschriftenlektüre. Das ist zwar signifikant weniger als in den älteren Zielgruppen - aber vom Abschied zu reden, ist doch etwas verfrüht.

Die Tageszeitungen verlieren schon seit 1980 kontinuierlich an Tagesreichweite (laut ARD/ZDF-Langzeitstudie Massenkommunikation), aber das dürfte ebenso auf das Konto der gestiegenen Reichweite von TV und Hörfunk gehen wie auf das seit 2000 an Relevanz zunehmende Internet.

Das muss man sich auch mal auf der Zunge zergehen lassen, bevor Untergangsszenarien für das gute, alte Fernsehen an die Wand gepinselt werden: Von 2000 bis 2005 ist die Tagesreichweite des Fernsehens von 73 auf 74 Prozent gestiegen, die Sehdauer von 190 auf 211 Minuten und die Verweildauer von 259 auf 283 Minuten (laut AGF/GfK Fernsehforschung). Sehdauer und Verweildauer sind auch bei den 14- bis 29-Jährigen gestiegen, nur die Tagesreichweite sank um einen Prozentpunkt.

Also bitte nicht von den Nutzungsgewohnheiten einiger, weniger Geeks auf die Gesamtbevölkerung schließen - das kann nur schiefgehen.

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Auf einer Pressekonferenz hat arena heute einige Details zum Bundesliga-TV ab Sommer annonciert.

Malte Blumenthal live aus Vegas vom zweiten Tag der mix06:

Früh am Morgen zeigt uns Joe Belfiore den neuen Mix. Mit der totalen Vernetzung und seinem Präsentationstalent zieht Belfiore uns alle in seinen Bann.

Nachdem in den letzten Monaten bekannt wurde, dass die Xbox 360 und Windows (MCE) sich gut verstehen werden, wird aus dem Mediaplayer das Microsoft-Media-Herz. Der Mediaplayer spielt auf dem PC oder im Mediacenter sämtliche Medien ab, vernetzt sich mit der Xbox und synchronisiert sich natürlich auch mit mobilen Endgeräten, sehr gerne z.B. mit Windows Mobile 5.

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Um all diesen Mediendaten Herr zu werden, wird es State-of-the-Art-Sortier- und Suchfunktionen geben. DVD-Wechsler werden nun auch unterstützt. Sehr gut hat mir die neue Musiksortierung nach 70's, 80's, 90's gefallen. Ich persönlich begrüße es, dass Microsoft nun endlich auch die eifrigen Broadband-Sammler & -Jäger unterstützt, die doch heute nicht mehr wissen, was sie gestern runtergeladen haben. Inwieweit da das neue DRM-System einen Strich durch die Rechnung macht, werden wir sehen.

Eins ist aber klar: 2006 - das Jahr, in dem das Mediacenter kam. Das Mediacenter wird aus seinem Dornröschenschlaf erwachen, integriert in zwei von fünf Vista-Versionen, kombiniert mit der neuen Xbox. Wir können in den Wohnzimmern schonmal Platz machen und darüber nachdenken, wie hier die zukünftigen Webanwendungen aussehen werden...

Was bisher geschah:

Die WiWo erscheint ab heute montags. Eine Botschaft, die mit massivem Werbedruck in den letzten Wochen über alle Kanäle verbreitet wurde. Und damit sie auch im Web nicht überhört wird, bringen die Baronessen und Barone heute zum Start ein netzaffines Schmankerl: den Masterplan von Google. Hier ist er.

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Gleichzeitig fällt mir auf, dass der Zugriff auf das PDF, für Abonnenten bislang im Preis inbegriffen, jetzt extra kostet: 36 Euro für 52 Wochen. Für berufliche Nutzung ist das zwar nicht übermäßig viel Geld. Trotzdem zögere ich, unsere Kostenstelle mit zusätzlichen Fixkosten zu belasten, deren dauerhafter Nutzen nicht gerade zwingend ist. Denn wozu gibt es GBI und Genios?

Atemprobleme

Faz_internetnutzungMontag ist Internettag. Die FAZ, Ressort "Netzwirtschaft", berichtet,  daß das Internet der große Gewinner unter den Medien ist. Die Deutschen sind heute mehr als sechsmal so lange online wie 1999.

Der Bundesverband Deutscher Versandhandel veröffentlicht, daß in Online-Shps Waren im Wert von 6,1 Milliarden Euro verkauft werden, gut 24 Prozent mehr als noch im Jahr zuvor. Zusammen mit geschätzt 2,5 Milliarden Euro Umsatz von Händlern auf der Auktionsplattform eBay wird der elektronisch erzielte Versandhandelsumsatz mit Waren aller Art im Jahr 2005 rund 8,6 Milliarden Euro erreichen. Bis zum Jahr 2010 rechnet der Verband damit, dass rund 50 Prozent des gesamten Versandhandelsvolumens online erzielt sein wird.

Und Spiegel Online beschäftigt sich mit der Frage, wie wir in Zukunft über das Internet fernsehen. Fazit: Die Sender sind dabei, alles mit DRM vollzupflastern und alle Vorteile zunichte zu machen.

InternetworldbusinessAuf den ersten Blick klingt vielversprechend, was die Neue Mediengesellschaft Ulm zum Relaunch der Internet World (Zeitschrift, nicht Messe) ankündigt:

Seit dem Platzen der Internet-Blase im Jahr 2001 ist das Web fast unbemerkt zum bedeutsamen Rückgrat der deutschen Wirtschaft geworden, an das nahezu alle Unternehmen angeschlossen sind. Als Schnittstelle zum Kunden ist das Internet in der deutschen Wirtschaft zum Normalfall geworden, quasi jedes deutsche Unternehmen betreibt in irgendeiner Form eCommerce oft mit Fokus auf Marketing und Vertrieb. Dabei müssen im Internet Interessenten gesucht und gefunden werden, diese sind in Kunden zu wandeln, die Waren und Rechnungen bekommen und möglichst zu Dauerkunden gemacht werden sollen.

Bei der Optimierung dieses Kanals gilt es neue Trends zu kennen, das eingesetzte eCommerce-Modell zu optimieren, neue Dienstleister und ihre Angebote zu kennen, von Erfolgen und Misserfolgen anderer zu lernen, die Basistechnologien zu verstehen und eigene Erfolge bewertbar zu machen.

All dies will das Blatt, künftig unter dem Titel "Internet World Business" und im 14-täglichen Rhythmus, seinen Lesern bieten - dann nur noch Abonnenten, der freie Verkauf wird eingestellt. Ob das funktionieren kann, wird beim Medienrauschen eifrig diskutiert.

Eines scheint klar zu sein: Für den Webentwickler ist das Blatt künftig nichts mehr. Für den Fischmarkt hingegen wird es Pflichtblatt, falls die Pläne auch nur halbwegs eingelöst werden.

Matthias Döpfner sagte, die wahren Wettbewerber der Zukunft seien "die Googles und die Yahoos". "Wir werden auch diesen Wettbewerbern Paroli bieten können. Das ist vielleicht die wichtigste Begründung dieser Transaktion", sagte der Vorstandschef. Alleine wäre das für beide Unternehmen schwieriger.

Na, da sollte man bei Axel Springer nochmal genau nachsehen, was die hier als Konkurrenz ausgewiesenen Unternehmen überhaupt so machen. Auf die Idee, einen Fernsehsender zu kaufen, um seine Marktstellung zu verbessern, ist man bei Google jedenfalls noch nicht gekommen.

Nachtrag 9.8.2005

Die FTD vermutet, daß Döpfner mit der Internet-Bemerkung einfach nur eine Begründung für das Bundeskartellamt vorformuliert hat, nach dem Motto: Die Fusion hat keine Auswirkungen auf den Medienmarkt, weil der wahre Kampf ja zwischen Internet (2 Prozent Werbeumsatz) und anderen Medien (98 Prozent Werbeumsatz) stattfindet.

Verwirrter Souverän

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Die Neue Zürcher Zeitung eignet sich gut dazu, gelegentlich auch kluge Köpfe zurechtzurücken. Heute fasst das Blatt wie gewohnt abgewogen die Diskussion um den souveränen Medienkonsumenten und seine durch digitale Technik gewonnene Macht zusammen und ordnet manche Aufregung in den richtigen Kontext ein. (Da NZZ-Artikel nur einen Tag lang frei zugänglich sind, habe ich eine Kopie bei spurl.net abgelegt.)

Ordnung schaffen

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Als "das SZ-Phänomen" würdigt guillemets.de den Erfolg der Buch-, CD- und DVD-Reihen aus dem Hause der Süddeutschen Zeitung.

Die Unübersichtlichkeit des Buchmarktes (speziell auch des Lexikon-Marktes) und das Fehlen von aussage- und medienkräftigen Markennamen haben bei vielen Buchkunden zu einer Art Frust geführt, weil sie von der Vielzahl der Bücher und deren Verlage so überfordert sind. Selbst die Buchhändler können die einfachsten Fragen wie »Ich wollte noch dieses süsse kleine gelbe Büchlein haben, den Sie letzte Woche zum Sonderpreis verkauft haben? Haben Sie es noch?« nicht beantworten.

Diesem Frust wirkt auch die SZ-Mediathek entgegen, in der nicht nur die hauseigene Biblio-, Cinema- und Diskothek zu haben ist, sondern das gesamte lieferbare Mediensortiment. Und zwar strukturiert durch die Brille der SZ-Redaktion: Dort rezensierte Bücher erscheinen als relevante Suchtreffer ganz oben, die Rezensionen sind im Volltext nachlesbar (und als RSS-Feed erhältlich).

Dkv_1Heute auf SPON. Großes Kino.  Was der taz ihr säzzer (war) ist heute dem SPIEGEL ihre Media -Disposition...

Zeitungsverlage starten Medienshops

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Die großen Zeitungsverlage suchen mit allerlei Nebengeschäften ihren Weg aus der Krise. Trendsetter war die Süddeutsche Zeitung (SZ), die im vergangenen Jahr ihre unglaublich erfolgreiche "SZ-Bibliothek" startete. In dieser Woche berichtet der Spiegel, was in der vergangenen Woche bereits in der w&v stand: Am 5. März beginnt die SZ nun auch mit dem Verkauf von DVDs.

DVDs vertickt schon seit vergangener Woche die Zeit, wenn auch in Kooperation mit Amazon. Und der Stern bewirbt bereits seit Monaten eine eigene DVD-Edition. Heute nun schlägt die FAZ zurück und startet einen Buchshop, der ein enger Verwandter von Libri.de ist. Das Konzept: Im FAZ-Feuilleton besprochene Bücher können gleich im eigenen Shop bestellt werden. Die Umsetzung: Naja. Der Shop selbst ziemlich lieblos adaptiert, völlig anderes Look & Feel als faz.net, der Link von der Rezension zum Shop reichlich zurückhaltend in der rechten Spalte versteckt.

Faz_1Das geht auch besser.

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