Als wir dieses Chart zum ersten Mal sahen, konnten wir es kaum glauben. Woher kommen diese seltsamen Höchststände beim Suchbegriff "next", die sich seit drei Jahren in jedem Frühjahr wiederholen - und jedes Mal das Suchvolumen einer coolen und bekannten Marke wie Apple übertreffen?
Kann es wirklich sein, dass die next conference 2006, 2007 und 2008 für solche Ausschläge sorgt? Wow! Und wie wird das erst 2009 aussehen?
Seit drei Wochen jagt bei Nico Lumma eine Sitzung die nächste. Der ehemalige Business Developer von Media Ventures hat bei Scholz & Friends angeheuert und entwickelt dort das Thema Social Media. Als Berater der Agentur war er schon seit einigen Monaten aktiv. Nun schaut er sich hauptberuflich das Agenturleben von innen an. Zunächst am Hamburger Neumarkt, bis er an die Kehrwiederspitze umzieht und den erstklassigen HafenParkplatzblick genießen kann.
Aus der Pressemitteilung:
Als Director Social Media wird Lumma agenturübergreifend Neu- und Bestandskunden darin beraten, ihre Kommunikationsbotschaften in und über soziale Netzwerke zu verbreiten. Darüber hinaus wird Lumma Social-Commerce-Konzepte und Strategien zur Monetarisierung digitalen Contents entwickeln.
„Das veränderte Verhalten von Konsumenten erfordert von Agenturen ein Umdenken in Kreation und Strategie. Es geht darum, aktiver Teil eines Gesprächs zu werden, Konversationen anzuschieben und diese in sozialen Netzen weiter voranzutreiben. Scholz & Friends hat das Potenzial, die Grenzen der Kreativität in sozialen Medien weiter auszureizen", so Nico Lumma.
Etwas unkomplizierter erklärt Nico in einem Interview mit sich selbst, wie es zu dem Gig bei S&F kam:
Ende 2007 war ich eingeladen zu einer Diskussionsveranstaltung beim Medienforum Mittweida. Neben mir saß Marc Schwieger, Geschäftsführer von Scholz & Friends Neumarkt, und ehrlich gesagt wußte ich bis dahin nicht viel über Scholz & Friends, außer vielleicht daß meine Schwägerin dort vor Jahrenden mal gearbeitet hatte. Im Laufe des Gesprächs polarisierte Don Alphonso ein wenig in unsere Richtung (ca. ab Minute 40), was letztendlich dazu geführt hat, daß zwischen Marc und mir ein interessantes Gespräch über die Zukunft von Online-Werbung und Online-Handel entstanden ist.
Nico: Also alles war von langer Hand geplant?
Nico: Naja, nicht ganz, aber der erste Eindruck war schon recht positiv, so daß ich mich sehr gefreut hatte, als Marc im Sommer nachhakte und wissen wollte, wie denn meine Pläne nach meinem Weggang von Media Ventures wären. Wir haben uns dann zum Essen getroffen und mehr oder weniger unsere Diskussion vom November 2007 fortgeführt. Die anstehenden Themen bei S&F fand ich ziemlich spannend, so daß wir im Herbst eine erste, eher zaghafte Zusammenarbeit gestartet haben.
Nico hat die next conference von Anfang an durch seine Vorträge bereichert. Auf der allerersten next im Jahr 2006 präsentierte ermabber.com, ein Jahr später auf der next07 startete erShoppero (und kehrte samt Familie aus Köln nach Hamburg zurück).
Die Story, mit der Nico & Friends demnächst durch die Lande ziehen werden, heißt Inspirationsgesellschaft. Das zugehörige Blog startet Nico demnächst heute zusammen mit Marc Schwieger, Partner und International Creative Director der Scholz & Friends Group.
We are living in an Inspiration-Society where information is everywhere. We read, hear and see pieces of information, and we also create, mix and change information. We do this for us and for others, as others also do this for us. Why are we doing this? Because we want to achieve something with the information we provide. We are turning a piece of information into an inspiration.
In a world where information is available everywhere, anytime and without cost, inspiration becomes the relevant value. Information turns into inspiration when it triggers something: a reaction, an answer, an emotion or sometimes even excitement. A review at Amazon.com, a restaurant-rating at Qype.com or a new set at Polyvore.com - these are all inspirations. A friend's recommendation for a movie, the best friend's advice on the best book to read or the shoes of the season. This is what happens in social networks all over the world every day, every second. The networked information-society becomes the inspiration-society. Everybody is receiver and everybody can become a sender of inspirations.
Inspiration is information that makes money. Inspiration is the missing link between content, community, and commerce. Inspiration will change how we consume media, find products to buy and how companies distribute their products.
Spannende Sache. Wir werden sehen, was daraus bis zur next09 noch so alles wird.
Ob Friendfeed das nächste große Ding ist oder nicht, ist zwar eine spannende Frage. Wir in Deutschland müssen uns aber vorerst nicht damit beschäftigen.
Denn erfahrungsgemäß benötigen solche bahnbrechenden Technologien ein Jahr für den Weg über den großen Teich. So brauchte Twitter - gestartet 2006, groß herausgekommen 2007 auf der SXSW und der next07 - bis zur re:publica08, um die hiesige Webszene zu durchdringen.
Und auch Friendfeed - gestartet 2007, groß herausgekommen auf der SXSW in diesem Jahr - wird bis zur re:publica09 brauchen, um im deutschen Sprachraum Fuß zu fassen. Das ist nicht weiter schlimm, sondern entspricht deutschen Tugenden wie Gründlichkeit, Fleiß und Disziplin. Nur nichts überstürzen, erst einmal prüfen, gründlich überlegen und sorgfältig planen.
Schauen wir uns in der Zwischenzeit einmal an, wie Friendfeed meine Webmediennutzung verändert hat.
Am 19. April 2008 hat Friendfeed den Google Reader als Startseite auf meinem E61i verdrängt. Twitter hatte das übrigens nicht geschafft. Und das, obwohl Twitter eine sehr brauchbare und von mir intensiv genutzte mobile Version hat und Friendfeed keine, von fftogo.com einmal abgesehen.
Warum Friendfeed? Friendfeed liefert Neues, Interessantes und Spannendes - die Micromemes des Tages - von meinen Netzbekannten. Nicht nur, was sie bloggen oder twittern. Sondern auch, was sie bei del.icio.us speichern und im Google Reader interessant finden. Nebenbei erfahre ich noch, welche Musik sie bei last.fm mögen oder was sie auf den Amazon-Wunschzettel setzen.
Facebook hat das Konzept Newsfeed popularisiert, aber Friendfeed dreht das Rad ein gutes Stück weiter. Bis jetzt sind aggregiert Friendfeed 35 Dienste - weit mehr als Facebook. Und Friendfeed hat Kommentare zu jedem Link. Hört sich trivial an, fügt aber eine neue Interaktionsebene hinzu.
Denn erstaunlicherweise wird bei Friendfeed eifriger kommentiert als an der Quelle selbst. Es ist eine höchst kommunikative Umgebung. Dazu trägt ein simpler Trick bei: Jeder neue Kommentar bringt einen Link inklusive des Diskussionsfadens (Thread) wieder auf die Startseite zurück. Erfreuliche Nebenwirkung: Die heißen Geschichten stehen immer vorn.
Für mich ist deshalb jetzt Friendfeed Pflicht. Twitter und Google Reader streiten sich um den zweiten Rang in meiner Mediennutzung. Die Nase vorn hat bis dato Google Reader, weil dort alle Informationsströme zusammenlaufen. Denn selbstverständlich hat Friendfeed einen RSS-Feed. Und ebenso selbstverständlich habe ich den im Google Reader abonniert.
Facebook übrigens hat in letzter Zeit deutlich nachgelassen. Friendfeed hat zwar eine Facebook-Anwendung, aber Facebook wird bis jetzt nicht von Friendfeed aggregiert. Besteht da ein Zusammenhang?
Dr. Stefan Glänzer, Gründungsinvestor und früherer Executive Chairman von last.fm spricht nach seinem next08-Vortrag über Musik als Bestandteil von Kommunikation und stellt die These auf, dass Musik in Zukunft für jedermann frei zur Verfügung stehen wird. Die Musikindustrie müsse sich neue Einnahmequellen neben dem klassischen CD-Geschäft erschließen, so die nicht ganz neue Schlussfolgerung Glänzers.
Er verweist auf den einzelnen Musiker als kreative Quelle des Musikgeschäfts und spricht über eine neu entstehende Kultur des Musikschaffens durch die neuen Möglichkeiten rückkanaliger mobiler Aufnahme- und Distributionsgeräte. last.fm basiere auf dem Motto "get realtime", so Glänzer.
Bereits zur next07 sprach Glänzer über individualisiertes Radiohören.
Die next07 hat es inzwischen sogar auf die Flohmarktstände dieser Welt geschafft. Allerdings wurden beim Sternschanzenfest am Samstag horrende Preise für das Anhängerband der next07 geboten, so dass ich mich gegen einen Zukauf entscheiden musste...
Liveblogging ist tot, es lebe Livetwittering. Veranstaltungen wie das gerade vergangene Barcamp Cologne 2 ziehen ihre digitale Spur längst nicht mehr allein in Blogs oder auf Fotos. Inzwischen gibt es Neuigkeiten in Echtzeit, kurz aber heftig.
Auf der next07 im Mai hatten wir dank unseres Sponsors Cellity eine große Twitter-Wand mit Kurznachrichten aus dem Auditorium. Warum? Wozu soll das gut sein? Und was ist so spannend daran?
Twitter ist nur der vielleicht prominenteste Vertreter für ein neues Genre von Micropublishing-Werkzeugen und für ein Phänomen, das die Kommunikation im Internet derzeit stark verändert. Die Rede ist von MicroMedia, von Echzeitkommunikation und auch schon von der Twitterization der Massenmedien. Der Trend zum Micropublishing schafft einen sozialen sechsten Sinn und bleibt nicht ohne Auswirkungen auf Blogs und Blogging.
Auf dem Fischmarkt werden wir uns in den kommenden Tagen mit Micropublishing, Microblogging & Co. etwas ausführlicher beschäftigen. Wie schon in der StudiVZ-Testwoche bleibt es nicht bei der akademischen Betrachtung. Ich werde einige konkrete Schritte tun und darüber berichten. Mehr dazu morgen an dieser Stelle.
Götz Hamann, Wirtschaftredakteur bei der ZEIT, führte auf der next07 ein erhellendes Gespräch mit Josephine Brinkmann (22), Johannes Russ (23) und Daniel Schöneck (18) - über die Mediennutzung der digitalen Generation.
Hamann findet: "Die drei waren schon klasse!" Warum die Zuhörerschaft sich allerdings ein paar Gedanken um ihre Geschäftsmodelle machen sollte und was die traditionellen Printmedien für die Aufmerksamkeit der jungen Leser tun können, erklärt er weiter unten.
Herr Hamann, am Ende Ihrer Interviewrunde sagten Sie zu den Zuschauern, der eine oder andere müsse nun vielleicht sein Geschäftsmodell überdenken. Wieso? Götz Hamann: Es gibt, soweit ich das überblicke, nur drei Geschäftsmodelle im Internet: Werbung, Provisionen und den direkten Verkauf. Ausgangspunkt vieler Geschäftsmodelle im Web 2.0: Die Werbung kann zielgerichteter sein, mit viel weiniger Streuverlusten.
Nun haben alle drei Teilnehmer des Podiums gesagt, sie würden Werbung nur selektiv wahrnehmen, und zwar nur dann, wenn sie sich ohnehin schon für die Produkte interessieren. Die Treffsicherheit scheint also doch geringer zu sein als behauptet – Streuverluste bleiben auch im Web 2.0 erstaunlich groß.
Außerdem haben alle drei gesagt, dass sie es, wenn möglich, vermeiden, Geld auszugeben. Einige Geschäftsmodelle setzen darauf, mit bestimmten Mehrwerten zu Abonnements zu führen. Da glaube, ich, dass die drei gezeigt haben, wie vage diese Hoffnung ist.
Der direkte Verkauf von digitalen Gütern scheint bei den jungen Erwachsenen auf dem Podium nicht besonders gut zu funktionieren. Sie scheinen doch eher Raubkopien zu konsumieren und erst später gekaufte Inhalte konsumieren zu wollen.
Haben die Jugendlichen Sie überrascht?
Sie haben unglaublich präzise geantwortet und waren sich ihres Mediennutzungsverhaltens sehr bewusst. Außerdem sind sie über die Maßen kreativ.
Alle drei bildeten sehr gut einen jeweils eigenen Nutzertyp ab: Josephine Brinkmann nutzt das Web als Kommunikationsmittel und sucht persönliche Ausdrucksformen, Johannes Russ ist Musikliebhaber und -techniker, alle Formen des Internet nutzend, wie man dort mit Musik umgehen kann und Daniel Schöneck ist Computerspieler und Schreiber, Citizen Journalist, für den Computerspiele das wichtigste Medium sind. Er verwirklicht die Konsumenten- und Produzentenrolle.
Die drei waren schon klasse!
Auf dem Podium saß eine der Zielgruppen der next07-Zuschauer. Wie nah sind Sie üblicherweise der Zielgruppe Ihres Mediums? Erhalten Sie Feedback?
Ab und zu passiert das. Wir können das nicht einfordern. Leserbriefe sind in der Regel natürlich nicht Lob, sondern zeigen eher, was missfällt. Die Zahl der Leserreaktionen haben allerdings, seit es E-Mails gibt, deutlich zugenommen.
Ein guter Reality Check ist, ab und zu die Zugriffszahlen der eigenen Artikel bei ZEIT-Online zu checken. Wobei das Leserprofil online natürlich anders ist als in der Printausgabe.
Was müssen die traditionellen Printmedien tun, um für die jungen Zielgruppen attraktiv zu sein?
Nach heutigem Stand: Was Wochenzeitungen und Magazine den Online-Medien voraus haben, ist die redaktionelle Qualität, durch die sie sich absetzen: Sprache, bessere Geschichten, die Fotostrecken, also alles in allem ein besseres, tieferes, differenzierteres Bild von der Welt zu bieten. Dafür gibt es momentan keine Alternative.
Auch Fachblogs können kein Bild von der Welt geben, sondern immer nur sehr begrenzte Ausschnitte davon darstellen. Die Thementiefe eines überregionalen Printmediums wird von einem einzelnen Web-Angebot nicht erreicht.
Was tut die ZEIT dafür, die Jungen anzusprechen?
Die ZEIT tut fürchterlich viel dafür! Das Projekt „ZEIT in der Schule“, co-finanziert von Dritten, bei dem der Verlag Sponsoren sucht und Schulen für ein Jahr verbilligte oder kostenfreie Abonnements anbietet, zum Beispiel. Mehrere tausend Klassen lernen den Umgang mit einem überregionalen Printmedium an der ZEIT.
Heute werden immer mehr neue Abonnenten über das Netz gewonnen, und die Leser dort sind bekanntlich jünger als die der Printmedien. Unsere Abonnentenkurve zeigt derzeit einen deutlichen Ausschlag nach oben bei den 20- bis 30-Jährigen und einen zweiten bei den Ab-40-Jährigen.
Insgesamt geht es uns momentan gut, was man ja auch an der Auflage sieht, die seit fast fünf Jahren kontinuierlich steigt. Dennoch: Auch wir müssen um unsere Leser an den Kiosken kämpfen. Die Spontankäufe von Printmedien nehmen ab.
Daniel schreibt als Chefredakteur über das Geschehen in Clans im eSport-Bereich. Wie wirkt das auf Sie als Profi?
Das ist ein Online-Fan-Magazin. Ich habe einige Texte gesehen, die waren absolut in Ordnung. Man sieht das Bemühen, akkurat zu sein, Infos zu bieten. Das sind klassische journalistische Ansätze.
Daniel ist 18 und sehr weit dafür in dem, was er schreibt. Er ist aber kein ausgebildeter Journalist, ihm fehlt noch einige Schreiberfahrung.
Ich sehe das ganz entspannt: Er tritt ja nicht in journalistische Konkurrenz zu uns. Er bewegt andere Jugendliche zur Auseinandersetzung mit Text, und damit arbeitet er in die Hände aller schreibenden Journalisten.
Wir haben bei Dr. Peter Figge nochmal genauer nachgefragt: Warum der Horst ganz authentisch Spaß hatte, sein Image nicht gelitten hat und die Kampagne Deutschlands erfolgreichste Direktkampagne wurde, erklärt er im Nach-next07-Interview.
Zunächst zur Hauptperson: Wie war die Zusammenarbeit mit Horst Schlämmer? Dr. Peter Figge: Die war extrem positiv, weil er sich sehr mit der Kampagne identifiziert hat. Er hat gerne für die Marke Volkswagen gearbeitet, nicht zuletzt weil die Person Hape Kerkeling selber Golf fährt. Er fand es super vom Konzept her und hat sich mit vielen zusätzlichen Ideen selber eingebracht, hat ständig neuen Input geliefert und musste von seinem Management beinahe gebremst werden. Er hat also ganz authentisch Spaß gehabt.
Im Vortrag haben Sie gesagt, dass es zunächst darum ging, menschliche Bedürfnisse auf eine moderne Art zu befriedigen. Wie haben Sie das gemeint?
Hier geht es um die Erkenntnis, dass wir einerseits in einer modernen, vernetzten Gesellschaft mit unendlichen Kommunikationsmöglichkeiten leben, andererseits aber immer noch die ewig gleichen menschlichen Bedürfnisse nach Information und Unterhaltung haben. Auf einer etwas grundsätzlicheren Ebene suchen wir Bestätigung, Anerkennung und Zuwendung. In Fall von Horst Schlämmer sprechen wir also das Bedürfnis nach Unterhaltung und Gemeinschaft an, das an sich nicht neu ist. Die Art und Weise, wie wir es tun, ist jedoch absolut ungesehen und neuartig.
Ralf Maltzen von Volkswagen hat im Vortrag erklärt, er habe die Kampagne intern mit sehr vielen Schmerzen durchboxen müssen. Ihre Position dazu: „Angst ist kein guter Berater.“ Welche Erkenntnisse haben Sie zu dieser Aussage gebracht?
Die größte Angst war: Passt das alles zur Marke VW? Dabei ist es keine Imagekampagne für VW gewesen. Die Aufgabe war, für ein Golf-Aktionsangebot auf sympathische Art zu werben. Wir hatten schon eine Reihe von Kommunikationsaufgaben für Aktionsangebote gelöst, und jetzt haben wir eine neue Art und Weise gesucht und gefunden, die gepasst hat. Horst Schlämmer hat eine große Akzeptanz im Volk, der Golf ist fast klassenlos.
Warum haben Sie das Outing vorgezogen? Was hatte sich verselbstständigt?
Das Outing sollte ursprünglich so spät wie möglich und so früh wie nötig stattfinden und nach einer möglichst breiten Streuung der Kampagne. Wir wollten offen, ehrlich und authentisch sein. In dem Moment, wo die Blogosphäre begann, sich darüber auszutauschen und uns die Kampagne möglicherweise negativ hätte entgleiten können, haben wir daher das Outing vorgenommen.
Mit über 5 Millionen Videoviews war die Kampagne Deutschlands erfolgreichste Direktkampagne. Haben sich die Absatzzahlen messbar erhöht?
Die Absatzzahlen sind sehr positiv – wobei man fairerweise sagen muss, dass man eine ausschließliche Kausalität mit der Kampagne nicht herstellen kann, da die Erfolgsfaktoren für den Absatz im Marketing natürlich vielfältig sind. Auf jeden Fall: Die wichtigste Währung besteht in den 90.000 qualifizierten Leads, die für Händler identifizierbar und nachbearbeitbar sind.
Hat sich Horst Schlämmers Image messbar verändert?
Horst Schlämmer ist sich selber treu geblieben. Was definitiv nicht passiert ist: Die Leute haben nicht gesagt: „Ääh, jetzt macht der Werbung für VW.“ Es ist ihm nicht nachgetragen worden, weil es sich um authentisches, konsistentes Horst-Schlämmer-Entertainment gehandelt hat. Er war in dem Sinne keine Kunstfigur: Hier war Horst Schlämmer gleich Horst Schlämmer, und das hat er durchgehalten. Durch diese absolute Authentizität hat es keine Imageänderung gegeben.
Hier der Vortrag "La Fraise versus Charitees: Nicht das T-Shirt, die Botschaft ist das Produkt", in dem Matthäus Krzykowski und Anton Jurina von Charitees sich auf der next07 behutsam streiten:
Bei La Fraise werden täglich 100-150 T-Shirt-Designs eingereicht. Wer reicht die ein, und wie geht es dann weiter? Stefanie: Die T-Shirt-Designs kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen – von Designschulen und Top-Leuten aus den Agenturen bis zu Hobby-Designern, da gibt es natürlich eine riesige Diskrepanz. Es gibt fixe Vorschriften für die Designs, gewisse Größen etc., aber maximal ein Prozent hält die Vorschriften nicht ein. Matthäus: Wir bekommen die Designs, und nationale Blogger wählen dann eine Anzahl von Designs aus, die sie in den Wettbewerb stellen. Dann wird sieben Tage lang gevoted. Die Gewinner-Designs werden hergestellt. Im letzten halben Jahr haben übrigens 1.100 unterschiedliche Designer Vorschläge eingereicht. Ein Drittel der Leute, die jeden Monat Designs einreichen, sind neu dabei, das ist wirklich super lebendig. Also: Ganz unterschiedliche Leute machen bei La Fraise den Content. Viele Leute stellen morgens als erstes ihren Apple an und gucken, welche neuen Designs es bei La Fraise gibt.
Matthäus, im Vortrag hast Du gesagt, die Digitalisierung von Kreativität habe einen unglaublichen Effekt. Welchen? Matthäus: Das begreife ich in erster Linie technisch: Bei La Fraise gibt es viele unterschiedliche junge Designer – die haben z. B. von ihrer Vorstadt aus Zugriff auf alle Mittel und Möglichkeiten, haben Internet, eine Community und eine Peer Group, die sie unterstützt. Typisch ist: Du machst ein halbes Jahr mit, bekommst viele Neins, hast aber durch das Feedback eine große Lernkurve. Das sehen wir, und das ist toll.
„Wir sind durchgeknallt und deshalb erfolgreich.“ Warum? Stefanie: Wir haben ein relativ unkonventionelles Team und unkonventionelle Motive und scheuen uns nicht vor Konfrontation. Das ist das, was uns erfolgreich macht. Wir scheuen uns nicht, bestimmte Themen im Blog anzusprechen. Wir machen in Blogs das, was sonst keiner macht. Bei unseren Fridays Games machen wir jede Woche neue schräge Sachen, bei denen wir die Leute zur Interaktion auffordern. Das ist einfach ein Knaller. Was uns unterscheidet: Wir sind ansprechbar, wir reden mit den Leuten.
Mal ein Beispiel: Unsere Bloggerin hat neulich geschrieben, dass sie eine Woche zu spät bezahlt worden ist – das zieht natürlich Traffic auf die Seite. Wenn uns Fehler unterlaufen, dann zeigen wir sie. Wir machen unsere Konflikte transparent im Internet. Das wollen die Leute wissen – wie es unter uns geht, und das sehen wir positiv.
Matthäus, was meinst Du damit, dass Ihr mehr Deutungshoheit anbietet? Mehr Deutungshoheit als wer? Matthäus: Wir ermöglichen gewisse Sachen: Events, an die sich die User erinnern und aus denen sie was ganz Eigenes machen. Zum Beispiel hatten wir mal den Wettbewerb „Kill all Animals“, und die Leute haben diverse Arten überlegt, wie man kleine Tierchen töten kann – die schicken und dann ganz viele Dinge ein, und das nehmen wir auf, egal was. Und die Leute machen was ganz Eigenes draus – da können wir sicher sein. Auf unseren T-Shirts finden sich übrigens auch Kommentare zum Zeitgeschehen wieder, zeitversetzt um ein bis zwei Wochen.
Im next07-Vortrag warst Du der Gewinner, Matthäus – Sascha Lobo hat Dein T-Shirt gekauft und nicht das von Anton Jurina/Charitees. Wie hat Dir der Disput insgesamt gefallen, und wie gegensätzlich sind Eure Companys tatsächlich? Matthäus: Der Vergleich war eigentlich schwierig – Antons Company freue ich mich noch zu sehen, da sie ja noch gerade aus dem Ei schlüpft. Daher fand ich den Vergleich ein bisschen konstruiert. Das, was wir sicherlich beide machen wollen, ist mehr zu sein als ein T-Shirt-Unternehmen. Es gibt jede Menge unterschiedliche Elemente, wo la Fraise und Charitees das versuchen. Wir als la Fraise sehen jedoch mehr den Kontrast zu H&M und Zara.
Warum Social Bookmarking den klassischen Suchmaschinen gefährlich werden kann, erklärt Christian Clawien von Mr. Wong im Nach-next07-Interview. Hier nochmal sein Vortrag "Schwarmintelligenz von Links".
Ist Mister Wong das deutsche del.icio.us? Christian Clawien: In Deutschland hatten wir im Mai über zwei Millionen Unique Visitors. Damit haben wir die Konzern-Kollegen von Yahoo, denen del.icio.us ja zu 100 Prozent gehört, weit hinter uns gelassen und sind weltweit mittlerweile die Nummer zwei im Social Bookmarking.
Aber wir wollen uns nicht nur auf den deutschen Sprachraum beschränken. Mister Wong ist mittlerweile auch in China und Russland online, eine spanische und eine französische Version verlassen in Kürze die Closed-Beta-Phase. Ende Juni starten wir dann mit der internationalen Version in Englisch.
Das ist unser Gegenkonzept zu del.icio.us: lokale Sprachvarianten und eine bessere Funktionalität. Unser erklärtes Ziel ist es, del.icio.us binnen zwei Jahren weltweit und nicht nur im deutschen Sprachraum überholt zu haben.
Warum beurteilen „echte Menschen“ Informationen und Inhalte intelligenter als Google & Co. ?
Eine Maschine kann schwer interpretieren. Googles Pageranking ergibt sich nach der Anzahl der Verlinkungen, nach der Aktualität. Die genauen Rankingkriterien sind ein Geheimnis. Der Hauptschwerpunkt liegt auf der Verlinkungsdichte. Die kann man manipulieren, und die gefundenen Seiten müssen nicht unbedingt gut sein.
Bei Mister Wong bookmarken die Leute, was sie selber gut finden, ihre persönlichen Favoriten. Menschen können die Relevanz von Websites besser beurteilen als Maschinen.
Kann Social Bookmarking eine echte Alternative zu klassischen Suchmaschinen werden?
Für zahlreiche Themen ist es das schon: Musik, News, Software, Bilder, Videos. Bei uns gibt es 1,8 Millionen Bookmarks, und wenn man über die Suche geht, findet man viele gute Websites. Die Themenvielfalt ist so groß wie die Menge der Nutzer, die gerade mitmachen.
Nehmen wir das Beispiel Heuschnupfen: Gebe ich „Heuschnupfen“ bei Google ein, werden mir Medikamente angezeigt. Bei Mister Wong bekomme ich Tipps gegen Heuschnupfen. Der Long Tail ist riesig! Auch wenn zu Nischenthemen nur wenige Bookmarks drin sind, werden die dann auch gefunden.
Schwarmintelligenz von Links – was ist das?
In vielen Bereichen gibt es eine Weisheit der Massen. Zum Beispiel, wenn in Städten Wege angelegt werden und die Leute doch ihre eigenen Trampelpfade bilden, weil die Wege unklug angelegt sind. Da wird mit den Füßen abgestimmt, welcher der bessere Weg ist.
Das Witzige ist, dass die Leute das unabhängig voneinander tun. Im Web entwickelt sich daraus eine kollektive Intelligenz, wie wir sie von Wikipedia her kennen.
"Targeting" heißt das Zauberwort, um an die großen Budgets der Markenartikler ranzukommen - sagt Frank Wagner von nugg.ad. Das wollten wir genauer wissen. Vorab Wagners next07-Vortrag zum Thema, wie man Klicks nicht nur zählt, sondern auch versteht:
Warum stellt Behavioral Targeting die Welt vom Kopf auf die Füße? Frank Wagner: Werbung wird vor allem über Umfelder gebucht. Wenn ich eine Zielgruppe erreichen will, suche ich mir den Kanal aus, wo ich sie am wahrscheinlichsten zu erwarten habe. Das ist ein Umweg. Werbung soll ja für Menschen gemacht werden und nicht für Umfelder. Vor langer Zeit war das schon mal eine Selbstverständlichkeit. Jede Marktfrau musste sich früher auf ihre Kunden einstellen und nicht auf das Umfeld „Markt“. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein – das haben die Werber aber verlernt. Im Internet funken im Gegensatz zu den Massenmedien die Menschen wieder zurück, also: Back to the Roots! Werbung ist für Menschen gemacht – im Internet geht das wieder, da findet der Nutzer wieder statt.
Wer Websites mittels Werbung monetarisieren will, muss Fruchtjoghurt können. Was ist damit gemeint?
Ein Viertel der Werbebudgets kommt aus dem Bereich FMCG („Fast Moving Consumer Goods“), aber nur ein Prozent der Online-Werbespendings kommt aus diesem Bereich – das muss den Onlinewerbern doch die Tränen in die Augen treiben! Wenn man im Internet Geld verdienen will, muss man auf die Fragen der großen Markenartikler Antworten finden. Man muss an diese Budgets ran. Targeting bietet hierzu Lösungen.
Das mag nicht gerade sexy sein, aber Fruchtjoghurt, Fleischwurst und Haushaltsreiniger haben einfach größere Budgets als die Produkte, die im Internet üblicherweise beworben werden. Fruchtjoghurt macht also nicht nur Mütter und deren Kinder glücklich, sondern ist zugleich der Durchbruch für Werbung und Werber im Internet. Bislang bekommen die dicken Budgets jedenfalls fast ausschließlich die Fernsehsender.
Wie misst nugg.ad die Fußspuren der Leute im Netz?
Wir messen die Internetnutzung über Cookies. „Nutzungsmessung“ heißt dabei noch nicht „Nutzermessung“. Diese Messung kombinieren wir mit Marktforschungsergebnissen, indem wir auf den Websites Befragungen durchführen. „Fußspuren“ heißt im übrigen nicht „Fingerabdrücke“ – wir sammeln keine Adressen oder E-Mail-Adressen, haben auch nichts mit dem viel diskutierten gläsernen Bürger gemein, sondern wir beobachten, hören den Nutzern zu und bemühen uns, ihre Bedürfnisse und Wünsche zu verstehen.
Sie sagen, die Kreation spielt bei all dem nur eine nachgeordnete Rolle. Was ist wichtiger?
Wichtiger als Kreation ist Relevanz. Wenn ich Ihnen ein relevantes Angebot mache, habe ich Ihre Aufmerksamkeit – egal, wie ich es verpacke. Wenn das Produkt stört, nützt auch die beste Kreation nichts, außer dass die Agentur vielleicht in Cannes Ruhm und Ehre gewinnt.
Bitte geben Sie einen kurzen Ausblick auf die Zukunft der Onlinewerbung!
15 Prozent der Zeit, die Menschen mit Medienkonsum verbringen, entfallen auf das Internet. Aus der „Generation MTV“ ist die „Generation MySpace“ geworden. Dem müssen die Werbetreibenden folgen. Und sie sind ratlos, wie sie sich dieser Herausforderung stellen sollen. Targeting ist eine Möglichkeit, den Markenartiklern das Chaos zwischen MySpace, uTube und StudiVZ zugänglich zu machen.
Mitreißend, von der Sache überzeugt, frei von der Leber weg: Martin Oetting, trnd, neulich beim Vortrag "Work of Mouth Marketing: Cluetrain WORKS!". Das war auf der next07:
Das war vorgestern:
Reichweite und Nischeninhalte - zwei Begriffe, die sich beißen? Martin Oetting: Nein, dank Internet mittlerweile nicht mehr. Wenn man die Nischen im Netz bedient, kann man das weltweit tun – so dass auch Reichweiten wieder interessant werden. Das entsprechend strapazierte Schlagwort „Long Tail“ ist ja in aller Munde.
Mundpropaganda lebt von Meinungsführern - wie identifiziert man die?
Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder identifiziert man sie – oder man „macht“ sie.
Für den ersten Ansatz gibt es eine ganz pragmatische Möglichkeit – manchmal kann man Meinungsführer durch Beobachtung und schlichtes Nachdenken finden. Es gab z.B. die Idee von Marketingunternehmen, bei speziellen Kampagnen für eine weibliche Zielgruppe mit Friseuren zu arbeiten, weil die ständig mit Menschen im Austausch stehen und allein dank ihrer Kontakte Reichweite aufbauen können.
Meinungsführer definieren sich aber klassischerweise eher durch Fachwissen. Man kann heute im Internet gucken und dort die so genannten Mavens suchen, die sich zum Beispiel durch spezialisierte Internetpublikationen outen.
Dann kann man Meinungsführer zu einem gewissen Grad selbst schaffen. Meinungsführer sind in bestimmte Themen tief eingestiegen, stark involviert. Wenn man kontaktfreudige Leute mit einem Grundinteresse findet, ihnen dann die Möglichkeit bietet, sich intensiv mit einer Sache auseinander zu setzen, nehmen sie gewisse Meinungsführereigenschaften an.
Die 35.000 Mitglieder von trnd, also die Basis für Eure Testpersonen - wo kommen die her?
Ganz zu Beginn waren kleine Online-Werbemittel die Initialzündung, ebenso ein Gewinnspiel. Dann hat sich das Ganze vornehmlich über Mundpropaganda entwickelt. Ab und zu probieren wir hier und da außerdem noch kleine flankierende Maßnahmen.
Wie schließt Ihr die Testpersonen aus, die sich nicht eignen?
Wir finden unsere Testpersonen in einem mehrstufigen Verfahren. Zunächst gibt es eine anonyme Befragung, also ohne dass die Marke genannt wird. Da erfragen wir zum Beispiel das Interesse an Zahnpflege oder Wellness. So finden wir heraus, wer sich wie interessiert. Eine engere Auswahl sprechen wir dann an, sich mittels Prosa gezielt bei uns zu bewerben.
Die Betreuung der Testpersonen muss sehr zeitintensiv sein – wie ist das organisiert?
Zunächst: Unsere Testpersonen betreuen kann nur, wer unser Verfahren in- und auswendig kennt. Man kann die Leute nicht mal eben kurz anwerben. Neben unseren Leuten im Haus haben wir mittlerweile zusätzlich freie Mitarbeiter, die unsere Prozesse bestens kennen. Entscheidend ist, dass immer jemand da ist, der zeigt, dass wir aufmerksam und ansprechbar sind. Das ist echtes CRM: Jeder, der eine Frage hat, bekommt auch eine ehrliche ernst gemeinte Antwort, von einem Menschen.
Wieso eignen sich eher physikalische Produkte für Word-of-Mouth-Marketing? Ist Dienstleistern nicht zu helfen?
Dazu muss ich zuerst sagen, dass UNSER Verfahren sich eher für physikalische Produkte eignet. Dienstleister sind besonders stark auf Mundpropaganda und Vertrauensaufbau angewiesen. Das Besondere: Dienstleistungen werden immer in Zusammenarbeit mit den Kunden erbracht. Dienstleister fahren dabei besser, wenn sie ihre Fans direkt selbst kennen lernen, z.B. weil sie sehr schnell antworten müssen, wenn Schwachstellen aufgedeckt werden.
Was physikalische Produkte angeht, ist natürlich viel mehr Begeisterung zu erreichen, wenn Leute eine Kiste mit Produkten nach Hause oder ins Büro geschickt bekommen. Wenn uns allerdings ein Dienstleister fragt und wir feststellen „Alle Achtung, da ist viel Potenzial, so was gibt es noch nicht, da können die Fans mitarbeiten“ – dann sagen wir nicht nein.
Eine Frage zu Deinem Lieblingsthema: Ist Web 2.0 ein Markenkiller?
Da handelt es sich ja vor allem um einen Schaukampf. Die Markenverantwortlichen sitzen oft in einem Elfenbeinturm und leben in ihrer Scheinrealität. Sie definieren Markeneigenschaften, und die Verbraucher definieren sich derweil eine ganz andere Realität.
Nun stellen die Markenverantwortlichen fest, dass es plötzlich negative Mundpropaganda an Stellen im Netz gibt, die jeder finden kann. Sie rufen nach Markenkontrolle und versuchen, dagegen anzugehen. Das ist nicht der Realität entsprechend. Dieser Austausch fand auch schon vorher statt, Konversationen haben auch schon vorher die Marke enorm beeinflusst. Das Web 2.0 macht die Dinge nur sichtbarer. Eindämmen konnte man das früher nicht, und heute schon gar nicht mehr.
Sören Stamer von CoreMedia hat sich zu einem Nachschlag bereit erklärt und uns ein Interview gegeben - zu seinem Vortrag auf der next07, der mich schwer beeindruckt hat. Wer ihn verpasst hat und sich für Themen wie "Transparenz" und "offene Feedbackkultur" versus "Kontrolle" und dadurch erzeugten "passiven Widerstand" in Unternehmen interessiert - unbedingt anschauen:
Hier das Interview.
Warum erlebt derzeit die gesamte Welt mit Web 2.0 einen Paradigmenwechsel? Sören Stamer: Kommunikation verbindet und fördert Kooperation und damit Frieden. Vor 100.000 Jahren war die Welt weit aggressiver, viel mehr Menschen sind eines unnatürlichen Todes gestorben. Diese Zahl ist bis heute trotz der Kriege immer weiter zurückgegangen. Heute ist es für einen Menschen sehr unwahrscheinlich, eines gewaltsamen Todes zu sterben. In Krisenregionen ist das sicher leider noch anders. Doch auch diese Zahlen einbezogen, sinkt der Durchschnitt stetig. Die Welt wird also offensichtlich friedlicher.
Meine Hypothese: Der Mensch ist eigentlich gut. Er empfindet Empathie, opfert sich auf, zum Beispiel für seine Kinder, aber auch für andere Menschen. Das gilt, solange man mit diesen Menschen in Kontakt ist. Das, was ich kenne, brauche ich nicht zu fürchten.
Wird die Welt also insgesamt vernetzter, so steigt das Bewusstsein für Menschen in anderen Regionen. Ich meine also, der Welthandel hat insgesamt zu mehr Frieden geführt – wer miteinander handelt, wird sich nicht bekriegen.
Und das Internet geht noch einen Schritt weiter. Es ist das erste Massenmedium, das weltweit milliardenfache Interaktion möglich macht. Das Internet verbindet Menschen in der ganzen Welt. Mit dem Internet haben wir also ein perfektes Medium für den Weltfrieden: Je mehr wir uns vernetzen, desto mehr Frieden und Werteorientierung werden entstehen.
Was bedeutet die Post-Web-2.0-Ära für klassische Unternehmen?
Der Hauptpunkt ist der, dass der Kampf gegen den Paradigmenwechsel nicht zu gewinnen sein wird. Jedes Unternehmen kann zwar versuchen, dagegen zu arbeiten, aber meiner Meinung nach wird man mit dieser Strategie nicht erfolgreich sein können. Traditionelle Modelle mit starren Hierarchien und starker Machtorientierung werden leiden und möglicherweise untergehen, weil die Welt um sie herum sich grundlegend ändert.
Mitarbeiter und Konsumenten haben durch das Medium Internet massiv an Macht gewonnen. Im Internet kann jeder schreiben, was er will – und die Massenmedien greifen diese Informationen aus Blogs mittlerweile sogar oft aktiv auf. Die Unternehmen haben also längst die Kontrolle über die öffentliche Meinung verloren.
Was könnten Unternehmen in der Kritik, wie zum Beispiel gerade die Telekom, zum Beispiel tun, um sich wieder mehr Respekt zu verschaffen? Sie könnten ihren Kunden erlauben, auf ihrer Website ehrliche Kommentare abzugeben, die dann ernsthaft gewürdigt und beantwortet werden. Unternehmen würden sicher mehr Respekt gewinnen, wenn sie aufhörten, gegen Transparenz zu kämpfen. Es geht zukünftig also um die eigene Reputation – von Unternehmen wie auch Individuen, in der Kommunikation und nicht mehr um die Kontrolle der Kommunikation anderer. René Obermann und das neue Führungsteam der Telekom hat in den letzten Wochen aus meiner Sicht deutliche Impulse in Richtung Glaubwürdigkeit und Transparenz gesetzt. Ich bin gespannt auf die daraus folgenden Effekte und würde ihm wünschen, dass diese Impulse von der Öffentlichkeit auch erkannt und aufgegriffen werden.
„Sie können zwar Software entwickeln, aber die nützt Ihnen erst was, wenn Sie die Kultur haben.“ Das sagen Sie als Software-Unternehmer. Warum?
Marshall McLuhan hat gesagt: „The medium is the message“. Ein Medium verändert demnach unser Denken und Handeln. Das Buch an sich, nicht der einzelne Inhalt, hat beispielsweise unsere Art zu denken geprägt – serielle Gedankenketten, Wenn-dann-Folgen etc.
So auch das Internet: Die Kids von heute haben eine ganz andere Art zu denken und zu kommunizieren. Sie denken und kommunizieren viel netzwerkorientierter und weniger seriell.
Mit dem Medium Internet hat sich eine kulturelle Revolution in Gang gesetzt: Selbstorganisation statt starre Hierarchien. Kompetenzen statt Kontrolle. Kooperation statt Kampf. Werte statt Macht. Technologie hat somit in erster Linie einen kulturellen Effekt.
Welche Auswirkungen haben Ihre Erfahrungen mit dem Wandel zum Enterprise 2.0 auf Ihre Software-Produkte?
Der Unterschied ist, dass wir die Menschen in den Mittelpunkt stellen. Was alle bisher so wichtig fanden, unzählige multimediale Inhalte verwalten zum Beispiel, darum geht es gar nicht. Wir wollen Menschen ermöglichen, dass sie kommunizieren können und gemeinsam kreativ werden. Wir wollen ihnen helfen, dass sie Menschen mit ähnlichen Kompetenzen oder Interessen finden. Die ideale Kommunikationsplattform muss also offen und netzwerkorientiert sein.
Nicht wenige sollten bestimmen, was viele machen – die Struktur sollte nicht von oben vorgegeben werden, sondern so funktionieren, wie die Mitarbeiter das wollen. Beispielsweise haben wir bei uns intern Peer Groups eingeführt, die selbstorganisiert arbeiten. Sie haben sich selbst zu Teams zusammen gefunden, selber Namen gegeben, haben sich selbst Aufgaben gestellt und Muster entworfen, wie sie sich im Intranet darstellen, haben Ablagestrukturen für Projekte vorgeschlagen – die einen geben so den Rahmen vor, andere Mitarbeiter ziehen nach.
Ein tolles Ergebnis einer Peer Group der letzten Tage – in diesem Fall der „True Kangaroos“ – war zum Beispiel ein tolles Poster, das zentrale Informationen über unsere Technologie für die Entwickler bei unseren Kunden und Partnern visualisiert. Das Poster wird uns von Kunden und Partnern fast aus den Händen gerissen. In klassischen Strukturen fehlt leider oftmals dieser Freiraum für Kreativität.
Bitte kommentieren Sie sich kurz selbst:
„Kontrolle im Unternehmen ist eine Illusion.“
Man glaubt immer, dass der Chef ganz oben alles kontrollieren kann. Tatsächlich hat er keine wirkliche Kontrolle daüber, wie Menschen auf die Impulse von oben reagieren. Begeisterung, Leidenschaft und der Glaube an ein gemeinsames Ziel kann man nicht von oben vorgeben. Das erleben die Firmen auch, die Entscheidungen mit Macht von oben durchsetzen und nur passiven Widerstand damit erzeugen. „Jetzt seid mal motiviert!“ – das ist wohl eher eine Illusion.
„Transparenz tut nicht weh.“
Über kritische Sachen wie unangenehme Wahrheiten oder Kritik an der Führung darf man in Unternehmen angeblich nicht reden. Wenn man allerdings eine Managementsitzung vor den Augen der anderen macht oder sich öffentlich und ernsthaft der Kritik stellt, gewinnt man sogar was. Die Leute haben ja sowieso eine Meinung über mich – also können wir die auch offen diskutieren.
„Es ist nicht nur die Welt, die wir verbessern – es macht auch ökonomisch Sinn.“
Was ich so sage, ist nicht nur esoterisch und „nett “ – das Gegenteil ist der Fall: Kreativität entsteht, wenn die Leute sich trauen, ihre Meinung zu vertreten und Fehler zu machen. Als Firma wird man viel besser. Die ökonomischen Auswirkungen halte ich für immens.
In einer Welt, die sich immer schneller wandelt und komplexer wird, brauchen wir vor allem Kreativität. Und damit kommen wir wieder zurück zur Frage nach dem Bestehen der Unternehmen: Damit die Firmen kreativer werden, brauchen sie eine wirkliche Vertrauenskultur, und die entsteht halt nur über offene und ehrliche Kommunikation.
Die eine oder andere Nachfrage hat uns in den letzten Tagen schon erreicht. Hier sind sie nun: alle Vorträge und Panels von der next07 im Video. Viel Spaß und vielen Dank an Sevenload! Und damit verabschiede ich mich in ein entspanntes Wochenende.
Kritik kommt von altgriechisch kritein, „[unter-]scheiden, trennen“. Der Kritiker braucht Kriterien, mit deren Hilfe er unterscheiden kann - das Gute vom Schlechten zum Beispiel, oder das Erfolgreiche vom Erfolglosen.
Unternehmen aller Art haben ein hartes Erfolgskriterium, das sich am Gelde bemisst. Oder genauer: daran, wie viel am Ende, wenn alle Rechnungen beglichen sind, noch übrigbleibt. Sie geben ihr Geld nur aus, wenn sie Rückflüsse erwarten können, die höher sind als die Ausgaben.
Unternehmerische Bedenkenträger kommen immer dann ins Spiel, wenn diese Erwartung nicht realistisch erscheint. Dann zögern sie mit dem Geldausgeben, und die Macher bekommen nicht die Mittel in die Hand, die sie gern hätten.
Die Aufbruchstimmung vom Vorjahr ist vorbei. Das war auf der next07 klar zu sehen. Doch gibt es jetzt tatsächlich eine Kluft "zwischen dem kleinen gallischen Dorf voller Visionäre und dem Römischen Reich der Bedenkenträger in ihren von Firmenpalisaden umzäunten Parallelwelten", wie Oliver Gassner in Telepolis schreibt?
Nein! In den Unternehmen herrscht weiter Aufbruchstimmung, bestimmt die Lust am Internet, an der Kommunikation mit dem Konsumenten das Bild. Zu Bedenkenträgern sind indes die Blogger geworden. Der Fall Shoppero zeigt das überdeutlich.
Shoppero ist ein Qype für Produkte, das seine Autoren an den Werbeerlösen beteiligt. Eigentlich ganz einfach und vor allem eine Antwort auf die Frage, was denn die Nutzer auf den ganzen sozialen Netzwerkplattformen von ihrem Engagement haben (außer Ruhm, Ehre und Karmapunkten).
Geld ist prinzipiell keine schlechte Sache. Man könnte zugespitzt sagen: Selbst wenn Beiträge bei Shoppero nur deshalb geschrieben werden, um damit den Abverkauf irgendwelcher Produkte zu fördern, ist das kein Problem - solange es verkauft. Das nennt sich dann wohl Social Commerce.
Dabei bleibt allenfalls der neue Spitzenwert Authentizität (Bolz) auf der Strecke, dem sich die Bloggerszene mit Haut und Haar verschrieben hat. Doch was ist Authentizität anderes als hochselektive Wahrnehmung, als der zum Prinzip erhobene blinde Fleck?
Jede Beobachtung hat ihren blinden Fleck. Blogger jedoch machen diese Art von Blindheit, die ins Extrem getriebene selektive Wahrnehmung zum Prinzip. Eine Kunstfigur wie Don Alphonso lebt genau davon. Hinter dem wortreichen Gestus der Allwissenheit, hinter der aufs Höchste gesteigerten Subjektivität steckt die blanke Realitätsverweigerung.
Don Alphonso, das alter ego von Rainer Meyer, existiert nur im Netz. Die Figur funktioniert nur digital. Im echten Leben kann Meyer diese Rolle nicht ausfüllen. Und folgerichtig bleibt er Ereignissen wie der re:publica oder der next07 fern. Was dort geschieht, will und kann er nicht wahrnehmen. Muss er auch nicht. (Auf "vielen Kongressen" war er jedoch, siehe unten.)
Was beim Don mit seiner messerscharfen Intelligenz und klassischen Bildung noch seinen intellektuellen Reiz hat, ist bei seinen Adepten eher peinlich. Die jakobinische Gebärde des Don ist witzig, aber die heraufziehende Terrorherrschaft eines marodierenden Mobs macht keinen Spaß mehr. Es wird Tote geben.
Man muss Jens Kunath nicht mögen, schlechte AGB sind schlechte AGB und Sicherheitslücken sollen nicht sein - das ist alles richtig. Aber kein Grund, mit dem Fallbeil durch die Lande zu ziehen. Es sei denn, es ginge nur um Terror, notdürftig mit dem Mäntelchen der Reinheit bedeckt.
Der Konsument hat die Macht bereits übernommen. Er wird auch die jakobinische Schreckensherrschaft hinwegfegen. Der 28. Juli kommt. Die Frage ist nur, in welchem Jahr.
Warum geht mir schon den ganzen Tag so ein Lied von den Ärzten im Kopf herum?
Ein Kongress wie die next07 ist vor allem eines: eine riesengroße Kommunikationsveranstaltung. Unser mehr oder weniger offensichtlicher Plan war es, wie schon im letzten Jahr sehr unterschiedliche Gruppen in einem großen Raum miteinander ins Gespräch zu bringen: die Macher, die Kreativen, die Techniker, die Berater mit den Netzwerkern, den Bloggern, den Unternehmern und den Startern, mit den Theoretikern und den Bedenkenträgern.
Und das scheint auch gelungen. Diese Publikumsmischung bringt es dann mit sich, dass nicht jeder im Programm nur Neues hört, nicht nur unter Seinesgleichen bleibt und sich am Ende womöglich - o Schreck - noch mit Leuten unterhält, die völlig anderer Meinung sind, und über Themen, mit denen man sich gar nicht befassen wollte.
Den einen geht es zu viel ums Business, den anderen zu wenig. Alle fühlen sich ausreichend mit Getränken, Häppchen und WLAN bemuttert - und so wie der Event letztes Jahr die Aufbruchstimmung offen gelegt hat, legt er in diesem Jahr die Kluft bloß zwischen dem kleinen gallischen Dorf voller Visionäre und dem Römischen Reich der Bedenkenträger in ihren von Firmenpalisaden umzäunten Parallelwelten.
Diese Kluft, wie sie Oliver Gassner in Telepolis diagnostiziert, etwas zu verkleinern - das war die Idee für die next07. Oder, falls das nicht geht, wenigstens mal darüber zu reden. Unterschiedliche Sichten auf das Web zusammenzubringen.
Und die aktuellen Spielarten der gerade einmal zwei drei Geschäftsmodelle, die es im Web überhaupt gibt, zur allgemeinen Besichtigung freizugeben: Werbung, Dienstleistungen und Transaktionen. Die Medien leben von der Werbung, die Marken brauchen sie wie der Fisch das Wasser. Ob E-Business oder Me-Business - es bleibt Handel oder Vertrieb. Und in den Parallelwelten blüht beides alles: Werbung wie auch (spiel-)geldvermittelte Transaktionen und Dienstleistungen.
Neu sind nicht die Geschäftsmodelle - wie gesagt, es gibt nur zwei drei. Neu ist, dass der Konsument mit Hilfe des Web die Kontrolle übernommen hat. Wie sich Medien, Marken und Handel darauf einstellen, wie Agenturen ihnen dabei helfen und wer am Ende die Nase vorn hat, das wird nicht nur uns nicht nur in diesem Jahr beschäftigen. Es bleibt spannend.
Geld regiert die Welt. Oder ist es doch der Konsument, der sein Geld ausgibt - und damit bestimmt, was produziert wird? Erfrischend lakonisch sprach Nico Lumma gestern davon, wie die Shoppero-Macher auf der Suche nach den passenden Anreizen für die produktempfehlenden Massen auf das gute, alte Geld verfallen sind.
Mit Geld kann man eine Menge anfangen. Man kann es sparen, man kann es investieren oder einfach ausgeben und dafür schöne Sachen kaufen.
Das Web, nicht erst seit Versionsnummer 2.0, hat die Kräfteverhältnisse verändert. Der Konsument hat die Macht übernommen. Jetzt bestimmt er nicht nur mit seinem Geld, sondern redet auch noch mit und macht Meinung. Und verdient womöglich sogar damit selbst wieder Geld.
Das Aufregerthema der next07 war zweifelsohne das völlig harmlose und geradeaus gedachte Lumma/Kunathsche Shoppero. Zu Recht? Die Aufregung zeigt jedenfalls, dass die Debatte in diesem Jahr endgültig beim Gelde angekommen ist.
Das ist gut so, denn einer muss auch im Web x.0 am Ende die Rechnung bezahlen. Und das ist normalerweise in einer funktionierenden Marktwirtschaft der Konsument, der souveräne.
Hamburg hat mit Hamburg@work einen sehr aktiven Unterstützer der Games-Branche: Mit dem Projekt Gamecity Hamburg vernetzt Hamburg@work national und international die Branche der digitalen Spieleunterhaltung. Dementsprechend sind wir sehr stolz, den Förderverein als Sponsor für den Themen-Track "Parallelwelten" gewonnen zu haben. Morgen auf der next07 werden folgende Themen besprochen:
Götz Hamann von der Zeit befragt drei Jugendliche als Kunden von morgen: Wie gehen sie mit verschiedenen Identitäten, virtuellen Welten und sozialen Netzwerken um?
Um "Reales Geldverdienen in virtuellen Welten" geht es im Vortrag von Dr. Rainer Mehl, Leiter Strategy & Change Consulting, IBM Deutschland und Nordosteuropa.
Rowan Barnett, Redaktionsleiter von The AvaStar, berichtet vom Boulevard-Wochenmagazin Nr. 1 in einer virtuellen Welt.
Und Dr. Andreas Gerber, Geschäftsführer von X-aitment, erläutert, was "Künstliche Intelligenz in der Spielwelt" zu tun vermag, sprich: Wann wir an Raumschiff Enterprise andocken.
Last but not least möchte ich an dieser Stelle noch auf den Neptun Crossmedia-Award hinweisen. Hamburg@work kürt am 31. Mai die beste Crossmedia-Kampagne des Jahres 2006. Besondere Spannung verspricht das Veranstaltungsformat: Die Finalisten treten vor dem anwesenden Fachpublikum ab 14 Uhr gegeneinander an. Das Plenum aus Marketing- und Kommunikationsexperten bildet gleichzeitig die Jury, die „live“ über ein elektronisches Voting-System den Gewinner des „Neptuns“ auswählt. Wer daran teilnehmen möchte, folge bitte dem Link.
Noch wenige Stunden bis zur (ausverkauften!) next07. Wer spricht worüber? Hier mal ein Blick auf das Innovation Camp. Hier werden Start-ups, Visionen und kreative Ideen vorgestellt und diskutiert, die das Potenzial haben, ganz groß zu werden. Aber es eben noch nicht sind. Die Stars von morgen könnte man titeln, wenn man's gerne schmissig hat.
Jan Miczaika, Gründer und Geschäftsführer Hitflip: „Post-Commerce: Trading in a 2.0 World“ Alexander Artopé, Mitgründer und Geschäftsführer smava: „Kreditmarktplätze – ein neuer Trend in der Finanzindustrie“ Claudia Helming, Michael Pütz, Gründer und Geschäftsführer DaWanda: „Der gefühlte Mehrwert oder Die Sehnsucht nach Individualität“ Christian Clawien, PR-Manager, Mister Wong: „Die Schwarmintelligenz von Links“ Stephan Uhrenbacher, Geschäftsführer Qype: “Coopetition with Google. Strategien für ein sinnvolles Miteinander.” LaFraise (Matthäus Krzykowski, Geschäftsleiter) versus Charitees (Anton Jurina, Gründer): „Nicht das T-Shirt, die Botschaft ist das Produkt“
Host des Innovation Camps ist die Deutsche Bank. Genauer gesagt, der Bereich Personal and Corporate Banking IT/O. Wer vom vielen Zuhören geschwächt ist, kann sich zwischendurch/hinterher/ständig in der Deutsche Bank Lounge erholen.
"Partizipation ist an einen enormen Zeitbedarf geknüpft", sagt Keynotesprecher Prof. Dr. Norbert Bolz im Interview zur next07. Und wer ist der Gewinner im Kampf um die Aufmerksamkeit des Konsumenten, haben wir ihn gefragt. Seine Antwort:
Im Zeitalter des „Information Overload“ wird nicht der sich durchsetzen, der ein Mehr an Informationen bietet, sondern der, der fasziniert.
Der Philosph und Medienwissenschaftler spricht auf der next07 über die Zukunft der interaktiven Medien.
"Es gibt einen klaren Trend in der Produktgestaltung, potenzielle Käufer mit einzubeziehen", sagt Dr. Rainer Mehl im next07-Interview auf die Frage, inwieweit Unternehmen die Nutzer von virtuellen Plattformen einbinden.
"So stellt zum Beispiel Adidas seine Schuhe in den virtuellen Shop und beobachtet, welche gekauft werden. Daraus ergibt sich eine gute empirische Grundlage für die Produktentwicklung."
Dr. Rainer Mehl, Leiter Strategy & Change Consulting bei IBM Deutschland und Nordosteuropa, spricht auf der next07 über das Potenzial für Produkte und Geschäftsmodelle in den virtuellen Welten.
Sein Leben als virtueller Reporter fühlt sich überraschend normal an, sagt Rowan Barnett aka Regis Braathens im next07-Interview. Barnett ist Redaktionsleiter von The AvaStar, dem ersten Boulevard-Wochenmagazin in Second Life.
Eine Zeitung in Second Life zu machen ist nicht so anders wie eine Zeitung im echten Leben. Die kleinen Unterschiede sind, dass ich wenig mit meiner Redaktion telefoniere, und wenige Redakteure habe ich persönlich kennen gelernt - die anderen kenne ich nur als Avatare.
Auf der next07 spricht Barnett/Braathens über sein Leben zwischen Real Life und Second Life.
Die re:publica ist Geschichte, die next07 steht bevor. In den letzten Wochen haben wir, allen voran Mark Pohlmann, kräftig am Programm gearbeitet. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen:
Ein genauer Blick ins Programm wird die eine oder andere Neuigkeit zu Tage fördern. Dazu später mehr.
Änderungen im Detail sind noch möglich und zu erwarten, aber der zeitliche Rahmen steht fest:
Warum ist das Spreadshirt-Geschäftsmodell so erfolgreich, seinen Kunden einen Teil der Herstellung zu überlassen?
Weil unsere Kunden einerseits das T-Shirt als Medium entdeckt haben und dass man da ohne großen Aufwand viele bunte lustige Sachen draufdrucken lassen kann - und wahrscheinlich, weil sie satt hatten, dass ihnen andere vorschreiben, was cool und lustig ist.
Natürlich könnte man jetzt wieder die große 2.0 Keule rausholen und sagen, dass wir den Long Tail reiten: 'Demokratisierung der Produktionsmittel', Vereinfachung der technischen Infrastruktur, Verringerung der Kosten, user-generated Content, Do-it-yourself, MeCommerce, Social Commerce, äh - fehlt noch was Wichtiges?
Im next07-Interview erklärt Glaenzer, wie sich bei last.fm der Weg der Musik vom Produzenten zum Hörer ändert und sagt über den last.fm-Hörer:
Er soll sein Verhalten nicht umstellen, er soll einfach Musik hören wie bisher. Wir erstellen aus seinem Hörverhalten sein eigenes Musikprofil. Wir analysieren dieses Profil, vergleichen es mit Millionen anderer Profile und können dadurch die richtige Musik empfehlen – dabei gehen wir so weit, jedem sein eigenes, individualisiertes Radioprogramm anzubieten.
Und über die Musikproduzenten:
Auf der technologischen Ebene ist es heute einfacher und günstiger, Musik zu produzieren. Früher mussten die Produzenten auf der Suche nach ihren Hörern erst durch den Expertenfilter. last.fm kann Produzenten und Hörer nun direkt zusammenbringen.
Dass die Marketing-Aktivitäten von Unternehmen in Second Life meist auf nur geringe Akzeptanz stoßen, wissen wir spätestens seit einer Studie der Hamburger Agentur Komjuniti - nomen est omen: sie baut Communities. Komjuniti hat 200 Avatare in Second Life nach ihrer Meinung gefragt, das Ergebnis war eher niederschmetternd.
Wagner James Au liefert bei GigaOM jetzt drei Gründe dafür. Die ersten beiden sind eher marketingtechnischer Natur, aber beim dritten geht es dann zur Sache:
Fashion companies have it even harder. A thriving homegrown industry of avatar clothing design (free of production costs and overseas mass production) already exists, largely ruled by housewives with astounding talent and copious amounts of time, and since the designers are popular personalities in Second Life (whose avatars become their brand), they enjoy– and frankly deserve– the home team advantage.
Faced with such talented competition, smart marketers should concede defeat, and hire these college kids and housewives to create concept designs and prototypes that re-imagine their brands merged to existing SL-based brands which have already proved themselves in a world of infinite possibility. Or as the Komjuniti study suggests, they can keep building sterile shopping malls, and continue wondering why Residents prefer nude dance parties, giant frogs singing alt-folk rock, and samurai deathmatches– and often, all three at the same time.
Wie Produkte und Geschäftsmodelle aussehen, die in Second Life tatsächlich funktionieren, darüber spricht Rainer Mehl, Leiter Strategy & Change Consulting bei IBM Deutschland und Nordosteuropa, im Track Parallelwelten auf der next07. Er untersucht, womit reales Geld verdient werden kann und betrachtet Second Life als Möglichkeit, zukünftige Geschäftsmodelle zu testen und bestehende zu erweitern. Zahlreiche Forscher, Ingenieure, Entwickler und Berater von IBM arbeiten bereits in Second Life.
"Neu ist in Zukunft, dass TV-Marken jedem Zuschauer sein persönliches Programm zusammenstellen", sagt Tobias Trosse im Interview zur next07. "Individualisiertes Fernsehen wird die spannendste und bedeutendste Errungenschaft für den Zuschauer."
Die Basis des Ganzen: Da Konvergenz endlich stattfindet, kann der Fernseher künftig so bedient werden wie heute der Internet-PC - als PC mit großem Monitor. Und:
User-generated Content oder auch Prosumer Content sind Modewörter und werden in punkto Fernsehnutzung massiv überschätzt. User-generated Content wird nur einen geringen Teil ausmachen, und es ist gefährlich, ihn als Allheilmittel zu sehen. Im Übrigen ist der „user-generated Content“ auf den gängigen Videoplattformen meist lediglich „user-recorded Content“.
Der Geschäftsführer von Televised Revolution spricht im Track Medien 2.0 auf der next07 über seine Mitarbeit an der Zukunft des Fernsehens.
Brisante Enthüllungen von Lukasz Gadowski. Und es kommt noch besser: Die next07, auf der er referieren wird, ist kein Web-2.0-Kongress.
Der Begriff Web 2.0 ist in Deutschland nicht über das Stadium relativ unreflektierter Begeisterung hinausgekommen, gepaart mit bräsiger Ernüchterung nach dem Motto "Das haben wir doch schon immer so gemacht". Vermutlich haben einfach zu wenige Leute Tim O'Reilly gelesen (und verstanden).
„Die Marken müssen raus aus ihrem Elfenbeinturm“, sagt Trendforscher Nils Müller im Interview zur next07. Der Gründer von TrendONE spricht auf der next07 die Visionary Note.
Der Schlüsseltrend Media 3.0 hat Web 2.0 abgelöst, erklärt Müller:
„Media 3.0 bedeutet ‚Jump in’ – jeder lebt im Medium und verschmilzt mit dem Medium. In Web 1.0 war man Zuschauer, in Web 2.0 konnte man als Direktor bestimmen, was passieren soll – und in 3.0 ist man selbst der Darsteller in den virtuellen Welten.“
Das uralte Heilsversprechen der Künstlichen Intelligenz hat immer noch Gültigkeit. So scheint es jedenfalls, wenn Andreas Gerber im Interview sagt: "Realität und KI verschmelzen immer stärker, so dass der Mensch in naher Zukunft nicht mehr unterscheiden kann, ob er mit Menschen oder einem KI-System interagiert." Der Gründer von X-aitment spricht beim Startup Meeting auf der next07 über Künstliche Intelligenz und moderne Spieleentwicklung.
Auch ein Thema für Hamburg vs. Berlin: Kongresse. In Berlin findet vom 11. bis 13. April die re:publica statt. Heute berichtet Detlef Borchers auf heise.de darüber und zieht diesen Vergleich:
Die dreitägige, bis in die Abendstunden gehende Konferenz kostet 60 Euro. Blogger, die für re:publica werben, zahlen 40, "Profis" gleich 100 Euro. Das ist vergleichsweise günstig, wie die kommerzielle eintägige Web-2.0-Konferenz Next 07 zeigt. Diese kostet 590 Euro.
Vergleichsweise günstig, das stimmt. Sogar sehr günstig - das haben Spreeblick und Netzpolitik wirklich gut hinbekommen. Ansonsten werden sich die beiden Kongresse wohl ziemlich deutlich unterscheiden, insbesondere was Programm (hier re:publica, da next07) und Teilnehmer (hier re:publica, da next07) betrifft. So soll es sein.
Mit Web 2.0 haben die beiden Veranstaltungen zwar ein TagEtikett Oberthema gemeinsam, die Perspektive auf die Details aber ist fast komplementär: hier Kultur, da Wirtschaft. Am besten beide Kongresse besuchen.
"Vielleicht wird Brand Wikization das heimliche Marktforschungs-Werkzeug der Zukunft", spekuliert Bernd M. Michaelim Interview zur next07. Der Ex-Chairman und CEO von Grey hält auf dem Kongress eine Keynote zur Frage, wieviel Macht Kunden über Marken haben. Das ganze Interview hier.
Peter Turi: Sind Blogger Para-Journalisten, wie der Medienwissenschaftler Norbert Bolz meint? Also Möchtegern-Journalisten, die’s noch nicht in die echten Medien geschafft haben?
Thomas Knüwer: Ach, der Herr Bolz. Die Mehrheit der Blogger will ja bewusst nicht als Journalist bezeichnet werden. Was auch eine Menge über das Ansehen unseres Berufsstandes sagt. Unter den Bloggern gibt es eine Reihe, die es in die „echten Medien“ (ist das Internet unecht?) geschafft haben. Viele, die es gar nicht schaffen wollen. Solche Kategorisierungen stammen von Menschen, die sich die Vorstellung abgewöhnt haben, dass es in einem demokratischen Land einen Diskurs geben könnte. Einst hätte Bolz wahrscheinlich behauptet, die Teilnehmer der Diskussionssalons des 19. Jahrhunderts seien alle Para-Christiansens. Das ganze Interview mit Thomas Knüwer in der Netzwirtschaft
Visionäre aufgepasst! Unter dem Motto Die Geschäfte der Zukunft: Handel – Arbeit – Freizeit schreiben die Deutsche Bank und SinnerSchrader ab sofort Sprecher-Plätze für das Innovation Camp auf der next07 aus.
Der Reality Check für Zukunftsvisionen: Ausgewählte Sprecher präsentieren vor den wichtigsten Köpfen der Branche die Themen, die im kommenden Jahr die Agenda bestimmen werden.
Die Bewerbungsfrist läuft bis zum 12. April. Was zu tun ist, steht im Kongressblog. Jetzt bewerben!
Gestern hat sich übrigens ein Risikokapitalgeber angemeldet. Er schreibt: "VC auf der Suche nach Unternehmern ... sprecht mich bitte an!" Das sollte sich machen lassen.
"Ich frag mal beim Martin Recke nach, ob Blogger Rabatt bekommen", kündigt Robert an. Die Antwort ist: Es kommt darauf an. Am fehlenden Einkommen jedenfalls soll die Teilnahme nicht scheitern.
Bitte schreibt uns, was Euch brennend interessiert und warum Ihr dabei sein möchtet. Oder noch besser: Dreht ein kurzes Video und publiziert es auf einem der bekanntenVideoportale. Wir werden für die überzeugendsten Aspiranten ein begrenztes Kontingent von Blogger-Tickets vorhalten.
Keiner ändert die Medienlandschaft so grundlegend wie Google. Wen wundert's da, dass Google-Nordeuropachef Philipp Schindler als der derzeit wichtigste Manager der Kommmunikationsbranche in Deutschland gilt. Nach Ansicht der w&v-Redaktion gehört er damit zu den Persönlichkeiten, "die im Jahr 2006 auffallend mutig und innovativ handelten und – oft auch gegen Widerstände – Entscheidungen trafen, die ihren Unternehmen künftig neue Erlösquellen erschließen".
Schindler kam auf Platz eins,
weil er mit Google derzeit daran arbeitet, die Medien- und Agenturlandschaft in Deutschland gründlich umzukrempeln. So hat er beispielsweise den in der Branche üblichen Rabattpoker um Werbepreise abgeschafft und den vermittelnden Agenturen die gewohnten Provisionen gestrichen.
Philipp Schindler, Jahrgang 1970, leitete vor seinem Google-Engagement den Bereich Marketing und Sales von AOL Deutschland (seit 1999). „Google wird in Deutschland noch viel Spaß haben“, sagte Schindler im letzten Jahr zur FAZ.
Alle, die gern aus erster Hand erfahren möchten, wie das geht, mögen am 3. Mai 2007 zur next07 „Inspiration und Interaktion“ kommen. Philipp Schindler hält dort die Keynote zum Thema „Vom E-Business zum Me-Business: Märkte sind Gespräche“.
Gerade wurde "The AvaStar" bei den Lead Awards 2007 in der Kategorie "Webleader des Jahres" ausgezeichnet. Da freut es uns umso mehr, dass Rowan Barnett, seines Zeichens Chefredakteur von The AvaStar, am 3. Mai auf der next07 spricht.
Im Track „Parallelwelten“ wird auf der next07 diskutiert, wie wichtig digitale Welten für unsere Kommunikation sind und werden. Rowan Barnett aka Regis Braathens, 25, arbeitet seit Oktober 2006 für das erste Wochenmagazin in der virtuellen Welt Second Life. Dort sind aktuell vier Millionen Einwohner als virtuelle Figuren registriert, tausende Firmen vertreiben ihre Produkte.
"The AvaStar" bietet den "Residents" auf rund 30 Seiten umfassende Informationen über das Leben in der virtuellen Welt. Der Großteil der Leserschaft setzt sich aus jüngeren Männern und Frauen mit einem durchschnittlichen Alter von 32 Jahren zusammen und ist hoch gebildet. "The AvaStar" will für die Leser ein Leitfaden sein und vor allem Neueinsteigern die Orientierung in der "Second Life"-Umgebung erleichtern. Den redaktionellen Rahmen der Zeitung bilden die Inhalte News, Business, Celebrity & Gossip, Style & Fashion, Travel und Entertainment.
Wie sieht Barnett/Braathens die Zukunft der Zeitung in der virtuellen Welt - und die des Journalismus? Er hat die Vision einer 3D-Zeitschrift zum „drin Rumlaufen“, in der natürlich die gleichen journalistischen Standards wie in der wirklichen Welt gelten: “Ich bin Journalist, ich spiele nicht nur die Rolle eines Journalisten.“
Wie fühlt es sich an, das Leben zwischen Real Life und Second Life, als virtuell arbeitende Person? Diese und andere Fragen werden wir ihm stellen, im echten Leben auf der next07. Schon registriert?Bis dahin:
Was solche Zweitleben mit einem anstellen können, verriet uns Barnett: Kürzlich hatte er in seinem Kleiderschrank erfolglos ein ganz bestimmtes T-Shirt gesucht, dann fiel ihm ein: Er hatte es nur in der virtuellen Welt gekauft. Barnett/Braathens wörtlich: „Real life is a tricky issue.”
Am 3. Mai findet die next07 „Inspiration und Interaktion“ statt, Kongress für die aktuellen Innovationsthemen des Internet, mit dem wir an den Kongress next10years aus dem vergangenen Jahr anknüpfen.
Ab sofort ist die Registrierung für die next07 möglich. Die ersten 50 registrierten Teilnehmer zahlen einen Einführungspreis von nur 390 Euro, danach sind 590 Euro fällig.
next07, das heißt erfahren, welche Trends kommen und welche floppen, wer bei wem investiert. Die wichtigsten Köpfe der Branche treffen, die besten Konzepte und Geschäftsmodelle kennen lernen und über den Dächern der Hamburger Speicherstadt feiern - an einem Tag, an einem Ort. Mit 4 Keynotes, 50 Referenten und 700 Gästen.
Wenn Sie Marketing-Professional, Produkt-Manager, Grafik-, Web- und Interface-Designer, Entwickler, Blogger, Investor oder Gründer sind:
Soziale Netzwerke, Blogs, Podcasts, Videocasts, Online- und Offline-Communities und -Services - all diese Aspekte werden bei der re:publica ebenso umfassend zur Sprache kommen wie Hintergründe, die Philosophie, die Prinzipien, die rechtlichen Grundlagen der sozialen (R)evolution im Netz.
So eine Art Digital Lifestyle Day von unten? Bisschen Barcamp, bisschen Konferenz, Kultur und Politik? Ich bin gespannt. [via Oliver Gassner]
In eigener Sache (auch unter dem Namen next07 bekannt) liegen wir gerade in den letzten Zügen vor der Ankündigung. Alles - Termin, Redner, Sponsoren etc. - hängt, das mussten wir in den letzten Monaten schmerzhaft lernen, am Veranstaltungsort.
Doch wenn jetzt nichts mehr schief geht, werden wir in Kürze einen wirklich genialen Ort (und damit Termin etc.) präsentieren können. Bitte am Draht bleiben.