Ist ein ganzheitlich integrierter Facebook-Shop mit kompletter Verkaufsfunktion das digitale Ei des Kolumbus oder doch das Weiterleitungsmodell auf den eigenen Webshop?

Die Zeiten, in denen Social-Media als Nischenphänomen tituliert wurde, sind längst Geschichte. Aktuell sind 76 % der deutschen Internet-Nutzer in einem sozialen Netzwerk registriert, und gut 90 % von ihnen gehören der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen an*. Diese Zahlen belegen, dass Facebook & Co. absolut massenfähige Relevanz haben.

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Heute haben viele Unternehmen erkannt, dass die sozialen Netzwerke einen nicht ausklammerbaren Kommunikationskanal darstellen, da sie von einer breiten Masse aktiv genutzt werden. Dass auch das Kaufverhalten von sozialen Elementen geprägt ist, zeigen zahlreiche etablierte Social-Shopping-Konzepte wie DaWanda oder Groupon ebenso wie Kundenbewertungen á la HolidayCheck oder Ciao. Social-Commerce hat sich längst als werthaltige Bereicherung etabliert. Doch wie könnte die Konsequenz aussehen? Wie lässt sich dieses Potential am besten nutzen?

Zunächst stellt sich die Frage nach der Wahl des optimalen Social-Media-Kanals, um mit den Vertriebsaktivitäten zu beginnen bzw. sie zu erweitern. Da gab es Plattformen wie die VZs, Myspace oder Second Life... Alles Projekte die mit großem Enthusiasmus starteten und zeitweise stattliche Nutzerzahlen erreichten - meist aber nur für einen überschaubaren Zeitraum. Glück hatten jene Marketeers und Shop-Betreiber, die in diesen Umfeldern ihre Spendings durch die Erhöhung der Brand-Experience bzw. Brand-Loyality wieder einspielen konnten. Bei vielen stellt sich jedoch die Frage, ob der ROI aus diesen Investitionen erreicht wurde.

Aufgrund der heute vorliegenden Erfahrungswerte halten sich viele Shop-Betreiber bei ihren Social-Commerce-Aktivitäten lieber an den aktuellen Reichweiten-Primus Facebook. Da bei E-Commerce-getriebenen Marken und Anbietern die Monetarisierung ihrer Social-Media-Aktivitäten im Vordergrund steht, ist der Schritt von der Fanpage zum Facebook-Shop naheliegend. Doch damit tut sich bereits die nächste Frage auf: Ist ein ganzheitlich integrierter Facebook-Shop mit kompletter Verkaufsfunktion das digitale Ei des Kolumbus oder doch das Weiterleitungsmodell auf den eigenen Webshop?

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Aus meiner Sicht gibt es darauf eine klare Antwort: Der Umsatz sollte bei Ihnen zu Hause im eigenen Shop erfolgen. Dies berücksichtigt dennoch den Umstand, dass Käufe auf unterschiedlichsten Plattformen und Kanälen initiiert werden sollten, denn die dortige Frequenz kann kostengünstig, effizient und reichweitenstark abgeholt werden - der idealtypische Prozess eines effizienten E-Commerce-Modells. Das eigene Ökosystem, in dem der Betreiber die volle Hoheit über Funktionen und Rahmenbedingungen hat, ist jedoch die beste Umgebung für die optimale Kundenbetreuung.

Weitere Argumente: Usability, Kundenbindungselemente und das Zusammenspiel einzelner Tools wie Analytics, Retargeting und E-Mail-Marketing, sind in vollem Funktionsumfang nur auf der eigenen Plattform zu gewährleisten. Und nur hier kann der Kunde durch eine größere Sortimentstiefe bzw. -breite geführt werden, wodurch sich größere, profitablere Warenkörbe generieren lassen.

Es gilt also eine Verknüpfung von Social-Media-Kanälen bzw. -Elementen mit der eigenen Shop-Plattform anzustreben und damit die Leadqualität und persönliche Weiterempfehlung der sozialen Netzwerke zu nutzen. Durch die Anbindung und Nutzung externer sozialer Mehrwerte gewinnt der eigene Shop an Attraktivität und Frequenz, was sich letztlich in der Conversion widerspiegelt.

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Diese Symbiose ermöglicht eine optimale Customer-Journey und das oft zu reduzierten Produktionskosten, da bestehende Funktionen der Social-Plattformen effizient eingebunden werden können und nicht selbst entwickelt werden müssen.
Im Idealfall wird also das Beste aus beiden Welten kombiniert. Leider fehlt bis dato meist die Überzeugung, um ein solches Konzept mit aller Konsequenz zu realisieren. Ein positives Beispiel einer solchen Social-Shopping-Umsetzung, wenn auch nicht mehr ganz frisch, ist der Friends-Store von Levis.

Oliver Elbert ist Vorstand Marketing & Vertrieb der Online-Agentur spot-media, die zur SinnerSchrader-Gruppe gehört.

Die ursprüngliche Triebkraft des E-Commerce war, die Transaktionskosten zu senken. Und zwar auf beiden Seiten des Tisches, beim Kunden wie beim Verkäufer - die berühmte Win-Win-Situation. Der E-Commerce der zweiten Generation zielt nun darauf, auch noch die emotionalen Transaktionskosten zu senken. Willkommen im Social Commerce!

Social Commerce zeichnet sich dadurch aus, dass Konsumenten und Anbieter online etwas tun können, was offline nur zu hohen emotionalen Kosten möglich ist. Zum Beispiel um Hotelpreise feilschen. Frank Mansfeld, Hotelier auf Mallorca, beschreibt die Ausgangssituation so:

Mai 2009, es war schon abzusehen, dass es ein schlechtes Jahr für den Tourismus werden würde. Ich selbst war davon genauso betroffen wie die meisten anderen Hoteliers auf Mallorca. Meine Frau und ich sind seit vier Jahren stolze Besitzer zweier Landhotels auf Mallorca, und noch nie wurde von Urlauberseite her so viel gehandelt wie in diesem Jahr. Und gerade weil so viele Gäste mit uns feilschen wollten, kam mir die Idee, eine professionelle Verhandlungsplattform für Hotels im Internet anzubieten. Allerdings wollte ich etwas erschaffen, das auch dem Hotelier zugute kommen würde.

Das Ergebnis heißt Vadingo und ist seit diesem Frühjahr online. Um bei Vadingo ein Hotel zu buchen, müssen Konsumenten Reiseziel, Reisedatum, Kategorie und Wunschpreis eingeben, dann erhalten sie von Vadingo eine Auswahl an Hotels, die genau oder ungefähr dem Wunschpreis entsprechen. Mit bis zu zehn ausgewählten Hotels verhandelt Vadingo dann direkt. Die Verhandlungsangebote der Hotels kommen per Mail, können auf Vadingo verglichen und auch gebucht werden.

Vadingo deckt bis jetzt nur die Balearen ab. Ein breiteres Angebot verspricht Hotelsnapper, das allerdings noch nicht online ist. Hier gibt der Konsument ebenfalls Zielregion, Aufenthaltsdauer, Hotelkategorie und Wunschpreis ein. Hotelsnapper fragt die relevanten Hotels an und bucht dann sofort ohne weitere Rückfrage "das beste Hotel, das Sie zu dem Preis bekommen können". Hoffentlich nicht das Nächstbeste.

Die fehlende Transparenz schützt zwar den Hotelier vor der bösen, bösen Preistransparenz - er kann über andere Kanäle weiterhin höhere Preise nehmen, ohne dass es groß auffällt. Doch der Konsument bucht blind und muss darauf vertrauen, dass Hotelsnapper wie versprochen nur die Hotels zulässt, die in den Gästebewertungen auf den einschlägigen Bewertungsportalen (zum Beispiel HolidayCheck) die besten Bewertungen aufweisen.

[Trinkgeld für s2planning]

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Another promising start-up that recently caught my attention is strings.com or maybe just strings. Their pitch sounds as follows:

Strings is a social tracking and filtering platform that allows you to share and uncover experiences that are relevant to you. Strings incorporates strong privacy controls, easy filtering, and tracking support that allows your actions on and offline to automatically identify personalized trends worth following.

First of all, the name is way too generic, news and coverage about strings are hard to find. They launched in February and managed to get on stage at Web 2.0 Expo, but that's all I know. Who is the founder? The site gives me no idea. They don't have a pressroom either.

The sign-up process is old-school - you have to create just another account, no Open ID, Google, Facebook, Twitter or whatsoever. This is lame, but there might be a reason for this. After the sign-up, strings allows you to create "trackers" for the usual suspects like YouTube, flickr, Foursquare, Twitter, last.fm, but also for purchases at Apple, eBay and the like. For some trackers, you have to provide your login data, which is lame too, but again there might a reason for this.

Why I am completely at a loss with strings is the social part - that's missing. I've no idea how many people use strings, but it's clear that I can't find my peeps. There is no way to import my friends from other services like Twitter or Facebook. Without friends, the whole thing is pointless.

And the design isn't very pretty anyway.

[Hat tip to Denkzelle]

Matthias Schrader referierte und disktutierte am vergangenen Freitag auf der CeBIT Webciety über Mode, Lifestyle und das Web 2.0. Das Video gibt es auf webciety.de (siehe 5. März 2010, Mode 2.0), die Folien hier:



Auf dem Social Commerce FORUM Mitte Juni hielt Matthias Schrader eine Keynote zum Thema "Herausforderung Fashion 2.0 - Zwischen Renaissance und Share Economy". Björn Negelmann hat die Keynote im Notizblog zusammengefasst. Die Folien inklusive Tonspur gibt es im Video, die Folien ohne Tonspur bei Slideshare.

Am 17. Juni 2009 findet das zweite Social Commerce Forum in Bad Homburg statt. Diesjähriges Motto ist Mode und Lifestyle. Diskutiert werden Erfolgsstrategien und Erfahrungen der Branche im Social Commerce.

Der Begriff Social Commerce steht für Verkaufen im Web, das ein soziales Erlebnis für den Endkonsumenten darstellt. E-Commerce mit Community-Charakter sozusagen.

Matthias Schrader, Geschäftsführer von SinnerSchrader, wird das Social Commerce Forum mit seiner Keynote zum Thema "Mode 2.0 - Merkmale, Herausforderung und Strategieansätze" und als Diskutant bereichern.

otto_fashion.JPGDer, wenn auch zweite, Schritt auf dem Catwalk des Otto-Blogs ist getan. Die Modejournalistinnen Kathrin Leist und Mahret Kupka schreiben auf Two for fashion über Trends, neue OTTO-Designs und Lifestyles. Nahe an der Modeszene soll die Nähe zum Kunden intensiviert werden, quasi postwendend.

Die Emotionalisierung des Online-Shoppings und die Einbindung der User ist einer der strategischen Pfeiler unserer Innovationsoffensive eShopping 2.0,
erläutert Dr. Rainer Hillebrand, Sprecher des OTTO-Vorstands. Mit dem Fashion-Blog bestätigt OTTO den Trend der sozialen, interaktiven Form der Kommunikation zwischen Unternehmen und Konsumenten. Mitarbeiter sollen in Gastbeiträgen bloggen und der Leser als aktiver Nutzer an Votings teilnehmen. Wie gesagt, es ist erst der zweite Schritt. Aber in die richtige Richtung.

Rund um den Nukleus next08 am 15. Mai haben sich in letzten Tagen und Wochen einige weitere Veranstaltungen angesiedelt. Hier eine kleine Übersicht:

  • 14. Mai, 9.30 Uhr: Facebook Developer Garage Hamburg. Zum ersten Mal in Deutschland! Veranstaltungsort: Handelskammer Hamburg. Mehr Informationen in der Facebook-Gruppe und im Wiki.
  • 14. Mai, 14 Uhr: Venture Lounge. Veranstaltungsort: Körber-Stiftung, Kehrwieder 12. Es gibt ein Kombiticket für die Venture Lounge und die next08 mit Preisnachlass! Hier buchen.
  • 14. Mai, 14 Uhr: Exciting Commerce Roundtable Hamburg ("Mode, Fashion & Style"). Veranstaltungsort: smatch.com. Hier registrieren.
  • 14. Mai, abends 19 Uhr: Bloggertreffen in Hamburg. Mehr dazu demnächst bei Klaus Eck.
  • 15. Mai, 9 Uhr: next08. Veranstaltungsort: Museum Prototyp, Hafencity. Das vorläufige Programm ist jetzt online. Hier registrieren. Bis 30. April noch für 590 Euro (zzgl. MwSt.), danach 790 Euro. Inklusive Party (siehe den nächsten Punkt).
  • 15. Mai, 20 Uhr: next08 meets onlineKapitäne - powered by MySpace. Veranstaltungsort: Museum Prototyp, Hafencity. Für Mitglieder von Hamburg@work kostenlos (hier anmelden), sonst 75 Euro (hier registrieren).
  • 16. Mai: Going Solo. Veranstaltungsort: Lausanne, Schweiz. Hier registrieren.
  • 17./18. Mai: StartupWeekend Hamburg. Veranstaltungsort: East Hotel. Mehr Informationen bei mixxt. Hier registrieren.

Was habe ich vergessen? Hinweise bitte in die Kommentare.

Aus der Reihe "Web - leicht gemacht"

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Warum eigentlich Social Bookmarking?

Commoncraft erklärts auf geniale Weise im neuen Video. Weitere meisterhafte Stücke zu den Themen Social Networking, Wikis und RSS. Das ist mal gelungener Frontalunterricht!

Gefunden bei Robert Basic.

Jedem sein Einzelstück

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Die Produkte bei DaWanda sind individuell und liebevoll gestaltet – das galt von Anfang an. Jetzt machen's Claudia Helming und Michael Pütz möglich: Jeder Nutzer kann auf Wunsch Einzelanfertigungen erhalten.

Die Tasche lieber eine Nummer größer? Das Buch im grün-geblümten Umschlag? Noch einen anderen Verschluss? Im DaWanda Style Lab gibt es bislang 26 Produkte, die nach eigenen Vorlieben maßgefertigt werden. Weitere Produkte sollen zügig folgen, und zwar unabhängig von der Produktkategorie, sprich: Taschen, Schmuck, Tapeten, Möbel, Bücher, Mode etc. – eine Form standardisierter Produktindividualisierung, die weltweit einmalig ist.

Mit dem Style Lab öffnet DaWanda neue Möglichkeiten in der Hersteller-Kunden-Beziehung. Der Kunde wird in die Produktgestaltung involviert, wird so selbst zum Designer. Er kann eigene Ideen und Vorstellungen einfach und mit wenig Aufwand realisieren lassen, und bekommt am Ende genau das, was er wirklich will. Das Style Lab macht die Kundenkommunikation schneller, klarer und auch sicherer. Und davon profitieren selbstverständlich auch die Hersteller, um auf die Wünsche der Kunden einzugehen.

Das Style Lab ist eines der neuen Elemente nach dem umfangreichen Relaunch von DaWanda, genau wie Coloranda, das alle Produkte zu einer bestimmten Farbwahl anzeigt. Das sieht schon schräg aus, deshalb noch ein Bild:

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Dawanda ist im Dezember 2006 gestartet. Aktuell gibt es mehr als 3.000 Anbieter und mehr als 20.000 Produkte mit einem Warenwert von 2,5 Mio. Euro.

Disclaimer: DaWanda ist Kunde von SinnerSchrader.

Kritik kommt von altgriechisch kritein, „[unter-]scheiden, trennen“. Der Kritiker braucht Kriterien, mit deren Hilfe er unterscheiden kann - das Gute vom Schlechten zum Beispiel, oder das Erfolgreiche vom Erfolglosen.

Unternehmen aller Art haben ein hartes Erfolgskriterium, das sich am Gelde bemisst. Oder genauer: daran, wie viel am Ende, wenn alle Rechnungen beglichen sind, noch übrigbleibt. Sie geben ihr Geld nur aus, wenn sie Rückflüsse erwarten können, die höher sind als die Ausgaben.

Unternehmerische Bedenkenträger kommen immer dann ins Spiel, wenn diese Erwartung nicht realistisch erscheint. Dann zögern sie mit dem Geldausgeben, und die Macher bekommen nicht die Mittel in die Hand, die sie gern hätten.

Die Aufbruchstimmung vom Vorjahr ist vorbei. Das war auf der next07 klar zu sehen. Doch gibt es jetzt tatsächlich eine Kluft "zwischen dem kleinen gallischen Dorf voller Visionäre und dem Römischen Reich der Bedenkenträger in ihren von Firmenpalisaden umzäunten Parallelwelten", wie Oliver Gassner in Telepolis schreibt?

Nein! In den Unternehmen herrscht weiter Aufbruchstimmung, bestimmt die Lust am Internet, an der Kommunikation mit dem Konsumenten das Bild. Zu Bedenkenträgern sind indes die Blogger geworden. Der Fall Shoppero zeigt das überdeutlich.

Shoppero ist ein Qype für Produkte, das seine Autoren an den Werbeerlösen beteiligt. Eigentlich ganz einfach und vor allem eine Antwort auf die Frage, was denn die Nutzer auf den ganzen sozialen Netzwerkplattformen von ihrem Engagement haben (außer Ruhm, Ehre und Karmapunkten).

Geld ist prinzipiell keine schlechte Sache. Man könnte zugespitzt sagen: Selbst wenn Beiträge bei Shoppero nur deshalb geschrieben werden, um damit den Abverkauf irgendwelcher Produkte zu fördern, ist das kein Problem - solange es verkauft. Das nennt sich dann wohl Social Commerce.

Dabei bleibt allenfalls der neue Spitzenwert Authentizität (Bolz) auf der Strecke, dem sich die Bloggerszene mit Haut und Haar verschrieben hat. Doch was ist Authentizität anderes als hochselektive Wahrnehmung, als der zum Prinzip erhobene blinde Fleck?

Jede Beobachtung hat ihren blinden Fleck. Blogger jedoch machen diese Art von Blindheit, die ins Extrem getriebene selektive Wahrnehmung zum Prinzip. Eine Kunstfigur wie Don Alphonso lebt genau davon. Hinter dem wortreichen Gestus der Allwissenheit, hinter der aufs Höchste gesteigerten Subjektivität steckt die blanke Realitätsverweigerung.

Don Alphonso, das alter ego von Rainer Meyer, existiert nur im Netz. Die Figur funktioniert nur digital. Im echten Leben kann Meyer diese Rolle nicht ausfüllen. Und folgerichtig bleibt er Ereignissen wie der re:publica oder der next07 fern. Was dort geschieht, will und kann er nicht wahrnehmen. Muss er auch nicht. (Auf "vielen Kongressen" war er jedoch, siehe unten.)

Was beim Don mit seiner messerscharfen Intelligenz und klassischen Bildung noch seinen intellektuellen Reiz hat, ist bei seinen Adepten eher peinlich. Die jakobinische Gebärde des Don ist witzig, aber die heraufziehende Terrorherrschaft eines marodierenden Mobs macht keinen Spaß mehr. Es wird Tote geben.

Worum geht es?

Es geht also um menschliche Beziehungen. Die sind langfristig, man muss auf idealerweise auf immer denken, und nicht nur auf drei Tage oder bis zum nächsten Kommentar. Denn die Beziehung wird es immer geben, und wer die einmal ruiniert, wird lange daran zu kauen haben, und muss froh sein, wenn alles, was man da reingesteckt hat, am Ende gerade mal einem Gefühl der Wurschtigkeit weicht.

Man muss Jens Kunath nicht mögen, schlechte AGB sind schlechte AGB und Sicherheitslücken sollen nicht sein - das ist alles richtig. Aber kein Grund, mit dem Fallbeil durch die Lande zu ziehen. Es sei denn, es ginge nur um Terror, notdürftig mit dem Mäntelchen der Reinheit bedeckt.

Der Konsument hat die Macht bereits übernommen. Er wird auch die jakobinische Schreckensherrschaft hinwegfegen. Der 28. Juli kommt. Die Frage ist nur, in welchem Jahr.

Warum geht mir schon den ganzen Tag so ein Lied von den Ärzten im Kopf herum?

Der den Long Tail reitet

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Lukasz Gadowski, Spreadshirt (Foto)

Warum ist das Spreadshirt-Geschäftsmodell so erfolgreich, seinen Kunden einen Teil der Herstellung zu überlassen?

Weil unsere Kunden einerseits das T-Shirt als Medium entdeckt haben und dass man da ohne großen Aufwand viele bunte lustige Sachen draufdrucken lassen kann - und wahrscheinlich, weil sie satt hatten, dass ihnen andere vorschreiben, was cool und lustig ist.

Sagt Lukasz Gadowski, Gründer von Spreadshirt, im next07-Interview.

Natürlich könnte man jetzt wieder die große 2.0 Keule rausholen und sagen, dass wir den Long Tail reiten: 'Demokratisierung der Produktionsmittel', Vereinfachung der technischen Infrastruktur, Verringerung der Kosten, user-generated Content, Do-it-yourself, MeCommerce, Social Commerce, äh - fehlt noch was Wichtiges?

Das ganze Interview hier.

iliketotallyloveit

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Bitte, was?! iliketotallyloveit.com ist eine Social-Shopping-Website, die vier Studenten aus Bremen just gelauncht haben.

Auf der communitybasierten Website stellen Nutzer Artikel online, die sie 'cool', innovativ, besonders schön oder einfach nur seltsam finden. Immer mit Link zu einem Onlineshop.

Ob ein Produkt 'loved' ist oder nicht, zeigt sich schnell: Jeder kann alles bewerten, und je mehr Bewertungen, desto höher die Chance, dass der Artikel es auf die Startseite schafft.

Zunächst einmal hat es iliketotallyloveit in die Wired geschafft. Die fragt „What’s wired this month“ und sagt über das Ding mit dem komischen Namen:

„You won't find mainstream goods here - mostly doodads you didn't know you wanted but suddenly like totally need."

Eigentlich ist die Site ja ein digg.com-Klon – aber ein ziemlich sympathischer! Enjoy.

Matt Balara hat ein Video vom OTTO Store gedreht. ("Dreht" man eigentlich noch Videos? Naja, auch eine Festplatte dreht sich.)

"Ist das die Zukunft des Shoppings?" Fragt Markus Breuer angesichts des OTTO Stores und trägt ein wichtiges Argument vor:

Was mich an der Zukunftsfähigkeit dieses Projekts zweifeln lässt, ist wirklich nicht der Neid. :) Es ist die Tatsache, dass es sich um einen Online-Shop handelt,

  • der nur auf PCs mit Microsoft Vista (unter Aero) läuft
  • den ich downloaden muss, bevor ich ihn nutzen kann

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich das für einen Rückschritt halte. Auch wenn Microsoft Vista in 2 - 4 Jahren vermutlich das meistverwendete Betriebssystem sein mag, ist es für Endanwender sicherlich nicht wirklich angenehm, für jeden Shop eine separate Applikation herunterladen zu müssen.

So ist es. Die Zukunft des Onlineshoppings sind nicht unbedingt proprietäre Clients, die nur auf einer einzigen Plattform laufen. Das erwartet vermutlich nicht einmal Microsoft.

Der OTTO Store zeigt, soviel ist richtig, die Möglichkeiten von Windows Vista. Das hat auch seine Berechtigung und ist das Anliegen von Microsoft. Aber viel spannender sind die neuen Möglichkeiten für einen kataloggetriebenen Versender wie OTTO.

Homevideo von shoppingzweinull.de

Es geht um Bedarfsweckung, Erlebnis und Entertainment (um mal Dr. Thomas Schnieders zu zitieren, Direktor Neue Medien bei OTTO). Es geht um neue Formen der Warenpräsentation und um Emotion. Und es geht um eine intelligente Verbindung von Katalog- und Onlinegeschäft.

Denn die Diktatur des besten Preises, unter der große Teile des E-Commerce-Geschäfts ächzen, gilt ja im Bereich Mode allenfalls teilweise - nämlich dort, wo Vergleichbarkeit herrscht. Geht es aber um die passende Hose zur Bluse, dann können guenstiger.de und Ebay nicht helfen.

Was die Technik angeht, so stehen wir hier vor dem klassischen Henne-Ei-Szenario. Second Life, um mal ein Lieblingsthema von Markus Breuer herauszugreifen, braucht auch einen (anfangs mehr, mittlerweile weniger proprietären) Client.

Ich hoffe, dass da ein noch paar Ideen mehr entwickelt werden und "Shopping" im Internet auf Dauer mehr sein wird, als nur in einem Katalog zu blättern. Im Kern des "Shopping-Vergnügens" in der physischen Realität stehen ja kollaborative, soziale Ansätze und die räumliche Nähe und inhaltliche Diversität vieler verschiedener Anbieter.

So ist es. Warten wir es ab. Ideen sind hier nicht die knappste Ressource. Soviel steht fest.

Weihnachtstestimonial Anna Heesch

Morgen startet mit Dealjaeger.de ein spannendes und ambitioniertes Social-Shopping-Angebot. Der Fischmarkt sprach mit Sven Schmidt, einem der Gründer.

Woher kommt die Idee von dealjaeger.de? Gibt es Vorbilder?

Sven Schmidt: Vorbilder ist übertrieben. Wir sind von einer Reihe von Seiten inspiriert worden. Klar, dazu gehört auch digg.com. Aber auch eine Community für Smart Shopper wie FatWallet.com. Lies: Wir haben uns viel angeschaut, aber letztendlich ist Dealjaeger.de eine eigene Idee.

Wie lange haben Sie von der Idee bis zum Launch gebraucht?

Ein überschaubarer Zeitraum. Wir haben im Closed Beta so viel richtig gutes Feedback bekommen... und schaffen es gar nicht, das kurzfristig umzusetzen. Der Launch kommt jetzt nur wegen Weihnachten.

Wie sieht Ihr Geschäftsmodell aus? Womit werden Sie Geld verdienen?

Kurzfristig primär durch die Monetarisierung von Click-Outs. Aber wir haben noch ein paar andere Ideen.

Die Ideen möchten wir natürlich gerne hören.

Mit den zukünftigen Ideen... will ich doch Ihre Leser zum Launch nicht verwirren. Da führen wir lieber im Februar noch ein Gespräch. Ich finde es auch klasse, wenn wir öfter im Fischmarkt erwähnt werden.

Wie muss ich mir das vorstellen - schließen Sie individuelle Deals mit Händlern und Anbietern?

Kurzfristig werden wir die Click-Outs über Deals mit Anbietern wie Shopping.com, Mentasys oder Affilinet zu Geld machen. Direkte Partnerschaften mit Merchants sind für später angedacht. Erstmal müssen wir relevant werden.

Wie sieht die Strategie aus, um relevant zu werden?

Kurzfristig arbeiten wir mit PR, speziellen Promotions im Dezember und Januar und daran, das Produkt zu optimieren. Wenn wir es in den nächsten Wochen schaffen, das Feedback der Blogosphere gut umzusetzen, wird das Produkt rocken! Ab morgen gibt es eine große Adventsaktion. Die OTS-Mitteilung haben wir gerade rausgehauen.

Die Adventsaktion startet mit einer semiprominenten Moderatorin - spielt TV eine Rolle in Ihrer Kommunikation?

Damit TV-Werbung Sinn macht, muss unser Produkt noch besser für den Massenmarkt verständlich werden. Derzeit ist es etwas zu stark auf den Experten ausgelegt. Daher kurzfristig nein.

Anna Heesch ist eine tolle Frau. Intelligent, begabt und umwerfend. Und vor allem ein großes Herz. Das Kinder-Hospiz Sternenbrücke ist eine sehr wichtige Einrichtung!

Ok, ich nehme das despektierliche Wort semiprominent zurück und behaupte das Gegenteil. Noch einmal zurück zu Idee und Geschäftsmodell. Was war zuerst da - die Idee oder das Geschäftsmodell?

Idee und Geschäftsmodell kann man nicht immer trennen. Aber nach der Idee haben wir einen richtig großen Einfall zum Geschäftsmodell bekommen. Daher stand die Idee schon im Vordergrund.

Dieser richtig große Einfall zum Geschäftsmodell war aber wahrscheinlich noch nicht das Affiliatemodell, das Sie jetzt fahren, oder?

Nein, das aktuelle Modell war sofort da. Das ist ja auch ein No-Brainer.

Schön gesagt. Kann aber auch gut funktionieren, siehe billigflieger.de.

Darauf basieren alle Preisvergleiche etc. Kann definitiv sehr gut funktionieren. Manche Leute sind damit sehr reich geworden. Aber Copy & Paste wäre zu langweilig...

Ich sehe, dass Sie für dealjaeger.de eine eigene Firma gegründet haben. Gibt es neue Investoren?

Die Dealjaeger GmbH i.G. gehört zu jeweils 50% meinem Mitgründer Daniel Grözinger und mir. Wir sind selbst finanziert.

Soll das so bleiben? Wann folgt die erste Finanzierungsrunde?

Wenn wir so ein Angebot wie Sevenload von der Ströer Gruppe (15 Millionen Bruttowerbeleistung für 10 Prozent) bekommen, werden wir nicht nein sagen.

Die Zeit ist um, meine Fragen sind alle. Vielen Dank und viel Erfolg mit dealjaeger.de!

Danke. Und viele Deals jagen!

Nachtrag: Die Fragen, die ich zu stellen vergaß, hat Jochen Krisch gestellt. Und Antworten bekommen.

Foto: Neun Live

Daniel Grözinger im Interview mit Lukasz Gadowski

In der E-Commerce-Hochburg Hamburg (Tchibo, OTTO, Libri.de, ehedem Ricardo) sprießen neue, interessante Konzepte und Projekte. Zwei aktuelle Beispiele:

Dealjaeger

Dealjaeger.de ist eine Art digg für gute Preise. Oder guenstiger.de mit nutzergeneriertem Inhalt. Jochen Krisch erzählt mehr und hat auch Testzugangsdaten. Dito die Internet World.

Gimahhot

gimahhot.de ist eine Produktbörse für Neuwaren. Nein, kein Ebay. Die Nutzer können - wie an der Börse - zum aktuellen Marktpreis sofort kaufen oder ein Kaufangebot zu niedrigerem Preis abgeben. Die Händler können darauf reagieren und ihre Preise der Marktlage anpassen. Natürlich nicht nur nach unten.

Mehr dazu im E-Commerce-Blog, per Video und im Gimahhot-Blog.

Damit keine Langeweile aufkommt - drei Leseempfehlungen für den Montag:

Digitaler Frischfisch

Der interaktive Konsument revolutioniert das Marketing. Ein Blog von SinnerSchrader.

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