Was ist Big Data, und welche Relevanz hat das Thema? Roger Magoulas, Director of Research bei O'Reilly, bezeichnet Big Data als die entscheidende Kernkompetenz im Informationszeitalter:

Big Data has become really the key core competence in the information age, what distinguishes the current era. It's really when data is large enough that you really have to think about it: How you're going to organise it, how you're going to store it, how you're going to manage it, in order to gain some benefit from it. Big data can confer enormous competitive advantage for those who can make the most sense out of it and take actions based on what they're learning.

Spannende Beispiele für Big Data gruppieren sich derzeit vor allem um Twitter. Start-ups wie DataSift befassen sich damit, aus dem endlosen Strom von Tweets für den Nutzer relevanten Sinn und Mehrwert zu generieren. Robert Scoble hat heute ein ausführliches Interview mit Gründer Nick Halstead veröffentlicht:

Ein weiteres Beispiel ist das amerikanische Start-up fflick, das den gleichen Ansatz wie DataSift verfolgt, im Unterschied zu DataSift allerdings mit einem konkreten Anwendungsfall aufwartet: fflick extrahiert Kinokritiken aus Twitter. Gründer und CEO Kurt Wilms stand kürzlich bei This Week in Startups Jason Calacanis Rede und Antwort:

Kennen Sie weitere Beispiele? Dann lassen Sie es uns bitte in den Kommentaren wissen.

Es gibt Start-ups, die sind nicht deshalb erfolgreich, weil ihre ursprüngliche Idee ein absoluter Knaller wäre, exzellent umgesetzt und dann auch noch vom Markt mit offenen Armen angenommen würde. Nein, es gibt Start-ups, die ihre Produkte schneller wieder vom Markt nehmen, als andere sie überhaupt starten. Sie erkennen Sackgassen schneller als andere und verschwenden keine Zeit in solchen.

Zu letzterer Gruppe scheint das britische Start-up Favorit zu gehören. Der namensgebende Dienst fav.or.it verschwand im August 2009 von der Bildfläche. Nun hat es TweetMeme erwischt: Fast auf den Tag genau ein Jahr später macht TweetMeme Platz für den Twitter Tweet Button. In der dritten Iteration konzentriert sich Favorit nun auf das neue Produkt DataSift.

DataSift gives developers the ability to leverage cloud computing to build very precise streams of data from the millions and millions of tweets sent everyday.

DataSift richtet sich an Entwickler, die aus dem endlosen Strom von Tweets mittels komplexer Suche Dinge herausfinden wollen, die heute noch niemand herausfinden kann. The Next Web beschreibt DataSift als "Yahoo Pipes for Twitter".

Robert Scoble hat Gründer Nick Halstead zu Datasift befragt. Hier das Video.

Social News ist das nächste große Ding. Denn bekanntlich verschiebt sich der Nachrichtenkonsum weg von den klassischen medialen Knotenpunkten hin zum persönlichen Netzwerk.

Twitter hat in dieser Woche seine Antwort auf Facebook und den Like-Button vorgestellt: den Tweet-Button. Und Digg, der Urvater des Genres, meldet sich mit der Version 4, dem neuen Digg, eindrucksvoll zurück.

Dank Alex Wilhelm (The Next Web) hatte ich die Gelegenheit, die öffentliche Alpha zu testen. Die Web-1.9-Firma Digg legt eine formidable Wende hin: Die bisherige Startseite, die zentrale Trafficschleuder, wandert in einen zweiten Karteireiter. Auf der Startseite finden sich künftig die Neuigkeiten aus meinem Netzwerk.

Das neue Digg übernimmt die von Twitter bekannte Following/Followers-Logik, also eine asymmetrische Beziehung zwischen Autor und Leser. Es ist dadurch auch für Autoren, Nachrichtengeber und Medienhäuser interessant, weil es sich gut dafür geeignet, Nachrichten zu verbreiten. Was bei Twitter die Retweets sind, ist hier der klassische, namensgebende Digg.

Kara Swisher von All Things Digital hat mit Digg-Gründer und Interims-CEO Kevin Rose über das neue Digg, die Suche nach einem neuen CEO und das Comeback eines einstmals glanzvollen Start-ups gesprochen. Hier das Video:

Übrigens: Ich habe fünf Einladungen für das neue Digg zu vergeben. Anfragen bitte in die Kommentare.

Ein nicht unerheblicher Teil meines Nachrichtenkonsums findet nach wie vor auf dem Blackberry statt. Früher, sagen wir vor einem Jahr, war Google Reader das bevorzugte Werkzeug, heute ist es Twitter. Vor allem, seitdem die hervorragende Twitter-App da ist.

Die mobile Version des Google Reader hat dagegen sogar Funktionalität eingebüßt. Früher konnte ich direkt aus dem mobilen Reader neue RSS-Feeds abonnieren, was ich auch reichlich getan habe. Das geht inzwischen nicht mehr. Gibt es vielleicht eine App für Google Reader, die ähnlich gut ist wie die Twitter-App?

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Der kürzlich von Bellshare entwickelte BerryReader klang vielversprechend, hielt aber bei mir im Test nicht alles, was er versprach. Zwar ist die Oberfläche für Blackberry-Verhältnisse ganz gelungen, die Anwendung schnell und die Bedienung unkompliziert. Doch zwei Punkte haben mich nach Ablauf der siebentägigen Testphase daran gehindert, die 9,95 Dollar auszugeben:

  • Anders als die Twitter-App öffnet BerryReader externe Links statt in Opera Mini im Blackberry-Browser. Und dieser Browser ist leider völlig unbrauchbar.
  • Zudem kommt BerryReader offensichtlich nicht mit meinen 1526 Feeds zurecht. So erkläre ich mir jedenfalls, dass der Reader weder einzelne Feeds noch einzelne Ordner oder Tags anzeigen kann.

Und damit ist das Leseerlebnis doch deutlich eingeschränkt. Ganz anders die Twitter-App. Sie öffnet Links selbstverständlich in Opera Mini, das funktioniert zwar nicht perfekt, aber gut genug. Sie kommt mit den 1449 Twitterfeeds, die ich lese, problemlos zurecht und kann zudem auch Twitter-Listen.

Dieser Punkt im Duell Google vs. Twitter geht daher klar an Twitter.

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dann hat ihn Flipboard in der vergangenen Woche geliefert: Der Nachrichtenkonsum verschiebt sich weg von den klassischen medialen Knotenpunkten hin zum persönlichen Netzwerk. Dabei bewahrheitet sich jener berühmte Satz eines unbekannten Studenten: If the news is that important, it will find me.

Flipboard ist eine iPad-App, die aus dem kontinuierlichen Strom von Neuigkeiten von Twitter und Facebook das Fleisch extrahiert: die Links. Auch zwanzig Jahre nach der Erfindung des Web sind die Hyperlinks seine heißeste Ware. Und mit dem Trend zur Echtzeit übernehmen die Links die Rolle des Nachrichtentickers. In den Echtzeitlinks steckt der Nachrichtenwert.

Flipboard bereitet die Artikel hinter den Links auf ansprechende, angenehm konsumierbare Weise auf - wie eine Zeitung oder ein Magazin. Es ist nicht die erste Anwendung, die so etwas versucht, und es wird auch nicht die letzte sein. Der Gedanke liegt einfach auf der Hand. Etwas Ähnliches leistet zum Beispiel Feedly, eine Erweitung für Firefox und Google Reader.

Als das Web anfing, sich zu beschleunigen, war RSS der Treiber. Die wirklich einfache Syndizierung (Really Simple Syndication) standardisierte den Nachrichtentransport und rationalisierte ihn. Nutzer konnten nun mit einem RSS-Reader (wie Google Reader) Dutzende oder gar Hunderte von Websites auf dem Radar behalten, ohne sie alle Naselang besuchen zu müssen. Statt dass der Nutzer zur Website ging, kam die Nachricht zum Nutzer.

RSS allerdings konnte sich niemals wirklich flächendeckend durchsetzen, weder bei den Nutzern noch auf Seiten der Medienhäuser. Unter den Nutzern sind es bis heute eher die Geeks, die sich mit RSS anfreunden können. Und während zwar Blogs standardmäßig einen RSS-Feed publizieren, tun sich klassische Medienhäuser nach wie vor schwer mit dem Kontrollverlust. Viele bieten nur verkrüppelte Feeds, schlimmstenfalls nur mit Überschriften und Links.

Doch für Überschriften und Links gibt es inzwischen ein anderes Medium, das RSS den Rang abgelaufen hat: Twitter. Der Kurznachrichtendienst scheint mit seinen 140 Zeichen wie geschaffen für Überschriften und Links. Klingt die Überschrift interessant, genügt ein Klick, um zur Quelle zu gelangen.

Flipboard dreht diese Logik einen Schritt weiter und holt zusätzlichen Inhalt wie Bilder und Textexzerpte direkt von der Zielwebsite. Damit sind wir im Prinzip wieder dort, wo wir vor RSS schon einmal waren. Und im Unterschied zu RSS kommen die Feeds nun nicht nur von Websites, sondern auch von Menschen, die Links zu ganz unterschiedlichen Websites publizieren.

Wem ich auf Twitter folge, entscheidet darüber, welche Nachrichten mich über Twitter erreichen. Auf Twitter ist die Beziehung zwischen Autor und Leser (Follower) asymmetrisch wie in anderen Medien auch. Leser entscheiden sich für Autoren, ohne dass Wechselseitigkeit gefordert wäre. Unter den reichweitenstärksten Twitter-Autoren folgen nur die wenigsten auch ihrerseits sehr vielen anderen Autoren.

Twitter ist deshalb gut dafür geeignet, Nachrichten zu verbreiten, und zwar in Form von Überschriften mit Links. Was die Nachrichtengeber auf Twitter publizieren, verbreiten andere Nutzer durch Mechanismen wie Retweets weiter. Auf diese Weise erreichen mich über Twitter auch Nachrichten, die ich sonst nicht gesehen hätte.

Die Nachrichtengebung auf Twitter ist somit höchst individuell, ohne sich allerdings vom großen, allgemeinen Nachrichtenstrom völlig abzukoppeln. Bedeutende Ereignisse finden, solange ich einer gewissen kritischen Masse an Nutzern folge, ihren Weg auf jeden Fall zu mir. Gleiches gilt im Grundsatz auch für Facebook. Zwar ist die Freundschaftsbeziehung dort immer symmetrisch, bedarf also der Zustimmung beider Seiten. Doch kennt Facebook inzwischen auch asymmetrische Beziehungen wie bei Twitter.

Flipboard ist nicht mehr als eine ansprechende Oberfläche für die individuellen Netzwerke von Twitter und Facebook. Doch es zeigt, wie die Bedeutung dieser Netzwerke für den individuellen Medienkonsum immer weiter wächst - und dass auch das iPad kein Heilsbringer für die Verlagswelt sein muss.

Need a reason why you should invest in a brand presence on Facebook or Twitter? Have a look at this research recently published by Comscore. According to their findings, heavy users on Facebook and Twitter spend more money online than average users.

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Comscore defines heavy users as the top 20 per cent of visitors by time spent on the site, medium users as the next 30 per cent and light users as the lowest 50 per cent. The average e-commerce spending per visitor increases in correlation with the Facebook usage. Compare the numbers with the average Internet user who spent slightly less than 50 US-Dollars in the first quarter of 2010. Or, as eMarketer puts it:

Notably, Internet users who did not visit Facebook at all bought significantly less online than average, spending only $27 during the quarter. Not only are retailers on Facebook targeting above-average spenders, but the audience missing from the site is also worth much less in revenues.

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On Twitter, we see a different picture, with even higher average spendings, but without a linear correlation between Twitter usage and spendings. What Facebook and Twitter users have in common is that they spend more money online than non-users.

Please note that these figures apply to the US market. Don't know if there are similar figures available for Germany or Europe.

Hat tips to eMarketer and s2planning.

Wie vor einem Jahr versuche ich mich auch heute mit einer Reihe fundierter Vermutungen, das noch recht neue Jahr 2010 betreffend.

  1. 2010 wird das Jahr der digitalen Revolution. Die Internet-Generation ist reif für den Wandel, wird zum Game Changer und schickt die Babyboomer auf ihr Altenteil.
  2. Die Babyboomer und andere Verlierer der Revolution werden sich heftig wehren und weiterhin versuchen, das Internet zurück in die Verpackung zu stopfen. Doch die Konterrevolution bleibt aus.
  3. Die Netzkritik wird hingegen eines der großen Themen des Jahres. Babyboomer Frank Schirrmacher war nur das Präludium. Inzwischen schicken sich bereits die Revolutionäre von gestern an, in den Chor der Kritiker einzustimmen.
  4. Neben der Maschinenstürmerei 2.0 wird das Ende der Privatsphäre und die Neudefinition der Öffentlichkeit zum zweiten (und wichtigeren) großen Debattenthema.
  5. Der Werbemarkt wird auch im Jahr 2010 stagnieren. Marken und Unternehmen verschieben ihre Budgets weiter in Richtung Internet. Nur ein Teil davon fließt in Onlinewerbung und bleibt so dem Werbemarkt erhalten. Ein immer größerer Anteil wird in Plattformen und Applikationen investiert.
  6. Mobile, ortsbezogene Dienste kommen ganz groß raus. Foursquare wird das neue Twitter (gut, eventuell auch Gowalla). Google wird die lokale, mobile Werbung revolutionieren.
  7. 2010 wird das Jahr der erweiterten Realität. Wir werden eine Reihe spektakulärer Anwendungen auf mobilen Geräten sehen.

Und eine Bonus-Prognose: 2010 wird das Jahr, in dem Print digital wird. Kindle und Nook, iTablet oder iSlate (oder wie auch immer Apple das neue Spielzeug nennen wird) transformieren Nutzererlebnis und Geschäftsmodell des Gedruckten ins Digitale. Binnen fünf Jahren werden die Folgen ähnlich gravierend sein wie iPod und iTunes für die Musikindustrie waren. Behalten Sie auch innovative Formate wie das Miki im Auge.

Was meinen Sie? Welche Themen bestimmen das Jahr 2010?

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If you are an early adopter in the social media space, chances are that you already know about Foursquare. And more than that - you are probably already busy checking in at various locations, aiming to become the mayor and earn a new badge or two. Don't know what I'm talking about? Don't panic, it's still very early in the game.

Foursquare could be described as a simplified Qype crossed with Twitter and some gaming aspects added, thus being potentially addictive. Only recently, Foursquare added 50 more cities, some of them in Europe, including Hamburg. If you sign up for Foursquare, you can easily find the usual suspects you already follow on Twitter or friended in Facebook.

And then the game begins. Check-in from your mobile phone at various venues, and you may also give a Twitter-like shout at your buddies. If you are the person who checked in more often than anyone else, Foursquare dubs you "The Mayor" of that place, as long as nobody checks in more often.

Foursquare may well become the next Twitter. Of course this depends on many variables, but the early adopter crowd already has their vote cast. Ok, maybe Gowalla will be surpass Foursquare in Europe, but that's another story.

Binnen weniger Stunden annoncierten gestern Microsoft und Google zwei Deals mit Twitter. Beide bekommen direkten Zugang zu allen öffentlichen Tweets. In Echtzeit. Dieses Privileg genossen bis jetzt nur wenige Dienste, darunter das kürzlich von Facebook erworbene Friendfeed.

Diese Deals sind ein Meilenstein. Zehn Jahre lang hat Google das Thema Suche geprägt und darauf sein Imperium errichtet. Das Thema Echtzeit läutet eine neue Phase ein, die weitere zehn Jahre dauern wird. War bis dato der Link die kleinste Einheit, so tritt nun der Tweet hinzu. Die Herausforderung ist immens, ist doch das Thema Echtzeitsuche weder technisch noch konzeptionell auch nur annähernd gelöst.

Die heutige Twittersuche ist in etwa auf dem Stand der Internetsuche vor Google. Gesucht wird nur nach dem Suchwort selbst. Die Fundstellen werden in chronologischer Reihenfolge angezeigt. Ohne jede Gewichtung. Es bleibt dem Nutzer überlassen, aus der Datenflut den gewünschten Sinn zu filtern.

Google und Microsoft werden sich nun ein Rennen darum liefern, wer zuerst den immensen Echtzeitdatenstrom von Twitter sinnvoll in die allgemeine Suche integriert. Zu erwarten ist beispielsweise, dass häufig getwitterte Links auf den Ergebnisseiten weiter oben angezeigt werden, jedenfalls so lange, bis das Getwitter wieder abschwillt.

Das Ziel der Suchmaschinen wird sein, schneller zu werden. Sie werden neue, aktuelle und relevante Links in Echtzeit liefern müssen, um nicht selbst an Relevanz und Aktualität zu verlieren. Und womöglich dem nächsten Google Platz machen zu müssen.

Kennt jemand noch Altavista?

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Es ist eine frappierende Parallelität der Ereignisse. Im Iran wird gerade versucht, eine Diktatur mittels Twitter zu stürzen. Die sozialen Medien haben dort die Kommunikationsverhältnisse so verändert, dass die gewohnte vollständige Unterdrückung oppositioneller Stimmen nicht mehr funktioniert. Es gelingt den Machthabern nicht, das Internet genauso zu zensieren wie die Massenmedien.

Und in Deutschland schickt sich eine große Koalition an, just eine solche Zensurinfrastruktur einzuführen, wie sie die iranischen Machthaber gerne hätten. Auch hier formiert sich der Protest via Twitter. Noch können wir uns im Internet frei bewegen. Reicht künftig ein kinderpornografisches Twitpic, um den ganzen Dienst in Deutschland abzuschalten?

Der Iran twittert Morgenluft, kalauert Hajo Schumacher in der Welt. Digitale Schnellbote beobachtet die Süddeutsche Zeitung. Der Versuch, das iranische Regime zu stürzen, hat Twitter in Deutschland wieder einen enormen Aufmerksamkeitsschub verschafft. Zuletzt haben das plappernde Abgeordnete geschafft, die Ende Mai das Ergebnis der Bundespräsidentenwahl vorzeitig bekanntgaben.

Die SPD macht sich mit ihrer Zustimmung zum mit heißer Nadel gestrickten Sperrgesetz für die digitale Generation unwählbar. Twitter könnte im kommenden Bundestagswahlkampf eine wichtige Rolle spielen - und eine andere, als es sich die auf Barack Obama schielenden, twitternden Wahlkämpfer gedacht hatten.



Deutschland hat seine erste Twitter-Affäre. In einem Strandkorb am Strand von Ording sitzend, habe ich am vergangenen Sonnabend über Twitter erfahren, dass Horst Köhler gleich im ersten Wahlgang als Bundespräsident wiedergewählt wurde - etwa zehn Minuten vor der protokollarisch korrekten Bekanntgabe durch den Bundestagspräsidenten.

Twitternde Abgeordnete brechen die teils geschriebenen, teils ungeschriebenen Regeln der politischen Kommunikation und verändern sie zugleich damit. Fraktionsvorsitzende kommen ihrer Aufgabe nach, ihre Fraktion zu disziplinieren - was in diesem Fall heißt, die Twitter-Sünder vom Zwitschern interner Angelegenheiten abzuhalten.

Der Bekanntheit von Twitter in Deutschland hat diese Affäre sicher nicht geschadet. Und vielleicht wird der kommende Wahlkampf ja doch etwas spannender als gedacht - dank Twitter.

Twitter kennt keine Sperrfrist und online ist wesentlich viraler als manche dachten. Wenn die Botschaft stimmt. Alle können für den Wahlkampf davon ausgehen, dass wir weitere solcher Momente erleben werden. Sicher stoßen in den nächsten Wochen noch mehr Kandidaten die Tür zur Online-Welt auf, legen sich digitale Profile zu und senden ihre Mischung aus Person und Position. Politik wird damit nahbar, greifbar - aber manchmal auch angreifbar.

Wir alle experimentieren noch mit unseren Twitterkonten, wie Nicole Simon auf der next09 feststellte. Sie hat über Twitter ein Buch geschrieben. Die Folien zu ihrer Präsentation finden Sie auf SlideShare. Ihre Bewertung können Sie auf SpeakerRate abgeben.

Täuscht mich der Eindruck oder konnte sich RSS bis heute nicht so richtig durchsetzen? Blieben Nachrichtenlesewerkzeuge wie Google Reader doch einer überschaubaren Gruppe vorbehalten, während Otto Normalverbraucher weiterhin klassisch durch das Web surft?

Bis jetzt dachte ich, die seit langem stagnierenden Abonnentenzahlen für den Fischmarkt hätten vor allem mit dem Fischmarkt selbst zu tun, der in letzter Zeit doch deutlich unter unseren Konferenzaktivitäten zu leiden hatte. Doch dann sah ich das Abonnentenwachstum
für die next conference bei Twitter.

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Gleichzeitig stagnieren auch dort die RSS-Abonnentenzahlen. Inzwischen wird der Twitterfeed der next conference (noch 76 Tage bis zur next09 - Frühbuchertarif noch bis 28. Februar) sogar von mehr Menschen gelesen als der RSS-Feed. Tendenz steigend.

Dabei bieten wir dort auch nicht viel mehr als die Überschriften der neuesten Blogeinträge nebst Link. Das scheint zu genügen, obwohl sich Twitter für sehr viel mehr als das eignet, inklusive den schnellen, direkten Dialog.

Die Kollegen von The Next Web aus Amsterdam beobachten übrigens das gleiche Phänomen. Deshalb gibt es ab sofort auch einen Fischmarkt-Twitter. Noch geht es dort reichlich schlicht zu, aber das wird sich beizeiten ändern. Mal sehen, wie lange die ersten zehn Leser noch unter sich bleiben.

What is Twitter?

Daniela Patrzek, freie Journalistin, hat mir ein paar Fragen zu Twitter gestellt. Ihre Fragen und meine Antworten möchte ich den Fischmarktlesern nicht vorenthalten.

Seit wann twittern Sie?

Mein erstes Konto stammt vom 17. April 2007. Im Juni 2007 habe ich angefangen, regelmäßig zu twittern. SinnerSchrader twittert seit dem 28. August 2007.

Wer in Ihrem Hause ist - außer Ihnen - offiziell für das Twittern zuständig?

Offiziell niemand. Inzwischen twittern aber sehr viele Kollegen, und einige davon nutzen Twitter auch dienstlich. Wie Telefon, Fax, Mail oder Blogs. Die offiziellen Twitterkonten füttern wir im Team.

Warum haben Sie sich dazu entschlossen, Twitter zu nutzen? Was erhoffen Sie sich davon?

Damals, weil es neu, interessant und cool war. Dann habe ich den Spaß und schließlich auch den Nutzen entdeckt. Heute ist Twitter ein Kommunikationskanal irgendwo zwischen Mobiltelefon, SMS, Mail und Blog: immer dabei, kurz & knapp, schnell, dynamisch und voller interessanter Links.

Wie sind Ihre bisherigen Erfahrungen? Taugt Twitter zur Neukundenakquise bzw. zur Kundenbindung? Warum?

Meine Erfahrungen haben mit Neukundenakquise und Kundenbindung nix zu tun. Twitter taugt vor allem zur Kommunikation. Und zwar mit den Leuten, deren Tweets ich lese und die meine Tweets lesen - was nicht unbedingt deckungsgleich ist. Sprich: Ich lese Tweets von Leuten, die meine Tweets nicht lesen und umgekehrt. Den Twitter der next conference lesen über 600 Leute, die sich so über die Konferenz auf dem Laufenden halten.

Wie hoch ist der Aufwand für Ihr Twitter-Engagement?

Stark schwankend. So hoch wie der Aufwand für Kantinengespräche.

Wie sieht das inhaltliche Twitter-Konzept aus? Was twittern Sie?

Auch das schwankt stark. Was mir einfällt, was ich relevant finde, was meinen Twitterlesern gefallen oder nutzen könnte. Ich füttere Twitter automatisch mit meinen Leseempfehlungen aus dem Google Reader und meinen Reiseplänen aus Dopplr. Twitter ist eine Art Lifestream ohne Anspruch auf Vollständigkeit, der mal kräftiger und mal weniger kräftig sprudelt.

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