Wie vor einem Jahr versuche ich mich auch heute mit einer Reihe fundierter Vermutungen, das noch recht neue Jahr 2010 betreffend.

  1. 2010 wird das Jahr der digitalen Revolution. Die Internet-Generation ist reif für den Wandel, wird zum Game Changer und schickt die Babyboomer auf ihr Altenteil.
  2. Die Babyboomer und andere Verlierer der Revolution werden sich heftig wehren und weiterhin versuchen, das Internet zurück in die Verpackung zu stopfen. Doch die Konterrevolution bleibt aus.
  3. Die Netzkritik wird hingegen eines der großen Themen des Jahres. Babyboomer Frank Schirrmacher war nur das Präludium. Inzwischen schicken sich bereits die Revolutionäre von gestern an, in den Chor der Kritiker einzustimmen.
  4. Neben der Maschinenstürmerei 2.0 wird das Ende der Privatsphäre und die Neudefinition der Öffentlichkeit zum zweiten (und wichtigeren) großen Debattenthema.
  5. Der Werbemarkt wird auch im Jahr 2010 stagnieren. Marken und Unternehmen verschieben ihre Budgets weiter in Richtung Internet. Nur ein Teil davon fließt in Onlinewerbung und bleibt so dem Werbemarkt erhalten. Ein immer größerer Anteil wird in Plattformen und Applikationen investiert.
  6. Mobile, ortsbezogene Dienste kommen ganz groß raus. Foursquare wird das neue Twitter (gut, eventuell auch Gowalla). Google wird die lokale, mobile Werbung revolutionieren.
  7. 2010 wird das Jahr der erweiterten Realität. Wir werden eine Reihe spektakulärer Anwendungen auf mobilen Geräten sehen.

Und eine Bonus-Prognose: 2010 wird das Jahr, in dem Print digital wird. Kindle und Nook, iTablet oder iSlate (oder wie auch immer Apple das neue Spielzeug nennen wird) transformieren Nutzererlebnis und Geschäftsmodell des Gedruckten ins Digitale. Binnen fünf Jahren werden die Folgen ähnlich gravierend sein wie iPod und iTunes für die Musikindustrie waren. Behalten Sie auch innovative Formate wie das Miki im Auge.

Was meinen Sie? Welche Themen bestimmen das Jahr 2010?

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If you are an early adopter in the social media space, chances are that you already know about Foursquare. And more than that - you are probably already busy checking in at various locations, aiming to become the mayor and earn a new badge or two. Don't know what I'm talking about? Don't panic, it's still very early in the game.

Foursquare could be described as a simplified Qype crossed with Twitter and some gaming aspects added, thus being potentially addictive. Only recently, Foursquare added 50 more cities, some of them in Europe, including Hamburg. If you sign up for Foursquare, you can easily find the usual suspects you already follow on Twitter or friended in Facebook.

And then the game begins. Check-in from your mobile phone at various venues, and you may also give a Twitter-like shout at your buddies. If you are the person who checked in more often than anyone else, Foursquare dubs you "The Mayor" of that place, as long as nobody checks in more often.

Foursquare may well become the next Twitter. Of course this depends on many variables, but the early adopter crowd already has their vote cast. Ok, maybe Gowalla will be surpass Foursquare in Europe, but that's another story.

Binnen weniger Stunden annoncierten gestern Microsoft und Google zwei Deals mit Twitter. Beide bekommen direkten Zugang zu allen öffentlichen Tweets. In Echtzeit. Dieses Privileg genossen bis jetzt nur wenige Dienste, darunter das kürzlich von Facebook erworbene Friendfeed.

Diese Deals sind ein Meilenstein. Zehn Jahre lang hat Google das Thema Suche geprägt und darauf sein Imperium errichtet. Das Thema Echtzeit läutet eine neue Phase ein, die weitere zehn Jahre dauern wird. War bis dato der Link die kleinste Einheit, so tritt nun der Tweet hinzu. Die Herausforderung ist immens, ist doch das Thema Echtzeitsuche weder technisch noch konzeptionell auch nur annähernd gelöst.

Die heutige Twittersuche ist in etwa auf dem Stand der Internetsuche vor Google. Gesucht wird nur nach dem Suchwort selbst. Die Fundstellen werden in chronologischer Reihenfolge angezeigt. Ohne jede Gewichtung. Es bleibt dem Nutzer überlassen, aus der Datenflut den gewünschten Sinn zu filtern.

Google und Microsoft werden sich nun ein Rennen darum liefern, wer zuerst den immensen Echtzeitdatenstrom von Twitter sinnvoll in die allgemeine Suche integriert. Zu erwarten ist beispielsweise, dass häufig getwitterte Links auf den Ergebnisseiten weiter oben angezeigt werden, jedenfalls so lange, bis das Getwitter wieder abschwillt.

Das Ziel der Suchmaschinen wird sein, schneller zu werden. Sie werden neue, aktuelle und relevante Links in Echtzeit liefern müssen, um nicht selbst an Relevanz und Aktualität zu verlieren. Und womöglich dem nächsten Google Platz machen zu müssen.

Kennt jemand noch Altavista?

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Es ist eine frappierende Parallelität der Ereignisse. Im Iran wird gerade versucht, eine Diktatur mittels Twitter zu stürzen. Die sozialen Medien haben dort die Kommunikationsverhältnisse so verändert, dass die gewohnte vollständige Unterdrückung oppositioneller Stimmen nicht mehr funktioniert. Es gelingt den Machthabern nicht, das Internet genauso zu zensieren wie die Massenmedien.

Und in Deutschland schickt sich eine große Koalition an, just eine solche Zensurinfrastruktur einzuführen, wie sie die iranischen Machthaber gerne hätten. Auch hier formiert sich der Protest via Twitter. Noch können wir uns im Internet frei bewegen. Reicht künftig ein kinderpornografisches Twitpic, um den ganzen Dienst in Deutschland abzuschalten?

Der Iran twittert Morgenluft, kalauert Hajo Schumacher in der Welt. Digitale Schnellbote beobachtet die Süddeutsche Zeitung. Der Versuch, das iranische Regime zu stürzen, hat Twitter in Deutschland wieder einen enormen Aufmerksamkeitsschub verschafft. Zuletzt haben das plappernde Abgeordnete geschafft, die Ende Mai das Ergebnis der Bundespräsidentenwahl vorzeitig bekanntgaben.

Die SPD macht sich mit ihrer Zustimmung zum mit heißer Nadel gestrickten Sperrgesetz für die digitale Generation unwählbar. Twitter könnte im kommenden Bundestagswahlkampf eine wichtige Rolle spielen - und eine andere, als es sich die auf Barack Obama schielenden, twitternden Wahlkämpfer gedacht hatten.



Deutschland hat seine erste Twitter-Affäre. In einem Strandkorb am Strand von Ording sitzend, habe ich am vergangenen Sonnabend über Twitter erfahren, dass Horst Köhler gleich im ersten Wahlgang als Bundespräsident wiedergewählt wurde - etwa zehn Minuten vor der protokollarisch korrekten Bekanntgabe durch den Bundestagspräsidenten.

Twitternde Abgeordnete brechen die teils geschriebenen, teils ungeschriebenen Regeln der politischen Kommunikation und verändern sie zugleich damit. Fraktionsvorsitzende kommen ihrer Aufgabe nach, ihre Fraktion zu disziplinieren - was in diesem Fall heißt, die Twitter-Sünder vom Zwitschern interner Angelegenheiten abzuhalten.

Der Bekanntheit von Twitter in Deutschland hat diese Affäre sicher nicht geschadet. Und vielleicht wird der kommende Wahlkampf ja doch etwas spannender als gedacht - dank Twitter.

Twitter kennt keine Sperrfrist und online ist wesentlich viraler als manche dachten. Wenn die Botschaft stimmt. Alle können für den Wahlkampf davon ausgehen, dass wir weitere solcher Momente erleben werden. Sicher stoßen in den nächsten Wochen noch mehr Kandidaten die Tür zur Online-Welt auf, legen sich digitale Profile zu und senden ihre Mischung aus Person und Position. Politik wird damit nahbar, greifbar - aber manchmal auch angreifbar.

Wir alle experimentieren noch mit unseren Twitterkonten, wie Nicole Simon auf der next09 feststellte. Sie hat über Twitter ein Buch geschrieben. Die Folien zu ihrer Präsentation finden Sie auf SlideShare. Ihre Bewertung können Sie auf SpeakerRate abgeben.

Täuscht mich der Eindruck oder konnte sich RSS bis heute nicht so richtig durchsetzen? Blieben Nachrichtenlesewerkzeuge wie Google Reader doch einer überschaubaren Gruppe vorbehalten, während Otto Normalverbraucher weiterhin klassisch durch das Web surft?

Bis jetzt dachte ich, die seit langem stagnierenden Abonnentenzahlen für den Fischmarkt hätten vor allem mit dem Fischmarkt selbst zu tun, der in letzter Zeit doch deutlich unter unseren Konferenzaktivitäten zu leiden hatte. Doch dann sah ich das Abonnentenwachstum
für die next conference bei Twitter.

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Gleichzeitig stagnieren auch dort die RSS-Abonnentenzahlen. Inzwischen wird der Twitterfeed der next conference (noch 76 Tage bis zur next09 - Frühbuchertarif noch bis 28. Februar) sogar von mehr Menschen gelesen als der RSS-Feed. Tendenz steigend.

Dabei bieten wir dort auch nicht viel mehr als die Überschriften der neuesten Blogeinträge nebst Link. Das scheint zu genügen, obwohl sich Twitter für sehr viel mehr als das eignet, inklusive den schnellen, direkten Dialog.

Die Kollegen von The Next Web aus Amsterdam beobachten übrigens das gleiche Phänomen. Deshalb gibt es ab sofort auch einen Fischmarkt-Twitter. Noch geht es dort reichlich schlicht zu, aber das wird sich beizeiten ändern. Mal sehen, wie lange die ersten zehn Leser noch unter sich bleiben.

What is Twitter?

Daniela Patrzek, freie Journalistin, hat mir ein paar Fragen zu Twitter gestellt. Ihre Fragen und meine Antworten möchte ich den Fischmarktlesern nicht vorenthalten.

Seit wann twittern Sie?

Mein erstes Konto stammt vom 17. April 2007. Im Juni 2007 habe ich angefangen, regelmäßig zu twittern. SinnerSchrader twittert seit dem 28. August 2007.

Wer in Ihrem Hause ist - außer Ihnen - offiziell für das Twittern zuständig?

Offiziell niemand. Inzwischen twittern aber sehr viele Kollegen, und einige davon nutzen Twitter auch dienstlich. Wie Telefon, Fax, Mail oder Blogs. Die offiziellen Twitterkonten füttern wir im Team.

Warum haben Sie sich dazu entschlossen, Twitter zu nutzen? Was erhoffen Sie sich davon?

Damals, weil es neu, interessant und cool war. Dann habe ich den Spaß und schließlich auch den Nutzen entdeckt. Heute ist Twitter ein Kommunikationskanal irgendwo zwischen Mobiltelefon, SMS, Mail und Blog: immer dabei, kurz & knapp, schnell, dynamisch und voller interessanter Links.

Wie sind Ihre bisherigen Erfahrungen? Taugt Twitter zur Neukundenakquise bzw. zur Kundenbindung? Warum?

Meine Erfahrungen haben mit Neukundenakquise und Kundenbindung nix zu tun. Twitter taugt vor allem zur Kommunikation. Und zwar mit den Leuten, deren Tweets ich lese und die meine Tweets lesen - was nicht unbedingt deckungsgleich ist. Sprich: Ich lese Tweets von Leuten, die meine Tweets nicht lesen und umgekehrt. Den Twitter der next conference lesen über 600 Leute, die sich so über die Konferenz auf dem Laufenden halten.

Wie hoch ist der Aufwand für Ihr Twitter-Engagement?

Stark schwankend. So hoch wie der Aufwand für Kantinengespräche.

Wie sieht das inhaltliche Twitter-Konzept aus? Was twittern Sie?

Auch das schwankt stark. Was mir einfällt, was ich relevant finde, was meinen Twitterlesern gefallen oder nutzen könnte. Ich füttere Twitter automatisch mit meinen Leseempfehlungen aus dem Google Reader und meinen Reiseplänen aus Dopplr. Twitter ist eine Art Lifestream ohne Anspruch auf Vollständigkeit, der mal kräftiger und mal weniger kräftig sprudelt.

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