Matthias Schrader referierte und disktutierte am vergangenen Freitag auf der CeBIT Webciety über Mode, Lifestyle und das Web 2.0. Das Video gibt es auf webciety.de (siehe 5. März 2010, Mode 2.0), die Folien hier:
Mal schnell eine persönliche Homepage oder den Lifestream zusammenklicken, eine Microsite oder eine Fanpage bauen, eine Promotion aufsetzen oder eine Marke bewerben? Wenn es einfach und schnell gehen soll, dann könnte flavors.me das Werkzeug der Wahl sein.
Die üblichen Verdächtigen wie flickr, vimeo, Twitter, Facebook, last.fm oder das eigene Blog sind fix integriert, das Design auf einfachste Art und Weise den eigenen Wünschen angepasst. Aber nicht lange warten, denn der Einladungscode readwriteweb dürfte nicht ewig funktionieren. Sehenswert ist auch die Gallerie. [via]
Zum sechsten Mal hat Mary Meeker von Morgan Stanley beim Web 2.0 Summit ihre legendäre alljährliche Trendpräsentation gehalten. Jede Menge Stoff für jeden, der sich mit Trends in der Internetwirtschaft beschäftigt.
Wer es ganz kurz mag: Die Wirtschaftskrise ist überstanden, die momentanen Gewinner sind Facebook und Apple, das nächste große Ding wird das mobile Internet. [via1, via2]
Das hatte sich der Konsumgüterriese Kraft Foods fein ausgedacht. Zur Markteinführung einer neuen Variante des australischen Nationalbrotaufstrichs Vegemite sollten die Konsumenten über den Namen entscheiden. So wie bereits 1923 beim Original. Doch als die Stimmen ausgezählt waren, hieß das zuvor monatelang namenlos in den Supermärkten vertriebene neue Produkt iSnack 2.0 - so wie in iPod und Web 2.0.
Doch was in good old Europe bestenfalls ein Schmunzeln entlockt hätte, führte Down Under zu einer mittelschweren Revolte. Zwar mögen die Konsumenten das Produkt, doch hassen sie geradezu den völlig unpassenden Namen. Dazu muss man wissen, dass ein Markenprodukt wie Nutella im Vergleich zu Vegemite ("proudly made in Australia") und Marmite ein Nichts ist. Ein Name wie iSnack 2.0 ist geradezu ein Anschlag auf die australische Seele.
Deshalb dauerte es nur wenige Tage, bis Kraft Foods einlenkte, den gerade erst verkündeten Namen wieder kassierte - und die Konsumenten erneut um ihr Votum bat. Morgen soll nun der nächste, möglicherweise endgültige Name annonciert werden.
In der Zwischenzeit lohnt sich ein Blick auf die kreativen Unmutsäußerungen, zum Beispiel auf jenes T-Shirt (links), dass der Epic Fail Store feilbietet [via]. Oder das unvermeidliche Hitler-Video, das in einer von zwei Versionen auf YouTube bis jetzt 72.000 Aufrufe generierte, was noch verhältnismäßig wenig ist. Kraft wehrt sich übrigens nach Kräften gegen die Unterstellung, die ganze Affaire sei nicht mehr als ein genialer PR-Stunt gewesen.
Ist die Aktion nun ein Argument gegen Crowdsourcing? Wohl kaum. Mehr Aufmerksamkeit hätte ein Produktstart kaum bekommen können. Und Kraft hat sicher nicht falsch gehandelt, als sie den Namen binnen weniger Tage zurückzogen und eine neue öffentliche Namenssuche starteten. So kann's gehen, wenn Konsumgüterhersteller auf den Konsumenten hören, der schließlich am Ende die Rechnung bezahlt. [via]
Andrew Keen, der sich als Kritiker des Web 2.0 bei so manchem einen zweifelhaften Ruf erworben hat, wird auf der next09 eine Keynote mit dem Titel "Digital Vertigo - Inequality, Anxiety and Isolation in the Social Media Age" halten. Im Interview mit Spiegel Online gibt er einen Vorgeschmack darauf.
Viele Leute wollen nicht bei Web 2.0 mitmachen, weil es sie nervt. Aber sie haben keine andere Wahl. Idealismus wird durch Selbstmarketing ersetzt. Künstler, Journalisten, Musiker und Autoren der alten Schule haben keine Chance mehr. Wer überleben will, muss permanent an seinem Internet-Image feilen, seine eigene Ich-Tag aufbauen. Das Microblogging Twitter ist ein gutes Beispiel dafür. Hier ist eine neue Elite im Begriff zu entstehen. Die Hierarchie zwischen Talent und Publikum beginnt das Amateurhafte wieder zu verdrängen.
- Netzkritiker Andrew Keen: "Bei Twitter entsteht eine neue Elite"
- Andrew Keen Beta 2: Das Kreide-Update
Am 15. Mai geht das CCEF, ein Netzwerk aus französischen Außenhandelsberatern, dem Thema Wachstumschancen im Internet mit dem Web 2.0 in Stuttgart nach. Die halbtägige Konferenz findet mit Unterstützung von SinnerSchrader, Alcatel-Lucent, Diem & Partner und unter der Schirmherrschaft des französischen Botschafters in Deutschland, Bernard de Montferrand statt.
Laurent Burdin, Geschäftsführer Beratung bei SinnerSchrader, skizziert in seinem Vortrag am 15. Mai den Online-Konsumenten der Zukunft und spricht über die sieben wichtigsten Trends im Internet und deren Geschäftschancen. Zudem werden auch Peter Amborzy, CEO von edelight und Jörg Fischer, Strategischer Geschäftsentwicklungsleiter bei Alcatel-Lucent sprechen. Mehr ist dem Programm zu entnehmen, Anmeldungen können per Mail oder Fax erfolgen.
Sun Microsystems und Thierhoff Consulting veranstalten am 6. März das erste Start-up Camp in Köln, das sich bis dahin auch wieder vom Karneval erholt hat. Auf dem Programm stehen neben dem obligatorischen Networking auch Workshops, Start-up-Präsentationen und eine Preisverleihung für den Champ of the Camp.
Die Veranstalter erwarten 200 Teilnehmer, darunter Venture Capitalists, Business Angels und Web-2.0-Spezialisten. Die Registrierung ist offen für alle Interessenten, insbesondere Start-ups aus den Bereichen Web 2.0, Technologie und Medien. Tickets sind in unterschiedlichen Preisklassen zu haben. Wer bei Sun Start-up Essentials teilnimmt, erhält einen Discount. Mehr dazu auf der Website.
Sun Start-up Essentials ist einer der Sponsoren der next09. Selbstverständlich gibt es auch bei der next09 spezielle Sponsorenpakete für Start-ups und wie im letzten Jahr einen eigenen Track nur für Start-ups. Werfen Sie einen Blick auf unsere Sponsoringangebote! Hier gibt's die Unterlagen in deutscher Sprache (PDF).
Wie hier vor kurzem berichtet, wurde gestern von hamburg@work der Webfuture Award verliehen. Glücklicher Gewinner ist das Projekt SherlockHomes von Ramm Capital. Gegen zehn Mitstreiter setzte sich die Idee des Online-Immobilienvermittlungsportals durch und überzeugte die Jury.
Zum zweiten Mal verleiht Hamburg@work am 19. November im Elbwerk den Webfuture Award. Prämiert werden innovative Konzepte und Projekte aus dem Bereich E-Commerce.
Insgesamt wurden 40 Vorschläge eingereicht, aus denen nun 10 Finalisten sich vor der Jury im Business-Idea-Speeddating bewähren müssen. Wie das Format erahnen lässt, sollen die Jurymitglieder in kurzer Zeit im Einzelgespräch vom Konzept des jeweiligen Kandidaten überzeugt werden. Dem Gewinner stehen bei der anschließenden Preisverleihung 15.000 Euro zu.
In der vor kurzem veröffentlichten Shortlist der Finalisten befinden sich u.a. Jupidi und Moodmixer. Die beiden Start-ups haben bereits im Mai dieses Jahres auf der next08 ihre Ideen beim Elevator Pitch präsentiert. Ebenfalls auf der letzten next conference zu sehen war Jobleads, Gewinner des Webfuture Awards 2007.
Das Internet spielt bei den Kaufentscheidungen der Konsumenten eine stetig wachsende Rolle. Die Allensbacher Computer- und Technikanalyse 2008 (Acta) hat ergeben, dass jeweils mehr als die Hälfte aller privaten Internetnutzer Preisvergleiche anstellen, die Websites der Hersteller konsultieren und Testberichte lesen. Dies ist die klassische Trias der Produktrecherche, auf die sich Marken und Unternehmen schon seit zehn Jahren einstellen konnten.
Inzwischen legen aber auch die interaktiven Elemente der Internetrecherche stark zu. Fast die Hälfte der Internetnutzer berücksichtigt Kommentare anderer Nutzer oder informiert sich in Diskussionsforen. Das Web 2.0 ist ganz klar im Konsumverhalten angekommen. Diese Entwicklung geht weiter über den reinen E-Commerce hinaus. Denn das Web wird auch für Kaufentscheidungen im klassischen Einzelhandel konsultiert.
Für den E-Commerce gilt inzwischen: Kaum Onlinekäufe ohne Internetrecherche. Wer zum Beispiel Reisen, Hotels oder Mietwagen im Internet bucht, recherchiert mit 85-prozentiger Wahrscheinlichkeit zuvor im Internet. Andere Produktkategorien erreichen ähnlich hohe Werte.
Beide Schaubilder stammen aus der Präsentation Internetinduzierte Veränderungen von Kaufentscheidungen und Kaufverhalten. Mehr zur Acta 2008 auf dem Fischmarkt.
"Wir sind in der Bereinigungsphase des Web 2.0", diagnostiziert Tim O'Reilly im FAZ-Interview. Seine Keynote am Dienstag klang schon wie ein Abgesang: Web 2.0 is over. Die Frage ist nur: Was it ever alive?
Die deutsche Start-up-Szene, das ist hinreichend bekannt, besteht überwiegend aus Copycats, wird aber besser. Nur - warum sind deutsche Start-ups uncool? Das liegt an den Geldgebern, meint VentureBeat:
Mehrdad Piroozram is another angel making no bones about the strategy. He says he's invested in just about every widget company in Germany. The theory is, if you bet a little money on every company in a sector, you're bound to do well because at least one of them will be a hit. Isn't he worried about Slide, RockYou or some other large, more advanced U.S. widget company entering the German market? No, there's always a market for local players, because they're able to snag local partnership deals for distribution. And as Rainer Maerkle, a partner at Holtzbrinck Ventures, puts it, the copycats reflect the inability of U.S. companies to adapt to local markets.
Als Pointe dazu nimmt StudiVZ-CEO Marcus Riecke seinen Hut, offenbar im Streit. Zehn Millionen Euro Umsatz (2008) sind nicht besonders viel.
Die Web 2.0 Expo kämpft mit der Unsicherheit auf den Märkten. Wie schon beim DLD im Januar (!) testen die Börsen auch heute neue Tiefstände (DAX 4.462,40 um 11.29 Uhr). Mahalo entlässt Mitarbeiter. Mahalo-CEO Jason Calacanis sieht kein Anzeichen für einen Boden:
There is no sign of a bottom right now--despite what the clowns on CNBC might say. The bottom is when Google and Apple miss a quarter and/or lay people off. The bottom is when unemployment numbers go down and consumer confidence comes up (not the other way around). The bottom is when the massive wave of variable, ARM mortgages come up in 2009.
Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dann war das die gestrige Keynote von Tim O'Reilly (inofizielles Video hier) auf der Web 2.0 Expo Europe. Der Erfinder des Web 2.0 hält vier Jahre später eine Keynote zur Eröffnung seiner eigenen, gleichnamigen Konferenz - und spricht kaum noch über Web 2.0.
Stattdessen redet er über die Realität, die in diesem Herbst mit Karacho in die digitale Welt eingebrochen ist: wirkliche Probleme wie Klimawandel oder Wirtschaftskrise, auf die O'Reilly gern die Werkzeuge und Methoden des Web 2.0 angewendet sehen möchte. Er spricht über robuste Strategien für Start-ups:
- Work on stuff that matters
- Create more value than you capture
Und zitiert, keine schlechte Idee in Berlin, die Luftbrücke als Beispiel für Entwicklung und technologischen Fortschritt durch wirkliche Probleme. Im Herbst 2008 durchschreitet das Web eine neue Zäsur. Im nächsten Jahr werden wir sehen, was als nächstes kommt.
Ein ausführliches Interview mit Tim O'Reilly hat FAZ-Netzökonom Holger Schmidt.
Sie dümpeln jetzt schon ein paar Tage in meinem Firefox herum, aber sie gehören zum Besten, was ich bis jetzt über die harmlos Finanzkrise genannte globale Erschütterung gesehen habe: die Folien von Sequoia Capital on startups and the economic downturn.
Die Botschaft der Geldgeber an die Start-ups ist klar: Gürtel enger schnallen, die guten Zeiten sind vorbei. Spannender als diese vorhersehbare Ansage sind die umfangreichen Hintergrundinformationen zur Entstehung und den Folgen der Krise. Wer diese Präsentation noch nicht gesehen hat, sollte das Versäumte unbedingt nachholen.
Ich habe sie mir in den letzten Tagen schon mehrmals angesehen, als ich über das Thema der next09 nachgedacht habe. Mir fiel wieder ein, dass FAZ-Netzökonom Holger Schmidt schon auf der next08 im Mai das große Start-up-Sterben heraufziehen sah.
Damals schien es so, als wolle niemand die Kassandrarufe hören. Dabei war die Finanzkrise schon längst in vollem Gange. Es ist ja nicht so, dass dieser heiße Herbst plötzlich und unerwartet gekommen wäre.
Die Frage ist nun: Was bedeutet das alles für die nächsten Monate? Die Antwort von Sequoia ist klar.
Clay Shirky hat nach seiner gestrigen Konversation mit Charles Leadbeater seine Keynote weggeworfen und aus den Trümmern eine neue gebaut. Oder jedenfalls sagt er das. Nach der Rede von Genevieve Bell über Secrets and Lies müssen da Zweifel erlaubt sein.
Doch einem Weltklasseredner wie Shirky traue ich durchaus zu, dass er sich fix auf sein Auditorium einstellen kann. Auf der PICNIC präsentierte er heute viereinhalb Herausforderungen, die jeder kennen sollte, der sich mit Social Media befasst.
(1) Designprobleme sind soziale Probleme
In grauer Vorzeit des Web 1.0 mag es so gewesen sein, dass (zumindest gedanklich) die Community zuerst da war und dann begann, mit Hilfe von Software etwas zu teilen: Gedanken, Fotos, Videos - was auch immer. Heute ist es umgekehrt. Im Zeitalter des Web 2.0 kann jede URL ihre eigene Community werden.
Shirky illustriert diese These am Beispiel von flickr. Dort kann es passieren, dass aus der Diskussion um ein einziges Bild ein ganzes Tutorium über ein fotografisches Spezialgebiet wächst. Dort bilden Freunde der Schwarzweißfotografie eine Gruppe, die sich strenge Regeln gegeben hat: Jeder, der dort ein Foto publiziert, muss sofort die beiden Fotos davor kommentieren.
Nicht flickr ist die Community, sondern die Freunde der Schwarzweißfotografie auf Twitter. Und sie geben sich ihre Regeln selbst, kontrollieren die Einhaltung und entwickeln die Regeln weiter. Softwaredesign kann da wenig beitragen - außer nicht im Wege zu stehen. Was gar nicht so wenig ist.
(2) Weniger Features sind mehr
Social Software ist die einzige Softwarekategorie, in der spätere Produkte weniger Features haben als frühere. Mit einem simplen Tool wie Blogger wird heute mehr im Web publiziert als mit den hochgezüchteten Contentmanagementsystemen dieser Welt. Twitter hatte beim Start zwei Features, heute sind es sechs.
Bronze Beta ist eine von Fans der TV-Serie Buffy selbst getragene Website, die praktisch gar keine Features hat - aber dafür einen umfangreichen Satz an Regeln.
(3) Es gibt nicht den Nutzer
In Social Media gibt es eine Normalverteilung mit wenigen, sehr aktiven und vielen, wenig aktiven Nutzern. Die Grafik sieht aus wie der berühmte Long Tail. Und die beiden Nutzergruppen unterscheiden sich erheblich.
In der Wikipedia sind mittlerweile Schutzmechanismen eingebaut, mit denen sich die wenigen Aktiven gegen häufig wiederkehrenden Missbrauch der vielen Eintagsfliegen wehren können. Mehr und mehr Artikel können nicht mehr von jedem dahergelaufenen Vandalen bearbeitet werden. Es ist die gute, alte 80/20-Regel, die hier wieder einmal gilt.
Wie überhaupt in die Wikipedia mit der Realität, die sie abbilden soll, auch die Konflikte dieser Realität einwandern: Der Artikel über Pluto hat einen enormen Überarbeitungsschub erlebt, nachdem Pluto aus der Liste der Planeten gestrichen wurde. Und bei Galileo Galilei wurde ein bald 500-jähriger flame war ausgetragen, der mit der katholischen Kirche zu tun hat.
(3.5) Auch Designprobleme werden global
Der Künstler Aaron Koblin hat den Mechanical Turk von Amazon dafür verwendet, eine 100-Dollar-Note in zehntausend Elementen für jeweils einen Cent kopieren zu lassen. Das Internet macht es möglich, auf globaler Ebene zusammenzuarbeiten. Damit gibt es auch Designprobleme von nie gekannter Größe.
You could say that Aaron had 10,000 people working for him as in a way he did - he only payed them a penny - but they were working to collaborate with him and each other. If this were a real company then that would put him high up the list of employers with a large staff. The largest groups in the world that are working collaboratively are working like this. What we are seeing now is spontaneous conditions of labour springing up. The Division of labour is spontaneous and there is a spontaneous division of motivation. No-one who runs a large company with a management structure cannot understand this. [aufgezeichnet von Lucy Hooberman]
(4) Veröffentlichen, um zu handeln
Die britische Bank HSBC holte sich eine blutige Nase, als sie Studenten erst zinsfreie Überziehungskredite anbot und dieses Angebot einige Zeit später zurückzog. Die Studenten fühlten sich betrogen und nutzten Facebook, um Druck zu machen. Die Bank musste einlenken.
Beispiele dieser Art gibt es zuhauf, aber immer dreht es sich darum, irgendetwas zu stoppen. Wie sieht es mit gemeinschaftlichem, kreativen Handeln aus, wenn es nicht darum geht, irgendetwas zu verhindern? Handeln ist der schwierigste Teil der globalen Zusammenarbeit. Das leuchtet jedem ein, der Getting Things Done gelesen oder schon einmal einen G8-Gipfel genauer angesehen hat.
Morgen beginnt in Amsterdam die PICNIC. Fischmarktleser haben heute noch die Chance, sich einen 10-prozentigen Rabatt auf den Ticketpreis zu sichern. Auf drei weitere Ereignisse der nächsten Wochen möchte ich heute gern hinweisen.
- Vom 30. September bis 1. Oktober findet in Hamburg der Community Summit 2008 statt. Kernthema sind die organisatorischen und operationalen Fragen beim Community-Management. Unter den Referenten: Jörg Blumtritt (Burda Community Network), Felix Petersen (Plazes), Marco Ripanti (ekaabo) und Stephan Uhrenbacher (Qype). Mit dem Code MR-200 wird das Ticket gleich 200 Euro günstiger.
- Am 30. September endet die Bewerbungsfrist für den Webfuture Award von Hamburg@work. Gesucht werden innovative Ideen von Existenzgründern, kleinen und mittelständischen Unternehmen aus Hamburg und der Metropolregion zum Thema E-Commerce, Web 2.0 & Social Communities. Für den 1. Platz gibt es 15.000 Euro Preisgeld. Die Preisverleihung findet am 19. November statt.
- Vom 10. bis 12. Oktober findet in Berlin das zweite Educamp statt. Schwerpunkte sind E-Learning und die Nutzung der Web-2.0-Anwendungen in der Schul- und Hochschulbildung. Das Educamp bietet ein Forum für Unternehmer, Professoren, Lehrer und Studenten.
Der 11. September 2001 war mein zweiter Arbeitstag bei SinnerSchrader. Das Wetter war ähnlich wie heute in Hamburg: sonnig und spätsommerlich warm. Ich war dabei, mich mit meinem neuen Arbeitgeber bekannt zu machen. Alles war neu und aufregend.
Mein Schreibtisch stand in einem Großraumbüro im ersten Stock der Planckstraße 13 in Hamburg-Ottensen, nur wenige Schritte vom heutigen SinnerSchrader-Büro entfernt. Außer Mark Pohlmann, damals mein Chef, und mir saß dort die Online-Redaktion - ein entfernter Vorläufer unserer heutigen Konzeptioner, wenn man so will.
Im alten Industriebau herrschte eine stille und konzentrierte Atmosphäre wie im Skriptorium einer Abtei. Gegen drei Uhr am Nachmittag unterbrach ein Redakteur, mit dem ich Rücken an Rücken saß, unser aller Arbeit. Ein Flugzeug sei ins World Trade Center geflogen, meldete Spiegel Online. Wir waren irritiert.
Es dauerte noch einige Zeit und mehrere Updates bei Spiegel Online, bis die Nachrichtenlage sich verdichtete. Ein Attentat. Es gab damals einen kleinen Aufenthaltsraum mit Fernseher, auf dem wir die ersten Bilder aus New York sahen. Die brennenden Türme, das zweite Flugzeug.
An Arbeit war nun nicht mehr zu denken. Das Fernsehen zeigte Katastrophenbilder, auf dem Rechner stieß das Web 1.0 an seine Grenzen. Spiegel Online, CNN.com & Co. waren nur schwer erreichbar oder reduzierten ihre Präsenz auf das eine Thema, das es jetzt noch gab.
Dass der erste Turm eingestürzt war, begriffen wir zuerst gar nicht. Die Bilder im Fernsehen erschienen uns irreal wie aus einem Katastrophenfilm. Gigantische Staubwolken. Und das Web war noch schwach und konnte kaum zur Aufklärung beitragen. Dann brach der zweite Turm zusammen.
Der Kollege, der die Meldung zuerst gesehen hatte, nahm an jenem 10. September seinen Abschied von SinnerSchrader. Nach Feierabend saßen wir auf dem Hof der Planckstraße 13 beim Bier. Er wollte in die USA, ob im Urlaub oder für länger, weiß ich nicht mehr. Es war, vorsichtig gesagt, ein mulmiges Gefühl.
Der 11. September 2001 war ein Meilenstein beim Niedergang der Internetwirtschaft. Vielen Start-ups war schon zuvor die Luft ausgegangen. Ich selbst kam gerade von einem Start-up, das in jenen Septembertagen Insolvenz anmelden musste. Nach dem 11. September strichen viele große Unternehmen ihre E-Commerce- und Internet-Budgets zusammen. Das traf Dienstleister und Agenturen. Die Internetwirtschaft fiel in einen Winterschlaf, der fast drei Jahre andauern sollte.
SinnerSchrader zog Ende September in eine große Halle nach Bahrenfeld und blieb dort für knapp fünf Jahre. Aus 270 Mitarbeitern, die im September 2001 bei uns arbeiteten, wurden bis Ende 2003 nur noch 130. In der Halle war genug Platz, um 2006 mit 1.000 Gästen unser Zehnjähriges zu feiern und eine Konferenz zu veranstalten. Nur wenige Kollegen mussten dafür ihren Schreibtisch verrücken.
2006 war das Jahr des Web 2.0 und der neuen Aufbruchstimmung. SinnerSchrader zog zurück nach Ottensen. Die Internetwirtschaft hatte sich seit 2004 wieder vom Schlafe erhoben. Es gab wieder Start-ups und neue Projekte in den Unternehmen. Der zweite Aufschwung läuft weniger stürmisch als zu Zeiten der New Economy, aber nachhaltiger. Und er hält nun schon vier Jahre an.
Der 11. September 2001 war der Moment der größtmöglichen Verunsicherung. Die Folgen des 11. September wirken auch in der Internetwirtschaft bis heute nach. Wenige Wochen später meldete Popnet Insolvenz an. Kabel New Media war schon im Sommer pleite gewesen. Die Agenturszene war im Umbruch, und SinnerSchrader mittendrin.
Dieses Jahr ist die Zahl der Internetnutzer laut der ARD/ZDF-Online Studie in Deutschland auf 42,7 Millionen gestiegen, eine Steigerung von 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das ist eine erfreuliche Nachricht. Weniger erfreulich ist dagegen, dass das Internet uns angeblich doof macht. Das Prinzip Copy und Paste vs. den, von einer Informationsflut übermannten, Internetsurfer.
Viel interessanter ist jedoch die ursprüngliche Frage, ob das Web unser Leseverhalten und sogar unsere Art zu Denken beeinflusst. Dem Thema stellt sich Nicholas Carr des Atlantic Magazines beeindruckend ausführlich. Er unterstellt Google und Co. rein kommerzielles Interesse daran, dass wir schnell und oberflächlich lesen und dadurch eine hohe Klickrate erreichen sollen. Dem ist auch nichts entgegen zu setzen, aber ist es nicht immer eine Typfrage, wie man was, wann liest?
They [the media] supply the stuff of thought, but they also shape the process of thought. And what the Net seems to be doing is chipping away my capacity for concentration and contemplation.
Passen wir uns wirklich einfach nur den Formaten des Internets an? Neues bietet neue Möglichkeiten und bei der Anzahl an täglichen News lassen sich Teaser, Blogs oder RSS-Feeds nicht mehr wegdenken. Es ergänzt unseren Horizont, ersetzt aber längst nicht alles. Beeinflusst das Netz, wie wir Informationen zu uns nehmen? Ja. Aber manipuliert es deswegen auch gleich unsere Art zu Denken?
Der Horrorstreifen jagt einem nur gemäßigte Schauer über den Rücken. Reelle dagegen lassen sich bei der amerikanischen Plattform CriminalSearches erleben. Erschreckend dabei ist nicht nur, was alles zu finden ist, sondern dass es jeder, überall und umsonst finden kann. Die neue Suchmaschine von PeopleFinders bietet Akteneinsichten jeder Art: von Straftaten bis zu Vermerken über Geschwindigkeitsüberschreitungen.
Do you really know who people are?
Mit der Suche nach Vor- und Nachname lassen sich im Handumdrehen Daten zu der gesuchten Person finden. Bunte Labels wie ein grünes D (Drug and Alcohol), ein rotes S (Sex related) oder ein pinkes T (Theft and Robbery) helfen bei der Zuordnung von Straftaten auf einen Blick.
Criminals could be living in your neighbourhood.
Ein weiteres Angebot der Seite ist die Suche nach dem Heimatort und den dort ansässigen Straftätern. In New York sieht das Ganze dann so aus:
Keep informed with free criminal alerts.
Immer auf dem aktuellen Stand von einer suspekten Personen bleiben? Kein Problem: E-Mail-Abo einrichten und nie eine Folge Sünde von den Nachbarn verpassen.
Datenschutz in den USA scheint ad acta gelegt. Dafür sei der Schutz von Familien jetzt garantierter, so Bryce Lane, Präsident von PeopleFinders. Und dieses Anliegen stehe mit der Plattform natürlich im Vordergrund. Dass die Daten bei CriminalSearches unvollständig und nicht aktuell sind, beweist Brad Stone von der New York Times. In seinem Artikel verfolgt er die Spur, warum diese Daten überhaupt öffentlich sind.
"I think people generally understand the 21st-century reality that this type of public information is going to be widely available," said Nick Matzorkis, the chief executive of ZabaSearch, a search engine that provides people's addresses and phone numbers, culled from public records. CriminalSearches.com "is another indication of the inevitability of the democratization of public information online," Mr. Matzorkis said.Ist es das wirklich? Nur ein weiterer Hype? Wenn ja, ist das ein großer Rückschritt - zurück zur Überkontrolle.
Interessant: bei Rotten Neighbors können Häuser via Google Maps markiert und kommentiert werden. Auch in Deutschland.
Die Beta-Version von Lifestream.fm ist live. Mit dem Feed-Aggregator kann der Nutzer die eigenen Aktivitäten und die seiner Freunde im Web jederzeit im Blick behalten.
Lifestream.fm tritt gegen Friendfeed mit einer deutschen Version an und unterstützt im Vergleich zu Friendfeeds 41 gleich 56 Services. Darunter sind z.B. die deutschsprachigen Seiten Plazes, Qype oder Photocase. Wie Friendfeed hat Lifestream.fm eine Kommentarfunktion, die Suche über alle Streams und eine Adobe Air Application.
Fischmarktleser können Lifestream.fm exklusiv testen! Bei Interesse bitte per Kommentar melden.
Meine leicht polemisch gefärbte Analyse, warum Journalisten das Web nicht mögen, hat eine Reihe von interessanten Repliken erzeugt. Eines der wiederkehrenden Gegenargumente ist der Glaube, dass wir Journalisten auch weiterhin brauchen. Das stimmt wahrscheinlich sogar. Die Frage ist aber, wozu eigentlich.
Die Einordnung und "Reduktion von Komplexität", wie die Medienwissenschaftler sagen, kann durchaus auch eine Aufgabe für Journalisten im Web darstellen. Hunderte abonnierter Feeds, aber keiner sagt mir, welcher wichtig ist.
Doch. Allerdings sind es keine Journalisten, die mir das sagen. Es sind Techmeme, Rivva, Digg, Friendfeed und Twitter (z.B. Twitlinks). Es sind Maschinen, die von Menschen gefüttert werden, wie immer, wenn wir von Medien sprechen. Sie sind dabei, den Journalisten ihre Selektionsfunktion abzunehmen. Es wird noch dauern, bis es flächendeckend soweit ist. Aber der Trend ist klar.
Der menschliche Faktor ist das, was den Journalismus interessant macht.
Wenn ich mich recht entsinne, dann hatte der Journalismus einst einen Objektivitätsanspruch - an dem er freilich vielfach scheiterte, was verständlich ist, da Menschen involviert sind. Im Unterschied zum Journalismus war das Blogging mit einem Subjektivitätsanspruch angetreten - und auch damit oftmals grandios gescheitert.
Objektivität ist veraltet. Sie wird nur in Medien gebraucht, die den Gesetzen der physischen Knappheit unterworfen sind. Wenn es nur ein Fernsehprogramm gibt, muss das furchtbar objektiv sein, weil es ja außerhalb des eigenen Kanals keine Gegenstimme gibt.
Schon der Versuch, die Regelungsmechanismen aus öffentlich-rechtlichen Monopolzeiten auf das privat-kommerzielle Fernsehen zu übertragen, ist völlig zu Recht weitgehend gescheitert. Stefan Niggemeier schreibt Romane darüber. Wenn er nicht gerade im Urlaub ist.
Im Web können wir uns Subjektivität leisten, weil Objektivität, sofern sie gebraucht wird, aus der Summe der Subjektivitäten entsteht. Wie in der Wikipedia. Habermas müsste jubeln, aber er versteht das Web nicht.
Das journalistische Produktionsmonopol ist aufgebrochen, heute kann jeder publizieren. Das Selektionsmonopol bricht jetzt ebenfalls auf, Maschinen und kollaborative Systeme sind heute schon besser als es Journalisten je waren. Was bleibt dann noch? Ganz zu schweigen davon, dass die Zahlungsbereitschaft für journalistische Produkte sowohl bei den Konsumenten als auch bei den Werbungtreibenden dramatisch gesunken ist.
Es bleiben PR und Corporate Publishing. Journalisten werden sich als Kommunikatoren und Lohnschreiber für Unternehmen verdingen.
Selbstverständlich werden die klassischen Medien überleben. Sie bewegen sich aber längst in einem schrumpfenden Markt, und dort gelten andere Gesetze als in Wachstumsmärkten. Medienobjekte werden zu Melkkühen umgebaut und auf Rendite getrimmt, Stellen gestrichen und das gesamte Niveau abgesenkt.
Dagegen ist kein Kraut gewachsen. Dass eine Redaktion wie die der Berliner Zeitung nur im Web und ohne gedrucktes Blatt überleben könnte, ist eine wohlfeile Illusion.
Die Antwort ist einfach: Weil es sie arbeitslos macht. Die Journalisten sind die schlesischen Weber des Webs.
Diese These kann ich auch ausführlicher formulieren.
- Seit Gutenberg (und vor Gutenberg erst recht) waren Medien den Gesetzen physischer Knappheit unterworfen. Es gab niemals unbegrenzt viele Druckerpressen, Frequenzen oder Sendeplätze. Deshalb konnte nicht jedermann publizieren - vor der Publikation fand eine Auswahl statt. Redakteure wählten aus, was ins Blatt kommt. Frequenzen wurden für bestimmte Zwecke an bestimmte Nutzer vergeben. Im Kampf um Sendeplätze setzten sich aufmerksamkeitsstarke Programme gegen schwächere durch.
- Der Auswahlprozess konzentrierte die öffentliche Aufmerksamkeit auf vergleichsweise wenige, dafür aber reichweitenstarke Blätter, Sender und Programme. Mangels Alternativen waren Leser sogar bereit, für bedrucktes Papier Geld zu bezahlen. Außerdem zahlte die werbungtreibende Industrie dafür, ihre Botschaften über die gleichen Medien transportieren zu lassen.
- Dieses Mediensystem brauchte verhältnismäßig wenig Texte, Töne und Bilder, um verhältnismäßig viele Medienkonsumenten zu erreichen. Journalisten schufen Wert, indem sie genau diese Texte, Töne und Bilder anfertigten. Das werden sie auch weiterhin tun, aber...
- Im Web findet die Auswahl erst nach der Publikation statt. Ökonomen würden sagen, dass die Markteintrittsbarrieren niedrig sind. Wer möchte, kann publizieren, und viele tun das auch. Dadurch wächst das Angebot der publizierten Texte, Töne und Bilder sehr viel schneller als die Nachfrage.
- Dies hat zwei für die Einkommen von Journalisten fatale Folgen: Die Aufmerksamkeit der Medienkonsumenten verteilt sich auf immer mehr Medienprodukte, die Reichweiten sinken, und damit schrumpfen auch die Erlöse aus Werbung und Verkauf. Geringere Erlöse führen zu Stellenstreichungen und Einkommenseinbußen. Das wachsende Angebot erhöht den Preisdruck für journalistische Arbeit zusätzlich.
- Nun ist das Angebot am Arbeitsmarkt der Medienwirtschaft traditionell höher als die Nachfrage, was den Löhnen und Preisen für journalistische Tätigkeit noch nie besonders gut getan hat. Medienhäuser können daher den Preisdruck relativ einfach an ihre Mitarbeiter und Lieferanten weitergeben: Gehälter und Honorare sinken.
Wie die schlesischen Weber durch die Industrialisierung verlieren die Journalisten durch das Web ihr Einkommen. Zwar nicht alle, nicht alles und auch nicht sofort, aber der Trend ist klar. Und deshalb ist auch klar, warum Journalisten das Web nicht mögen.
Am Vorabend der reboot10 geschah der größte für die TV-Übertragung einer Fußball-EM anzunehmende Unfall: Das Bild vom Halbfinale Deutschland-Türkei fiel aus. Wie unter der Lupe zeigt dieser Ausfall die Schwäche zentralisierter und zentral kontrollierter kommerzieller Systeme.
Denn erstmals bei einer Sportveranstaltung hat die Uefa sämtliche TV-Sender dazu verpflichtet, das von ihr und damit dem Veranstalter selbst produzierte Fernsehsignal zu übernehmen. Das zentrale Sendezentrum in Wien war offensichtlich unzureichend mit Notstrom versorgt, sodass ein Gewitter durch kurze Stromunterbrechungen den sofortigen Reboot der Sendesysteme auslöste.
Der Trend zur Zentralisierung und Kommerzialisierung der Fußballübertragung ist nicht neu. Doch noch bei der WM 2006 durften ARD und ZDF das zentral produzierte Signal um eigene Bilder ergänzen. In diesem Jahr liefen auch diese Bilder über das Wiener Sendezentrum.
Free ist anders. Das Leitthema der diesjährigen reboot wird, auf den ersten Blick überraschend, sehr stark auf Unternehmen bezogen. Enterprise 2.0, so weit das Auge reicht. Kein Wunder: Nach der Webzwonullszene und den interaktiven Konsumenten, die sich mit Social Networks angefreundet haben, sind die Unternehmen die letzte Bastion des einsnulligen Webs.
Wenn Web 1.0 das nach überlieferten Prinzipen wie zentraler Kontrolle und und beschränktem Zugang organisierte Web war, dann ist das heutige Web free im Sinne der reboot10. Hier in Kopenhagen trifft sich heute und morgen eine Szene, die sich auf den Marsch durch die Institutionen Unternehmen vorbereitet.
Der Sendeausfall gestern hat die Verwundbarkeit hochprofessionalisierter, kommerziell betriebener Mediensysteme gezeigt. Trotz aller Unzulänglichkeiten sind Twitter, Qik & Co. heute schon schneller und emotional stärker als das sich selbst zu Tode hochgerüstete TV.
Wir werden sehen, ob heute wenigstens das TV-Bild stabil bleibt. Das Konferenz-WLAN hat bislang jedenfalls funktioniert.
Die gestrige Stevenote habe ich bei MacRumorsLive.com auf dem E61i verfolgt, während ich etwas gegessen, Fußball und Tagesschau gesehen und die Kinder ins Bett gebracht habe. Das automatische Nachladen hat meistens funktioniert.
Neben Nettigkeiten wie iPhone 2.0 und MobileMe ließ His Jobness auf der großen Bühne auch Loopt präsentieren. Loopt zeigt auf dem Mobiltelefon an, wo sich meine Freunde gerade aufhalten und was sie dort tun. Ein social network to go, sozusagen. Bis jetzt allerdings nur in den USA erhältlich.
Wir Europäer haben andere Mittel und Wege zum gleichen Zweck und Ziel. Als da wäre
- Plazes, der Klassiker ortsbezogener Dienste aus deutschen Landen, schon 2004 von Stefan Kellner und Felix Petersen gegründet und seitdem mehrfach gehäutet. Plazes erfasst meinen aktuellen Aufenthaltsort und teilt ihn der Weltöffentlichkeit mit, insbesondere aber meinen dortigen Kontakten. Seit etwa einem Jahr stellt Plazes außerdem die Twitter-Frage: "What are you doing?"
Der twittereske Aspekt ist allerdings bis jetzt eher unterentwickelt, denn anders als bei Twitter fand sich für Plazes keine Community, die dort zu kommunizieren gedenkt. Der technische Kern von Plazes ist die Software Plazer, die meinen aktuellen physischen Netzzugang erkennt und einem konkreten geografischen Ort zuordnet.
In der nächsten Iteration, derzeit in der Closed-Beta-Phase (mehr dazu hat Stefan Kellner auf der next08 gesagt), wird Plazes sich neben gegenwärtigen und vergangenen stärker auf die zukünftigen Aufenthaltsorte fokussieren. Die Reise- und Terminplanung im Web 2.0 ist jedoch bis dato eher die Domäne von - Dopplr, einem Reiseplanungswerkzeug für häufig reisende Geschäftsleute mit webzwonulligen Ambitionen. Dort lege ich Reisen an und sehe die Pläne meiner Mitreisenden, was mehr oder weniger spontane Treffen durchaus erleichtert. Plazes und Dopplr sprechen bis jetzt nicht miteinander, was schade ist, da Plazes meinen derzeitigen Aufenthalt kennt und Dopplr meine Pläne. Dieses und ähnliche Kommunikationsprobleme zu lösen ist
- Fire Eagle angetreten. Der Feueradler von Yahoo nimmt meinen Aufenthaltsort entgegen und verteilt ihn an andere Dienste weiter, natürlich mit allem nur denkbaren Datenschutzklimbim. Fire Eagle fliegt derzeit nur auf Einladung, spricht aber bereits mit Plazes (auf der Eingabeseite) und Dopplr (auf Eingabe- und Ausgabeseite), zwei von bis jetzt zwölf Anwendungen in der Galerie. Dazu gehört auch
- Brightkite, ein location-based social network. Auch eine Art ortsbezogener Twitter, ähnlich wie Plazes, dem ich allerdings selbst sagen muss, wo ich bin. Brightkite erfährt zwar von Fire Eagle, wo ich mich gerade aufhalte, fängt allerdings mit dieser Information bis jetzt reichlich wenig an. Und da Brightkite sich noch in geschlossener Beta befindet, ist auch mein Freundeskreis noch recht überschaubar.
Der Nutzen all dieser schönen Dienste steht und fällt mit den aktiven Nutzern, die sich dort tummeln. Je höher der Durchdringungsgrad in meinem persönlichen Umfeld, desto größer der Nutzen für mich. Dieser Zusammenhang ist indes trivial und gilt für alle Internetinnovationen seit der Erfindung der E-Mail.
Fire Eagle könnte das Drehkreuz für alle ortsbezogenen Webdienste werden. Plazes hat momentan den größten Funktionsumfang in unserem Vergleich und bietet fast alles, was entweder Dopplr oder Brightkite auch anbieten. Nur in punkto Community schwächelt Plazes nach wie vor.
Ob Friendfeed das nächste große Ding ist oder nicht, ist zwar eine spannende Frage. Wir in Deutschland müssen uns aber vorerst nicht damit beschäftigen.
Denn erfahrungsgemäß benötigen solche bahnbrechenden Technologien ein Jahr für den Weg über den großen Teich. So brauchte Twitter - gestartet 2006, groß herausgekommen 2007 auf der SXSW und der next07 - bis zur re:publica08, um die hiesige Webszene zu durchdringen.
Und auch Friendfeed - gestartet 2007, groß herausgekommen auf der SXSW in diesem Jahr - wird bis zur re:publica09 brauchen, um im deutschen Sprachraum Fuß zu fassen. Das ist nicht weiter schlimm, sondern entspricht deutschen Tugenden wie Gründlichkeit, Fleiß und Disziplin. Nur nichts überstürzen, erst einmal prüfen, gründlich überlegen und sorgfältig planen.
Schauen wir uns in der Zwischenzeit einmal an, wie Friendfeed meine Webmediennutzung verändert hat.
Am 19. April 2008 hat Friendfeed den Google Reader als Startseite auf meinem E61i verdrängt. Twitter hatte das übrigens nicht geschafft. Und das, obwohl Twitter eine sehr brauchbare und von mir intensiv genutzte mobile Version hat und Friendfeed keine, von fftogo.com einmal abgesehen.
Warum Friendfeed? Friendfeed liefert Neues, Interessantes und Spannendes - die Micromemes des Tages - von meinen Netzbekannten. Nicht nur, was sie bloggen oder twittern. Sondern auch, was sie bei del.icio.us speichern und im Google Reader interessant finden. Nebenbei erfahre ich noch, welche Musik sie bei last.fm mögen oder was sie auf den Amazon-Wunschzettel setzen.
Facebook hat das Konzept Newsfeed popularisiert, aber Friendfeed dreht das Rad ein gutes Stück weiter. Bis jetzt sind aggregiert Friendfeed 35 Dienste - weit mehr als Facebook. Und Friendfeed hat Kommentare zu jedem Link. Hört sich trivial an, fügt aber eine neue Interaktionsebene hinzu.
Denn erstaunlicherweise wird bei Friendfeed eifriger kommentiert als an der Quelle selbst. Es ist eine höchst kommunikative Umgebung. Dazu trägt ein simpler Trick bei: Jeder neue Kommentar bringt einen Link inklusive des Diskussionsfadens (Thread) wieder auf die Startseite zurück. Erfreuliche Nebenwirkung: Die heißen Geschichten stehen immer vorn.
Für mich ist deshalb jetzt Friendfeed Pflicht. Twitter und Google Reader streiten sich um den zweiten Rang in meiner Mediennutzung. Die Nase vorn hat bis dato Google Reader, weil dort alle Informationsströme zusammenlaufen. Denn selbstverständlich hat Friendfeed einen RSS-Feed. Und ebenso selbstverständlich habe ich den im Google Reader abonniert.
Facebook übrigens hat in letzter Zeit deutlich nachgelassen. Friendfeed hat zwar eine Facebook-Anwendung, aber Facebook wird bis jetzt nicht von Friendfeed aggregiert. Besteht da ein Zusammenhang?
Dr. Stefan Glänzer, Gründungsinvestor und früherer Executive Chairman von last.fm spricht nach seinem next08-Vortrag über Musik als Bestandteil von Kommunikation und stellt die These auf, dass Musik in Zukunft für jedermann frei zur Verfügung stehen wird. Die Musikindustrie müsse sich neue Einnahmequellen neben dem klassischen CD-Geschäft erschließen, so die nicht ganz neue Schlussfolgerung Glänzers.
Er verweist auf den einzelnen Musiker als kreative Quelle des Musikgeschäfts und spricht über eine neu entstehende Kultur des Musikschaffens durch die neuen Möglichkeiten rückkanaliger mobiler Aufnahme- und Distributionsgeräte. last.fm basiere auf dem Motto "get realtime", so Glänzer.
Bereits zur next07 sprach Glänzer über individualisiertes Radiohören.
Das Live Web hat meine Lesegewohnheiten, mindestens was Nachrichten betrifft, deutlich verändert. Seit der Erfindung von RSS & Co. kommen die Neuigkeiten im Web zu mir. Ich muss nicht mehr zahllose Websites abklappern, der Google Reader reicht. Und Twitter. Beides ging vor allem zu Lasten der Mail.
Was hat sich im Detail verändert?
Ich lese nur noch Feeds. Mein Webmedienkonsum findet inzwischen zum größten Teil im mobilen Google Reader auf dem E61i statt. Was auch bedeutet: Ohne RSS-Feed geht gar nichts mehr. Wer heute keinen Feed anbietet, ist per definitionem irrelevant.
Ich lese viele Feeds. Google Reader zeigt sie in letzter Zeit nicht mehr an, es müssen aber inzwischen mehr als 1.000 sein zählt derzeit 1.199 Stück. Denn ich abonniere einfach jeden Feed, der mich interessiert. Feeds fressen kein Brot, und selbstverständlich lese ich nicht alles, noch nicht einmal die Überschriften.
Ich bestelle Feeds nur selten wieder ab. Viele Feeds sind längst tot, weil das Blog inzwischen gestorben oder umgezogen ist, seinen Dienst eingestellt oder die Plattform gewechselt hat. Egal. Die Abonnements zu verwalten lohnt sich nicht.
Jeder Feed bekommt mindestens einen Tag. Naja, im Idealfall. Denn leider kann der mobile Google Reader keine Feeds mit Tags versehen, und so sammeln sich immer mehr Feeds ohne Tags in meiner Liste. Und da es sich nicht lohnt, sie zu verwalten, bekommen sie auch später nur ausnahmsweise einen Tag nachgereicht.
Ich lese keine Blogs, sondern Tags. Also Gruppen von Blogs. Wie auch immer sich diese Gruppen zusammensetzen. Hier zum Beispiel sind alle Beiträge aus Blogs mit dem Tag Fischmarkt. Im Idealfall sollten das die Blogs sein, die ich für den Fischmarkt lese.
Ich abonniere Meta-Feeds: Suchfeeds von Technorati oder Google zu diversen Suchbegriffen, Dienste wie Techmeme, Rivva oder Digg. Das erhöht die Chance, nichts Wichtiges zu verpassen.
Ich lese immer nur das Neueste. Denn ich habe ja nicht unbegrenzt Zeit. Also schaue ich in der Listenansicht - im mobilen Google Reader gibt es ohnehin keine andere Möglichkeit - die jeweils jüngsten Überschriften durch und klicke auf das, was mich interessiert.
Alles Empfehlenswerte empfehle ich. Das geht mit einem Klick. Die Liste der von mir empfohlenen Links gibt Google Reader wieder als Feed aus. Diesen Feed lasse ich per Twitterfeed an meinen Twitter verfüttern. Die fünf jüngsten Empfehlungen stehen in der rechten Spalte unter "Anderswo aufgelesen".
Ich recherchiere in der Suche von Google Reader. Meine mehr als 1.000 Feeds sind eine hervorragende Datenbasis - es sind meine bevorzugten Quellen. Die Suche von Google Reader ist eine personalisierte Suchmaschine.
Was noch fehlt, sind lokale Nachrichten. Der mobile Google Reader auf dem E61i steht morgens am Frühstückstisch im harten Wettbewerb mit der Lokalzeitung. Zwar war das Altländer Tageblatt seinerzeit plietsch genug, die Domain tageblatt.de zu registrieren. Aber damit endete dann auch die Innovation.
Als Abonnent könnte ich zwar Zugang zu irgendwelchen Premium-Nachrichten bekommen, aber das war mir bis jetzt immer zu kompliziert. Außerdem gibt es dort keinen RSS-Feed. Und der RSS-Feed liefert nur Nachrichten für Abonnenten. Damit hat sich das Thema wohl erledigt.
Starke Konkurrenz ist dem Google Reader inzwischen mit dem mobilen Twitter erwachsen. Dort lese ich nun auch schon 292 Twitterati, also etwa ein Viertel 557, also fast die Hälfte meiner RSS-Feeds.
Bei Twitter liegt zwar der Fokus eher auf den Menschen als auf den Nachrichten. Doch die wirklich wichtigen Nachrichten kommen mittlerweile schneller über Twitter als über RSS-Feeds herein.
Den kontinuierlichen Nachrichtentakt in meinem Twitter schlägt die Tagesschau. Dazu kommen Rivva, Techmeme und vermutlich noch weitere eher nachrichtenorientierte Tweeter, die ich jetzt vergessen habe.
Nachtrag: Diesen Text habe ich im März 2008 geschrieben. Inzwischen hat Friendfeed Einzug in meine tägliche Mediennutzung gehalten, zu Lasten von Twitter und Google Reader. Doch dazu später mehr.
Auf der next08 hat Stockflock eine neue Finanz-Community gestartet. Auf Stockflock publizieren und vergleichen Profis und Privatanleger ihre Strategien, Tipps und Portfolios. Anders als in klassischen Finanzforen wird auf Stockflock deutlich, wie gut der Tipp war: Die Wertentwicklung und Vorhersagepräzision werden ausgewertet und sind für jeden sichtbar.
Stockflock ist eine hundertprozentige Tochter der Sixt e-ventures GmbH und richtet sich an zwei Zielgruppen: Portfolioverwalter stellen auf einer anbieterneutralen Seite ihre Kompetenz und Anlagestrategie unter Beweis, Privatanleger lernen durch den Austausch von Wissen und Erfahrungen voneinander. Das Resultat für alle Beteiligten ist eine unabhängige, selbstverantwortliche Investitionsstrategie.
Einer der ersten Community-Mitglieder von Stockflock ist Erich Sixt selbst. Er stellt auf der Website seine wichtigsten Investitionen vor, erklärt, welche Märkte er für besonders interessant hält und lässt alle Nutzer an der Wertentwicklung seines Portfolios teilhaben.
Projektleiter Alexander Beyer hat Stockflock auf der next08 vorgestellt. Das Video der Session ist jetzt online.
Stockflock/Sixt ist ein Kunde von SinnerSchrader.
Volker Gassner (campaigner und Projektleiter; Greenpeace Deutschland) über die Verbindung zwischen new economy und NGO´s.
Auch für Greenpeace ist das Motto der next08 "get realtime" der zentrale Aspekt zukünftigen Handelns.
Zehn Ideen in dreißig Minuten, präsentiert von unentdeckten Talenten und moderiert von Sascha Lobo - das war der Elevator Pitch auf der next08.
Wie sich ein Talent nach einem solchen Auftritt fühlt und wie Sascha Lobo seinen Auftritt einschätzt, erfahrt man hier.
Die Talente:
Amazee (www.amazee.com) - online Plattform für Projekte (social collaboration)
communipedia (www.communipedia.com) - Suchmaschine für communities
Foodorder (www.foodorder.de) - Plattform für Lieferservices
Jupidi (www.jupidi.de) - Dating & Flirt Service
Justaloud.com (www.justaloud.com) - Music Shop
Knipz.de (www.knipz.de) - Photo Spiele und Wettbewerbe
Mikestar (www.mikestar.com) - Online Karaoke
Moodmixer - Microcasting
Telewebber (www.telewebber.de) - Web Plattform rund ums Fernsehen
toksta (www.toksta.de) - Instant Messenger für communities
Ein zweiter Bericht über den Beitrag "Me, Myself and I. Und wo ist die Marke?"
Das eine Community "zuklattert" und man sich ständig vor fliegenden Schafen und Vampiren wehren müsse sei die derzeit Größte Gefahr bei der Produktentwicklung von Social Networking Plattformen. Was Marcus Riecke von StudiVZ damit meint sind die überbordenen Gag-Funktionen von Applications, wie sie allen voran auf Facebook Gang und Gäbe sind. Wichtiger als Einzelapplications ist ihm für StudiVZ, dass die Inhalte künftig transportabel sind. Hilfen bei der Übertragung von Userdaten über verschiedene Netzwerke - allen voran die Initiative Open Social - werden deshalb in Zukunft immer mehr genutzt.
Angst um die User, wenn man sich StudiVZ oder MySpace-Inhalte auch jenseits dieser beiden Sites ansehen kann? Riecke verneint. Die Inhalte werden überwiegend von den Usern geschaffen. Die Auswahl der Freunde sorgt somit für die individuelle User-Experience. Dass alle Freunde zu einer anderen Plattform ziehen ist sehr unwahrscheinlich. Den Lieblings-Content-Mix gibt es also weiter nur auf der ursprünglichen Plattform. Der "Lock-In" bleibt gewahrt.
Joel Berger von Myspace setzt bei der Portabilität auf zwei Ausbaustufen - zuerst soll es alles, was es bei MySpace gibt, auch mobil geben. Als zweites soll das MySpace-Userprofil auch eBay, Twitter und Yahoo befüllen.
Der Stand der Werbevermarktung?
Die beiden Konkurrenten sind sich einig - klassische Displaywerbung ist auf dem absteigenden Ast, Branded Communities, Social Marketing und Empfehlungen werden dominieren, auch wenn Berger die Meinung vertritt, dass die Markenwelten 2.0 als Werbeform in Deutschland noch nicht gelernt seien und Rieke verkündet er glaube "das AdWords von Social Networks muss noch gefunden werden.". Gestützt werden sie vom aktuellen Horizont-Artikel über stotternde Community-Motoren, der trotz des pessimistischen Aufmachers veranschaulicht, wie Brands und Unternehmen in den USA in soziales Marketing investieren.
Was Berger Riecke von StudiVZ zu Communitystruktur und Monetarisierung sagten berichtete bereits Michael Seeman.
Ein immer wieder anzutreffendes Stilelement moderner Web-Applikationen, im Volksmund "Web 2.0-Dienste" genannt, sind Beta-Tests. Interessierte Nutzer melden sich zur Nutzung eines Dienstes an, um ihn noch in der Entstehungsphase zu testen und im Idealfall wichtiges Feedback an die Anbieter zu geben.
Bislang kannte ich nur zwei Formen des Beta-Tests, seit kurzem sind mir drei weitere bekannt.
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Der Beta-Test auf Anmeldung
Sehr üblich ist es, daß man auf der Webseite des neuen Dienstes seine E-Mail-Adresse hinterläßt und dann angeschrieben wird, wenn wieder "Plätze frei" sind. Während dieser Phase existiert der Dienst nur für die Beta-Tester, deren Zahl hin und wieder aufgestockt werden kann. Es kann sein, daß der Dienst dabei einschläft, wie dies beim Webtracker "Measure Map" der Fall war. Es muss aber nicht so weit kommen.
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Der immerwährende Beta-Test
Es hat lange gedauert, bis Dienste wie Flickr das "Beta" aus dem Logo strichen. Damit haben sie in ihrer Anfangszeit den Anspruch unterstrichen, ständig an Features zu arbeiten. Dies ist unter dem Stichwort "Perpetual Beta" bekannt.
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Der Beta-Test mit versuchter Bestechung
Vor kurzem bekamen einige Blogger Päckchen mit seltsamem Inhalt: eine Zahnbürste, ein Nassrasierer und ein Motorola-Handy wurden von einem unbekannten Absender verschickt. Jedes Päckchen hatte eine eigene Nummer. Erst nach einer Woche wurde die Identiät des Absenders durch einen Brief enthüllt. Bis dahin war viel Zeit für Spekulationen, die so mancher nutzte. Alle Ideen über den Urheber waren übrigens falsch.
Der Sinn der Geschichte war offensichtlich die persönliche Einladung zum Beta-Test eines neuen Dienstes. Anstatt einer normalen Mail wollte man Aufmerksamkeit erheischen. Mich würde dabei die Erfolgsquote interessieren, denn trotz des Bestechungspaketes habe ich mich bislang noch immer nicht registriert, was nicht nur mir so geht. Patrick Breitenbach läßt an der Aktion auch kein gutes Haar.
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Der Beta-Test mit Unkostenbeitrag
Sehr verblüfft war ich, als mir ein Freund eine Mail weiterleitete, die er als Antwort auf eine Anmeldung zum Beta-Test eines interessanten neuen Dienstes bekommen hatte. Der an der Uni Osnabrück entwickelte Dienst GoodGaze verspricht, Nutzungsverhalten vorauszusagen. Sozusagen eine "Hellseher-Heatmap"
Nach der Anmeldung wurde den potentiellen Beta-Testern mitgeteilt, daß die Nutzung des Dienstes zum Zwecke des Beta-Tests einen Unkostenbeitrag von 150 Euro (zzgl. USt) kosten würde. Ein Dienst wird also von Steuergeldern bezahlt und möchte zudem noch kostenlose Debugging-Leistungen erbracht bekommen, verlangt dafür aber noch Geld, anstatt den Testern welches zu zahlen. Diese Form der Dreistigkeit scheint mir neu.
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Die öffentliche Anmeldeliste
Normalerweise sind Anmeldungen zu Beta-Tests nicht öffentlich. Man trägt seine E-Mailadresse in ein Formular ein und bekommt irgendwann eine Antwort. Doch oft bekommt man schnell mit, daß sich regelrechte Cliquen zum gemeinsamen Test von Diensten versammeln. Diesen Umstand nutzt nun ein neues deutsches Startup aus. Die Anmeldeliste ist öffentlich, dafür kann man sein eigenes Tipi (Zelt) zum Warten auf einer speziellen Webseite aufschlagen. Eine witzige Idee, die mehrere interessante Aspekte hat: es wird nicht nur eine E-Mailadresse abgefragt, sondern ein kleiner Mehrwert zur Anmeldung geboten. Ein Interessent kann zudem überprüfen, wer seiner Bekannten sich auch für den Dienst interessiert und bekommt so evtl. schon einen Anreiz zur Anmeldung. Schön ist auch die Analogie zur realen Welt gelöst, indem auf der Webseite auch Nacht wird.
Ja, die schöne neue Web 2.0-Welt bringt interessante Ideen an allen Ecken und Ende hervor. Aber nicht alle Ideen sind dabei wirklich tauglich. Patrick Breitenbach hat Recht, wenn er schreibt, daß alle Trittbrettfahrer mehr von der Päckchen-Aktion gehabt haben, als Tchibo. Nach der Auflösung habe ich keine Berichte über den Dienst gelesen.
Warum soll ich eigentlich einen Dienst testen, nur weil mir jemand ein Werbegeschenk dafür zusendet? Das ist für die zu testende Applikation eine denkbar schlechte Motivation. Wenn jemand meinen professionellen Rat haben will, soll er dafür bezahlen. Oder er bekommt ihn kostenlos, wenn ich mich für die Applikation interessiere. Niemals würde ich hingegen selber für einen solchen Test zahlen. Denn die Beziehung "Beta-Tester" zu "Beta-Dienst" ist doch ganz eindeutig: der Beta-Tester erbringt eine Dienstleistung, für die normalerweise Geld fliessen müsste.
Als ich 1994 meine ersten Schritte im Internet unternahm, faszinierte mich das Usenet mit seinen schon damals unzähligen Diskussionsforen und seiner eigenen Diskussionskultur. Eher abseitige Themen wurden auf Mailinglisten diskutiert, und für den kurzen Schnack gab es IRC und talk.
Dann kam das Web, mit ihm neue Gespräche in Webforen und bald darauf auch Blogs. Mit den Blogs kamen Kommentare, Trackback und RSS und damit die Möglichkeit, den Debatten mittels Feedreader zu folgen, ohne das Blog selbst besuchen zu müssen. Damit war wieder der Stand erreicht, den das Usenet zuvor bereits geboten hatte, allerdings auf einem neuen Niveau.
Die nächste Generation von Konversationswerkzeugen trat 2006 mit Twitter auf den Plan. Sie hat neben RSS auch Programmierschnittstellen, die neue Möglichkeiten für die Netzgesprächskultur bieten. Das Wanderungstempo der Gespräche im Netz hat sich damit dramatisch erhöht.
Hatte Twitter bereits einen Teil der zuvor auf Blogs geführten Debatten angezogen (jenen nämlich, der sich mit Statements von maximal 140 Zeichen Länge führen lässt), so folgen nun in immer kürzeren Abständen Plattformen, die Debatten geradezu magnetisch anziehen.
- FriendFeed zeigt die Lifestreams seiner Nutzer auf einer Plattform. Da jeder Eintrag kommentiert werden kann, hat sich bereits eine lebendige Diskussionskultur entwickelt. Früher in Kommentaren auf Blogs geführte Debatten wandern zu FriendFeed ab.
- AlertThingy ist ein Programm, das FriendFeed auf den Desktop holt - wie zuvor Twitterific oder Twhirl für Twitter, Feedreader für RSS oder Newsreader für das Usenet. Es nutzt dazu die Programmierschnittstelle von FriendFeed.
- fav.or.it ist ein Feedreader der nächsten Generation (noch in geschlossener Beta), der verspricht, die Kommentare seiner Nutzer wieder auf die Blogs zurückzubringen - anders als FriendFeed und
- Shyftr (steht für Share Your Feeds Together), ebenfalls ein webbasierter Feedreader, der wie FriendFeed Kommentare auf der eigenen Plattform erlaubt.
Für manch altgedienten Blogger mögen das aufregende Entwicklungen sein, die mit einer gebührenden Portion Argwohn betrachtet gehören, doch letztlich ist es nicht mehr als die weiterziehende Karawane, der die Hunde nachbellen. Ob im Usenet oder bei Shyftr - die Gespräche im Web sind auf einer stetigen Wanderung und finden immer dort statt, wo ihre Teilnehmer sich gerade wohlfühlen. Sie gehören allen und niemandem.
Die Technik ändert sich, die Menschen bleiben gleich.
Universität Mannheim, 19 Uhr, der Hörsaal ist voll, 200 Studenten warten auf Ehssan Dariani, Gründer und Ex-Chef von StudiVZ, Deutschlands mitgliederstärkstem Social Network. Dariani ist über die Webszene hinaus bekannt, 2006 sorgte nicht nur sein Unternehmen, sondern auch er persönlich, für einige Aufmerksamkeit mit einer ... sagen wir ... etwas ungeschickten Außendarstellung. Doch das ist lange her, Dariani längst nicht mehr bei StudiVZ aktiv und aus der Öffentlichkeit verschwunden.
„Ehssan hat seinen Flug verpasst und wird frühestens in einer halben Stunde hier sein." Unruhe im Saal, die ersten stehen auf und gehen. Um mich herum eine latente Abneigung gegen StudiVZ und den noch nicht eingetroffenen Redner.
Als er um halb acht kommt, ist der Hörsaal wieder bis auf den letzten Platz gefüllt und er legt gleich los - überraschend witzig, authentisch, selbstironisch, sympathisch. Er erzählt von den Anfängen bei StudiVZ, wie er in Berlin auf dem Sofa eines Bekannten die Nächte und in Cafes mit freiem WLAN die Tage verbringt. Mit einem Versuch, Kosmetik für Männer an den Mann zu bringen, sei er gnadenlos gescheitert und von StudiVZ wollte auch niemand was wissen. Doch dann hätten ihm Lukasz Gadowski und Matthias Spieß, die beiden Spreadshirt-Gründer, 10.000 Euro für einen Zehn-Prozent-Anteil an StudiVZ gegeben.
Erheiterung im Saal, als er berichtet, dass er zwar in den zwei Jahren bei StudiVZ mehr Geld verdient habe, als die meisten in ihrem ganzen Leben, aber immer noch kein Auto besitze - und wieder, als er erzählt, dass er nicht mit Excel umgehen könne, völlig unstrukturiert sei, „ein typischer ADHS-Fall, total hyperaktiv, aber auch sehr kreativ."
Man merkt, dass er es eilig hat, er springt geradezu von einem Punkt zum nächsten: SchülerVZ, das „StudiVZ für Schüler" habe den großen Bruder zwar an Page Impressions mittlerweile überholt, aber nicht an Visits: „Da sind halt die ganzen Teenies und klicken den ganzen Tag rum." Oder: „Leute in großen Konzernen sind alles Bürokraten." Später: „Wenn man ein gewisses Geltungsbedürfnis hat, so wie ich ..."
Er lüftet das Geheimnis, wie die Farben der Plattformen zustande kamen: das Rot von StudiVZ sei dem Zufall und der Rot-Grün-Blindheit eines Bekannten geschuldet, das Magenta Pink bei SchülerVZ habe man bewusst gewählt, in der Hoffnung von einem großen deutschen Konzern verklagt zu werden und damit Aufmerksamkeit zu erregen. Aber die Konzerne bewegen sich halt sehr langsam, fügt er enttäuscht hinzu. Seinen Missmut über das derzeitige Management bei StudiVZ kann er immer wieder nur schwer unterdrücken - so auch als er bezweifelt, dass MeinVZ Erfolg haben wird („Ich hätte das so nicht gemacht.")
Später wird er gefragt, warum Holtzbrinck so viel Geld für StudiVZ ausgegeben habe und kommt zu der steilen These: „Bevor die StudiVZ gekauft haben, kannte doch niemand Holtzbrinck." Was er zur Öffnung von Social Networks meine, so wie „zum Beispiel Facebook Anwendungen von Drittanbietern ermöglicht, StudiVZ da aber noch zögert" wird er gefragt. Dazu hat er eine überraschend klare Meinung, für die er nicht nachdenken muss: „Facebook macht alles richtig. StudiVZ ..." - er kommt ins Stocken - „... noch jemand eine Frage?"
Nach fünfzig Minuten muss er los, „den letzten Flieger nach Berlin kriegen" - das Auditorium applaudiert, die Mädels in der Reihe hinter mir, die am Anfang noch über Dariani lästerten, sind sich einig: „Der ist ja eigentlich total nett."
„Wie schön, dass ich so viele Möglichkeiten habe! Ich darf jeden Tag etwas dazulernen und kann mich mit meinen Projekten und Kunden zusammen weiterentwickeln! Ich habe alles selbst in der Hand."
„So toll finde ich das nicht: Immer muss ich flexibel sein. Ständig ändert sich alles und ich muss weiter dazu lernen, sonst ist mein Know-how morgen nichts mehr wert. Und wer sagt mir, wo es lang geht?"
Zwei Sichtweisen auf dieselbe Situation. Was wir heute als work 2.0 bezeichnen, nämlich die Eigenverantwortung des Einzelnen für seine berufliche Entwicklung, ist gerade bei Freelancern und vielen Agenturen besonders gut zu beobachten: Sie stellen sich den veränderten Anforderungen, anstatt nach der guten alten Zeit zu rufen.
work 2.0 geht deutlich weiter als das IKEA-Prinzip, nach dem einfach standardisierte Bauteile zusammenfügt werden. Obwohl: IKEA hat auch aufgehört, passende Schrauben dazuzulegen, mit der Begründung, es gäbe so viele unterschiedliche Wände. Stimmt ja auch.
In der Arbeitswelt ist es nämlich so, dass es eine immer größere Vielfalt von Anforderungen gibt. Und weil die Vielfalt immer größer wird, kann man irgendwann nicht mehr von Standards sprechen. Erste und oberste Anforderung ist dann: Wandlungsfähigkeit, also lernfähig, wach und neugierig zu bleiben.
Alte Strukturen ächzen
Die Gewinner von work 2.0 werden diejenigen sein, die unternehmerische Eigenschaften mitbringen. Man muss seine Bildung selbst organisieren, seine Aufträge, seine Beziehungen zu Kunden, Lieferanten und Multiplikatoren - alles möglichst professionell und konkret. Man produziert sich selbst (als wer auch immer), inklusive Qualitätskontrolle (wenn man schlau ist), denn das Feedback vom Markt kommt schnell und direkt.
Analog zu web 2.0 sieht man auch in der heutigen Arbeitswelt, wie die alten, zentralen Strukturen ächzen und viele hilflos fordern, dass flexible Arbeitsformen wie z. B. Zeitarbeit wieder abgeschafft werden. Gewerkschaften sind da ganz groß, aber auch die Politik nutzt das Vehikel gern, um Ängste zu schüren. Kein Mensch scheint sich für die Chancen zu interessieren, die flexibles Arbeiten mit sich bringt.
Die kreative Klasse
Allerdings: Die viel besungene kreative Klasse hat das längst verstanden. Und sie wächst. Es gibt sogar eine Theorie über sie, wie Wikipedia verrät. Sie sind es, die Innovationen vorantreiben. Viele arbeiten in Agenturen oder sind in der Technologie oder Beratung tätig. Als Einzelne, Teams, Sozietäten, Bürogemeinschaften. Oft mit zwei bis vier Visitenkarten im Gepäck.
Und: Es sind keine verschrobenen Erfinder und Künstler, vielmehr moderne Dienstleister, die jederzeit den Wert ihrer Arbeit für den jeweiligen Kunden im Blick haben. Die Anzahl derer, die dieser kreativen Klasse zugeordnet werden, bestimmen vermutlich früher oder später Wirtschaftspotenzial und somit den Wohlstand einer Gesellschaft. Zum Beispiel unserer.
Vielleicht sollte man sich mal darum kümmern?

Christiane Strasse ist Gründerin und Geschäftsführerin von projektwerk. Sie beschäftigt sich seit über 10 Jahren mit der Flexibilisierung des Arbeitsmarktes und gründete projektwerk 1999 als Plattform für die Akteure dieses Marktes. projektwerk ist Sponsor der next08.
Heute erreichte mich diese Mail:
Date: Fri, 28 Mar 2008 13:29:41 +0100
To: "Recke, Martin"
Subject: Rückmeldung
Hallo Martin,
Herr O. B. bittet dich darum dich bei ihm über ?? Twitter ?? zu melden.
Gruß
S.
Twitter ist eindeutig auf dem Weg zum Massenkommunikationsinstrument, wie zuvor Mobiltelefon, Mail und Instant Messaging.
2007 war auch das Jahr der werblichen Vermarktung von Blogs (und der heftigen, teils hassbefeuerten Grundsatzdebatten darüber). Im April ging adical an den Start, das Blogwerbenetzwerk von Johnny "Spreeblick" Haeusler und Sascha "Wir nennen es Arbeit" Lobo. Mit dem Namen adical assoziiere ich sofort den neuen Claim von SinnerSchrader. Schon einen Monat nach dem Start verstummte adical wieder, ohne indes die Arbeit einzustellen.
Ende August trat Jens Kunath mit Ad 2.0 an, nicht nur auf die Vermarktung von Blogs fokussiert, sondern auf Web-2.0-Startups aller Art. Anfang Januar erklärte er den vorläufigen Rückzug.
Robert Basic begann im Herbst mit der Selbstvermarktung seines Blogs, das mittlerweile die von adical vermarkteten Bildblog und Spreeblick in den Deutschen Blogcharts hinter sich lassen konnte und unangefochten auf Platz 1 residiert.
Die Blogvermarktung im deutschsprachigen Raum - zu nennen wäre auch noch Trigami - leidet allen Bemühungen zum Trotz vor allem unter den erheblich zu geringen Reichweiten der allermeisten Blogs. Was jetzt folgt, ist ein radikal anderer Ansatz.
Oliver Gassner und Stefan "jovelstefan" Heß gehen in der Nacht zu Montag mit dem Dauerwerbeblog ans Netz. Ihre Devise lautet: 99 % Werbung - 1 % Eigenwerbung. In der Charta heißt es:
DauerWerbeBlog.de (dwb) ist eine Dauerwerbesendung im Netz. Als Reaktion auf die gebotene Trennung zwischen redaktionellen und werbenden Inhalten, haben wir uns gedacht: "Gut, trennen wir!" Hier gibt es nur Werbung.
Im Dauerwerbeblog ist eine notwendige, unaufhaltsame, heftig und kontrovers diskutierte Entwicklung einmal konsequent auf die Spitze getrieben und zuende gedacht - die Kommerzialisierung des Mediums Blog. Michael "TechCrunch" Arrington ist schließlich damit reich geworden.
Die Idee entstand schon auf dem Barcamp Cologne 2 im Sommer. Und einige Wochen später im Ottenser Café Knuth hatte ich Gelegenheit, mir die Idee aus erster Hand erläutern zu lassen. Jetzt ist es soweit: Das Dauerwerbeblog ist fast fertig, der Start steht unmittelbar bevor.
Oliver Gassner muss eine Familie ernähren und ist sich ausweislich seiner Autobiografie für kaum einen Job zu schade. Stefan Heß ist Berater bei SinnerSchrader und arbeitet für Projekte wie carmondo oder Stockflock. Als Autor auf dem Fischmarkt befasste er sich zuletzt intensiv mit Sportcommunities.
Messen und Kongresse sind fast perfekte Spiegelbilder ihrer jeweiligen Branchen. So hält auch die Web 2.0 Expo, noch bis morgen in Berlin, der einschlägigen europäischen Szene einen Spiegel vor. Und was diese Szene darin sieht, gefällt ihr nicht.
So erklären sich der Unmut und die Enttäuschung, die sich vielerorts ausbreiten. O'Reilly und CMP lassen ihren webzwonulligen Konferenzzirkus in Berlin Station machen. Der Chef und einige seiner besten Zugpferde erklären den Europäern noch einmal zum Mitschreiben, was eigentlich Web 2.0 ist.
Und ansonsten dürfen Deutsche und Europäer auf die Podien. Wo viele, was man so hört und selbst sieht, keine übermäßig gute Figur machen. Aber so ist nun einmal der Zustand des Web 2.0 in Europa, O'Reilly hin, Startups her.
Die Amerikaner haben Dave Winer:
Long-term, advertising is on its way to being obsolete. Facebook is just another step along the path. Advertising will get more and more targeted until it disappears, because perfectly targeted advertising is just information. And that's good!
Und wir haben Don Alphonso:
Wenn es eine Gefahr gibt für das, was man als soziales Netz bezeichnet, und von denen leider auch so erkannt wird, dann ist es eben dessen werbebasierte Kommerzialisierung. An dem Tag, an dem Blogger nicht mehr miteinander reden, sondern Blogs nur noch als Möglichkeit begreifen, einander Werbetafeln ins gesicht zu halten, ist da nichts mehr soziales. Das ist eine virtuelle Tupperwareparty, sonst nichts.
In meinen Augen sind das parasitäre Wirtschaftsformen auf der Suche nach einem Wirtstier. Und Leuten, die Leuchterhirsche bei Tchibo verkaufen, glaube ich keine Sekunde, dass ihnen die Gesundheit des Wirtstiers irgendwas bedeutet. Unsere modernen Parasiten sind nicht mehr einfache Blutsauger, sie begreifen das Wirtstier als nach Möglichkeit kostenlos im Internet verfügbaren Wertschöpfungsmechanismus, dessen Regeln sie verstehen wollen, um ihm möglichst lang möglichst viel abzapfen zu können.
Keiner von beiden war in Berlin, aber der Unterschied ist doch gewaltig. Suum cuique.
Trotz aller Schwächen im Detail ist es großartig, dass O'Reilly Berlin zur europäischen Hauptstadt in Sachen Web 2.0 erkoren hat. Das lag angesichts der Kongresslandschaft im Europa nicht unbedingt auf der Hand.
Und man vergesse nicht die Großzügigkeit, mit der die Amerikaner praktisch jeden, der nicht bei drei auf den Bäumen war, mit einem kostenlosen Kongressticket beglückt haben. Da kann ich über fehlende Atmosphäre und mangelhaftes Catering schon einmal hinwegsehen. You get what you pay for.
So trifft sich diese Woche in Berlin tatsächlich eine Szene mit Menschen, die sich etwas zu sagen haben und das auch ausgiebig tun. Denn warum eigentlich besuchen wir Kongresse? Kathy Sierra nannte gestern, drastisch formuliert, den Grund: Wir wollen andere Menschen von Angesicht zu Angesicht treffen. Alle elektronischen Kommunikationsmittel können den direkten Kontakt nicht ersetzen.
Über die Zahl, Qualität und Freundlichkeit der Kontakte in diesen Berliner Tagen kann ich wirklich nicht klagen. Es war hervorragend. Und es hätten noch mehr sein können, wäre da nicht gestern eine erfreuliche Kleinigkeit dazwischengekommen: SinnerSchrader wird für das vergangene Geschäftsjahr erstmals eine Dividende zahlen, einen entsprechenden Beschluss der Hauptversammlung vorausgesetzt.
"Facebooks FBML/FQL wird der Standard für Social Networks werden", prophezeite Nico Lumma im Sommer. So kann man sich irren. Mit einem über Monate hinweg vorbereiteten Coup hat Google die Networkingbranche geeint und mit OpenSocial einen anbieterübergreifenden Standard etabliert. Oder wenigstens ins Leben gerufen. Ob zum Schaden für Facebook, darüber sind die Auguren noch uneins.
Aus Deutschland sind immerhin zwei Anbieter gleich zum Start dabei. Mit Xing war zu rechnen, kündigt doch Lars Hinrichs seit Jahren Monaten eine Programmierschnittstelle an, mit der Dritte kontrolliert auf Xing-Daten zugreifen können. Bezeichnend ist jedoch für den traurigen Zustand des Reichweitenkönigs StudiVZ, dass dort weder das Vorbild Facebook kopiert noch OpenSocial adaptiert wird.
Stattdessen ist der Eventplattform amiando eine echte Überraschung gelungen: Das Münchner Startup ist beim Start dabei. "In wenigen Wochen" will amiando eine eigene Anwendung vorstellen. Für die Eventorganisation bietet OpenSocial einiges Potential. Denn das Thema Events ist für die meisten Nutzer zu schmal, um dafür ein Profil auf einer separaten Plattform zu pflegen.
Mit OpenSocial bieten sich nun zwei Wege für die weitere Expansion an: amiando kann sich Präsenz auf anderen Plattformen verschaffen oder Daten von anderswo integrieren, zum Beispiel um die Nutzerprofile aufzuhübschen. Zunächst geht amiando den ersten Weg, aber prinzipiell sind beide Wege sind möglich und sinnvoll.
In der neuen Welt von OpenSocial zeichnet sich eine gewisse Arbeitsteilung ab. Auf der einen Seite stehen die großen Plattformen, auf denen sich die Nutzer registriert haben. Hier liegen die Profildaten und die Adressbücher mit den Kontakten der Nutzer. Auf der anderen Seite befinden sich die Anwendungsentwickler. Dort liegt der Fokus bei Funktionen, Unterhaltung oder Information.
OpenSocial ist der Marktplatz, auf dem sich beide Gruppen treffen. Hier tauschen sie Profil- und Kontaktdaten gegen Funktionen, Unterhaltungs- und Informationsformate. Plattformen wie MySpace oder Xing bereichern sich nach dem erfolgreichen Vorbild von Facebook um zusätzliche Funktionen, ohne sie selbst entwickeln zu müssen. Entwickler bekommen Zugang zu großen Nutzergruppen, ohne sie selbst rekrutieren zu müssen.
Das Web 2.0 steht vor einer Konsolidierungswelle. Wenn ich heute meinen Firefox starte, gehören die ersten zehn bis 15 Karteireiter nur den sozialen Netzwerken, angefangen von Google Mail und Reader über Twitter, Jaiku, Pownce und Brabblr bis zu Facebook, StudiVZ, Plaxo und Xing sowie upcoming.org und wevent. Einige davon sind bereits auf Facebook präsent, auch wenn die Einbindung im Detail häufig noch zu wünschen übrig lässt.
Meine Adressbücher sind heute auf diversen Systemen verteilt, von Outlook und Mobiltelefon über Google Mail und Xing bis zu Facebook, Twitter und Plaxo. Auf keinem einzigen System habe ich ein wirklich vollständiges Adressbuch.
Mit OpenSocial beginnt nun eine neue Runde, die das Gesicht des Web stark verändern wird. Was TCP/IP für Computernetze und XML/RSS für Nachrichten, Informationen und Konversationen waren, kann OpenSocial für Profildaten, Kontakte und Funktionen werden - ein universelles Austauschformat. OpenSocial kann es dem Nutzer ersparen, die immer gleichen oder wenigstens ähnlichen Daten über Profil und Kontakte wieder und wieder in neue Umgebungen einzupflegen, nur um sich für einfachste Funktionen bei der hundertfünfzigsten Plattform zu registrieren.
In dieser Konsolidierungswelle werden wir weniger spektakuläre Unternehmensübernahmen sehen als vielmehr fluide Nutzungsszenarien auf den großen Plattformen und schnelle Karrieren kleiner, aber wendiger Startups mit lustigen Nischenthemen.
Doch zuvor muss OpenSocial erst einmal ausgerollt werden. Derzeit scheint es da noch ein paar kleinere Sicherheitsprobleme zu geben.
In der Zwischenzeit interessiert mich eine Frage, auf die ich noch keine Antwort gefunden habe: Wer ist, neben Xing und amiando, in Deutschland sonst noch an Bord? Welche Pläne gibt es? Wer kündigt was an? Bitte Kommentar oder Trackback hinterlassen.
Befinden wir uns zum zweiten Mal in einer Blase aus überhitzten Erwartungen, überzogenen Bewertungen und übertriebenen Investitionen? Der jüngste Microsoft-Facebook-Deal hat die Debatte über diese Frage wieder einmal angeheizt.
Die Frage selbst ist nicht neu. Sie begleitet den zweiten Aufschwung der Internetwirtschaft mindestens schon seit Anfang 2006. Heute hat nun Edelmanblogger und Aufschwungsprophet Steve Rubel in einer Philippika der gesamten Branche starke Trunkenheit bescheinigt. Eines seiner Alkoholmessgeräte ist die Menge an blödsinnigen Pressemitteilungen in seinem Posteingang.
Die von Rubel angezettelte Debatte kommt rechtzeitig zur Web 2.0 Expo, die übernächste Woche in Berlin stattfindet. Die Frage wird, so viel scheint sicher, auf den Podien und in den Gängen heiß diskutiert werden.
Möglicherweise ist es tatsächlich eine Blase. Warum das, jedenfalls aus der Sicht des Silicon Valley, gar nicht so schlimm wäre, erklärt John Heilemann im New York Magazine. Und der New Yorker Venture Capitalist Fred Wilson beschreibt in diesen knappen Sätzen die wesentlichen Trends:
We have the following opportunity in front of us; the web is going mobile, programmable, social, and semantic all at the same time. And this is happening on a global scale in real time. In ten years, we will have a completely different world wide web and I am not going to miss out on the fun of helping to build a few parts of it.In der Tat: Selbst wenn es eine Blase sein sollte, ist Stillhalten keine sinnvolle Option. Denn die grundlegenden Trends des Internetaufschwungs sind sämtlich seit mehr als zehn Jahren intakt. Es gibt Zeiten, in denen zu viel investiert wird, und Zeiten, in denen zu wenig investiert wird. Aber die knappste Ressource bleibt die Zeit. Verlorene Zeit lässt sich im Internet nur schwer aufholen.
In der Reihe "Sport-Communities im Test" testet der Fischmarkt Sport-Communities. Wer hätte das gedacht. Heute unter der virtuellen Lupe: spielerkabine.net

Die Spielerkabine musste kurz vor dem Launch am 30.Juli 07 erst einmal eine rechtliche Hürde umschiffen. Der ursprünglich geplante Name - Mannschaftskabine - wurde von einem Dritten als Wortmarke registriert und so flatterte kurz darauf auch eine Unterlassungserklärung in den Postkasten. So wurde die Mannschaftskabine in Spielerkabine umbenannt und die engagierten Studenten machten mit einer Finanzspritze von 10.000 Euro der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg fleißig weiter.
Der erste Eindruck ist - wie sagt man so schön? - webzwonullig. Knallige Farben, runde Ecken und ein Sternchen-Böbbel ("kostet nix!"). Fehlt nur das "beta"? Die Startseite ist einfach und ansprechend, im Fokus stehen drei Links/Funktionen: Login, Registrierung und "Wie funktioniert's?". Vorbildlich. Auch das Hauptmenü ist zielführend. Es gibt Sportler, Mannschaften und Gruppen, ergo auch diese drei Menüpunkte. Diese kann man auch im uneingeloggten Zustand bestaunen, es sei denn, das jeweilige Profil wurde vom Besitzer für nicht eingeloggte Besucher gesperrt.

Nach der Registrierung kommen zwei weitere Reiter hinzu. Der "Spind" ist der Bereich, in dem der Nutzer sein Ego ausleben kann. Dabei ist die spielerkabine fast über das Ziel hinaus geschossen, so können auch Dinge wie "Beste Frisur" eingetragen werden, wodurch eine kleine Formularwüste für den persönlichen Steckbrief entsteht. Daneben können dann die betriebenen Sportarten festgelegt werden und es gibt eine rudimentäre, aber ausreichende Rechteverwaltung. Zusätzlich gibt es noch einen Bereich für die interne Nachrichtenfunktion.
Die Gruppen- und Mannschaftsbereiche erweitern sich nach Registrierung um die Möglichkeit, eigene Mannschaften und Gruppen zu gründen. Im Gegensatz zum Profil sind hier nur wenige Eigenschaften pflegbar. Name, Beschreibung, Sportart und Ort, dazu ein Bild und ein Homepage-Link, das ist alles. Bei den Gruppen sieht es noch dünner aus. Die Spielerkabine fokussiert also vor allem auf die Darstellung des einzelnen Sportlers, die Mannschaften/Gruppen sind nur das virtuelle Bindeglied zwischen den jeweiligen Mitgliedern. Jede Mannschaft/Gruppe hat hierfür dann auch ein eigenes Forum zur Verfügung. Eine Vereinsebene über den Mannschaften wird bisher noch nicht abgebildet.
Was gibt es noch an Funktionen? Durch eine ganz hervorragende Google Maps-Integration kann man den eigenen Wohnort und den Ort des Vereins visualisieren und so auch nach anderen Sportlern und Mannschaften suchen. Dabei wird je nach Maßstab des Kartenausschnitts die Anzahl der "Objekte" auf Staaten-, Länder- Kreis- oder Städteebene angezeigt. Über eine Bewertungsfunktion können sich Sportler gegenseitig - na, was wohl? - bewerten. Fitness, Technik und Einsatz heißen die Kategorien, in denen jeweils Schulnoten vergeben werden können. Mobbing ist vorprogrammiert... ;) Und natürlich gibt es auch eine (Sport)freunde-Funktion, um Kontakte zu visualisieren.

Technische Basis des Portals ist Ruby on Rails, im Frontend sind etliche sogenannte Web2.0-Elemente verbaut, AJAX und script.aculo.us-Effekte finden sich auf fast jeder Seite wieder.
Fazit: Die Spielerkabine ist schon jetzt, nach nur gut einem Monat nach dem Livegang eine recht runde Sache. Die Nutzerführung ist sehr durchdacht, man findet sich leicht zurecht und wird durch die einzelnen Kompenenten begleitet. Die Optik ist natürlich Geschmackssache, sie hält sich an derzeit als modern geltende Elemente (mir persönlich ist das türkis etwas grell, aber was weiss ich schon von Farbenlehre). Die Funktionalität auf der Ebene des einzelnen Nutzers ist gut, auf Mannschafts-/Gruppenebene ist noch Potenzial nach oben vorhanden. Auch bei der Spielerkabine konnte ich leider nicht viel über die aktuellen Nutzerzahlen herausbekommen, allerdings ist die Zahl von 500 Nutzern am zehnten Tag nach dem Start schon beachtlich (und wurde auch gebührend gefeiert, Video bei YouTube).
Erfolgschancen: 50%, die technische Basis ist soweit sehr ordentlich geschaffen, jetzt sollte es an die Vermarktung gehen. Und hier stellt sich dann natürlich gleich die Frage nach einem Investor, der diese Aufgabe (und die Weiterentwicklung und Community-Betreuung) finanziell unterstützen möchte. Falls dieser gefunden wird, sieht es gut aus für die Spielerkabine.
In der Reihe "Sport-Communities im Test" testet der Fischmarkt Sport-Communities. Wer hätte das gedacht. Heute unter der virtuellen Lupe: netzathleten.de

Bei den netzathleten arbeiten nach eigenen Angaben inzwischen über 20 Personen an der Plattform, geführt unter anderem vom Profi-Kanuten Stefan Pfannmoeller, der derzeit sogar wegen der netzathleten sein Kanu in die Garage geschoben hat. Allerdings mangelt es bisher anscheinend an Designern, denn die netzathleten kommen optisch eher blass daher. Auf der Homepage wird voll auf das Marketing-Zugpferd Stefan Kretzschmar gesetzt, zu kurz kommt aber für einen neu vorbeikommenden Nutzer der eigentliche Sinn und Zweck der Seite. Ohne Registrierung kann man dann leider auch nicht viel auf der Seite anfangen, es gibt so gut wie keine Links und die einzige Erklärung für das Portal ist ein mäßig gutes Video ohne Ton:
Link: sevenload.com
Nach der Registrierung stehen dann aber natürlich doch noch einige Funktionen zur Verfügung. Logischerweise ist die Pflege des eigenen Profils ein Schwerpunkt; schließlich will man sich ja präsentieren. Die eigenen Sportarten können festgelegt werden, Fotos können eingestellt werden und jeder User bekommt ein eigenes Blog gestellt. Interaktion mit anderen Nutzern findet über Buddylisten und den Zusammenschluss in Teams statt. Die Vereinsebene wird nicht explizit dargestellt, sondern über die Teamfunktion abgehandelt. Ein Team hat dann auch wieder Blog, Gästebuch, Bildupload. Allerdings ist alles äußerst unübersichtlich und man weiß eigentlich nie, wo man sich gerade genau befindet. Nett ist die Funktion, dass man sich als Fan von Sportlern oder Teams setzen und damit den Sportler/das Team in den entsprechenden Top-Listen nach oben voten kann. Und bei Facebook hat man sich den praktischen Newsfeed abgekupfert. "Was machen deine Freunde?" wird auf der persönlichen Startseite des Nutzers beantwortet.

Löblich außerdem: Eine sehr feingranulare Rechteverwaltung, so dass man Vertrauen bekommt, dass ein bewusster Umgang mit den Daten erfolgt. Technik? Die Webseite basiert auf Java-Technologie und kapselt die Unterseiten leider in einem Mainframe, sehr nervig, wenn man denn Bookmarks auf Deeplinks setzen möchte. AJAX und Web2.0-Konsorten werden scheinbar nicht verwendet (?), technisch gesehen also eher Web 1.0.
Fazit: Die von einer Sport-Community zu erwartenden Standard-Funktionen sind zwar vorhanden und funktionieren, es fehlt aber der Kick, das Besondere, das Fesselnde. Insbesondere gestalterisch ist sicher noch einiges an Potenzial nach oben vorhanden, sowohl an der reinen Optik, als auch bei der Usabililty. Übersichtlichkeit gibt es eigentlich nicht und man bleibt einfach nicht hängen, gerade weil die Vernetzung der Community nicht ansprechend abgebildet wird. Mehr Nutzerbilder, mehr Farbe, mehr Sport-Action! Es macht einfach nicht so richtig Spaß, im Portal ziellos mal durch die Gegend zu klicken. Robert Basic hat sich schon vor einiger Zeit mit genau diesem Thema beschäftigt, seitdem scheint sich leider noch nicht viel verändert zu haben. Interessant wäre natürlich eine Nutzerzahl zu haben, leider konnte ich darüber nichts finden, außer dass sich die Nutzerzahl angeblich derzeit monatlich verdoppelt. Das muss aber ja nichts heißen.
Erfolgschancen: Trotzdem noch 10%, da ein paar nette Marketing-Aktivitäten angeleiert wurden (Promis als Anchor, Gratis-T-Shirt bei 7 neuen Einladungen, Anti-Doping-Aktion), die möglicherweise den ein oder anderen Nutzer locken. Fußball wird übrigens mit "ß" geschrieben.
Aktionswochen bei Kentucky Fried Chicken auf dem Fischmarkt! Erst StudiVZ, dann Micropublishing, jetzt beschäftigt uns das Thema Sport-Communities. Davon gibt es schon so einige, denn der/die Gründer einer Community möchte/n natürlich zunächst, dass die Community möglichst groß wird (mehr User = mehr Cash beim Exit) - und da sind Themen, die die breite Masse ansprechen, ja durchaus naheliegend, um einen ordentlichen Grundstock an Nutzern aufzubauen. Siehe auch Studenten, Krawattenträger, Musiker, Trolle. So denn auch der Sport, gerade da dieses Feld bis vor kurzem interessanterweise noch nicht besonders intensiv beackert wurde.

Was könnte dem einzelnen Nutzer die Registrierung in einer Sport(ler)-Community bringen? Folgendes sagen die diversen Community-Betreiber, die in dieser Woche hier untersucht werden:
- mit schon bekannten Sportlern in Kontakt bleiben und sich austauschen
- neue Sportfreunde, Trainingspartner, Diskussionsteilnehmer finden
- Organisationserleichterung für Sportgruppen, -mannschaften etc.
- Präsentation der eigenen Person, des Teams, des Vereins...
Zunächst einmal nichts besonderes, aber das ist bei anderen erfolgreichen Community-Modellen ja auch nicht unbedingt der Fall gewesen. Entscheidend ist also, wie man es macht...
In den meisten Sportarten sind Sportler irgendwie in einer Hierarchie organisiert, unabhängig davon, ob es sich um Profis oder Amateure handelt. Der Einzelne ist in der Regel Mitglied eines Vereins oder eines vereinsähnlichen Gebildes (z.B. Betriebsport). Bei Mannschaftssportarten ist dazwischen eben noch die Mannschaft einzuordnen.
Diese Struktur wir auch in den Sport-Communities abgebildet. Zunächst meldet man sich als Einzelperson an, kann aber sodann schon angelegten Mannschaften und/oder Vereinen beitreten oder diese selbst neu anlegen. Damit ist der grundsätzliche Aufbau geklärt, jetzt kommt erst einmal Standard-Community-Funktionalität hinzu: Profil einrichten und pflegen, Freunde/Kontakte finden und hinzufügen, Foren und Private Messages für die Diskussionskultur, Themengruppen finden und gründen etc.etc. Mit diesen Funktionen ist man dann schon einmal Web2.0 Ready.
Fehlt nur noch eine Prise Stallgeruch, es muss der Themenbezug (zur Erinnerung: Sport) hergestellt werden. Auch hierfür kann man sich viele nette Funktionen ausdenken: Erfolgshistorie, Spiel- und Wettkampfberichte, gegenseitige Bewertung der Leistungen, Tippspiele, News, Mannschafts- und Vereinsprofile, Fotos und Videos.
Diese Elemente bieten die Sport-Communities in kleinerem oder größerem Umfang alle und so werden sich in dieser Woche sportme.de, netzathleten.de, spielerkabine.net und noch die ein oder andere weitere Sport-Community einer Prüfung auf Herz und Lunge unterziehen lassen müssen, in der die kleinen, aber feinen Unterschiede aufgedeckt werden. Investoren, aufgepasst...!
„Wir sind nur auf Menschen ausgerichtet,“ sagt Jay Bhatti, Mitbegründer von spock.com – dann ist ja gut! Die neue Suchmaschine fischt in sozialen Netzwerken wie Facebook, Xing oder Myspace gezielt nach Daten über Menschen und will bislang rund 100 Millionen von ihnen indiziert haben.
Auch Nutzer können der Internetseite Informationen hinzufügen - über sich oder andere. So erstellt spock.com die einzelnen Profile, und da wird es noch interessanter: "Wir versuchen, die Leute zu indexieren – aber die Maschine reicht nicht aus, um alle Daten zu interpretieren." Ach so, und wenn jemand falsche Informationen über jemanden schreibt? Gefälschte Profile wird es natürlich nicht geben, weil die Suchmaschinen-Nutzer Bewertungen abgeben können. Und ein Filter wird selbstverständlich dafür sorgen, dass keine Falschinformationen in den Ergebnissen zu finden sind. Wie das gehen soll, bleibt wirklich zu beweisen.
Außerdem löscht spock.com ja meine Daten, wenn ich das will – aber sie müssen dann auch von allen anderen Social-Plattformen gelöscht werden. Dolle Sache.
Aber ist ja alles gar nicht so schlimm: Letztendlich werden die meisten Informationen im Internet sowieso von den Betroffenen selber veröffentlicht, meint Bhatti. Dann ist ja alles gut. Sage ich doch.
AFP via Focus
Warum eigentlich Social Bookmarking?
Commoncraft erklärts auf geniale Weise im neuen Video. Weitere meisterhafte Stücke zu den Themen Social Networking, Wikis und RSS. Das ist mal gelungener Frontalunterricht!
Gefunden bei Robert Basic.
Die Produkte bei DaWanda sind individuell und liebevoll gestaltet – das galt von Anfang an. Jetzt machen's Claudia Helming und Michael Pütz möglich: Jeder Nutzer kann auf Wunsch Einzelanfertigungen erhalten.
Die Tasche lieber eine Nummer größer? Das Buch im grün-geblümten Umschlag? Noch einen anderen Verschluss? Im DaWanda Style Lab gibt es bislang 26 Produkte, die nach eigenen Vorlieben maßgefertigt werden. Weitere Produkte sollen zügig folgen, und zwar unabhängig von der Produktkategorie, sprich: Taschen, Schmuck, Tapeten, Möbel, Bücher, Mode etc. – eine Form standardisierter Produktindividualisierung, die weltweit einmalig ist.
Mit dem Style Lab öffnet DaWanda neue Möglichkeiten in der Hersteller-Kunden-Beziehung. Der Kunde wird in die Produktgestaltung involviert, wird so selbst zum Designer. Er kann eigene Ideen und Vorstellungen einfach und mit wenig Aufwand realisieren lassen, und bekommt am Ende genau das, was er wirklich will. Das Style Lab macht die Kundenkommunikation schneller, klarer und auch sicherer. Und davon profitieren selbstverständlich auch die Hersteller, um auf die Wünsche der Kunden einzugehen.
Das Style Lab ist eines der neuen Elemente nach dem umfangreichen Relaunch von DaWanda, genau wie Coloranda, das alle Produkte zu einer bestimmten Farbwahl anzeigt. Das sieht schon schräg aus, deshalb noch ein Bild:
Dawanda ist im Dezember 2006 gestartet. Aktuell gibt es mehr als 3.000 Anbieter und mehr als 20.000 Produkte mit einem Warenwert von 2,5 Mio. Euro.
Disclaimer: DaWanda ist Kunde von SinnerSchrader.
Fernweh! Wer seine Zeit gerade nicht on Tour verbringt, kann mit Yabadu Maps die nächste Reiseroute schon mal online planen.
Outdoor- und Wanderbegeisterte können dort kostenlos topografische Karten für Deutschland, Österreich und die Schweiz abrufen, individuelle Routen inklusive Höhenprofil mit GPS-Daten versehen und ihre Touren Gleichgesinnten zur Verfügung stellen.
Wer zahlt, erhält als Premium-Mitglied Zugriff auf über 6.000 Reiseführer und Tourenbeschreibungen der nach eigenen Angaben „größten Internet-Plattform für Reise-, Freizeit- und Outdoor-Aktivitäten der Web 2.0-Generation“.
Toller Ansatz mit einigem Potenzial - muss zwar noch mächtig wachsen, kurbelt aber vorerst das Fernweh mächtig an, Kostprobe gefällig?
Über 1100 km, mehr als 8000 Hm an 15 Tagen auf dem Fahrrad, durchschnittliche Höhe 4500 m, 5 Pässe über 5000 m - diese Zahlen sprechen für sich, sind jedoch nur ein Teil der Faszination dieser Tour von Lhasa nach Kathmandu. Das hautnahe Erleben der bedrohten Kultur Tibets, die Eindrücke der gewaltigen Kulisse des Himalaya, und die Bewältigung der sportlichen Herausforderung, lassen diese Tour zu einem unvergesslichen Erlebnis werden.
Seit heute live: Die neue Ecco-Webseite, proudly presented by SinnerSchrader - und erstes Etappenziel beim Aufbau des internationalen Ecco-Direktvertriebs via Web. Die Marschrichtung: Get closer to the consumer.

Eltern sind nicht nur eine der kaufwütigsten Zielgruppen, sondern auch ziemlich empfänglich für Tipps aller Art und damit mindestens ebenso gesprächig wie die dauer-plappernden Kleinen. Darauf setzt Gruner + Jahr mit dem neuen Eltern.de-Familiennetz. Der Grundgedanke "Content + Community" ist dabei so neu nicht: Das Familiennetz verbindet redaktionelle Inhalte mit Foren mit einem Social Network.
Familien bekommen aber endlich das, worauf sie schon immer dringend gewartet haben: Tools, die ihnen Arbeit abnehmen. Als da wären: Fotoalben und Familienblogs zum Verwandte-und-Freunde-auf-dem-Laufenden-Halten, Suche nach neuen Freunden mit Kindern im gleichen Alter oder gar nach einer Krabbelgruppe, Gruppen-Funktion zur Organisation von Kindergartengruppe oder Klassenelternabend.
Eine zweite Ausbaustufe im Herbst bietet Filme, Datenbanken und Audio-Files zur Suchabfrage plus User-generierten Content aus den Foren plus Zugang zu passenden Gruppen aus dem Social Network. Eltern-Heft und online werden auch verquickt, indem die Eltern.de-Redaktion regelmäßig Print-Beiträge vorab in einem Forum diskutieren lässt und sie anschließend mit den Kommentaren der User druckt.
spreadshirt wird erwachsen, vermeldet brandeins: "Hierarchien treten an die Stelle persönlicher Beziehungen." Das ist lesenswert, und so ganz umgekehrt.
... und jetzt werden wir auch noch alle TV-Stars: Das neue Selbstdarsteller- Portal getfamous verspricht nicht nur Online-Berühmtheit, sondern echtes Entdeckt-Werden:
"getfamous ist die logische Konsequenz der permanenten Suche nach Talenten bei Film und Fernsehen", sagt Martin Hoffmann, Vorstandsvorsitzender von MME Moviement, das auf diese Weise in Zukunft einen Großteil seiner rund 1.000 Rollen pro Monat besetzen will.
Also schnell Fotos, Videos und Steckbrief auf der eigenen Sedcard eingestellt, und dann auf bald bei „Frank - der Weddingplaner“, „Richterin Barbara Salesch“ oder „Bauer sucht Frau“.

Den Konsumenten gehört die Macht. Das Unternehmen Ecco reagiert darauf mit der Neuausrichtung seiner weltweiten E-Commerce- und Internetstrategie. Die Marschrichtung heißt: „We have to get closer to the consumer“.
An der Integration des Konsumenten arbeitet SinnerSchrader und baut zur Zeit den internationalen Direktvertrieb via Web für Ecco auf. Erstes Etappenziel: Realisierungsstufe Nummer eins Anfang August, zwei weitere folgen Anfang und Mitte des nächsten Jahres. Oben ein erster Blick hinter die Kulissen.

Was rät man der 16jährigen Nichte, die nicht weiß, was jobtechnisch aus ihr werden soll? Soll sie doch mal Fellowweb in den Browser eingeben und auf einer Internetplattform für Berufsanfänger landen. Die will der beruflichen Orientierungslosigkeit von Jugendlichen entgegenwirken und bei Berufs- und Studienwahl helfen.
Und man selbst kann als Berufstätiger auch gleich noch Vorbild sein, eine Mentorenfunktion übernehmen nämlich und bei Fellowweb das eigene Profil "spenden" – das den eigenen Bildungsweg samt Zufriedenheit aufzeigt.
Vielleicht hilft das tatsächlich beim Finden von Interessen und Stärken – was das Anfänger-Hauptproblem zu sein scheint. Ich geh' jedenfalls spenden.
Sommerloch beim Tagesspiegel. Trotzdem wollen auch die Wirtschaftsseiten gefüllt werden. Zum jüngsten Rekordstand des DAX darf deshalb der bekannte Börsenexperte Paulus Neef zu Wort kommen. Der einstige Gründer von Pixelpark warnt:
Die Menschen setzen jetzt alle auf steigende Kurse, das ist hoch gefährlich. Natürlich sind nicht alle Unternehmen überbewertet, aber der Trend zur Übertreibung ist wieder zu sehen.
Heißt das, Sie erwarten wieder einen Absturz wie nach dem Boomjahr 2000?
Ich will kein Schwarzmaler sein. Aber ich verstehe nicht, dass jetzt wieder Vollgas gegeben wird wie im Jahr 1999/2000 so als sei alles komplett vergessen. Ich erwarte tatsächlich eine Korrektur, aber wie hart sie ausfallen wird, steht in den Sternen.
Zweiter Akt. Stephan Randler, Leitender Redakteur von iBusiness, geht der Sache auf den Grund, greift die Steilvorlage auf und fragt an:
In einem aktuellen Interview warnt Paulus Neef im Zusammenhang mit Web 2.0 vor übertriebenden Erwartungen und erinnert an die Bubble 1.0. Was halten Sie von dieser Einschätzung? Besteht wirklich die Gefahr, dass sich die Geschichte der Jahre 1999/2000 nun wiederholt?
Ich bin kein Börsenexperte, aber wenigstens lese ich ab und zu Zeitung. Meine Antwort:
Ich kann nicht erkennen, dass der aktuelle Börsenaufschwung von Themen wie Web, Medien oder Technologie getrieben wäre. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu 1999/2000. Demnach fließen auch keine nennenswerten Erwartungen an Web 2.0 in die Börsenbewertungen ein.
Die neue Macht der Konsumenten im Web ist ein langfristiger Trend, dem weder der Hype 1999/2000 noch der übertriebene Absturz 2001/2003 etwas anhaben konnten. Nein, die Geschichte wiederholt sich nicht. Jedenfalls nicht genauso wie damals.

Social networking is designed to be unproductive - except on 8apps.
Mit diesem griffigen Satz aus der Feder von mashable-Autor Pete Cashmore wirbt 8apps.com um Beta-Tester. Vor einem halben Jahr waren drei der schon im Namen angekündigten acht Anwendungen am Start, jetzt sind es vier:
- Handshake, das social network
- Orchestrate für Aufgabenlisten und dergleichen
- Blueprint für Brainstormings
- Pinpoint für Termine aller Art
8apps ist nach wie vor by invite only, aber der Fischmarkt hat weder Kosten noch Mühen gescheut und kann seine Leser einladen, solange der Vorrat reicht. Bitte einfach in den Kommentaren Interesse anmelden.
Der 8apps-Pionier im deutschen Sprachraum scheint Oliver Gassner zu sein, der allerdings auch noch nicht so genau weiß, was damit nun anzufangen wäre. Vielleicht könnte ich damit meine Arbeit organisieren?
8apps erinnert auf den ersten Blick an 37signals und die diversen Produktivitätswerkzeuge wie Basecamp, Highrise & Co. - allerdings mit dem Unterschied, dass hier alles auf einer Plattform stattfindet. Fehlt nur noch die Facebook-Anwendung.
Allerdings scheint die Entwicklung schon seit Monaten zu stagnieren: Der letzte Eintrag im 8apps-Blog datiert vom 1. März. Und auch bei den erkennbar durch 37signals inspirierten 8apps-Machern von Jonkenpon sind im März die Lichter ausgegangen.
Das Thema Enterprise 2.0 hat mich neulich, weil von der nicht-technischen Seite beleuchtet, schwer beeindruckt. Nun weist das CIO Weblog auf eine Studie von Siemens Enterprise Communications hin, die aus einer anderen Blickrichtung zeigt, warum Enterprise 2.0 noch auf sich warten lässt.
Einerseits:
Eine IDC-Umfrage unter 100 großen Unternehmen in Deutschland, Frankreich und Großbritannien zeigt, dass 68 % der Unternehmen einen Anstieg der Zahl der mobilen Mitarbeiter im Unternehmen erwarten. Ähnlich glauben 43 %, dass die Zahl der virtuellen Teams innerhalb des Unternehmens ansteigen wird. So sind 90 % der Unternehmen der Meinung, dass moderne Kommunikationsfeatures wie die Fähigkeit, alle relevanten Dokumente und Mitteilungen innerhalb eines virtuellen Teams sofort zur Verfügung zu stellen, nützlich oder sehr nützlich sind. Und 86 % stimmen der Aussage zu, dass die Fähigkeit, sofort mit einem Kollegen zu kommunizieren – unabhängig von Uhrzeit, Ort oder Methode – nützlich oder sehr nützlich ist.
Aber:
Zunehmende Kopfschmerzen bereitet jedoch dem Management, dass nur 25 % bis 35 % der Unternehmen mit einer Technologie ausgestattet sind, die diese modernen Arten der Zusammenarbeit unterstützt.
Was man erreichen könnte, wenn man eben könnte wie man wollte: Eine Enterprise 2.0-Arbeitsumgebung, "in der Team-Mitglieder schneller und effizienter zusammen arbeiten, Informationen und Experten rascher finden und mehr Aufgaben in weniger Zeit schaffen - an jedem Ort, zu jeder Zeit und mit jedem Endgerät, das der Situation oder ihrer persönlichen Vorliebe am besten entspricht." Wär' das schön.
Sam Sethi, bis Dezember 2006 Chef von TechCrunch UK, hat blognation gestartet - eine TechCrunch-Kopie für alle möglichen Länder außerhalb der USA. Bis jetzt sind die Ausgaben für Großbritannien, Italien und Deutschland am Start. Für die deutsche Blognation schreibt Nicole Simon.
Gleich zum Start legt sie eine vehemente Analyse des Zustands der hiesigen Web-Szene vor:
Sadly not every German speaks good English and it’s only those who are comfortable with the English language who will regulary reach out to talk or write in the blogopshere.
So this is one of the main reasons why, instead of competing with the mainstream Web 2.0 applications, German entrepreneurs often create localised or “copy cat” sites to address the vast native German speaking audience.
Germany is an island which lacks fresh input from the outside.
Though VC money doesn’t flow as easily as in some other areas of the world, it is available, and Media companies invest heavily in Web 2.0 properties in order to transform their own products for an online world.
Sam Sethi schied im Dezember im Streit mit TechCrunch-Gründer Mike Arrington. TechCrunch UK hat sich davon bis heute nicht erholt, ein für Juni angekündiger Neustart lässt noch immer auf sich warten. Der Name blognation ist bestenfalls irreführend, denn es geht gar nicht nur um Blogs, aber wahrscheinlich war kein besserer Name frei.

Daniel Druhm, Denis Richard und Jochen Illius (v.l.)
Wenn das keine erfreulichen Startvoraussetzungen sind: „Die Zukunft sehe ich sehr sonnig hier“, sagt Daniel Druhm zu seinem (Wieder-)Einstieg bei SinnerSchrader in Frankfurt. Gemeinsam mit Denis Richard (neu) und Jochen Illius (schon länger dabei) wird er künftig den Ausbau von SinnerSchrader in Frankfurt voranbringen.
Daniel Druhm, 34, übernimmt die Teamleitung Beratung und die Funktion des Standortsprechers. Denis Richard, 33, wird Leiter des Teams Technik. Jochen Illius, 33, übernimmt die Leitung der Kreation. Daniel: „Wir möchten hier im Rhein-Main-Raum wahrgenommen werden als selbstständig agierende Agentur – das war nicht immer der Fall. Wir haben hier jetzt ein komplettes Führungsteam mit drei Teamleitern, die direkt mit der Geschäftsführung in Hamburg zusammenarbeiten. Und: Wir suchen Mitarbeiter! Wir wollen aufstocken und sind auf der Suche nach den besten Köpfen."
Was sie an ihren neuen Positionen reizt, haben wir sie gefragt. Für alle drei die spannendste Sache: Der Standort Frankfurt ist wichtiger Bestandteil der Neuausrichtung von SinnerSchrader. Daniel Druhm, der das Unternehmen bereits seit 2001 kennt, dazu: „Wir haben mit SinnerSchrader in Frankfurt viel vor, wollen näher ran an die Kunden und das komplette Dienstleistungs- und Beratungs-Portfolio anbieten.“
Jochen Illius ist überzeugt: „Was wir hier versuchen, wird einfach die Zukunft sein. Wir glauben, dass Interactive-Agenturen in Zukunft den Lead übernehmen werden. Genau dort wollen wir ansetzen. Es ist extrem spannend, an dieser Entwicklung teilzuhaben.“
Denis Richard, der zum 1. September von Neue Digitale zu SinnerSchrader wechselt, ergänzt, dass SinnerSchrader nun standortbezogen seine Kunden bedienen kann: „Das Potenzial von SinnerSchrader in Frankfurt ist groß, verschiedene Kunden haben bereits angeklopft. Projekte, die in Frankfurt angesiedelt sind, sollen von dort aus auch umgesetzt werden.“ Er freut sich insbesondere auf konsumentenorientierte Projekte und Prozesse – mit viel Nutzwert für den User statt „Kreativität als Selbstzweck“.
Na klar: Alle drei haben langjährige Erfahrung im Projektgeschäft. Daniel kommt aus der technischen Projektleitung – eine Postion, die er bei SinnerSchrader schon innehatte. „In der Zwischenzeit bin ich dann immer näher an die Kundenfront herangerückt und habe Projektleitung von der technischen Sicht bis hin zu Online-Kampagnen und der Entwicklung von E-Commerce-Strategien gemacht.“
Denis arbeitet seit über neun Jahren im Internetbereich und hat alle Höhen und Tiefen miterlebt, dabei fast nur internationale Kunden betreut, und dort die größeren und prozesslastigeren Projekte. „Außerdem bin ich wachstumserprobt, da meine Abteilung innerhalb von drei Jahren von null auf 12 Personen gewachsen ist.“
Und Jochen? Er ist seit 2004 bei SinnerSchrader in Frankfurt und schätzt den dortigen engen und sehr partnerschaftlichen Kundenkontakt. „Außerdem kenne ich die Besonderheiten, wenn Technik und Design im Projektgeschäft aufeinanderprallen, ganz gut. Aber: Nur aus dem Zusammenspiel beider Disziplinen entsteht das Besondere.“
Haben sie Traumkunden? Jochen Illius bringt es auf den Punkt: „Mein Traumkunde ist ein sehr mutiger“ - bereit, Experimente zu wagen und diese dann auch intern zu vertreten. Daniel Druhm: „Jemand, der Visionen für einen erfolgreichen Auftritt in Web-2.0-Welten zusammen mit uns gestalten möchte, der gemeinsam mit uns innovative Wege gehen möchte.“ Auch Denis Richard wünscht sich Kunden, deren Lösungsansätze nicht bereits fertig in der Schublade liegen.
Last but not least freut sich Jochen Illius auch darüber, dass einfach die Chemie stimmt: „zwischen Daniel, Denis und mir und nicht zuletzt im gesamten Team“. Das gefällt! SinnerSchrader wünscht allen Frankfurter Kollegen auch von hier aus gutes Gelingen und viel Spaß.
Neulich in Hamburg, Medienstadt: Ein media coffee zum Thema "Von der Edelfeder zum Contentlieferanten? - Printmedien im Wandel" - bester Frontalunterricht mit eingebauter Fragemöglichkeit im Auditorium der Bucerius Law School.
Das Podium von links nach rechts: Annette Hillebrand, Moderation, Akademie für Publizistik. Kuno Haberbusch, Zapp/Das Medienmagazin und extra 3/Das Satiremagazin. Holger Stark, Der Spiegel. Frank Thomsen, Stern.de. Jan-Eric Peters, Axel Springer Akademie. Dr. Wilm Herlyn, dpa.
Viel Altbekanntes: Spiegel-Online hält verdient das Quasi-Monopol der Online-Nachrichtenmagazine (alle). Online wird nicht zu einem Qualitätsverfall führen (Thomsen) und "alles wird weiterleben, aber anders" (wieder Thomsen). Online ist nicht mehr die interne Abschiebestation, sondern die Zukunft (Peters). Und so weiter.
Zwei Sprecher haben spannendere Dinge von sich gegeben: Kuno Haberbusch, Leiter von Zapp/Das Medienmagazin und extra 3/Das Satiremagazin hat gezeigt, wieviel Sinn es macht, sich bei aller Euphorie über Web 2.0 (s)eine kritische Sicht auf die Dinge zu bewahren. Haberbusch war also dagegen, was mich zugegebenermaßen schonmal grundsätzlich begeistert. Kurze Szenenbeschreibung:
Dass Google sich jeglicher Transparenz verweigere ("die lehnen kategorisch jedes Interview ab!"), sei nicht hinnehmbar, ja - gar skandalös sei, dass die deutschen Medien das klaglos hinnehmen. Jan-Eric Peters (Axel Springer Akademie) dazu: "Es ist, wie es ist." Haberbusch spornt das erst richtig an: Er geht dazwischen und erklärt erstmal, wie man früher gekämpft habe. Herrlich.
Dagegen war er auch, dass die Regionalblätter "außerhalb der privilegierten Insel Hamburg" ihre Online-Ableger nebenher machen. Auch ein Thema des zweiten Sprechers, der hier Lob erhält: Holger Stark, Der Spiegel, wies immer wieder auf die Wichtigkeit von Investitionen in Leute hin - statt die Online-Ausgaben aus dem Print mit zu bedienen.
So war vor allem er es, der das Fazit prägte. Am Ende waren sich alle einig, dass es Edelfedern immer geben wird (und bekamen damit noch eben den Dreh zum Veranstaltungstitel) und machten sich kollektiv um eines Sorgen: um die Qualität der Recherche und um die Zukunft des investigativen Journalismus - angesichts der Tatsache, dass dort gespart wird, "wo Zeit, Geld und Energie nötig sind" (Stark).
Die Veranstaltung hätte also besser "Lässt sich guter Journalismus im Internet überhaupt bezahlen?" geheißen.
Hingewiesen wurde auf eine spannende Studie: "Klicks, Quoten, Reizwörter: Nachrichten-Sites im Internet. Wie das Web den Journalismus verändert."
Die media-coffee-Reihe tourt übrigens durch Deutschland und lässt sich im media-coffee-blog mitverfolgen.
Warum Social Bookmarking den klassischen Suchmaschinen gefährlich werden kann, erklärt Christian Clawien von Mr. Wong im Nach-next07-Interview. Hier nochmal sein Vortrag "Schwarmintelligenz von Links".
Ist Mister Wong das deutsche del.icio.us?
Christian Clawien: In Deutschland hatten wir im Mai über zwei Millionen Unique Visitors. Damit haben wir die Konzern-Kollegen von Yahoo, denen del.icio.us ja zu 100 Prozent gehört, weit hinter uns gelassen und sind weltweit mittlerweile die Nummer zwei im Social Bookmarking.
Aber wir wollen uns nicht nur auf den deutschen Sprachraum beschränken. Mister Wong ist mittlerweile auch in China und Russland online, eine spanische und eine französische Version verlassen in Kürze die Closed-Beta-Phase. Ende Juni starten wir dann mit der internationalen Version in Englisch.
Das ist unser Gegenkonzept zu del.icio.us: lokale Sprachvarianten und eine bessere Funktionalität. Unser erklärtes Ziel ist es, del.icio.us binnen zwei Jahren weltweit und nicht nur im deutschen Sprachraum überholt zu haben.
Warum beurteilen „echte Menschen“ Informationen und Inhalte intelligenter als Google & Co. ?
Eine Maschine kann schwer interpretieren. Googles Pageranking ergibt sich nach der Anzahl der Verlinkungen, nach der Aktualität. Die genauen Rankingkriterien sind ein Geheimnis. Der Hauptschwerpunkt liegt auf der Verlinkungsdichte. Die kann man manipulieren, und die gefundenen Seiten müssen nicht unbedingt gut sein.
Bei Mister Wong bookmarken die Leute, was sie selber gut finden, ihre persönlichen Favoriten. Menschen können die Relevanz von Websites besser beurteilen als Maschinen.
Kann Social Bookmarking eine echte Alternative zu klassischen Suchmaschinen werden?
Für zahlreiche Themen ist es das schon: Musik, News, Software, Bilder, Videos. Bei uns gibt es 1,8 Millionen Bookmarks, und wenn man über die Suche geht, findet man viele gute Websites. Die Themenvielfalt ist so groß wie die Menge der Nutzer, die gerade mitmachen.
Nehmen wir das Beispiel Heuschnupfen: Gebe ich „Heuschnupfen“ bei Google ein, werden mir Medikamente angezeigt. Bei Mister Wong bekomme ich Tipps gegen Heuschnupfen. Der Long Tail ist riesig! Auch wenn zu Nischenthemen nur wenige Bookmarks drin sind, werden die dann auch gefunden.
Schwarmintelligenz von Links – was ist das?
In vielen Bereichen gibt es eine Weisheit der Massen. Zum Beispiel, wenn in Städten Wege angelegt werden und die Leute doch ihre eigenen Trampelpfade bilden, weil die Wege unklug angelegt sind. Da wird mit den Füßen abgestimmt, welcher der bessere Weg ist.
Das Witzige ist, dass die Leute das unabhängig voneinander tun. Im Web entwickelt sich daraus eine kollektive Intelligenz, wie wir sie von Wikipedia her kennen.
Mitreißend, von der Sache überzeugt, frei von der Leber weg: Martin Oetting, trnd, neulich beim Vortrag "Work of Mouth Marketing: Cluetrain WORKS!". Das war auf der next07:
Das war vorgestern:
Reichweite und Nischeninhalte - zwei Begriffe, die sich beißen?
Martin Oetting: Nein, dank Internet mittlerweile nicht mehr. Wenn man die Nischen im Netz bedient, kann man das weltweit tun – so dass auch Reichweiten wieder interessant werden. Das entsprechend strapazierte Schlagwort „Long Tail“ ist ja in aller Munde.
Mundpropaganda lebt von Meinungsführern - wie identifiziert man die?
Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder identifiziert man sie – oder man „macht“ sie.
Für den ersten Ansatz gibt es eine ganz pragmatische Möglichkeit – manchmal kann man Meinungsführer durch Beobachtung und schlichtes Nachdenken finden. Es gab z.B. die Idee von Marketingunternehmen, bei speziellen Kampagnen für eine weibliche Zielgruppe mit Friseuren zu arbeiten, weil die ständig mit Menschen im Austausch stehen und allein dank ihrer Kontakte Reichweite aufbauen können.
Meinungsführer definieren sich aber klassischerweise eher durch Fachwissen. Man kann heute im Internet gucken und dort die so genannten Mavens suchen, die sich zum Beispiel durch spezialisierte Internetpublikationen outen.
Dann kann man Meinungsführer zu einem gewissen Grad selbst schaffen. Meinungsführer sind in bestimmte Themen tief eingestiegen, stark involviert. Wenn man kontaktfreudige Leute mit einem Grundinteresse findet, ihnen dann die Möglichkeit bietet, sich intensiv mit einer Sache auseinander zu setzen, nehmen sie gewisse Meinungsführereigenschaften an.
Die 35.000 Mitglieder von trnd, also die Basis für Eure Testpersonen - wo kommen die her?
Ganz zu Beginn waren kleine Online-Werbemittel die Initialzündung, ebenso ein Gewinnspiel. Dann hat sich das Ganze vornehmlich über Mundpropaganda entwickelt. Ab und zu probieren wir hier und da außerdem noch kleine flankierende Maßnahmen.
Wie schließt Ihr die Testpersonen aus, die sich nicht eignen?
Wir finden unsere Testpersonen in einem mehrstufigen Verfahren. Zunächst gibt es eine anonyme Befragung, also ohne dass die Marke genannt wird. Da erfragen wir zum Beispiel das Interesse an Zahnpflege oder Wellness. So finden wir heraus, wer sich wie interessiert. Eine engere Auswahl sprechen wir dann an, sich mittels Prosa gezielt bei uns zu bewerben.
Die Betreuung der Testpersonen muss sehr zeitintensiv sein – wie ist das organisiert?
Zunächst: Unsere Testpersonen betreuen kann nur, wer unser Verfahren in- und auswendig kennt. Man kann die Leute nicht mal eben kurz anwerben. Neben unseren Leuten im Haus haben wir mittlerweile zusätzlich freie Mitarbeiter, die unsere Prozesse bestens kennen. Entscheidend ist, dass immer jemand da ist, der zeigt, dass wir aufmerksam und ansprechbar sind. Das ist echtes CRM: Jeder, der eine Frage hat, bekommt auch eine ehrliche ernst gemeinte Antwort, von einem Menschen.
Wieso eignen sich eher physikalische Produkte für Word-of-Mouth-Marketing? Ist Dienstleistern nicht zu helfen?
Dazu muss ich zuerst sagen, dass UNSER Verfahren sich eher für physikalische Produkte eignet. Dienstleister sind besonders stark auf Mundpropaganda und Vertrauensaufbau angewiesen. Das Besondere: Dienstleistungen werden immer in Zusammenarbeit mit den Kunden erbracht. Dienstleister fahren dabei besser, wenn sie ihre Fans direkt selbst kennen lernen, z.B. weil sie sehr schnell antworten müssen, wenn Schwachstellen aufgedeckt werden.
Was physikalische Produkte angeht, ist natürlich viel mehr Begeisterung zu erreichen, wenn Leute eine Kiste mit Produkten nach Hause oder ins Büro geschickt bekommen. Wenn uns allerdings ein Dienstleister fragt und wir feststellen „Alle Achtung, da ist viel Potenzial, so was gibt es noch nicht, da können die Fans mitarbeiten“ – dann sagen wir nicht nein.
Eine Frage zu Deinem Lieblingsthema: Ist Web 2.0 ein Markenkiller?
Da handelt es sich ja vor allem um einen Schaukampf. Die Markenverantwortlichen sitzen oft in einem Elfenbeinturm und leben in ihrer Scheinrealität. Sie definieren Markeneigenschaften, und die Verbraucher definieren sich derweil eine ganz andere Realität.
Nun stellen die Markenverantwortlichen fest, dass es plötzlich negative Mundpropaganda an Stellen im Netz gibt, die jeder finden kann. Sie rufen nach Markenkontrolle und versuchen, dagegen anzugehen. Das ist nicht der Realität entsprechend. Dieser Austausch fand auch schon vorher statt, Konversationen haben auch schon vorher die Marke enorm beeinflusst. Das Web 2.0 macht die Dinge nur sichtbarer. Eindämmen konnte man das früher nicht, und heute schon gar nicht mehr.
Der stationäre Handel und das Internet sind die beiden zentralen Berührungspunkte zwischen Konsumenten und Marken. Nun schließen wir kurz die Augen und stellen uns einen Supermarkt vor, der nach den gleichen Prinzipien wie das Web 2.0 funktioniert. Und jetzt - Vorhang auf!
Ganz großes Kino. Via Robert Basic. (Bei Boing Boing war es übrigens schon Anfang April.)
Sören Stamer von CoreMedia hat sich zu einem Nachschlag bereit erklärt und uns ein Interview gegeben - zu seinem Vortrag auf der next07, der mich schwer beeindruckt hat. Wer ihn verpasst hat und sich für Themen wie "Transparenz" und "offene Feedbackkultur" versus "Kontrolle" und dadurch erzeugten "passiven Widerstand" in Unternehmen interessiert - unbedingt anschauen:
Hier das Interview.
Warum erlebt derzeit die gesamte Welt mit Web 2.0 einen Paradigmenwechsel?
Sören Stamer: Kommunikation verbindet und fördert Kooperation und damit Frieden. Vor 100.000 Jahren war die Welt weit aggressiver, viel mehr Menschen sind eines unnatürlichen Todes gestorben. Diese Zahl ist bis heute trotz der Kriege immer weiter zurückgegangen. Heute ist es für einen Menschen sehr unwahrscheinlich, eines gewaltsamen Todes zu sterben. In Krisenregionen ist das sicher leider noch anders. Doch auch diese Zahlen einbezogen, sinkt der Durchschnitt stetig. Die Welt wird also offensichtlich friedlicher.
Meine Hypothese: Der Mensch ist eigentlich gut. Er empfindet Empathie, opfert sich auf, zum Beispiel für seine Kinder, aber auch für andere Menschen. Das gilt, solange man mit diesen Menschen in Kontakt ist. Das, was ich kenne, brauche ich nicht zu fürchten.
Wird die Welt also insgesamt vernetzter, so steigt das Bewusstsein für Menschen in anderen Regionen. Ich meine also, der Welthandel hat insgesamt zu mehr Frieden geführt – wer miteinander handelt, wird sich nicht bekriegen.
Und das Internet geht noch einen Schritt weiter. Es ist das erste Massenmedium, das weltweit milliardenfache Interaktion möglich macht. Das Internet verbindet Menschen in der ganzen Welt. Mit dem Internet haben wir also ein perfektes Medium für den Weltfrieden: Je mehr wir uns vernetzen, desto mehr Frieden und Werteorientierung werden entstehen.
Was bedeutet die Post-Web-2.0-Ära für klassische Unternehmen?
Der Hauptpunkt ist der, dass der Kampf gegen den Paradigmenwechsel nicht zu gewinnen sein wird. Jedes Unternehmen kann zwar versuchen, dagegen zu arbeiten, aber meiner Meinung nach wird man mit dieser Strategie nicht erfolgreich sein können. Traditionelle Modelle mit starren Hierarchien und starker Machtorientierung werden leiden und möglicherweise untergehen, weil die Welt um sie herum sich grundlegend ändert.
Mitarbeiter und Konsumenten haben durch das Medium Internet massiv an Macht gewonnen. Im Internet kann jeder schreiben, was er will – und die Massenmedien greifen diese Informationen aus Blogs mittlerweile sogar oft aktiv auf. Die Unternehmen haben also längst die Kontrolle über die öffentliche Meinung verloren.
Was könnten Unternehmen in der Kritik, wie zum Beispiel gerade die Telekom, zum Beispiel tun, um sich wieder mehr Respekt zu verschaffen? Sie könnten ihren Kunden erlauben, auf ihrer Website ehrliche Kommentare abzugeben, die dann ernsthaft gewürdigt und beantwortet werden. Unternehmen würden sicher mehr Respekt gewinnen, wenn sie aufhörten, gegen Transparenz zu kämpfen. Es geht zukünftig also um die eigene Reputation – von Unternehmen wie auch Individuen, in der Kommunikation und nicht mehr um die Kontrolle der Kommunikation anderer. René Obermann und das neue Führungsteam der Telekom hat in den letzten Wochen aus meiner Sicht deutliche Impulse in Richtung Glaubwürdigkeit und Transparenz gesetzt. Ich bin gespannt auf die daraus folgenden Effekte und würde ihm wünschen, dass diese Impulse von der Öffentlichkeit auch erkannt und aufgegriffen werden.
„Sie können zwar Software entwickeln, aber die nützt Ihnen erst was, wenn Sie die Kultur haben.“ Das sagen Sie als Software-Unternehmer. Warum?
Marshall McLuhan hat gesagt: „The medium is the message“. Ein Medium verändert demnach unser Denken und Handeln. Das Buch an sich, nicht der einzelne Inhalt, hat beispielsweise unsere Art zu denken geprägt – serielle Gedankenketten, Wenn-dann-Folgen etc.
So auch das Internet: Die Kids von heute haben eine ganz andere Art zu denken und zu kommunizieren. Sie denken und kommunizieren viel netzwerkorientierter und weniger seriell.
Mit dem Medium Internet hat sich eine kulturelle Revolution in Gang gesetzt: Selbstorganisation statt starre Hierarchien. Kompetenzen statt Kontrolle. Kooperation statt Kampf. Werte statt Macht. Technologie hat somit in erster Linie einen kulturellen Effekt.
Welche Auswirkungen haben Ihre Erfahrungen mit dem Wandel zum Enterprise 2.0 auf Ihre Software-Produkte?
Der Unterschied ist, dass wir die Menschen in den Mittelpunkt stellen. Was alle bisher so wichtig fanden, unzählige multimediale Inhalte verwalten zum Beispiel, darum geht es gar nicht. Wir wollen Menschen ermöglichen, dass sie kommunizieren können und gemeinsam kreativ werden. Wir wollen ihnen helfen, dass sie Menschen mit ähnlichen Kompetenzen oder Interessen finden. Die ideale Kommunikationsplattform muss also offen und netzwerkorientiert sein.
Nicht wenige sollten bestimmen, was viele machen – die Struktur sollte nicht von oben vorgegeben werden, sondern so funktionieren, wie die Mitarbeiter das wollen. Beispielsweise haben wir bei uns intern Peer Groups eingeführt, die selbstorganisiert arbeiten. Sie haben sich selbst zu Teams zusammen gefunden, selber Namen gegeben, haben sich selbst Aufgaben gestellt und Muster entworfen, wie sie sich im Intranet darstellen, haben Ablagestrukturen für Projekte vorgeschlagen – die einen geben so den Rahmen vor, andere Mitarbeiter ziehen nach.
Ein tolles Ergebnis einer Peer Group der letzten Tage – in diesem Fall der „True Kangaroos“ – war zum Beispiel ein tolles Poster, das zentrale Informationen über unsere Technologie für die Entwickler bei unseren Kunden und Partnern visualisiert. Das Poster wird uns von Kunden und Partnern fast aus den Händen gerissen. In klassischen Strukturen fehlt leider oftmals dieser Freiraum für Kreativität.
Bitte kommentieren Sie sich kurz selbst:
„Kontrolle im Unternehmen ist eine Illusion.“
Man glaubt immer, dass der Chef ganz oben alles kontrollieren kann. Tatsächlich hat er keine wirkliche Kontrolle daüber, wie Menschen auf die Impulse von oben reagieren. Begeisterung, Leidenschaft und der Glaube an ein gemeinsames Ziel kann man nicht von oben vorgeben. Das erleben die Firmen auch, die Entscheidungen mit Macht von oben durchsetzen und nur passiven Widerstand damit erzeugen. „Jetzt seid mal motiviert!“ – das ist wohl eher eine Illusion.
„Transparenz tut nicht weh.“
Über kritische Sachen wie unangenehme Wahrheiten oder Kritik an der Führung darf man in Unternehmen angeblich nicht reden. Wenn man allerdings eine Managementsitzung vor den Augen der anderen macht oder sich öffentlich und ernsthaft der Kritik stellt, gewinnt man sogar was. Die Leute haben ja sowieso eine Meinung über mich – also können wir die auch offen diskutieren.
„Es ist nicht nur die Welt, die wir verbessern – es macht auch ökonomisch Sinn.“
Was ich so sage, ist nicht nur esoterisch und „nett “ – das Gegenteil ist der Fall: Kreativität entsteht, wenn die Leute sich trauen, ihre Meinung zu vertreten und Fehler zu machen. Als Firma wird man viel besser. Die ökonomischen Auswirkungen halte ich für immens.
In einer Welt, die sich immer schneller wandelt und komplexer wird, brauchen wir vor allem Kreativität. Und damit kommen wir wieder zurück zur Frage nach dem Bestehen der Unternehmen: Damit die Firmen kreativer werden, brauchen sie eine wirkliche Vertrauenskultur, und die entsteht halt nur über offene und ehrliche Kommunikation.
Die Markenführung wird demokratischer, deshalb gewinnt das Fernsehen an Bedeutung. Im Internet lehnt sich eine neue Generation von "68ern" gegen die Autorität von Marken auf. Sie werden ein Stück weit zerfasert, teilweise auch verunglimpft. Nur wer seinen Marken über die klassischen Medien genügend Authentizität und Relevanz verleiht, wird im Web 2.0 nicht untergehen.
Peter Christmann, Vorstand Sales & Marketing bei ProSiebenSat.1 und Geschäftsführer von SevenOne Media, in der Horizont vom 24. Mai 2007

Mit einer neuen Optik ist Qype soeben und damit früher als geplant live gegangen: Übersichtlicher, bunter, mit größeren Bildern und mit mehr Funktionen rund um den Mitgliederbereich. Noch leichter verständlich und benutzbarer soll die Plattform damit werden.
Vorab hat Qype den "Insider"-Test gemacht und sich bei seinen aktivsten Usern das Okay eingeholt - das "überwältigende Feedback" steckte voller Lob für den Relaunch, so Stephan Uhrenbacher.
Übrigens hat Qype 14 Monate nach dem Start 50.000 Beiträge, 35.000 registrierte Mitglieder und 1 Mio. Visits im Monat.
Der Relaunch zeigt, wohin die Richtung geht: Die Menschen hinter den Beiträgen werden fast wichtiger als der Content selbst. Erst, wenn klar ist, wer schreibt, ist der Content glaubwürdig. Soweit Qypes Antwort auf die Qualitätsdiskussion bei den Mitmachmedien.
Warum ist das Spreadshirt-Geschäftsmodell so erfolgreich, seinen Kunden einen Teil der Herstellung zu überlassen?
Weil unsere Kunden einerseits das T-Shirt als Medium entdeckt haben und dass man da ohne großen Aufwand viele bunte lustige Sachen draufdrucken lassen kann - und wahrscheinlich, weil sie satt hatten, dass ihnen andere vorschreiben, was cool und lustig ist.
Sagt Lukasz Gadowski, Gründer von Spreadshirt, im next07-Interview.
Natürlich könnte man jetzt wieder die große 2.0 Keule rausholen und sagen, dass wir den Long Tail reiten: 'Demokratisierung der Produktionsmittel', Vereinfachung der technischen Infrastruktur, Verringerung der Kosten, user-generated Content, Do-it-yourself, MeCommerce, Social Commerce, äh - fehlt noch was Wichtiges?
Brisante Enthüllungen von Lukasz Gadowski. Und es kommt noch besser: Die next07, auf der er referieren wird, ist kein Web-2.0-Kongress.
Der Begriff Web 2.0 ist in Deutschland nicht über das Stadium relativ unreflektierter Begeisterung hinausgekommen, gepaart mit bräsiger Ernüchterung nach dem Motto "Das haben wir doch schon immer so gemacht". Vermutlich haben einfach zu wenige Leute Tim O'Reilly gelesen (und verstanden).
Web 2.0 war 2006. In Deutschland.

„Die Marken müssen raus aus ihrem Elfenbeinturm“, sagt Trendforscher Nils Müller im Interview zur next07. Der Gründer von TrendONE spricht auf der next07 die Visionary Note.
Der Schlüsseltrend Media 3.0 hat Web 2.0 abgelöst, erklärt Müller:
„Media 3.0 bedeutet ‚Jump in’ – jeder lebt im Medium und verschmilzt mit dem Medium. In Web 1.0 war man Zuschauer, in Web 2.0 konnte man als Direktor bestimmen, was passieren soll – und in 3.0 ist man selbst der Darsteller in den virtuellen Welten.“
Was verändert sich, sobald Konsumenten aus ihrer Passivität ausbrechen? Alles. Das versinnbildlicht das als "Oregon Experiment" berühmt gewordene Verfahren der UCLA University of Oregon. Sie plante 1971 bei der Neugestaltung ihres Campus’ keine Wege ein, sondern säte überall Rasen. Erst als sich Trampelpfade bildeten, wurden diese geteert. Weiterlesen...

Auch ein Thema für Hamburg vs. Berlin: Kongresse. In Berlin findet vom 11. bis 13. April die re:publica statt. Heute berichtet Detlef Borchers auf heise.de darüber und zieht diesen Vergleich:
Die dreitägige, bis in die Abendstunden gehende Konferenz kostet 60 Euro. Blogger, die für re:publica werben, zahlen 40, "Profis" gleich 100 Euro. Das ist vergleichsweise günstig, wie die kommerzielle eintägige Web-2.0-Konferenz Next 07 zeigt. Diese kostet 590 Euro.
Vergleichsweise günstig, das stimmt. Sogar sehr günstig - das haben Spreeblick und Netzpolitik wirklich gut hinbekommen. Ansonsten werden sich die beiden Kongresse wohl ziemlich deutlich unterscheiden, insbesondere was Programm (hier re:publica, da next07) und Teilnehmer (hier re:publica, da next07) betrifft. So soll es sein.
Mit Web 2.0 haben die beiden Veranstaltungen zwar ein Tag Etikett Oberthema gemeinsam, die Perspektive auf die Details aber ist fast komplementär: hier Kultur, da Wirtschaft. Am besten beide Kongresse besuchen.
“Spread the word via blogging, email, im, etc. about reboot9” – wollen wir hiermit gerne tun.
Was liegt an?
„It's time to reboot our minds once again.”
Wo und wann?
“reboot9 will take place in Copenhagen Thursday, May 31 and Friday, June 1 2007.”
Was ist reboot9?
“Like last year there isn't a final speakers list or a black box creation model. reboot is a platform for bringing the European (and beyond) community together, a platform for conversations and relationships, a platform for sharing visions and meeting the people you never knew you'd meet. So the platform is all yours, and this is an invitation to participate and help co-create reboot.”
Und worum geht’s?
“The theme for reboot9 is 'human?'. A big word, but a word that saturates what's happening and all ready on a deeper level has been transcending reboot the last couple of years.
So when all is in going away from mechanical industrial models to human natural models where this is leading us? What is our shared understanding of 'human'? How do we organize ourselves in human institutions and organizations? How are our tools shaping us as humans, how are we shaping our tools?
Participate!
Die Branche mit den meisten markenbezogenen Erwähnungen in der Blogosphäre ist der Bereich Telekommunikation (19%), gefolgt von Computer-Hardware und Mobiltelefonen (jeweils 14%), Automobil (8%) und Unterhaltungselektronik (7%).
Derartige Ergebnisse bringt bobi an den Tag, der „brand online buzz index“ von ethority. Der nach eigenen Angaben „weltweit erste Markenmonitor für das Web 2.0“ bildet die digitale Mundpropaganda zu annähernd 500 Marken ab, nennt die zentralen Themen und ordnet sie den 25 wichtigsten Branchen zu.
Die Verbrauchermeinungen werden in Bezug auf Markenimage, Markenbekanntheit und Markenranking ausgewertet. Insbesondere wirft das Tool ein Auge auf die Beiträge im Social Media Sektor, sprich Blogs, Onlineforen & Communities.
Der notorische Horst Schlämmer hat jetzt Führerschein. Als Agentur hinter dem Blog hat sich inzwischen Tribal DDB zu erkennen gegeben. Dem Medienhandbuch gilt die Aktion als "erste erfolgreiche Kommunikationsmaßnahme einer großen Marke im Web 2.0".
Zu Beginn der zweiten Phase verschenkt die Agentur freiwillig den Google Juice und die Platzierung in den Deutschen Blogcharts. Denn nun gilt: Schlämmer hat Golf. Und laut w&v hält VW für möglich, dass Schlämmer künftig auch offline werben wird.
Sie haben es ja ohnehin schon nicht leicht, die Massenmedien. Und dann wird ihnen auch noch kräftig eingeschenkt. Markus Peichl, einer der ganz Großen der Druckmedienbranche und heute Juryvorsitzender beim gestern verliehenen Lead Award, liest seiner Branche die Leviten. In der Welt. Hier die entscheidende Passage:
WELT: Guter Journalismus wird vom Leser nicht geschätzt?
Peichl: Doch, aber die Leute werden mit so viel Mittelmaß erschlagen, dass sie das Gute nicht mehr sehen. Erinnern Sie sich an die Hitler-Parodie mit Helge Schneider? Die Frage "Darf man über Hitler lachen?" war die Sau, die eine Woche lang durchs mediale Dorf gejagt wurde. Danach war die Sache vergessen, der Film floppte, basta. Dasselbe passierte mit dem Uschi-Obermaier-Film. Selbstverschuldet lassen sich die Printmedien im Kampf gegen schnellere Medien auf das Gebot der Nichtsubstanz und das Verdikt der Geschwindigkeit ein.
WELT: Sie wollen doch nicht leugnen, dass zu den genannten Themen kluge, gut geschriebene Artikel erschienen sind.
Peichl: Natürlich gab es die, aber sie wurden von der Vielzahl der Husch-Husch-Erregungen verblasen. Der Leser wurde zugekleistert mit substanzlosem Kram, weil jeder glaubte, auch etwas zum Thema absondern zu müssen. "Huch, das ist ein Thema, da müssen wir jetzt ganz schnell was dazu machen." Das ist der Mechanismus, der Redaktionen treibt. Und dann bombardieren sie den Leser mit allem, was auf die Schnelle beizuschaffen ist. Also fehlen den Journalisten Zeit und Kraft, sich mit dem Thema intensiv zu beschäftigen. Macht es doch einer, wird seine Mühe nicht belohnt, weil es der Leser in all dem Wust nicht erkennen kann. Wissen Sie, was ich nicht mehr hören möchte?
WELT: Was denn?
Peichl: Diesen Satz, den Printleute so gern von sich geben: "Wir werden gegen das Fast-Food-Medium Internet bestehen, denn der Leser möchte Selektion, und genau die geben wir ihm: Wir trennen das Wichtige vom Unwichtigen." Stimmt nicht, das ist Alibi-Wunschdenken. Printmedien verbreiten viel zu viel völlig ungefilterte Information im Affenzacken hinaus in die Welt.
Sprach's und verlieh einen Lead Award an die in "Second Life" erscheinende, englischsprachige Zeitung "The AvaStar". Von diesem Bild-Ableger gibt es jetzt auch eine deutschsprachige Ausgabe. Deren Chefredakteur Rowan Barnett aka Regis Braathens spricht übrigens auf der next07.
In gewohnt höflicher Manier, einige Zacken schärfer als Peichl, aber nicht minder auf den Punkt bringt es der Doppelgänger jenes Jünglings, der sich jüngst als Anzeigenmotiv für Gucci verewigte. An der Blogbar. Sein Stück, vermutlich liest sich, als sei es nach der Lektüre von Peichls Brandinterview entstanden, im Auszug:
He, Ihr verblödeten, nach oben in Entscheiderpositionen gechwemmten Nichtskönner, Ihr Parasiten am alten Ruf abkratzender Medienmarken, was zum Teufel wollt Ihr eigentlich? Eure Auflagen kacken ab, die jungen Leser laufen Euch davon und die alten Leser sterben, seit 10 Jahfren seid ihr im Niedergang, und alles, was Euren Konzernen einfällt, ist der Einkauf von irgendwelchem Communitydreck, weil da die jungen Leute inzwischen sind. Ihr habt längst den Kampf um die Qualität aufgegeben, im Internet seid Ihr nur noch kleine Nummern unter irgendwelchen Drittverwertern und niveaulosen Zusammenrottungen. Die Tageszeitungen waren bis vor 10 Jahren unangefochtene Meinungsführer, heute passen Süddeutsche, FAZ, taz und Welt locker unter den Fussabstreifer von Spiegel Online, und auf das schwarze Dreclksblatt bei mir daheim kann ich selbst inzwischen mit meinen Blogs quotenmässig hinunterspucken. Im einzigen Zukunftsmarkt seid Ihr plötzlich ein Nichts voller greinender Bedenkenträger, Ihr habt in der New Economy jeden Scheiss mitgemacht und jetzt kauft Ihr wieder jeden Rettungsring, den Euch irgendwelche Gründer hinhalten, und Eure eigene Kernkompetenz der Informationsvermittlung geht Euch am Arsch vorbei, Hauptsache ihr habt diese tollen Web2.0-Spielzeuge.
Was früher mal Eure Basis war, mutige Autoren und Kenner der Region, sind heute billige Praktis und gekaufte Johurnaille, die brav kuscht, wenn Ihr den nächsten Onlineschmarrn ranschleppt. Ihr habt die Redaktionen nach der Printkrise wieder profitabel gehungert, weil das neue, miese Niveau auch für die Abos reicht. Das rettet Euch kurzfristig den durchgesessenen Hosenboden, aber der Nachwuchs hat keine Bindung mehr an Euch, und wird auch keine Bindung an Euch mehr bekommen. Die haben sich vertschüsst zu irgendeiner Internetbespassung, Youtube, Youporn, Myspace, wo sie für Euch und Eure miese Informationsabfütterung unerreichbar sind und bleiben. Ausser ihr kauft diese Dinger auf und hofft, dass ihr den Kaufpreis reinkriegt, bevor die Massen weiterziehen zum nächsten heissen Scheiss.
Wie sich unsere österreichischen Nachbarn fürs Web 2.0. fit machen, zeigt der kürzlich erschienene „Guide für neue Medien und Online-Marketing“ von Werbeplanung.at.
Im Bericht zur Lage der Nation ist zu erfahren, „welche Online-Kampagnen in der letzten Zeit überzeugen konnten und was schlaue Onliner über die Zukunft denken“ – und lohnt einen Blick, denn gelistet werden die 450 wichtigsten buchbaren Online-Werbeträger und die relevanten New-Media-Agenturen Österreichs.
Werbeplanung.at ist Österreichs Fachmedium für Online-Marketing, natürlich mit Blog, auf dem die Marketingexperten unter anderem über die österreichischen Onliner des Jahres 2007 berichten.

Dieser Schweizer Schönling hat eine eigenwillige Interpretation von User Generated Content: Man fotografiere sich halbnackt, füge ein Gucci Logo hinzu und buche für 50.000 $ eine zweiseitige Anzeige bei der Schweizer Sonntagszeitung. Die Rechnung schicke man an – Gucci, na klar.
Does this man need help or is he the industry's answer to guerrilla marketing?
fragt Adrants.
Alle anderen freut’s – die Autoren, die Leser, die Medien.
Bei Gucci hält sich die Freude über eine ganze Menge Publicity for free in Grenzen. Nur Gucci hat natürlich noch nicht erkannt, wie toll es ist, dass „Inhalte anderen Interessierten kostenfrei zur Verfügung gestellt“ werden . Und lässt den Täter jagen.
Was wäre, wenn... die Gestaltungsprinzipien des Web 2.0 auf bekannte Logos angewandt würden? Die Antwort bei flickr und im Spiekerblog.
Laut Technorati haben bis jetzt 162 Blogs einen Link auf dieses Video publiziert. Vorgestern war es im Agenturblog und am Sonntag schon im Lummaland, heute Nacht in meinem Posteingang. Und im Spreeblick natürlich auch. Also gut. Ihr habt es nicht anders gewollt.
Das Video stammt von Michael Wesch. Er schreibt dazu u.a.:
Web 2.0 in just under 5 minutes.
This is the 2nd draft, and I plan on doing one more final draft. Please leave comments on what could be changed or improved, or what needs to be excluded or included. Subscribe if you want to be notified when the revision is released.
UPDATE: I just added this video to Mojiti where you can actually write your comments into the video itself. It is an exciting experiment in "Video 2.0". Go check it out at http://mojiti.com/kan/2024/... and add your voice![...]
A higher quality version is available for download here: http://www.mediafire.com/?6... Please note that this is the second draft and the final version will not be available until late February after I review all comments and revise the video. Please return for a new download link at that time.
The song is "There's Nothing Impossible" by Deus, available for free at http://www.jamendo.com/en/a...
Deus offers music under a Creative Commons Attribution-NonCommercial- ShareAlike 2.0 license, yet one more example of the interlinking of people sharing and collaborating this video is attempting to illustrate.

Diese Frage - längst nicht mehr rein akademisch, aber dafür rhetorisch - hat inzwischen auch die Handelswerbung erreicht. Auf dem Deutschen Handels-Werbekongress 2007 beschäftigt sich damit ein Medien-Gipfel auf prominentem Platz am ersten Kongressvormittag.
Die Keynote ("Zukunft Digitalisierung! – Haben klassische Medien ausgedient? Kommunikation in der Ökonomie der Peer Production") hält Miriam Meckel, Professorin für Corporate Communication und Direktorin des Institutes für Medien- und Kommunikationsmanagement an der Hochschule St. Gallen. Danach folgt ein Impulsreferat von Matthias Schrader zum Thema "Retail Advertising in the digital age – Wie wird die Handelskommunikation von morgen aussehen? Wird Web 2.0 die Handelskommunikation verändern?". Anschließend diskutiert eine hochkarätig besetzte "Top-Medienrunde" über diese Thesen.
Termin: 14. und 15. Februar. Ort: Wiesbaden. Mehr zum Programm hier.
Und zwar über Web 2.0. So schreibt Thomas Mader in einem Kommentar ("Die Macht der Veränderung") für die morgige Ausgabe:
Das Flugzeug als Massentransportmittel hat der Globalisierung den entscheidenden Stoß gegeben, doch erst mit dem Internet ergreift eine ungeheure Beschleunigung unser Leben, sie ist längst nicht mehr nur virtuell. Die Chance und der Druck, immer informiert und erreichbar zu sein, haben zugenommen. Aber das wirklich Neue am neuen Internet ist die Chance der Teilhabe. Das Web 2.0 ist ein Mitmach-Netz.
Die Version 2.0 fasst Entwicklungen und Innovationen zusammen, die sich durchgesetzt haben seit dem wirtschaftlich und psychologisch tiefen Fall der Internet-Wirtschaft in 2001. In seiner Anfangsphase war das Netz vor allem ein darstellendes Medium. Doch mittlerweile reagieren Internetseiten wie richtige Programme. Und viele kann man gar mitgestalten. Die Wichtigste: In "Communitys" finden Menschen Gleichgesinnte oder Diskussionsgegner, Geschäftspartner oder ähnlich Kaufende.
Diese "Gemeinden" sind, wie jeder Ballungsraum, wirtschaftlich ungemein interessant. Denn Nutzer sind potenzielle Kunden - und Mitarbeiter. Die so genannten "Nutzergenerierten Inhalte" sind Informationswaren, die der Kunde freiwillig und umsonst erstellt. Er schreibt Lexikon-Einträge bei Wikipedia oder macht als Leserreporter Fotos für seine Zeitung. Auch das ist wahr: Die Sozialarbeit im Netz führt zu einem Wertverlust der Arbeit in der realen Welt.
Die WAZ startet eine Serie, mit der "die Facetten dieser digitalen Revolution beleuchtet werden" sollen. Vorboten von Westeins?
Voll des Lobes ist Matthias Schrader vom Kongress Online-Handel 2007 zurückgekehrt. Die von ihm moderierte Session ("Web 2.0 - Der Turbo für den Online-Handel?") sei wirklich sehenswert gewesen, die Co-Referenten Andreas Milles/Spreadshirt und Markus Krechting/neckermann.de absolut überzeugend.
An die Session schloss sich eine spannende Diskussion auf dem Zukunftspanel an. In der vertrat Matthias Schrader die These, dass den Infrastrukturthemen die ganz große Zukunft beschieden sei. Beispiele: Google und das Betriebssystem der Werbung, Amazon als Infrastruktur- und Logistikbetreiber für Versandhandel sowie Ebay mit Paypal und Skype als Plattform für den Handel zwischen Konsumenten.
Wie gewohnt hier die Schraderschen Folien [Quicktime, 102 MB].
Für den Terminkalender: Vom 11. bis 13. April veranstalten Spreeblick und newthinking communications die re:publica 2006 2007. Und irgendwie hängt auch noch netzpolitik.org mit drin.
Soziale Netzwerke, Blogs, Podcasts, Videocasts, Online- und Offline-Communities und -Services - all diese Aspekte werden bei der re:publica ebenso umfassend zur Sprache kommen wie Hintergründe, die Philosophie, die Prinzipien, die rechtlichen Grundlagen der sozialen (R)evolution im Netz.
So eine Art Digital Lifestyle Day von unten? Bisschen Barcamp, bisschen Konferenz, Kultur und Politik? Ich bin gespannt. [via Oliver Gassner]
In eigener Sache (auch unter dem Namen next07 bekannt) liegen wir gerade in den letzten Zügen vor der Ankündigung. Alles - Termin, Redner, Sponsoren etc. - hängt, das mussten wir in den letzten Monaten schmerzhaft lernen, am Veranstaltungsort.
Der war uns im letzten Jahr praktisch in den Schoß gefallen. Unser neues Büro steht, das war der Sinn der Übung, nicht mehr zur Hälfte leer...
Doch wenn jetzt nichts mehr schief geht, werden wir in Kürze einen wirklich genialen Ort (und damit Termin etc.) präsentieren können. Bitte am Draht bleiben.
Heute ist StudiVZ der Aufmacher des FAZ-Feuilletons. Wer hätte das noch vor vier Wochen gedacht? Der Titel: Was StudiVZ teuer macht. Die Antwort steht im Themenblog.

Die Beletage der meistbesuchten deutschen Websites fängt nach Ansicht des Spiegel offensichtlich bei Platz 15 an. Deshalb müssen sich die MySpace-Gründer Tom Anderson und Chris DeWolfe im Spiegel-Gespräch von Frank Hornig vorhalten lassen, dass MySpace in Deutschland erst auf Platz 16 steht (nachdem DeWolfe erwähnt hat, dass MySpace in .de nach drei Monaten bereits 2,5 Millionen Mitglieder hat).

Hingegen berichtet Marcel Rosenbach, der zwei Spalten weiter rechts den Holtzbrinck-Manager Konstantin Urban zitiert, StudiVZ habe es "aus dem Nichts" schon "unter die Top 15 der meistbesuchten deutschen Seiten geschafft" - mit über einer Million Mitgliedern, also etwa halb so vielen wie de.MySpace.com.

Spätestens die StudiVZ-Übernahme durch Holtzbrinck hat, soviel ist klar, das Thema Community auf die Agenda gesetzt. Zumindest in der Variante Bubble 2.0: letting the community do all the work while you collect the money.
Mehr zum Thema heute in der FAZ:

Auch mir eine tägliche Qual - und ein Quell der Freude, wenn sie denn erst erledigt ist. Spreeblick glossiert treffend:
Um den Kick noch zu erhöhen, empfehle ich als Geniesser das Hinauszögern des Ausfüllens. Man fühlt sich wie ein Tatort-Kommissar, wenn man sich sein eigenes Alibi aus Terminkalender, alten Mails, Dateiänderungsdaten und dem guten alten Fingersaugen zusammensetzen darf. „Was genau haben sie am 25.8. zwischen elf und einundzwanzig Uhr gemacht?“
Stundenerfassung 2.0 ist Mite. Was sonst noch zu sagen ist, sagt Spreeblick.
Kleiner Schreck in der Morgenstunde: Der Fischmarkt war heute früh komplett leer. Jedenfalls in der linken Spalte. Das lag an der Weihnachtspause und daran, dass auf der Startseite nur die Einträge der letzten sieben Tage angezeigt wurden.
Das neue Jahr kann nicht ohne unsere beiden Stammthemen beginnen: E-Commerce und Web 2.0. Der Kongress Online-Handel 2007 ("Kick-Off 2007 für eine Branche im Aufbruch") kommt an dieser Themenkombination auch nicht vorbei.
Am 16. Januar, dem ersten Kongresstag, hat Matthias Schrader den Vorsitz einer Session mit dem Titel "Web 2.0 - Der Turbo für den Online Handel?". Nach seinem Einführungsreferat ("Web 2.0 – Wo liegt die Zukunft des Internet-Handels? Worauf setzen erfolgreiche Online Händler zukünftig?") spricht der alte Ami Andreas Milles über Markenführung im Web 2.0 am Beispiel von Spreadshirt, bevor schließlich Dr. Markus Krechting, Direktor Marketing & Neue Medien bei neckermann.de (noch KarstadtQuelle) seine Thesen zur Bedeutung und Entwicklung von Web 2.0 für den E-Commerce ("Vom Konsumenten zum Produzenten") vorträgt. Das weitere Kongressprogramm hier.
Und da wir gerade über Kongresse sprechen: Die Liste der Sprecher auf dem DLD sieht beeindruckend aus.
Die Internet World, man muss es an dieser Stelle einfach mal sagen, ist nach gut einem Jahr im neuen Format ungefähr das geworden, was seinerzeit Klaus Madzia mit Net-Business seligen Angedenkens werden wollte - das Zentralorgan der hiesigen Webwirtschaft. Mit Blick auf den nahen Jahreswechsel hat das Blatt auch Matthias Schrader gefragt, wie er zurück- und vorausblickt. Hier die Fragen und Antworten.
Welche Unternehmen sind denn für Sie jeweils die Auf- und Absteiger des Jahres und warum?
Aufsteiger sind alle Unternehmen, denen es gelingt, Marke und Vertrieb durch innovative digitale Plattformen zusammenzubringen. Leuchtturm 2006 war in diesem Sinne sicherlich Apple mit nikeplus.com. Aber auch von vielen Startups haben wir tolle Ideen gesehen.
Absteiger sind für mich die, die a) auf die nächste Blase warten und b) selbst helfen, diese Blase entstehen zu lassen. Es gibt und gab zu viele Quick-Flips (übersetzt etwa: gründen, um schnell zu verkaufen) in diesem Jahr.
Was waren in diesem Jahr die speziellen Herausforderungen für Ihre Branche allgemein? Welche Hauptentwicklungen sahen Sie in diesem Jahr?
Das Wort des Jahres war Web 2.0. Jetzt gilt es, aus einem Schlagwort für unsere Kunden sinnvolle Lösungen zu entwickeln, die sich nicht zuletzt auch rechnen lassen.
Was waren in diesem Jahr die speziellen Herausforderungen für Ihr Unternehmen?
Wie in jedem Jahr: die besten Talente für SinnerSchrader zu gewinnen.
Welche Erwartungen haben Sie für das Jahr 2007?
Dass die Themen, über die wir 2006 geredet haben, 2007 umgesetzt werden.
Neu bei arena: der BarFinder. Nur echt mit dem Google-Maps-Mashup. Hier um die Ecke gibt es gleich drei solcher Fußballtresen.

Mit dem freundlichen Hinweis auf die Weihnachtsaktion der Neuen Informatik erinnert mich Maximilian Diener an den Stapel noch zu versendender Weihnachtskarten auf meinem Schreibtisch.
"Feiern Sie Weihnachten 2.0", lese ich auf der Karte der Informatik, "...mit Ihrer Social Community vor dem Weihnachtsbaum, generieren Sie Content mit lieben Briefen und Gedichten, und lassen Sie auch einmal andere für sich arbeiten!"
Zum Beispiel so: Scholz & Volkmer lässt Geschenke denken, die Neuen Informatiker empfehlen Bücher.

Seit gestern trifft sich das Who is who der europäischen Webszene in Paris auf der Le Web 3. Von dort berichtet live unser Korrespondent Mark Pohlmann. Hier sein erster (von gestern) und sein zweiter Bericht. (Simon Perres ist übrigens in Deutschland besser als Schimon Peres bekannt.)
Die angekündigten Live-Videos funktionieren dem Anschein nach nicht. Nachtrag 14:27 Uhr: Gerade fängt mein Kopfhörer an zu quaken - es gibt ein Livebild aus Paris.
Wie immer ohne Tonspur: die Folien (Flash, 52 MB) zu einem Vortrag, den Matthias Schrader am 27. November bei der Deutschen Bank in Frankfurt hielt.
Nein, leider können wir die Tonspur nicht nachliefern. ;)
Nachtrag: Auf vielfachen Wunsch kommt hier eine Alternative zu Flash - die Folien als Quicktime-Movie (75 MB).
Für 30 Euro geht die openBC-Aktie an die Börse, und exakt auf 30 Euro lautet auch der erste Kurs.
Der erste Börsengang der Ära Bubble Web 2.0 ist damit in trockenen Tüchern. Glückwunsch an Lars Hinrichs & Co.!
Mit 30 Euro wird openBC am unteren Ende der Preisspanne bewertet, die bis 38 Euro reichte. Da alle Aktien plaziert wurden, liegt der Gesamterlös aus dem Börsengang bei 75,2 Millionen Euro, openBC ist damit 156 Millionen Euro wert.
12.38 Uhr
Der Kurs hängt seit drei Stunden wie festgenagelt kurz über der 30-Euro-Marke. Was jetzt vermutlich geschieht: Die Konsortialbanken kaufen, solange das Angebot größer als die Nachfrage ist, Stück für Stück den Greenshoe zurück.
14.52 Uhr
Der Kurs ist unverändert. Ben Schwan rechnet vor, wer wieviel bekommt und hat eine erste Presseschau.
15.17 Uhr
Wann und wo hat Lars Hinrichs die wahrscheinlich erste öffentliche Andeutung zum möglichen Börsengang von openBC gemacht? Es war am 11. Mai auf der Next 10 Years in Hamburg. Hier der Videobeweis (die Passage beginnt in der 37. Minute):
Christian Rickens hat den Dialog im manager magazin 7/2006 niedergeschrieben:
Hinrichs: "Auf jeden Fall, wir haben eine Bubble 2.0, und es wird auch wieder eine gewisse Down-Phase geben."
Leybold: "Bubble 2.0 ist ein großer Ausdruck. Im Moment wird zwar alles ein bisschen überbewertet. Aber wir haben noch nicht die Börse, die überreagiert wie in den späten 90ern."
Hinrichs: "Das heißt, wir haben noch zwei Jahre, um einen Börsengang zu machen?"
(Wird fortgesetzt.)
Die Zeichen der Zeit sind bereits erkannt: Nach Web 2.0 ist es nun Zeit für Web-Analyse 2.0 und damit auch KPI 2.0. Erfolg ist planbar, auch im Web. Jörg Tschauder hat dies bereits in seiner Präsentation auf dem Internet World Kongress in München gezeigt.
Auf dem Online Marketing Forum am vergangenen Donnerstag wurde der Faden jetzt wieder aufgenommen und weiter gesponnen. Das Einführungsreferat machte es uns noch einmal deutlich: Während das Thema Web 2.0 im Publikum noch Stöhnen hervorrief („Schon wieder!“, „Gibt es nichts Neues?“), verwies Dimitrios Haratsis (eprofessional) auf den nächsten fälligen Schritt, den es zu diskutieren galt: Um Web 2.0 messen und steuern zu können, benötigen wir Web-Analyse 2.0.
Wie viele User haben meine Seiten besucht? Wie viele Pageimpressions generieren die User? Wie viele Produkte habe ich verkauft? Erfolgskontrolle hin oder her - im Rahmen von Web 2.0 reicht es nicht mehr aus, nur zu wissen, was war.
Um eine erfolgreiche Website zu gestalten, muss ich auf das Verhalten meiner User stärkeren Einfluss nehmen. Das erreiche ich, wenn ich mich stärker an den Bedürfnissen der einzelnen User orientiere, für jeden User zur richtigen Zeit das richtige Angebot habe.
Doch um die richtigen, kundenindividuellen Inhalte anbieten zu können, muss ich meine User besser kennen, müssen die richtigen Fragen gestellt werden. So zum Beispiel: Welche Eigenschaften hat mein User? Welchem Segment kann ich ihn zuordnen? Erkenne ich den User am Verhalten wieder?
Der Weg ist bereitet, nun muss er beschritten werden.
Die Zeichnungsfrist hat heute begonnen und endet am Mittwoch für Privatanleger um 12.00 Uhr (MEZ) und für institutionelle Anleger um 14.00 Uhr (MEZ).
Mit 30 bis 38 Euro wird die Aktie eher am unteren Ende der im Börsenprospekt nachzulesenden Erwartungen bewertet, die bis 58 Euro reichten. Der Gesamterlös aus dem Börsengang würde, falls alle Aktien plaziert werden, zwischen 75,2 und 95,4 Millionen Euro liegen, openBC wäre dann 156 bis knapp 198 Millionen Euro wert.
Die nicht enden wollende Liste der Peinlichkeiten bei StudiVZ ist die Trumpfkarte der Haderer und Zauderer, sich eben nicht mit Social Software zu beschäftigen. Und dieser Flurschaden geht weit über das Wirkungsfeld von StudiVZ hinaus. Weiter im themenblog...

Der jetzt vorgelegte Börsenprospekt von openBC gibt erste konkrete Anhaltspunkte, welche Bewertung sich Konsortialbanken und Altaktionäre versprechen. Nach meiner Rechnung, die ich gleich näher erläutern werde, käme openBC demnach auf eine Börsenbewertung zwischen 150 und 270 Millionen Euro. Die Preisspanne für die Aktie läge zwischen knapp 30 und knapp 52 Euro.
Aber nun zu den Details. Angeboten werden bis zu 2,5 der insgesamt 5,2 Millionen Aktien, also gut 48 Prozent der Firma. Davon stammen bis zu 1,35 Mio. Aktien aus einer Kapitalerhöhung, deren Erlös an openBC fließt. Der Nettoerlös daraus soll zwischen 35,6 und 63,7 Mio. Euro liegen. Dazu kommen die Kosten des Börsengangs von 4,8 Mio. bis 6,2 Mio. Euro. Der Gesamterlös aus der Kapitalerhöhung läge demnach zwischen 40,4 und 69,9 Mio. Euro.
Die Kapitalerhöhung entspricht maximal 26 Prozent des Grundkapitals. Das gesamte Grundkapital (und damit das Unternehmen) wäre demnach 155 bis 270 Millionen Euro wert. Unter der Annahme, dass die Kapitalerhöhung vollständig ausgeschöpft würde, kostete eine Aktie also minimal 29,93 und maximal 51,78 Euro.
Noch Fragen?

Gestern ging in Stockholm die Sime06 zuende. Den ersten Kongresstag hat Marko Ahtisaari in sieben Punkten zusammengefasst:
1. Bubble trouble: interpreting history through purely financial cycles will cause you to misinterpret what's happening
2. Consumer power: they make the media, they listen to each other, corporations must adapt to communicate with those rules
3. Packaging experiences: those companies who overinvest in making things beautiful and simple to use will win
4. The end of anonymity: we're no longer dogs on the internet. A growing importance of online communication based on real identities
5. Small group communication: from shouting to a mass, to engaging a group of 3-10 people to communicate with each other
6. Undeniable trend toward advertising business models: spinal tap for companies especially in mobile telecoms. Users represented by proxies
7. Let's believe in Europe: in 5 years, over half of the top internet brands will be launched and run from Europe
Die nächsten Kongresse rücken schon näher: Am 11. und 12. Dezember findet in Paris die dritte Les Blogs statt, jetzt Le Web 3 (Web 3.0?). Loïc Le Meur rechnet mit bis zu 900 Teilnehmern, gestern waren bereits 692 registriert. Nachtrag: Es gibt noch 100 Plätze, nächste Woche wird die Registrierung geschlossen. So etwas wünsche ich mir für das kommende Frühjahr...
Vom 21. bis 23. Januar 2007 macht der Kongresszug in München Halt, beim Digital Lifestyle Day, auch als der digitale Bambi bekannt.
Anfang Februar geht es dann in Genf weiter. Die Lift07 (vom 7. bis 9. Februar) hat in dieser Woche das Kongressprogramm veröffentlicht.
Oder darf es Kalifornien sein? Dort ist im März (vom 7. bis 10.) die TED ("Icons. Geniuses. Mavericks"). Das Logo erinnert ein wenig an das der SPD.
In Las Vegas lädt Microsoft vom 30. April bis 2. Mai zur MIX07 ein. Die Registrierung ist für Anfang Januar angekündigt.
Viel weiter reicht der Blick im Moment noch nicht voraus. Aller Voraussicht nach im April werden wir die Neuauflage der Next 10 Years erleben. Und die neunte reboot dürfte wohl wie immer Anfang Juni sein.
Derzeit stecken wir mitten in den Vorbereitungen für die Nachfolgeveranstaltung der Next 10 Years. Nein, einen Termin können wir noch nicht nennen, und der neue Name wird auch noch nicht verraten. Jedenfalls nicht von mir.
Bei diesen Vorbereitungen fragen wir uns, wie sich der Kongress im nächsten Jahr von ähnlich gelagerten Veranstaltungen unterscheiden soll. Und wer dort sprechen wird. Dabei hilft nun ein Überblicksartikel aus der aktuellen Ausgabe des GDI Impuls, verfasst von Bruno Giussani, Autor eines Blogs mit dem wunderbaren Titel "Lunch over IP".
Giussani berichtet von fünf Konferenzen aus dem ersten Halbjahr 2006, darunter der Digital Lifestyle Day und die reboot. Zu seinen Stars gehören Al Gore, Joichi Ito, René Berger, Norbert Bolz und Robert Scoble. Ein PDF gibt es hier, den Text in englischer Sprache dort.
Gestern war ich in der einzigen Weltstadt ohne Flughafen. Erfreulicherweise ist sie aber vom völlig überdimensionierten Flugplatz der benachbarten Provinznester Freising und Erding aus in schlappen 45, gefühlten 90 Minuten per S-Bahn zu erreichen.
"Web 2.0 - Wie verändern sich Medien und PR?" fragte news aktuell dort beim media coffee. Doch wer nach dem kleinen Skandal bei einer thematisch ähnlichen Veranstaltung in Hamburg etwas Remmidemmi erwartet hatte, der sah sich getäuscht. Denn in München herrschte überwiegend Einigkeit auf dem Podium: Irgendwie ist das alles nicht neu mit dem Web 2.0, haben wir schon immer so gemacht, und verändern wird sich auch nicht viel.
Leider stellte sich heraus, dass die Medien- und PR-Vertreter sich lieber mit sich selbst beschäftigen und dabei versuchen ihr bisheriges Businessmodell bis in alle Ewigkeit einfach nur fortzuschreiben, ohne sich gegenüber den Chancen des Web 2.0 zu öffnen und selbst kreative Modelle zu entwickeln.
Dieser Einschätzung von PR-Blogger Klaus Eck habe ich nicht viel hinzuzufügen. Rainer Tief, der den Bayerischen Rundfunk auf dem Podium vertrat, verkauft seinen Sender und das ganze öffentlich-rechtliche System exzellent. Er war lange genug PR-Mann.
Doch er verkennt völlig, wie auch der zweite Medienvertreter in der Runde, Rainer Kerl von sueddeutsche.de, dass nicht mehr der reichlich vorhandene Content, sondern der Context King ist. Hier wird der Wert geschaffen, hier werden die Schlachten geschlagen, und das klang in der Diskussion nur gelegentlich an.
Requiescant in pace.
Ausführlicher Bericht und die Diskussion zum Nachhören bei mediacoffee.de
Matthias Schrader meinte neulich, das Tabbrowsing sei eigens für uns Fischmarktbeschicker erfunden worden, damals in der schlechten Zeit, als es den Fischmarkt noch nicht gab und kein Mensch draußen in der Welt etwas vom Web wissen wollte. Womöglich hat er Recht.
Seit zwei Tagen weiß ich, dass ich mit dem Mausrad durch die Tiefen unzähliger Karteireiter navigieren kann. So findet sich die eine oder andere Preziose wieder, die ich der Leserschaft nicht vorenthalten möchte. Oder anders gesagt: Mangels Alternativen zumuten muss.
- Warum das mobile Web nicht so recht in Gang kommt, aber es vielleicht doch noch Hoffnung gibt, erläutert die Technoloy Review in einem längeren Aufsatz (9.650 Zeichen).
- Längere Suaden, gern auch zu Fischmarktthemen, schreibt André Schuster, ein Kollege aus dem dritten Stock, bei pixelschubsen.de.
- iBusiness wird 3.0. Der Hightext Verlag wird 15 und feiert deshalb heute die Party 3.0. Herzlichen Glückwunsch! Ich bin schon fast auf dem Weg nach München.
- Wer mit Web 2.0 so langsam durch ist und sich schon einmal auf Web 3.0 vorbereiten möchte, dem sei Dan Farber ans Herz gelegt: Web 2.0 isn’t dead, but Web 3.0 is bubbling up
Andere arbeiten lassen, das legendäre AAL-Prinzip, gehört zu den Grundlagen jeder sozialen Software. Durch dieses Prinzip wird ein großer Teil jenes Wertes generiert, den openBC in Kürze an der Börse zu Geld machen möchte.
Gestern hatte ich Gelegenheit, mehr als einen schnellen Blick auf die neue Xing-Plattform zu werfen, die voraussichtlich am Sonnabend starten wird. Die frisch gewandelte AG lud verdiente Kräfte des Clubvolkes und Freunde des Hauses zur Käfersuchparty ein.
Merke: Auch die Fehlersuche lässt sich sozialisieren, und zwar erfolgreich. Dem Sichelputzer trug sein Engagement eine Flasche des Produktes der Witwe ein.
Die neue Plattform ist aufgeräumt, hell, freundlich und nach kurzer Orientierungsphase problemlos zu benutzen. Oder, um es mit den Worten von Robert Basic zu sagen:
Vorher war es gute, alte deutsche Ingenieurskunst… für Panzerbau, geradlinig und robust :)) Mit dem neuen Design ist es modern, ansprechend und wesentlich übersichtlicher geworden. Nö, nicht klickibunti Web 2.0.
Optisch ein radikaler Schritt nach vorn, doch die vertraute Funktionalität wird nicht komplett neu sortiert. Was insbesondere bedeutet, dass die Bedienbarkeit noch steigerungsfähig und der Relaunch insofern ein notwendiger Zwischenschritt ist.
Früher oder später wird sich auch die Schere zwischen Aufwands- und Ertragserwartungen schließen, aus der die offensichtlich enorme Bewertung von openBC hervorgeht. Jene Nutzer, die bislang unentgeltlich zur Wertschöpfung beitragen, werden früher oder später entlohnt werden müssen. Dafür wird der Wettbewerb sorgen, keine Frage. (Und da reden wir nicht über 30 oder 40 Millionen.) Dies als kleine Lehre aus sieben Jahren an der Börse.
Und noch einen Unterschied gibt es:
1999: Die Altaktionäre haben im Rahmen des Börsengangs keine Aktien abgegeben.
Die Zeiten ändern sich. Nein, kein Neid. Bislang hat Lars Hinrichs mit openBC/Xing einfach vieles richtig gemacht. Möge das so bleiben.

Zwar etwas kurzfristig, aber sei es drum: Am Donnerstag findet das 2. Dresdner Zukunftsforum statt. Der prominenteste Sprecher ist Tim O'Reilly. Doch den größten PR-Coup haben die Veranstalter mit Jaron Lanier gelandet, der gestern im Spiegel vor dem gefährlichen Glauben an die Weisheit der Massen warnte.
Derzeit wird die Vorstellung immer populärer, das Kollektiv könne nicht nur Zahlenwerte wie einen Marktpreis ermitteln, sondern verfüge als eine - gern Schwarmgeist genannte - höhere Intelligenz über eigene Ideen, ja sogar über eine überlegene Meinung. Eine solche Denkweise hat in der Geschichte schon mehrfach zu sozialen und politischen Verheerungen geführt. Mir bereitet die Vision Sorgen, nur das große Ganze, das Kollektiv sei real und wichtig - nicht aber der einzelne Mensch. Das war der Fehler in allen totalitären Ideologien, vom Nazi-Regime über Pol Pot bis zu den Islamisten.
Das Interview hat völlig zu Unrecht bislang kaum Verbreitung in deutschsprachigen Blogs gefunden. Bis dato hat es neben dem Veranstalter-Blog selbst nur das Bildblog (!) erwähnt. (Was daran liegen könnte, dass der Text nicht im Netz verfügbar.)
"Fischen im Web" überschreibt die acquisa die Titelgeschichte ihres Novemberheftes. An diesem programmatischen Titel kommt der Fischmarkt selbstverständlich nicht vorbei (Danke, Jochen Krisch!).
"Web 2.0 wird auch den Vertrieb nachhaltig verändern", erwartet das Fachblatt und dekliniert die neuen Möglichkeiten im Detail durch. Das Fazit am Ende indes klingt wenig verheißungsvoll:
Innovative Ideen haben es mitunter schwer, sich in den Unternehmen durchzusetzen. Das größte Dilemma: Da eine organisatorische Zuordnung weitestgehend fehlt, landen in der Praxis häufig alle Internet-Projekte auf dem Tisch des Online-Marketing-Managers – sofern es ihn gibt. »Selbst große Unternehmen haben maximal ein oder zwei Personen, die für Online-Marketing verantwortlich sind.«
Im begleitenden Interview schließlich kommt Willi Schroll zu Wort, dem langjährigen Fischmarkt-Leser bereits als Co-Autor einer Geschichte im manager magazin bekannt.
Marketing und Vertrieb müssen im Web 2.0-Zeitalter enger zusammenarbeiten, denn das Verhalten der Märkte wird insgesamt schwarmhafter und fluktuierender. Es entstehen leichter Kettenreaktionen als früher. Die Trendabhängigkeit der Märkte nimmt zu. Hier muss das Marketing dem Vertrieb mehr Rückmeldungen geben. Eine intensive interne Kommunikation ist daher unabdingbar.
Was bislang nur spekuliert werden konnte (etwas anderes lassen die Börsenregeln nicht zu), ist nun offiziell bekannt: openBC geht in den nächsten sechs Monaten an die Börse.
Mir fiel heute morgen auf, dass die Mails von openBC jetzt statt "Open Business Club GmbH" die "Open Business Club AG" in der Fußzeile nennen. Das ist, wie sich schnell herausfinden ließ, schon seit Mitte Oktober so. Man hätte also, ähnlich wie seinerzeit bei der Umbenennung in Xing, darauf kommen können, dass es ernst wird.
Die Zahlen sehen nicht schlecht aus:
Im abgelaufenen Geschäftsjahr (01.07.2005 bis 30.06.2006) konnte die OPEN Business Club AG ihre Umsatzerlöse von 1,62 Millionen Euro im vorangegangenen Geschäftsjahr (01.07.2004 bis 30.06.2005) auf 5,99 Millionen Euro steigern. Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres (01.07.2006 bis 30.09.2006) erzielte die OPEN Business Club AG Umsatzerlöse in Höhe von 2,79 Millionen Euro und ein positives Ergebnis.
Und auch über Mitgliederzahlen und den Anteil zahlender Kunden muss nicht länger spekuliert werden:
Seit ihrem Start im November 2003 verzeichnet die Plattform einen starken Anstieg ihrer Mitgliederzahl, die im letzten Quartal um ca. 23 Prozent wuchs. Per Ende September 2006 hatte die Plattform knapp 1,5 Millionen Mitglieder. [...] Die OPEN Business Club AG setzt auf ein beitragsfinanziertes Geschäftsmodell. Bereits rund 13 Prozent der Mitglieder nutzen das kostenpflichtige, erweiterte Leistungsangebot der Premium-Mitgliedschaft für 5,95 Euro pro Monat.
13 Prozent von 1,5 Millionen multipliziert mit 5,95 Euro ergibt 1,16 Mio. Euro. Im Monat.
Falls Investoren unter uns sind - Mitglieder werden bevorzugt:
Die OPEN Business Club AG plant, im Rahmen des beabsichtigten Börsengangs Aktien an bestimmte Mitglieder bevorrechtigt zuzuteilen. Dazu werden zahlende Premium-Mitglieder, Moderatoren und besonders engagierte Mitglieder, die jeweils bereits am 1. Oktober 2006 Premium-Mitglied waren, sowie Mitglieder der „ersten Stunde“ zählen, sofern die Mitgliedschaft der jeweiligen Mitglieder am Tag der Billigung eines zu veröffentlichenden Wertpapierprospekts noch ungekündigt fortbestand, sie ihren Wohnsitz in Deutschland oder in der Schweiz haben und bestimmte weitere Voraussetzungen erfüllen. Näheres dazu finden die Mitglieder in Kürze unter corporate.openbc.com/de.
Gegenstand neuer Spekulationen wird jetzt der genaue Termin des Börsengangs sein. Den kann openBC heute nicht nennen. Vielleicht aber schon bald. Bei uns vergingen seinerzeit zwischen der offiziellen Ankündigung des Börsengangs und der Bekanntgabe des Termins nur gut zwei Wochen.
Man wird sich den heutigen Tag jedenfalls im Kalender notieren dürfen. Das Web 2.0 in Deutschland hat seinen ersten Börsengang. Verläuft er erfolgreich, wird es weitere geben. Und auch die Frage nach der Bubble 2.0 wird vermehrt gestellt und beantwortet werden.
Über die Börsenbewertung von openBC hatte Peter Turi vor einigen Wochen spekuliert:
Geschätzter Firmenwert: 200 Millionen Euro.
Noch höhere Zahlen nennt die FAZ:
Mehr als die Hälfte des Emissionserlöses, der von Branchenkennern auf weit mehr als 100 Millionen Euro geschätzt wird, fließt dem Unternehmen zu, sagte Hinrichs.
Der Spiegel (oder vielmehr itz/Dow Jones) weiß mehr dazu:
Wie Hinrichs weiter sagte, werden die Altaktionäre ihre Anteile im Rahmen des Börsenganges nicht komplett verkaufen. Nähere Einzelheiten zu den finanziellen Details des Börsenganges wollte er nicht nennen.
Eine Gruppe von Privatinvestoren aus dem Investorenkreis der schweizerischen BrainsToVentures hatte im Mai 2004 in die Open Business Club GmbH investiert. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden. BrainsToVentures betreut eigenen Angaben zufolge unternehmerischen Privatinvestoren, die ihr Kapital, Netzwerk und Expertise in schnell wachsende Unternehmen investieren.
Im November 2005 hatte OpenBC weitere rund 5,7 Millionen Euro Risikokapital erhalten. Angeführt wurde diese Finanzierungsrunde von dem Venture-Capital-Unternehmen Wellington Partners. Daneben beteiligten sich aber auch die Altinvestoren von BrainsToVentures an dieser Transaktion.
Zu den Expansionsplänen schreibt die FTD:
Ab 2007 startet Open BC zudem einen Marktplatz, um Dienstleistungen, Aufträge und Jobs anbieten zu können. "Wir begeben uns damit in eine direkte Konkurrenz mit Jobbörsen", sagte Hinrichs.
Der bekannte Börsenexperte und Highfishdienstleister Rainer Meyer alias Don Alphonso sieht diese Pläne kritisch und kommt daher zu einer konservativeren Bewertung der Aktie:
Kein Kauf. Jedenfalls ist der Wert nicht grösser als 20 Millionen, aber selbst das ist zu viel, wenn OpenBC das Geld für neuen Krempel verschwendet, als wäre es 1999.
(Wird fortgesetzt.)
"Wie Web 2.0 die Reisebranche verändert", beschreibt Jakob Strobel y Serra in der heutigen FAZ. Seiner Ansicht nach
deutet sich hier ein mögliches Geschäftsmodell der Zukunft an, das noch Utopie, aber keineswegs illusorisch ist: die Wandlung von Community-Seiten zu virtuellen Reisebüros mit quantitativer Totalberatung. Nicht mehr nur ein Reisebüromitarbeiter, der in ein paar Katalogen blättert, hilft dem Kunden bei seiner Wahl, sondern die große Gemeinde der User, die aufgrund der Masse ihrer Bewertungen die Entscheidung leichtmacht. Gebucht wird dann sofort online. Das wäre die Revolutionierung der klassischen Reisebüroidee quasi durch die virtuelle Hintertür.
Im Großen und Ganzen eine sehr gute Geschichte, sieht man von der Kleinigkeit ab, dass Tim O'Reilly als "der inoffizielle Erfinder des Netzes" bezeichnet wird, was wohl eine Verwechslung mit dem anderen Tim ist.
Dreißig Prozent der deutschen Internetnutzer haben bereits ein Produkt nicht gekauft, weil sie negative Kommentare von anderen Nutzern im Internet gelesen haben. Im Gegenzug geben 56 Prozent an, sich von positven Kommentaren beeinflussen zu lassen. Mehr im Themenblog

Peter Turi hat Jochen Wegner besucht, unter dessen Ägide zum Jahreswechsel Focus Online runderneuert wird, und darüber für das "Medium-Magazin für Journalisten" berichtet.
„Wir Online-Redakteure sind in wenigen Monaten von den Sorgenkindern zu Hoffnungsträgern geworden“, sagt Wegner und amüsiert sich darüber.
Was haben Web 2.0 und der Heilige Nikolaus gemeinsam? Beide sind legendär, werden vermarktet bis zum Abwinken und sind trotzdem von enormer Vitalität.
Insofern passt es gut, dass der Auftakt zur neuen Veranstaltungsreihe Social Web Marketing Forum am 6. Dezember 2006 in unseren Räumen stattfindet. Das Thema lautet "Vernetzter Kundendialog in Echtzeit", und das Expertenreferat ("Anforderungen und Potentiale der Kommunikation im Social Web" zu einem damit in mindestens losem Zusammenhang stehenden Thema "Social Web? Marketing? Anforderungen an die Kundenkommunikation im Web
2.0") hält Martin Röll.
Anschließend werden zwei Fallstudien präsentiert. Dabei geht es um Projekte, die bisher so noch nicht öffentlich vorgestellt wurden. Mehr dazu in Kürze hier. Und dort bitte anmelden. Auf dass der Saal voll werde.
Für den Moment gibt es hier nichts Neues. Dafür aber Bemerkenswertes anderswo.
Amazon wird zur Webservices-Firma. Die BusinessWeek macht daraus ihre Titelgeschichte ("Jeff Bezos' Risky Bet"). Read/WriteWeb fasst zusammen und spekuliert, dass Bezos auf der Web 2.0 Conference in dieser Woche die neue Strategie offiziell vorstellen wird. Exciting Commerce kommentiert:
Dem (Versand-)Handel steht eine gigantische Konsolidierungswelle bevor. Da einstmals wesentliche Kernkompetenzen des Handels (Logistik, Versand, etc.) zunehmend von (unabhängigen) Dienstleistern übernommen werden, müssen Händler auf andere Wertschöpfungspotenziale setzen.
Entweder sie übernehmen als Plattformbetreiber (technische) Dienstleistungen für andere, oder sie entdecken den Verkauf als ihre neue Kernkompetenz. Amazon versucht, genau diese beiden Zukunftsfelder zu besetzen, indem es geeignete Tools und Lösungen bereitstellt.
Ströer steigt bei Sevenload ein. Die FTD hat es gemeldet, die Bestätigung folgte auf dem Fuße. Robert Basic kommentiert:
Jetzt dürfte es also spannender werden, was das ungleiche Rennen zwischen MyVideo und Sevenload angeht. MyVideo wird mittlerweile von Pro7 über TV Werbespots gepusht. Es ist davon auszugehen, dass Sevenload von Ströer über großformatige Plakatwerbung unterstützt wird. So wie bei Neu.de, Pkw.de, Weg.de und was weiß ich was.
Bilder zuschneiden. Im Web. mypictr.com erledigt das. Ein Verwandter von Mr. Wong.
Es gibt ja durchaus soziale Software, für die Internetnutzer zu zahlen bereit sind. Und zwar erheblich mehr als die bekannten 5,95 Euro für openBC/Xing - im Falle von neu.de bis zu 19 Euro im Monat. Für Männer.
Dating findet dort nicht mit Büchern statt, sondern eher konventionell. Was natürlich in vielen Erfolgsfällen bedeutet, dass die teuer geworbenen Abonnenten nach geraumer Zeit wieder von dannen ziehen.
Nun wird ja das neue neu.de ziemlich Web 2.0. Das fängt beim aufgeräumten Design (runde Ecken!) an und hört bei aus Film, Funk und mabber.de bekannten Kommunikationsfunktionen nicht auf.
Was liegt da näher, als dem Exodus glücklich Verkuppelter entgegenzuwirken? neu.de-Chef Sven Jan Arndt hat dafür eine einfache, aber bestechende Idee: einen Freizeitbereich für all jene, die auf neu.de einen signifikanten Teil ihres sozialen Umfeldes gefunden haben, aber nicht mehr (oder noch nicht) bereit sind, dafür besagte 19 Euro zu entrichten.
neu.de goes MySpace sozusagen. Kostenlos, weil es der Werbung für den Bezahlbereich dient. Könnte funktionieren. Soll aber erst im Frühjahr kommen.
Und im dritten Schritt leuchtet dann auch noch ein geschäftlicher Bereich am Horizont des Arndtschen Denkens und Planens auf. Auch der könnte kostenlos sein, "je nach Konkurrenzsituation", sagt Arndt. OpenBC/Xing, hergehört! Das könnte spannend werden im Jahre 2007.
Bis dahin bewirbt neu.de sein Stammgeschäft mit einer im Vergleich zur bisherigen Werbung höherwertigen Kampagne. Musik und Bilder stammen von Sebastian Hämer, der singt wie Xavier Naidoo (gleicher Produzent!), aber ganz anders aussieht.
Video zu "Nur mit Dir" von Sebastian Hämer, zweite Singleauskopplung und zugleich Lied zur Kampagne

Matthias Schrader gestern auf dem Versandhandelskongress in Wiesbaden
"Ein wirkliches Highlight und eine tolle Show", schreibt Jochen Krisch bei Exciting Commerce.
Nachtrag: Hier jetzt auch der Quicktime-Film (15 MB), klickbar und mit lesbaren Texten. Allerdings keine Tonspur, da muss ich Euch leider enttäuschen. Soweit ich weiß, ist der Vortrag nicht aufgezeichnet worden.

Soziale Software dient vor allem einem Zweck - der Eheanbahnung. Wer sich bei buchpfade.de registriert, wird demzufolge gleich nach seiner Verfügbarkeit auf dem Heiratsmarkt gefragt: "Sag ich nicht", "Single" oder "In einer Beziehung" lauten die Alternativen.
In nur fünf Tagen und Nächten, so die Selbstbeschreibung, entstand buchpfade.de als
unternehmerisches Experiment des Center for Digital Technology and Management (CDTM) der Technischen Universität München (TUM) und der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU).
Die Idee ist simpel: Was last.fm für Musik ist, will buchpfade.de für Bücher sein. Nutzer stellen dort ihre Bibliothek zusammen, bewerten Bücher, bekommen Empfehlungen und finden Gleichgesinnte ("Buchgefährten") mit ähnlichen Beständen im Regal.
An manchen Stellen scheint die Site noch etwas buggy zu sein, aber die Oberfläche ist anmutig, die Idee gut und die Ausführung für den Anfang gar nicht schlecht. Vorgestern wurde buchpfade.de auf der Systems vorgestellt, und die ersten 108 Nutzer sind schon registriert.
Steinalt. Aber gilt auch für das Web 2.0. Hier entlang bitte.
Web 2.0 ist erwachsen geworden. Das meint jedenfalls der Economist in seiner Berichterstattung zu GoogleTube.
This week's pairing of Google and YouTube may come to be remembered as the moment “Web 2.0”—ie, the web, version two—came of age.
L. Jeffrey Zeldman nimmt dies zum Anlass, ein paar mehr oder weniger sinnlosevolle Vergleiche zwischen Web 1.0 und Web 2.0 anzustellen. Das Beste steht in den Kommentaren:
Web 1.0: Working at the web agency
Web 2.0: Working at your own start-up
Web 3.0: Working on a tropical island
Web 1.0: conferences
Web 2.0: conferences
Web 1.0: venture capital
Web 2.0: venture capital
Constantin Gillies schreibt in der WamS über den zweiten Goldrausch im Internet. Bevor jemand schreit, er bringe für den Web-2.0-Experten wenig Neues - das ist auch nicht sein Job. Die Geschichte muss für den WamS-Leser und dessen Vorverständnis tauglich sein.
Ihr Anlass ist natürlich GoogleTube, außerdem haben u.a. das Aal-Prinzip, Qype, MySpace, Xing/OpenBC und Plazes nebst einigen Analysten und Unternehmensberatern ihren Auftritt. Und Gillies benennt einen wichtigen Unterschied zur Bubble 1.0:
Hinzu kommt, dass Werbung im Internet im Gegensatz zum Jahr 2000 längst Bestandteil jedes Marketingkonzepts geworden ist. Allein in Amerika werden in diesem Jahr rund 20 Milliarden Dollar für Netzreklame ausgegeben.
Die Werbeeinnahmen dürften also ausreichen, um die neue Webwirtschaft am Laufen zu halten. Wahrscheinlich aber nur für wenige Anbieter.
Holger Schmidt befasst sich in der FAZ mit der Blog-Rangliste von Technorati und Edelman. Und - Skandal, Skandal! - er lässt das grobe Geschrei wie auch die präzise Kritik in der Blogosphäre komplett außen vor.
Bildblog, Spreeblick und Basic Thinking sind die Blogs mit dem größten Einfluß in Deutschland.
Na, das deckt sich doch mit den deutschen blogcharts...
Technorati-Chairman Peter Hirshberg stellt Deutschland kein gutes Zeugnis aus:
"Deutschlands hinkt Amerika in Sachen Blogs um einige Jahre hinterher. In Amerika ist der Einfluß der Blogs auf die Kommunikation der Unternehmen schon viel größer als hier. Dort suchen die Öffentlichkeitsarbeiter das Gespräch mit Bloggern genauso wie mit Journalisten. Außerdem nutzen die Marktforscher die Blogs, um die Meinung ihrer Kunden ungefiltert zu erfahren."
Mag auch einfach daran liegen, dass die deutsche Bloggerszene um einige Jahre hinterherhinkt...
Das Projekt BertelSpace beschäftigt natürlich auch die Blogwirtschaft. Alles, was dazu zu sagen ist, hat Nico Lumma gleich am Sonnabend gesagt:
Wir nähern uns dem Ende des Jahres 2006 und sogar Bertelsmann denkt schon über einen deutschen MySpace-Clone nach? Wow, das wird anständig in die Hose gehen.
Lange wurde gepennt in Güterslow und nun wird mal so richtig gezeigt, wie man User-generated Content in diesem Internetz macht. Ich sehe jetzt schon die ganzen aufgeregten Beratherhorden, die ein Web 2.0 Buch bestellen und schon mal ihre Texte üben. Heraus kommt dann irgendwas, was auf alle Kanälen beworben wird und ungefähr so spannend wie t-community oder AOL Hometown.
Wann soll das rauskommen? Ich kann vor Aufregung kaum schlafen.
Wie gerufen kommt da diese Überschrift in der heutigen FTD: Verlagen fehlt passende Web-Strategie
Die Erosion des Zeitungsgeschäfts durch die wachsende Internetkonkurrenz macht Großverlage und Medieninvestoren in den USA zunehmend nervös. Viele Verlage stellen ihre Geschäftsmodelle in Frage. [...] In den vorigen zwei Jahren haben die Verlage zunehmend die Konkurrenz aus dem Internet zu spüren bekommen. "Die Auflagen sinken, und die Anzeigenerlöse schwächen sich ab", sagte Jennifer Saba vom Branchenblatt "Editor & Publisher". Derzeit entfielen zwar erst fünf bis zehn Prozent des traditionellen Verlagsumsatzes auf das Onlinegeschäft, mittelfristig werde dieser Anteil aber auf 50 Prozent steigen.

Der Onlinevermarkterkreis - das sind die Jungs, die derzeit mit Web 1.0 richtig Geld verdienen und sich etwas verunsichert fragen, ob das mit Web 2.0 eigentlich so bleiben wird - der Onlinevermarkterkreis also (genauer gesagt der Arbeitskreis Media im BVDW) traf sich gestern in Hamburg und lauschte den Referaten von Matthias Schrader und Sören Stamer zu eben jener Frage: Geld verdienen mit Web 2.0 - und wie verändert sich die Rolle von Vermarktern und Agenturen im Angesicht von Phänomenen wie IP-TV und Video (YouTube & Co.), Social Web und user-generated content? Die Folien von Matthias Schrader gibt es jetzt hier auf dem Fischmarkt. Die Tonspur trägt Matthias Schrader gern bei passender Gelegenheit ein zweites Mal vor.
Christian Leybold von BV Capital informiert die Besucher des Web 2.0-Kongresses über Venture-Kapital im 'neuen Web'.In den USA sind die Kapitalvolumina vielmal so hoch wie in Europa-und liegen bei ca 4 Millionen Dollar pro Quartal- , aber es gibt keinerlei Boom - anders als ende der 90er. Die Investitionsvolumina sind gleichbleibend.

Stephan Uhrenbacher spricht über Qype. Die Grundidee von Qype ist Kollaboration. Nur, wenn es Menschen gibt, die anderen ihr Wissen und ihre Erfahrung weitergeben, in kostenlose Vorarbeit gehen, entsteht ein Nutzen. Konsumenten und Aggregatoren stehen dabei im Verhältnis 1:100. Auf 1 Beitrag kommen 100 passive Nutzer.

Mark Pohlmann von SinnerSchrader spricht zu frühester Stunde zum Thema "Kontrollierter Kontrollverlust. Oder wie sie lernen, die Bombe zu lieben". Und die Bombe ist: Transparenz, Partizipation und Dialog.
Zwischen der umfangreichen Berichterstattung (Danke, Oliver!) vom Web-2.0-Kongress geht das webzwonullige Leben da draußen weiter. Zwei Artikel - aus der Welt von heute und der FAZ von morgen (auch das übrigens macht das Web möglich) - beleuchten zwei Seiten derselben Medaille:
Ulrike Langer beschreibt in der Welt, wie und warum Marken mit ihrer Werbung ins Netz gehen - und dort selbst Fernsehen (und anderes) machen, statt wie bisher beim klassischen TV die fertig produzierten Reichweiten einzukaufen:
Um junge Konsumenten dort zu packen, wo sie für Werbung noch empfänglich sind, schichten vor allem internationale Markenriesen wie Coca Cola, Toyota oder die Konsumgüterkonzerne Proctor & Gamble und Johnson & Johnson immer größere Teile ihrer Werbebudgets in Richtung Internet um. Dafür wird bei der Fernsehwerbung gekürzt. Allein Coca Cola schaltete im Jahr 2001 noch TV-Spots bei den großen US-Networks im Wert von 270 Millionen US-Dollar. 2004 und 2005 waren es nur noch rund 190 Millionen Dollar, und die Tendenz setzt sich fort.
Holger Schmidt kommentiert in der FAZ zuverlässig wie immer den Google/YouTube-Deal. Anderer Anlass, gleiche Logik:
In großem Stil werden zur Zeit Werbebudgets ins Netz verlagert. Anders als im Web 1.0 müssen Nutzer mit gleichen Interessen nicht mühsam auf eine Internetseite gelockt werden, um ihnen dann dort Werbung zu präsentieren. Heute treffen und gruppieren sich die Nutzer spontan und ohne teure Werbekampagnen im Netz. Damit wird das Internet zum idealen Werbeumfeld, um Zielgruppen zu erreichen, die sich mit den traditionellen Massenmedien kaum punktgenau erreichen lassen.
Wie schnell sich eine Investition in eine Online-Gemeinschaft rechnen kann, hat jüngst Medientycoon Rupert Murdoch gezeigt. Für 580 Millionen Dollar hat er Myspace übernommen, um nur wenig später 900 Millionen Dollar von Google zu kassieren, damit Google als Suchmaschine auf Myspace präsent ist.
Ähnlich wird sich auch der YouTube-Deal rentieren, da ist sich Schmidt sicher. Diesmal allerdings wird Google kassieren.
"War der TED der Start von Fernsehen 2.0? Wenn ja, dann haben wir jetzt auch ein Web 2.0", sagt Heiko Hebig. Wir haben jetzt eine logische Weiterentwicklung von dem, was es auch bisher gab. Jetzt gibt es eine Tour durch das Web 2.0:Heiko fotogafiert Herrn Kirsch, fragt, ob er darf und stellt sein Bild in Flickr.
Er zeigt, wie über die Geokoordinaten, die er dazugetrickst hat, gleich via Mashup Herr Kirsch in Offenbach via Google Earth lokalisiert werden kann. "Hurra, mein erstes Mashup, das war spannend", jubelt Heiko sarksatisch.
Jetzt wird geflockt, also... der Browser Flock demonstriert. Will aber nicht. Schön. Wäre ein Demo des Bloggingtools gewesen.
Heiko zeigt jetzt, wie man beliebige Fotos in die Multimedialeiste von Flock zieht. Und wie man von Flickr aus bloggt. Zweiter Versuch. Wir sehen: Es dauert. Failed. "Ich hab da heute kein Glück, ich merk das schon."
Jetzt der IE7, der kommt automatisch zu jedem, der Prio-Updates aktiviert hat. Heiko Hebig empfiehlt ihn. Der kann RSS. "Komm Baby", lockt Heiko. Es geht. Ist ja auch kein Blog. Wir lesen Focus Online jetzt werbefrei (wie Heiko hervorhebt). Spiegel Online ist via IE7 gar nicht per RSS lesbar - auch das zeigt Heiko. Also schon mal testen, wenn man RSS-Feeds anbietet. Guter Tipp.
Jetzt ist Xopus dran: Man kann innerhalb einer Webseite schreiben, ohne dass man einen Webeditor benutzen muss. Xopus ist drei bis vier Jahre alt und war die Inspiration für Dienste wie den Onlineeditor Writely.
Vox ist ein neuer Dienst des Bloganbieters Sixapart: Fotos, Texte, Podcasts und Videos können integriert online gestellt werden. Das zu demonstrieren traut sich Heiko offenbar an diesem Unglückstag nicht.
Technorati.com ist eine Blog-Such- und Auswerte-Maschine. Hier zeigt Heiko, dass man meine (und andere) Beiträge schon sieht. Jetzt zeigt Hebig, wie man Flickrfotos extern aber online mit Sprechblasen versieht und wieder zu Flickr laden kann. Das funktioniert. "Ein tolles Produktivitätstool", witzelt Heiko.
Gut, er hatte vorgewarnt: "Wenn sie Flickr schon kennen, gehen sie zu den Kollegen vom Technik-Track." Ach, das ist hier nicht der Technik-Track? *grins* "Wenn ich jetzt ein Quote ziehe läuft ein Query." Ach, er redet von Sanebull.com und zeig,t wie sich die Yahoo-Aktie angesichts des Google-YouTube-Deals verändert.
Und was haben wir gelernt: alles funktioniert - außer Blogs. ;)
***
Aus der Diskussion:
Die Deutsche werden nie alle bloggen (dazu seien sie zu technikfeindlich), aber durchaus auf dem Fernseher Internetinhalte konsumieren. (Und das, wo ich mir das Ferngucken grade abgewöhne, naja.)
Telekom Austria ist Österreichs führender TK-Anbieter mit über drei Millionen Festnetzanschlüssen und mit Österreichs größtem Mobilfunker. aon ist die Privatkundenmarke der Firma.
Der Portalservice aon.at ist die Landeseite für aon-Kunden und die zentrale Verwaltungsschnittstelle für ihren Onlinezugnag, ihre Mail und Anderes. Dort gibt es auch das Blogtool Weblife, Softwaredownloads und Musikdownloads.
Diese Dienste sind keine Business Cases und verdienen kein Geld. Das Ziel ist, Kundenbindung zu erzeugen, um trotz Preisdruck Kunden zu halten: Telefon, DSL und Mobilfunk sollen weiter bei aon genutzt werden. Der Breitbandzugnag soll also sowohl faktisch als auch emotional aufgewertet werden.
Weblife ist ein Mulltimedia-Blogwerkzeug, das im Dezember gelauncht wurde und nur von aon-Kunden genutzt werden kann. 'Bessere' Kunden (Breitband) haben auch mehr Möglichkeiten im Blog (Layoutvorlagen, Podcast, Speicher, Statistik etc.). Es entstehen keine weiteren Kosten, aber User können auf mehr Leistung upgraden.
Ein Fokus liegt neben den Blogs auf den Bilderalben. Wir kriegen grad ne hübsche Demo - gute Usability und jede Menge AJAX. Hübsch: Bilder kann man auch noch (picasa-ähnlich) bearbeiten und zu Bilderalben zusammenfassen. Ein Flashplayer spielt sie ab und man kann definieren, wer sie sehen darf.
Weblife wird inzwischen auch intern und als externes Marketingblog benutzt (Pressesprecher: http://bredlbloggt.telekom.at). Sponsoring und Events werden mit Blogs unterfüttert. Ein aon-Reporter berichtet Backstage von events, bei denen aon sponsort. "Das Bloggen breitet sich amöbisch im Unternehmen aus", fasst Raffaela Grün zusammen.
Fazit:
- Blogs dienen zur Kundenbindung.
- Kommunikation mit externen Stakeholdern
- interne Kommunikation
- ideal für crossmediale Thematisierung von Marketingthemen (Sponsoring, Event etc.)
Aus der Diskussion:
- Die Kundenbindung wird nicht gemessen, die Nutzung aber steigt.
- Offenbar sind die Angebote wertvoll.
- "Wir übersetzen noch Web 2.0 in die Sprache unserer Kunden und holen sie dort ab, wo sie sind."
- Auf 500.000 Breitband-Privat-Kunden kommen 2.000 Blogs.
- Bisher sind vor allem die Jüngeren blog-affin, weitere Gruppen sollen (ggf. in Kooperation mit einer Zeitung) erschlossen werden.
- Das Blogsystem wurde von Knallgrau.at implementiert.
Michael Rossa leitet das, wie er sagt, "kleine Team" Corporate Media bei Siemens.
Usability und Branding der Website zu verbessern sind seine Hauptzeile, "aber hinter unserem Rücken passieren Dinge, die das beeinflussen" sagt er und zeigt die J-Grafik der steigenden Blogzahlen bei Technorati.
"Die Kunden sind die neuen 'spin doctors'", weiß Rossa und will darauf regieren; auch sei man seit längerem ein Fan des 'Cluetrain Manifests' und versuche das umzusetzen.
ICQ, Skype und Firefox sind typische Marken, erreichen Millionen von Downloads ohne relevante Marketingbudgets. (Neben mir sitzt Alex Wunschel, und Rossa benutzt seinen Podcast grade als Beispiel für einen Startpunkt des Blog-Domino-Spiels. Und Alex freut sich ;) )
Seit März 2005 hat Siemens ein CEO-Blog. Ein globales Intranetportal aggregiert parallel dazu Blogs von Mitarbeitern in der "employee corner".
Die Siemens "Blogging Policy" (meine Zusammenfassung):
- Verwende Zeit zum Bloggen zum Bloggen von etwas, was mit dem Unternehmen zu tun hat.
- Befolge das Gesetz.
- Sei Dir des Images des Unternehmens bewusst.
- Halte Unternehmensgeheimnisse ein.
- Verbreite keine Werbung.
- [Das ging zu schnell.]
Zur Zeit gibt es "100 Tage Bloggen" als Testphase (die endet bald), dann kommt eine Pilotphase mit Rollout und eine Operations-Phase. Themen und Risiken wurden betrachtet und untersucht. (z.B.: Was, wenn keiner bloggt? Was, wenn rechtliche Prolbeme auftauchen?).
Eine Moderationsseite wurde zur Steuerung und als Übersicht eingebaut, mit FAQs, Votingmöglichkeiten etc. In einem BlogZoo wurden öffentliche Blogs ausgestellt. Ein BlogCookbook wurde als Erklärungsseite zur verfügung gestellt. Jeden Freitag gibt es ein Interview mit einem Blogexperten als Podcast.
Wöchentlich wird ein "Blog of the Week" gekürt (ohen weitere Belohnung dafür) - was die Blogger zunächst nicht gut fanden. Es passierte trotzdem. (Gelächter im Raum.)
Die Übersicht wird hergestellt über eine Portalseite mit "Latest Postings", "Tags and Topics" und die "Most Active Blogs".
Das Projekt startete - nach einer Testphase - am ersten Tag mit 117 Blogs. Jetzt sind es 250. Davon sind aktuell noch 80 aktiv (das müssen wieder mehr werden, sagt Rossa). Zunächst wurden die User in eigenen Blogs aktiv, nun vernetzen sie sich. Die Leserzahlen fallen nicht, sondern sind stabil. Es bloggen (fast) alle -- außer den Kommunikatoren (da werden wir noch fragen: warum?).
User nutzen die Blogs auch für 'Hilferufe' an die Community und empfinden das Graben durch die Siemens-Blogosphäre als 'Schatzjagd' durch die Firmenkultur.
Als Starblogger entpuppten sich eine chinesische Werksstudentin und ein Servicetechniker für Notrufsäulen an Autobahnen.
- Bisher war das interne Marketingbudget gleich Null. Die kritische Masse war binnen 57 Tagen erreicht.
- Bloggen ist einfach, aber ein Blog mit 'Geschäftswert' zu führen ist nicht einfach.
- Man muss lernen, wie man Konversationen beginnt und beendet.
- Es gab bisher keine Missbrauchsfälle.
- Experten und Projektmanager, die bisher keine Stimme hatten, bloggen.
- Manager und Kommunikatoren halten sich zurück (die sind mehr Nach- und Vor-denken gewohnt oder brauchen den Kanal nicht).
- Die Zeit der 'kontrollierten Kommunikation' durch die PR ist vorbei.
Verbleibende Herausforderungen sind, wie Firma, Mitarbeiter und Management das System noch besser nutzen können, um ihre Ziele (Vernetzung, Kommunikation, Feedback u.a.) zu erreichen.
Als Marketing beim Rollout sind u.a. 20-Sekunden-Interviews mit Bloggern als Videos geplant. Und auch der Betriebsrat steht dem ganzen Projekt positiv gegenüber und plant die interne Blogosphäre als Infoquelle zu nutzen.
Bei der BMW Marketing Innovation hat man zwei Aufgaben: die Welt nach neuen Trends zu scannen und daraus neue Marketingansätze zu entwickeln. Jörg Reimann, dessen Chef, skizziert die klassische Struktur von BMW und zeigt auf, wo es Schnittstellen zu UGC und anderen Web 2.0-Phänomenen gibt.
Im Zeitalter der Disintermediation, der Ausschaltung des 'Vermittlers' zwischen Firmen und Kunden, wird sich über P2P-Kommunikation ein direkter Kontakt zum Kunden ergeben. Daraus folgt unter anderem, dass der angebotene Content spannend sein muss.
Ein Beispiel dafür ist der ExpertenPocast von der IAA 2005. 10- und 5-Minuten-Clips auf Deutsch und Englisch wurden per RSS als Podcasts angeboten. Bei iTunes schaffte es der Podcast auf Platz 43 und das Experiment wurde als Erfolg verbucht.
Jetzt sagt er doch glatt "Ich will nicht zuviel Werbung für Google machen", dabei zeigte er schon ein Google-Video (der BMW-Spot dort war aber grade nicht verfügbar) und eins von YouTube.
Reimann ermutigt dazu, Links willkommen zu heißen und auch den Content in die Welt hinaus zu entlassen.
BMW bietet zudem Audiobooks an bei bmw-audiobooks.com. Autoren wie Karin Slaughter erstellen für das Format eigens Thriller, in denen BMWs eine Rolle spielen. Das ist auch die Frage: Wo ist die Grenze zwischen Marketing und Literatur? Hier wurde der Markencontent wie Reimann sagt 'besonders subtil' eingearbeitet, so dass dies für die Autoren akzeptabel war.
BMW macht auch Vodcasts und berichtet von Messen, der F1 und von Golfevents. "Man muss etwas zu erzählen haben, und es muss eine spannende Geschichte sein", betont Reimann. Exklusive Events oder Interviews und Hintergrundgeschichten bieten sich an.
Über solche Kanäle lässt sich der Impact von Live-Events massiv und international verbreitern. Binnen 24 Stunden wurde ein 'geklautes' Werbevideo - dem auch noch der Ton verloren gegangen war - bei YouTube über 80.000 mal angesehen. Das Video stand parallel auch bei BMW im Pressebereich.
Zum Mini veranstaltete BMW einen Clip-Contest und erhielt viele 'User-generated'-Beiträge. "Andererseits wollen wir im driver's seat sein und unsere Marke interpretieren und nicht den Kunden überlassen - aber wenn die Message gut ist, dann verbreiten wir die gerne global", schränkt Reimann ein und betont: "Videoportale sind serious stuff, das sind nicht nur Kiddies, die Urlaubsvideos hochladen."
Communities wie iVillage und Myspace dienen als Vorbild für eine demnächst startende BMW-Community "M Power World". User-generated Content und Vernetzungsfunktionen werden vermischt mit Premium Content aus dem 'Inneren' von BMW - "nicht vor der Presse, aber detaillierter" (Reimann). BMW erfofft sich über diesen Kanal Marktforschungsinformationen darüber, was der BMW-Kunde sich im Detail wünscht. "Vielleicht nicht repräsentativ, aber authentisch".
"Blogs sind mein Liebligsthema", sagt Reimann und gesteht "Die Frage, wie man Blogs nutzt, hat mir schon die eine oder andere schlaflose Nacht bereitet." Sein Rezept lautet: "Wir wollen, dass die Blogger über uns schreiben. Sie sind meinungsstärker und in der Reichweite relevanter als viele Journalisten."
Und deswegen behandelt BMW für sie relevante Blogger auch wie Pressevertreter. "Das sind keien Freakblogs, das sind relevante, meinungsstarke Medien. Ich warne davor, sie zu vernachlässigen", ist Reimanns Rat (da ist Reimann deutlich weiter als mancher Frontmann deutscher Agenturen).
Das IAAblog.com war BMWs Blog zur IAA, auf dem Thomas Gigold über alle Aussteller berichtete - natürlich auch über BMW. BMWoracleRACING.com ist ein Blog über BMWs Engagement beim Segelsport. "Die Nachfrage bei diesem Blog ist extrem hoch", freut sich Reimann. Auf dem Vlog vlogbymini.de berichtete der Videoblogger gabemac (xolo.tv) von der Automobilausstellung Leipzig.
"Der Long Tail geht nicht weg, er wird relevanter", gibt Reimann seine Einschätzung. Neue Nischen entstehen ständig und über Long-Tail-Kanäle sind sie zu erschließen.
Diskussion
Wie verhalten sich 'drivers seat' und 'Konsumentenkontolle?
R: Wir müssen eine Balance finden, die Markenführung dürfen wir nicht aus der Hand geben. Wir wollen ihnen Content geben, den sie dann selbst verbreiten können, und stärker Nachfrageorientierung pflegen.
Wie hat sich das Marketing verändert?
R: Man muss die Rückkanäle auch pflegen udn schnell regaieren. Das ist eine Kernherausforderung, hinter diese Rückkanäle auch ein Beschwerdemanagement zu bauen. Ich empfehle nicht zu viele Kanäle und Blogs aufzubauen. So etwas kann man nicht an Call Center auslagern, da muss am anderen Ende auch jemand sitzen, der eine BMW-Visitenkarte hat.
Ein Snippet aus der ersten Kaffeepause:
Der Vertreter eines deutschen Versandhauses sagte sinngemäß: "Wir merken, dass Geld, das wir in Onlinewerbung stecken, mehr Rückläufe erzegt. Mittelfristig wird der Anteil, den wir dafür ausgeben, immer größer werden."
Bob fragt als erstes, wer alles RSS-Feeds liest. Während die globale Nutzung von RSS-Lesern bei 4-5% liegt, hat diese Technik zumindest im Publikum eine deutliche höhere Markdurchdringung. Da hat sich offenbar im Businessbereich einiges getan.
Bobs Agentur arbeitet für mehrere Web-2.0-Firmen wie Fon oder Xing, hilft aber auch Banken, sich zu 'Zweinullisieren'. Seiner Ansicht nach sind Symptome für 2.0-Firmen: kollektive Intelligenz, Kollaboration und Ranking, Community und Social Software und der 'befähigte' User.
Bob bloggt unter dem Namen Everything 2.0 (ah, das les ich ;) aber ich merk mir Namen so schlecht). Dort kategorisiert er RSS unter "News 2.0" und unter "RSS 2.0", aber wenn er Relationen aufzeigt, dann stellt sich heraus, dass RSS mit fast allen anderen Kategorien seine Web-2.0-Blogs in Verbindung steht.
Etwa 1 Milliarde RSS Feeds gibt es aktuell (1 Billion schreibt er, britische oder US-Billionen?). RSS hilft uns, die Infokanäle, die wir über E-Mail und über das Web haben, nach Relevanz zu sortieren und auszuwerten.
Ein paar von Bobs Ideen:
- Firmen können über RSS "behind the firewall"-Systeme bauen und so Informationen optimal zeitnah und selektiv verteilen.
- Verkäufer können via RSS über Leads informiert werden und Reports können zeitnah verteilt werden.
- In Firmen sollte RSS einen Metalayer bilden, der alle Informationen zusammenbindet und dabei die Firmensicherheit im Auge behält.
- Dabei sollte nicht die Firmenpolitik, sondern das Qualitätsfeedback der Nutzer eine große Rolle spielen.
Wo findet man in der eigenen Firma Ansätze für RSS-Nutzung? Nun, man fragt sich:
- Welche Teile meines Intranets sind unbenutzt?
- Wo hört Mail auf zu funktionieren?
- Was blebt ungelesen oder ist falsch adressiert?
- Was passiert JETZT, was ich wissen sollte?
Als Einstieg in RSS empfiehlt Bob beispielsweise Netvibes.
Update:
Aus der Diskussion: Was tut man, wenn keiner im Unternehmen über Blogs den RSS-Feed füttert? Normal ist, dass 1-2% der Leute aktiv bloggen oder Infos eingeben. Wenn man das auf 20% steigern kann, ist das bereits eine relevante Masse für einen Wandel im Unternehmen. Und auch die 80% der "Leechers und Lurkers" sund für das Informationssystem notwendig. Generell sollte man versuchen, "alle an Bord zu behalten".
Basisidee der Blog Carnivals bei BlogCarnival.com ist, dass man Nutzern Datensammlungen, die sie erstellt haben, in geeigneter Form wieder zur Verfügung stellt und so auf der Basis der Blogkultur eine Dienstleistung zur Verfügung stellt -- so wie Technorati z.B. Blogsuche bereitstellt.
Brad erklärt, wie Carnivals funktionieren: In regelmäßigen Rhythmen stellen Blogger-Gruppen, in der Regel nach Themen, 'Magazine' zu einem bei einem Thema 'eingereichten' Blogartikel zur Verfügung, indem sie auf andere Artikel verweisen. Oft finden dabei auch thematische Events - beispielsweise bei Kochblogs - statt.
BlogCarnival.com hilft den Communities seit August 2005 (Blogcarnivals selbst gibt es seit Herbst 2002) bei organisatorischen und techischen Aspekten der Abwicklung solcher Blogevents. Durch Termininfos, Pläne, Automatisierung der Linkerstellung, Logos, Grafiken und Info-Widgets für ihre Blogs. Aktuell sind über 500 Carnivals aktiv und über 500 im Archiv bei Blogcarnival.
BC dreht praktisch die Portalidee um: Die Blogger kommen nicht zum Zentralportal, sondern stellen BC auf ihren Blogs Platz zur Verfügung: Für die Informationen des Portals, aber auch für das Branding von Blogcarnival.com, das ihre Communitybildung erleichtert.
Einzelne Carnivals erhalten bis zu 496 Einreichungen. Generell zeigt sich auch hier eine 'Long Tail'-Struktur: Nur wenige Carnivals erreichen viele Einreichungen, 50% der Carnivals bekommen nur ein bis zehn Einreichungen.
Mal sehen, ob Brad in den letzten zehn Minuten noch zu dem Thema kommt, das hier alle interessiert: Wie sieht das Geschäftsmodell aus?
Aktuell erzählt er, dass es sinnvoller ist, Communities mit solchen Webdienstleistungen zu beliefern, da sie sich nachhaltiger als "Kunden" stabilisieren als Individuen.
Brad sucht nach Möglichkeiten, seine Nischencommunities besser über Anzeigen zu monetarisieren als bisher. Anzeigen werden sowohl auf dem Hauptsite als auch in den Widgets angezeigt.
11 Uhr, erste 'Networkingpause'. Andreas Weigend sacht: Offizielles Tag des Events bei Flickr und zum Bloggen ist "web2.0kongress".
[Bild folgt.]
Es diskutieren auf dem Forum "Innovation" am Buchmessen-Samstag:
- Heiko Hebig, Burda Media, Internetstrategien
- Kurt Jansson, Wikimedia Deutschland e.V.
- Ibrahim „Ibo“ Evsan, sevenload.de, Gründer
- Oliver Wagner, Agenurblog.de, Werber
[Alle hier von mir wiedergegeben Äußerungen sind keine Wortprotokolle und auch nicht vollständig, sondern meist sinngemäße und lückenhafte Zusammenfassungen.]
Der Begriff
Was heißt "Web 2.0"?
Heiko Hebig: Es ist einfacher geworden, Inhalte ins Netz zu stellen, das muss man nicht unbedingt „Web 2.0“ nennen. Das gab es schon früher.
Kurt Jansson: „Ich sehe den Begriff Web 2.0 kritisch, was wir jetzt sehen ist von Anfang an im Netz angelegt gewesen.“ Auch Tim Berners—Lee hatte ähnliche Ideen wie die, die jetzt beim Web 2.0 umgesetzt werden. „Was wir jetzt sehen - Wikis und Weblogs - macht diesen Prozess einfacher.“
Ibo Evsan: Was ich verbessert hat ist die Technik. Zum Beispiel dynamische Veränderung von Webseiten durch die AJAX-Technologie. Und Investoren investieren wieder in neue Ideen. Der Begriff Web 2.0 ist schon OK.
Oliver Wagner: es ist eine Evolution, keine Revolution. Es gibt Entwicklungen, wie den neuen Rückkanal, die das Web besser benutzbar machen.
Datenschutz
Gehört das Netz den Nutzern oder werden sie (wieder?) Opfer von Datensammlern.
Wagner: Man kann nun seine Daten der Welt zur Verfügung stellen und kann diese Chance nutzen.
Hebig: Das Netz ist aktuell recht wenig reguliert und wir müssen aufpassen, dass das auch so bleibt. Das Netz ist das einzige Medium, das uns die Chance gibt, als Kreative darzustellen. Das ist eine immense Chance.
Ibrahim Evsan: Wenn man es möchte kann man sich in kürzester Zeit durch persönliche Präsenz – bei Videopodcasts – zum Star zu werden.
Kurt Jansson: Gehört nur das mir, was ich beigetragen habe? Und inwieweit gehört mir der Rest? Welche Rolle spielt das Urheberrecht? Man kann in solchen Projekten sogenannte freie Lizenzen nutzen und so sicher stellen, dass die Inhalte, die man ins Netz stellen auch von anderen nutzbar sind und beispielsweise auch verändert und weiterentwickelt werden können? Man kann bei Lizenzen der "Creative Commons" beispielsweise kommerzielle Nutzung erlauben oder beschränken.
Hebig: Wir prüfen, ob wir unsere Inhalte in dieser Weise zur Verfügung stellen können und müssen eruieren, welche Rechte wir selbst überhaupt haben, Wir hoffen, bald Inhalte unter Creative Commons Lizenz zur Verfügung stellen zu können.

Die SZ-Mediathek hat jetzt eine Markierungswolke und sieht auch sonst ganz frisch aus. Die Tagcloud ist eine Art Trendbarometer und zeigt an, wonach Mediathek-Nutzer zuletzt am häufigsten gesucht haben.
Neu ist auch die Navigation zur Linken, die das Vollsortiment der Mediathek erschließt. Der Süddeutsche Verlag will künftig mehr Umsatz mit dem Vollsortiment aller lieferbaren Bücher machen. Die sich stetig vermehrenden hauseigenen Editionen (SZ-Bibliothek, Cinemathek & Co.) gingen schon von Anfang an gut weg.
Das Projekt hat SinnerSchrader Neue Informatik realisiert.

Eva Herman tut es. Sören Stamer auch. Unter der unbescheidenen Adresse superdistribution.net schreibt der CoreMedia-Gründer seit einiger Zeit über Web 2.0, Unternehmertum und sein Spezialgebiet, das ich jetzt mal mit Content Management 2.0 umschreiben möchte.
Auch aus der Feder von Christian Jung wurden dort bereits Einträge gesichtet.
Als "Wetten, dass" heute in den letzten Zügen lag, hatte Peter Turi im Spiegel vom kommenden Montag (2. Oktober) eine Preziose entdeckt. Die lapidare Meldung gibt einen kleinen Vorgeschmack darauf, was den alten Medien noch so alles blühen wird. (Und die Turi-Kinder sitzen nebenbei am Rechner, so wie ich heute auch.)

2005 rief Tim O'Reilly 250 seiner Freunde zum Foo-Camp (Friends of O'Reilly). Die Reaktion darauf war die Einrichtung des ersten Barcamp, einer Nicht-Konferenz, die sich 'on the spot' selbst organisiert. Bei der spontan Themen und "Slots" organisiert werden. Die erste solche Konferenz findet an diesem Wochenende in Deutschland in Berlin statt. Gastgeber ist Pixelpark nahe dem Warschauer Platz, aber organisiert wird das Camp von einer unabhängigen Kern-Orgatruppe und den Teilnehmenden selbst. JedeR ist aufgefordert einen eigenen Vortrag oder eine Gesprächsrunde anzubieten und wie nicht anders zu erwarten kreisen viele der Themen um Technik und Konzepte von Social Software, Social Media und Onlineapplikationen (auch "Web 2.0" genannt – aber wer kann das noch hören?).
Session 1: Zukunft der klassischen Medien
Roland Riethmüller von der NWZ in Oldenburg skizziert, wie seine Zeitung sich mit seiner Unterstützung auf die gewandelte Situation eingestellt hat. Blogs, Portale und Homepages machen ihr Konkurrenz im Textbereich, Radio bekommt Konkurrenz durch Downloads, Podcasts und Streaming, TV muss sich mit Vodcasts, IP-TV und Videoportalen um das Zeitbudget der Zuhörer kloppen.
Doch auch die Zeitung ist im Netz selbst präsent: auf dem Web, via SMS auf Handys, mit M-Papers oder gar mit eigenen Blogs.
Die Mediennutzer aber lassen sich weniger in Zielgruppen einteilen (der bei ALDI kaufende Porschefahrer) und Medien werden – auf Kosten der Aufmerksamkeit – parallel genutzt. Der One-to-Many-Ansatz wird durch eine Many-to-Many-Dialogkommunikation ersetzt. Das Kommumnikationsmonopol ist gefallen.
Die Zeitung kann als Qualitätsprodukt jedoch Marktaneile zurückgewinnen und ihre starke Marke ins Spiel bringen: Zeitungen gelten als vertrauenswürdiger als die oft pseudonym publizierten Blogs. Über eine Aufspreizung ihrer Kanäle Richtung Mobilcontent, Audio und Video kann die Zeitung mehr Menschen erreichen.
Die NWZ beispielsweise setzte eine Jugendcommunity mit Partyfotos auf. Jugendliche können sich selbst auf den Fotos mit Mitgliedsnamen 'taggen' und sich so vernetzen. Fotos werden getaggt.
Peter Schink berichtet über den Aufbau der Netzeitung und deren "Readers Edition" - einem Versuch, 'user generated content' für diese Newsplattform nutzbar zu machen.
User Generated Content treibt das Konzept des Leserfeedbacks und der Leserbindung auf eine neue Ebene. Während Wikinews nicht funktioniere, erklärt Schink.
Verlage haben ihre Vorteile bei Reichweite, Kompetenz der Journalisten ("Infostärke", Wissen verbreiten können), Finanzierung. Ein Nachteil ist ihre Schwerfälligkeit.
Das Konzept: User schreiben Artikel und Redakteure schalten sie frei. Sich zu profilieren und die trafficstarke Plattform ist für die 'Prosumer' attraktiv. Andere große und kommerzielle Verlage wie Springer könnten solche Plattformen eher nicht aufbauen.
Manche UGC-Konzepte wie die Leserreporter der Bildzeitung sind relativ kostenintensiv und es ist fraglich, ob damit jenseits des Hypes Geld verdient wird.
Peter Schink sagt: Die Vertriebskanäle werden sich ausweiten, es wird mehr UGC geben, parallele Plattformen werden sich nicht unbedingt gegenseitig schaden und auf lokaler Basis gibt es kaum Interferenzprobleme der Plattformen. Zeitungsverlage werden zeitungsunabhängige Plattformen betreiben zu verschiedensten Themen, um ihre Reichweite zu erhalten. Bezahlinhalte sind vom Tisch und selbst bei bezahltem Archivzugang gibt es Probleme. Offene Archive bringen mehr Werbegelder als Einnahmen durch Archivgebühren.
Generell bleiben viele Fragen in diesem ersten Track offen: Wird man User bezahlen müssen oder wie sehen Incentives aus? Wie genau ist mit Urheberrechten und Haftung umzugehen? Werden Bereiche, die jetzt kostenintensiv besetzt werden, in Zukunft überhaupt Einnahmen für Verlage generieren? Einige dieser Fragen sollen in für morgen geplanten Panels wieder aufgenommen werden – ob sie jetzt schon beantwortbar sind, darf bezweifelt werden.
Bis jetzt 17 10 Blogger plus Backoffice berichten live von der Frankfurter Buchmesse (Termin: 4. bis 8. Oktober). Und wir können sagen, wir sind dabei gewesen - und zwar als Sponsor des offiziellen Buchmesse-Blogs. Es ist uns eine Ehre und ein Vergnügen.
Übrigens, es hilft nichts: Auch die Buchmesse debattiert über Web 2.0. Die Runde wäre, falls alle zusagen, prominent besetzt - mit Ibrahim Evsan (sevenload), Lars Hinrichs (openBC/Xing), Kurt Jansson (Wikimedia) und Oliver Wagner (Lycos/Agenturblog).
Auch der Versandhandel kommt am Thema Web 2.0 nicht mehr vorbei. Auf dem Versandhandelskongress (Termin: 25./26. Oktober und damit parallel zur Internet World) moderiert Matthias Schrader eine Fachkonferenz namens "Web 2.0: E-Marketing und neue Verkaufsmodelle".
Nach seinem Impulsreferat ("The next 10 years") kommen Jürgen Siebert (FontShop, FontBlog) und Michael Schröpfer (Schober) zu Wort. Den Abschluss bildet eine Diskussionsrunde mit Markus Krechting (neckermann.de), Patrick Palombo und Jürgen Siebert.
Schaun mer mal, ob Matthias Schrader inzwischen die Kunst der Bilokation beherrscht, sitzt er doch am gleichen Tag in München auf einem anderen Podium...

Das Thema des Wochenendes ist die anstehende Umbenennung von openBC in Xing. Dass eine solche bevorstand, hatte Lars Hinrichs schon vor geraumer Zeit in der Wirtschaftswoche angekündigt.
Der Kommunikationsfahrplan von openBC war ein anderer. Für Montag sind einige Blogger nach Hamburg geladen, und die große Glocke sollte erst zur Mitte der Woche geläutet werden. Doch nun gewann das Thema eine gewisse Eigendynamik, als Remo Uherek in seinem Blog mit dem unaussprechlichen Namen den Schleier lüftete.
Ganz ähnlich war es vor geraumer Zeit dem Scobleizer ergangen, als er seinen Posten bei Microsoft aufgab. Auch er hatte einen PR-Plan, wollte er doch die Story dem Wall Street Journal exklusiv verkaufen. Doch richtig groß wurde die Geschichte genau andersherum: Blogger griffen sie vorzeitig auf, bis die klassischen Medien nicht mehr an ihr vorbeikamen.
Ja, mach nur einen Plan
Sei nur ein großes Licht!
Und mach dann noch 'nen zweiten Plan
Geh' n tun sie beide nicht.
Auch wenn der weitere Verlauf der Change Communication noch nicht absehbar ist - bis hierhin ist alles bestens gelaufen, wenn auch offenbar anders als geplant. Herzlichen Glückwunsch!
Nachtrag: Was aus markentechnischer Sicht gegen Xing spricht, hat Hannes Offenbacher zusammengetragen.
Zu "Cords-Gate" ist eigentlich alles schon gesagt. Nur noch nicht von mir.
Normalerweise, also ohne den notorischen Münte-Gips am Bein, wäre ich am Dienstag zum media coffee von news aktuell gegangen. Scheint so, als ob ich eine großartige Show verpasst habe. Diesen Schluss lässt jedenfalls der ausführliche Rapport von Felix "wirres" Schwenzel zu. Dringende Leseempfehlung!
Falls sich der eine oder andere Leser wundert, warum die Blog-Coverage der OMD so schlecht gering ist - das liegt am fehlenden W-LAN. Oder auch am Unwillen des bloggenden Publikums, an die Messe Düsseldorf satt zweistellige Eurobeträge pro Tag zu entrichten, um den Hotspot in den Hallen zu nutzen.
Mein Messetag begann am Flughafen mit dem kollektiven Warten auf den Messebus 896, der zwar in den Messeunterlagen angekündigt und auch in der Fahrplanauskunft des VRR aufgeführt war - aber schlicht und einfach nicht kam. Nach und nach nahmen sich verschiedene Grüppchen dann ein Taxi zur Messe. Auch kein Problem.
Lange Schlangen am Eingang zur Halle 1 machten auch dem Letzten klar, dass die OMD in diesem Jahr so richtig brummt. Wer noch Zweifel hatte, den überzeugte spätestens das üppige Catering auf den großen Messeständen. Essen gut, Wetter gut, Stimmung gut. Die Messe meldet für den ersten Tag schon 4.000 Besucher.
Des Andrangs wegen beginnt die Keynote von Andreas Weigend mit Verspätung. Der Mann hat es geschafft: Er darf ein paar seiner Standardfolien präsentieren, zum Teil mit chinesischen Schriftzeichen, und das Ergebnis "Keynote" nennen. Aber warum auch nicht? Der Neuigkeitswert seiner Rede ist allem Anschein nach ungebrochen hoch.
So hoben sich auf die Frage, wer aus dem Publikum del.icio.us nutzt, gerade einmal acht Hände. Selbst unter der Annahme, dass weitere zwanzig del.icio.us-Nutzer einfach keine Lust hatten, die Hand zu heben, ist das OMD-Publikum offenkundig nicht übermäßig web-2.0-affin (um mal im Marketingdeutsch zu sprechen).
Das zeigte sich auch beim Workshop, den Malte Blumenthal zum Thema "Kreativstrategien im Netz" hielt. Seine provokative Frage: Warum baut Coca-Cola, die wertvollste Marke der Welt, nicht einfach selbst für relativ kleines Geld eine Plattform wie MySpace, statt erheblich größere Summen in Onlinewerbedruck zu investieren - um damit erheblich geringere Web-Relevanz zu ernten und auch noch jene Aufsteigermarken wie Google oder Ebay zu fördern, die früher oder später Coke den Rang ablaufen werden?
Die Antworten aus dem Auditorium waren klar: Das passt nicht zur Marke, es verwässert sie oder es wäre nicht glaubwürdig und würde deshalb nicht funktionieren. Doch Malte hatte mit solchen Einwänden gerechnet. Seine Replik: Vielleicht passt die Marke auch nicht zum Internet? Oder nicht zum Nutzer? Ist der massive Werbedruck, den Coke ja auch offline ausübt, womöglich schlecht investiert?
Die Fragen mussten offen bleiben, aber das Nachdenken über den Weg zur interaktiven Marke geht natürlich weiter.
Was war noch? Der OMD-Fischmarkt, eine Menge Leute, der eine oder andere Blogger und das neueste Projekt aus dem Hause Sixtus Handelsblatt. Aber dazu morgen mehr.
Nein, ich bin natürlich nicht auf der Party, sondern wieder zurück im Norden. Mit meinem Münte-Gips am Bein hatte ich keine Partyambitionen. Ich muss jetzt Schluss machen, Harald Schmidt wartet...
Die digitale Revolution frisst ihre Kinder. Dieser abgegriffene Satz liegt nahe angesichts der allgemeinen Aufregung über einen YouTube-Fake namens lonelygirl15.
Diese Aufregung speist sich aus einer gewissen Naivität im Umgang mit digitalen Medien - aus der unausgesprochenen Voraussetzung, die dort präsentierten Menschen und Geschichten seien authentisch. Warum sollten sie das sein?
Seit der Erfindung des Buchdrucks mussten wir lernen, dass nicht alles wahr, gut und schön ist, nur weil es gedruckt oder gesendet wird. Wir wissen, dass ein Roman oder eine tägliche Seifenoper fiktiv sind.
Wir können auch wissen, dass journalistische Nachrichtengebung und Hintergrundberichterstattung nicht die Realität im Verhältnis 1:1 abbilden - und das auch gar nicht können, denn jedenfalls ist die abgebildete Realität größer als der im Medium zur Verfügung stehende Raum.
Das Internet hat an dieser Diskrepanz nichts geändert. Auch das Web bildet eine größere Realität ab und schafft selbst eine neue (aber das hat auch schon der Roman geleistet, ist insofern also nichts Neues). Warum sollte das im nutzergenerierten Web 2.0 nicht gelten? Im Prinzip ist jeder Blogger eine Kunstfigur, selbst wenn er sich nicht als solche versteht.
Insofern schlage ich vor, die Beweislast umzukehren und bis zum Beweis des Gegenteils keine Authentizität zu unterstellen. Zuallererst ist es Unterhaltung, die das Web antreibt. Ob uns etwas gefällt, uns bei Laune hält und also unterhält - das jedenfalls können wir sofort erkennen. Ob es echt ist oder nicht, das hingegen wird im Web nicht mehr so leicht zu unterscheiden sein wie in den alten Medien.
Nils Jacobsen erzählt die (ganze?) Geschichte von lonelygirl15 nach.
Nachtrag: Lonelygirl 15 is Jessica Rose
Seit ein paar Tagen gibt es MySpace auf deutsch. Inzwischen trudeln die ersten einschlägigen Profile ein.
MySpace sucht übrigens einen Director Marketing und Content für den deutschen Markt. [q48]
Ist das manager magazin eine gespaltene Persönlichkeit? Im gedruckten Heft musste es vor kurzem die Sorge um eine Bubble 2.0 schüren. Die Botschaft dort: Web 2.0 = Bubble 2.0, der ernsthafte Manager von heute lässt die Finger davon.
Auf der Website hingegen schafft es das gleiche Blatt, ein differenziertes Portrait des gleichen Themas zu zeichnen. Andreas Neef und Willi Schroll schreiben dort unter der Überschrift "Waffe der Verbraucher":
Web 2.0 ist vor allem eins: Eine Revolution in den Köpfen.
Microwork, Netzwerkeffekt, Community, Gift Economy oder Crowdsourcing lauten einige der Buzzwords, die dort durchaus zu einem kohärenten Ganzen verbunden werden. Hier lautet die Botschaft: Liebe Manager, da braut sich etwas zusammen. Seid dabei, bevor es zu spät ist.
Die Erklärung ist relativ einfach und findet sich unter den Fotos der beiden Autoren:
Andreas Neef ist geschäftsführender Gesellschafter des Think Tanks Z_punkt. Der Zukunftsforscher und Innovationsberater verantwortet seit Anfang der 90er Jahre Innovations-Projekte für namhafte Großunternehmen. Willi Schroll ist Research Analyst mit Schwerpunkt Emerging Technologies und Internetentwicklung bei Z_punkt.
Dieser Artikel hat also einen völlig anderen Zweck - Marketing für eine Beratungsfirma. Das gedruckte manager magazin pflegt derweil den Nimbus des kritischen Presseorgans.
Also alles in schönster Ordnung. Keine Bewusstseinsspaltung. Und die Frage von Björn Ognibeni kann man jetzt auch beantworten:
Jetzt bin ich mal gespannt, wann es so ein Artikel von der Web- in die Print-Ausgabe schafft...
Wohl nie.
Es wird immer schwerer, das Leben. Muss am vorgerückten Alter liegen. Oder ist es nur ein postfrakturelles Trauma? Wie auch immer: Auch Medienschaffende müssen immer mehr kämpfen. Jüngste Beispiele:
- Thomas N. Burg, gerade frisch zusammen mit dem Fischmarkt auf einer Liste, bekommt einen Satz Fragen per Mail, beantwortet sie schön brav - und stellt die Antworten prompt ins Netz. Exklusivität war gestern. (Es geht übrigens um Medien und Web 2.0, aber das nur nebenbei. Diese ungefilterte Vorabveröffentlichung ist dann gleich ein Schnellkurs für den fragenden Journalisten.)
- Harald Schmidt, bekennender Internet-Anfänger ("Ich google meinen Namen einmal pro Stunde"), wird von Tita von Hardenberg in seiner Show mit einer Handkamera gefilmt (oder so ähnlich). Die Polylux-Frontfrau bewirbt damit ihr heute startendes
polyblogpolylog, wo das Video dann auftauchen soll. - Handelsblatt-Journalist Thomas Knüwer, selbst Blogger, sieht sich plötzlich der gezückten Kamera von Lukasz Gadowski gegenüber. Der Spreadshirt-Frontmann führt damit ein Interview für sein Blog Gründerszene.
Und das ist sicher noch nicht alles.
Warum hat Google sein jüngstes PR-Thema nicht über die einschlägigen Blogger gespielt, sondern ganz klassisch über New York Times und InformationWeek? Die Antwort steht bei Next 10 Years.
Wenn die Telekom auf einen Web-2.0-Trend aufspringt, ist das wie mit einem Taxifahrer, der einem Aktientipps gibt: Höchste Zeit, auszusteigen. Weiterlesen auf Themenblog
- Die Netzpiloten wollen im September Blogpiloten.de starten, "eine zentrale Umschau über die wichtigsten deutschen Weblogs". Die Kreation der Website übernimmt Fork Unstable Media.
- Die Website arena.tv hat es in den Netzfrühling geschafft. Was bedeutet, dass sie standardkonform ist (worauf die Studios generell größten Wert legen).
- Aus ibusiness - inklusive Joachim Graf wirklich ein Urgestein der Branche - wird im September ibusiness 3.0, "ein Wissenportal und Trendscouting für New Media Manager". Und webzwonullig wird's auch. Wir sind gespannt.
Wie Ajax die Praxis verändert, hat Hendrike Heydenreich, Frontend-Spezialistin bei SinnerSchrader Neue Informatik, in einem Gastbeitrag für die Computerwoche beschrieben. Ein Auszug:
Ajax ist bisher vor allem in Verbindung mit Web-2.0-Websites intensiv eingesetzt worden. Vorreiter beim Einsatz dieser Technik sind (häufig sehr kleine) innovative Internet-Unternehmen und Startups. Die Entwicklung der entsprechenden Anwendungen ist durch Geschwindigkeit und Pragmatismus in einem kleinen Team von Spezialisten geprägt, die sich schnell und informell austauschen können. Häufig sind es sogar dieselben Personen, die die fachlichen Anforderungen definieren und diese auch umsetzen. In der Literatur werden solche Entwicklungsprozesse als "agile Programmierung" bezeichnet: Iterative Entwicklungsmethoden werden verwendet, um schnell prototypische Ergebnisse zu schaffen und diese kontinuierlich zu verbessern. Es ist auffällig, dass viele Web-2.0-Anwendungen das Betastadium bewusst nicht verlassen.Den ganzen Artikel gibt es in Heft 33/2006, erschienen am 18. August.
So wirkungsvoll diese Arbeitsmethoden für den oben beschriebenen Einsatz auch sein mögen, für die Entwicklung von unternehmensinternen Anwendungen oder Internet-Präsenzen großer Unternehmen sind sie nicht ohne weiteres geeignet. Hier gilt es neben der Einführung neuer Funktionen auch Sicherheit in Bezug auf die Erfüllung fachlicher Anforderungen sowie auf die Einhaltung von Kostenrahmen und Zeitplänen zu gewährleisten. Nicht selten müssen Funktionen und Technik auch mit verschiedenen Stakeholdern abgestimmt werden. An der Erstellung eines - zumindest groben - Konzepts führt daher kein Weg vorbei, auch wenn das klassische Wasserfallmodell mit Grobkonzept, Feinspezifikation und Implementierung sicher nicht optimal zur Entwicklung von Ajax-Anwendungen geeignet ist.Wie kann nun Ajax unter Nutzung eines konventionellen Entwicklungsprozesses, wie er in den meisten Projekten im professionellen Umfeld vorgegeben ist, eingesetzt werden? Bei Ajax handelt es sich um eine Technik, bei der die technischen und fachlichen Aspekte eng und beinahe untrennbar miteinander verbunden werden. Bei der Konzeption wird daher weder ein allein fachlich getriebener Berater noch ein reiner Techniker zu den gewünschten Ergebnissen kommen. Stattdessen ist eine neue Rolle gefordert: der User-Interface-Designer. Dabei handelt es sich um eine Person, die die fachlichen Aspekte der Nutzerführung ebenso versteht wie die Aspekte der technischen Umsetzung.
Idealerweise ist diese Person auch in der Lage, einfache Anwendungen selbst zu entwickeln und somit während der Konzeption kleinere Prototypen zu erstellen. Solche Prototypen haben sich als extrem wichtig und hilfreich erwiesen. Sie schaffen nicht nur Sicherheit in Bezug auf die Erfüllung der fachlichen Anforderungen, sondern gestatten auch erste Tests bezüglich des Verhaltens der Anwendung unter verschiedenen Bedingungen, zum Beispiel bei verschiedenen Bandbreiten oder Bildschirmauflösungen. Diese Prototypen lassen sich dann entweder direkt als Teil der Anforderungsdefinition verwenden (fachlich und technisch), oder die Eigenschaften des Prototyps werden noch einmal, wie gewohnt, schriftlich dokumentiert. Dabei folgt hier die formale Dokumentation dem getesteten und funktionierenden Konzept und nicht umgekehrt - eine Erfahrung aus dem fulminanten Erfolg der Web-2.0-Projekte.

Wenn sich im September die Branche wieder einmal zur OMD versammelt, dann dürfte die Stimmung wohl noch besser sein als vor einem Jahr. Online-Marketing boomt. Und dennoch hat sich in den letzten zwölf Monaten einiges verändert.
Das zeigt schon die Eröffnungskeynote von Andreas Weigend: „Von Targeting zu Discovery: Transparenz und Konvergenz im Web 2.0“. Wer hätte vor einem Jahr prognostiziert, dass die OMD über Web 2.0 spricht?
Weigend hält nicht nur die Keynote, sondern muss in einem Streitgespräch ("Web 2.0: Revolution des Digitalen Marketings oder Seifenblase?") mit Matthias Kurwig, Geschäftsführer von Planetactive, auch noch seine Thesen verteidigen.
Wer es dagegen etwas praxisnäher mag, dem sei der Workshop ans Herz gelegt, den Malte Blumenthal, Geschäftsführer der SinnerSchrader Studios, zum Thema "Kreativstrategien im Netz: Auf dem Weg zur interaktiven Marke" hält. Termin: 20. September, 12 Uhr. (Hier der Mitschnitt seines Referates auf der Next 10 Years.)
Spreadshirt ist übrigens auch da.

Mit einem webzwonulligen Stadtplan ist seit einigen Tagen hamburg.de am Start. Und was dort bislang zu sehen ist, gibt nur einen kleinen Vorgeschmack auf das, was in den nächsten Wochen sukzessive kommen wird.
Die Grundidee ist einfach: Die Nutzer können je nach aktuellem Interesse verschiedene Informationsebenen ein- oder ausblenden. Damit bleibt der Stadtplan schön übersichtlich und kann trotzdem alle gewünschten Informationen anzeigen.
In der aktuellen Ausbaustufe können Haupt- und Nebenstraßennamen getrennt ein- und ausgeschaltet werden. Außerdem sind vier touristisch orientierte Zusatzinformationen wählbar:
- Museen und Ausstellungen
- Musik- und Liveclubs
- Theater, Oper, Musical
- Hotels

Zu jedem Objekt gibt es per Mouseover angezeigte Zusatzinformationen, die - gegen Geld, versteht sich - werblich zur Visitenkarte erweitert werden können. Von dort geht es dann direkt zur Buchung oder auf die jeweilige Website.
Der neue Stadtplan ist handwerklich solide gemacht, kommt aber in Sachen Usability nicht an Google Maps heran. Dazu trägt auch die mitgeschleppte Portalnavigation von hamburg.de bei, die an dieser Stelle überhaupt nicht gebraucht wird, aber eine Menge Platz kostet. Die Anwendung ist nicht so flott wie Google Maps, nicht ganz so intuitiv zu bedienen, und an einigen Stellen hakt es noch - wenn zum Beispiel die Skalierung zu pixeligem Bildaufbau führt.
Der Stadtplan war schon bisher ein stark frequentiertes Feature von hamburg.de. Stark nachgefragt waren aber auch die thematischen Spezialkarten im Bereich Tourismus, die bislang aufwendig und relativ starr in Flash gebaut und gepflegt wurden. Diese Spezialkarten werden nun durch den neuen Stadtplan abgelöst.
Richtig spannend wird die Sache, wenn künftig auch Einkaufsmöglichkeiten über diesen Stadtplan navigierbar sind. Für den stationären Einzelhandel bieten sich damit neue werbliche Möglichkeiten. Denkbar sind aber durchaus auch Immobilienanzeigen. Ein weites Feld. Und das bleibt keineswegs auf Hamburg beschränkt. Das Kartenmaterial reicht bis Flensburg im Norden bis Hannover im Süden, von Emden im Westen bis Greifswald im Osten.
Mit dem neuen Stadtplan schließt hamburg.de zum ewigen Rivalen berlin.de auf, der bereits ähnliche Möglichkeiten bietet. Dagegen binden koeln.de und muenchen.de schlicht stadtplandienst.de ein.

Wieder mal ein Kongress zum Thema Web 2.0. Und er heißt auch noch so, obwohl O'Reilly nichts damit zu tun hat. Mehr bei Next 10 Years.
Das wahrscheinlich längste Interview der Welt: Mein Gespräch mit Oliver Gassner / Netzstimmen über die Revolution im Marketing.
Usability dreht sich seit Jahrmillionen um Fragen wie: was hilft, was verwirrt? Meistens einigt man sich projektintern auf "Viel hilft viel". Was dann durch die Usability-Tests durchgeht, gilt. Empfindlichere Geister gucken jetzt angestrengt und fragen: Muß man jeden Hebel ziehen, nur weil man den Hebel ziehen kann?
An dieser Stelle spätestens taucht als Idealbild dann Apple im allgemeinen oder iTunes im speziellen auf. Und das Totschlag-Argument: "Konzentration auf das Wesentliche. Wer das nicht kann, weiß eigentlich nicht, was er will!" Und flugs gerät jede Projektbesprechung zur Grundsatzfrage, ob man Apple-Jünger ist oder nicht.
Ich möchte an dieser Stelle mit dem Mythos aufräumen, Apples Wesen sei EINFACH. Auch wenn ich mich bis zum Eintritt ins Rentenalter desavouiere: Weder der iPod noch iTunes sind einfach zu bedienen. Ja, ich bekenne hiermit, daß ich bei "meinem ersten Mal iPod" das Ding zwar zum Laufen gebracht habe. Aber wo geht er leiser, lauter oder aus? Wo ist der Regler, wo ein Knopf? Die Apple-Software mag schön, innovativ und konzentriert sein, alles. Aber sie ist nicht einfach. Einfach ist ein dahergelaufener Windows-Player: Installieren, auf Play drücken, fertig. Egal, wie viele Funktionen hinter der Button-Leiste lauern, das interessiert mich nicht. Ich sehe sie nicht, ich nutze sie nicht.
iTunes ist nicht einfach, sondern integrativ. iTunes führt den Hörer zu seiner Musik. Die Software macht beide zu Komplizen. Das ist Dialog, also ein hochkomplizierter Prozeß, der eben nicht mit einer simplen, sondern nur mit einer komplexen, sprich flexiblen Software zu bewältigen ist. Schon, wie vielfältig nur die Playlisten sortierbar sind - das ist doch nicht einfach! Aber es macht Spaß.
Zurück zum Thema. Wie einfach müssen denn nun dialogorientierte Interfaces sein? Ich behaupte: Gar nicht. Es gibt keine erfolgreiche "einfache" Anwendung. Alles, was derzeit in Scharen Nutzer zieht, sieht aus wie von Bill Gates persönlich entworfen. Myspace ist ein Horror an Usability und die Klickzahlen nur dadurch zu erklären, daß die Wege auf Myspace viel länger als anderswo sind. Facebook, StudiVZ und wie auch immer sie heißen: Alle gehen unter in einer Fülle von Features. Interessiert das jemanden? Nein. Nicht, daß man sich nicht eine bessere Usability wünscht. Aber Usability ist einfach kein Erfolgsfaktor!
Was denn dann? Erfolgreiche Software vermittelt das Gefühl, daß dieses Stück Software für mich gemacht ist. Wer es schafft, die Sehnsüchte einer klar umrissenen Zielgruppe anzusprechen, ist dem Erfolg viel näher als mit einer guten Usability in einem unverbindlichen Umfeld.

Auch das ist Myspace: Einstieg in die Foren
Myspace, Technorati, YouTube, Flickr leben davon, daß sie einen Sogeffekt erzeugen, der von einer klar umrissenen Zielgruppe ausgeht (Schüler, Studenten, Musker, Fotografen, Video-Fans, wer auch immer) und konzentrisch seine Kreise zieht.
Epilog:
Gerade darübergestolpert: Sevenload-Gründer Ibrahim Evsan stellt die Usability-Entwicklungsschritte seiner Site vor und benennt die Design- und Funktionsprioritäten:
• Ganzheitlichkeit (Video und Bild),
• Interaktionsmöglichkeiten (interne Nachrichten, Kommunikationsfunktionen, Bewertungen, Gästebucheinträge, Kommentare etc.),
• Kompatibilität (neueste Technik auf allen Browsern gleich -> wir arbeiten daran),
• Unterstützungsmöglichkeiten (technisch sowie inhaltliche Angebote),
• Flexibilität (offen für alle neuen Bereiche -> Podcast, Flash TV etc.),
• Individualisierung (Alben, Passwort geschützte Alben, Musikhinterlegte Diashows etc.)
• Partizipation (Mashup - also APIs, die eine Einbindung in Blogs und Homepages erlauben, etc.)
Irgendwie alles andere als einfach. Das hindert Sevenload aber nicht daran, zu den hochwertigsten Web-2.0-Anwendungen in Deutschland zu zählen und beachtliche Wachstumsraten vorzuweisen.
Wer die Begrüßung von Matthias Schrader auf der Next10Years nachlesen möchte, kann sich diese dort herunterladen.
Das derzeit führende deutsche Organ für Web 2.0, früher mal bekannt als Tante FAZ, gibt keine Ruhe, bis auch der letzte arglose Leser zum Web-Experten mutiert ist. Heute gibt das Feuilleton seinen Aufmacher und damit rund 2/3 der ersten Seite her. Der Artikel ist stilistisch wunderschön, aber eirig in der Argumentation, was uns denn nun ein bewohnbares Internet bringt. Es überwiegt, wie in dieser Intellektuellen-Gewichtsklasse üblich, eine leichte Abscheu gegen die Trivialität des alltäglich Produzierten. Dabei geht es doch ausdrücklich und schon im Titel um Alltäglichkeiten. (Online nutzt die FAZ einen anderen Titel als im Blatt. Im Print lautet der Titel: "Mein Schwager kennt sich da aus. Wer revolutioniert hier wen? Wie der Alltag das Internet und das Internet den Alltag verändert". Auf FAZ.net: "Das Internet ist bewohnbar geworden". Der Zwang zu kürzeren Titeln durch eine geringere Laufweite der Texte in der Online-Ausgabe entstellt also gleich die eigentliche Intention des Autors mit. Oder des Ressortchefs. Oder CvDs.)
Wie auch immer. Eine bessere PR kann sich OpenBC jedenfalls nicht wünschen, als in den Kreis der in Feuilletons Diskutierten aufzusteigen. Herzlichen Glückwunsch!
Die Story ist bekannt. Murdoch, der bislang nie in Verdacht stand Web-bullish zu sein, kaufte vor wenigen Monaten die US-Teenie-Community MySpace.com für rund $580 Mio und wurde fortan von nicht Wenigen der Alterssenilität bezichtigt. Das dauerte bis ungefähr diesen Montag. Mit einem befristeten Werbedeal in Höhe von rund $900 Mio schaffte er es, durch Google sein Investment mit einem Schlag zu refinanzieren. Ein weiterer Beleg wie rasant sich zur Zeit das Advertising-Business ändert.
Interessanter als die Dollars finde ich allerdings den Blick auf die Clicks. Laut ComScore generierte MySpace.com in den Monaten April bis Juni diesen Jahres rund 30 Mrd PageViews, das y-t-y Wachstum betrug fast 400%. Also, was tut sich hierzulande? Werfen wir einen Blick auf die Alexa-Zahlen von einigen deutschen Web2.0-Communities: OpenBC, lokalisten.de und studiVZ. Das Wachstum von studiVZ ist atemberaubend und mit jeweils rund 5 Mrd. PageViews im Quartal besitzen studiVZ und die Lokalisten bereits ein nettes Polster für die Vermarktung. Hut ab!
Über nichts erregt es sich so schön wie über die Frage, womit in der wolkigen Web-2.0-Stratosphäre das Geld zu verdienen sei. Zeit also, über das Geldverdienen zu reden. Weiterlesen auf Themenblog.de
Ein schönes Mashup für Zwischendurch: Goggles - ein Google Maps flight sim. Grossartig.
Oliver Gassner hat mal wieder ein neues Blog: Netzstimmen. Die ersten Stimmen gehören Lyssa und Ibrahim Evsan von Sevenload. Oliver hat mich ebenfalls zu einem Interview eingeladen, und ich habe ihm versprochen, vorab ein paar steile Thesen zu proklamieren, über die sich dann hoffentlich trefflich streiten läßt. Weiterlesen auf dem Themenblog ...
Was ich ja wirklich sehr lustig finde: Eine Kunstfigur wie Don Alphonso - nichts gegen ihn, sein Unterhaltungswert ist sehr hoch - will der deutschsprachigen Blogosphäre die ganze Zeit etwas von Glaubwürdigkeit erzählen. Und davon, dass Geld verdienen und Bloggen ja nur hübsch getrennt bleiben werden müssen, da sonst die Glaubwürdigkeit perdu ist.
Nun gut: Die Debatte im angelsächsischen Raum ist da schon etwas weiter. Bezahlte Blogger (Problogger) sind dort nichts Ungewöhnliches mehr. Und man mag Jason Calacanis (wer ihn nicht kennt: wir hatten ihn erst vorgestern) für ein Großmaul halten - wo er Recht hat, hat er Recht. Die Debatte dort entzündete sich an seinem Angebot, die besten Bookmarker von digg & Co. für Netscape anzuwerben. Mit Geld.
Clearly, some folks are very threatened by this idea of paying the masses. They are threatened for different reasons and I'll break them down for you.
1. Some entrepreneurs are very threatened by this concept because for the last couple of years they've gotten a free ride on the backs of the masses. Now, it's true that Flickr provided a free service and value to their users, as does DIGG and REDDIT, but the top 1-2% of the users on these services are providing much more value to the companies then they are getting back. There should be a market for the 1%, and if I have to create it so be it--I'll take the heat. I'm not here to make friends, I'm here to build a business.
2. The media elite are *very* threatened by this idea--just as they were threatened by the concept of paid bloggers. Why, because by making a wider talent pool drops the pay rates they're accustom to getting. There are thousands of great writers who got their start by free blogging who are now getting paid. Those new folks have lower pay expectations and the $1-a -word crowd was really pissed off about it. I remember someone in the stock photography business who got upset by me offering my pictures for free for commercial use. His problem was that my photos were as good as stock in many cases, and I was gonna take money away from the stock business. You know what, I don't care! It's *my* work and I can do what *I* want with it. This is the new world we've built here, and talent rises, wins, and gets to decide for THEMSELVES if they want to get paid or not. It's not Mike Arrington's choice, it's the content creators choice. For photos and blogging I choose to not get paid--for some of my others skills I want to get paid.
The talent pool is bigger and more open today and that benefits the little guy and it scares the heck out of the big guy. I love it!
The irony of ironies is that the so-called meritocricy of Web 2.0 is the most upset about this concept. They will fall back on the "you're corrupting community by paying them" line of BS, but don't fall for it.
Während sich die deutschsprachige Blogosphäre noch heftigst um die ersten zarten Kommerzialisierungsanzeichen streitet (jüngster Akt: ein Vorschlag zur Güte vom Don), geht es dort, wo die Musik spielt, längst ganz anders zur Sache. (Gut, als unbestreitbar kommerzielles Blog ist auf dem Fischmarkt natürlich gut reden.)
"Can You Buy a Community?", fragt Mike Davidson, CEO von Newsvine, in seinem Blog anlässlich des jüngsten Angebots von Jason Calacanis, CEO von Weblogs Inc. (AOL) an die Top-Nutzer von Digg, reddit, flickr und Newsvine, denen er 1.000 Dollar pro Monat zahlen möchte, damit sie auf sein jüngstes Kind umsteigen: das neue Netscape.com, das Calacanis zu einer Art digg-Klon umgebaut hat. Davidson dazu:
It’s an interesting experiment for sure: whether you can take a user base of 12 million that isn’t a community in any way, pull their aging but comfortable portal out from under them, pay a bunch of users from other sites to entertain them, and then get them injected into a new community before they decide to go elsewhere. It hasn’t caught on yet, and I imagine that 99% of Netscape’s current user base has yet to vote on a single article, but it’s still very early in the game.Deutlicher wird da schon Michael Arrington:
At the end of the day, the Netscape product is a soulless reproduction of one of the most interesting cultural experiments occuring on the web right now. It was thrown at millions of mainstream Internet users (previous Netscape portal users) who don’t understand Digg and probably don’t care (yet). If anything, my bet is that total page views at Netscape have dropped since the changeover, possibly substantially. Buying users from Digg won’t change that one bit.Was lernen wir daraus? Es sind die gleichen Debatten wie hierzulande, aber auf einem ganz anderen Niveau.
It looks like AOL has a mess on its hands. The obvious question is, will Jason will be the fall guy when it comes time to point fingers?
The deck chairs are being rearranged on theTitanicNetscape.
Spreadshirt bekommt Geld. Aber das ist nicht das Beste daran.

Das kommt davon, wenn man eine Mail an alle openBC-Mitglieder schickt... Also bitte nicht jetzt klicken.
Das europäische flickr kommt aus Dänemark und ist ein Kind von Thomas Madsen-Mygdal. 23 wendet sich nun sprachlich dem großen Nachbarn im Süden zu. Dabei berät Oliver Gassner, der zum Einstand gleich mal 230 Premium-Nutzerkonten zu verschenken hat.
Vielleicht kann er im Rahmen seiner Tätigkeit auch Robert Basic erklären, was 23 so einzigartig macht. Der hegt da nämlich deutliche Zweifel. Schlecht zu goggeln ist jedenfalls der Name - der sich übrigens aus der Zahl der Menschen in einem Raum erklärt, die es braucht, damit die Wahrscheinlichkeit größer als 50 Prozent ist, dass zwei von ihnen am gleichen Tag Geburtstag haben.

Combots lüftet heute das Geheimnis, was sie mit dem Geld aus dem Verkauf von Web.de gemacht haben. Eine etwas nebulöse Pressemitteilung ist schon draußen. Djure Meinen bloggt live (wenn er nicht des Saales verwiesen wird).
Nachtrag: So, jetzt wissen wir's:
Es ist keine Hardware. Es wird ein riesiger Haufen Infrastruktur an den Start gebracht. Es sieht cool aus, wenn man auf Mangas steht. Es vereinfacht die Kommunikation. Aber nur für diejenigen, die es schaffen, alle ihre Kontakte in das System zu locken.Danke, Djure!
Zweiter Nachtrag: Golem war auch da.
Dritter Nachtrag: Djure fasst zusammen. In 17 Punkten. Und Alexander Freimark analysiert die Auswirkungen am Kapitalmarkt.
Es ist schwer, so schwer. Leuten, die zufrieden in ihrer Gewißheit ruhen, den totalen Siegeszug des Internets "von Anfang an nicht so recht geglaubt zu haben", zu erklären, warum es durchaus Sinn macht, von dem hohen Ross ihrer Ahnungslosigkeit herunterzusteigen und sich mit der neuen Macht des Konsumenten zu beschäftigen. In diesem Sinne hochwillkommen ist eine neuen IBM-Studie, die versucht, den analogen Entscheidern in ihren Worten die Bedeutung der digitalen Revolution klar zu machen.
Sagt Gartner. Und wer hat Schuld? Die Blogosphäre, die Presse und die Startup-Szene. Mehr dazu bei Next 10 Years.
We’re not ready for the next Web. The world is still catching up to the last Web. The 2001 Web.Sagt Robert Scoble. Der ganze Artikel beim Scobleizer, ein Auszug bei Next 10 Years.

Emeriti nennt Mark Langeneck seine (Ein-Mann-)Agentur. Dort arbeiten also nur Akademiker im Ruhestand, oder habe ich etwas falsch verstanden? Doch Spaß beiseite. Mark schreibt:
Die Online-Werbewelt wird immer mehr zu einem Technik-Zirkus, der durch Contextual- und Behaviorial Targeting oder Keyword Marketing wie mit einer Brechstange versucht, Zielgruppen und höchst segmentierte Märkte zu erreichen. Zu häufig immer noch nach dem Top-Down-Prinzip. Es gibt natürlich auch andere Trends (Word of Mouth/Viral), aber eine Weiterentwicklung in Richtung Web 2.0 bleibt in der normalen Online-Werbung unbeachtet. Der hochgelobte Vorteil des Internets - die Interaktivität - wird in der Online-Werbewelt immer noch mit der Echtzeit-Auswertung und Messung von Daten gleichgesetzt (also dem direkten Rückkanal), statt mit der Interaktion, dem Dialog, dem Austausch zwischen den Menschen.
Was Mark Langeneck dem entgegenzusetzen hat, steht nebenan im Mediabrief.
Macht Platz für die, die keine Antworten haben, sondern die richtigen Fragen stellen! Mehr lesen auf Themenblog.

FTD-Autor Horst von Buttlar mit falscher Identität bei OpenBC. Köstlich.

Jürgen Siebert in der Page 7/2006:
Etablierte Unternehmen müssen sich langsam von dem Gedanken lösen, dass sich Kunden für ihr Gesamtangebot interessieren. Was in Zukunft zählt, sind nutzerorientierte Services. Das Denken in Dienstleistungen ist nicht einfach, wie man an Post und Telekom sehen kann. (Ich sage nur: Telefonbuch.de - schon mehrfach an dieser Stelle als Lachnummer zitiert...)Abbildung: Das T-Shirt zum Kongress Next 10 Years in der symbolischen Darstellung von Jürgen Siebert (mit freundlicher Genehmigung). Mehr dazu bei next10years.com.
Was bedeutet Web 2.0 für die Grafikdesignbranche? Zum Beispiel: Abschied nehmen von der Überbetonung des Kosmetischen. Mehr als jemals zuvor sind Informationsingenieure gefragt, keine Hübschmacher. Verglichen mit der Bauindustrie sind die Designer Planer, Architekten, Statiker und Maurer. Sie errichten ein Informationsgebäude. Erst danach kommen die Maler und Verputzer. Wer diese Reihenfolge umdreht, wird scheitern.
Wieder in der pompösen eindrucksvollen Landesvertretung Baden-Württemberg. Björn Ognibeni ist auch schon da. Anders als im Vorjahr gibt es WLAN und also DMMK-Liveberichterstattung, soweit möglich.
Das erste, was ich vom Kongressprogramm gesehen habe, war ein seltsam uninspirierter Vortrag von AOL-Deutschlandchef Charles Fränkl über Web 2.0. Auch AOL ist jetzt Web 2.0. Sehr schön.
Jetzt aber spricht Gregor Gründgens von Coca-Cola. Und damit der Gastgeber für ein Vertreter des Unternehmens, das die Wohngemeinschaft im Herzen des alten Westberlin finanziert. Aber dazu später mehr.
Updates folgen in umgekehrt chronologischer Reihenfolge.
11:59
Coca-Cola sieht neue Wettbewerber: neben Pepsi jetzt auch Klingeltöne oder MP3-Downloads.
Coca-Cola hat alle Interaktionsangebote auf dem Cokefridge zentralisiert. Der digitale Kühlschrank befindet sich gerade im Übergang vom Promotion- zum Permission-Programm ("for our pleasure"). Dort sind mehr als eine halbe Million Menschen registriert. Und es geht in Richtung Relationship-Programm.
12:01
Jetzt zeigt er einen dreiminütigen Trailer. Ok.
Über zwei Millionen Codes aus Flaschendeckeln und dergleichen sind inzwischen auf Cokefridge eingelöst worden.
Freedom of speech steht auf der aktuellen Folie, und Gründgens deutet Probleme an.
12:06
Die virtuelle Währung heißt Coins. In jedem Deckel steckt ein individueller Code, was die Möglichkeiten für Gewinnspiele und dergleichen (zur "Useraktivierung") dramatisch erhöht im Vergleich zu früheren Zeiten, als Codes noch nicht individualisiert sein konnten.
12:12
"Wir verkaufen Coca-Cola." Dialog und individuelle redaktionelle Inhalte sind hingegen nicht das Kerngeschäft. Interessanter Punkt.
Das gesamte Cokefridge-Konzept ist ein Kundenbindungsprogramm.
Der inhaltliche Fokus ist sehr breit, da die Zielgruppe ebenfalls sehr breit ist. Der Cokefridge besetzt bestimmte Themen zu bestimmten Zeitpunkten. Gründgens sieht Verbesserungsmöglichkeiten über das Feedback der Nutzer. Mehr Interaktion mit der Community ist gewünscht.
Cokefridge ist eine Entertainment-Plattform. Das klingt plausibel.
12:15
Jetzt folgt etwas Klartext zum Thema Freedom of speech. Blogging zum Beispiel ist auf der Plattform heute noch nicht möglich, aber denkbar. Aus den knappen Worten wird deutlich, dass Coca-Cola hier noch Arbeit vor sich sieht.
Gleich spricht Sarik Weber von openBC.
12:23
Was macht ein Vertriebschef, wenn der Vertrieb eigentlich von alleine läuft? Gute Frage, die aber ohne Antwort bleibt. Was jetzt folgt, scheint eher die Standardpräsentation von openBC zu sein. Weber erklärt das kleine Einmaleins von Netzwerken und Social Software. Eine kleine Spitze gegen AOL kann er sich nicht verkneifen.
Auf die Frage, wer Mitglied bei openBC ist, hebt fast der ganze Saal die Hand. Nach aktiven Mitgliedern gefragt, bleiben etliche Hände unten. Spannend wäre jetzt gewesen, nach zahlenden Mitgliedern zu fragen.
12:29
Etwas Statistik über die Nutzerschaft. Jetzt die Features von openBC. Den Suchagenten kennt kaum jemand. Ich auch nicht.
Sind Sie sicher, dass der erste Eintrag bei der Google-Suche nach dem eigenen Namen wirklich der richtige ist? Gute Frage.
Wie schafft man es, mit 2.200 Kontakten in Kontakt zu bleiben? Sarik Weber schreibt Geburtstagsmails. Täglich mehrere. Ganz wichtig.
12:37
Jetzt kommen Success Stories. Das heißt, es folgt massives Namedropping. Thorsten Hahn (Bankingclub) hat eine Gruppe auf openBC mit 14.000 Mitgliedern, die er verlinkt hat mit einem externen Netzwerk. Keine Details.
Den dritten Vortrag hält Christian Hieber von ipodfun.de.
12:47
Die Besucherzahlen von ipodfun.de liegen etwa auf dem Niveau des Cokefridge. Die Site entstand als quasi-Blog im Jahr 2001, kurz nach der Ankündigung des ersten iPod. Heute ist ipodfun.de ein Newsportal mit Community. Warum kommen die Besucher? Neben Tipps & Tricks ist es die Community als soziales Umfeld, die Bindungskraft hat.
Es gab Community-Podcasts bis zu einer Minute Länge, die jeder Nutzer hochladen konnte. Es gibt freie Software und Shareware zum Download, kommerzielle Software hingegen nicht.
12:53
Mit den Nutzerdaten machen sie gar nichts. Es gibt keinen Newsletter, keine Mails, nix dergleichen.
Inzwischen verdienen sie Geld, obwohl das anfangs gar nicht geplant war. Umsatz kommt über "passende" Affiliate-Programme, Banner ("in Maßen"), Zubehörverkauf im eigenen Webshop und Sponsoring von Teilbereichen oder Aktionen herein.
Die Werbung soll inhaltlich passen und den Nutzer nicht belästigen, lautet die Devise. Keine Popups oder andere aggressive Werbeformen.
13:00
Web 2.0 fordert die etablierten Strukturen heraus. Die aktuelle Version steht schon seit zwei Jahren im Netz, relativ lange für eine Website. Wahrscheinlich zu lange.
Eine nette Tagcloud zeigt, was für Hieber in Zukunft eine webzwonullige Community alles können muss. Aber vielleicht, sagt er auch, muss ipodfun.de gar nicht alles selbst anbieten, sondern kann Elemente von anderswo integrieren. Web 2.0 eben.
Sehr sympathischer Vortrag. Entwaffnend in seiner Offenheit.
13:09
Das WLAN wackelt etwas. Außerdem ist die Zeit eigentlich vorbei und die Diskussionsrunde demzufolge recht kurz. Moderator Johannes Jagusch stellt die Zehnjahresfrage: Was macht Ihr Unternehmen in zehn Jahren? Next 10 Years.
Christian Hieber macht wahrscheinlich wieder etwas völlig anderes. Sarik Weber rechnet mit einem erweiterten Fokus für openBC. Und Gregor Gründgens sagt, dass er es nicht weiß. One-to-One-Marketing wird ein Thema sein. Und das Web wird wohl weiterhin überraschend bleiben.
Jetzt gibt es Essen. Später mehr.
Am 7. Juli - ja, das ist schon nächste Woche - tagt in Amsterdam The Next Web Conference. Wieder geht es um Web 2.0, wieder sprechen interessante Referenten.
Und auch die Promotion ist ziemlich Web 2.0: Es gibt schicke Badges, und Studenten können Banner bauen, um Eintrittskarten zu gewinnen.
Ein paar Details auf next10years.com
Er bringt mal wieder brilliant auf den Punkt, was Kommunikation 2.0 ausmacht:
Did you miss that I turned into an international news story that has gotten more attention than everything Microsoft announced at its big TechED conference this week?
How did I do that?
I talked with the grassroots FIRST. Against the advice, by the way, of a lot of PR people (they wanted me to break the news to Walt Mossberg or someone "important" first — they thought that's how I was going to get the biggest story going).
They all are wrong. I almost bought into it too. In fact, I did. On Saturday I talked with maybe 20 people and said "can you wait until Tuesday to talk about it?" I wanted to give the story to the Wall Street Journal too. Not to mention I wanted to tell my coworkers before the story hit. I didn't get that chance and I'm lucky, in hindsight, that I didn't. Because the story started on the grassroots first it got far far bigger than if I broke it on a big newspaper.
It's a lesson I'll never forget again.
Zwei Kollegen kamen gestern, unabhängig voneinander, an meinen Schreibtisch. Beide sind zweifelsfrei absolute Profis in ihrem Spezialgebiet und nutzen selbstverständlich das Internet für ihre Arbeit - anders geht es gar nicht.
Der Erste fragte nach der Blogsoftware, die wir für den Fischmarkt einsetzen. Er hatte sich gerade diesbezüglich im Netz umgesehen. Movable Type jedoch war ihm kein Begriff, und den Namen Wordpress hatte er auch noch nicht gehört.
Ist ja auch nicht weiter schlimm und gehört sicher noch nicht zur Allgemeinbildung. Wir kamen dann über das Bloggen im Allgemeinen, den Nutzen für Unternehmen im Besonderen und die Frage ins Gespräch, wer eigentlich Blogs liest und wie man sie am besten abonniert.
Ich zeigte ihm unsere Nutzungsstatistik, wir verglichen die Zahlen mit den verschiedenen Unternehmenswebsites und warfen einen Blick in die Abonnentenzahlen, die Feedburner uns ausweist. Fazit: sinnerschrader.de hat nach zehn Jahren ein stabiles Grundrauschen, gespeist aus dem allgemeinen Interesse am Unternehmen. Der Fischmarkt hingegen zeigt eine anhaltende Wachstumsdynamik und liegt inzwischen gleichauf. (Und in diesen Zahlen sind die 500 RSS-Abonnenten noch gar nicht enthalten.)
Unser Gespräch endete damit, dass ich ihm das Whitepaper von Paul Beelen - der geneigte Leser kennt es womöglich bereits - zur Lektüre empfahl, um gerüstet zu sein für künftige Debatten darüber, was das mit dem Web 2.0 eigentlich alles soll.
Kurze Zeit später der Zweite. Er hatte das Handelsblatt gelesen und einen Artikel von Thomas Knüwer über Robert Scoble gefunden, besser bekannt als Scobleizer. Von dem hatte er noch nie etwas gehört.
Was ihn aber wirklich elektrisierte, war diese lakonische Notiz:
Sein Weblog Scobleizer (http://scobleizer.wordpress.com) ist auf Platz 38 in der Rangliste der meistverlinkten Blogs weltweit.
Da gibt es eine Rangliste? Großes Staunen. Ich zeigte ihm Technorati und wie man dort den Scobleizer findet. Und siehe da: Inzwischen ist er schon auf Platz 34. Denn die Nachricht, dass er Microsoft verlässt, ging nicht nur durch die Presse, sondern vor allem durch die Blogosphäre - und hat ihm zahlreiche neue Links und damit den Aufstieg im Ranking beschert.
Jetzt wollten wir es natürlich wissen: Fischmarkt - Platz 14.464, Themenblog - Rang 43.966, Next 10 Years - Position 28.515. Und selbst der Mediabrief in seinem relativen Schattendasein ist zu finden.
Noch größeres Staunen. Woher weiß Technorati davon? Ich erzählte ihm, dass unsere Software automatisch eine Nachricht an Technorati schickt (ein Ping), wenn ein neuer Artikel veröffentlicht wird. Weshalb Technorati weiß, was passiert, und selbst unbekannte Nischenblogs zuverlässig auffindet.
Alles keine Raketenphysik, würde ein dritter Kollege jetzt sagen, seines Zeichens Doktor der Physik. Und trotzdem noch lange kein Allgemeingut. Selbst in einer Internetagentur.
Weshalb ich mir jetzt vornehme, auch scheinbar selbstverständliche und längst bekannte Dinge hier aufzuschreiben. To whom it may concern.
Qype ist gerade erst 10 Wochen online und schon heute kaum mehr mit der Startversion zu vergleichen. Vor allem in den letzten zehn Tagen hat das Qype-Team diverse neue Features gelauncht.
In der Summe zeigen sie, wo es hingeht mit Qype: eine lokale Suche, klar. Aber nicht nur für Adressen und Dienstleister, sondern für die Menschen aus meinem Eck. Nie war es einfacher, Gleichgesinnte zu finden, die nur zwei Straßen weiter wohnen.
Wer ist wie ich?
Seit heute prangt auf jeder persönlichen Seite ein fescher Schieberiegel "Qyper, die taggen wie ich". Wer den Regler nach links auf "Mainstream" setzt, erhält alle Mitglieder angezeigt, die bestimmte Schlagworte (Tags) genauso oft und gerne benutzen wie man selbst. Bei mir wäre das beispielsweise "Ottensen". Richtung "Tellerrand" verschoben, sucht Qype nach den seltener genutzen Tags. (Die Begriffe sind noch nicht final.) Welche Tags der Suche zugrunde liegen, sieht man in der Tagwolke daran, daß sie rot gefärbt und gelb unterlegt sind.

Lieblingsplatz markieren
Mein persönlicher Favorit. Endlich bin ich auch im Internet überall dort präsent, wo ich mich sowieso ständig aufhalte. Lieblingsplatz eben. Mit dieser Funktion läßt sich wunderbar ein "virtueller Tresen" aufbauen. Also: wer ist auch öfter mal im Reh? Bitte Flagge zeigen (nein, ausnahmsweise mal nicht die deutsche). Die Lieblingsplätze schreien natürlich danach, recht bald mit einer Dating-Funktion angereichert zu werden.

Besucher sehen

Für wen schreibt man eigentlich den ganzen Kram? Wie jeder weiß (auf jeden Fall jeder, der einen Premium-Account bei OpenBC hat), ist niemand interessanter als derjenige, der sich für mich interessiert. Endlich weiß man auch das: Ich bin es für bislang rund 400 Leutchen gewesen, die ich zudem noch angezeigt bekomme und deren Site ich besuchen kann.

Man muss nur den richtigen Suchbegriff nehmen, und schon liegt die WM vor Web 2.0. Wie sich das gehört. (Und nicht etwa umgekehrt wie neulich.)
Nicht zu verpassen: Markus Breuer verfasst nach einem Jahr Pause wieder seine Notizen aus der Provinz des nördlichen Süd-Ostwestfalen. Zum Beispiel mit der Frage, was der Sinn von Web 2.0 ist.
Philipp Schindler, Nordeuropa-Chef der Internet-Suchmaschine Google, legt via FAZ den deutschen Medienunternehmen "eine Art Kriegserklärung auf den Eichenschreibtisch" (Peter Turi).
Und Mark Pohlmann mag Unternehmen, die sich selbst kritisieren.

Jetzt geht's los! Nein, nicht was jetzt jeder denkt. Sondern mit den Web-2.0-Kongressen in Deutschland. Im Oktober findet schon wieder einer statt. Mehr dazu bei next10years.com.

Auch Kongressveranstalter, zumal mit der Erfahrung und dem Standing eines Thomas Madsen-Mygdal, haben ein Distinktionsbedürfnis. Die reboot, in diesem Jahr schon in der achten Auflage, ist kein Web-2.0-Event. Na sowas? Themenblogger Mark Pohlmann war dabei. Hier sein Bericht.

Das meldet der Haltungsturner. Sehr schön erklärt: der Weg zum eigenen Blog und die Basisbegriffe ("Posts" und "Blogs").
Die Vorgeschichte bei Exciting Commerce. Und Robert "Thinking" Basic hat Probleme mit der Policy.

Die lang erwartete Readers Edition der Netzeitung ist da. Erste Stimmen aus dem Netz:
Die Idee ist gut, warten wir ab, ob die Welt dafür schon bereit ist. (Johnny Haeusler, Spreeblick)
Es ist ein sehr, sehr spannendes Projekt, das extrem viele wache Augen benötigt. Funktioniert es, setzt es vielleicht sogar international einen Maßstab. (Thomas Knüwer, Indiskretion Ehrensache)
Zumindest die ersten bereits eingereichten Artikel lassen gutes hoffen… (BloggingTom)
Das Layout wirkt sachlich, aber nicht unschick. Und auch nicht so unaufgeräumt-durcheinander wie bei vielen Newsseiten. (Robert Basic, Basic Thinking]

Kongresse, Kongresse, Kongresse. Wer noch nicht genug hat, kann Ende dieser Woche den Online Marketing Gipfel 2006 in Wiesbaden besuchen. Das Verhältnis von Anzug- zu Jeansträgern dort wird reziprok zur reboot sein. Ein paar Gründe für die Reise:
- Bernd M. Michael, zuletzt durch seine Ansprache zum New Media Award positiv aufgefallen, spricht gleich nach dem Grußwort über "Online Kommunikation – Stammspieler oder nur Reservebank?".
- Christian Magel stellt simyo vor ("Generationenwechsel im Mobilfunk: simyo - Die Erfolgsstory mit Pure play Internet").
- Markus Krechting referiert über "Neckermann auf dem Weg zur E-Commerce-driven Company - Die Zukunft liegt im Internet".
- Tim von Törne präsentiert Skype zum Thema "Internettelefonie und eMarketing - wie bringt man diese Bereiche zusammen?".
- PR-Blogger Klaus Eck darf das Thema Web 2.0 ("Chancen und Risiken") vertreten.
- Und schließlich Martin Oetting: "Online Marketing Trends: Marketing im 21. Jahrhundert - Dank kollektiver Intelligenz"

Shopify wechselt von der Beta- in die Sneak-Preview-Phase. So sieht mein neuer, völlig unbehandelter Shopify-Shop aus. Das Admin-Interface verspricht einiges: Unter "Blogs & Pages" lassen sich nicht nur statische HTML-Seiten, sondern auch ganze Blogs anlegen. Mal schauen, welche Features die Plattform bietet. Vielleicht ist ja Shopify in Bälde die Lösung der Wahl für jeden bloggenden Verkäufer oder verkaufenden Blogger?
Nachtrag: Klaas Wilhelm Bollhöfer analysiert, warum eher nicht.
Wird fortgesetzt.
Weil es so schön ist, was Jürgen Ahting da ausgegraben hat, hier in voller Länge:
On the subject of broadcast vs broadband, Tom writes:Man beachte auch den Kommentar von Dharmesh Shah:There's nothing rapid about this transition at all. It's been happening in the background for fifteen years. So let me rephrase it in ways that I understand. Shock revelation! A new set of technologies has started to displace older technologies and will continue to do so at a fairly slow rate over the next ten to thirty years!In comments, Will writes:
...
My sense of these media organisations that use this argument of incredibly rapid technology change is that they're screaming that they're being pursued by a snail and yet they cannot get away! 'The snail! The snail!', they cry. 'How can we possibly escape!?'. The problem being that the snail's been moving closer for the last twenty years one way or another and they just weren't paying attention.If one person is claiming that the world is moving fairly slowly, and has some sound advice on what this might look like (as you are doing here), and another person is claiming that the world is moving extraordinarily quickly, but offers some quickfire measures through which to cope with this, the sense of emergency will win purely because it is present. From here, it almost becomes *risky* not to then adopt the quickfire measures suggested by the second person. Panic becomes a safer strategy than calmness. Which explains management consultancy...and John asks:does web2.0 count as a snail too?But Web 2.0 is not a snail.
Web 2.0 is the people pointing and shouting 'The snail! The snail!'
Web 2.0 is also the people who overhear the first group and join in, shouting 'The whale! The whale!' and pointing vaguely upwards and towards the nearest ocean.
Web 2.0 is also the people who hear the second group and panic about the approaching whale, or is it a land-whale? what is a land-whale anyway? whatever it is, there's one coming and we'd all better... well, we'd better tell someone about it, anyway - I mean, there's a land-whale coming, how often does something like that happen?
Web 2.0 is also the people who hear the third group and improvise a land-whale parade, with floats and dancers and drummers and at its centre a giant paper land-whale held aloft by fifteen people, because, I don't know, but everyone was talking about land-whales and it just seemed like a good idea, you know?
And Web 2.0 is the people who come along halfway through the parade and sell the roadside spectators standing-room tickets.
Absolutely brilliant.
I'd thought I'd read all the possible variations of definitions on Web 2.0 that there could be.
This is by far, one of the most insightful. I have a master's thesis I'm working on that covers "Web 2.0 Business Models -- An Oxymoron". This might be a good fit.
Mal eine technische Durchsage: Der eine oder die andere klagt über WLAN-Probleme. Unsere Admins sind dran. An sich sollte alles laufen, höre ich. Es gibt insgesamt fünf WLAN-Router für next10years in der Halle.
Ich selbst bin heute eher analog verkabelt. (Daran erkennt man sofort und ohne jedes Tag meine Unwichtigkeit.) Kollegen machen sinnreiche Witze.
Ach so, und Steckdosen: Ich habe heute vormittag bei allen vier Tracks und auch unten in der Halle mindestens je zwei Mehrfachsteckdosenreihen installiert. Die sind vielleicht etwas schlecht zu sehen vor lauter Menschen, aber sie sind da. :)
Noch ein Tag.
Gestern hat in der Halle der Aufbau begonnen. Der wird bei den Kollegen an den Werkbänken (nicht zu Unrecht) als störend empfunden, da er mit Geräusch verbunden. Doch ändern lässt sich das trotzdem nicht.
Das Thema Lärm hat uns hier in der Gasstraße von Anfang an beschäftigt. Aber jetzt wissen wir endlich, wozu SinnerSchrader damals diese 6.000 Quadratmeter gemietet hat - um einen würdigen Rahmen für die Zehnjahresfeier zu haben.

Heute erscheint die große Jubiläumsausgabe der Page, die ziemlich genau zehn Jahre älter als SinnerSchrader ist.
1986 fing alles an: Mit dem Mac Plus, dem LaserWriter und Aldus PageMaker war die Idee des Desktop Publishings geboren, PAGE machte sich ans Werk und schon sind wir mittendrin in der Revolution, die die Kreativ- und Medienbranche bis heute in Atem hält.Matthias Schrader, seinerzeit Autor der Zeitschrift, hat seine 2c dazu beigesteuert. Das Manuscript (Arbeitstitel: Wie alles anfing) musste für den Druck etwas gekürzt werden. Den Lesern des Fischmarktes möchten wir den Text in voller Länge nicht vorenthalten.
In unserer großen Jubiläumsausgabe PAGE XXL werfen wir den Blick zurück nach vorn - Protagonisten und Pioniere resümieren und revidieren, Visionäre und Trendsetter proklamieren die Ideen von Morgen - denn mit Web 2.0, MIP TV, Triple Play & Co stehen uns die größten Umwälzungen noch bevor. Join the Revolution!
Freuen wir uns auf den heute erscheinenden ersten Teil der Serie. In Kürze hier auf dem Fischmarkt. Vorhang auf!
Noch zwei Tage.
Gestern habe ich mich fast den ganzen Nachmittag durch Tausende von Mails gewühlt, um allerlei Ummeldungen ("statt Herrn X kommt jetzt Frau Y") und dergleichen sauber in eine Tabelle zu übertragen. Als ich damit fertig war, habe ich die Datei ruckzuck überschrieben. Super.
In diesem Wahn ist mir dann auch noch entgangen, dass Holger Schmidt, der Track III moderieren wird, in der FAZ "sehr eindrucksvoll und kompetent" über unseren Kongress berichtet hat, ohne ihn zu erwähnen. Genannt werden hingegen Etsy und spreadshirt, die Shoposphere und Volker Glaeser von Yahoo, die Autorenblogs von Amazon, Jochen Krisch und Exciting Commerce, die Internet World Business, das Cluetrain-Manifest, ein mir unbekanntes und nicht auffindbares Lufthansa-Blog, Procter & Gamble sowie Nestlé.
Ich kann mich der Empfehlung von Jochen Krisch nur anschließen: Lesen!
Noch drei Tage.
Wie erfährt der Rest der Welt am Donnerstag, was auf dem Kongress geschieht?
- Oliver Gassner hat angekündigt, live zu bloggen. Weitere Liveblogger sind willkommen!
- Alle Vorträge und Panels werden von uns in Bild und Ton aufgezeichnet und nach dem Kongress auf der Website veröffentlicht.
- Unser Fotograf wird alle Bilder während des Tages bei 23 veröffentlichen.
- In der Halle, so hat es Christian Kraemer versprochen, seines Zeichens Leiter von SinnerSchrader Betrieb, wird ein offenes WLAN installiert.
- Wir werden Mehrfachsteckdosen installieren, wo immer das möglich ist, damit kein mobiles Endgerät ohne Saft bleiben muss.
Hal Faber alias Detlef Borchers heist den Kongress:
Wir auch:Was wird.
Am Weltlachtag darf natürlich nicht der Blick auf das Internet fehlen, das sage und schreibe von 321 wichtigen Trends dominiert wird. Und wer Berlin nicht mag, sollte halt mit seinem Opel oder Lada nach Hamburg gurken, wo die Next 10 Years belobhudelt werden, die Jahre mit den interaktiven Frontends im geilen Web 2.0. Wenn man den Blödsinn verkündet, dass Deutschland Weltmeister wird oder das Internet zu sich selbst findet. Wichsen ist nach Dr. Freud eine Kulturleistung, die genossen werden will. Segeln also die Vordenker dahin, vom "read-only zum writable Web", angespornt von einem Eunuchen, der sein Credo verkündet: "Wir wissen nichts, aber wir können es messen."
Next 10 Years proudly presents Spreadshirt. Oder eigentlich umgekehrt: Spreadshirt proudly presents Next 10 Years. Wie auch immer: Der Kongress hat einen neuen Sponsor.
Auch Sponsor werden? Mail genügt.
Eine Trouvaille aus PC Magazine: The Net's Next 10 Years. Ein Jahr alt. Völlig andere Sicht der Dinge.

Der geradezu gespenstische Erfolg eher hässlicher Websites ist eine intellektuelle Herausforderung für jeden Designer, vor allem natürlich für Web-Designer. Christian Jung gehört zu denen, die sich dieser Herausforderung stellen.
Natürlich beschreitet Christian einen eleganten Ausweg aus diesem Widerspruch.Whats the nature of the web? A powershift. The web makes easy access to information to everyone. [...] The web shifts a part of the power from companies and institutions to the individual. That’s great and therefore we all love the internet.
Design has its root in the opposite direction. Design is visible authority. Design is expensive, not everyone can afford it. Authorities always used design to make their power visible. Any designer must be reminded that the toolset we are using has its origin in expressing power within a society.
Design must simply respect the web’s nature: gathering information, connecting with other people. There are a lot of examples (flickr is the best in the web2.0 context) that show this can be achieved without producing ugliness. Designing web is more about thinking about functions and how to use them best. Designers must stand back from their vanity and rethink their tools.Jason Santa Maria fühlt sich zu einer ausführlichen Replik provoziert:
Good design is certainly not only something visually beautiful. I will yell it from the rooftops, design is communication! Which means: design is writing, design is organization, design is usability, and on and on. Design encompasses much more than you think. If you are still clinging to the idea that design is merely decoration, or that something has to be visually appealing to be successful, you are as thick as the mud you’ve been flinging.Christian Jung leitete das Experience Design von SinnerSchrader und seit 2004 von SinnerSchrader Neue Informatik. Auf dem Thementag 2005 referierte er über die Geschichte der nutzerorientierten Anwendungsentwicklung. Heute arbeitet Christian Jung bei CoreMedia.
Kongressmarketing gehörte ja bis jetzt nicht zu unseren traditionellen Stärken. Deshalb sind wir mit einer Reihe von Annahmen und mehr oder weniger begründeten Vermutungen in das Abenteuer Next 10 Years gestartet - die sich erstaunlich gut bestätigt haben.

Das Schaubild zeigt die täglichen Umsatzzahlen seit dem Start der Anmeldung Anfang April. Erwartungsgemäß erzeugten die ersten Aussendungen eine erste große Anmeldungswelle. Mitte April schlug das Osterloch voll zu Buche. Und erst in dieser Woche kam die zweite Welle - last minute - ins Rollen.
Wir hatten von Anfang an einen Frühbuchertarif bis zum 30. April eingeplant, um damit einen Anreiz für rechtzeitige Anmeldung zu schaffen. Das scheint funktioniert zu haben.
Das zweite Ziel war, die Last-Minute-Buchungen ab dem 1. Mai etwas zu begrenzen, aber auch Spätentschlossenen noch die Möglichkeit zur Buchung zu geben. Ob das auch funktioniert oder ob uns in der nächsten Woche immer noch die Bude eingerannt wird, werden wir sehen.
Mit Stand von heute könnten wir die Anmeldung auch schließen - die geplante Teilnehmerzahl ist erreicht, die Kapazitäten unserer Bahrenfelder Werkshalle sind so gut wie erschöpft. Vielen Dank an alle, die dazu ihren Teil beigetragen haben! Die Welle der Begeisterung für den Kongress hat uns fast überrollt und alle Erwartungen übertroffen.

Spiegel Online hat sich ja mit seiner Berichterstattung über Blogs und andere Phänomene des sozialen Webs nicht nur mit Ruhm bekleckert. Heute jedoch schwingt das Pendel in die andere Richtung. Christian Stöcker schreibt eine wahre Hymne über soziale Software - am Beispiel von openBC und Qype.
In Deutschland wächst die nächste Generation des Web-Business heran. Ein Startup aus Hamburg etwa will aus dem neuen Gemeinschaftssinn des Netzes Kapital schlagen: Mit lokaler Suche plus persönlicher Empfehlung will man Web.de und den Gelben Seiten das Geschäft verderben.Was ist Qype? Eine der (für Eingeweihte) besten Kurzdefinitionen ist die von ix:
qype ist eine art gelbe seiten mit kommentar- und taggingfunktion.
Seit gestern ist Qype live und hat auch gleich die für Deutschland ebenfalls neuen Google Maps eingebaut. "Echtes Web 2.0 aus deutschen Landen", so das Prädikat der Computerwoche.
Noch ein paar Lesehinweise zum Thema:
- Ringfahndung: Googles Abenddämmerung
- Geschmacksberater: Qype - sowas von 2.0
- Gastgewerbe Gedankensplitter: Qype
- Die Zeit: Näher ran, bitte!
Foto von Spiegel Online
Was man so alles findet, wenn man mal nach Qype sucht.The plane got back to SFO, and a tired Michael Arrington disembarked. Cheap airfare was a real enablr for Arrington's business. He could go and hang out with startups, and meet some really nice chicks in the Airset.
He got in to the car and flickred the radio on and tuned it to the last.fm station on the dial. It was ideal radiotime. Sometimes the music really can fluctu8 too much, but this wasn't the usual grat.uito.us crap you find on FM radio which pushes people to buy and iPod and turn it upto11.
As he was driving, he pulled over to the McDonalds drive-thru and decided to order a cheese burger. He pulled up and winded his window down.
"Simpy, Chuquet blurb rrove! Get me a wobblog you qype!"
The voice hesitated and then responded.
"I'm sorry, sir, we are out of that."
"I'll have McNuggets instead. And bring it here fastr than last time, or I'll beat your ookles in you dimewise sxip!"
Back on the road, he tucked in. "These are del.icio.us!" he thought to himself. Usually they're foul, but something must have kept his ikarma levels up. He'd stuck to the 9rules he'd learnt from Mozes.
At the end of the day, even if he spends all of his time climbing the blogladder and hanging out with people with lifetypes, at the end of the day he sits back and enjoys a crazyegg, a quick beer and a hackoff to pics of Lulu. He's only human after all.
--Tom Morris

Der zweite Name, der mir seinerzeit einfiel, war übrigens Qype. Seit heute live. Herzlichen Glückwunsch!

Spreadshirt gehörte neulich zu den vier Namen, die mir zum Thema Web 2.0 in Deutschland spontan einfielen. Das war an dem Tag, als mir Andreas Milles ein paar Screens vom jüngsten Spross des Hauses zeigte. Er nennt sich schlicht The Derby und ist jetzt live, wie der Chef gestern vermeldete.
The Derby ist ein Designwettbewerb für T-Shirts (was sonst?). Designer reichen ihre Entwürfe ein, bewerten und kommentieren die Entwürfe anderer, bis in jeder Woche ein Sieger ausgerufen und mit 500 Euro belohnt wird, dessen Shirt in einer begrenzten Auflage gedruckt und verkauft wird.
Wie Lukasz kokett anmerkt, ist das Konzept von Threadless entliehen und findet sich ähnlich auch bei La Fraise in Frankreich. In Deutschland sieht er Cyroline als einen early player auf diesem Feld.
Viel Spaß beim Derby! (Ach ja, Blog ist natürlich Pflicht. Nur den RSS-Feed habe ich noch nicht gefunden.)So how spreadshirt will be different as a late mover?
One thing is a differnt regional focus which will be on europe.
One other is, that we think we can execute well (see the threadless founders opinion about copycats at a recent entry at exciting commerce).
And last but most important the derby concept will have some interesting aspects that can not be found with the already existing players. This is not too visble yet at the first basic version of the derby, but stay tuned...

Scott Karp schreibt in Publishing 2.0 unablässig spannende Dinge über The Business of Publishing in the Digital Age (so die Unterzeile). So jüngst eine konzise Abhandlung über die Frage, wie profitabel Media 2.0 tatsächlich ist. Scott macht die Rechnung am Beispiel von MySpace auf, das mit 28 Mrd. Seitenabrufen im März 2006 (was 366 Mrd. auf Jahresbasis ergeben würde) nach Schätzungen auf gerade mal 200 Millionen Dollar Jahresumsatz kommt:
Do the math — that’s a CPM ofNun versucht zwar MySpace auf allerlei mehr oder weniger innovative Art, zusätzlichen Werbeplatz zu verkaufen - doch wozu brauchen große Marken eigentlich Werbung auf MySpace, wenn sie genauso gut oder eher noch besser die MySpace-Community nützen können, ohne dort selbst präsent zu sein? Dann nämlich, wenn ihr Branded Entertainment (siehe Pirellifilm, auch wenn das sicher kein übermäßig brilliantes Beispiel ist) seinen Zweck erfüllt und auf MySpace von den Nutzern selbst verbreitet wird?$0.06$0.55!
Es könnte also sein, meint Scott, dass die Effizienzgewinne des Marketing 2.0 zum größten Teil direkt an die Werbungtreibenden gehen - und nicht an die Medien:
I’m speculating that in a 2.0 future, total spending on marketing and advertising will shrink as marketing 2.0 proves to be far more cost efficient than marketing 1.0 — and big advertisers start pocketing that half of their advertising costs that were previously wasted.Schlechte Nachrichten für Rupert Murdoch und Georg von Holtzbrinck?
Ein halber Nachmittag Gebastel, aber es hat sich gelohnt. Jetzt mit allen Panels, Referenten und genauen Uhrzeiten: Next 10 Years in E-Business.
Übrigens: Der Frühbuchertarif gilt noch bis zum 30. April - wer also mit dem Gedanken spielt, sich anzumelden, sollte nicht mehr lange zögern.

Die Internet World bereitet freundlicherweise das Terrain für unseren kleinen Kongress und spricht mit Volker Glaeser, Director Media & Search bei Yahoo Deutschland und einer der Referenten von Next 10 Years.
Wagen Sie doch einmal einen Blick in die Zukunft: Wie sieht E-Marketing und E-Commerce in fünf Jahren aus? Wird die soziale Komponente des Web das Marketing und den Vertrieb komplett revolutionieren?
Glaeser: Revolutionieren vielleicht nicht, aber es wird viel einfacher sein, E-Commerce und E-Marketing zu betreiben. Web 2.0 bildet die Grundlage für eine Kommunikation unter Massen. User, die bereit sind, Daten von sich preiszugeben und passende Marketing-Botschaften zu empfangen, sind für Marketing-Maßnahmen leichter zugänglich. Darüber hinaus wird der Konsument transparenter, weil er es selber möchte.

Seit Anfang April ist sevenload online (selbstverständlich beta). Dirk Olbertz macht sich Sorgen, wer wohl dahinter steckt:
Sollte es der Springer-Verlag sein, bin ich ganz schnell dabei, meine bisher dort eingestellten Photos rauszunehmen...Mich erinnern Name und Design eher an ProSieben, vor allem deren Vermarktungstochter. Aber Spaß beiseite. Die Profile von Geschäftsführer Ibrahim Evsan und Chief Software Architect Thomas Bachem lassen keine Hinweise auf Medienkonzerne erkennen, einmal vom Standort Köln abgesehen...
Robert Basic hat natürlich sevenload längst getestet und für gut befunden. Und in den Kommentaren hat sich auch gleich Thomas Bachem zu Wort gemeldet:
Derzeit kommt jeden Tag ein neues Feature und eine neue Verbesserung hinzu, sodass sich sevenload auf einem sehr stabilen Weg hin zur offiziellen Veröffentlichung befindet. Wir rechnen hier mit 2-3 Wochen.Inzwischen hat sevenload auch ein Blog. Mehr demnächst bei Robert Basic, der ein Interview mit dem Geschäftsführer angekündigt hat.
So ist das mit Web 2.0 - irgendwie ist alles beta, selbst die Konferenzen. Jetzt ist es uns gelungen, Andreas Weigend als Keynote-Speaker für Next 10 Years in E-Business zu verpflichten. Weigend war Chief Scientist von Amazon.com und lebt heute als Berater in San Francisco und Shanghai. Aus der Pressemitteilung:
Weigend wird in seiner Keynote darstellen, wie Amazon, aber auch die neuen Web-2.0-Startups den Wunsch der Nutzer nach Partizipation und Beteiligung kanalisieren und kapitalisieren können.Mit dem prominenten Neuzugang wäre jetzt höchstens noch ein Slot in Track II zu besetzen. Vorschläge nehmen wir gern entgegen.
Andreas Weigend ist einer der weltweit führenden Vordenker für die Umsetzung von Kundenbedürfnissen in internetfähige Dienste. Sein Credo "Wir wissen nichts, aber wir können es messen" hat er in seinen Jahren bei Amazon.com zur Vollendung gebracht. Unter seiner Ägide entstanden viele der Such-, Auswahl- und Kaufhilfen des größten Online-Versandhändlers, die das "System Amazon" bis heute einzigartig machen.
Hätte die Computerwoche noch ihr legendäres, frei zugängliches Online-Archiv mit allen Ausgaben seit 1974 (!) im Volltext, dann würde ich jetzt auf eine lesenswerte Story von Alexander Freimark hinweisen. Unter der Überschrift "Neustart der Web-Agenturen" schreibt er dort:
Das Internet ist wieder en vogue, der Zusammenbruch der New Economy endgültig abgehakt. Die Branche der Web-Agenturen verspürt starken Aufwind.Starring (in der Reihenfolge des Auftritts): Oliver Sinner, Matthias Schrader, ein anonymer Web-Spezialist, Marco Seiler, Michael Riese und ein ebenfalls namenloser Vorstand.
...kommt ausgerechnet aus der Medienmetropole Hannover. Meint jedenfalls Exciting Commerce. Im Schatten von Madsack, ffn und Heise blüht das Kleinanzeigen-Imperium der heisse draht.

Und startet nächste Woche eine neue Online-Plattform (hier die Beta) mit Blogs, Fotos, Videos, allerlei Community-Funktionen und dergleichen mehr. Musik, bekanntlich eine wesentliche Triebkraft von MySpace, soll im Mai folgen.
Schaun mer mal.
Nachtrag: Mehr bei Robert Basic
Relevantes aus den Feiertagen:
- Wo bleibt MySpace in Deutschland? Auf diese Frage gibt es wohl bald eine neue Antwort. "Ein norddeutsches Verlags- und Medienhaus baut sein bestehendes Portal zum Social Network aus", orakelt Jochen Krisch und kündigt weitere Neuigkeiten dazu an.
- Die Story von Sandi Thom - mir zum ersten Mal begegnet, als Nils Müller einem Journalisten von DW-TV die Zukunft der Werbung im Internet zu erklären versuchte - könnte auch ein Fake sein.
- Andreas Milles resümiert das Open Logo Project, mit dem sich Spreadshirt ein neues Logo gab: "Wir haben gelernt, wie unsere Kunden uns sehen, uns wahrnehmen, und was ihnen an Spreadshirt wichtig ist."
- Shopify hat seinen Betatest gestartet. Demzufolge berichtet Techcrunch, und Exciting Commerce ist natürlich im Bilde.
Die Liste zum Kongress: Web-2.0-Projekte in Deutschland von A wie Audioclipping bis Y wie Yigg bei alarm:clock euro, gesammelt von Klaas Bollhoefer. Noch mehr Projekte bei Sven Eppert. Und kritische Bemerkungen im CIO Weblog:
Allerdings fällt auch auf, dass viele der deutschen Web 2.0-Lösungen mehr oder minder gelungene Clones von entsprechenden Projekten aus den USA sind. Wo bleibt da der berühmte deutsche Erfindergeist?

So meldet es das e-commerce-blog. Aber seit wann? Und warum überhaupt? Die Website trägt die Unterzeile "Copyright © LetsBuyIt 2001-2005" und schweigt sich zu solchen Fragen vornehm aus. Über Letsbuyit.com steht dort nur das Offensichtliche:
Das größte Marktplatz der Welt hat wieder geöffnet. Die Hauptvorteile bei LetsBuyIt sind die gleichen wie immer: großartige Produkte und großartige Preise.Na gut. Aber etwas mehr hätte ich schon gern gewusst. War LetsBuyIt.com überhaupt weg? Oder nur aus dem Fokus der Öffentlichkeit verschwunden?
Rückblende: Im Herbst 2002 hatte die börsennotierte LetsBuyIt.com N.V. das verlustbringende operative Geschäft in eine LBI Holdings Ltd. ausgegliedert und anschließend Namen und Geschäftsmodell gewechselt. Seitdem hatte LetsBuyIt.com offensichtlich die Unternehmenskommunikation eingestellt - jedenfalls finden sich keine Spuren davon im Netz.
Bei heise.de endet die Coverage mit dem Jahr 2002 (plus einem Nachspiel mit Kimble Schmitz im Jahr darauf). Es gibt noch eine Investoren-Website, die auf dem Stand von Ende 2002 stehengeblieben ist. Tages- und Fachpresse berichten seitdem nur noch über den ehemaligen Börsenmantel - das operative Geschäft hat offensichtlich jegliche Relevanz verloren.
Kleine Randnotiz: Heiko Hebig hat sich neulich Gedanken darüber gemacht, wie LetsBuyIt 2.0 wohl aussehen würde.
Zum Wochenende (und weil es gerade so schön zum Kongress passt):
To some extent Web 2.0 is a buzzword, incorporating whatever is newly popular on the Web (such as tags and podcasts), and its meaning is still in flux.[designlaw.org via downloadsquad via MoMB]
We have found some major flaws with the current infostructure. To rectify we are releasing the Web2.1 beta free for download
It fixes some known problems with integrating corporate speech in the mecklenberg routines, allowing for cross-enhanced performace converging with Garzia 1.0

Unter dem Motto: "Next 10 Years in E-Business - die Chancen von Web 2.0" veranstaltet SinnerSchrader den ersten Web-2.0-Kongress, der sich mit der Frage beschäftigt, wie die Geschäftsmodelle hinter dem Trend zum "Writable Web" aussehen.
Die Themen:
- Wer gewinnt das Spiel um die Macht des Konsumenten - innovative Startups, heimische E-Commerce-Player? Oder wächst die Dominanz von Google, Ebay und Amazon weiter?
- Wie sehen funktionierende Geschäftsmodelle für Web 2.0 aus?
- Gibt es eine neue deutsche Gründerszene?
- Wie können Unternehmen die neue Lust am Internet in sinnvolle Anwendungen übersetzen?
Die Referenten:
- Stefan Kellner, Gründer plazes.com.
- Stephan Uhrenbacher, Gründer und Geschäftsführer qype.com
- Thomas Madsen-Mygdal, Gründer und CEO, 23
- Peter Praschl, Amica u.a., Journalist
- Volker Gläser, Yahoo
- Anette Scholz, Hochschule für Kunst und Design Halle
- Malte Blumenthal, SinnerSchrader Studios
- Lars Hinrichs, GF Open BC
- Dr. Gottfried Neuhaus, Geschäftsführender Gesellschafter TechnoNord
- Lukasz Gadowski, Gründer von Spreadshirt
- Tim von Törne, General Manager Skype Europe
- Arndt Groth, Geschäftsführer ePages
- Dr. Thilo Horstmann, Geschäftsführer SinnerSchrader Neue Informatik
- Nico Lumma, Geschäftsführer mabber.com / interdings GmbH
- Ulrich Eitler, Development Platform & Strategy Group Microsoft Deutschland GmbH
Erwartet werden rund 300 professionelle Teilnehmer aus Handel, Automobil, Tourismus, Werbung, Medien und Internet. Im Anschluss findet eine Branchenparty mit rund 1.000 Gästen statt.
Alle Infos unter www.next10years.com
- Morality of self-interest. This gives us "owning", "domination", etc. The Old School. Industrial Age shit. Still prevails in many business plans that are just for killing other companies.
- Morality of accounting. We balance everything. "Paying debts", "owing favors". This is our system of justice, by the way. It's all about accounting. (Note the scales of justice symbol.)
- Morality of generosity. We give. We are open. We love without expectation of reward, or even accounting. (In fact, when you bring in accounting, you compromise it.) Think about how we give to our spouses, our children, without strings. It pays off, too. But that's fundamentally not what it's about.

Web 2.0 (und natürlich distanziert sich Doc Searls von diesem Begriff) fällt seiner Ansicht nach zum Teil in die dritte Kategorie. Sein Beispiel ist Flickr - eben kein Datensilo, sondern eine völlig offene Plattform:
Most of all, however, it is a "good citizen". It is generous where it counts. Nurturing. People love Flickr because Flickr loves people. The good guys finish first. In this case, anyway.Jetzt aber wird es spannend. Denn Doc Searls bezieht die drei Typen von Moral auf ein Marktmodell, das aus drei Elementen besteht:
- Relationship
- Conversation
- Transaction
Die Debatte bei O'Reilly Radar ist höchst interessant zu lesen.We need transaction, but can't reduce everything to it. Although there are whole B schools that have been doing that for 100 years.
We need conversation as well. Which is why we wrote Cluetrain.
But relationship is what actually makes markets. I'm talking about real markets here: places where we do business and make culture. Relationship takes the passions we put into creating businesses and makes them work in the social context we call a market. (Did anybody ever go into business because they were looking for a way to please stockholders?)
You have to be generous in relationships.
Mehr als 300 Web-2.0-Sites in 38 Kategorien, 21 Interviews mit den Gründern der Preisträger - die Web 2.0 Awards bieten eine Menge Futter für alle Web-2.0-Enthusiasten (und für Kritiker gleichermaßen, sofern sie wissen wollen, wovon sie reden).

Irgendwie bezeichnend: In der Kategorie Marketing gibt es keine Preisträger, sondern nur lobende Erwähnungen für Opinity, Root und Your Elevator Pitch. Bei Retail gewann Etsy vor threadless und wists. Dazu ein Interview mit Robert Kalin von Etsy:
We want to create new ways to shop that are only possible using the Web as a medium. The industrial revolution and consolidation of corporations are making it hard for independent artisans to distribute their goods. We want to change this.Der E-Commerce residiert in einer Sammelkategorie mit Business und Money (Gewinner: LinkedIn, Basecamp und Sidejobtrack). Lobend erwähnt wird hier Shopify, deren Blog ich auch den Hinweis auf die Awards verdanke.

Harald Schmidt hat jetzt einen RSS-Feed. Wurde aber auch Zeit.

Pete Cashmore wirft einen erfrischenden Blick auf MySpace (das, wie wir letzte Woche gelernt haben, mit gerade mal 150 Servern auskommt) als Web-2.0-Phänomen.
Despite being a centralized site, it’s showing many characteristics of the decentralized web.MySpace, so seine These, war eine wesentliche Ursache für das exponentielle Wachstum von YouTube - obwohl MySpace seinen eigenen (weniger überzeugenden) Video-Service bietet und zeitweilig sogar YouTube blockiert hatte.
Diese Beobachtung führt in den Kommentaren zu einem interessanten Gedanken, ausgesprochen von Lawrence Coburn:
Given YouTube’s success in using the MySpace community for distribution, the question for every other social web entrepreneur should be: “How else can we feed the MySpace beast?”Lawrence Coburn ist übrigens Head Geek von RateItAll, einer Meinungs- und Bewertungsplattform, die schon seit 1999 existiert (und wahrscheinlich deshalb auf den ersten Blick wie Web 1.0 aussieht).
Ich kann mich nicht des Eindrucks erwehren, daß große Unternehmen ihr Heil in noch mehr Größe sehen. Mir fehlt bei all den Visionen der Internetvisionäre das Wesentlich(st)e: Semantik oder auch: Relevanz.
Seit dem vergangenen Jahr ist der 62 Jahre alte Mathematiker Vinton Cerf als „Chief Internet Evangelist” bei der Suchmaschine Google für die Visionen zuständig. Seine Lieblingsvision ist die totale Vernetzung, die weit über Internetrechner hinausgeht. „Geräte aller Art werden künftig zusammenarbeiten. Ein Beispiel: Wenn ich in einem Auto sitze, kann die Antwort auf die Frage, wo die nächste Tankstelle ist, nur im Zusammenspiel vieler technischer Geräte erfolgen: Mein Handy verfügt über ein Spracherkennungssystem und ist mit dem Internet verbunden. Mein Auto ist mit einem Satellitennavigationssystem ausgestattet und besitzt eine Internetadresse, so daß mein Aufenthaltsort bestimmbar ist. Dieser Ort wird an einen Internetrechner übermittelt, der als Antwort eine Landkarte mit dem Weg zur nächsten Tankstelle zum Auto sendet”, beschreibt Cerf die Zukunft des Internet. Doch damit ist noch nicht Schluß. Auch Gegenstände aller Art, die mit Funketiketten (RFID) ausgestattet sind, können schon bald zum Internet gehören.Quelle: FAZ

Am 15. und 16. Mai findet in Toronto, Kanada, die Web-2.0-Konferenz mesh statt. Unter den Sprechern sind Om Malik (gigaOM.com), Steve Rubel (Micro Persuasion) und Stowe Boyd. Zur Zielgruppe gehören Marketing-, PR- und Medienleute, Unternehmer, Investoren und Softwareentwickler, Akademiker, Politiker und sonstwie politisch Aktive.
Ein Kongressprogramm gibt es noch nicht, aber eine eindrucksvolle Sponsorenliste und natürlich ein Blog. Schön auch dies:
Und wer nicht nach Kanada reisen möchte, der kann sich schon mal den 11. Mai in Hamburg vormerken. Mehr dazu in den nächsten Tagen auf dem Fischmarkt.why is it happening?
mesh is happening because five people with an enthusiasm for the Web and all the next-generation things happening around us decided an event like this one had to take place in Toronto. Events connecting Web ideas and leaders of the future are going on everyday around the world - Geneva has LIFT, Paris has Les Blogs, New York has BlogOn – and now Toronto has mesh so we can be part of the Web 2.0 conversation.
Let's connect, share and inspire... let's mesh.
Martin Röll prägt einen bösen, aber irgendwie treffenden Begriff: Primitivinternet.
Manche glauben, dass Menschen vor allem durch Neugierde und Macht- bzw. dem daraus resultierenden Selbstdarstellungstrieb angetrieben sind. Sie möchten Neues, Interessantes finden und sich selbst darstellen. Sie wollen das Vertrauen und die Anerkennung der anderen und sichtbare Symbole, die ihren Status repräsentieren.
Sie werden deshalb Teil einer "Community", das ist hier: eine technische Plattform im Internet, in der sie das finden und in der es ein System des Aufstiegs im "Trust", das ist das technisch ausgedrückte Vertrauen der anderen in einen, gibt. [...]

In der Tat. Aber sind sie die bevorzugte Zielgruppe für das Marketing? Wohl kaum (oder jedenfalls nicht generell), meint wohl auch Martin. Doch da gibt es auch noch ein anderes Internet, das völlig andere Züge trägt. Welche Leute findet man dort?Das ist das Primitivinternet. Es gibt das schon lange, aber jetzt ist mir das richtig klar.
Es gibt die: die, die auf den Plattformen leben, die Reputation-Points sammeln, die gierig die von den Viral-Marketers geseedeten Clips replizieren und weiterschicken (hurra! Wirtstiere!), die jede noch so dumme Frage auf COSMiQ beantworten, um Punkte, Reputation, Trust oder wasauchimmer zu sammeln oder auch einfach nur die Zeit totzuschlagen. Es gibt sie.
Nun gut. Das ist jetzt eine übersichtliche Dichotomie zur Veranschaulichung der komplexen Realität. Aber warum nicht? Es sind übrigens Resultate der gestrigen Diskussion in der Labrador Lounge. Erste Bilder bei Lummaland, Behindertenparkplatz und Ringfahndung. Das Foto oben ist von Nico Lumma.Die, die nur wenig Zeit am Netz verbringen, ganz gezielt, wenn sie was suchen oder kommunizieren wollen. Die im wesentlichen woanders, vielleicht offline, leben, ein richtiges Leben [tm] haben und nicht Mitglied auf einer, sondern auf vielen Plattformen sind. Für die "Community" nicht Software und Plattform bedeutet, sondern menschliche Gemeinschaft. Die Reputation an menschlichen Äußerungen spüren und nicht als Trustpoints messen. Manche von denen haben vielleicht ein Weblog, in dem sie mal schreiben, mal behaupten, mal fragen, mal Information weitergeben, über das sie Leute kennenlernen, Kontakte pflegen, sich selbst "darstellen", naja: Sie leben halt da und dabei stellt man sich fast automatisch dar.
Manche lassen sich durch Bonbons und Trust-Punkte motivieren. Manche sind komplexer.

Auf drei vollen Seiten plus Titel berichtet unser Leib- und Magenblatt Internet World über Social Commerce. Sehr schöne Geschichte. Vom Cluetrain Manifesto über Jochen Krisch bis zu den üblichen Bedenkenträgern aus deutschen Landen ist wirklich alles dabei:
"Ich würde sagen, das ist Feuilleton-Commerce", bringt es Matthias Ehrlich, Vorstandsvorsitzender des Web.de-Vermarkters United Internet Media, auf den Punkt. "Die Internet-Branche hat schon mal Schiffbruch erlitten, indem sie jede Laboridee als machbar, sinnvoll und den letzten Schrei bewertet hat." Seiner Meinung nach würden sich beispielsweise Weblogs als Verkaufsplattform nur bedingt eignen, da Verkaufen unter fremden Menschen der Sicherheit durch Formalisierung und Branding bedarf. Auch Datenschutzthemen seien extrem wichtig. "Wir brauchen Shopping-Plattformen, die eine Führung haben und hinter der eine Marke steht, und das ist der große Vorteil von Web.de", betont er.Klingt schon ein wenig wie eine ungesunde Mischung aus Ignoranz und Pfeifen im Walde. Zitieren wir zum Vergleich den Geschäftsbericht [PDF] der Web.de AG (heute Combots AG) für das Jahr 2004:
Der Bereich E-Commerce beinhaltet Transaktionserlöse im Rahmen von Direktmarketingaktivitäten, bei denen WEB.DE als Intermediär an den Umsatzerlösen der vermittelten E-Commerce-Umsätze partizipiert. Die Umsatzerlöse im Bereich E-Commerce lagen im Geschäftsjahr 2004 bei 4,3 Millionen Euro (nach 6,3 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2003 und 3,8 Millionen Euro in 2002). Das E-Commerce-Geschäft von WEB.DE erwies sich damit in 2004 wiederum als sehr volatil.Ich mag mich irren, aber nach einem Riesengeschäft sieht das in meinen Augen nicht aus. Eher nach - immerhin - 10 Prozent Umsatzanteil (Gesamtumsatz von Web.de im Jahr 2004: genau 43 Millionen Euro). Zum Vergleich mag Spreadshirt dienen, das inzwischen 225 Mitarbeiter beschäftigt (und damit
Aber weiter im Text:
Christoph Röck, Geschäftsführer des Shopping-Portal-Herstellers Pangora, einer Tochter von Lycos, ist ähnlich skeptisch, was den Erfolg solch dezentraler Shop-Systeme in Deutschland betrifft. "Der amerikanische Markt funktioniert anders als der deutsche, allein schon aufgrund der schieren Masse an gleichsprachigen Internet-Nutzern", ist er überzeugt. Das bedeutet im Klartext, dass auf einen Weblog mehr Leser kommen und damit auch mehr potenzielle Käufer.Alles richtig - aber trotzdem falsch gedacht. Deutschland ist Ebay-Land No. 2 (nach den USA). Dass dem so ist, hat viel mit dem kollektiven Dauerwinterschlaf zu tun, aus dem die hiesige E-Commerce-Branche gerade erst erwacht ist.
Auch von der Idee, auf privaten Homepages Freunden und Bekannten die eigenen Lieblingsprodukte zu verkaufen, hält der E-Commerce-Profi gar nichts: "Wie oft gehen Sie auf die Seiten Ihrer Freunde, um sich über Neuigkeiten zu informieren?", fragt er."Schonmal Spreadshirt angesehen?", frage ich zurück.
Bevor sich unser Sonderkorrespondent in Vegas dem wohlverdienten Nachtschlaf hingab, übermittelte er uns noch einige erste Eindrücke, "schnell & dreckig aber frisch!"
Ich verstehe immer noch nicht, wie es Microsoft schafft, so viele Menschen mit Zukunftsthemen zu beschäftigen, die keinen Cent Umsatz machen, und trotzdem wirtschaftlich so erfolgreich zu sein. Dafür bewundere ich den Laden zutiefst.
Bill Gates ist ein schlechter Sprecher. Bill Gates ist ein sympathischer, irgendwie rein und jung wirkender Mensch.
Las Vegas ist einfach nur crazy (diplomatisch ausgedrückt). Bis jetzt hatte ich nicht eine Stunde Zeit, neben der Konferenz, dem Versuch zu arbeiten, dem Kampf mit 12 Stunden Zeitverschiebung (wenn ich wach sein muss, bin ich müde - wenn ich schlafen soll, bin ich hellwach) Las Vegas zu bewundern.
Mit der Adaption des Vernetzungs-Gedankens in die neuen Microsoft-Technologien ergeben sich in den nächsten Jahren sehr, sehr spannende Möglichkeiten. Auf einer reichweitenstarken Basis, weil halt Microsoft. Die gezeigten Beispiele sind hier sehr technisch geprägt ("schau mal, das funktioniert"). Aus Business-Sicht noch nicht so sehr überzeugend.
Myspace ist auch hier. Unglaublich, die haben eine Server-Farm von "nur" 150 Stück und sind die reichweitenzweitstärkste Seite im Internet. Besonders im Bereich Personalisierung entwickeln sie zur Zeit mit Atlas & Ajax. Hier geht es um Drag & Drop für personalisierten Content. Sehr überzeugend.
Microsoft baut an einem Ad-Center, was wohl eine Full-Service-Plattform für Werbung (noch online) werden soll. Theoretisch sehr spannend, praktisch wird es wohl noch dauern, bis es so einfach ist wie Aktien kaufen: mal eben Zielgruppe auswählen, Preislimits fürs SEM einstellen, etc. und fertig ;-)
Wichtige Stichworte sind: Beyond the Browser, Vernetzung von Applikationen und Services, Ajax & Atlas, sehr viel Mobile!
Einige Einblicke in Smartclients für Endkunden konnte ich z.B. von BBC und North Face sehen. Ich bin auf weitere sehr gespannt.
Schnell sitzt man in einer Session, in der über APIs und Workflows philosophiert wird... ;-) Wenn es dann eigentlich 5 Uhr AM in Old Europe ist, werden die Augenlider sehr, sehr schwer.
Malte Blumenthal, Geschäftsführer der SinnerSchrader Studios, weilt derzeit in Vegas und berichtet für den Fischmarkt von der großen Microsoft-ShowKonferenz mix06. Hier sein erster Bericht:
Passend zum noch immer noch neuen Jahrtausend und zum erneuten Webboom lädt Microsoft ein: zu 72 Stunden Austausch rund um die Zukunft des Internets, rund um alles, was wir und inzwischen auch Microsoft Web 2.0 nennen.
Die erste Erkenntnis ist ernüchternd: Das Grundversorgungsproblem des Überall-Internets wurde noch immer nicht gelöst. Wo eigentlich dynamische, vorwährtsstrebende junge Menschen durch die pompösen Gänge des Venetian eilen sollten, kauern eben diese verzweifelt am Boden und buhlen um die wenigen Netzsteckdosen des 275-Millionen-Dollar-Paradieses. Ist das die Zukunft? Schlaue Venture-Capitalisten werden in Zukunft sicherlich häufiger auf Brennstoffzellen-Messen zu treffen sein.
Zurück zur Zukunft. Vernetzen ist das Schlagwort, und über Konvergenz darf man auch wieder sprechen: Konvergenz von Plattformen, Devices, Netzen etc. Mit den neuen Versionen von Windows (Vista) und Office (12) wird dem Internet (Webservices) massentauglich die Tür aller Windows-PCs geöffnet. Der Siegeszug des Internets schreitet voran, nun auch bis in die Moleküle unseres Betriebsystems. Wo früher noch ein Browser notwendig war, bedienen sich morgen unsere Anwendungen selbständig aus dem Internet.
Und da der PC darauf drängt, vom Schreibtisch ins Wohnzimmer zu kommen, um dort vernetzt alle wichtigen Kommunikations- und Medienbelange des Lebens zu übernehmen, scheint dies eine rosige Zukunft für die gesamte ITK-Branche zu werden. Besonders für Microsoft.
Fragt die Welt am Sonntag von gestern und gibt eine plakative Erklärung:
Der bisherige Internet-Nutzer klickt sich abends für ein, zwei Stunden durch das Netz, besucht seine Favoritenseiten und konsumiert eher passiv die Inhalte. Der Nutzer des neuen Web 2.0 dagegen ist aktiv, verändert die Inhalte und stellt eigene in das Netz.Wie sie das machen, erläutert die WamS anhand einiger bekannter und weniger bekannter Web-2.0-Anwendungen. Die genannten Beispiele in der Reihenfolge des Auftritts:
37signals hat eine harte Obergrenze für die Dauer ihrer Produktentwicklung: dreieinhalb Monate.
Create a simple product as fast as you can, then get feedback from customers and make it better.So fasst die BusinessWeek in ihrer neuesten Ausgabe die Lektion der schlauen Jungs von 37signals für die Softwarebranche zusammen. Und nicht nur für Softwareentwicklung, sondern für webbezogene Produktentwicklung insgesamt: So gut wie alle erfolgreichen Projekte in der bald zehnjährigen Unternehmensgeschichte von SinnerSchrader waren nach spätestens dreieinhalb Monaten online und wurden dann kontinuierlich weiterentwickelt.
The way to get really good software is to make the simplest thing you can as fast as you can and get reaction, then see where it goes from there.Meint Paul Graham, aus dessen Feder On Lisp (1993), ANSI Common Lisp (1995) und Hackers & Painters (2004) stammen und der heute einer der Partner der VC-Firma Y Combinator ist.
Mehr Web 2.0 war nie: die Liste. [via Jason Calacanis]
Nachtrag: Bob Stumpel hat die Liste inzwischen aufgeteilt.
Der Fischmarkt hat ein kleines Schwesterlein bekommen: Auf dem Themenblog - jetzt im neuen Look & Feel - behandelt der geschätzte Kollege Mark Pohlmann die kommunikative Seite des Web 2.0. Also weder big fonts and rounded corners noch Ajax oder Warenkörbe, sondern Unternehmen, die zuhören.

Sein Credo formuliert der bekennende Barista und FAZ-Abonnent in altertümlicher Rechtschreibung:
Wer seinen Kunden auf ihren Märkten nicht zuhört, wird von ihnen nicht wahrgenommen. An der Fähigkeit der Unternehmen zum Zuhören und ihrer Kultur, Kunden in einen aktiven Dialog hineinziehen, bemißt sich das Maß der Identifikation ihrer Kunden und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit.
Man stelle sich einen Supermarkt vor, in dem die Hälfte aller Kunden ihren gefüllten Einkaufswagen einfach irgendwo abstellen und den Laden verlassen. Shopblogger Björn Harste müsste wahrscheinlich neue Packer einstellen, die den ganzen Kram zurück in die Regale schaffen.
Im E-Commerce scheint das ganz normal zu sein. Neben zu hohen Versandkosten und enttäuschten Preiserwartungen ist die Kassentechnik im Netz einer der Hauptgründe für Bestellabbrüche. Je länger der Prozess, desto höher die Ausstiegswahrscheinlichkeit.
Der Klassiker unter den Web-Kassen ist immer noch eine Folge von HTML-Formularen, die mit den richtigen Daten gefüllt werden müssen. Falsche Eingaben werden erst erkannt, wenn der Kunde das Formular bereits abgeschickt hat. Die Folge sind Fehlermeldungen, Eingabewiederholungen und noch höhere Abbruchwahrscheinlichkeit.
Dem abzuhelfen schickt sich Allurent mit einer Anwendung an, die den gesamten Checkout-Prozess in einer kompakten Flash-Lösung abbildet. Der Kunde bekommt unmittelbar Rückmeldung auf seine Eingaben, ohne dass jeweils der Server angesprochen oder Seiten neugeladen werden müssen.
Der Spaß ist nicht ganz günstig: Laut multichannel merchant kostet Allurent Buy ab 150.000 Dollar plus Implementierung. Dafür gibt es jedoch eine um bis zu 50 Prozent bessere Konversionsrate, gemessen über die Dauer des Checkout-Vorgangs. Das könnte sich lohnen.
Aber warum überhaupt Flash? Liegt nicht Ajax sehr viel näher? Ein Ajax-Warenkorb könnte vermutlich Ähnliches leisten und wäre wohl erheblich günstiger zu implementieren. Das erste ernstzunehmende Beispiel für Ajax im Bereich E-Commerce ist GAP. Dort allerdings endet die schöne Ajax-Welt vor der Kasse: Der Checkout-Prozess selbst ist offensichtlich konventionell.
Siehe auch: Der ewige Warenkorb
Das Radio hat sich eigentlich nur deshalb bis heute halten können, weil es einen großen Vorteil gegenüber anderen Medien hat: die drahtlose Übertragung. Küchenradios, Werkstatt- , Büro- und Autoradios gäbe es wohl kaum, wenn sie an irgendein Kabelnetz angeschlossen werden müssten.
Neben der klassischen analogen Lang-, Mittel-, Kurz- und Ultrakurzwelle konnten sich die digitalen Verwandten DSR, DAB und DRM allesamt noch nicht richtig oder gar nicht durchsetzen. Jetzt kommt WLAN und damit IP-Radio. Und siehe da: Es gibt längst Geräte dafür. Eines davon, das Noxon iRadio, ist gerade auf der CeBIT zu sehen. Es spielt Internetradio und MP3 vom lokalen Server. Das Schwestergerät Noxon 2 radio kann auch UKW.
Ein anderes, die Squeezebox, hat das Zeug zum modernen Klassiker. Die Quetschkommode kommt mit eingebautem Pandora-Anschluss und kann seit Herbst auch RSS-Feeds empfangen. So eine Kiste im Badezimmer spielt also morgens beim Rasieren nicht nur die Lieblingsmusik, sondern zeigt auch noch die aktuellen Schlagzeilen von Spiegel Online, Heise und Fischmarkt.
Web 2.0 ist also nicht nur big fonts and rounded corners, sondern auch coole Endgeräte. Und demnächst geht das auch andersherum: Die Bundesnetzagentur hat just in dieser Woche den UKW-Bereich für "drahtlose Audio-Funkanwendungen" freigegeben. Damit werden zum Beispiel MP3-Spieler mit eingebautem UKW-Sender möglich, der das Autoradio bespielt. Oder das Küchenradio.
Ajax ist bekanntlich ganz toll und ganz wichtig für Web 2.0. Aber was ist Ajax für den mobilen Nutzer, der zwar gern always on wäre, es aber aus vielerlei Gründen oft genug nicht ist? Die meisten Ajax-Anwendungen verlieren heute Daten, wenn die Verbindung zum Server abreißt - ein No Go, wie Robert schreiben würde.
Carsten Bormann (Viele Köche verfärben das Ei) hat da eine Idee - den PANIC-Mode. Das Akronym steht für:
Der PANIC-Ansatz basiert darauf, Updates im Browser persistent zu spreichern, bis der Server bestätigt, dass sie erfolgreich gespeichert worden sind. Carsten referiert heute dazu auf der O'Reilly Emerging Technology Conference in San Diego. Kongress-Coverage von Heiko Hebig, Nicole Simon und bei Technorati.P ersistency for
A JAX in
N etworks with
I ntermittent
C onnectivity.
Das paßt ganz gut zu untenstehendem Chart: Das Wall Street Journal (wir bekommen derzeit täglich ZWEI Expemplare, ohne daß ich weiß, wer sie bestellt hat) gibt Start-ups wichtige Tipps zur Eintscheidung, ob eine Idee gut ist oder nicht.
1. Is what your are doing really a company or just a feature that will end up as part of some existing product?
2. Do you do something 10 Times better than Google and MySpace do?
3. If you´re developing for the web, what is to stop spammers from ruining everything you are trying to do?
4. From where, precisely, did you get that dorky company name?
Loïc Le Meur stellt die Preisfrage:
90% of these Web 2.0 bands will have disappeared in three years. You know what ? I love this creativity and entrepreneurship we have around web 2.0 these days. Taking risks and creating is the way to go.
Quizz: on this picture what are the brands that will be still alive in three years ?
[Web 2.0 image via Bubble 2.0 via Loïc Le Meur via Jason Calacanis]
Schon wieder Google. Aber was hilft's? Techcrunch - erstaunlicherweise mit sich selbst uneinig, ob es nicht doch TechCrunch heißt - berichtet über Pläne für ein Google Drive, auf dem Nutzer alle (und zwar wirklich alle) ihre Daten speichern können. Diese Pläne wurden in der letzten Woche auf einer Analystenkonferenz bekannt und vermutlich nur deshalb übersehen, weil Google-Finanzchef George Reyes kurz zuvor mit unvorsichtigen Worten über verlangsamtes Wachstum für Aufregung gesorgt hatte.
In den Notizen der besagten Präsentation stand angeblich u.a.:
Store 100% of User Data
With infinite storage, we can house all user files, including: emails, web history, pictures, bookmarks, etc and make it accessible from anywhere (any device, any platform, etc). [...]
As we move toward the “Store 100%” reality, the online copy of your data will become your Golden Copy and your local-machine copy serves more like a cache. An important implication of this theme is that we can make your online copy more secure than it would be on your own machine.
Another important implication of this theme is that storing 100% of a user’s data makes each piece of data more valuable because it can be access across applications. For example: a user’s Orkut profile has more value when it’s accessible from Gmail (as addressbook), Lighthouse (as access list), etc.
Die Präsentation war öffentlich zugänglich - bis Greg Linden über das Thema berichtete. Google ersetzte die Folien umgehend durch eine entschärfte Version, doch der ursprüngliche Text erschien prompt in den Kommentarspalten. (Wenn auch Zweifel bleiben, ob es diesen Text tatsächlich gegeben hat und ob die dort veröffentlichte Fassung tatsächlich das Original ist.)
Epic 2015, anyone?
Nachtrag: Der Text ist offenbar echt. So jedenfalls Reuters:
When asked to confirm plans for a GDrive, a Google spokeswoman declined to comment on any specific service but confirmed that presentation containing the notes had been mistakenly released on the Web.
"We deleted the slide notes because they were not intended for publication," Google spokeswoman Lynn Fox said.
Zweiter Nachtrag: Einige Angaben in der Präsentation waren falsch. Sagt Google in einer Mitteilung an die Börsenaufsicht.
Was ist Web 2.0? Auf jeden Fall ein genialer Marketingschachzug von Tim O'Reilly. Eine (wie er selbst zugibt) zynische Definition von Eric G. Myers lautet:
Stuff that allows users to create content or share content with a pastel palette, big fonts and rounded corners. It's more than that of course, but it seems like some ideas that are flying the Web 2.0 banner are little more than the definition above. When the revolution comes, they will be the first against the wall.Jochen Krisch und der OnlineShopBerater untersuchen die Angst der Shopbetreiber vor der Revolution:
Für die kleinen Shopbetreiber, die einen engen Markt und ein eigenständiges Profil haben, ist es vergleichsweise unerheblich, ob sie sich heute auf das Web 2.0 einstellen oder in zwei Jahren. Sie können jederzeit starten und jederzeit davon profitieren (siehe unten).Und Kent Newsome lässt gleich reihenweise Web-2.0-Anwendungen gegeneinander zu den Web 2.0 Wars antreten. [via jkOnTheRun, dort Links auf sechs Runden Krieg bei Kent]
Panik schieben sollten die großen Gemischtwarenhändler (Quelle, Neckermann, Otto, etc.), die vor allem von ihrer bekannten Marke zehren, die aber sortimentsseitig kein besonderes Profil aufweisen und auch sonst wenig Zusatznutzen bieten können.
Als ich vor einem Jahr die Mission dieses Blogs beschrieb, lag schon des Namens Fischmarkt wegen der Bezug zum Cluetrain Manifesto nahe. Dieser Zug hielt gestern in Hamburg. Einer der Autoren des schon 1999 veröffentlichten Manifests war da, um vor einem Publikum aus PR-Profis und Bloggern zu referieren: David Weinberger. Und was er sagte, war im Grunde nicht mehr als die konkrete Anwendung der 95 Thesen von damals auf das Phänomen Blogosphere.
Für mich die wichtigste Erkenntnis des Abends: Bei allem Hype 2.0 um Web 2.0 und Bubble 2.0 gibt es eine Menge, was damals (Hype, Web und Bubble 1.0) richtig war und heute immer noch richtig ist. These 94:
To traditional corporations, networked conversations may appear confused, may sound confusing. But we are organizing faster than they are. We have better tools, more new ideas, no rules to slow us down.Etwas von dieser Konfusion lag auch gestern bei Edelman, Gastgeber dieses Bloggertreffens, in der Luft und machte zum guten Teil den Reiz des Abends aus. Djure Meinen fragt:
Mich würde interessieren wie die Nicht-Blogger - immerhin doch die Mehrheit im Auditorium - den Abend fanden. Wie die sich einbringen können, hat Weinberger ja noch mal kurz erklärt: Just leave a comment.Nachtrag:
- Blaue Stunde mit David Weinberger [Ringfahndung]
- Wenn der Ami erstmal redet [Indiskretion Ehrensache]
- Klein-Bloggersdorf mit David Weinberger: Rückblick [reine Formsache]
- Blogging in Germany [Joho the Blog, Weinberger himself]
- 3 Katzenleben weniger, Edelman und Weinberger [Basic Thinking]
- Blue Hour at Edelman (Hamburg) with David Weinberger and Heiko Hebig [Jürgen Ahting]
Gern hätte ich die Frage beantwortet, ob Google Page Creator, die neueste Beta aus dem Hause Google, Web 2.0 oder doch nur Web 1.0 ist. Aber - leider, leider - war ich nicht schnell genug, und die bereits von Google Analytics bekannte Marketingstrategie "extremely strong demand" kam zum Zuge. Also bitte vorerst anderswo nachlesen.
Now who’s this editor for? It’s not for the professional web designer or site creator, I’d say, but rather for the quick’n’dirty, Geocities type of websites. It’s also not for bloggers, of course, as it creates a more traditional homepage. It’s not for the MySpace crowd (who likes to tinker with templates a lot), as it lacks social features. I can’t even see it for smaller companies wanting to have their own websites, as all sites at this time get the “googlepages.com” extension... and who’d want that?
Philipp Lenssen über die Zielgruppe von Google Page Creator
Zwar steht mit Aschermittwoch erst die Fastenzeit bevor. Aber Heise ist der Zeit ja stets einen Schritt voraus. Mit österlicher Schlagzeile und Sonnenaufgang auf dem Titel präsentiert die März-Ausgabe der Technology Review das Thema Web 2.0.
Die Experten sind sich einig, dass im Internet ein neues Kapitel aufgeschlagen wurde, bei dem eine kritische Masse von Online-Nutzern und das Wachstum bei Breitband- sowie drahtlosen Verbindungen Hand in Hand gehen mit neuen Programmiertechnologien, die neue Nutzungsmöglichkeiten für Software ermöglichen. Daraus wiederum ergeben sich Geschäftsmodelle, die sich meist um die Analyse und Aufbereitung dezentral erhobener Daten drehen: Web 2.0.Seit gestern am Kiosk.
"Wenn in Deutschland irgendein neuer Dienst aufpoppt, dann kann man sich sicher sein, dass dies ein Klon eines amerikanischen Dienstes ist und mangels Alleinstellungsmerkmal auch recht flott wieder von der Bildfläche verschwindet", stellte Nico Lumma im Dezember lakonisch fest. "So sieht es derzeit in Deutschland in Sachen Web 2.0 aus."
Vor diesem düsteren Hintergrund betritt demnächst Qype die Bühne. "Qype ist der ideale Ort, um die besten Adressen, Dienstleister und Treffpunkte einer Stadt zu finden, zu empfehlen und andere Menschen zu treffen." Soweit die Selbstdarstellung. Beispiele für ähnliche Ansätze sind Yelp oder Insider Pages.
Bis Qype den Vorhang hochzieht, bleibt einstweilen das frisch freigeschaltete Blog als Hilfe zur Meinungsbildung. Gründer Stephan Uhrenbacher schreibt dort just über die Bedeutung von Web 2.0. Sein Fazit:
Web 2.0 = Cheap Technology + Social Web + UbiquityDem ist nichts hinzuzufügen. (Außer vielleicht, dass sich Links in einem Blog immer ganz gut machen würden.)
Erstens sind viele Techniken gereift, die die Erstellung von faszinierenden Websites schnell und günstig machen. Die Kultur des Teilens hat da viel beigetragen.
Zweitens werden wir demnächst viele praktische Beispiele sehen, wie viel Spaß „social networking“ machen kann.
Drittens kann dank DSL Flatrate und Firefox fast jeder Anwender diese neuen Systeme auch tatsächlich nutzen.

"Wie übersetzt man 'Craigslist' auf Deutsch?" Fragt Kai Pahl. Und gibt gleich selbst die Antwort: "Mit 'Heisetreff'. Nur echt mit den Trollen."
Mehr dazu bei Heise selbst.
Nachtrag: Eine Kurzrezension von Wolfgang Sommergut:
Es gibt keine RSS-Feeds. Wenn ich beispielsweise alle Wohnungsangebote in München beobachten will, muss ich regelmäßig auf heisetreff vorbeischauen - eine andere Möglichkeit wie etwa Alerts ist mir nicht aufgefallen. Erstaunlich finde ich zudem, dass man sich über Veranstaltungen nur per E-Mail benachrichtigen lassen kann, ein Import in einen Desktop-Client mittels iCalendar wird nicht angeboten. Auch sonst sind keine Einflüsse vom Web 2.0 zu sehen: Bei Veranstaltungen bieten sich Mashups mit Kartendiensten an (wie das etwa upcoming.org macht, das Gleiche gilt für Immobilienangebote (Craigslist zeigt wie das geht). Ja, und schließlich fehlt der Schriftzug "Beta" :-) Was aber nicht heißen muss, dass keine neuen Features mehr kommen.
Ein schneller Blick in die umliegenden Blogs:
- Das große Schummeln: Das e-commerce-blog nimmt das am Montag gestartete New Media Service Ranking aufs Korn.
- Maschine oder Mensch? Pagerank oder Traffic? Martin Röll über Auffindbarkeit und Erfolg im Web 2.0
- MyShoppingSpace: Jochen Krisch diagnostiziert Erdrutschgefahr im E-Commerce

Ohne Suchmaschinenmarketing ist Erfolg im E-Commerce nicht mehr möglich. Und die Suchmaschinen profitieren ohne eigenes Zutun von höheren Konversionsraten, die durch verbesserte Usability erreicht werden. Diese These vertritt Jakob Nielsen in seiner Alertbox mit der provokanten Überschrift "Suchmaschinen sind die Blutsauger des Web".
Er argumentiert, dass E-Commerce-Unternehmen im Zweifel fast den gesamten Bruttogewinn in Suchmaschinenmarketing investieren können, solange steigende Nutzerzahlen zu höheren Umsätzen führen. Auf der anderen Seite führen Investitionen in Usability zu höheren Konversionsraten und damit - bei gleichbleibenden Ausgaben für Suchmaschinenmarketing - zu höheren Gewinnen.
Höhere Gewinne treiben jedoch die Preise im Suchmaschinenmarketing nach oben, weil dort nach wie vor fast der gesamte Gewinn reinvestiert werden kann. Unter dem Strich profitieren somit die Suchmaschinen ohne eigenes Zutun von den Anstrengungen der E-Commerce-Unternehmen.
Nielsen wäre nicht Nielsen, hätte er nicht Anregungen für seine Leser, wie sie dieser Problematik entkommen können. Was er vorschlägt, ist nicht neu oder originell, aber dennoch richtig: E-Mail-Marketing, Request-Marketing, Communities, Affiliate-Marketing, RSS-Feeds (dazu heute mehr bei Exciting Commerce), URL auf allen Produkten, Hardware (iPod!) und Mobile Marketing. Fazit:
The real goal is to make users come back, and to have them come directly to your site instead of clicking on expensive ads.
Jon Lebkowsky liest zwischen den Zeilen und kommt zu folgendem Schluss:
Nielsen’s complaint is not about search engines per se, but about “Web 2.0″ and the evolving semantic web. If I’m right, his concern is also applicable to RSS (which he notes that he hasn’t researched yet) and tagging… we’re moving away from “site” and “page” as controlling metaphors, and focusing more on information, less on presentation. Nielsen’s been so focused on web page and site usability that he’s only just beginning to get the message.
Dazu passt ein Einzeiler von Tom Coates, Yahoo!, vorgetragen in der letzten Woche bei The Future of Web Apps (Carson Workshops):
Start designing with data, not with pagesOliver Wagner vom Agenturblog war dort und berichtet ausführlich.
Via Wolfgang Sommergut.
Wie jedes Jahr in der Zeit um den Jahreswechsel werfe ich den einen oder anderen Blick in diverse Aktenordner mit abgelegten Materialien. So fiel mir heute ein FAZ-Artikel vom 18. Oktober 2001 mit dieser nachgerade prophetischen Grafik in die Hände.
Zwar dauerte die Konsolidierungsphase noch etwas länger als seinerzeit antizipiert. Doch die für 2004 prognostizierte Verlagerung von Einkauf und Vertrieb ins Internet fand in der Tat statt. Dieses Thema hat uns, jedenfalls was die Vertriebsseite angeht, hier auf dem Fischmarkt intensiv beschäftigt.
Was steht nun für 2006 an? "E-Business wird in die Struktur der Unternehmen eingebaut" und "Nachhaltige Geschäftsmodelle" (sofern es sie nicht bereits gibt). Hört sich doch gut an. Am Ende des Prognosezeitraums, so etwa 2007, steht dann die "Netzwerk-Ökonomie".
Web 2.0 rules.
Etsy is Ebay 2.0, meint Michael Arrington. Oder auch: P2P-Commerce with Tagging. Schade, dass P2P-Commerce dem an deutsche Sprache gewöhnten Ohr etwas seltsam klingt. Sonst hätte der Begriff die Chance, im nächsten Jahr Karriere zu machen.
Etsy ist bis jetzt eine Plattform für Handgemachtes, agiert also in einem Nischenmarkt. Aber denken wir uns diese Einschränkung einmal kurz weg, dann ist Etsy tatsächlich so etwas wie Ebay meets Web 2.0.
Tagging löst elegant das Problem der bei Ebay an allen Ecken knarzenden Ontologie. Natürlich gibt es trotzdem die gewohnten Kategorien und Powerseller-Shops. Sehr nett, wenn auch nur begrenzt nützlich ist die Zeitmaschine - sie zeigt an, was gerade aktuell eingestellt wurde.
E-Commerce 2006 wird viel mit Design und User Experience zu tun haben. Oder wie Robert Basic es formuliert:
Was Flickr.com gestern war, wird Etsy.com morgen sein.
Da wir gerade von Etiketten sprachen: Auch Tags sind ein Phänomen, das in diesem Jahr das Web prägte, auch wenn die Idee schon älter ist. Gene Smith repetiert The Year in Tags. Erst im Januar war es, als Technorati Tags einführte? Sein Fazit:
2005 has proven that tags are both big (in the financial sense) and useful. Whether or not tagging is a game-changer will, I think, depend on what Yahoo, Amazon and Google do with tags in 2006.
Auf jeden Fall ein Beispiel für die Macht eines schicken Etiketts. Denn die Technik - heute kurz und populär in der FTD erklärt, u.a. am Beispiel von writely.com - war ja nicht neu, als Jesse James Garrett im Februar den Begriff Ajax prägte. Schon bis Mai wuchs Ajax zum formidablen Buzzword heran. Den Entwicklern sei 10 Places You Must Use Ajax von Alex Bosworth ins Stammbuch geschrieben:
It's been well over a year now since GMail changed the way everyone thought about web apps.
It's now officially annoying to use web apps that haven't replaced clunky html functionality with peppy Ajax goodness.
Sic!
Schon wieder Freitag. Also schnell weg mit allem, was weg muss hier auf dem Fischmarkt. Was habe ich da in meiner Kiste?
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The End of Shopping beschwor Walter Kirn am vergangenen Wochenende im Magazin der New York Times. Er beschreibt die denkbaren Konsequenzen einer einfachen Technologie: Mobilfunkgeräte mit eingebauten Barcode-Scannern, die einen Echtzeit-Preisvergleich via Internet erlauben. Das wahrscheinliche Resultat: Preisunterschiede und damit die Jagd nach dem Schnäppchen gehören der Vergangenheit an. Händler müssen andere Differenzierungsmerkmale suchen - oder gnadenlos den billigsten Preis anbieten. [Exciting Commerce]
Um satte elf Prozent sind die Keyword-Preise im Suchmaschinenmarketing im November gegenüber dem Vorjahresmonat gefallen. Sagen jedenfalls die Zahlen von Fathom Online und berichtet Online Media Daily. Am stärksten gesunken sind die Preise in den Sparten Einzelhandel, Dienstleistungen für private Verbraucher und Finanzen. [Adverblog]
"Bloß keine alten Pappen verbrennen!" So spottet Andreas Rodenheber über eine Präsentation von Combots, die ihn stark an die späten 90er erinnert. Bubble 2.0? [Werbeblogger]
Man kann es aber auch untertreiben. Meint Wolfgang Sommergut und liest der "trostlosen deutschen Debatte über Web 2.0" die Leviten. Als Anlass und abschreckendes Beispiel dient ihm ein Spiegel-Online-Stück mit dem programmatischen Titel "Ich wär so gern Pixelmillionär". Sein Fazit, trocken aber wahr: "Während in den USA grundlegende Aufsätze wie jener von O'Reilly, zu AJAX oder Folksonomies den Boden für das Social Web bereiteten, gab es bei uns keine eigenständige Auseinandersetzung mit den neuen Entwicklungen im Web. Mit einiger Verspätung wurde schließlich hier die amerikanische Diskussion bruchstückhaft rezipiert. Um sich Vorurteile bilden zu können, reicht das aber offenbar." [Wolfgang Sommergut]
Und nächste Woche erzähle ich, wie ich Snarf finde, den Social Network and Relationship Finder von Microsoft Research. Gerade installiert.
Hoch hängen die Erwartungen an die Shoposphere. Und eines muss man Yahoo lassen: Unter PR-Gesichtspunkten war der Start optimal eingefädelt. Der Scoop blieb einem Blog namens Techcrunch vorbehalten, das vor dem amtlichen Start ins Beta-Dasein berichten durfte. Und mit der Ankündigung kommender Features wie Tagging, vor allem aber dem Plan, die fleißigen Listenbastler am Shopping-Umsatz zu beteiligen, hat Yahoo der an sich wenig spektakulären Geschichte den richtigen Dreh verpasst.
Was geht jetzt schon? Überall, wo bei Yahoo Produkte auftauchen, gibt es kleine Links ("Save to My Lists"), um das Produkt auf einer nutzereigenen Liste zu speichern. Wer sich an Amazon und dessen Wishlists erinnert fühlt, liegt nicht ganz falsch. Schön ist die Option, eine kleine Erläuterung zu schreiben. Was ganz klar fehlt, ist die Möglichkeit, Links zu setzen. Alles bewegt sich im walled garden von Yahoo. 360 Grad, sozusagen.
Andere Nutzer können Listen bewerten ("Was this list helpful?") und Kommentare hinterlassen. Alles schön gemacht, keine Frage, aber das Rad des E-Commerce ist damit nicht gerade neu erfunden. Auch mit Umsatzbeteiligung bewegen wir uns hier eher im Bereich Marketing, Media und Publishing.
Die Shoposphere ist insofern mit Adsense vergleichbar: Yahoo gibt künftig einen Teil der Erlöse an Nutzer weiter, die es irgendwie, aber nachweisbar geschafft haben, am Weg eines Käufers zu seinem Wunschprodukt zu sitzen. Im Unterschied zu Adsense kann die Shoposphere allerdings nur den Kauf vergüten, nicht den Klick. CPO statt CPC. Ball flachhalten, liebe Kollegen!
Ach ja, fehlt noch der Link zur Fischmarkt-Liste.
Der ehemalige ostdeutsche Fotofilmproduzent und heutige Bilderentwickler Orwo profitiert von der Beliebtheit der Digitalfotografie. "Immer mehr Menschen wollen ihre per Digitalkamera aufgenommenen Bilder zu jeder x-beliebigen Tageszeit von ihrem Computer aus direkt zum Entwickeln an ein Fotolabor schicken und im Gegenzug die Abzüge auf Fotopapier bequem auf direktem Wege per Post nach Hause bekommen", sagte der Geschäftsführer der ORWO Net GmbH, Gerhard Köhler, der dpa. Die Nachfrage werde laut Prognosen stark steigen. Demnach werde es 2005 in Deutschland mindestens drei Milliarden Fotoabzüge geben, die als digitale Bilder aufgenommen wurden.
Das ist sicher richtig und eine erfreuliche Entwicklung - denn irgendwo müssen sie ja hin, die ganzen Digitalies. Ich befürchte, daß diese analoge Bilderblüte von kurzer Dauer ist. Ich sage nur: Flickr.com. Archivieren und publizieren über einen Kanal. Die Materialisierung wird nur noch einigen ausgesuchten Exemplaren vergönnt sein.


















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