Kritik kommt von altgriechisch kritein, „[unter-]scheiden, trennen“. Der Kritiker braucht Kriterien, mit deren Hilfe er unterscheiden kann - das Gute vom Schlechten zum Beispiel, oder das Erfolgreiche vom Erfolglosen.
Unternehmen aller Art haben ein hartes Erfolgskriterium, das sich am Gelde bemisst. Oder genauer: daran, wie viel am Ende, wenn alle Rechnungen beglichen sind, noch übrigbleibt. Sie geben ihr Geld nur aus, wenn sie Rückflüsse erwarten können, die höher sind als die Ausgaben.
Unternehmerische Bedenkenträger kommen immer dann ins Spiel, wenn diese Erwartung nicht realistisch erscheint. Dann zögern sie mit dem Geldausgeben, und die Macher bekommen nicht die Mittel in die Hand, die sie gern hätten.
Die Aufbruchstimmung vom Vorjahr ist vorbei. Das war auf der next07 klar zu sehen. Doch gibt es jetzt tatsächlich eine Kluft "zwischen dem kleinen gallischen Dorf voller Visionäre und dem Römischen Reich der Bedenkenträger in ihren von Firmenpalisaden umzäunten Parallelwelten", wie Oliver Gassner in Telepolis schreibt?
Nein! In den Unternehmen herrscht weiter Aufbruchstimmung, bestimmt die Lust am Internet, an der Kommunikation mit dem Konsumenten das Bild. Zu Bedenkenträgern sind indes die Blogger geworden. Der Fall Shoppero zeigt das überdeutlich.
Shoppero ist ein Qype für Produkte, das seine Autoren an den Werbeerlösen beteiligt. Eigentlich ganz einfach und vor allem eine Antwort auf die Frage, was denn die Nutzer auf den ganzen sozialen Netzwerkplattformen von ihrem Engagement haben (außer Ruhm, Ehre und Karmapunkten).
Geld ist prinzipiell keine schlechte Sache. Man könnte zugespitzt sagen: Selbst wenn Beiträge bei Shoppero nur deshalb geschrieben werden, um damit den Abverkauf irgendwelcher Produkte zu fördern, ist das kein Problem - solange es verkauft. Das nennt sich dann wohl Social Commerce.
Dabei bleibt allenfalls der neue Spitzenwert Authentizität (Bolz) auf der Strecke, dem sich die Bloggerszene mit Haut und Haar verschrieben hat. Doch was ist Authentizität anderes als hochselektive Wahrnehmung, als der zum Prinzip erhobene blinde Fleck?
Jede Beobachtung hat ihren blinden Fleck. Blogger jedoch machen diese Art von Blindheit, die ins Extrem getriebene selektive Wahrnehmung zum Prinzip. Eine Kunstfigur wie Don Alphonso lebt genau davon. Hinter dem wortreichen Gestus der Allwissenheit, hinter der aufs Höchste gesteigerten Subjektivität steckt die blanke Realitätsverweigerung.
Don Alphonso, das alter ego von Rainer Meyer, existiert nur im Netz. Die Figur funktioniert nur digital. Im echten Leben kann Meyer diese Rolle nicht ausfüllen. Und folgerichtig bleibt er Ereignissen wie der re:publica oder der next07 fern. Was dort geschieht, will und kann er nicht wahrnehmen. Muss er auch nicht. (Auf "vielen Kongressen" war er jedoch, siehe unten.)
Was beim Don mit seiner messerscharfen Intelligenz und klassischen Bildung noch seinen intellektuellen Reiz hat, ist bei seinen Adepten eher peinlich. Die jakobinische Gebärde des Don ist witzig, aber die heraufziehende Terrorherrschaft eines marodierenden Mobs macht keinen Spaß mehr. Es wird Tote geben.
Worum geht es?
Es geht also um menschliche Beziehungen. Die sind langfristig, man muss auf idealerweise auf immer denken, und nicht nur auf drei Tage oder bis zum nächsten Kommentar. Denn die Beziehung wird es immer geben, und wer die einmal ruiniert, wird lange daran zu kauen haben, und muss froh sein, wenn alles, was man da reingesteckt hat, am Ende gerade mal einem Gefühl der Wurschtigkeit weicht.
Man muss Jens Kunath nicht mögen, schlechte AGB sind schlechte AGB und Sicherheitslücken sollen nicht sein - das ist alles richtig. Aber kein Grund, mit dem Fallbeil durch die Lande zu ziehen. Es sei denn, es ginge nur um Terror, notdürftig mit dem Mäntelchen der Reinheit bedeckt.
Der Konsument hat die Macht bereits übernommen. Er wird auch die jakobinische Schreckensherrschaft hinwegfegen. Der 28. Juli kommt. Die Frage ist nur, in welchem Jahr.
Warum geht mir schon den ganzen Tag so ein Lied von den Ärzten im Kopf herum?
Ist Shoppero nun speziell für Blogger gemacht worden oder nicht? Sind gute Produkte eigentlich wirklich wichtig? Ist es schlimm, wenn beim neugekauften Auto die Bremse nicht geht? Ist es verständlich dass täglich tausende von Menschen in T-Punkt-Läden ausflippen und wirklich körperlich ausrasten? Sind das schlechte Menschen? Und ist dieser Epos hier aus dem Elfenbeinturm nicht genau das gleiche wie der hier beschriebene blinde Fleck?
Herr Breitenbach, vielleicht übersteigen Ihre Ausführungen meine intellektuelle Aufnahme- und Verarbeitungsfähigkeit aber ich verstehe nicht worauf sie hinauswollen. Können Sie das noch einmal klarer herausstellen?
zu 1.: Keine Ahnung, frag Nico.
zu 2.: Was ist schon wirklich wichtig?
zu 3.: Klar, aber wie oft kommt das vor?
zu 4.: Ist das so?
zu 5.: Das habe ich nicht zu beurteilen.
zu 6.: Nein. Blinder Fleck ja (geht nicht anders), aber nicht als Prinzip.
@Jonathan: Herr Recke scheint es zu verstehen, das reicht! :-)
@Martin Recke:
zu 1: Ich fürchte der spricht nicht mehr mit mir
zu 2: Gute Produkte zum Beispiel die Leib & Seele nicht gefährden
zu 3: Eben scheinbar nicht so oft wie im Web
zu 4: Ja das ist so, dazu gibt es bei der Telekom sogar einen eigenen "Eskalationsbutton" der wird in der Datenbank eingetragen wenn mal wieder ein Kunde ausflippt. Ich kenne Leute die da arbeiten.
zu 5: Naja andere Leute beurteilen sie dafür schon ganz gut
zu 6: Sie meinen das Prinzip "Kritik"? Nun gut, man könnte hier genauso das Prinzip Lobhudelei anmerken.
zu 1.: Das wird Gründe haben.
zu 2.: Einverstanden.
zu 3.: Der Vergleich hinkt gewaltig.
zu 4.: Interessant. Ich erkenne nur den Zusammenhang nicht.
zu 5.: Aha.
zu 6.: Wollen Sie nicht einfach mal konkret werden? (Gilt auch für die Punkte 1 bis 5.)
Dazu müssten Sie zunächst einmal konkreter werden. Ist ihr Artikel eine persönliche Fehde mit Don Alphonso, eine Verteidigung von Shoppero oder ein Rundumschlag gegen kritische Blogger. Oder alles zusammen? Wer weiß, vielleicht fühle ich mich ja gar nicht angesprochen...
Weder noch. Der Don dient mir nur als abschreckendes Beispiel, der Fall Shoppero zur Illustration für den Stimmungswandel in der Bloggerszene. Und Kritik finde ich gut, vermisse sie (als die Fähigkeit zur Unterscheidung) aber gerade bei jenen Bloggern, die Sie vielleicht als "kritisch" bezeichnen. Statt Kritik haben wir jetzt Lynchmob-Blogging, und das finde ich schlecht.
Wer ist denn nun die Bloggerszene? Nun mal Butter bei die Fische! Alle die sich kritisch zu Shoppero geäußert haben oder nur die, die sich heftig kritisch geäußert haben?
Übrigens ist "Lynchmob-Blogging" fast so wohlklingend wie einst die Klowände. Können Sie das noch genauer erklären?
Mir kommt es fast so vor, als ob man nicht nur den Hund, sondern plötzlich das ganze Rudel getroffen hat.
Es gibt vereinzelt "Lynchmobs", ja, aber ich halte von marzialischen Begriffen -auch übrigens im Zusammenhang mit den Marketing-Begriffswelten- wenig. Nun aber nicht das Kind mit dem Bade ausschütten. "Wir" haben das, was bei unglücklicher Kommunikation nun mal passiert: Auf der einen Seite hohe und aufgebaute Erwartungshaltungen -auf der anderen Seite (berechtigte inhaltliche) Kritik, die einfach nicht so belastbar ist wie bei einem klassischen Open-Source Projekt.
Beim Wort Terror wurde mir dann endgültig klar, was für Leute bei SinnerSchrader arbeiten, erschreckend - kann mir das irgendwer bestätigen, die haben nicht wirklich das Totschlagargument Terror mit einfliessen lassen, oder? Ist mein Monitor defekt?
Die Universität des Terrors, ich habe sie gefunden. Omfg...
Dämlicher und peinlicher gehts nicht...
Chris, Terror heißt einfach nur Schrecken. (Ich bin nicht überrascht, dass Du das Argument nicht verstehst und stattdessen ad hominem zuschlägst.)
Patrick, hätte sich denn mal jemand kritisch geäußert! Was wir statt Kritik in den letzten Tagen gesehen haben, war ein wilder Lynchmob.
Einen Trend zur Stampede gibt es in der Bloggerszene ja schon länger. Inzwischen geht einfach jedes Maß verloren, und die Lust am blinden Draufhauen dominiert.
Okay, dann falle ich also auch definitiv unter den Begriff Fischmob äh Lynchmob. Danke für die klaren Worte! Jetzt weiss ich wo ich hier dran bin. Mir scheint, als sei hier gerade der Cluetrain abgefahren.
Oh, bitte, wer keine Ahnung von geschichte hat, möge bitte still schweigen, da hilft auch kein bei Wikipedia zusammengeklautes Wissen. Und darauf hinzuweisen, dass SinnerSchrader den Gassner bezahlt, der nette Sache dann bei Telepolis schreibt, ist noch nicht mal Kritik. Sondern Anstand.
Herr Recke, entweder sie sind dumm oder ein Lügner. Ich war auf vielen Kongressen. Nur Ihre gekaufte Jubelperserveranstaltung habe ich abgelehnt, eben wegen solcher Gestalten wie Ihnen.
Du bekommst die Tage Post von mir, lieber Martin. :)
"Kritik und Terror schließen einander aus". (Georg Lukacs, Die Zerstörung der Vernunft)
Und: In den Diskussionen auf der Next07, wo wirklich das Wort "Mob" fiel und nicht im Sinne der bewunderten "Smart Mobs" von Howard Rheingold gemeint war, ging es um Digg.com, nicht um Shoppero.
Don, Oliver Gassner hat für den Fischmarkt im vergangenen Jahr gegen Honorar von verschiedenen Veranstaltungen berichtet. Mehr nicht. Zur next07 habe ich ihn eingeladen. Was er für die Telepolis schreibt, entzieht sich meinem Einfluss. Es ist die Entscheidung der Redaktion, von wem sie ihre Texte kauft.
Erlauben Sie eine Rückfrage: Wer war auf vielen Kongressen - Don Alphonso oder Rainer Meyer? (Ich füge oben eine Klarstellung ein.)
Sie kennen weder mich noch SinnerSchrader. Was Sie über uns schreiben, ist reines Klischee. Mag sein, dass Sie das für Ihre Selbstinszenierung brauchen. Der Realitätsbezug fehlt indes.
Patrick, wenn Sie meinen... Ich habe beim Werbeblogger nur die Sperrfrist-Geschichte gelesen, die eher einen Randaspekt betraf. Die getroffenen Lynchmob-Hunde haben hier ja schon brav gebellt.
das ist der Unterschied zwischen einem Journalisten und einem PRler: Journalisten recherchieren und lügen vielleicht dann, PRler lügen und sind dann auch noch zu faul zum Recherchieren.
So ist das mit den PR'lern: Greifen für den kleinsten Furz ganz tief in die Kiste mit den sprachlichen Pretiosen. Und kommt's zu wirklichem 'Terror', dann fehlen ihnen die Worte ...
Von PR'lern, Journalisten und hauptberuflichen Bloggern erwarte ich Professionalität in der Kommunikation.
Für Lynchmob-Blogger (den Begriff finde ich gut und richtig) scheint Bashing das einzige Mittel zu sein, um gelesen zu werden. Solange sie ihre Leser finden, ist das ja ok. Aber ernst nehmen kann ich sie nicht.
Ich habe mich schon einmal mit der Kritik von Don Alphonso in einem Artikel beschäftigt, Über die Kritik, und ich versthe nicht, warum hier auf die Person und nicht auf den Inhalt der Kritik eingegangen wird. Es kommt doch gar nicht drauf an, wer die Kritik äußert, vor allem wenn sogar hier gesagt wird, dass die AGB ihre Lücken aufweisen, um es mal vorsichtig zu formulieren.
Immer, ja wirklich immer…
Herr Recke, ich weiß gar nicht warum Sie sich auf Don Alphonso einlassen. Kindergarten fällt mir da nur ein. Ja, auch Sie, Herr Recke. Haben Sie nicht schon in der zweiten Klasse gelernt, dass man rumkrakeelende Schreihälse am besten ignoriert? Don't feed the troll. Es kommt doch sowieso nichts dabei raus.
Es geht nicht um den Don, sondern um den Moment, in dem Kritik in Terror umschlägt. In dem blanker Hass auf das Fremde durchschlägt und jeder, der das kritisiert, mundtot gemacht wird. Und in dem eine selbstgeschaffene Scheinrealität dominant wird, die sich nur durch auf die Spitze getriebene selektive Wahrnehmung am Leben erhalten lässt.
Diese selektive Wahrnehmung wiederum lässt sich gut am eigenen Beispiel illustrieren, denn was Don über uns schreibt, ist fast völlig ohne Realitätsbezug. Reines Klischee. Der Mann ist komplett ahnungslos, tut allwissend und pflegt seine Paranoia.
Fazit: Auch in der Sache berechtigte Kritik kann in Terror umschlagen, wenn sie aus der Form gerät, kein Maß kennt und ihren Realitätsbezug verliert.
Nun, aber du redest schon wieder vom Don und siner Kritik und nicht von der Kritik oder ihrem Inhalt. Die Kritik ist doch nicht das Werkzeug des Terrors, um mit deinen Worten zu arbeiten. Wenn schon, dann wäre der Don der Terror, aber die Kritik sogar von einem Terroristen Berechtigt, so sie in der Sache berechtigt ist.
Das sind doch zwei vollkommen unterschiedliche Ebenen, die nur in der Hitze des Gefechts durcheinander geraten aber doch bei klaren Kopf getrennt werden sollten.
Zudem kritisierst du hier auch nicht den Don, sondern benutzt eine Sprache, die dem Inhalt seiner Texte doch wirklich nicht nahe kommt. Verstehe mich bitte nicht als Jünger des Bösen, aber Bin laden und Don, nein.
Eine gewisse sprachliche Heischerei mag ja anregend für einen Artikel sein, aber so? Die Vergleiche sind unpassend, die Ebenen sind nicht klar getrennt und deshalb weiß ich immer noch nicht, ob es in diesem Artikel um Kritik geht oder um den Don.
Wenne s nämlich um den Don geht, den kenn ich ja nicht mal, tragt das aus, aber verzichtet doch auf so eine totschlag-sprache. da sind wüste Beschimpfungen doch echt besser geeignet, als unbeteiligte Terroristenopfer indirekt zu verunglimpfen.
Ich will nicht den Moralapostel raushängen lassen, wie stünde er mir auch zu, aber seinem Ärger kann man doch auch anders Äußern, differenzierter?
Fischmarkt der Eitelkeiten
Sören, genau das ist mein Punkt: die Totschlag-Sprache von Don & Co. - das ist keine Kritik, sondern er und seine Adepten verbreiten Angst und Schrecken (Terror heißt genau das - Schrecken). Ihre Methoden sind Einschüchterung und Bedrohung.
Mit Terrorismus, Bin Laden und RAF hat das erst einmal wenig zu tun. Mit Meinungsfreiheit und Dialog aber auch nicht. Sehr viel hingegen mit maßlosem Egotrip und dem Pippi-Langstrumpf-Prinzip: Ich mach mir meine Welt, widi-widi-wie sie mir gefällt.
Ähh pardon, aber ist die Wortwahl "Terror", "Bedrohung", "Angst" etc. nicht die gleiche Art des von Ihnen hier kritisierten Totschlag-Sprechs?
*sichfragendamkopfkratz*
Vielleicht. Im Gegensatz zum Don und seinem Lynchmob beanspruche ich für mich aber auch keine moralische Perfektion. Ich versuche nur, die Dinge auf den Punkt zu bringen. Sicher überspitzt.
Die Reaktionen zeigen allerdings überdeutlich, wes Geistes Kind die Jungs sind.
"Vielleicht. Im Gegensatz zum Don und seinem Lynchmob beanspruche ich für mich aber auch keine moralische Perfektion. Ich versuche nur, die Dinge auf den Punkt zu bringen. Sicher überspitzt."
Ich bin verunsichert, Herr Recke. Ich habe Don Alphonso immer als überspitzte Kunstfigur verstanden. Dem einen ist er zu überspitzt, der andere findet das ziemlich amüsant. Ich fürchte überspitze Kommunikatoren wie Till Eulenspiegel, Borat, Stefan Raab oder die Redaktion vom Simplicissimus waren/sind nicht wirklich Jedermanns Sache. Komischerweise empören/empörten sich viele Menschen ziemlich stark darüber, vor allem die, auf dessen Kosten die "Späße" gingen.
Aber tragen sie nicht alle doch mitunter einen wahren Kern zu Tage und über manche ärgern und über manche lachen wir?
Dem kann ich mich nur anschliessen Herr Breitenbach, allerdings finde ich es auch sehr grenzwertig, wenn sich eine Kunstfigur des Vokabulars einer düsteren braunen Vergangenheit bedient und damit in meinen Augen und Ohren die von mir auch sehr geliebte Bühne der kultivierten Ironie verläßt. Ohne Bild und Namen, versteckt hinter einer Kunstfigur, die in seinem Blog das Kommentieren nur per Registrierung erlaubt, ergibt das einen seltsamen Geschmack.
@ajl: Bild und Namen gibt es ja.
Klar ist das Vokabular grenzwertig. Mein Geschmack ist das auch nicht. Aber es ist weiterhin die Stilistik der Kunstfigur. (Borat ist ja ein Paradebeispiel für sowas) und jeder definiert für sich selbst wo Kultiviertheit anfängt und aufhört.
Allerdings ist das von Herrn Recke gewählte Vokabular genauso grenzwertig, nur dass Herr Recke keine Kunstfigur ist, sondern ein größeres Unternehmen mit einer bestimmten Kommunikationsphilosophie nach außen vertritt. Er sollte sich also entscheiden, ob er lieber Kunstfigur oder getroffener Hund sein will. Ein wenig mehr Gelassenheit, ein wenig mehr Cluetrain würden ihm in diesem Fall sicher nicht schaden.
Naja und mich würde immer noch interessieren, wen er alles zum "Lynchmob" zählt.
Er bedient sich nicht nur des Vokabulars, sondern auch der Methoden jener Vergangenheit. Ich hatte es vorher geahnt, mit jenem Video oben vielleicht auch provoziert, aber nun habe ich es schwarz auf weiß (naja, alles nur Bits).
Darauf hätte ich gern verzichtet.
Nun gut, ich seh schon, mit einem vernünftigen Dialog ist hier nicht mehr zu rechnen. Zeit zu gehen. Viel Spaß noch beim gegenseitigen "bekriegen".
Patrick, bevor ich die Zeilen ganz oben schrieb, war ich nicht in die Affaire involviert. Es sind meine Beobachtungen zum Fall Shoppero, mit dem ich nichts weiter zu tun hatte als dass Nico das Projekt auf der next07 vorgestellt hat.
Den Dreckskübel haben Don & Co. erst danach über mich ausgekippt. Wie es so ihre Art ist.
Man lese einfach mal den gesammelten Bullshit nach, der vor dem Launch geschrieben wurde. Für die Jungs von fixmbr stand das Urteil ("Scheißdreck") schon fest, bevor sie auch nur ansatzweise wussten, worum es geht. Und das ist wirklich neu - dass ein neues Projekt schon durch den Dreck gezogen wird, bevor mehr als nur der Name und die Betreiber bekannt sind.
Und noch ein Satz zum Don: Er kommt ja oben nur en passant vor, als Beispiel. Mit seiner Rolle als Hoherpriester (Oetting) habe ich mich dort noch gar nicht beschäftigt.
Und ist die Feststellung, dass die Kunstfigur Don in der wirklichen Welt nicht funktioniert und dass sie ihre Authentizität aus hochselektiver Wahrnehmung gewinnt, schon eine Majestätsbeleidigung? Wohl kaum.
Für mich sieht das schon so aus, als hätte ich da einen wunden Punkt erwischt und deshalb die Wucht seiner Folterinstrumente erleben dürfen. Seine Angriffe ad hominem zeigen auch, dass er in der Sache nichts zu sagen hat.
Noch einmal zugespitzt: Ich kritisiere Terror und werde dafür mit Terror überzogen. Das ist natürlich eine sehr überzeugende Widerlegung meiner Argumentation, wirklich. Brilliant.
Ich wundere mich immer wieder, wie die Leute auf den Taschenspielertrick mit der Kunstfigur hereinfallen. Dieser feine Herr rennt mit Schaum vorm Mund durchs Web, ballert in Amokläufermanier auf Ziele, die ihm gerade in den Kram passen und legitimiert den Rachefeldzug gegen irgendwelche New-Economy-Sünder von Vorgestern dann gerne als Präventivschlag gegen Wiedergänger. Allein dass man einen Turi bei jeder Gelegenheit als "Pleitier" abkanzelt, zeigt, dass es hier jemanden um unerbittliche Rache bis zum jüngsten Tag geht. Wenns dann aber mal eng wird für den Avatar Mr. Hyde, oder wenn die Gegenseite auch mal etwas unfairere Mittel auffährt, dann springt plötzlich der feine Dr. Jekyll in die Szene und droht mit Schwesterlein Anwalt.
Ohnehin seltsam ist ja auch dieser Feldzug gegen die Kommerzialisierung der Blogwelt: Hier inszeniert sich jemand als die Spitze einer Bewegung, der mit der finanziellen Unabhängigkeit des Erben regelmäßig kokettiert und folglich lässig auf einen Kommerz pfeifen kann, von dem sich andere nun mal eine Existenzgrundlage - in welcher Form auch immer - erhoffen. In so einer Position lässt sichs lässig pathetisch werden und von edlen Motiven wie Ehlichkeit und Mitmenschlichkeit schwärmen. Und ausserdem: Wie bitteschön möchte eine gespiegelete, un-fassbare Persönlichkeit politische und moralische Ernsthaftigkeit und Glaubwürdigkeit für sich in Anspruch nehmen?
Aber was sollte es ihn stören, solange seine Spielchen so gut funkionieren? Unter anderem macht ihm die von ihm so betitelte "Johurnallie" regelmäßig die Aufwartung - gerade hatte das DJV-Magazin zum Beispiel wieder einen Bericht über Blogs, in dem ein Zitat des geschätzten A-Listers Mr. Hyde nicht fehlen durfte...
"Ich kritisiere Terror und werde dafür mit Terror überzogen."
Terror? Welcher Terror? Sterben Menschen? Werden sie gefoltert? Fließt Blut?
Die Märtyrerattitüde kommt ein bißchen weinerlich herüber, wenn es bei Licht besehen nur um pointiert vorgetragene Kritik geht. Aber von hohler Attitüde ist der obenanstehende Beitrag ohnehin gekennzeichnet, wenn schon der erste Satz an der richtigen Ableitung der pseudogelahrt vorgetragenen Etymologie von "Kritik" scheitert.
Patjomkinsches Dorftheater, das.
Die versprochenen Taschentücher gehen heute per Päckchen raus. :)
"Jede Beobachtung hat ihren blinden Fleck. Blogger jedoch machen diese Art von Blindheit, die ins Extrem getriebene selektive Wahrnehmung zum Prinzip."
sie sollten ihren luhmann ganz dringend noch mal lesen.
so sich das obenstehende auf halbverdaute lektüre desselben bezieht, z.b. "die gesellschaft der gesellschaft" s.187. oder hier fünfter absatz von oben "theoriedesign"
@ maternus: Was hat das Wort "Terror" mit Sterben, Foltern und Blut zu tun? Denken Sie nur mal an den Telefonterror und schauen Sie danach in ein Fremdwörterbuch Ihrer Wahl.
Sorry... aber nachdem ich den Text und so einige Kommentare dazu gelesen hatte, habe ich massive Schwierigkeiten, meinen Mund wieder verschließen zu können.
Kann es sein, dass mit dem Artikel ein Versuch unternommen wurde, über pseudo-wohlgefeiltes PR-Geschreibsel eine gewisse Awareness in Klein-Bloggersdorf zu erheischen? So nach dem Motto: "Huhu Leute, ich bin auch noch da! Nehmt mich doch endlich mal wahr.. also echt!"
Wenn das der neue Stil ist, dann sehe ich schwarz....